29 Prozent der Deutschen befürworten Waffengewalt gegen Flüchtlinge

Von Kaveh Ahangar.

Mehr als jeder 4. Befragte (29 Prozent) in Deutschland hält es einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge für gerechtfertigt, unbewaffnete Asylsuchende mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern. Über ein Viertel der Deutschen sympathisiert also ganz offen mit faschistischen Methoden der Grenzsicherung.

Währenddessen verschärft die Kriegs- und Rüstungspolitik der NATO, Russlands, Assads und der Golfstaaten das Elend der Asylsuchenden. Momentan harren bis zu 30.000 syrische Geflüchtete an der türkischen Grenze aus und flüchten in Massen, weil die von Russland mit Luftschlägen unterstützten Regierungstruppen die Rebellen bekriegen und dadurch das Leben von Zivilisten gefährden.

Immer mehr Frauen und Kinder flüchten als Folge der Abschottung Europas und der Einschränkungen beim Familiennachzug. Im Januar starben acht Menschen täglich in der Ägäis und 60 von 272 Geflüchteten, die im Januar zwischen der Türkei und Griechenland im Mittelmeer ums Leben kamen, waren Kinder. Ganz zu schweigen von den mehr als 10.000 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, die in Europa vermisst und teilweise sexuell misshandelt werden.

Um Moskaus Interessenpolitik entgegenzutreten, wird das US-Militär seine Mittel vervierfachen und seine Präsenz in Mittel- und Osteuropa verstärken. Der entsprechende Pentagon-Etat werde im kommenden Jahr auf 3,4 Milliarden Dollar erhöht, viermal mehr als 2015. Dies stellt wieder deutlich unter Beweis, dass die größte Gefahr für den Weltfrieden immer noch von der global unangefochtenen US-Hegemonie ausgeht. Geld zum Schutz von Asylsuchenden, für die Bekämpfung der Armut und für mehr Bildung wären im Westen reichlich vorhanden. Aber der politische Wille und zivilgesellschaftlicher Druck sind nicht vorhanden.

Während den untersten Klassen immer mehr Geld aus der Tasche gezogen wird und ihre Rechte eingeschränkt werden, richten die armen Bevölkerungsschichten im Westen ihre Wut nicht etwa gegen diejenigen, die sie ausbeuten, unterdrücken und die Flüchtlingskrise durch Interventionskriege erst mit ausgelöst haben. Im Gegenteil, sie schlagen lieber auf diejenigen ein, die noch weniger Geld und Rechte haben als sie selbst.

62 Milliardäre, die zusammen soviel verdienen wie 3,5 Milliarden Menschen, lachen sich währenddessen ins Fäustchen. Denn sie haben seit 2010 ihr Kapital verdoppelt und um $1.76 trilliarden Dollar gesteigert, ohne dass die Massen dagegen aufbegehren. Nein, man schießt lieber auf Schutzsuchende.

Quelle: https://www.facebook.com/kavehtracks/?fref=nf&pnref=story

 

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

Dieser Artikel erschien zuerst bei: Kaveh Ahangar auf Facebook.

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19 Kommentare zu: “29 Prozent der Deutschen befürworten Waffengewalt gegen Flüchtlinge

  1. Die ganze ‚Flüchtlingskrise‘ ist meiner Meinung nach zum großen Teil ein Medienthema und Medienproblem.
    Ich habe persönlich kein einziges Problem bisher mit Flüchtlingen gehabt, und das, obwohl ich in einer Stadt wohne, in der viele Flüchtlinge sind und geschäftlich derzeit oft in einer Stadt bin, in der sehr viele Flüchtlinge sind. Das gilt mit Sicherheit so auch für die Bewohner von Städten in der Ex-DDR, wo es viel weniger Ausländer und Flüchtlinge gibt.
    Man kann sogar sagen, dass gemessen an der in der Tat durch die Bundesregierung vollzogenen Aussetzung der Kontrollen sehr WENIG Kriminalität passiert. Jeder rechtslastige Kommentator hätte prophezeit, dass Deutschland quasi in ‚islamischer Kriminalität‘ oder Ähnlichem (wobei islamische Gesellschaften zwar meist sehr konservativ sind, aber auch kriminalitätsarm!) versinkt, wenn so die Grenzen geöffnet werden wie jetzt.
    In krassem Gegensatz dazu aber die Dauerfeuer-‚Berichterstattung‘ der Medien. Dort wird geradezu gewaltsam ein Riesenproblem für die einzelnen Bürger an die Wand gemalt, das es mindestens so nicht gibt.
    Auf mich wirkt das subjektiv manchmal so als ob die Medien WOLLEN, dass es mehr Probleme gibt.
    Wohlgemerkt, ich will weder die Fluchtursachen noch die teilweise Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit durch die Regierung Merkel verharmlosen. Ich finde es nur erstaunlich, wie stark der Gegensatz zwischen dem ist, was man wirklich persönlich erlebt und dem, was die Mainstream-Medien propagieren/schreiben/darstellen. Das passt zum Inhalt der Vorträge von Dr. Ganser (im Zuge des Schauen eines seiner Vorträge bin ich auf diesen Gedanken gekommen).

    • In meiner Stadt ist es auch so, der Flüchtlingsanteil ist relativ hoch, ohne Probleme, vorher war der Migrangenanteil relativ hoch… ohne Probleme.

      Ich kenne auch Orte (selbst gesehen und erlebt, nicht durch Medienberichte oder Facebookfreunde), wo Flüchtlingsheime angegriffen wurden. Stellt euch vor, die hatten vorher schon ein Problem mit Rechtsextremen.

      Ebenfalls kenn ich eine Stadt im Süden meines Bundeslandes, wo die Ausländerkriminalität explodiert ist, wen wundert es, sie hatten vorher schon enorme Probleme mit straffälligen Migranten aus dem Arabischen Raum,
      begleitet von Einsparungen bei der Polizei, und Poliezeibeamten die teilweise schon kapituliert haben.

