Alt, krank und bettelarm

Von Susan Bonath.

Prognose: Bald viele Millionen Rentner unter dem Sozialhilfeniveau. Die Altersarmut in Deutschland steigt, der Niedriglohnsektor auch. Mit kapitalistischer Logik ist das nicht aufzuhalten.

Hauptsache Arbeit? Fast 20 Millionen abhängig Beschäftigte in Deutschland verdienten im Jahr 2014 weniger als 2.330 Euro brutto. Ein Lohn in dieser Höhe über 38 Jahre hinweg wäre aber nötig, um als Rentner überhaupt das Niveau der derzeitigen staatlichen Grundsicherung zu erreichen. Das liegt aktuell bei durchschnittlich 795 Euro monatlich. Das geht aus neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, über die Heiligabend zuerst die Saarbrücker Zeitung berichtete.

Das heißt: Für ein Leben oberhalb des Hartz-IV-Satzes im Alter müssten Lohnabhängige bei einer 40-Stundenwoche mehr als 13,70 Euro pro Stunde, bei einer 35-Stundenwoche sogar über 15,60 Euro verdienen – und das 38 Jahre lang. Unter Einberechnung der Inflation müssten die Stundensätze sogar noch höher liegen. Schwierig: Kontinuierlich verlängern sich die Ausbildungszeiten, auch die Zahl der durch Erwerbslosigkeit und Überbrückungszeiten im Niedriglohnsektor durchbrochenen Biographien steigt.

Erfasst hat das Bundesamt 37 Millionen Beschäftigungsverhältnisse, bei denen mehr als der Hälfte der Erwerbstätigen so Gehälter gezahlt wurden, die eine Rente unter dem Hartz-IV-Satz erwarten lassen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im September 31,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, fast zehn Millionen davon sind Teilzeitstellen. Mit Minijobs halten sich inzwischen knapp 7,5 Millionen Menschen über Wasser. Diese sind durch die Arbeit weder renten- noch krankenversichert. Auch rund 2,3 Millionen Solo-Selbständige sorgen nicht für die Rente vor. Ihnen fehlt meist schlicht das Geld dafür.

Totale Enteignung 

Schon jetzt sind mehr als eine Million Altersrentner und erwerbsunfähige Behinderte auf zusätzliche Grundsicherung angewiesen. Hierbei werden die Bezüge auf Hartz-IV-Niveau aufgestockt. Alleinstehenden stehen im kommenden Jahr 409 Euro zu. Hinzu kommt eine »angemessene« Miete, wobei die Obergrenzen in den meisten Kommunen so niedrig ausfallen, dass dafür kaum mehr Wohnungen zu finden sind.

Jegliches Vermögen bis auf den Freibetrag von 2.600 Euro muss aufgebraucht sein, um überhaupt Grundsicherung beanspruchen zu können. Die Lebensversicherung, das kleine Eigenheim, das Auto und das hochwertige Tafelsilber muss also zuerst zu Geld gemacht und – wortwörtlich – auf Sozialhilfeniveau aufgegessen werden. Dabei spielt es wie bei Hartz IV keine Rolle, unter welchen Entbehrungen und Arbeitsaufwand Betroffene sich dieses einst zugelegt haben. Bis zu einem gewissen Grad werden sogar Kinder, oder bei jüngeren Behinderten die Eltern, in Regress genommen.

Das heißt: Jedem, der keine ausreichend hohe Rente erreicht, droht die komplette Enteignung der Lebensleistung. Unvorhergesehene Ereignisse, wie Unfälle oder Erkrankungen, die Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben, können, wie auch eine unverhoffte Kündigung, ebenfalls dazu führen.

Zynisch: Niedriglöhner sollen zusätzlich privat vorsorgen

Die Regierenden von Union und SPD relativieren das bekannte Problem seit Jahren. Sie pochen auf zusätzliche private Altersvorsorge. Das ist zynisch. Schließlich müssen Geringverdiener aktuell von irgendetwas leben. Zudem rechtfertigt die Bundesregierung ihre massiven Rentenkürzungen der letzten Jahre damit, dass Beiträge für die gesetzliche Kasse andernfalls weiter steigen müssten. Bleibt alles beim Alten, ist die Feststellung natürlich richtig.

Das liegt an mehreren Fakten: Erstens werden Vollzeitstellen immer mehr durch atypische Jobs ersetzt: Unternehmen greifen verstärkt auf Leiharbeiter oder freie Mitarbeiter auf Honorarbasis zurück. Von 2000 bis 2015 sank die Zahl der sogenannten Normalarbeitsverhältnisse um rund 1,5 Millionen auf 22,6 Millionen. Dass sich dieser Trend ändert, ist ob der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung nicht zu erwarten. Damit müssen immer weniger Beschäftigte für die »solidarische« Rente aufkommen.

