Agenda der Enteignung

Hartz IV und die Mittelschicht

Karlsruhe ebnet Weg für Sanktionen gegen ungehorsame Hartz-IV-Bezieher. Doch es trifft nicht nur sie. Der Druck der Strafen wirkt bis in die Mittelschicht hinein. Am Ende profitieren die Reichen.

Von Susan Bonath.

Als das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) am 2. Juni bekannt gegeben hatte, dass es die Hartz-IV-Sanktionen vorerst nicht kippen wird, war der Aufschrei in Erwerbslosenverbänden groß. Viele Betroffene hatten auf die zugrundeliegende Vorlage des Sozialgerichts Gotha (Thüringen) gehofft. Besonders empörte nicht nur der Zeitpunkt – zwei Monate vor der geplanten Einführung der Hartz-IV-Verschärfungen – , sondern auch die Begründung: Ein Formfehler. Die Vorinstanz habe nicht bis ins Detail geprüft, ob dem Kläger die Rechtsfolgen bei Ablehnung eines Jobangebots, also zwei Vierteljahressanktionen um 30 und 60 Prozent, einzelfallgetreu erläutert worden waren – was gewöhnlich ohnehin selten der Fall ist. Verstoße eine Praxis gegen Bundesrecht, komme es auf die Verfassungsmäßigkeit nicht mehr an, hieß es aus Karlsruhe.

Dass sich die Verfassungsrichter um ein Urteil gedrückt haben, ebnet der Bundesregierung den Weg. Sie will die Hartz-IV-Reform zum 1. August durchdrücken. Die Strafen – auf Amtsdeutsch Rechtsfolgen – sollen bleiben. 2015 kürzten Jobcenter erneut fast eine Million Mal Betroffenen das Existenzminimum, in der Regel für drei Monate. Es traf knapp eine halbe Million Leistungsbezieher. Etliche hatten also gleich mit mehreren Strafen wegen verpasster Termine, abgebrochenen Maßnahmen, abgelehnten Jobangeboten, zu wenigen nachgewiesenen Bewerbungen oder ähnlichem zu kämpfen. Das sind mehr als 10 Prozent aller erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher. Etwa 50.000 von ihnen mussten trotz Bedürftigkeit drei Monate ohne einen Cent – weder für Miete noch für Lebensmittel – klarkommen. Zwischen 2014 und Mitte 2015 waren sogar monatlich etwa 200 Minderjährige zwischen 15 und 17 Jahren vollständig sanktioniert. Entgegen der Rechtfertigung der Bundesregierung müssen Jobcenter keine Essensgutscheine gewähren. Auch Tafeln sind zu nichts verpflichtet. Viele Armenspeisungen sind überlaufen und nehmen keine neuen »Kunden« mehr.

Bei Ungehorsam unter die Brücke

Das Problem dabei: Es geht um das physische und soziokulturelle Existenzminimum, um Essen, Trinken, Wasser, ein warmes Zimmer, Körperpflege, also um das Mindeste, das sogar Strafgefangenen, auch den schlimmsten Verbrechern, gewährt werden muss. Das sind 404 Euro für einen Alleinstehenden, zuzüglich einer »angemessenen Miete«, die in Leipzig – warm – 328 Euro beträgt. Einem Vorschulkind werden noch 237 Euro zugestanden, Kindergeld wird davon abgezogen. Das Gothaer Sozialgericht argumentierte in seiner vom BVerfG abgewürgten Beschlussvorlage: Sanktionen produzierten Obdachlosigkeit, Hunger, Diebstähle. Damit verstießen sie gegen die Grundrechte auf Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit. Unter Androhung von Kürzungen würden Menschen in prekäre Jobs hineingezwungen. So werde das Recht auf freie Berufswahl und das Verbot der Zwangsarbeit unterlaufen, so das Gericht.