      Ich wage zu behaupten, dass keine Nation oder Menschenrasse grundsätzlich straffälliger ist als eine andere, doch uns fallen hier oft UNSERE nicht gemachten Hausaufgaben auf den Kopf, in vielen Bereichen waren vorher schon große Probleme vorhanden, die man immer noch irgendwie verdecken konnte, jetzt geht das oft nicht mehr.

      Oder ihr wollt mir doch nicht sagen dass ein Staatsanwalt, der jemanden auf freien Fuß setzt, der „aus Angst“ ein Haus mit Flüchtlingen angezündet hat, über Nacht, durch die Flüchtlingskrise nach Rechts gedriftet ist.
      http://www.spiegel.de/politik/deutschland/brandanschlag-in-altena-taeter-frei-was-ist-passiert-a-1057327.html
      Der Fall in Heidenau, wo es über Tage nicht gelang aufständische Rechtsextreme im Zaum zu halten, und so manche NPD Hochburg, wo die Entfernung zum Hiltergeburtsort an einigen Weggabelungen angegeben ist, einfach weils nicht verboten ist.

      https://inge09.wordpress.com/2015/09/26/waschmaschinen-und-sogar-eine-leiche-fliegen-auf-kitagelaende/
      Wenn in Köln eine Kita geschlossen wurde, weil ständig schwere Gegenstände bis zur Waschmaschine, und irgendwann dann auch eine Leiche aus einem Hochhaus „gefallen“ sind. Und sich am Bahnhof seit Jahren Drogenhandel und Taschendiebstahl etabliert haben, dann war die Politik des Wegschauens wohl schon länger nicht der Hit, und der Ärger ist nicht erst mit den Flüchtlingen gekommen.

      Viele Medien die ich so beobachtet habe, sind total vom einen Extrem ins andere gekippt, war zuvor nur von Familien und Fachkräften, einer Bereicherung und Willkommensfeiern die Rede, kommen jetzt oft auch Fälle von Gewalt an oder druch Migranten oder Flüchtlingen in die Medien, die sich dann im Nachhinein als weniger dramatisch oder falsch herausgestellt haben.

      Ich sehe den massenhaften Zuzug auch kritisch, weil ich der Ansicht bin, dass man mit dem Geld das hier in Unterbringung und Integration bzw. Ausbildung steckt, und nun auch in Grenzsicherungen und Massenabschiebungen, in der Nähe der Krisenregionen etwas auf die Beine stellen könnte, das wirklich vielen vielen Menschen das Leben retten würde, das hat aber nix mit den Menschen an sich zu tun, ich war selbst schon im Flüchtlngsheim aktiv, beipspielsweise beim Fahrradkurs, mein subjektiver Eindruck ist, dass diese Menschen sich nicht merklich unterscheiden von den Österreichern es gibt auf beiden Seiten die gleichen guten bis schlechten Verhaltensmuster.

      Schöne Grüße

  2. Ich möchte das ein bisschen relativieren.

    Waffengewalt gegen Flüchtlinge. Das muss man definieren.

    Man tut jetzt so als seien viele der Meinung, man könne die Leute einfach an der Grenze erschießen, dann sei das Problem gelöst. Ganz klar man muss den Wahrheiten ins Auge sehen, es mag Leute geben, die so denken, es gibt auch in Prozent wenige, in absoluten Zahlen leider viele, die denken dass Adolf Hilter einen guten Job gemacht hat.

    Doch 29 Prozent, das sagt mir der Hausverstand sind sicher nicht dafür, Menschen nur weil sie ins Land wollen zu töten oder zu verletzen einfach um deren Zahl zu minimieren.

    Die andere Sache ist die Sicherung der Grenzen. Als Beispiel, ich kann mich noch erinnern, als es zwischen Österreich und Schweiz häufige Grenzkontrollen für Jedermann gab. Da ging es um den Zoll etc. die Zöllner waren bewaffnet, wenn man angehalten hat, und sich bzw. seinen Rucksack, sein Fahrzeug durchsuchen ließ, dann war ein Waffeneinsatz natürlich kein Thema, wenn man einfach weitergefahren wäre, hätten sie reagiert, vermutlich nicht mit gezielten Kopfschüssen, aber man wäre gewaltsam zum Stehen gebracht worden. Kam wohl sehr selten vor, doch das ist das Wesen einer Grenzsicherung.

    Ich meine wie stellt man sich das in der Praxis vor, dass die Sicherheitskräfte eine Tafel hochhalten auf der steht „Wir wären froh wenn ihr euch registrieren lassen würdet?“

    Ich bin kein Jurist aber ich wage zu behaupten, dass es in Deutschland z.Bsp. klare Regeln für Grenzsicherung gibt, wann Sicherheitskräfte einschreiten und wie, wenn unbewaffente Menschen versuchen eine Barriere zu durchbrechen, wird man wohl keine Schusswaffen einsetzen, sondern halt Wasserwerfer oder ähnliches. Wenn Menschen randalieren, werden sie normalerweise auch nicht erschossen, in unseren Breitengraden, sondern eben mit angemessener Körperlicher Gewalt daran gehindert.

    Das heißt das ganze Thema ist für mich ein bisschen Schattenboxerei, die Rechten Kräfte fordern „Waffeneinsatz“ die anderen sind empört (weit mehr empört, als bei wirklich tödlichen Waffeneinsätzen gegen Zivilisten), dabei denke ich ist das alles schon geregelt. Die Sicherheitskräfte wissen wann sie wie vorgehen müssen und dürfen, wenn sie sich nicht daran halten (was bei Frontex ja öfters vorgekommen sein soll), dann kann man sich empören, dann ist die Politik gefordert.

    Wenn ich z.Bsp. einfach so in die US Botschaft in Berlin reinstiefle, weil ich denen mal ein Liedchen trällern will, dann werden die mich wohl auch irgendwie aufhalten, vermutlich würde ich nicht getötet, doch es ist der Job von Sicherheitskräften unbefugtes Eindringen mit angemessenen Mitteln zu verhindern.