Zweitens wächst der Niedriglohnsektor. Das zeigen schon die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Der neueste Armutsbericht der Bundesregierung geht tiefer ins Detail: Danach arbeiten rund 20 Prozent der Beschäftigten für weniger als 10 Euro pro Stunde; im Osten der Republik beträgt ihr Anteil sogar ein Drittel. Dramatisch steigt demnach die Zahl der jungen Niedriglöhner. Immer mehr von ihnen hangeln sich auch nach abgeschlossener Berufsausbildung von Praktikum zu Praktikum oder Leiharbeitsjob zu Leiharbeitsjob. Ihre Chance, eine unbefristete Vollzeitstelle zu ergattern wird immer geringer. Mit der Ausdehnung des Niedriglohnsektors sinkt natürlich das Beitragsaufkommen.

Drittens werden weiterhin Gutverdiener, Beamte und Unternehmer von der solidarischen Verantwortung ausgeklammert. Sie müssen nicht in den staatlichen Rententopf einzahlen. Bei gleichzeitigem Schrumpfen der auskömmlichen Beschäftigungsverhältnisse ist eine immer höhere Belastung der Nochbesitzer eines Normalarbeitsplatzes vorprogrammiert, um das Rentenniveau nicht immer tiefer sinken zu lassen.

Viertens werden für Hartz-IV-Bezieher seit 2011 keine Rentenversicherungsbeiträge mehr abgeführt. Das heißt: Anders als vor Einführung der Agenda fließt für jeden, der nach zwölf Monaten keinen oder nur einen Minijob gefunden hat, nichts mehr in den Solidartopf. Hinzu kommt, dass sowohl Hartz-IV-Bezieher als auch Asylbewerber unter Androhung der Kürzung oder Streichung des Existenzminimums massenhaft in den Dumpingsektor gezwungen werden und damit unfreiwillig zu dessen Ausdehnung beitragen.

»Faule« oder Reiche – Wer zockt die Mittelschicht ab?

Kaum anders sieht die Realität bei den Steuern aus. Während reiche Unternehmer und Erben zahlreiche Schlupflöcher und Freibeträge genießen, tragen die abhängig Beschäftigten der unteren und mittleren Einkommensgruppen die Hauptlast. Vor allem die untere Mittelschicht ist deshalb zurecht empört darüber, dass sie immer stärker geschröpft wird.

Vielfach entlädt sich die Wut allerdings gegen angeblich »faule« Hartz-IV-Bezieher, die sich zu schade dafür seien, für wenig Geld zu arbeiten, oder Flüchtlinge und Migranten, die »nur Sozialleistungen abgreifen« wollten. Diese Art der Empörung trifft jedoch die Falschen. Sie entspringt mehr dem Frust über die eigene Situation im Ausbeutungsgefüge, als logischen Überlegungen.

Erstens ist der politisch gepredigte angebliche Trend zur Vollbeschäftigung angesichts fortschreitender Automatisierung ein Märchen. Die nicht sozialistischer Neigungen verdächtige ING-DiBa-Bank gab vor anderthalb Jahren eine Studie heraus, in der sie mehr als der Hälfte der 31,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Jobs das Aus in den kommenden Jahrzehnten prognostizierte. Vor allem viele Maschinen- und Anlagenbediener, Dienstleister, Bürokräfte und Handwerker würden bald von Computern und Robotern ersetzt, heißt es. Damit wird der Kreis der Einzahlenden weiter schrumpfen.

Zweitens ist es ein Märchen, dass kein Geld vorhanden sei. Laut aktueller Vermögensberechnungen verfügen 171 deutsche Familien über Milliardenvermögen. Die 500 reichsten von ihnen besitzen zusammen fast 700 Milliarden Euro. Bei den Superreichen wächst das angehäufte Kapital immer weiter, bedingt durch fehlende Vermögenssteuer, massive Begünstigung reicher Unternehmenserben und Ausgliederung der Reichen aus den Solidartöpfen. Akkumuliert sich das Kapital aber bei wenigen, müssen zwangsläufig mehr Menschen leer ausgehen. Laut Armutsbericht der Bundesregierung sind inzwischen über zwei Millionen deutsche Privathaushalte und damit sieben Millionen Einzelpersonen überschuldet – Tendenz steigend.

Abwärtsspirale stoppen

Kein abhängig Beschäftigter kann wollen, dass all jene, die wegen des technischen Aufschwungs freigesetzt werden, dann acht Stunden täglich im Callcenter Lotterieabos verkaufen oder ähnlich unsinnige oder gar schädliche Jobs ausführen. Auch, dass Ein-Euro-Jobs, Praktika und billigste Leiharbeit reguläre Jobs verdrängen, kann kein Ziel der Lohnabhängigen – ob Arbeitsplatzbesitzer oder nicht – sein.

Im Gegenteil: Wer verlangt, dass Hartz-IV-Bezieher weiterhin mit harter Hand in prekäre Arbeit gezwungen werden, gefährdet nicht nur seinen eigenen Arbeitsplatz inklusive Gehalt. Er befördert die wachsende Ausbeutung  und ein ständig sinkendes Rentenniveau immer weiter.

