Im Gespräch: Alexander Unzicker („Wenn man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur“)

Der berühmte Kabarettist Volker Pispers sagte einst: „Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur.“ Doch warum benötigen wir in unserer Gesellschaft überhaupt Feindbilder? Könnte es damit zu tun haben, dass uns die Kontrolle über unseren Verstand entglitten ist? Der Physiker Alexander Unzicker jedenfalls hat den Ausspruch Pispers nun um ein paar Worte abgewandelt. Der Titel seines neuen Buches lautet: „Wenn man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur.“

Zu wissen, wo sich eben dieser Verstand so rumtreibt, ist in der heutigen Zeit jedoch kein leichtes Unterfangen. Denn von allen Seiten wird ein erbarmungsloser Kampf um eine unserer wichtigsten Ressourcen geführt: unsere Aufmerksamkeit. Die dabei über uns hineinbrechende Flut an Informationen behindert unseren Verstand zusehends bei seiner Arbeit.

Folglich ist eine der wichtigsten Aufgaben des modernen Menschen, zu unterscheiden, welche Dinge seine Aufmerksamkeit wirklich verdienen (z. B. die Bedürfnisse der eigenen Kinder) und auf welche Dinge er getrost verzichten kann (z. B. die permanente Aktualisierung des Facebook Newsfeeds). Einfach ist das nicht. Denn viele der Dinge, die um unsere Aufmerksamkeit ringen, wurden gerade so konzipiert, dass sie die Schwächen unseres Geistes gezielt ausnutzen.

In seinem Buch zeigt Alexander Unzicker auf, mit welchen Techniken versucht wird, uns „um den Verstand zu bringen“ und wie wir uns dagegen wehren können, ohne auf die Vorteile des digitalen Zeitalters verzichten zu müssen.

Unzicker spricht von der „unsäglichen Irrelevanz des Aktuellen“ und plädiert für einen gesünderen Umgang mit Medien. Da viele von uns inzwischen regelrecht zu News-Junkies geworden sind, täten wir gut daran, seine Worte ernst zu nehmen.

Inhaltsübersicht:

0:00:53 Alexander Unzicker im Portrait

0:13:23 Das Smartphonezeitalter und seine Folgen

0:27:43 Gesellschaftliche Lagerkämpfe

0:38:32 Die Medien und der Kampf um unsere Aufmerksamkeit

0:55:29 Propaganda, Wissenschaft und Harmoniesucht

1:13:30 Die drei Grundpfeiler: Frieden, Freiheit, Recht

1:27:49 Ein Blick in die Zukunft

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7 Kommentare zu: “Im Gespräch: Alexander Unzicker („Wenn man weiß, wo der Verstand ist, hat der Tag Struktur“)

  1. Eins ist mir in diesem Interview aufgefallen beim Anhören: Herr Unzicker eckt nicht an, er windet sich um unbequeme Aussagen herum. Er ist nett.

    Danach fiel mir auf, dass Herr Unzicker auch auf Heise veröffentlicht, wenns der gleiche Alexander Unzicker ist.
    Warum diese Panikmache von ihm, frage ich mich: https://www.heise.de/tp/features/Coronavirus-Abstand-zu-Italien-wird-kleiner-4682994.html
    War das Interview nur Fassade?

    • Genau das ist mir auch aufgefallen, vor allem, seit ich die Artikel von Herrn Unzicker zur "Pandemie" auf telepolis.de lese.

      Er müsste jetzt ja hoch zufrieden sein, D hat endlich den Shutdown, das Land ist im Ausnahmezustand und Bürgerrechte sind arg gerupft.

      Wie schafft es ein intelligenter Mensch, der auf die Kraft des Verstandes setzt und dies auch propagiert, nicht zu verstehen, was hier gerade in Echtzeit abläuft? Mich macht es – und das ist sehr selten – fassungslos, wie viele Menschen sich ihre bürgerlichen Freiheiten nehmen lassen und dies auch noch begrüßen. Dass sich aber ein Mensch, der sich für rational hält, zu Artikeln wie dem letzten hinreißen lässt, hinterlässt bei mir große Ratlosigkeit und im Ansatz ein verstehen für das, was bspw. Dritten Reich ablief ("Wollt ihr den totalen Krieg?")

