1985

Von Dirk C. Fleck.

SO GUT WIRD 1985: FRIEDEN, WOHLSTAND UND FUSSBALL…!
BILD-Headline

1985 war ein merkwürdiges Jahr. Boris hatte Wimbledon gewonnen, Die DDR vergrößerte ihr See-Territorium von drei auf zwölf Seemeilen, auf der Waldheide bei Heilbronn explodierte eine Treibstufe einer Pershing-II-Rakete. Michail Gorbatschow wurde Generalsekretär der KPdSU, Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior wurde von Agenten des französischen Geheimdiensts im Hafen von Auckland versenkt, das Wrack der Titanic wurde von den Forschern Jean-Louis Michel und Robert Ballard entdeckt und ich hatte einen Burnout. Den Begriff gab es damals zwar noch nicht, aber das Phänomen war einigen Ärzten bereits bekannt. Mein Arzt schrieb mich krank. Ich nutzte die Zeit, in der ich dem täglichen Redaktionsstress nicht mehr ausgesetzt war, um in meinem Leben wieder Orientierung zu gewinnen. Auf endlos langen Spaziergängen am Elbufer warf ich nach und nach den Gedankenmüll über Bord, der sich im journalistischen Alltagsgeschäft in meinem Kopf festgesetzt hatte. Journalisten sind ja im Grunde arme Würstchen, Erfüllungsgehilfen ihrer am Gewinn orientierten Verlagshäuser, denen es völlig egal ist, was, wie und warum etwas gerade passiert. Schließlich birgt jeder Tag das ganze pralle Leben und somit genügend Material, um daraus eine Plastik zu formen, die zwar nach diesem Material riechen, aber dennoch ihr ganz eigenes Aroma entfalten soll. Das Aroma der Bild-Zeitung etwa, des Spiegels oder auch der Hamburger Morgenpost, bei der ich damals beschäftigt war. Die Kunst des „Blattmachens“, wie es im Journalistendeutsch heißt, besteht ja darin, mit der Realität nach eigenem Gusto zu verfahren, sie geschmäcklerisch auf jenen Extrakt einzudampfen, der im jeweiligen Marktsegment den größtmöglichen Erfolg verspricht.

Die verschriebene Auszeit von dieser Fronarbeit hat mir gut getan. Sobald ich von meinen Spaziergängen zurück gekehrt war, schrieb ich auf, was mich unterwegs an erfrischenden Gedanken angeweht hatte. Ich habe diese Gedanken sogar nummeriert. Es sind 251 geworden, festgehalten in den Monaten Januar, Februar und März 1985. Das unveröffentlichte Manuskript trägt den Titel „La Triviata“ (von trivial), es ist mir vor einigen Tagen zufällig wieder in die Hände gefallen. Es enthält bemerkenswerte Texte, die ich täglich mit einer willkürlich ausgesuchten Meldung oder einem willkürlich ausgesuchten Kommentar aus der Medienlandschaft angereichert habe. Als Kontrastprogramm sozusagen. Mit dem Abstand von 31 Jahren wirken diese Zitate wie Ausstellungsstücke in einem Museum für Zeitgeschichte. An ihnen lässt sich ablesen, auf welche Weise Dummheit und Ignoranz in unserer Gesellschaft von den Medien zu einer Zeit gepflegt und verwaltet wurden, als die völlig weggetretene SmartphoneI-Generation noch nicht auf der Bildfläche erschienen war. Ganz nebenbei verraten sie uns, dass die gepflegte Sprache entgegen der landläufigen Meinung auch früher nicht im Journalismus beheimatet war.

Lassen Sie sich nun mitnehmen auf eine kleine nostalgische Reise ins Jahr 1985. Insgesamt waren es 90 Medienschnipsel, die ich gesammelt hatte, sie geben über dieses Jahr beredt Auskunft. Hier sind meine TOP 20:

