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Déjà Vue – Nur schlimmer als 2008?

Von Rainer Rupp.

Während die Musik in den Salons des so genannten Weltwirtschaftsgipfels in Davos für die Milliardäre spielt und die herbeigeeilten Politiker und Presstituierten sich ehrerbietig den wirklich Mächtigen andienen, droht die Titanic der realen Weltwirtschaft in gefährliche Schieflage umzukippen. Angeführt von einem breit angelegten Einbruch der Finanztitel setzte sich letzte Woche die Malaise an den europäischen Aktienmärkten fort. Zugleich ist die prekäre Lage der Peripherieländer der Eurozone und deren nationale Bankensysteme wieder verstärkt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt worden, in Spanien, Portugal, Griechenland und insbesondere auch in Italien.

Vor allem italienische Bankaktien sind in den letzten Tagen und Wochen in den Keller gegangen. So ist z.B. der Kurs der alt-ehrwürdigen Banca Monte dei Paschi di Siena, SPA (BMPS) seit April letzten Jahres von 2,56 € auf derzeit 0,70 abgestürzt. Ebenso wie etliche Landesbanken der deutschen Sparkassen wollte auch die BMPS im großen Finanzkasino mitzocken und hat dabei verloren. Ebenso wie viele europäischen und amerikanischen Banken konnte auch sie nach 2008 nur noch mit staatlicher Hilfe (d.h. mit Steuergeldern) über Wasser gehalten werden. 2007 lag der Kurs der BMPS noch bei 89 €. Wie vor wenigen Tagen berichtete, werden die italienischen Anleger zunehmend nervös und fragen sich, wie es mit dem Bankensektor angesichts der von der EZB herbei manipulierten, extrem niedrigen Zinssätzen überleben kann und – eine noch viel drängendere Frage, wie die italienischen Banken über die auf 200 Milliarden Euro angehäuften Schulden je zurückzahlen sollen?

Um einen noch schlimmeren Absturz des italienischen Bankensektors zu verhindern, hat die Aufsichtsbehörde in Rom letzte Woche mal wieder in den „Freien Markt“ eingegriffen und vorübergehend den Aktienhandel ausgesetzt. Zugleich wurden – wie bereits während der letzten Krise – die Leerverkäufe von Bankaktien (also Spekulationen auf sinkende Kurse) verboten. Während dieses Maßnahme für viele Marktteilnehmer signalisierte, dass eine neue Krise bevorsteht, war sie dennoch ein Schuss in den Ofen, denn die Spekulanten umgingen das Verbot von Leerverkäufen indem sie die Preise der CDS-Kreditausfallversicherungen für BMPS und den gesamten Bankensektor nach oben trieben, wodurch Fremdgeld für die Banken erheblich verteuert wurde.

Die Situation der Bankenbranche in den meisten anderen Ländern der EU und des gesamten Westens ist nicht viel besser. Was sich in den letzten Jahren abgespielt hat, war ein Tanz der Banken-Zombies, der lebenden Toten auf einem Vulkan, der jederzeit wieder Feuer speien konnte. Denn das Problem der Überschuldung des gesamten Bankensektors ist längst nicht vorbei. Und das betrifft nicht nur Italien oder kleiner periphere Länder der EU, nein, auch in Deutschland fällt der Lack von der glitzernden Bankenfassade immer schneller ab, bereits das zweite Mal in 8 Jahren, und droht die reale Wirtschaft früher oder später mitzureißen. So ist der Kurs des deutschen Banken-Flaggschiffs Deutsche Bank (DB) seit August 2015 von 32 € auf derzeit 16,61 € abgestützt. Im Jahr 2007 musste man für eine DB-Aktie noch 102 € hinblättern. Und bei der Commerzbank ist die Entwicklung noch fataler. Stand deren Aktienkurs 2007 noch bei 228, dann bekommt man heute pro Aktie nur noch 7,52 €. Dabei haben Politiker, Banken und Medien immer wieder den Arbeitern und kleinen Angestellten auch in Deutschland eingeredet, sie sollten doch ihre Spargroschen fürs Alter in Aktien anlegen. Wer daran geglaubt hat und vor 8 Jahren für 1020€ zehn Aktien der Deutschen Bank gekauft hat, der hat jetzt nur noch 166€ in der Tasche, die Inflation nicht mitgezählt. Und es wird noch schlimmer kommen, wenn man Top-Ökonomen Glauben schenkt, die nicht länger den Mainstream mit geschönten Analysen bedienen wollen. Auf deren Seite hat sich nun auch William White geschlagen. Der ehemalige Chefökonom der BIS, der Zentralbank der Zentralbanken, und aktuelle Chefökonom der OECD hat am Mittwoch in Davos dem britischen Blatt „The Telegraph“ ein Interview gegeben, wonach das globale Finanzsystem „gefährlich instabil“ ist und wir „vor einer Lawine von Insolvenzen stehen, die die soziale und politische Stabilität (in Europa) testen wird“. Das europäische Bankensystem würde von Tausend Milliarden Euro Schulden erdrückt. Die Situation sei heute „schlimmer, als im Jahr 2007“ und „die makroökonomische Munition der Zentralbanken, um Einbrüche zu bekämpfen“, sei „im Wesentlichen aufgebraucht“. Und in dieser Situation gibt es kaum noch Hoffnung auf nachhaltige Verbesserung der realen Wirtschaft, im Gegenteil. Die schöne Fassade, wonach wirtschaftlicher „Fortschritt“ in Europa von Politikern und Medien ganz einfach mit dem Hinweis auf die hohen Kurse am Aktienmarkt und die niedrigen Anleihe-Renditen für Schatzbriefe „beweisen“ wurde, kann nicht länger das heranziehende Unwetter einer neuen Rezession verdecken. Für François Hollande und seine nur noch dem Namen nach „sozialistische“ Regierung sind die schönen Tage, wo sie sich hinter den von der EZB manipulierten Daten verstecken konnten, endgültig vorbei.