Doch es sind längst nicht nur die Sanktionen, die Hartz IV zu dem machen, was es ist: Eine Agenda der Angst und Entrechtung, von der die meisten Beschäftigten genau zwölf Monate entfernt sind. Erwerbslose müssen zum Beispiel alles bis auf einen geringen Selbstbehalt »fürs Alter« von 150 Euro pro Lebensjahr aufbrauchen, bevor es einen Cent vom Amt gibt. Schmuck, Häuser und Autos ab einem bestimmten Wert sind zu verkaufen. Sie dürfen nicht unangemeldet ihren Wohnort verlassen. Werden sie »auf Reisen« erwischt, kann das Amt die Zahlung einstellen. Sie dürfen nicht umziehen, ohne dass es das Jobcenter für nötig hält und absegnet. Die Mietobergrenzen sind so niedrig angesetzt, dass »angemessene« Bleiben mit der Lupe gesucht werden müssen. Wer teurer wohnt, muss aus dem Regelsatz zuzahlen. Wer ein Vorstellungsgespräch bei einer Leihfirma nach Ansicht des Amtes vergeigt und den Job nicht bekommt, wird sanktioniert. Für selbständige Aufstocker bestimmt das Amt, welche Betriebsausgaben angemessen sind. Wer Kinder über drei hat, der muss sie in die Kita geben, um dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Wer 63 Jahre alt ist, wird gezwungen, mit hohen Abzügen in Rente zu gehen. Und so weiter…

Das Märchen von der Faulheit

Wie die Regierenden ihr Gängelgesetz rechtfertigen, ist bekannt: Erwerbslose seien selbst schuld an ihrer Lage. Sie bemühten sich nur nicht genug, einen Arbeitsplatz finden, der sie ernährt. Sie bräuchten also Druck. Gern ins Feld geführt von CDU, CSU, SPD, früher auch FDP und Grünen, wird eine angeblich massenhafte Faulheit. Es sei nur richtig, dass bestraft werde, wer sich »auf Kosten der Allgemeinheit« in die »soziale Hängematte« lege. Beispiele, die belegen könnten, dass »Faulheit« je eine Gesellschaft ruiniert hätte, liefern die Propagandisten hingegen nicht.

Allerdings sind diese »Faulheitsdebatten« nicht neu. Zur Zeit des deutschen Faschismus verfolgten die Nazis unter anderem auch sogenannte »Asoziale«, deren Faulheit schädlich für den »Volkskörper« sei. In den 70er Jahren, als die offizielle Arbeitslosenquote nach dem »deutschen Wirtschaftswunder« während der Aufbauphase erstmals wieder die eine Million-Marke übersprang, begannen Politiker erneut in öffentlichen Debatten, die steigende Erwerbslosigkeit vermehrter Faulheit zuzuschreiben. Mit dieser Begründung wurde schließlich der Zugang zur damaligen Sozialhilfe erschwert. Eine zweite Welle erfuhr die Debatte nach der Wiedervereinigung, als die Arbeitslosenzahlen in die Höhe schnellten. Zuerst traf es Asylbewerber. Mit der »Das Boot ist voll«-Kampagne läuteten CDU/CSU und FDP zu Beginn der 90er drastische Verschärfungen des Asylrechts im Jahr 1993 ein. Begründung: All die Faulen aus den fremden Ländern wollten sich nur in die soziale Hängematte legen.

Statistiken hingegen zeigen ein anderes Bild. Allein von 2012 bis 2015 stieg die Zahl der Ehrenamtler von 12,2 auf 13,44 Millionen Menschen an. Ein-Euro-Jobs sind händeringend von Hartz-IV-Beziehenden gesucht, das Schachern darum gleicht einem kleinen dritten Arbeitsmarkt. Beim Bundesfreiwilligendienst sind die Stellen weg, kaum dass sie angeboten werden. Fortwährend wurden sie aufgestockt. Gab es 2002 noch rund 13.000 Freiwillige, die Vollzeit für Taschengeld arbeiteten, waren es 2015 bereits knapp 39.000.

Arbeitnehmer, halt die Klappe!

Die Folgen von Hartz IV spüren längst nicht nur die Erwerbslosen und Aufstocker. Der fortgesetzte Druck gegen sie, jeden Dumpingjob anzunehmen, trifft alle Lohnabhängigen. Mittelbar wirkt sich das Gängelgesetz sogar auf Kleinbetriebe aus.