    Auch Flüchtlinge müssen sich daran halten wenn es heißt irgendwo muss man warten, oder man wird irgendwo hingebracht auch wenn es nicht die Traumdestination ist. (Natürlich verstehe ich es dass sich Menschen wehren wenn man sie nach Ungarn oder in andere Staaten bringen will, die sich damit brüsten sie schlecht zu behandeln), wenn jemand aber der nach Schweden will, in Österreich bleiben kann, dann glaube ich, dass eine Person die ihr Leben retten will, das akzeptieren muss.

    Deshalb finde ich dass diese Diskussion viel Energie von den eigentlichen Fragen absaugt, Bekämpfung der Fluchtgründe, Hilfe möglichst nah an den Krisenregionen, Unterstützung der Erstaufnahmeeinrichtungen an den EU Aussengrenzen, bei letzterem Thema stellen sich die EU Staaten ja total blöd, und lassen wiedermal die Griechische Zivilbevölkerung im Stich.)

    Schöne Grüße

    • In der Tat wird da Energie ‚abgesaugt‘.
      Solche Diskussionen wie die über Flüchtlinge und ‚Grenzen‘ sind Arbeitgeberlobbyisten und vielen Wirtschaftslobbyisten (denen, die von Linken gerne als ‚Eliten‘ bezeichnet werden) natürlich viel lieber als wenn die Leute für bessere Arbeitsbedingungen (Gewerkschaften, Arbeitsrecht etc.), bessere internationale Freizügigkeit für alle (z.B. bei der Verhinderung des Zuzugs von Lebesnpartnern verletzt die EU bisweilen Grund-und Menschenrechte auch von EU-Bürgern) etc. kämpfen.

  3. 1 BEWAFFNETER GRENZSCHUTZ – FLÜCHTLINGE

    KA: „Mehr als jeder 4. Befragte (29 Prozent) in Deutschland hält es einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge für gerechtfertigt, unbewaffnete Asylsuchende mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern. Über ein Viertel der Deutschen sympathisiert also ganz offen mit faschistischen Methoden der Grenzsicherung.“

    Der Autor hält es offenbar wie die Papageienpresse: er stellt die negative, (billige dpa) Schlagzeile: „Jeder Vierte würde auf Flüchtlinge schießen lassen“, (zwar weniger reißerisch formuliert) in den Vordergrund, anstatt wie DIE ZEIT, das Positive hervorzuheben: (71% haben nicht Ja gesagt )

    „MEHRHEIT LEHNT WAFFENEINSATZ AN GRENZEN AB“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-02/umfrage-waffen-grenze-fluechtlinge-yougov

    Mir erschließt sich zwar bis heute nicht, wie man aus der Befragung von (nur) 2.080 Personen „repräsentative“ Meinungen für ein ganzes Volk (alle Deutschen) konstruieren kann, doch anscheinend gilt das als „wissenschaftlich“ abgesichert.

    Dass trotz der seit Monaten andauernden Polarisierung und Angstmache noch die Mehrheit der Befragten gegen Waffengewalt an Grenzen ist, ist eigentlich Grund zur Freude.

    Man muss immer die exakte Formulierung und Reihenfolge der Fragen kennen, ob zu sehen, ob die Antworten beeinflusst wurden. Die besagte Umfrage konnte ich allerdings auf der Homepage https://yougov.de/results/ des (britischen, privaten, börsennotierten) Meinungsforschungs-Instituts NICHT finden (?).

    2 „KRIEGSPOLITIK“ (URSACHEN FÜR FLÜCHTLINGSSTROM)

    KA: „Währenddessen verschärft die Kriegs- und Rüstungspolitik der NATO, Russlands, Assads und der Golfstaaten das Elend der Asylsuchenden. Momentan harren bis zu 30.000 syrische Geflüchtete an der türkischen Grenze aus und flüchten in Massen, weil die von Russland mit LUFTSCHLÄGEN unterstützten Regierungstruppen die REBELLEN bekriegen und dadurch das Leben von Zivilisten gefährden.“

    ??? Wenn man ein Wort aus diesem Statement streicht (NATO), könnte man es für einen „Talking point“ des US-Außenministeriums halten.

    Weder Assad noch Russland (Putin) haben in diesem Kontext irgendein „Elend verschärft“, denn beide haben KEINE Verantwortung für die Entstehung des Krieges in Syrien. Dieser wurde absichtlich von den USA und ihren schäbigen Vasallen in der Region ausgelöst: Israel, Türkei, Saudi Arabien, Katar und unterstützt durch Frankreich, England und (weniger eklatant, z.B. sichtbar in SWP: „The Day After“) auch von Deutschland.

    Dazu gibt es ja inzwischen umfangreiche, geopolitische Analysen – eine der besten kommt von Professor TIM ANDERSON (das wäre ein spannender Interview-Partner für KenFM / Herrn Pohlmann)!!) – z.B.

    http://www.opednews.com/articles/Syria-how-the-violence-be-by-Tim-Anderson-130513-875.html
    http://www.sott.net/article/305835-Tim-Anderson-author-of-The-Dirty-War-on-Syria-explains-western-imperialist-venture-in-Syria-is-NOT-a-civil-war
    http://www.globalresearch.ca/why-syrians-support-bashar-al-assad/5405208

    Außerdem finde ich es bedenklich, dass ein „Polit-Rapper“ (bei dem ja die Sprache und nicht die Musik im Vordergrund steht), dieselben sprachlichen Tarnbegriffe benutzt, wie die verlogenen Politiker: „Asylsuchende“, „Luftschläge“, „Rebellen“

    Die „suchen kein Asyl“, sondern können in ihrer Heimat nicht mehr leben, flüchten vor brutaler Gewalt, Zerstörung und Terror.

    Russland verübt auch keine „Luftschläge“, sondern BOMBARDIERT die diversen Terrorbanden, die seit fünf Jahren als Werkzeug des US-Hegemons den Syrern das Leben zur Hölle machen bzw. sie auf brutale Weise abschlachten.