Die Menschen bewundern nicht mehr die „unsichtbaren Kleider“ des Kaisers, sondern sie haben erkannt, dass der Präsident nackt da steht und einer tief gespaltenen Nation vorsteht. So wird Frankreichs Stabilität durch immer neue Rekorde bei der Arbeitslosigkeit, durch wachsende Armut und Ungleichheit und durch eine aus den letzten Regionalwahlen sehr gestärkte anti-Euro und anti-EU/NATO Opposition erschüttert.

In einer angesichts der bevorstehenden Wahlen schon nach Verzweiflung riechenden Rede hat der „Sozialistenführer“ Hollande Anfang der Woche eingestanden, dass seine bisherige Wirtschaftspolitik nicht aufgegangen sei, dass sich Frankreich in einem wirtschaftlichem „Ausnahmezustand“ befinde und dringend weitreichende Reform notwendige seien, wobei er natürlich an die von Deutschland empfohlenen, Unternehmer freundlichen und Arbeiter und Gewerkschafter feindliche Maßnahmen im Stil von Gerhard Schröders „Agenda 2010“ und der so genannten Hartz IV –„Reformen“ denkt. Immer mehr Staatoberhäupter in der EU warnen zunehmend schrill, dass der Zusammenhalt der Union ernsthaft gefährdet ist. Vordergründig geht es um die Verweigerung der Aufnahme der Flüchtlingsströme. Viele Länder machen Kanzlerin Merkels explizite Einladungs- und Willkommenspolitik dafür verantwortlich. Aber die Risse in der Union gehen tiefer und nicht selten treffen jetzt diametral entgegen gesetzten Vorstellungen über Wirtschafts-, Währungs-, und Sozialpolitik kompromisslos aufeinander. Das betrifft auch den Streit über mehr oder weniger zentralstaatliche Steuerungen durch demokratisch nicht gewählte und legitimierte EU-Organe in Brüssel. Von der Slowakei, über Polen und Österreich, von London bis Brüssel hört man inzwischen immer häufiger Tabu-Brüche in Form der Infragestellung des Bestands der Union. Selbst EU-Kommissionschef Juncker befürchtete Anfang letzter der Woche schon, dass die heftigen Streitigkeiten “bereits der Anfang vom Ende sein könnten”.

 

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

7 Kommentare zu: “Déjà Vue – Nur schlimmer als 2008?

  1. Davos – Weichenstellung für den Countdown in die Finanzapokalypse

    Der Deutsche Aktienmuffel

    Ja, nach 2008 waren noch weniger Deutsche bereit, sich an Fonds und an Aktienkäufen zu beteiligen.
    Meinen Erkenntnissen nach, halten noch ca. 10% der Deutschen Aktien (Denke aber, dass es weniger sind). Das wird wohl auch niemanden, der bei klarem Verstand ist, wundern!