Wo ein wachsendes Heer an Erwerbslosen Schlange steht, wo es von Behörden zu jeder Arbeit verpflichtet werden kann, wo erste Slums in Großstädten der Masse vor Augen führen, wo enden könnte, wer nicht schnell genug im Hamsterrad mitläuft, dort schwebt ein Damoklesschwert der Angst über der Gesellschaft. Die Angst, nach einem Jahr dort landen zu können, macht natürlich etwas mit den Menschen: Sie halten die Klappe. Sie trauen sich nicht mehr, höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Urlaub zu fordern. Gewerkschaftliche Kämpfe mutieren zu Kleinstspartenveranstaltungen. Die Solidarität schwindet. Hinter jedem Arbeitsplatz stehen zehn oder mehr Bewerber, die dasselbe für weniger Geld tun würden oder tun müssten. Der Konkurrenzkampf tobt auf dem Arbeits- und dem Wohnungsmarkt, auf der »Gehaltsleiter«, die immer schwerer zu erklimmen ist, und bei den Tafeln. Wer aufmüpfig weniger Überstunden und mehr Freizeit fordert, kann dies haben: Am Gängelband von Hartz IV, stets zu allem verpflichtet.

Vor allem große Unternehmen profitieren von dem Pool an billigen Arbeitskräften. Nicht nur, dass Langzeiterwerbslosen kein Mindestlohn bezahlt werden muss – Betriebe bekommen diese Arbeitskräfte monatelang vom Staat subventioniert. Das ist gut für die Profite. Wer mit dem eingesparten Geld ein Vierteljahr die Preise senkt, hat seinen Vorteil auf dem Markt sicher. Hinzu kommen Heere von Ein-Euro-Jobbern. Sie pflegen Parkanlagen und Sportplätze, statt wie bisher der Garten-Landschaftsbaubetrieb. Sie sortieren Bücher in Schulbibliotheken, spielen mit Kindern in Tagesstätten, gehen mit Pflegeheimbewohnern spazieren. So sparen sich Kommunen Fachkräfte. Und Kleinbetriebe gehen reihenweise Pleite.

Vom System produziert, auf Beschäftigte abgewälzt

Wie jeder weiß: Seit mehr als 200 Jahren leben wir im Zeitalter der technischen Revolution. Maschinen und Automaten ersetzen zunehmend menschliche Arbeitskraft. Ein Acker muss nicht mehr von 100 Arbeitern bestellt und abgeerntet werden. Wo früher 1.000 Mann mit Hämmern klopften, stehen heute drei, die riesige Maschinen bedienen. Andersherum: Wo früher 1.000 Beschäftigte Steuern zahlten, tun es heute nur noch drei.

All die Maschinen aber, die die Arbeit nun verrichten, zahlen keine Steuern. Zahlen muss vor allem das Heer der Normalverdiener. Für sie halten die Paragraphen die wenigsten Steuerschlupflöcher bereit. Schrumpft ihre Zahl, werden sie stärker belastet. Manager und andere Spitzenverdiener haben da gut Lachen. Im Jahr 2000 senkte die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder (SPD) mit tatkräftiger Unterstützung von CDU/CSU und FDP den Spitzensteuersatz von 53 auf heute 42 Prozent. Dass die Vermögenssteuer für die Superreichen abgeschafft wurde, hatte zuvor bereits Altkanzler Helmut Kohl (CDU) besorgt.

Das Argument, dass mit der Automatisierung andere Arbeit entstehe, stimmt nur zum Teil. Und wenn, dann ist es zumeist Arbeit außerhalb des Produktionsprozesses. Im sozialen und kommunalen Sektor wimmelt es an mies bezahlten Angestellten, Ein-Euro-Jobbern, Ehrenamtlichen. Staatliche Behörden wuchern zu monströsen Apparaten, die, bezahlt aus dem schrumpfenden Steuertopf, Menschen kontrollieren, überwachen und tonnenweise Papier für die Tonne produzieren. Sprich: Der steuerfinanzierte Sektor wächst, die Steuerzahler schwinden.

Andererseits schießen Werbe-, Marketing- und Beraterfirmen wie Pilze aus dem Boden. Das ist absurd: Wo die Kaufkraft von Millionen Erwerbslosen, Niedriglöhnern, Leiharbeitern, Minijobbern, verarmten Rentnern, prekär Beschäftigten, Scheinselbständigen und Praktikanten schwindet, will man so den Binnenabsatz ankurbeln und zugleich durch noch mehr Lohndumping die Profite der Unternehmen sprudeln lassen.