      Und was mich obendrein sehr stört: Die herablassenden Formulierungen, deren sich Unzicker bedient, um einen Dr.Drosten oder einen Dr. Wodarg zu diskreditieren:

      https://www.heise.de/tp/features/Coronavirus-Warum-Herr-Drosten-jetzt-endlich-schweigen-sollte-4684176.html

  2. Den Dr. Alexander Unzicker als Lehrer für Mathematik, Physik und Astronomie zu haben, ist sicher ein angenehmes Lernen. Ein Mann von Herzensbildung und einem Hang zum Weiterdenken, zum Philosophieren, einer, der das Wissen in den Unterrichtsfächern nicht trocken runterbetet, sondern geistreich zu vermitteln versteht, man kann ja in seinen Büchern zusätzlich Grundsätzliches, Philosophisches erfahren. Dass die moderne Teilchenphysik beispielsweise von der reinen Wissenschaft derzeit beinahe hin zur Esoterik mutiert, dass man seinen Verstand gebrauchen sollte, um seinem Tag Struktur zu verleihen, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Aber in Physik sollte er besser noch mal all das auswendig Gelernte kritisch hinterfragen. Er behauptet seinen Schülern immerhin einen Urknall. Aber es gab entweder keinen, oder gleich mehrere. https://www.zeit.de/wissen/2012-06/milchstrasse-kollision-hubble Da streben zwei Galaxien also mit einer Geschwindigkeit von 400.000 km/h aufeinander zu, und treffen sich bereits in 4 Milliarden Jahren. Das wäre nicht möglich, wären beide einunddemselben „Urknall“ entsprungen und entfernten sich vom Urknalls-Zentrum, einem immer größer werdenden leeren Raum ohne jedwede Materie drin. Schon mal lokalisiert, dieses zunehmend gegen Unendlich anwachsende Räumchen? Und in der Strömungslehre widerspricht der MAGNUS-Effekt dem Satz von KUTTA/JUKOWSKI. Aber beide werden parallel gelehrt. Seit 1902. In letzter Konsequenz ist also bisher Gelehrtes, Dynamischen Auftrieb betreffend falsch. Ersichtlich, wenn man ein zu Boden wirbelndes Papierchen nicht nur gedankenlos beobachtet, sondern darüber nachzudenken begänne, warum ein solches stets schräg zur Gravitationsachse runterwirbelt, wenn es zu rotieren beginnt. Kein Wunder, wenn da ein so am Fach Verzweifelnder sich ins Bücherschreiben, ins Philosophieren retten muss. Aber diese Werke sind großartig poetisch, philosophisch wertvoll trotz ihrer physikalisch-intellektuellen Schwächeanfälle, siehe oben, Sind eben nicht trockene Wissenschaft, starrsinnige Faktendiskussion, sondern BLAUE BLUME der Poesie. Pures Glück, bei einem solch großartigen Autor zwar nicht Wurzeln, aber Flügel zu erfahren. Stimmt´s, Ken?

  3. Ich stimme fast allem zu. Nur die Ansicht über die Grundlagenforschung kann ich nicht teilen. Die Zeiten des Kämmerchens im Elfenbeinturm sind vorbei, Raumfahrt, CERN, Kognitions- und Biowissenschaften benötigen riesige Ressourcen, die wir auch haben, z.B. in den Rüstungsetats. Das alles lähmende ist die uns beherrschende Neoliberale Religion, nicht anders als zu Galileos Zeiten. Es lebe das Ketzertum! (Da bin ja ich hier richtig.)

  4. Frieden, Freiheit und Recht? Die Völker dieser Welt haben nichts davon. Es werden Kriege angefangen, wie es den Herrschenden gerade passt. Die Freiheit der Menschen wird entweder direkt beschnitten (siehe China Überwachung, USA Patriot-Act, EU Klimanotstand) oder indirekt durch Manipulation (Medien). Und das Recht? Wieviel Recht wurde z.B. nur in Europa in den letzten Jahren gebrochen? Wieviele Gesetze wurden für den ESM gebrochen? Soleimani (im Nachbarstaat des Iran ermorden lassen) und der "Racheakt" des Iran (in Nachbarstaaten (Irak) hineinschießen). Die Liste der Rechtsbrüche auf der Welt würde soviel Papier benötigen, dass man einmal den Globus damit umspannen kann. Vielleicht muss alles zusammenbrechen, damit sich die Menschen genau auf diese drei Begriffe Frieden, Freiheit, Recht focussieren.

  5. Herr Alexander Unzicker

    Sehr schoene "Hinge-points"( point where a minor change turns into a major )
    haben sie in unserem paradoxen "Horror vacui"ausgedeutet.
    Wie damit umgehen lernen ?
    Love it ,do it.
    Wer Angst hat liebt nicht, und wer liebt hat keine Angst.
    Der Weg aus der Angst fuehrt immer durch die Angst.
    Dann schaffen wir auch die notwendigen neuen Ideale fuer die es wieder gemeinsam zu l(i)eben lohnt.

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