    Bei Bombenangriffen sind zivile Opfer kaum zu verhindern, das ist eine traurige Tatsache und in diesem Sinn werden durch russische Bomben auch Zivilisten verletzt oder getötet. Das ist tragisch, doch auch wenn Russland unmittelbar für dieses Leiden und Sterben verantwortlich ist, muss betont werden, dass die URHEBER DES KRIEGES IN SYRIEN die eigentliche Schuld trifft. (Anzetteln eines Krieges ist gemäß den Nürnberger Prozessen das schlimmste aller Verbrechen …)
    Ohne ihre finsteren Machenschaften wäre es nie so weit gekommen und es gäbe auch keine „Flüchtlingslawine“.

    „REBELLEN“ ist auch eine Wortschöpfung des State Departments (gerne auch mit „syrischer Opposition“ gleichgesetzt), die in den Massenmedien gerne verwendet wird, um eine scheinbare Neutralität der Reportage vorzutäuschen. Woher diese bewaffneten Banden kommen, wer sie indoktriniert, finanziert und ausgerüstet hat, das ist aber kein Thema.

    Die Formulierung (verschärftes Flüchtlingselend)…“weil die von Russland mit Luftschlägen unterstützten Regierungstruppen DIE REBELLEN BEKRIEGEN und DADURCH DAS LEBEN VON ZIVILISTEN GEFÄHRDEN“ finde ich skandalös, weil dadurch die Realität auf den Kopf gestellt wird:

    Die syrische Armee kämpft seit fünf Jahren um das Überleben ihres Staates, gegen gedopte Terrorbanden, „special forces“ und skrupellose Geheimdienste. Russland hat seit September 2015 – in Absprache mit der syrischen Regierung – mit seiner Luftwaffe eingegriffen, Bomben abgeworfen, um zu verhindern, dass Syrien so endet wie Libyen: ein zerstörter Staat, ein Sicherheitsvakuum, in dem rivalisierende, islamistische Terror-Banden (vom Westen gesteuert) ihr Unwesen treiben und andere Staaten infiltrieren (next stop: Iran and Russia)

    Die Verteidigung gegen diese westlichen Terror-Werkzeuge – mit unvermeidbarer, militärischer Gewalt – als „Gefährdung der Zivilisten“ zu bezeichnen, ist grotesker Unsinn. Hier wird Ursache und Wirkung verdreht, denn die syrische Armee „bekriegt“ nicht, sondern verteidigt ihr Land gegen ausländische Aggression.

    3) ERHÖHTES NATO-BUDGET EUROPA

    KA: „Um Moskaus Interessenpolitik entgegenzutreten, wird das US-Militär seine Mittel vervierfachen und seine Präsenz in Mittel- und Osteuropa verstärken. Der entsprechende Pentagon-Etat werde im kommenden Jahr auf 3,4 Milliarden Dollar erhöht, viermal mehr als 2015. Dies stellt wieder deutlich unter Beweis, dass die größte Gefahr für den Weltfrieden immer noch von der global unangefochtenen US-Hegemonie ausgeht. […]

    Wenn man schon das Pentagon zitiert, dann richtig und nicht verfälscht: Ashton Carter sagte, die Erhöhung des Militärbudgets (zur „Absicherung Europas“ (sic) auf astronomische 3,4 Milliarden Dollar sei Teil eines
    „strong and balanced approach to deter Russian AGGRESSION.“

    Die – völlig aus der Luft gegriffene – „russische Aggression“ ist also der Vorwand für die weitere Militarisierung Osteuropas und damit die Verschärfung der militärischen Bedrohung durch die US/NATO.

    Damit erreicht die – real existierende, aber getarnte – „amerikanische Aggression“ (gegenüber dem globalen Konkurrenten Russland) ihren vorläufigen Höhepunkt und die Gefahr eines monströsen Krieges in Europa (mit taktischen Nuklearwaffen) nimmt dramatisch zu.

    Dass die gesteuerten Massen dazu gebracht werden, die Falschen als Bedrohung anzusehen, ist ja nichts Neues, siehe z.B. Mausfeld – „Empörungsmanagement“

    FAZIT: „Kaveh“ mag ja ein begabter „Hip-Hop“-Artist sein, aber als politischer Analyst und Autor spielt er in einer sehr bescheidenen Liga.

    • @karinehrlinger

      1 Deine Analyse ist hervorragend

      2 Hör auf zu bashen, und suche die Wahrheit in Kavehs Worten wie auch in meinen, denn ich sehe auch die Suche nach Wahrheit in den deinen.

      3 Gegner haben wir bereits genug. Arbeiten wir zusammen.

    • Meine Meinung dazu ist: Ich bin weder ein Fan des syrischen Staates noch etwa der russischen Regierung.
      Die russische Regierung aknn man aber meines Erachtens nicht mehr wie zu den Zeiten behandeln, als Kalter Krieg war und die Sowjetunion eine kommunistische Diktatur. Das ist Russland nicht mehr – der Kriegsgrund ist weggefallen. Und bei Syrien und Irak (und Afghanistan, Nordafrika etc.): Wenn der Westen dort schon interveniert, muss meines Erachtens das Resultat sein, dass danach dort Fortschritt im Sinne westlicher Werte, Deomkratie, Marktwirtschaft und Religionsfreiheit entsteht. Das Resultat ist aber das GEGENTEIL davon. Gerade Deutschland hat auch da eine ‚Verantwortung‘ – Deutschland hat zum größten Teil durch die Besetzung der USA (meiner Meinung nach) massiv profitiert. Warum soll es den Irakern, Libyern, Syrern nicht ähnlich gehen? Der Preis dafür wäre natürlich, dass man die Saudis endlich – völlig angemessen – als schwere Diktatur behandeln müsste.