Leere Sozialkassen und Rententöpfe?

Noch absurder sind die Dauerparolen von leeren Sozialkassen und Rententöpfen, mit denen die politische Klasse nicht nur die Hartz-IV-Verschärfungen, sondern auch die geplante Kappung von Sozialhilfe für EU-Migranten, Kürzungen der Leistungen für Flüchtlinge, Verschärfungen des Asylrechts, Senkung des Rentenniveaus und einen so niedrigen Mindestlohn rechtfertigt, der auch nach 47 harten Arbeitsjahren zu einer Altersversorgung unterhalb des Sozialhilfeniveaus führen wird.

Ein Blick in die Statistik überführt die Parolen von den leeren Kassen ebenfalls ins Reich der Märchen: Das Bruttoinlandsprodukt erklimmt seit Jahren in Deutschland immer neue Höhen. Von 1991 bis 2015 kletterte es von gut 1,5 auf rund drei Billionen Euro jährlich. Auf jeden Einwohner dieses Landes, vom Säugling bis zum Greis, kamen 1991 knapp 20.000 erwirtschaftete Euro. 2015 waren es bereits 37.100 Euro.

So wird mit immer weniger Arbeitskräften in der Produktion immer mehr produziert, obwohl die Zahl der erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher seit Jahren bei rund 4,3 Millionen stagniert, trotz 1,7 Millionen Kinder in sogenannten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften. Auch weitere knapp 900.000 Arbeitslosengeld-I-Bezieher verhindern das stete Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ebenso wenig, wie eine weitere Million Menschen mit Anspruch auf Grundsicherung im Alter, bei Erwerbslosigkeit oder Behinderung – Tendenz steigend.

Am unteren finanziellen Limit leben darüber hinaus mehr als 800.000 Menschen, die die Bundesagentur für Arbeit als »unterbeschäftigt« führt, und fünf Millionen von insgesamt 7,2 Millionen geringfügig Beschäftigt, die kein anderes Einkommen als das aus ihrem Minijob haben. In der Arbeitslosenstatistik (zuletzt mit 2,664 Millionen Erfassten) tauchen diese prekär Beschäftigten gar nicht auf.

Die Frage muss also lauten: Wo verschwinden all die produzierten Werte? In den Taschen der Lohnabhängigen ganz sicher ebenso wenig, wie in irgendeinem Sozialtopf oder in der Rentenkasse.

Verteilungskämpfe gefährden sozialen Frieden

Die Agenda 201 ist vor allem eine Agenda der Enteignung aller Lohnabhängigen – zugunsten der Großkonzerne. Hartz IV hat Millionen Menschen prekarisiert. Selbst Absolventen von Universitäten und Hochschulen hangeln sich oftmals von Praktikum zu Praktikum. Der Wirtschaftsaufschwung, den Hartz IV bewirkte, geschah auf Kosten eines wachsenden Heeres von billigen Arbeitskräften. Der ausufernde Niedriglohnsektor wird permanent von Jobcentern gefüttert. Bekannt ist, dass Hartz-IV-Behörden gezielt mit Leiharbeitsfirmen zusammenarbeiten. Hartz IV hat einen Minijob-Boom bewirkt. Die 7,2 Millionen Minijobber sind vor allem weiblich. Das macht Betroffene nicht nur arm, sondern auch abhängig von ihren Partnern. Denn unter Hartz IV gibt es keine eigenständigen Menschen, nur Bedarfsgemeinschaften.

Hartz IV treibt die Verteilungskämpfe auf die Spitze. Ganz unten kämpfen nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG-W) weit über 300.000 Obdachlose um Schlafplätze. Schon in diesem Jahr könnte die Halbe-Million-Marke übersprungen werden. Es gibt zu wenige Sozialwohnungen, zu wenig bezahlte Arbeit, zu wenig Kindertagesstätten. Die Altersarmut zeigt sich zunehmend in flaschensammelnden Rentnern. Mit Faulheit kann das nicht begründet werden. Auch die Flüchtlingsströme taugen nicht zur Rechtfertigung. Wohl aber gefährdet Hartz IV, zumal es nun erneut verschärft wird, den sozialen Frieden in der gesamten Gesellschaft.