Wer die Abwärtsspirale stoppen will, muss nicht nur dafür kämpfen, dass Vermögende höher besteuert und verpflichtet werden, in die Sozialversicherungskassen einzuzahlen – bei gleichzeitiger Entlastung der Ärmeren. Er muss auch wollen, dass Erwerbslose nicht länger durch Sanktionsdruck zu Niedriglöhnen verpflichtet werden. Im Klartext heißt das: Jeder, der sich weigert, in die Leiharbeit zu wechseln und dafür sanktioniert wird, hat die volle Unterstützung aller Arbeiter verdient.

Spätestens an dieser Stelle dürfte das politische Totschlagargument fallen: »Wie kann es sein, dass irgendwer sich in der sozialen Hängematte ausruht?« Doch erstens sind 700 bis 800 Euro, verbunden mit dem Zwang selbst für Studierte, sich für jeden noch so miesen Lohn zu verdingen, alles andere als eine Hängematte. Zweitens bräuchte es diese Leistung bei gerechter Aufteilung der Arbeit zu auskömmlichen Gehältern gar nicht. Es ist doch so: Eine Gesellschaft, die Arbeit mittels Technologie abschafft, ohne die davon profitierenden Kapitalisten abzuschaffen, produziert Erwerbslose ohne Ende. Mithin: Steigt die Zahl letzterer unter heutigen Bedingungen und wächst dabei der Niedriglohnsektor, schrumpft die allgemeine Kaufkraft. Das führt zur Überproduktion und damit zu handfesten Kapitalverwertungskrisen. Letztere werden bald nicht mehr durch kriegerische Markteroberungs- und Plünderungsfeldzüge zu kaschieren sein. Kurz: Selbst die Kapitalisten schneiden sich am Ende ins eigene Fleisch.

Vision: Weniger Arbeit, mehr Teilhabe für alle

Letztlich kommt, wer wirklich Fortschritt will, nicht um eine größere Vision herum. Um Reichtumsanhäufung auf der einen und Massenverarmung auf der anderen Seite zu verhindern, muss die Produktion und die Verteilung der Waren gesellschaftlich kontrolliert werden. Das bedeutet: Privatkapital, das nicht ausnahmslos zum Nutzen der Allgemeinheit eingesetzt wird, gehört rigoros enteignet. Nebeneffekt: Damit wäre auch die Rüstungsproduktion zu stoppen. Strikte Ober- und Untergrenzen für Einkommen müssen her. Die Grundversorgung gehört nicht in private Hände. Nur so kann die Kooperation dem Konkurrenzkampf »jeder gegen jeden« weichen. Nur so sind soziale Verwerfungen inklusive steigender Kriminalität zu besiegen.

Möglich wäre das. Doch um darauf zu kommen, muss man aufhören, in der uns als alternativlos vorgegaukelten kapitalistischen Logik zu denken. Die beliebte Frage, wer das denn bezahlen solle, ist dann leicht zu beantworten. So ist das weltweite Bruttosozialprodukt in den letzten zehn Jahren von 51 auf 74 Billionen US-Dollar bzw. 70 Billionen Euro gestiegen. Das heißt: 2016 produzierten Arbeiter weltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von 74.000 Milliarden Dollar. Sie sind nur ungleich auf die Menschen verteilt: In Somalia kann sich im Schnitt pro Jahr jeder Einwohner derzeit nur Waren im Wert von 400 Dollar leisten. Doch selbst klafft die soziale Schere auseinander. In Ölstaat Katar dagegen entfalllen auf jeden Einwohner 145.000 Dollar pro Jahr. Zum Vergleich: in Deutschland hätte jeder Einwohner vom Baby bis zum Greis bei gleicher Verteilung des Bruttosozialprodukts aktuell 45.300 Euro pro Jahr zur Verfügung. Hätte.

Letztlich kann nicht ignoriert werden: Der Mensch sucht sein Glück in einem kurzen Erdenleben. Mitnehmen wird er am Ende nichts. Bettler und Flaschensammler an jedem deutschen Bahnhof oder verhungernde Kinder in Afrika, Indien oder Lateinamerika machen keinen glücklich, der nicht komplett gestört ist. Auch harter Konkurrenzkampf, Neid, Gier und Hass sind alles andere als Zeichen des Glücks. Sucht der Mensch nicht vielmehr nach Gesellschaft und Akzeptanz? Strebt er etwa nicht nach gegenseitiger Sorge, kreativer Entfaltung, Solidarität und Frieden? Ein System, das dies zum Ziel hätte, wäre nicht nur gut für alle. Es wäre auch machbar.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

23 Kommentare zu: “Alt, krank und bettelarm

  1. Immer nur wird von Arbeitnehmern gesprochen. Dass dabei Frauen und Männer zu unterscheiden sind, insbesondere in Alleinerziehende und Verheiratete einzuteilen wären…es wird nie erwähnt!
    Als Alleinerziehende muss man viel Glück haben, um so locker zu arbeiten und daneben noch Kind-er aufzuziehen! Wohl dem, der liebevolle und allzeit bereite Grosseltern oder andere Bereite hat, finanziell unabhängig und gut bestückt ist, einen Job mit freier Zeiteinteilung hat, viel verdient für wenig Engagement, abgesichert ist (beamtet), gesunde, gefügige, widerstandskräftige Kinder hat, und in seinem Beruf gerne und ausgefülltermassen über 35 Jahre alle Ansprüche spielend erfüllen kann…der immer den gleichen, verständnisvollen Chef hat und schliesslich zum Inventar gehört.
    Wieviele % der Alleinerziehenden macht das aus?