    • PS: Was ich meine, ist nicht, dass man überhaupt unbedingt intervenieren müsste mit militärischen Mitteln. Sondern, dass die Interventionen der NATO der letzten Jahrzehnte fast ausschließlich eine eindeutige Verschlechterung der Situation in bezug auf Menschenrechte, Marktwirtschaft und nicht zuletzt Religionsfreiheit ‚gebracht‘ haben. Einige (bezeichnenderweise nicht richtig ‚anerkannte‘) Regionalregierungen haben es ja geschafft, sich da irgendwie herauszuwinden (Somaliland z.B. oder auch Iraki-Kurdistan), aber inzwischen ist es nicht mehr eine Art Glücksfall, von den USA besetzt zu werden, sondern offenbar der Startschuss für Islamismus und Chaos härtester Art. In der Tat fördert die westliche Politik radikalen Islamismus, trotz des Bündnisses mit Israel. Sogar die Vereinigten Arabischen Emirate, die bei weitem liberaler sind als Saudi-Arabien, veweigern Israelis pauschal die Einreise. Wir sind aber sowohl mit den VAE als auch mit Israel vebündet. Das ist schon absurd.

    • @Maja
      Vollkommen richtig erkannt: Nicht der Wahrheitsgehalt einer Information bewegt die Massen, sondern der Umfang der Verbreitung einer Nachricht. Das funktioniert deshalb, weil die allermeisen Menschen einzig die etablierten Massenmedien als Informationsquelle gelten lassen und alternativen Quellen die Autorität und Fähigkeit absprechen, überhaupt unvoreingenommen berichten zu können. Die Leute glauben noch immer weitgehend, weil z.B. ARD und ZDF Öffentlich-Rechtliche sind, können die nicht lügen bzw. sagen immer die Wahrheit. Sie glauben, die Zeitungen würden es niemals wagen, Lügen zu verbreiten, weil man sie ja sonst vor Gericht zerren könnte. Vor allem aber sind die allermeisten Menschen gar nicht in der Lage, weitgehend selbständig und unabhängig zu denken und zu beurteilen, denn das hat man ihnen schon in der frühen Kindheit nachhaltig ausgetrieben. Bei mir haben sie’s auch versucht, vermutlich aber mit den falschen Mitteln, denn ich habe, sobald ich lesen konnte, meinen Eltern nichts mehr geglaubt.

  4. Die Umfrage ist Unsinn.
    Begründung – sehr schön dargelegt – hier:
    http://www.sciencefiles.net/mythos-der-reprasentativitat/

    Ich habe damals im Grundstudium auch mal nen Statistik-Schein machen müssen.
    Leute, was man mit Statistik alles für Scheiße bauen kann, wenn man das so will, das ist echt krass. Ideal geeignet, um Stimmung zu machen und für Propaganda. Als Hacker fand ich das total spannend. :o)
    „Hack a society by pseudo-science and the media.“

    • Natürlich benutzt diese Umfrage rhetorische Tricks. Fakt ist nämlich, dass die Staatsmacht immer BEWAFFNET gegen die Bürger – auch und gerade gegen die Staatsbürger des eigenen Staates – vorgeht.
      Polizisten benutzen im Zweifelsfall sogar Waffengewalt gegen Verdächtige, die nicht kooperieren, auch in Deutschland.
      Daher ist eine solche Umfrage unverantwortlich und es spricht für einen großen politischen Instinkt vieler Befragter, darauf mit ‚Nein‘ zu antworten.
      Zur Erläuterung: Ich bin in keinster Weise Anhänger der ‚AfD‘ und erst recht nicht irgendeiner Partei rechts von der ‚AfD‘. Dennoch meine ich: Ganz korrekt können auf diese üble Suggestivfrage eigentlich nur Radikallibertäre und Anarchisten mit ‚Nein‘ antworten. Meine Antwort wäre daher: ‚Ich tue Ihnen jetzt nicht den Gefallen, nicht mit ‚Nein‘ zu antworten, also tragen Sie ein ‚Nein‘ ein‘ (was ich auch kontrolieren würde).
      Denn alle die, die dem Staat ein gewisses Gewaltmonopol wirklich zubilligen, befürworten damit auch Waffengewalt des Staates – sowohl gegen die eigenen Bürger als AUCH gegen Flüchtlinge.
      Man stelle sich mal vor, die Leute würden darauf inhaltlich richtig antworten: Also etwa ‚Ja klar, die Polizei hat immer Waffengewalt als letztes Mittel, schon bei Falschparkern, und zwar gegen alle Bürger. Das gilt genauso auch für Flüchtlinge, wohlgemerkt ich habe gar nichts gegen Flüchtlinge, ich bin dafür, dass für sie das gleiche Recht gilt wie für deutsche und EU-Bürger‘. Daraus würde die Hetzpresse eine Riesenzustimmung für ‚Waffengewalt gegen Flüchtlinge‘ dichten, und damit schon in Richtung Krieg zündeln.

  5. Ich finde den Artikel gut.

    Die Umfrage halte ich zwar auch für Unsinn. Bei dieser Umfrage wird Angst und Polemik angewendet. Wenn jemand dafür ist die Staatsgrenze mit Waffengewalt gegen gewaltsames Eindringen zu verteidigen was das Recht eines jeden Staates ist dann wird es so dargestellt als ob man dafür ist unschuldige Frauen und Kinder zu erschießen.

    Ich verstehe nicht warum die Flüchtlinge durch die Ägäis „schwimmen“ müssen um dann sowieso hier aufgenommen zu werden. Warum wird nicht in der Türkei in den Flüchtlingslagern direkt von der UNO eine Hilfestelle eingerichtet wo bedürftige Flüchtlinge dann einen Antrag auf Asyl in einen Land stellen können? Dann würde wirklich den Menschen deren Häuser zerstört wurden, Frauen, alte Menschen, Kinder, Familien die wirklich aus den Kriegsgebiet im Irak und Syrien stammen geholfen werden. Dann könnte viel mehr wirklich bedürftigen Menschen geholfen werden und wir hier in den europäischen Ländern hätten die Probleme nicht die durch Menschen verursacht werden die das Asyl nur dazu nutzen um den Krieg hierher zu bringen. Das hätte man auch schon vor 3 Jahren machen sollen.
    Das ganze ist eine einzige Farce.