 

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

22 Kommentare zu: “Agenda der Enteignung

    • „was sollen wir jetzt dagegen unternehmen?“

      Erst muss ich mich korrigieren: ich meinte natürlich den „brexit“(Was ein genauso blödes Wort wie „grexit“ ist)

      Dagegen(!) würde ich gar nichts unternehmen wollen. Eher das Gegenteil, wozu bei uns Einzelnen natürlich keine Möglichkeit besteht.

      Prinzip Hoffnung: Ich hoffe inständig (falls meine Spinnerei -auch nur teilweise- stimmt), dass man die berühmte Kleinigkeit nicht bedacht hat, die ENDLICH dazu führt, dass sich die ganze Finanz-„Industrie“ mit einem solchen Knall verabschiedet, dass bereits das Luftholen für das Wort „Rettungsplan“ viel zu spät kommt. Die Highspeed_Spinnerei an den Börsen könnte da ganz gut dabei helfen. Merke: Wenn G.Sachs pleite ist und der Shanghai Composite gegen null tendiert, ist das zerstörende Ungleichgewicht beseitigt. In der Astrophysik kann man das -zig fach beobachten. Je größer ein Ungleichgewicht, desto größer der Rumms, der zum Ausgleich führt. Eben dieser „Rumms“ wird schon seit Jahren mit allen Mitteln versucht, zu verhindern, was zwangsläufig zu einem weiteren Anstieg des Ungleichgewichts führt. Dümmer geht’s nimmer !!

      Es geht dann zwar wieder alles von vorne los. Das steht aber auf einem anderen Blatt.

      Kleinigkeiten könnte man schon tun:
      – Werbung konsequent abschalten
      – Meterlange Knabbertheken im Supermarkt meiden.
      – Giro Konto von jeglicher großen deutschen Bank auf die Sparkasse oder VoBa übertragen
      – Aktien verkaufen
      – Lebensversicherungen nicht neu abschließen
      – Hund anschaffen (der lügt nie und ist immer gut gelaunt)
      – Willy Wimmer’s Kampf für die Beachtung der hiesigen Verfassung und seinen glaubhaften Kampf für Frieden im eigenen Kreis (Bekannte/Verwandte) kommunizieren, unterstützen.

  1. Apropos Geld. Ich hätte da eine Spinnerei(?) auf Lager, von der ich hoffe, dass es eine solche ist. Es sind mir aber zu viele „Zufälle“:

    – Soros verkauft (angeblich) im großen Stil Aktien und beginnt physisches Gold zu horten
    – England (vorbereitet?) könnte mehrheitlich den Grexit beschließen
    – Glasfaserkabel für Hochgeschwindigkeits-Finanztransaktionen London/NY ist in Betrieb
    – Börsen fallen tendenziös seit Mitte. 2015. (Ausnahme Dow Jones! der mit Gewalt oben gehalten wird)

    Steht hier ein neuer Angriff auf den Euro bevor? Es ist der Zeitpunkt des England Referendum, der mich stutzig macht!
    – 90ster Geb. der Queen („wir sind stolz auf unsere Queen“)
    – mitten in der Fussball EM („unsere Jungs“)

  2. „Selbst Absolventen von Universitäten und Hochschulen hangeln sich oftmals von Praktikum zu Praktikum.“

    Ja, so in etwa ging es mir auch, lange Jahre die zu nichts Gutem führten, ergänzt noch durch 2-3 „Maßnahmen“ der Bundesagentur, sowie 2 befristete Jobs von kurzer Dauer. Einer davon witzigerweise in der Bundesagentur selbst, als Arbeitsvermittler im Arbeitgeberservice, für 11 Monate, Übernahme von vorn herein nicht vorgesehen. Durch den regelmäßigen Austausch der befristet Beschäftigten nämlich umgeht die BA das Risiko, die Befristeten evtl. irgendwann übernehmen zu müssen.
    Ist jetzt schon ein paar Jahre her, aber zu meiner Zeit lief es dort folgendermaßen:

    Alles was zählte, jeder Erfolg, an dem unsere Abteilung und jeder Einzelne gemessen wurde, waren die Vermittlungszahlen. Es gab einen regelrechten Wettstreit zwischen benachbarten Geschäftsstellen. Logischerweise kam so der Zeitarbeit das größte Gewicht zu, nirgendwo sonst konnte man auch nur annährend so hohe Vermittlungszahlen erreichen, mit der Folge, dass den Zeitarbeitsfirmen auch ordentlich irgendwo reingekrochen wurde.
    Man könnte dazu auch sagen, je kürzer ein Zeitarbeiter bei seiner Firma beschäftigt war, desto besser für die Bundesagentur, desto öfter kann man den nämlich neu vermitteln.
    Praktisch meldeten die uns ihren Bedarf nach Arbeitskräften; mitunter nichtmal das, stattdessen riefen wir quasi auf den Knien rutschend dort an, und fragten nach. Dann machten wir uns mit Hilfe unserer Datenbanken und Software auf die Suche nach dem gewünschten Menschen, und übermittelten die Daten. Die Zeitarbeitsfirmen selbst hatten für diese Suche in den seltensten Fällen überhaupt eigene Ressourcen, und waren daher stets an den Daten der Betroffenen interessiert, ob wirklich in Frage kommend oder nicht. Poolbildung nannte sich das. Wenn nicht jetzt dann brauchen wir den vielleicht später, wenn er nicht mehr Nein sagen kann.
    Die Bundesagentur erledigt also wesentliche Teile der Arbeit für die Zeitarbeitsfirmen, und ist ihrerseits im Rahmen der Vermittlungszahlen von denen abhängig. Diesen Irrsinn bezahlt der Steuerzahler, und sorgt so dafür, dass die Sklaverei ein lohnendes Geschäft bleibt.

    Zu den Kollegen der BA, sowie den Angestellten in den Zeitarbeitsfirmen. Ich habe keinerlei schlechte Menschen kennengelernt. Es gab ein paar Ausnahmen, bei denen die Mainstreampropaganda schon ins Denken und Handeln übergegangen war, die auf die Arbeitslosen schimpften und herabsahen, aber den meisten war ihr Tun durchaus bewusst, und sie empfanden es selbst als furchtbar. Nur den Jobverlust, den konnte sich wie gewöhnlich niemand leisten.

    @volker
    Diese Logik könnte man natürlich auch den Hartzern nahe bringen, dann wäre sie da, die Revolution.

    • Die Verstrickung der Bundesagentur und somit dem Steuerzahler mit Zeitarbeitsfirmen ist in der Tat problematisch. Das Problem wird noch erheblich verschärft durch die absichtlich von den DGB-Gewerkschaften tolerierten Dumpinglöhne im Bereich der Zeitarbeit. Berufsgewekschaften wie die GDL hingegen akzeptieren keine Schlechterstellung der Zeit Arbeiter und werden dafür von den meisten DGB-Gewerkschaften bekämpft. Dieses skandalöse absichtliche Versagen des DGB ist für viele der Probleme mit Niedriglöhnen verantwortlich. Und es zeigt offen, wie Mauschelei (hier: der DGB-Chargen mit der Arbeitgeberlobby) aussieht. Um das zu sehen, braucht man nicht einmal Verschwörungstheorie.

  3. Macht doch bitte mal eine Talk-Runde über Hartz IV und BGE! Soll heißen: Problem und Lösung. Nehmt gerne eine Gegenseite dazu. Und natürlich starke BGE Befürworter/Hartz IV Kritiker wie Götz Werner oder Ralph Boes. Wäre sicher ein sehr wertvolles Video !

    • Da ‚BGE‘ den Sozialstaat komplett zerstören würde, indem Reichen Sozialhilfe hinterhergeworfen würde, und durch BGE die Leistung für Bedürftige zusammengestrichen würde, sollte eine Diskussion über den Sozialstaat meiner Meinung nach geführt werden zwischen Vertretern der SPD/Union, fundierten Kritiker/innen wie Frau Bonath und echten Liberalen (die mal erläutern, dass das Gängelungs’instrument‘ ‚1-Euro-Job‘ auch nicht marktwirtschaftlich ist (interessiert vielleicht auch die FDP-Führung).