  2. Ein praktikabler Weg zur Umsetzung Ihrer Vision
    Danke Susan Bonath, für diesen erhellenden Artikel. Ich bin weder Rentenexperte, noch habe ich mich während meiner 29 Lebensjahre als besonders politische Person hervorgetan. Nichtsdestotrotz ist auch für mich klar, dass in Anbetracht der „Bevölerungspyramide“, die in Deutschland natürlich längst einen Wohlstandsbauch herausgebildet hat und auf klapprig-dünnen Beinen fußt, und der sich anbahnenden nächsten Industrierevolution, von menschlicher Arbeitskraft hin zu Maschinen und Robotern, ein RADIKALES Umdenken zum Thema Rentenfinanzierung angestellt werden muss.

    Und es erschreckt mich, wie wenig man über diesen, für den Fortbestand des friedlichen Zusammenlebens in Deutschland, essentiell wichtigen Themenkomplex ließt. Es findet kaum ein Diskurs diesbezüglich statt. Stattdessen wird die politische Agenda von parteipolitischen Grabenkämpfen á la „Obergrenze für Flüchtlinge“ oder „Ausländermaut“ bestimmt. Anstatt sich am Elend anderer politisch aufzugeilen, den islamistischen Terrorismus als größte Bedrohung unserer Zeit in den Mittelpunkt fast jeder abendlichen Talkrunde zu stellen und diesen gleich zum Anlass für die Beschneidung unserer Persönlichkeitsrechte zu nehmen (Stichwort Vorratsdatenspeicherung und Massenüberwachung), sollte der Fokus doch eher auf der Ausarbeitung und Formulierung von Visionen eines solidarischen Zusammenlebens liegen. Und das schließt natürlich auch die Finanzierung des Altersruhestands von Arbeitnehmern*innen meiner Generation und der meiner Eltern ein.

    Aber wie lassen sich die Renten in Anbetracht der vorgetragenen Veränderungen unserer Gesellschaft und der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung stemmen? Ich weiß es nicht. Den Vorschlägen der Autorin kann zugestimmt werden. Ich würde jedoch noch weiter gehen und völlig neue Wege der Rentenfinanzierung denken. Wie wäre es z.B. mit einer Finanzierung über so etwas wie eine Finanztransaktionssteuer. Oder noch besser: einer „Konsumgüterentferungssteuer“ – also einer Steuer auf Konsumgüter, die sich an der von diesen Produkten zurückgelegten Entfernung bemisst. Dies stärkt zudem regionale Märkte – lässt regionale Wertschöpfungsketten entstehen. Da freut sich auch die Umwelt.

    Ich bin wie gesagt kein Politologe. Vielleicht gibt es ja schon weitaus durchdachtere alternative Systeme zur Rentenfinanzierung. Falls ja, freue ich mich über Literaturhinweise von euch.

    VG
    Marvin

  3. Ein schöner Traum: der Mensch beginnt zu teilen. Die anderen, nämlich die, die zu viel haben, sollen zur Vernunft kommen und gefälligst etwas abgeben. Alles spricht dagegen, dass das passieren wird. Realistische Zukunftsvision gefällig? Bittesehr, die USA: eine komplett entsolidarisierte Gesellschaft. Die Antwort ist nicht etwa milder Altruismus, sondern Trump und America first. Die armen Amerikaner haben dabei sogar noch eine Idee mehr als wir Deutsche: sie glauben daran, Amerikaner zu sein und bei America first etwas abzubekommen. Reichtum hat aber nichts mit Staaten oder Nationen zu tun. Es gibt einen Ausweg: die Abschaffung des heutigen Geldsystems und der Weg in eine besitzlose, gemeinnützige Tauschgesellschaft. Denkt um: nicht wie viel (wertlose) Euros wollt Ihr haben, sondern was tragt ihr zum Gemeinwesen bei und wie viel wollt ihr dafür haben? Die Frage müssen sich auch reiche Erben stellen lassen.
    Klar: dieser Weg ist vollkommen unrealistisch. Für verdienten und unverdienten Besitz wird nun einmal getötet. Da hat’s ein armer Mensch in Deutschland momentan sogar noch richtig gut, denn sein Leben steht nicht auf dem Spiel. Und während das verbliebene Sozialsystem vor unseren sehenden Augen komplett kippt, wählen alle, die ihre Besitzstände behalten wollen Merkel SPD, Grüne und AfD.