    Die schmerzhafte Erkenntnis 2008 – Feudalismus Reloaded

    Nach dem Raubzug 2008, durch Black Rock (Kapital ca. 4 Billionen Dollar), und anderen „angesehenen“ Finanzdienstleistern, in Bezug auf Anlageprodukte (Aktien und Fonds), war den Deutschen Bürgen, gänzlich der Appetit auf diese ungesunde Kost vergangen.
    Ca.10 Billionen Dollar wurde dem US-Amerikanischen Bürgen aus der Tasche geleiert, ohne Verbleibserklärung – AIG und Konsorten kringeln sich immer noch vor Lachen, und feiern wohl auch immer noch!
    Vertrauen der Bürgen in die Finanzmärkte, gleich null Komma null.
    Das ESM Desaster, ein weiterer Schritt zur Unglaubwürdigkeit.
    Die Schattenbanken, machen da weiter, wo sie aufgehört haben, nun mit noch mehr Fiat-Money und der Null-Zins Politik, der Schwarzgeldschmieden, EZB und FED.
    Der Mammon schlängelt sich durchs Dickicht der Schattenbanken, findet (nicht) neue Besitzer – Uns Bürgen, findet der Mammon aber nicht! Das Verhältnis des gesamten BIP der Welt (ca.70 Billionen Euro) zu dem Umsatz der Schattenbanken beträgt 1:10! 700 Billionen Euro an virtuellem Mammon – In deren Haut möchte ich nicht stecken, wenn Zahltag ist!
    Wir Bürgen vermissen auch immer noch 1400 Tonnen Gold, die dem Deutschen Bürgen gehören, und natürlich wissen wir Bürgen auch, das bei der FED nur noch Staub im Tresor liegt.
    Die Amis haben sich aus lauter Verzweiflung, das Ukrainische Gold „angeeignet“, damit sie auch mal wieder Gold im Tresor haben. So geht’s natürlich auch.

    Phase des Erwachens

    Nun, nach dem ein nicht unerheblicher Teil des Bürgertums, von dem Syndikat der Bankenmafia, bis auf die letzte Kopeke ausgenommen worden ist, setzt das kollektive Bewußtsein des Bürgen ein.
    Aktien – Nö, um Gotteswillen nicht, aber wohin mit dem Mammon, sofern einem noch was geblieben ist? Kohle auf dem Konto des Bankensyndikats, ohne Verzinsung, und in der Hoffnung, das die Racker schon auf mein Geld aufpassen und es behüten werden – da las ich ehr den Pfaffen, alleine auf meine Kinder aufpassen (Würde ich natürlich nicht tun, beides nicht)! Also bleibt nur noch Hardware – Edelmetalle!
    Häuser und Grundstücke gehen auch, aber werden in Finanzkrisen, auch gerne durch einen Grundschuldeintrag zu Gunsten des Staates mit vielleicht 30% vom Wert des Hauses belastet. In meinem Umfeld haben viele ihr überschüssiges „Vermögen“ in Edelmetallen angelegt. Edelmetalle haben den Vorteil, dass man bei einer Hyperinflation, sein erarbeitetes Kapital nicht verliert und gegeben falls werthaltige Tauschobjekte hat.
    Ich kann nur jedem Bürgen empfehlen, den Mammon, dem Bankensyndikat zu entziehen, weil der Crash bevorsteht. Ich wundere mich immer wieder, dass es die Micky Maus Währung der FED, noch gibt!
    Der Petro – Dollar
    TTIP, CETA, TISA dient der Micky-Maus Währung als letzter Rettungsanker, damit soll versucht werden den Petro – Dollar ein wenig länger über Wasser zu halten. Die Eurozone ist zum Steigbügelhalter amerikanischer Finanzoligarchen und deren Interessen verkommen.

    Countdown in die Finanzapokalypse

    Es wird so kommen, denn seit 2008, ist nichts gegen die Auswüchse der Bankensyndikate, die ungleiche Vermögensverteilung, das absurde bombardieren im Nahen Osten und die damit verbundene Fluchtbewegung in Richtung Europa unternommen worden. Die Schattenbanken, werden alle Banken zum kollabieren bringen, weil sie es nicht lassen können, am Rad der Verrücktheiten zu drehen.
    Regulierungen des Finanzmarktsektors wäre einer der wichtigsten Prämissen in Davos, aber Pustekuchen. Das wird hoffentlich das letzte Klassentreffen, dieses unseriösen Grusel – Kabinetts, denn ich glaube nicht wirklich, dass noch ein Jahr vergeht, bevor es scheppert!

    Ich sehne den Tag herbei, an dem die Evolution einen Sprung macht, und die Vernunft die Dummheit verlacht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

  2. Ein gut gelungener Artikel über die derzeitige Finanzlage. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis der Crash eintritt.
    Die Frage dabei ist nur, wielange und inwiefern gewisse
    Spielzüge der Strippenzieher es noch ermöglichen es hinausschieben zu können (und vor Allem auf Kosten von wem).