    An der Grenze Türkei-Syrien sollten UNO Truppen stationiert werden.

    Den Kurden sollte ihr Kurdistan wieder gegeben werden.

    Aufkommende Menschenfeindlichkeit vor allem bei der jungen Bevölkerung in den europäischen Staaten sehe ich auch problematisch. Am besten wäre es wenn die Smartphones wieder abgeschafft werden würden. Sie tragen meiner Meinung nach zur Verblödung bei. Die Smartphone Benutzer bilden sozusagen eine Massenseele obwohl sie physisch voneinander getrennt sind und es wird ohne nachzudenken Blödsinn verbreitet, das Lachen über Menschen die man gar nicht kennt wird zum Volkssport.

    Unser Wirtschaftssystem benötigt alle 50-100 Jahre einen Krieg. Es kann ohne ihn nicht leben. Wenn etwas gewachsen ist muss es zerstört werden damit etwas neues wachsen kann. Und nur durch dieses Wachstum kann der Zinseszins bedient werden. Die Folge davon sind die 62 Milliardäre.
    Moralisch gesehen hätte ich kein Problem wenn diese 62 Milliardäre enteignet würden. Sie sollen so viel behalten das sie ein schönes Leben führen können. Der Rest sollte den ärmsten Menschen gegeben werden. Begrünung der Sahara, Trinkwasserversorgung für die Menschen im Nördlichen Afrika herstellen, …. , und was wird gemacht -> Bomben schmeißen. Es ist einfacher mehrere Millionen von Menschen umzubringen als 62 Milliardäre zu enteignen, schrecklich oder?

  6. Entsprechend der Veröffentlichung „Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014“ der IKG (Institut für interdisziplinäre Konflikt und Gewaltforschung der Uni Bielefeld) befürworten 41,3% Gewaltbilligung und 30,3% Gewaltbereitschaft. 42% der oberen und mittleren Einkommen und 55% der unteren Einkommen werten Asylbewerber ab.

  7. 30 Prozent überraschen mich nicht wirklich

    Kann das Zufall sein? In den letzten Jahren, in denen ich mich zunehmend mit den Ursachen innerer Spaltung, von Gewaltbereitschaft, Unterwerfungs- und Gehorsamsbereitschaft und hilflosem Stillehalten befaßt habe, ist mir immer wieder nahezu dieselbe Einteilung begegnet.

    Demnach sind etwa 30 Prozent der Bevölkerungen westlicher Länder sehr stark bis vollständig ihrem eigenen Selbst, ihrem Fühlen und ihrer Empathiefähigkeit entfremdet. Solche Leute gelten als grundsätzlich gewaltbereit, da sie die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen als Schwäche verstehen und daher glauben, sie bekämpfen zu müssen. Diese Menschen haben sich dermaßen weit von ihrer eigenen Empfindungsfähigkeit entfernt, ihre eigenen Empfindungen so tief und nachhaltig vergraben, daß sie mehr oder weniger auf alle, die noch fühlen oder Gefühle zeigen, mit Haß und Verachtung reagieren müssen. Dennoch fühlen diese Menschen noch immer etwas, wenn es auch nur Haß, Verachtung, Neid, Revanchismus und dergleichen dunkle Gefühle sind. Aber auch diese Menschen sind nicht vollständig von ihren abgetrennten Selbstanteilen abgeschnitten, denn ab und zu dringt doch mal etwas durch, was ihnen gewöhnlich großen Unbehagen und Angst bereitet, die sie dann gerne auf den Auslöser projizieren und diesen für dieses Ungemach zu bestrafen suchen, wenn es sich gerade einrichten läßt.

    Weitere 30 Prozent sollen sich zwar noch Reste intakter Verbindungen zu ihrer Gefühlswelt erhalten haben und gewisse Gelegenheiten, die keine gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nachteile bergen, dazu nutzen, ihre Emotionalität zu leben, ihr Mitgefühl zu zeigen und ihre Gefühle wahrzunehmen. Diese Gruppe gilt jedoch als unentschlossen, als verängstigt und leicht manipulierbar, gleich dem berühmten Fähnlein im Winde. Sie stellen die willfährigen Befehlsempfänger in den Büroetagen, die Handlanger des Systems in den Behörden und somit die kritikscheue Schicht der Bevölkerung. Sie wollen keinen Ärger, keinen unnötigen Streß, keine Konflikte, und begehren daher kaum jemals auf, obwohl sie im Grunde fühlen und in gewisser Weise glauben, daß längst Vieles im Argen ist.

    Die letzten 30 Prozent werden von Leuten gebildet, die über ein gewissermaßen intaktes Selbst verfügen. Diese Menschen sind ständig mit ihrer Gefühlswelt verbunden und daher zu einer mehr oder weniger ungetrübter Wahrnehmung fähig. Sie durften in ihrer Kindheit ein kaum gestörtes Urvertrauen in die eigene Wahrnehmung entwickeln und waren daher auch in der Lage, eine mehr oder weniger autonome Urteilsfähigkeit zu entfalten, die sich nicht ständig auf Autoritäten und Elternfiguren berufen muß. Ein voll integriertes Selbst unterdrückt fast nie seine Empfindungen, weil es durch Erfahrung gelernt hat, daß sein Gefühlsapparat gewissermaßen das Meßwerkzeug darstellt, mit dem es die Welt beurteilt, bewertet.

    Die restlichen 10 Prozent bilden am dunklen Ende die Soziopathen, die bar jeglicher Empfindungsfähigkeit sind, entweder weil sie einen Geburtsfehler aufweisen, der gewisse, für die Gefühle zuständigen Hirnregionen unterentwickelt läßt (unbelegte Theorie), oder weil ihnen jegliche Empfindungsfähigkeit während ihres Heranwachsens quasi ausgetrieben wurde. Das sind die eiskalte Strategen, deren einziges Vergnügen darin besteht, die arme gefühlsbelastete Menschenwelt zu drangsalieren. Sie halten sich grundsätzlich für Auserwählte, für fortschrittlicher, weiter entwickelt als ihre Mitmenschen. Sie fühlen sich Menschen, die fühlen können, überlegen, weil sie Gefühle als Hemmschuh für den Erfolg betrachten. Soziopathen lernen Gefühle zu simulieren und sie bei ihren Mitmenschen gnadenlos auszunützen und auszubeuten.

