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Niveauregulierung – eine Kolumne (1)

Von Bernhard Loyen.

Es gibt schlechtes und sehr schlechtes Fernsehen. Nicht nur in Deutschland, da die meisten Formate niveaulos, wie sich die Fernsehkreativen in diesem Lande meistens darstellen, auf deutsche
Bedürfnisse angepasst und kopiert werden. Sie werden aus dem Ausland eingekauft, lizensiert. Sobald die deutschen Fernsehmacher kreativ werden, wird es meistens nicht konsumierbar.

Sehr vereinzelt findet man sicherlich kleine Perlen im zweistelligen Sendersumpf. Diese werden jedoch aus strategischen Gründen, von Seitens der Sender, für Berufstätige zu meist unpassenden Zeiten nach 22Uhr platziert. Der Bürger soll inhaltslos anästhesiert werden. Im Unterhaltungssegment des Privatsenders Vox erschien erstmalig im Jahre 2014 das Format – In der Höhle des Löwen. Ursprünglich aus Japan – dort unter dem Namen Dragon’s Den – wurde es über Großbritannien nach Deutschland verkauft.

In der Show treten Erfinder und Unternehmensgründer mit innovativen Geschäftskonzepten an, die auf der Suche nach Risikokapital zum Wachstum ihres Unternehmens sind. Dabei stellen sie ihre Idee den „Löwen“ vor und bieten Geschäftsanteile in Relation zum vorher ermittelten Unternehmenswert an. Bei den „Löwen“ handelt es sich um echte Investoren, die ihr eigenes Geld in ausgewählte Unternehmen investieren und diese mit Hilfe ihres Wissens und ihrer Erfahrung fachlich begleiten[1].

Die Juroren stellen fünf sogenannte self-made Millionäre[2}. Der Juror Vural Öger ist ein türkisch-deutscher Unternehmer mit Schwerpunkt in der Tourismusbranche. Wie auch die anderen Juroren ging es ihm vordergründig natürlich um den Klingelbeutel. Es wurde von den Berufsmillionären sehr offen und ehrlich abgewogen, ob eine Idee überhaupt eine Chance am Markt hat. Jungunternehmer wurden des öfteren sehr trocken auf den Boden der Realität gezogen. Dies kann man durchaus als positiven Aspekt dieser Sendung benennen. Am Ende ging es jedoch den fünf Damen & Herren um nichts anderes, als eine Dynamisierung ihres Vermögens.

Wie man nun die Tage erfuhr ist Herr Öger pleite. Für seine beiden Unternehmen Öger Türk Tur und V.Ö.Travel musste er Konkurs anmelden. Laut Herrn Öger sind der türkische Premier Erdogan und – mal wieder – Russlands Regierungschef Putin daran schuld[3].

Nun wird es interessant. Eine Nachfolge für die dritte Staffel wollte organisiert werden, da der Erfolg der Sendung – Deutscher Fernsehpreis 2015 in der Kategorie Bestes Factual Entertainment, sowie die Auszeichnung mit dem Ernst-Schneider Preis[4] – fortgesetzt werden muss. Der Sender zauberte als Nachfolger Carsten Maschmeyer aus dem Hut. Wer ist dieser Mann? Etwaig bekannt als Lebensgefährte von Veronica Ferres, sollte diese Wahl genauer betrachten werden, um den eigentlichen Skandal zu verstehen.

Carsten Maschmeyer hat viele Menschen unglücklich gemacht. Man kann auch schreiben mutwillig und wissend ins Unglück gestürzt. Er hat tausende Bürger in Deutschland und Österreich mit seinem Unternehmen AWD[5] in den 2000er Jahren um ihr Erspartes gebracht, in die Altersarmut getrieben. Es geht um Geldanlagen in fragwürdige Fonds. Kläger wurden mundtot gemacht, oder es wurde solange prozessiert, bis man sich ggf. außergerichtlich einigte. Diesen Weg konnten sich jedoch die wenigsten leisten, da sie schlicht kein Geld mehr hatten. Eine mehr als aufschlussreiche Dokumentation zum System Maschmeyer produzierte das ARD Magazin Panorama im Jahre 2011[6].

Über eine Presseoffensive in Zusammenarbeit mit BILD versuchte Maschmeyer daraufhin die Panorama Redaktion zu attackieren. Auch dies wird in der Dokumentation thematisiert. Nicht wirklich überraschend erfolgte dann die Reinwaschung, ebenfalls in der ARD, über Frau Maischberger, die Menschenversteherin[7].

Die Panorama Sendung ist jederzeit auf youtube abrufbar, sollte man ein Interesse am Menschen /System Maschmeyer haben. Dies scheint in den Redaktionsräumen des Senders VOX nicht der Fall zu sein. Bewusst ? Nein, man landete vermeintlich einen sogenannten scoop[8].