  4. Hier noch mal ein weiterer Grund von Hunderten, aus dem DGB auszutreten, also aus allen, im DGB organisierten Gewerkschaften und in freiheitliche Gewerkschaften einzutreten oder besser: Gleich im Betrieb, in dem man arbeitet, eine aufbauen!

    „Für ca. eine Million Leiharbeiter*innen hätte die Möglichkeit bestanden deutliche Lohnerhöhungen zwischen 2 und 6 Euro pro Stunde durchzusetzen. Das hört sich gewaltig an, ist es auch. Die meisten Leiharbeiter*Innen erhalten zur Zeit Stundenlöhne von 9 und 9,61 Euro brutto pro Stunde. Dies entspricht den beiden unteren Lohngruppen in den Tarifverträgen der Leiharbeit. Mit diesen Stundenlöhnen, allesamt im Niedriglohnbereich lässt sich der Hartz 4 Satz nicht erreichen. Also Vollzeitarbeit für weniger als Hartz 4.“

    Quelle: http://iww-bremen.org/blog/2016/12/02/dgb-tarifgemeinschaft-schliesst-neuen-tarif-ab-lohnverzicht-besiegelt/

    Es gibt kleine, erste Initiativen bereits in Deutschland, in anderen Ländern, wie Frankreich oder Spanien zählen die freiheitlichen Gewerkschaften bereits tausende Mitglieder. Eine Zusammenarbeit auf internationaler Ebene könnte eine wirkliche Gegenmacht formieren und ein erster Schritt werden, zu sozialer Emanzipation – neben der Reinigung der Medien, durch selbstorganisierte Medien-Syndikate wie KenFM, könnte die Wirtschaft von den Übeln dieser Zeit befreit werden. Also raus aus dem DGB und rein in die syndikalistischen Gewerkschaften!

    • Allein der Gedanke, dass der DGB bei HartzIV mitgewirkt hat, lässt einen erschaudern.Wie kann man jemanden bezahlen, wählen, der an dem Ast sägt, auf dem man sitzt?
      Diese Frage wird unbeantwortet bleiben, weil der gesunde Menschenverstand so etwas nicht versteht!

    • @Anette
      Ich denke nicht, dass der DGB irrational und unüberlegt handelt. Es gilt also herauszufinden, welches die Gründe für die Handlungsweise des DGB waren und worin die Fehler in diesen Gründen liegen. Und ich denke, dass einer der Fehler darin liegt, dass die Gewerkschaften den grundsätzlichen Gegensatz von Lohn und Profit nicht sehen wollen, statt dessen glauben sie an so etwas wie eine gesunde Balance. Da sie Profit als notwendig für Unternehmen akzeptiert haben, nehmen sie den Standpunkt eines Unternehmers ein und hat man sich erst mal auf den Standpunkt eines Unternehmers eingelassen, dann folgt man schon gern der Logik von Kosten und Profit und schreibt sich lediglich auf die Fahnen für ein „gesundes Maß“ zu sorgen.
      (d.h. den Zweck „Profit“ haben die Gewerkschaften allemal aktzeptiert und mäkeln jetzt nur noch an den Mitteln herum, diesen Zweck zu erreichen)

  5. Es gibt unendlich viele Blogs, eines haben sie gemeinsam, man trifft auf viele intelligente Aussagen, die auch eine Gemeinsamkeit haben, sie sind unglaubwürdig, denn wenn fungierten Kenntnissen keine Taten folgen, bzw voraus gingen, dann haben sie die selbe Aussagekraft, wie beim Vergleich der schwäbische Hausfrau mit Schäubles Finanzhaushalt!
    Hilft uns das weiter, ich glaube hier sind wir nicht einem cm vom Fleck gerückt Taten sollten sprechen, keine klugen Sprüche…gerade das ist das Dilemma in der Bevölkerung, weshalb bei uns ja auch die Straßen leer bleiben!Hätten wir, die heutige Generation unsere Kinder anders erzogen, gäbe es viel weniger Gleichgültigkeit, mehr Interesse an den Mitmenschen ect etc…Man hat entgegen allem Wissen, die meisten Kinder abgewandt von den Mitmenschen, der Natur,erzogen…das „ICH“ wurde in den Mittelpunkt gestellt.
    Und nun klagen wir? Wo drüber, über unsere
    Fehler?