    Zu Soziopahten siehe auch: http://www.irwish.de/Site/Biblio/Psychologie/Hare.htm

    Am anderen Ende sind jene selten vorzufindenden Menschen angesiedelt, die vollkommen mit sich im Reinen sind, die durch stete Übung und Anwendung dazu in der Lage sind, sich die allermeiste Zeit ihres Lebens in ihrer seelischen Mitte zu befinden. (ebenfalls unbewiesene Theorie)

    Das war jetzt meine ganz persönliche Einteilung und Vorstellung zu dieser Sache. Arno Gruen schreibt dagegen in seinem Buch „Der Kampf um die Demokratie“ im Kapitel „Nichtidentität und die Gefahr für die Demokratie“:

    Die Entwicklung des Rechtsradikalismus basiert auf autoritärer Erziehung. Mantell hatte deutlich gemacht, daß Kinder in diesem Sozialisationsprozeß weder von seiten der Väter noch von seiten der Mütter Geborgenheit und Wärme erlebten. Die Ergebnisse einer bereits 1950 veröffentlichten Studie von Henry Dicks lassen ähnliche Schlüsse zu: Dicks befragte 1000 deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. 11 Prozent der Gefangenen erwiesen sich als aktive Nazis, 25 Prozent waren gläubige Nazis, die aber Vorbehalte hatten. Diese beiden Gruppen, also 36 Prozent der Befragten, zeigten im Vergleich zu den Nicht-Nazis eine signifikante Ablehnung von Zärtlichkeit. In ihrer Beziehung zur Mutter hatten sie keine Zärtlichkeit erfahren. Zärtlichkeitsgefühle waren verboten gewesen, das Bedürfnis nach Liebe und Wärme war mit einem Tabu belegt und mußte unterdrückt werden. In den klinischen Interviews, die Dicks durchführte, zeigten die überzeugten Nazis eine starke Identifikation mit den autoritären, bestrafenden und auf Gehorsam pochenden Vätern. Zweifel und Kritik an ihnen gab es nicht.

    Jene Gefangenen dagegen, die sich in Dicks Untersuchung kritisch gegenüber den Nazis äußerten, berichteten auch von positiven Beziehungen zu ihren Müttern, sie waren auch zu liebevollen Beziehungen zu Frauen fähig. Bei den Nazis dagegen waren »Liebes«-Gefühle an politische Symbole gebunden. Warme menschliche Empfindungen ließen sich nicht feststellen. Nimmt man ihnen den Glauben an den Nationalsozialismus, dann brechen sie einfach zusammen, schreibt Dicks, »da kein integrierender Kern existiert«. Mit ihrer Brutalität, so Dicks, konnten die überzeugten Nazis ihre Persönlichkeit zusammenhalten – eine Persönlichkeitsstruktur, die auf einer Identifikation mit destruktiven, bestrafenden Vätern beruhte. Im Gefangenenlager sahen sie sich als Opfer derer, die ihnen mit Verständnis entgegenkamen. Sie empfanden Güte als Feindseligkeit und unterstellten Menschen, die ihnen freundlich begegneten, daß diese ihre eigene »nichtsahnende Einfachheit, Güte und Sanftheit mißbrauchen wollten«.

    Freundlichkeit wurde also verachtet, als Schwäche interpretiert, die man rücksichtslos und ohne Erbarmen vernichten müsse. Wir erkennen hier die Angst, von Menschlichkeit berührt zu werden. Autoritäre Erziehung ohne eine ausgleichende Zärtlichkeit durch Vater oder Mutter treibt Menschen in eine enge, beschränkte Erlebniswelt, die auch ihren weiteren Lebenslauf bestimmt. Alles Neue muß abgewehrt werden, denn es birgt die Gefahr einer positiven und liebevollen Erfahrung, welche das eigene Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Wärme heraufbeschwören könnte. Ein solcher Mensch bleibt nicht nur in seinem Erleben rigide begrenzt, er bleibt auch abhängig von dem, was ihn formte: von Autorität. Das Lebendige und Neue macht Angst, nur der Gehorsam gegenüber der Autorität und der einschränkenden, tödlichen Gewalt verspricht Erlösung. Gewalt bedeutet hier Stärke, während Mitgefühl als Schwäche erlebt wird. Stark sein ist gleichbedeutend mit Heldentum, sich dem Tode verschrieben zu haben heißt lebendig sein, am Leben sein.

    In „Dem Leben entfremdet“ schreibt Gruen im Kapitel „Trauma und Realitätsverlust“:

    Eltern werden zu liebenden Wesen idealisiert. Daher verleugnet unsere Kultur, dass die Kindheit in unseren Zivilisationen bedrohlich sein kann und oft von Angst und Terror durchdrungen ist. Die Kindheit verläuft aber für viele Kinder traumatisch – das ist schon oft vermutet worden. Otto Rank dachte, es sei das Trauma der Geburt. Melanie Klein nahm eine böse Mutter an. Für Rheingold mündete in der Lieblosigkeit von Eltern die Angst von Müttern vor der Rivalität mit der eigenen Mutter; diese könnten sie als Rivalin betrachten und verstoßen.