War den Machern wirklich nicht bekannt, wen sie da in die Arena holen? Bis dato gibt es kaum, bis wenige kritische Stimmen in den Medien. Das ist skandalös, da Herr Maschmeyer als perfekte Besetzung eher gefeiert, als hinterfragt wird. Dem sog. Nachrichtenmagazin Stern ist die Vergangenheit genau ein Satz wert – Carsten Maschmeyer, seit sechs Jahren mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert, hat den Finanzdienstleister AWD gegründet[9]. Man weiß exklusiv aus Senderkreisen zu berichten – die anderen Löwen freuten sich auf den neuen Juror[9]. Gleiches gesellt sich zu gleichem, oder kennen sie vielleicht Herrn Maschmeyer nur als reizenden Gatten von Frau Ferres?

Man möge sich nur vorstellen geprellte, betrogene, traumatisierte ehemaligen Kunden schalten nichtsahnend in diese Sendung und sehen dort einen selbstzufriedenen Millionär schlaue Ratschläge an Jungunternehmer abgebend, um sich ggf. am Ende noch mehr zu bereichern. Der Schock wird sich mit Sicherheit einstellen. Diese Sendung heißt es schlicht zu boykottieren. Diese katastrophale Fehlbesetzung muss erklärt, am besten revidiert und ausgetauscht werden. Das ist der Sender den Opfern von Carsten Maschmeyer schuldig.

Seit dem 18.01.2016 gibt es eine online Petition gegen Maschmeyers Nominierung. Sie hat bisher 59 Unterstützer – bitte unterstützen:

https://www.openpetition.de/petition/online/kein-juryplatz-fuer-carsten-maschmeyer-bei-vox-die-hoehle-der-loewen

[1] – https://de.wikipedia.org/wiki/Die_H%C3%B6hle_der_L%C3%B6wen
[2] – https://de.wikipedia.org/wiki/Die_H%C3%B6hle_der_L%C3%B6wen#Mitwirkende
[3] – http://www.nachrichtenxpress.com/12/2015/oeger-pleite-erdogan-schuld/
[4] – http://ernst-schneider-preis.de/
[5] – http://www.spiegel.de/politik/deutschland/carsten-maschmeyer-das-ist-das-netzwerk-des-awd-gruenders-a-1002914.html
[6] – https://www.youtube.com/watch?v=fW5hwU4njDo
[7] – http://www.spiegel.de/kultur/tv/debatte-ex-ard-journalist-luetgert-ueber-maschmeyer-bei-maischberger-a-821823.html
[8] – http://meedia.de/2016/01/18/ein-hai-in-der-hoehle-der-loewen-maschmeyer-wird-tv-investor/

 

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

11 Kommentare zu: “Niveauregulierung – eine Kolumne (1)

  1. BZ 10.02.2016
    „ELTON JOHN:
    Der britische Sänger (68) kauft sich Musikalben, die er mag, gleich mehr-
    mals. „Eins für das Haus hier, eins für das in Frankreich, eins für das in
    England und eins für Atlanta“, erzählte er in einer US-Show. An einem
    digitalen Musikspeicher habe er kein Interesse – er habe nicht mal ein
    Handy:“Normalerweise habe ich einen Bodyguard dabei, er hat ein
    Handy.“(dpa)
    +++
    So eine Einstellung kann man nur haben, wenn man zuviel Geld hat!
    Was würde diese Welt sein, wenn jeder Mensch mit sehr viel Geld,
    auch nur einen Wohnsitz hätte? Was bedeutet das Wort Heimat, für
    für diese Menschen, die immerwieder umgarnt werden von Menschen,
    die sagen: „Investieren sie hier, dort und erst recht woanders, für ihre
    Altersvorsorge und Rendite!“
    Der Tag wird kommen – für jeden auf dieser Welt – wo die Zeit still steht,
    sie oder er wird Rückblick erhalten, über das ganze gelebte Leben. Das
    Resultat deines gelebten Lebens, entscheidet über dein Nächstes u.s.w.
    bis in alle Ewigkeit. Darum ist es wichtig, dieses Leben für das nächste
    Leben, richtig zu Leben, denn das 1.universelle Gesetz lautet:
    „ALLES WAS DU AUSSENDEST, KEHRT EINES TAGES WIEDER ZURÜCK!“

    • Der „C“TYP Dirk Stettner ist in der gleichen Branche wie Jeb Bush tätig und einer
      seiner besten Freunde ist Frank Henkel (CDU) und über diesen schreibt man u.a.:

      „Listen des Bundesrates zeigen: Kaum ein Landes-Ressortchef
      besucht so oft das Militärbündnis wie der Berliner Innensenator. …“

      http://www.berliner-zeitung.de/berlin/reisefreudiger-berliner-innensenator-henkel-besucht-die-nato—und-fehlt-in-berlin,10809148,33498824.html#plx758484398

      Am 7.11.2012 stand in der BZ u.a. folgendes:

      „… Die Berliner Sicherheitsbehörden haben sich in der Rekordzeit von zwei Tagen
      komplett in den NSU-Skandal verstrickt. In der politischen Verantwortung von Innen-
      senator Frank Henkel (CDU) und der fachlichen von Verfassungsschutz-Chefin
      Claudia Schmid wurden gesetzwidrig Nazi-Akten geschreddert. Es sind zehn Jahre
      alte Akten, die, gäbe es sie noch, auf jeden Fall nach Verwertbarem zum Zwickauer
      Terrortrio durchforstet worden wären. …“

      http://www.berliner-zeitung.de/berlin/kommentar-zur-berliner-nsu-affaere-ein-unerklaerliches-missverstaendnis,10809148,20816974.html

      Was sagte George Friedman bei Sieben Minuten und Zweiundzwanzig Sekunden:

      „Die alten Römer haben auch keine Truppen in entlegende Regionen außerhalb des Römischen Imperiums entsandt, sondern sie haben prorömische Könige dort eingesetzt.“

      https://www.youtube.com/watch?v=efAOEExv_e4

    • BZ – 22.06.2012
      „Abgeordneter wegen Betrugs verurteilt
      Dirk Stettner tritt als CDU-Kreisvorsitzender Pankow zurück
      VON IRIS BRENNBERGER
      Sichtlich geschockt blieb Dirk Stettner nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal zurück. Der 42-jährige, fraktionslose Abgeornete hatte mit einem Freispruch gerechnet. Doch das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Unions-Politiker und Unternehmer am Donnerstag zu einem Jahr Haft mit Bewährung, unter anderem wegen Subventions- und Kreditbetruges. Als Vorstandvorsitzender der gemeinnützigen Aktiengesellschaft Wisowerk habe Stettner im Jahr 2006 ein Darlehen über 100 000 Euro vom Integrationsamt Berlin mit falschen Angaben erschlichen, so das Gericht. Er habe sich zudem wegen Insolvenzverschleppung, Vorenthaltens von Sozialabgaben und Bankrotts strafbar gemacht.
      Er werde das Urteil nicht akzeptieren und dagegen Rechtsmittel einlegen, sagte Stettner. Dennoch zog er politische Konsequenzen und trat als Kreisvorsitzender der CDU Pankow zurück. Zuvor hatte er das Amt nur ruhen lassen. Außerdem war er wegen des Verfahrens aus der CDU-Fraktion des Abgordnetenhauses ausgetreten – bei Freispruch wollte er zurückkehren. Daran daran sei nun erstmal nicht zu denken, so Stettner.
      An fünf Verhandlungstagen hatte das Gericht Stettners Geschäftsgebaren als Chef der Wisowerk gAG durchleuchtet. Das Ergebnis, wie es der Gerichtvorsitzende in der mündlichen Urteilsbegründung darlegte, ist wenig schmeichelhaft für den Politiker. Seine Hausbaufirma beschäftigte vor allem schwerbehinderte Menschen und bekam dafür entsprechende Zuschüsse. Dennoch sei sie im Sommer 2006 so gut wie Pleite gewesen. Sozialbeträge wurden nicht gezahlt, Mitarbeiter bekamen ihre Löhne nur ratenweise, Handwerker blieben auf offenen Rechnungen sitzen. Der Gerichtsvollzieher kam.
      Im Juli 2006 beantragte die Firma beim Integrationamt ein Kredit über 100 000 Euro – wegen Liquiditätsschwäche. Dieser wurde abgelehnt, weil solche darlehen nicht für die Kosten des laufenden Betriebs genehmigt werden dürften, so der Richter. Im September 2006 stellte die Firma erneut einen Antrag – angeblich, um mit dem Geld neue Arbeitsbereiche einzurichten und so vier neue Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen. Als Sicherheit bot Stettner eine Immobilie, die ihm gehörte. Dieses mal wurde der Kredit genehmigt.
      Weil Stettner inzwischen die 100 000 Euro zurückgezahlt hat, sei dem Land Berlin kein Schaden entstanden. Es sei aber über die Verwendung der Summe getäuscht worden, so das Gericht. Statt neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen habe man „das Geld für den laufenden Betrieb, zum Stopfen der Löcher“ verwenden wollen. Die eingereichten Kreditunterlagen seien erheblich „geschönt“ worden.
      Stettner war bis November 2006 Vorstand der Firma. Anfang 2007 wurde das Unternehmen verkauft – für einen Euro. Im April 2007 wurde der Insolvenzantrag gestellt. Daraufhin forderte das Integrationsamt die 100 000 Euro zurück.
      „Ich bin nach wie vor überzeugt, niemanden betrogen zu haben“, so Stettner nach dem Urteil. Anders als vom Gericht dargestellt sei das Darlehen explizit zur Überbrückung der Liquiditätsprobleme gewährt worden. Im Verfahren hatte er beteuert, es sei ihm stets darum gegangen, Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen. Dies sei eine Schutzbehauptung, so der Gerichtsvorsitzende: Stettner sei „nicht erstrangig am Wohl der behinderten Menschen, sondern an seinem eigenen Wohl interessiert gewesen“.“