  6. Vor 81 Jahren waren verarmte, verhungernde spanische Bauern und Proleten schon weiter fortgeschritten in sich tatsächlich ereignender sozialer Befreiung, als es heute bei unseren „kritischen Geistern“ im Kopf der Fall ist.
    Das Alte Rom schuf gemeinsam mit der zentralistischen Prinzipatsstruktur seiner Gesellschaft verschiedene abstrakte Begriffe. Diese Begriffe sind wie eine Religion, die wir nicht bewusst ausüben, die uns dafür aber umso stärker gefangen hält. Laut dem chinesischen Mystiker Lao Tze ist jener Herrscher am besten im Sattel, der es versteht möglichst unsichtbar zu bleiben.
    Beispiele für das abstrakte Denken unserer Zeit sind u.a. „Auctoritas“ und „Rerum“, also die Autorität und das Eigentum.
    Vertreter zentralistischer Lebensauffasungen, wie Papst Papst Leo XIII., haben dafür gesorgt, dass diesen abstrakten Begriffen Kontinuität verliehen wurde, zB wenn er behauptete:

    „Aber, was schwerer wiegt, das von den Sozialisten empfohlene Heilmittel der Gesellschaft ist offenbar der Gerechtigkeit zuwider, denn das Recht zum Besitze privaten Eigentums hat der Mensch von der Natur erhalten. “

    Über die christliche Religion und ihre Organisation, die Kirchengebilde, allen voran die „katholische“ Kirche, sind die Begriffe des römischen Rechts in unsere Gesetze und das Denken unserer Zeit diffundiert, wie ein Gift.
    Diese Hypotheken der Vergangenheit auf die Zukunft, die sich im Gedankenkorsett des Absolutismus römischer und christlicher Prägung nicht frei entwickeln konnte, wiegen noch immer schwer, wie Susann Bonath in ihrem Text darlegt.

    Wer eine tiefgreifende Lösung herbeiführen will, die ihren Namen auch verdient, der muss auch neu denken.
    Wer die zukünftige Gesellschaft im Prokrustesbett des Staates und des Eigentums an Produktionsmitteln und Kapital denkt, diese nur durch Reformen oder andere Experimente „verträglicher“ gestalten will, hat schon verloren, hat die Zukunft von Milliarden schon wieder an die Vergangenheit verscherbelt.

    Aus diesem Grund kann die Lösung nicht sein, sich einer wie auch immer gearteten Autorität zu unterwerfen, sondern der Weg muss über eine befreite Gesellschaft gehen – in der die Menschen, wie es Nick Mott ausgedrückt hat „Reziprozitär“ (Auf Gegenseitigkeit basierend) mit einander verbunden sind, wie ein Netz.
    Warum fallen denn so viele durch das soziale Netz?
    Warum nur? Das liegt daran, dass es kein soziales Netz gibt. Denn die Fäden des sozialen Netzes sind nicht wie bei einer sicheren Bergtour von Mensch zu Mensch gesponnen, sondern laufen an zentralen Punkten zusammen – Arbeiter sind nicht großartig miteinander verbunden, ihre Fäden laufen zum Unternehmer, er hat die Fäden in der Hand.
    Von ihm laufen wiederum Fäden zum Staat und vom Staat bestimmt noch weiter nach Oben, zu irgendwelchen Superreichen und anderen Eliten. Auf jedenfall aber zu überstaatlichen Organisationen, wie UN, NATO, EU und so weiter. Im heutigen Gesellschaftsmodell sind die Menschen nicht miteinander verbunden, sondern ihre Fäden laufen alle zum Staat oder die anderen Zentralen der Gesellschaft, die wie Tumore das gesellschaftliche Leben zersetzen.

    In einer freien Gesellschaft würden Fäden zwischen allen Menschen gespannt sein und das Hindurchfallen durchs soziale Netz wäre nur noch auf natürliche Weise möglich – unheilbare Krankheiten, Naturkatastrophen usw. Das selbstgemachte Elend des Menschen, die Reichen und der Terror durch Religion und Staat, würden der Vergangenheit angehören, in die sie uns immer wieder, so lange wir an sie, statt an uns selbst, glauben, zurückkatapultieren werden, um ihre Machtposition zu wahren. Ist ja auch schick, so ein teures schnelles Auto. Brumm Brumm. Hauptsache teuer, langsam geht auch. Teuer + öko ist eine wunderbare Kombination, die bestens illustriert, wie krank diese Menschheit wirklich ist. Egal, jedenfalls liegen die oberflächlichen Symptome, die bspw. der vorliegende Text beschreibt, an den tieferliegenden Mustern unseres gesellschaftlichen und persönlichen Zerfalls durch Autorität und Eigentum.

    Menschen müssen sich finden – wir fühlen uns in Millionenstädten einsam, weil uns keine zwischenmenschlichen Beziehungen miteinader verbinden.

    Politiker dürfen nicht mehr die Politik für uns übernehmen. Wir müssen die Nationen zerschlagen, die nichts anderes als Verwaltungseinheiten des „Humankapitals“ sind und die nur die Gesellschaft durch Kriege und Krisen, durch Bürokratie und unnatürliche Grenzen zerstören. Wir müssen selbst in politischen Dingen entscheiden, dazu muss sich aber die Struktur der Politik ändern. Leute aus einem Bergdorf haben sich nicht in die Angelegenheiten von Städtern zu mischen und umgekehrt, wenn es um Politik geht. Wirtschaftlich müssen sie kooperieren, aber wie soll man an so unterschiedlichen Lebensumständen politisch gleiches Maß anlegen? Wie können sich zentrale Stellen anmaßen das Leben von unterschiedlichen Menschen zu pauschalisieren, die ganze Individualität, die ganze Seele, wegzurationalisieren?