    Werden aber Eltern lieblos, überschattet ihre Lieblosigkeit die frühesten Lebenserfahrungen ihrer Kinder. Ein Kind beginnt, sich unermesslich vor einem Terror zu ängstigen, der das Sein des werdenden Menschen reduziert. »Jeder, dem sein Recht auf Liebe verneint wird, ist verkrüppelt und in den Wurzeln seines Wesens verkümmert,« schreibt Henry Miller. Wie die Forschungen von Dicks, Fromm und Milgram zeigen, dürften bis zu 30 Prozent der Bevölkerung unserer Gesellschaften einen solchen Liebesentzug erlitten haben. Bis zu 40 Prozent der Bevölkerung in unserer Kultur haben eine Mischung von Liebe und Nicht-Liebe erfahren. Nur 30 Prozent scheinen Liebe und Zärtlichkeit in größerem Umfang erlebt zu haben. Allein diese Gruppe ist nicht auf die Posen der Eltern als Vorbedingung ihrer Elternbindung fixiert.

    Das politische Verhalten von erwachsenen Menschen kann durch eine solche Erfahrung von Liebesentzug in der Kindheit entscheidend geprägt sein. Wenn Erwachsene als Kinder selbst durch ein Bewusstsein geformt wurden, das Liebe einschränkte und Macht über sie zum Zweck der Beziehung machte, dann werden sie selbst, wenn sie Eltern sind, ihre Kinder dazu benötigen, ihre eigenen Unsicherheiten und Demütigungen zu bewältigen. Eine Pose der Autorität gegenüber dem Kinde aufrechtzuerhalten, wird dann das Ziel sein. Keine Selbstzweifel sollen sichtbar werden; Eltern möchten um jeden Preis bestimmend und selbstsicher erscheinen. So glauben Eltern sich darstellen zu müssen – trotz innerer Unsicherheiten –, um ihren fiktiven Selbstwert zu festigen. Ein Kind aber ordnet sich, nachdem es Ohnmacht, Hilflosigkeit, Schmerz und Wut durch fehlendes elterliches Entgegenkommen erlebt hat, apathisch und erschöpft den Erwartungen der Eltern unter.

    Säuglinge und Kleinkinder, die Liebesentzug erleben, müssen eine Überlebensstrategie entwickeln, um die Stimulationsbereitschaft der Mutter und des Vaters auf sich zu lenken, um überhaupt überleben zu können. Die Bindung zu den Eltern, die sich jetzt aufbaut, prägt bei dem Kind ein Bewusstsein, in dessen Fokus die Verhaltensweisen, die Gefühle und die Reaktionen der Eltern zentral und entscheidend sind. Stehen die Wahrnehmungen der kleinkindlichen Gefühle nicht im Einklang mit den Wünschen und Erwartungen der Eltern, versinken sie in die Unbewusstheit. Sie werden verdrängt. Das Eigene wird verdrängt. Das ist der eigentliche Ursprung unseres Unbewussten. Wie wir es im Protokoll der Sitzung mit dem Patienten verfolgen konnten, wurde die Wahrnehmung seiner Gefühle und seiner eigenen Hand sogar durch die bestrafende Gewalt seines Vaters verdrängt.

    Für Eltern, die selbst von Verunsicherung durch Liebesentzug geprägt sind, kann ihr Kind ein Mittel zum Zweck sein, um einen vermeintlichen Selbstwert zu bewahren. Es ist die Pose der Stärke, der Willenskraft, der Unempfmdlichkeit Schmerz gegenüber, kurz: der Männlichkeit, die zum Ersatz für ein fehlendes Inneres wird. Die werdende Bewusstheit des Kindes wird durch die Pose der Eltern geprägt. Damit wird diese Pose zur Wirklichkeit, aber nicht mehr der Schmerz, den das Kind im Umgang mit den Eltern erlebte. Um seine Bindung zu den Eltern nicht abreißen zu lassen, muss das Kind von nun an die Wahrnehmung seiner tatsächlichen Gefühle ins Gegenteil verkehren: Das Kind fängt sogar an, genau die Menschen zu idealisieren, die ihm Schmerz zufügen. Auf diese Weise verwirft ein Kind zunehmend seine eigenen Gefühle und Wahrnehmungen, um die lebensnotwendige Verbindung mit den Erwachsenen aufrechtzuerhalten. Sandor Ferenczi schrieb dazu:

    »Kinder fühlen sich körperlich und moralisch hilflos, ihre Persönlichkeit ist zu wenig konsolidiert, um auch nur in Gedanken protestieren zu können, die überwältigende Kraft der Autorität des Erwachsenen macht sie stumm, ja beraubt sie oft der Sinne. Doch dieselbe Angst, wenn sie einen Höhepunkt erreicht, zwingt sie automatisch, sich dem Willen des Angreifers unterzuordnen, jede seiner Wunschregungen zu erraten und zu befolgen, sich selbst ganz zu vergessen, sich mit dem Angreifer vollauf zu identifizieren.«

  8. Was ist denn das für ein Unsinn. Erstens kennt man die Unzuverlässigkeit von Umfragen. Dann hätte man 80 Millionen Deutsche befragen sollen. Zweitens recherchiert ihr doch sonst gründlich nach. Wenn man sieht, dass YouGov zusammenarbeitet mit Propaganda-Medien wie BILD, Time, The Sun, Die Zeit, dpa, dann sagt das ja wohl alles über die Strategie hinter derartigen Umfragen …

    • Da gebe ich Asgard recht. Wer ,Wie ,Womit,Welcher Anlass ,solche Umfragen macht will nur Unsicherheit schüren.
      YouGov Deutschland AG
      Solche Umfragen machen die 3 Beispiele:
      1.“Die meisten Deutschen lehnen körperliche Gewalt ab – es sei denn, sie werden angegriffen“.Wau was für eine Erkenntnis.
      2.“Vermögensungleichheit liegt zwischen Ideal und Schätzung (Aus Sicht des Durchschnittsdeutschen ist dieser Anteil zu hoch – aber nicht so hoch wie er dem Durchschnitt vorkommt.)“
      Was ist das denn gibt es nun Ungleichheit oder nicht.(62=3.5Milliarden Menschen)
      3.“Wer schaut eigentlich das Dschungelcamp?(Fans von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ sind eher vorichtige Menschen – die gerne lange wach bleiben.)“ Ich weiß nicht wer solche Themen behandelt.Was soll es.
      MFG LB

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