    • Die „3“ von der Berliner CDU sind:
      „Nach zwischenzeitlichen Austritten sind Christoph Brzezinski (29),
      Danny Freymark (33) und Lukas Krieger (28) heute wieder in der CDU aktiv.“

      http://www.berliner-zeitung.de/politik/video-nazisprueche-und-hakenkreuze-belasten-berliner-cdu-wahlkampf-23963476

      Dirk Stettner (CDU) ist auch kurz ausgetreten und ist dann wieder eingetreten.
      Hat er aus seiner Verurteilung gelernt? Fehlanzeige, er betrügt weiter ungeniert,
      wie die Klage vom 21.12.2015 beweist!

  2. Es kann durchaus als Skandal bezeichnet werden, dem Maschmeyer eine öffentliche Plattform zu geben. Insbesodere dann, wenn ihm eine Plattform gegeben wird, bei dem er sein „Wissen“ einer jüngeren Generation weitergeben kann.

    ABER. Jeder kriegt das Fernsehen, das er verdient. Private Fernsehstationen sind darauf angewiesen, dass sie ihre Werbeplätze bestmöglich verkaufen können. Je höher die Einschaltquoten, desto besser der Preis pro Werbeminute. Diese Sender versuchen also, durch gezielte Wahl der Sendeformate eine bestmögliche Quote zu erreichen. Was ihnen wiederum Geld zur Programmgestaltung in die Kassen spühlt. Am Ende sind es wir, die Medienrezipienten, die das Programm bestimmen. Fact ist nun einmal, dass internationale Sportereignisse wie eine Fussballweltmeisterschaft (FIFA lässt grüssen), Realityformate wie das Dschungelcamp oder der Bachelor einem Sender bessere Quoten bescheren als beispielsweise Dokumentationen über Nahrungsmittelspekulation. Aus diesem Grund emfinde ich die Kritik an VOX etwas kurz gegriffen. Erstmal sollten wir uns alle selbst an der Nase nehmen.

    A propos. Gut möglich, dass es sich bei der Wahl von Carsten Maschmeyer um einen bewussten Schachzug von VOX handelt. Greifen nämlich Medien, Foren oder in diesem Fall KenFM das Thema auf, so ist das gut platzierte Werbung für das Format. Und das wiederum erhöht die Quote. VOX ist es nämlich egal, ob ich mir eine Sendung anschaue weil mich das Format interessiert oder weil ich zusehen möchte wie sich der Maschmeyer bei möglichen kritischen Rückfragen windet. Für VOX ist ein Zuschauer, unabhängig von dessen Beweggrund, Teil der Quote. Und Quote ist Geld. Und sind wiederum die Löhne der Angestellten und Mittel für das Format von morgen.

    • Unfassbar finde ich,das der Maschmeyer überhaupt noch Frei rum laufen darf!Genau so wie den Schröder,der das ganze mitgemacht hat!Politik ist Pervers.

    • Naja ich weis schon wie die drauf sind, in Politik und Wirtschaft, mit (il-)legaler Korruption und dem Desinteresse an den Schicksalen den einfachen Leute. Es ist auch pervers, dass Anlageberater Rentnern raten, ihr bisschen Geld in Derivate zu investieren, die auf die Lebenserwartung alter Menschen spekulieren. Das ist generell pervers und menschenunwürdig, dass immer der Profit vor allem anderen steht.
      Genause überrascht es mich auch nicht mehr, und mit unfassbar meinte ich den Umstand, dass dieser Maschi sogar die Dreistigkeit besitzt, sich eiskalt auf diesen „Löwenthron“ zu setzen, wobei man doch meinen sollte, er weis, was er getan hat. Aus Geldnot tut er das mit Sicherheit nicht. Ob das purer Zynismus ist?

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