    Wirtschaft. Erziehung muss durch gemeinsame Arbeit geleistet werden. Entweder gemeinsame Arbeit in kollektivierten Betrieben nach dem auf heutige Verhältnisse übertragenen Muster der spanischen Revolution oder Erziehung der Menschen im Kampf gegen ihre Unterdrücker. Dieser Kampf findet am besten in Gewerkschaften statt, denn die militärische Offensive dürfte bei all den blutdurstigen Zombies da draußen sehr schwierig werden. Aber der Entzug unserer Arbeitskraft ist immernoch die stärkste Waffe – selbst wenn die Reichen sich für alles Roboter kaufen – wer baut die Roboter?
    Gegenseitigkeit wird nicht in den Lehrstuben der Intellektuellen hergestellt, sondern tagtäglich im Schweiße unseres Angesichts bei der gemeinsamen, gesellschaftsrelevanten Arbeit. Lohnarbeit hingegen ist eine Arbeit, bei der es nicht um Arbeit geht, sondern um den Lohn. Die Arbeit erscheint als notwendiges Übel, obwohl sie selbst entspannend und zufriedenstellend sein könnte, ist sie heute durch die Abhängigkeit des Arbeiters vom Unternehmer stressig und zermürbend. Deshalb darf es keine Klassentrennung mehr zwischen Arbeitern und Unternehmern geben. Die tatsächlich notwendige Arbeit muss die Lohnarbeit, die zum Selbstzweck geworden ist, ersetzen. Die gesellschafliche Arbeit richtet sich nach dem Bedarf der Menschen.
    Menschen „unseres“ heutigen „Systems“ können nicht nach dem eigenen Bedrf leben, weil sie falsch erzogen wurden. Die Grenze des Gewinns ist ja im Kapitalismus nach oben scheinbar offen – das muss durch Erziehung wieder ausgebügelt werden, Erziehung die wir im Hier und Heute ganz leicht leisten können.
    Ich schlage dazu vor, einen Reichen so lange mit Nutella zu füttern, bis sein Magen platzt, sodass sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, wie das mit den Grenzen nach oben ist. Scherz 😉
    Man hat einfach einen Bedarf, wenn der gedeckt ist, wird alles weitere schädlich und genau dieses Maß ist es, das produziert werden muss – nicht das Übermaß von Heute. Auch ökologisch wäre das sinnvoll.
    Wie wir daraus richtig folgern wird die Arbeit der Zukunft weniger sein, als die Lohnarbeit heute. Wie schön!

    Soziales. Gegenseitige Hilfe muss auch fern von der Arbeit geübt werden – nachbarschaftliche Solidarität und Kultur, gemeinsame Veranstaltungen, usw. sind das A und O.
    All die Kultur, Sport, Gesang, Film, Theater, Literatur usw. müssen den Reichen und ihren Verlagen, Mediengesellschaften usw. entrissen werden – es sind gesellschaftliche Produkte, man muss also für Filme und „Kunstwerke“ nichts mehr zahlen – wir haben das ja bereits gezahlt, zum Beispiel durch die Folgen der Produktion, wie Umweltzerstörung.
    Außerdem ist es krank, für etwas, das bereits hergestellt wurde, zu zahlen. Würden wir heute damit aufhören, gäbe es morgen keine Kriege mehr.

    Altersarmut ist nur ein Symptom. Das viel tiefer steckende Denken und die Auffassungen, die unsere Handlungen motivieren gilt es aufzudecken und durch einen neuen Geist zu ersetzen, der dann wieder andere, emanzipatorische Handlungen transportiert. Oder andersherum: Durch die Handlungen Entschlossener kommen andere, Verblendete, auf neue geistige Erkenntnisse – wir befruchten uns gegenseitig und müssen Beispiele in die Gesellschaft tragen.
    Gewerkschaften ohne Bonzen gründen, die basisdemokratisch funktionieren, ohne einen bürokratischen Apparat. Organisationen auf der Basis der gegenseitigen Hilfe gründen und Kollektivbetriebe, die allen zeigen, dass man auch im Miteinander wirtschaften kann.

    All das liegt vor uns. Eine wirklich aussichtsreiche Zukunft, die mehr wert ist, als nachzulabern, was schon unsere Großeltern in Ruinen getrieben hat.

  7. In einer entsolidarisierten Gesellschaft ist eine solche Reform, so wünschenswert sie auch wäre, nicht möglich.

    Das System der Ausbeutung funktioniert ja nur deswegen so gut, weil die Verantwortlichen und Nutznießer sich aus der Reziprozität von Verursachung und Konsequenzen verabschiedet haben.

    Wer also will, dass sich da etwas ändert, muss da ansetzen und diese Reziprozität wieder reinstallieren.