  4. Das mit dieser 2-Klassen-Robot-Gesellschaft ist ja im Prinzip schon Realität. Es ist klar, wo es lang geht-schon lange. Aber ich erlaube mir mehr und mehr den Zweifel, ob das Leben auf diesem Planeten solchen lebensfeindlichen Plänen noch lange gehorcht. Das Leben ist(speist sich aus dem) Geist und nicht (aus der) Materie und wenn das zu lange ignoriert wird, wird das ganze kippen mit allem Drum und Dran. Die allumfassende Liebe ist kein Kitschbegriff, sondern Einsicht in die höchste menschliche, einzig wahre Vernunft.

    • Wow! Geist. Materie. Leben. Liebe. Vernunft. Das alles in 5 1/2 Zeilen, womit sich Generationen von Philosophen, Wissenschaftler und Religionslehrer den Kopf zebrochen haben.
      Meine Erkenntnis ist, daß es mehr Fragen als Antworten gibt. Die Aussage, „das Leben ist (speist sich aus dem) Geist und nicht (aus der) Materie“ ist mir zu apodiktisch.
      Bei Geist und Materie halte ich es mit dem alten Griechen, nach dem alles fließt, und dem Welle/Partikel-Uncertainty Principle von Heisenberg, plus Kant (wegen der Vernunft). Ansonsten sind da noch eine Reihe Erkenntnistheorethiker, Kybernetiker, Gehirnforscher!!, ja sogar Endokrinologen.
      Zufällig paßt hier, was ich in meinem Beitrag zu Hochhuth schrieb: Geld und Informationen leben nur vom Glauben. Was bei Geld und Informationen sicher zutrifft, das scheint auch bei einigen der großen Fragen, wie Leben, Geist, Materie, Vernunft zu gelten, weil alles fließt und mal Welle, mal Partikel ist. Und so hält nichts für ewig – auch die Liebe nicht, wie jeder nach dem Ende der ersten Jugendliebe zu ahnen beginnt (bzw. sollte).
      Es lohnt sich, mit diesen Fragen zu beschäftigen. Und während man das tut, erkennt man, daß ein Leben für all diese Fragen zu kurz ist. Einstein wird „neu“ entdeckt. Wie ist das mit unserer Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Die Welt der Hopi-Indianer kannte das nicht!
      Wie gesagt, mehr Fragen als Antworten.

      .

    • Nachtrag:
      Vergaß zu erwähnen, daß zu der Definition, was „der Mensch“ und was Leben“ ist, der Beitrag der Transhumanisten, Futurologen etc. zur Realität unmittelbar bevorsteht. Derweil sitzt der Frosch im Topf mit Wasser, das langsam zum Kochen gebracht wird. Wenn er (der Frosch) dann gar und der Geist aus ihm entwichen ist, hat er (des Frosches Geist) das gar nicht mitgekriegt, sonst wäre er doch wohl rausgehüpft?

    • So ist es! Ich bilde mir zu viel ein, ich weiß nichts, und so suche ich Antworten, finde dabei immer vor allem mehr Fragen.

    • Alles (pseudo-)intellektuell Negieren ist genauso einfach und im Grunde genauso banal, wie alles kaputt machen. Von beidem haben wir jetzt genügend in der Welt.
      Mit „pseudo-“ meine ich z.B., hier die erste Jugendliebe mit der höchst möglichen Einsicht zu vergleichen, aber auch das alles andeutende und nichtssagende, gammatikalisch unkorrekte : „Bei Geist und Materie halte ich es mit den alten Griechen, nach dem alles fließt, und dem Welle/Partikel- Uncertainty Principle von Heisenberg, plus Kant(wegen Vernunft). Ansonsten sind da noch eine Reihe Erkenntnistheoretiker, Kybernetiker, Gehirnforscher, ja Endoktrinologen.“
      Dieser eitle Wort-Kladderadatsch soll wohl demonstrieren, was schon alles durchgeackert wurde. Ist aber wohl nix bei rausgekommen! Oder? Ach ja,die Hopi -Indianer! Aber nicht nur die, auch im Indischen gibt es übrigens nur die Gegenwart und Zukunft und Vergangenheit ist das selbe. Ja und? Was willst Du mir jetzt damit sagen?
      Dass ich nur spinne,oder was?
      Ich weiß sogar auch was mit einem Frosch: „Ein Frosch trinkt nicht den Teich aus, in dem er lebt.“
      Chinesisches Sprichwort.
      Ja, die Tiere sind nicht so mit eitler Ignoranz „gesegnet“ wie wir Menschen.