20: SIE WIRD SEHR KRÄFTIG SEIN, DIE FRAU DES JAHRES 2100: SCHLANKER, SEHNIGER, DURCHTRAINIERTER ALS DIE FRAU VON HEUTE. VOLLER ENERGIE. MIT 60 NOCH WIRD SIE BABYS HABEN UND SPIELEND 150 JAHRE ALT WERDEN. DER WISSENSCHAFT GELINGT ES, DEN ALTERUNGSPROZESS ZU STOPPEN. MIT 70 WERDEN FRAUEN SO AUSSEHEN, WIE HEUTE DIE 30JÄHRIGEN. COMPUTER ERARBEITEN FÜR JEDE FRAU INDIVIDUELLE ESSPLÄNE AUS. NUR EINES WIRD SICH BIS DAHIN KAUM VERÄNDERT HABEN: DASS DIE FRAUEN IMMER NOCH ZUSTÄNDIG SIND FÜR DEN HAUSHALT. DER EINZIGE TROST: SIE WERDEN ROBOTER HABEN DIE WASCHEN, BÜGELN UND KOCHEN. SOGAR ROBOTER FÜRS BADEN UND WICKELN VON KINDERN. DER HAKEN IST NÄMLICH: DIE FRAU 2100 SOLL AUCH AGGRESSIVER, HÄRTER UND SEELISCH KÜHLER SEIN ALS HEUTE! BILD – Zeitung vom 29.3.

19: DIE LEUTE KOMMEN VON DÖRFERN, DIE LIEGEN 50 ODER 60 KILOMETER WEIT ENTFERNT, DA LAUFEN DIE ZU FUß, NUR UM DIE JAHRESSENSATION ZU SEHEN. DIE SCHLAFEN DA, DIE PFLANZEN DA SON PAAR KÖRNER, MEHR HABEN DIE JA NICHT ZU TUN, NICHTS, UND DANN KOMMT DIE WELTSENSATION, DIE RAYLLE-AUTOS, EINES NACH DEM ANDEREN. DIE KLATSCHEN, DIE SIND SO BEGEISTERT, MAN KANN SICH DAS GAR NICHT VORSTELLEN. WENN WIR DA NICHT DURCHFAHREN WÜRDEN, DANN WÜRDE DENEN WAS FEHLEN IN IRGENDEINER WEISE.
ARD-Sportschau vom 7.1.: Deutscher Rennfahrer auf die Frage, ob die Raylle Paris-Dakar nicht den „Buschfrieden“ stört.

18: DER WALD IST WICHTIG, ER IST SOGAR SEHR, SEHR WICHTIG. ABER NOCH WICHTIGER IST DAS RECHT DES EINZELNEN.
Niedersachsen Ministerpräsident Ernst Albrecht in einem Tagesschau-Interview zur Diskussion um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen vom 4.1.1985

18.1 – DAS AUTO FREIGESPROCHEN!  Überschrift zu einem Kommentar des Hamburger Abendblatts zur Entscheidung der Bundesregierung, Tempo 100 nicht einzuführen auf deutschen Autobahnen vom 13.1.

17: LIEBE HAMBURGER!
DIESEN BRIEF SCHREIBE ICH BESONDERS AN DIE JUNGEN UNTER IHNEN. DENN IN UNSERER STADT GAB ES IN DEN LETZTEN WOCHEN SCHRECKLICHE GEWALTAKTE. ZUNÄCHST STARB EIN JUNGER TÜRKE. ER WURDE DAS OPFER BRUTALER GEWALT. WENIG SPÄTER WURDE EINE TÜRKISCHE FAMILIE IN DER S-BAHN ÜBERFALLEN, AM WOCHENENDE WAR EIN JUNGER DEUTSCHER ZIEL EINES RACHEAKTS. SO GEHT ES NICHT WEITER. ICH WENDE MICH DESHALB AN SIE. ICH BITTE SIE ALLE, DIESE KETTE DER GEWALT ABZUREIßEN. HAMBURG WILL FRIEDEN.
IHR KLAUS VON DOHNANYI
Offener Brief des Hamburger Bürgermeisters in der Hamburger Morgenpost vom 31.1

16: VERBRINGE DEINE ZEIT OHNE FREIHEIT, UND DU WEIßT, WAS FREIHEIT IST. FREIHEIT IST, ZU MCDONALD ZU GEHEN UND ZU ESSEN UND ZU TRINKEN, WAS DU WILLST!
ZDF-Interview vom 5.1. mit einem in Deutschland stationiertem GI. Die Frage war: „Könnten Sie sich vorstellen, in der Sowjetunion zu leben?“

15: ICH LESE DIE MORGENPOST, WEIL SIE GANZ NAH AM LEBEN DRAN IST.
Karin Struck, Schriftstellerin, in einer Werbekampagne für die Hamburger Morgenpost vom 17.2.

14: DIE DEUTSCHEN SIND SO OPTIMISTISCH WIE LANGE NICHT MEHR. 57 % GLAUBEN, DASS IHR LEBEN GESICHERT IST. HIER EINIGE STIMMEN QUER DURCH DIE REPUBLIK: „UNSERE REGIERUNG MACHT MICH  SO OPTIMISTISCH, DASS ICH NÄCHSTES JAHR EIN HÄUSCHEN BAUEN WERDE!“ (HELMUT STYN, 46, ELEKTRIKER, HAMBURG) – „EINE EXPLOSION DER FESTFREUDE MACHT SICH BREIT!“ – (ELISABETH BACHHAUSEN, BONN)
BILD-ZEITUNG vom 23.1.

