Affentheater Wahl-„Duell“

Ein Zwischenruf von Wolfgang Bittner.

Am 3. September wurde dem geneigten Fernsehpublikum ein als TV-Duell angekündigtes merkwürdiges „Event“ geboten. Die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte sich im Stil „Einer wird gewinnen“ dem Herausforderer Martin Schulz. Wie vorauszusehen war, erhielt die Platzhalterin die meisten Punkte der Zuschauer.

Es ist schon eine Schande, was uns die Demokratie-Darsteller und „gekämmten Äffchen“ in Politik und Medien zumuten. Fast alle wichtigen, die Bevölkerung existenziell betreffenden Fragen wurden nicht behandelt. Und wären sie gestellt worden, hätte es nichts gebracht. Denn es fehlt an einer ehrlichen, realistischen Einschätzung der innerstaatlichen und der global-politischen Situation. Es fehlt sowohl bei Merkel als auch bei Schulz an einer Basis, von der aus eine weiterführende Friedens- und Gesellschaftspolitik entwickelt werden könnte.

Merkel, gewieft und bieder wie immer, ging unliebsamen Fragen strikt aus dem Weg, indem sie Beliebiges antwortete und dabei heftig menschelte. Schulz, schlau und servil, aber nicht intelligent, bewies seine opportunistische Haltung und mangelnde analytische Befähigung, indem er zum Beispiel Putin, Erdogan und Trump in einem Atemzug aburteilte.

Fast eine Dreiviertelstunde ging es um die unselige Flüchtlingspolitik, wobei es nicht einmal eine Kontroverse gab. Des Weiteren: Türkei, Nordkorea, Diesel-Autos, Polizei … Nichts über die verfassungswidrige Beteiligung Deutschlands an Kriegen, über die Aggessionspolitik der USA und ihrer NATO, über die unsinnigen Sanktionen gegen Russland, nichts über die Bundeswehr und ihre Soldaten, über die nahezu lückenlose Überwachung der Bevölkerung, die zunehmende Einschränkung von Bürgerrechten und die verheerenden Folgen der Privatisierung, nichts Konkretes über Renten, Armut, Niedriglohnsektor oder befristete Arbeitsverträge. Dünnes Gerede auf ganzer Linie, Banalitäten, keine wirklichen Streitpunkte, im großen und ganzen Harmonie. Ein einziges Armutszeugnis für die SPD und ihren Kanzlerkandidaten.

Was ist aus ehemals kritischen, investigativen Journalisten wie Sandra Maischberger geworden? Die USA eine Friedensmacht? Putin stellt die Demokratie in Frage? Alles in Ordnung? Und Schulz bewirbt sich offenkundig schon vor der Wahl für eine Große Koalition mit der CDU, während sich Merkel saturiert zurücklehnt und den Zuschauern abschließend einen schönen Abend wünscht. Es ist davon auszugehen, dass sie weitermachen will wie bisher. Die Frage wird sein, wie dieser verhängnisvollen Politik zu begegnen ist.

Wolfgang Bittner ist Schriftsteller und Jurist, siehe auch www.wolfgangbittner.de sowie KenFM im Gesprächhttps://kenfm.de/wolfgang-bittner/

Am 4. Oktober 2017, um 19:00 Uhr, wird es eine Vortragsveranstaltung im Kino Babylon in Berlin mit Wolfgang Bittner und Willy Wimmer geben, zum Thema:
Der Einfluss der USA auf Europa – Die USA-EU-Russland-Krise“ 

Tickets für die Veranstaltung können Sie hier erwerben.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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2 Kommentare zu: “Affentheater Wahl-„Duell“

  1. Kritische Themen als Frage formuliert? Im „Wahl-Duell“?

    An „Kanzlerkandidat“ S. (ich lach‘ mich halbtot, nichtmals auf dem Wahlplakaten wird Herr Schulz damit assoziiert!) und Verschlimmbesserin und weiblichen Politik-Alptraum Merkel ungecastet gestellte Fragen z. B. zu den immer mehr werdenden Kriegseinsätzen, rasant steigender sozialer Ungerechtigkeit oder die bösartig weggeschwiegene Altersarmut?

    Gott bewahre! Dann könnten wir diese „Herrschaften“ damit ja in Schwierigkeiten bringen!

    Auch das ist Politik.
    Oder sollte ich eher sagen: Das ist völlig herunter gekommene Demokratie?

    Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient — Marie Comte de Maistre

    Worauf legen wir Deutschen eigentlich noch Wert? Für was gehen wir eigentlich noch auf die Straße, anstelle dumm zu glauben, ein paar vollidiotische Schauveranstaltungen im Fersehen(!) zu beglotzen sei „Demokratie“?

  2. Ich habe das Theater nicht gesehen.
    Aber mit
    “ Es ist schon eine Schande, was uns die Demokratie-Darsteller und „gekämmten Äffchen“ in Politik und Medien zumuten. Fast alle wichtigen, die Bevölkerung existenziell betreffenden Fragen wurden nicht behandelt. Und wären sie gestellt worden, hätte es nichts gebracht. Denn es fehlt an einer ehrlichen, realistischen Einschätzung der innerstaatlichen und der global-politischen Situation. Es fehlt sowohl bei Merkel als auch bei Schulz an einer Basis, von der aus eine weiterführende Friedens- und Gesellschaftspolitik entwickelt werden könnte “
    bin ich völlig einig.

    Dat letzte Mal das ich eine Debatte folgte war zwischen Den Uyl und Wiegel.
    Es muss etwa 1980 gewesen sein.
    Die Herren taten nichts anders als einander’s Wörte verdrehen, um dann die zu attackieren.

    Ich sah Teile von Debatte zwischen Trump und Hillary.
    Ein Theater für Kinder, niemals wurde etwas seriös besprochen.

    Was das ist, eine Debatte gewinnen, und wie festgestellt wird wer Gewinner ist, ich habe keine Ahnung;
    Die wirkliche Probleme unserer Zeit, EU, Euro, Migration, NATO, wie um zu gehen mit die Aufständischen in den Mittleren Osten, sehe ich nie besprochen.
    Die Parteien in den Niederländen die diese Probleme besprechen wollen werden totgeschwiegen.

    Ein USA Bürger sagte mir lange her, 2001, über die Presidents Wahlen ‚choosing between Tweedledum and Tweedledee‘.
    Diese letzte USA Wahlen aber waren anders, Trump ist kein Politiker.

    Die Unterschiede zwischen Merkel und Schulz bestehen fast nicht, ist meine Meinung.
    Sie representieren nur zwei Gruppen die beide die Macht wollen, was sie wollen ist dasselbe in alle wichtigen Punkte.

    Demokratie ist leider nicht viel mehr als Populismus, was aber Populismus genannt wird sind diejenigen die nicht ‚politisch korrekt‘ sind.

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