    • Speist sich Deine Sprache aus dem veganen oder aus dem „love“ -Anteil Deines Namens?
      Auch eine rhetorische Frage. Letzte Frage: Wie erkennt man toxische Menschen?

    • ..und bitte nächstens genauer Zeilen zählen: Es sind nicht fünfeinhalb, sondern nur viereinhalb, in die ich meine ganze Weisheit presste. Sorry noch für die Rüge wegen der Grammatik, hatte meinerseits auch nicht genau hingeschaut! Schönen Tag noch, jetzt ist für heute Schluss mit PC.

    • Tony, DU schreibst u.a.: “
      „… Und so hält nichts für ewig – auch die Liebe nicht, wie jeder nach dem Ende der ersten Jugendliebe zu ahnen beginnt (bzw. sollte)…“
      Du hast sie nur noch nicht gefunden, die Frau DEINES Lebens.
      DU schreibst weiter: „… ist mir zu apodiktisch…“
      Immanuel Kant: „Die Grausamkeit gegen die Tiere ist der Pflicht des Menschen gegen sich
      selbst entgegengesetzt.“
      https://www.change.org/p/stoppen-sie-das-yulin-hundefleisch-festival-in-guangxi-china

  5. Weil ich meinte, daß Globalisierung die 3. Welt in die 1. Welt sowie die 1. Welt in die 3. Welt bringen, also einen Mix produzieren würde, fragte ich in den Anfangsjahren der Globalisierung meistens junge Leute, ob sie wüßten, was Osmosis ist. Damals kannten fast alle den Prozess, und sie erkannten die Analogie. Heute kennt keiner mehr den Prozess.
    Analogien sind nicht immer perfekt, aber es ist wohl unbestreitbar, daß sich das Säure-Basen-Verhältnis global in Richtung immer sauerer verschiebt.
    Sieben Jahre Leben in Asien und die Auswirkungen der Globalisierung weltweit weisen für mich darauf hin, daß global die Zahl der Sklaven sich auf dem Stand der sog. 3. Welt einpendeln wird, während sich das 1% global dieser Sklaven bedient und unterdessen das 1% der ersten Welt mit dem 1% der dritten Welt Monopoly spielt.
    Ein sog. Experte wurde im deutschen Fernsehen neulich zum Thema Roboter befragt. Er meinte, in absehbarer Zukunft würde es eine Zweiklassengeselschaft geben. Eine Klasse, die den Robotern sagt, was sie zu tun haben, und eine Klasse, denen die Roboter sagen, was sie zu tun haben.
    Das im öffentlichen Fernsehen! Das hat mich erstaunt. Seine Aussage nicht.

  6. Guter Artikel,

    am Wochenende vor der Abstimmung in der Schweiz wurde in den einschlägigen Mainstream Zeitungen wie erwartet noch mal ordentlich Meinung gemacht. 22% dennoch ein ordentliches Ergebnis, leider läuft uns die Zeit davon. Wenn der komplette Überwachungsstaat mit privaten Sicherheitsfirmen installiert ist und Bargeld abgeschafft ist gibt es keine Chance mehr. Leute müssen bewusster leben und Unternehmen die solche Praktiken unterstützen im Kollektiv meiden. Das geht los beim Geld ausgeben los , denn Geld = Wahlscheine, und hört mit dem eignen Job auf. Ein Job ist eben nicht nur ein Job, jeder Job bringt eine soziale Verantwortung mit sich. Wenn natürlich jeder an erster Stelle Angst um seine eigene Existenz hat und das Allgemeinwohl erst dahinter kommt sind wird alle verdammt und gehen zusammen den Bach runter, und das verdient.

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