13: DEN MIT ABSTAND GESCHMACKLOSESTEN TITEL DER AUF DER BERLINALE VORGESTELLTEN TITEL HAT SICH HERBERT ACHTERNBUSCH, DESSEN „GESPENST“ EINST DIE GEMÜTER ERREGTE, EINFALLEN LASSEN: „HEILT HITLER!“ Frankfurter Rundschau vom 6.3

12: INDIEN WILL 260 000 SCHLACHTKÜHE KAUFEN, UM SIE VOR DEM TOD ZU RETTEN
Süddeutsche Zeitung vom 7.3.

11: „MEINE KINDER SCHULE GEHEN, ICH BIN GANZ ANGST. MEINE MANN ARBEIT GEHEN MIT ANGST, MEINE JUNGE ARBEIT GEHEN  MIT ANGST!“
Türkische Mutter in einem ARD-Interview über das Leben in Deutschland vom 16.3.

10: UM DIE VIDEO-SPIELFANS IN SCHLIPS UND KRAGEN NICHT AUFFLIEGEN ZU LASSEN, WENN DER CHEF ÜBERRASCHEND INS ZIMMER KOMMT, WURDE NEUERDINGS IN PROGRAMME WIE DEM RAUMFAHRTSPIEL „CHALLENGER“ EINE PANIKSCHALTUNG EINGEBAUT: AUF TASTENDRUCK ERSCHEINT AUF DEM BILDSCHIRM EINE NACH ARBEIT AUSSEHENDE TABELLE STATT DES SPIELS.
Der Stern vom 24.3.

9: ACHTUNG AUTOFAHRER! EINE MELDUNG ZU DEM GEMELDETEN FALSCHFAHRER AUF DER AUTOBAHN HANNOVER-KASSEL: DIESEN FALSCHFAHRER GIBT ES NICHT MEHR, SIE HABEN WIEDER FREIE FAHRT.
NDR-Verkehrsstudio vom 21.2

8: WENN AM WOCHENENDE PROFESSOR BRINGMANN SEINE PATIENTEN IN DER TV-SCHWARZWALDKLINIK KURIERT, SPÜREN DAS DIE ÄRZTE AM DRAUFFOLGENDEN MONTAG. DENN DANN HÄUFEN SICH PLÖTZLICH JENE KRANKHEITEN, DIE GERADE IN DEM FERNSEHKRANKENHAUS AKUT WAREN. OB ES SICH NUN UM RHEUMA, BLINDDARMENTZÜNDUNG, PSEUDOKRUPP ODER EIN DARMGESCHWÜR HANDELT, DIE GLEICHEN KRANKHEITEN TRETEN ÜBERMÄßIG GEHÄUFT IN UNSEREM LAND AUF. UND NICHT NUR DAS – DIE PATIENTEN VERLANGEN AUCH DIE MEDIKAMENTE, DIE SCHWESTER CHRISTA DEN KRANKEN VERABREICHT. NUR: DIE FERNSEHPILLEN EXISTIEREN IN WIRKLICHKEIT GAR NICHT!
Hamburger Morgenpost vom 13.2.

7: DER VORSTAND DER JÜDISCHEN GEMEINDE DÜSSELDORF HAT BESCHLOSSEN, DEN KORSCHENBROICHER BÜRGERMEISTER WILDERLICH FREIHERR VON MIERBACH GRAF VON SPEE WEGEN VOLKSVERHETZUNG UND BELEIDIGUNG ANZUZEIGEN. DER CDU-KOMMUNALPOLITIKER HATTE IN DER VERGANGENEN WOCHE WÄHREND EINER HAUSHALTSBERATUNG IM HAUPTAUSSCHUß DER 2700-EINWOHNER-GEMEINDE GESAGT, DAß „FÜR DEN AUSGLEICH DES HAUSHALTES EINIGE REICHE JUDEN ERSCHLAGEN WERDEN MÜßTEN“.
Frankfurter Rundschau vom 12.3.

6: WENN IM GLEICHEN HAUS EIN CALLGIRL WOHNT, UND DIE KUNDEN DER PROSTITUIERTEN ANDERE HAUSBEWOHNER BELÄSTIGEN, KÖNNEN DIESE 15 % VON DER MIETE EINBEHALTEN. AUCH „MERKWÜRDIGE BLICKE“ DER KUNDEN GENÜGEN SCHON, ENTSCHIED DAS BONNER LANDGERICHT (AZ:C187/85)
Hamburger Morgenpost vom 30.1.