    Beste Grüße an das KenFm-Team
    Eure Sache ist lobenswert.

    Anbei kleinere Überarbeitungshinweise.
    [1.Abs.: „ist“ –> „sind“
    2.Abs.:“europäischen und amerikanischen“ –> „europäische und amerikanische“, „berichtete“ –> „berichtet“
    5.Abs.: „abgestützt“ –> „abgestürzt“
    6.Abs.:“notwendige“ –> „notwendig“, „gesetzten“ –> „gesetzte“, „Anfang letzter Woche“ –> „Anfang letzter Woche“]

  3. Danke für den Hinweis auf den Zustand italienischer Banken. Die Nachrichtenlage diesbezüglich ist ja eher mau, Mainstreammedien versuchen das Thema eher tief zu halten. Dabei war der Wechsel von Berlusconi zum ehemaligen Goldman Sachs-Mitarbeiter Mario Monti damals auch im Handumdrehen möglich, um ein „Durchregieren“ der EZB, die ja seit 2011 ebenfalls von Goldman Sachs-Mann Mario Draghi geführt wird, zu ermöglichen (http://goo.gl/0bAml).

    Die von EZB praktizierte Politik des „Quantitative Easing“ (oder auch Bazooka, wie Draghi es nennt) dient letztlich den Interessen der Vermögensbesitzer. Man blässt Unmengen an Kreditzusagen auf den Anleihemarkt um damit einerseits die zu zahlenden Zinsen auf u.a. italienische Staatsanleihen zu senken (zur Erinnerung, nicht Griechenland stand anno 2010 in besonderem Fokus „der Märkte“, sondern Italien, dessen Anleihen damals um die 7/8 Prozent gehandelt wurden). Zugleich verpufft der von Draghi & Co. erhoffte Effekt, den Interbankenhandel zu beleben. Seit 2015 befindet sich die Eurozone, um die es hier zuvörderst geht, in einer Deflation. Das gesamtwirtschaftliche Preisniveau wird gedrückt, wobei dieser Kurs zusammen mit der in Europa gefahrenen Austeritätspolitik genau das Gegenteil des Gewünschten erzeugt: mehr Schulden, mehr Insolvenzen, eine weitere Konzentration des Geldvermögens bei wenigen Vermögensbesitzern. Einzig es fehlt die Einsicht, dass die sogenannte Realwirtschaft – die der Warenproduktion, nicht der Akkumulation von Finanzkapital – nicht in Gang kommen kann. Banken leihen sich zwar billiges Geld von der EZB und verhökern ihre Kredite mit enormen Preisaufschlägen an Privatkunden. Jedoch verschuldet sich der Unternehmenssektor vor allem in Deutschland nicht. Und hier komme ich zur Kritik des Artikels von Herrn Rupp: den Schulden (Staatsschulden oder Privatschulden) stehen stets auch Forderungen gegenüber. Diese Forderungen bilden nicht nur den Kern der zuletzt von Oxfam global und vom Bundesarbeitsministerium national (http://goo.gl/4ar3N8) diagnostizierten Vermögenskonzentration (die genauesten Zahlen liefert jedoch weiterhin das DIW Berlin). Sie sind auch Teil des makroökonomischen Problems, dass Unternehmen keine Kredite mehr aufnehmen: es lohnt sich schlicht nicht zu produzieren, da keine effektive Nachfrage besteht. Wenn verfügbare Einkommen der Haushalte schrumpfen und das Ausland durch anhaltenden Exportboom dazu gezwungen, stets weitere Staatsschulden aufzunehmen, dann muss das zwangsläufig in einer Banken- als Finanzkrise münden. Und diese Finanzkrise schlägt dann – wie schon 2008/2009 – natürlich erneut auf die Realwirtschaft zurück. Mit Arbeitslosigkeit („Kurzarbeit“), einer Ausweitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse, die schon heute die reale Arbeitslosigkeit verschleiern sowie fallenden Löhnen und Sozialleistungen. Der Ökonom Heiner Flassbeck hat sich dazu treffend geäußert, hier: http://goo.gl/J5LVjz hier http://goo.gl/UCjLsx und in Vortragsform hier https://goo.gl/GyZvN2

    Dass dieses Problem schon Jahre anhält und die sogenannte Euro-Krise seit 2010 betrifft, wurde u.a. von Harald Schumann in folgender Dokumenation sehr gut aufgearbeitet: https://goo.gl/JYCPIm

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