5: WIR SIND KENNER DER MATERIE/ JEDER CROSSBALL WIRD GELOBT/ UND GELINGT EIN LOB IN SERIE/ DANN WIRD ALLGEMEIN GETOBT/ EIN PASSIERSCHLAG DER GELUNGEN/ WIRD SOGLEICH DANN KOMMENTIERT/ UND VOR FREUDE WIRD GESUNGEN/ WENN DER BORIS GUT SERVIERT: JA EIN  ASS/ DAS MACHT SPAß/ DAS ERFREUT DAS PUBLIKUM/ WENN WIR AUCH BEIM AUSBALL MECKERN/ SIND WIR DOCH EIN VOLK VON BECKERN/ VORHAND/RÜCKHAND/ BUMM-BUMM-BUMM
Lied in  den deutschen Charts, abgedruckt in der Bild-Zeitung

4: HALLO BAUM. HIER IST ER, WIE ICH`S DIR VERSPROCHEN HABE! VON DER NATUR REDEN VIELE, ABER MIT DER NATUR REDEN NUR WENIGE. ICH GEHE OFT ZU MEINEM LIEBLINGSBAUM. IN SEINEM SCHATTEN STAND MEIN KÖRBCHEN. SPÄTER SCHAUKELTE ICH AUF SEINEM STÄRKSTEN AST. AUCH MEINEN ERSTEN KUß BEKAM ICH DA. NOCH HEUTE PLAUDERN WIR GEMEINSAM ÜBER VERGANGENES UND WAS NOCH KOMMEN MAG. MEIN BAUM UND ICH. UND MEIN KLEINER FREUND DARF MIT. KAT LIEBT WIE ICH DIE NATUR. DER NEUE RENAULT 5 GTL MIT KATALYSATOR!
RENAULT – AUTOS ZUM LEBEN.
Anzeigentext im Stern vom 8.2.

3: EIN HEIßES DING LIEGT AUF DEM ST.-JOHANNER-MARKT VON SAARBRÜCKEN: EIN 6 METER LANGER, PHALLUSÄHNLICHER BAUMSTAMM – GESCHNITZT VOM SCHWARZWÄLDER KÜNSTLER FRANK GUTMANN. DAS WERK GEHÖRT ZU DER AUSSTELLUNG „DER BAUM“. KRITIKER: „EINE SAUEREI!“ GESTERN NACHT BEGOSSEN UNBEKANNTE DEN STAMM MIT BENZIN, ZÜNDETEN IHN AN. IM POLIZEIBERICHT WURDE NOTIERT: „DAS AUFGESTELLTE MÄNNLICHE GLIED BRENNT LICHTERLOH“.
Bild am Sonntag vom 18.3.

2: DAS HOPPELN VON KÖRPER ZU KÖRPER WIRD ALS LÄUTERUNGSWEG GESEHEN UND VERSPRICHT DEN GLÄUBIGEN EIN WEITERLEBEN NACH DEM TODE.
Der Spiegel zum Thema Wiedergeburt vom 22.1.

1: EIN JUMBO STÜRZT IN JAPAN AB, ALLE 524 INSASSEN TOT. UNGLAUBLICH. HAMBURGS KAFFEEKÖNIG AUF DER AUTOBAHN VERUNGLÜCKT, TOT. UNFAßBAR. TÖDLICHER UNFALL AUF DER RENNSTRECKE IN KANADA, SCHRECKLICH. EIN TAG, AN DEM MAN AN DIESER WELT VERZWEIFELN MÖCHTE. EIN TAG, AN DEM SPAß UND FREUDE VERGEHEN. TROTZDEM: WIR SOLLTEN UNS UNSERES LEBENS FREUEN. WENN AUCH MIT SCHLUCKBESCHWERDEN. ANLÄSSE GIBT ES NOCH: DIE BLUME, DIE BLÜHT. DER MENSCH, DEN MAN LIEBT. DAS HOBBY, DAS EINEN BEGEISTERT. DIE WELT IST SO SCHLIMM, DASS WIR UNS ZU DIESER FREUDE ZWINGEN MÜSSEN.
Kommentar aus der Hamburger Morgenpost vom 2.1.85

Jeder Blick in den Spiegel bedeutet eine kleine Vergiftung der Seele. Das ist es, was Pflanzen und Tiere uns voraus haben: keine Spiegel! Mein Versuch, die Spiegel zu meiden, entspricht dem Versuch, mich von den Informationen zu lösen, mit denen uns die Medien den freien Blick verstellen. Achtung vor hochglanzseitigen Kunstzeitschriften…!

Gedanke 240

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

5 Kommentare zu: “1985

  1. 1985, ich war gerade 15 Jahre jung (und Boris Becker Fan) , da hatte unser Chemielehrer uns die Aufgabe gestellt, ein Projekt über die Umwelt zu bearbeiten. Ich bin damals ein unheimlicher Fan des Rennsports gewesen und interessierte mich extrem für Motorentechnik. Es war auch die Anfangszeit der Fahrzeuge mit Katalysatoren für Benzinmotoren. Aber Dieselmotoren durften noch lange ihren Ruß in die Umwelt ballern. Ich entschied mich dieser Problematik anzunehmen und lass in diversen Zeitschriften ohne das Internet damals, dass Ruß in der Lunge zu Krebs führen konnte. Ich forderte Jahre bevor der erste Rußpartikelfilter verbaut wurde, dass durch eine extra Verbrennung der Rußausstoss erheblich gesenkt werden konnte. Diese Plakatwand hing ein Jahr in meiner Schule. Ich weiss, dass dieses Plakat jetzt natürlich nicht den Anstoss gegeben hatte, Rußpartikelfilter einzuführen, aber dennoch war es ein Teil eines Zeitgeistes, den ich mitgeprägt hatte. Und das beweist, wenn wir kleinen Fatzkes damals mit vielen anderen Rußpartikelaktivisten unsere Klappe gehalten hätten, wäre die Einführung vielleicht sehr viel später gekommen. Jeder noch so kleine Beitrag ist wichtig, um unsere Umwelt vor dem vollständigen Bankrott zu retten. Und ich danke Herrn Fleck dafür, dass er mich daran erinnert hat und mir wieder Mut gegeben hat, immer wieder einen Beitrag mehr aus mir herauszuquetschen. Jetzt werde ich als nächstes mit meinem Psycholgen mein Boris Becker Phlegma bearbeiten (lach). Wie konnte ich nur.

    Grüsse aus Berlin
    pooler1970

    • Ich meinte natürch statt Boris Becker Phlegma natürlich Boris Becker Stigma. Kleiner Aussetzer, sorry.

  2. Veganislove@ Tatsächlich ist die unberührte Natur die einzige wirkliche Erholungsmöglichkeit für uns.
    Nun wir wissen doch das bereits in den entlegensten und unberührten Ländern unser Dreck den wir ausstoßen und Produzieren längst angekommen ist.
    Uranstaub-Ruß-Plastik-Glyfosat und alles was mit Geoengineering zusammen hängt.
    Jeder der von Biotop oder Bio-Nahrung redet belügt sich doch nur selbst.
    Und würde es wirklich noch unberührte Natur auf unseren Planeten geben wäre doch sobald nur einer von uns nur einen Fuß darauf setzen würde auch keine unberührte Natur mehr.

    • Ist ja klar. Es wird alles immer relativer. Aber dennoch ist es immer noch ein Riesenunterschied, ob ich auf weichem Waldboden oder einer grünen, ungemähten Wiese wandele, oder mich auf hartem Asphalt zwischen Häuserschluchten bewege, wo es keine schönen Düfte gibt und eher nach Abgasen und Gullies stinkt. Und die Natürlichkeit meines glücklichen, frei lebenden, ungeimpften Katers z.B. ist auch immer eine wahre Quelle der Freude und Entspannung. Man kann „Natur“ schon noch erkennen und spüren. Und den Unterschied zwischen BIO und KONVENTIONELL gibt es auch in der Regel immer noch. Man kann das riechen, schmecken und messen.

  3. Zum In-den-Spiegel-Gucken ist mir der Gedanke von Nietzsche eingefallen, dass uns die Natur so angenehm ist, weil sie keine Meinung über uns hat.
    Tatsächlich ist die unberührte Natur die einzige wirkliche Erholungsmöglichkeit für uns. Deshalb wird es hier umso kriegischer, je mehr davon zerstört ist. Fürchte ich. Es kann vielleicht noch auf eine plötzlich einsetzende Vergeistigung der Menschheit als Ausgleich gehofft werden. Menschliche Liebebereitschaft und Erkenntnis ist auch Natur.

    Zu den Zeitungszitaten fiel mir ein witziger Ausspruch von Karl Kraus ein:
    „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten“. Aber passt natürlich heute auch noch.

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