  8. Die Stundenlöhne von denen Frau Bonath spricht klingen ja richtig paradiesisch. Selbst die 10 Euro brutto… . Vielleicht darf ich eines Tages auch mal so viel verdienen 🙂

    Nebenbei noch: bitte nicht die Callcenter-Agents schlecht machen… ja in der Tat gibt es die schwarzen Schafe…aber das ist in jeder Branche so und nicht der Alltag. 8 Stunden quasseln und manchmal auch recht derbe beschimpft zu werden ist nicht immer leicht. Klar, es gibt sehr viel anstrengendere Jobs. Das geht bei einer Haushaltshilfe / Reinigungskraft los und endet bei einem Arzt im Krankenhaus. Von den Krankenschwestern und Pflegern ganz zu schweigen. Aber auch der Callcenter-Agent hält doch so einiges am laufen, und mit dem sprechen Sie (fast) jedesmal wenn sie irgendwo anrufen und etwas wissen wollen, bestellen, reklamieren usw usw usw.

    Was die Automatisierung angeht hat einer (Phoenix) gesagt: “Man solle sich einfach seine Lebensversicherung auszahlen lassen, zum Beispiel, und dann einfach den Roboter an kleine Unternehmen verleihen, wenn die sich keine Leisten können/wollen. So könne man dann seine Rente aufbessern.“

    Zum Prozess der Robotik etc sei gesagt das ja bereits jetzt Unis etc an Gesetzen arbeiten oder erdenken –> also wer ist schuld wenn was schief geht usw auch über abführen von Sozialabgaben etc wird gesprochen.

    Wenn man das alles so liest Frau Bonath, muss man sich schon fragen warum man eigentlich noch studiert oder überhaupt aufsteht.

    Mein Tipp gegen die Altersarmut: Zeitig sterben oder wer viel Vaterlandsliebe in sich Trägt: der stirbt erst am letzten Arbeitstag, zu Hause. Wäre ja noch schöner wenn der Staat dann Rente zahlen soll, Witwenrente, wenn überhaupt sollte reichen. Spart einem dann auch “totgepflegt“ zu werden und im Altenheim ein Bett zu belegen. Ein schwerer Hirnschlag oder Herzinfarkt sollte doch wohl mit 68 zu schaffen sein.

    MfG Hofnarr (28 Jahre alt/jung)

    • Die Regierung wäre ehrlicher, würde sie jedem Bürger, der in Rente geht, Post von Mutti zukommen lassen, indem ein Gutschein für eine Party vorhanden ist. Die dazu gehörige Tablette wird geschluckt, wenn der letzte Gast geht!

    • Das wäre aktive Sterbehilfe…und das ist ja ungewollt und unchristlich. CDU kann nur noch für christian depleted uranium stehen. Passt noch besser da es ja in erster Linie gegen die,meistens, muslimische Bevölkerung eingesetzt wurde. Aber das ist ein anderes Thema. Die SPD ist da auch nicht besser und ja…irgendwie kann ich Ken verstehen wenn er zum Wahlboykott aufruft aber Hagen Rether sagte ja schon: ,,Nicht wählen zu gehen, ist wie sich nicht die Zähne zu putzen. Wenn man es nicht macht, wird es braun.“

      Der User nuevo1 ist ja für eine horizontale Demokratie, von unten aufgebaut. Die Anarchie in den 30ern in Spanien war da ihrer Zeit immens voraus, das stimmt schon. Vielleicht bin ich in meinem Denken da zu negativ aber ich glaube einfach nicht das sich dieses System auf einen „Staat“ übertragen lässt…zu viele würden versuchen aus ihrer Position heraus oder durch das erlangen einer Position wiederum andere auszuntzen… Falls der User nuevo1 das liest, bitte ich darum wie man sowas verhindern könnte (erstmal auch nur rein theoretisch). Ich vermute nämlich das es damals nur deswegen funktionierte, weil die Gruppen entsprechend klein waren. Der eine Ort hat Schuhe etc hergestellt, während der andere Kohle heranschaffte. Ein geben und nehmen…soweit so gut… Aber wie soll diese auf Freundschaft und Vertrauen basierendes Verhältnis fortbestehen? Da brauch doch theoretisch nur einer sagen: die brauchen doch unsere Kohle mehr, als wir deren Schuhe. Ich will mehr als nur Schuhe etc für die Tortur.

      Die Geringschätzung der Arbeit dürfte dabei eine wesentliche Rolle spielen. Das erklärt warum Mediziner, Lehrer usw also fast alle Berufe mit sozialem Touch, wesentlich schlechter bezahlt werden als die in der Industrie. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein aber so stellt es sich für mich dar. Freue mich über die Kommentare und vielleicht hat die Autorin ja dazu auch mal demnächst einen Text.

      MfG Hofnarr

    • Herrlich wie Sie die Doppelmoral der CDU, ebenfalls der SPD dar stellen!.Menschen, die ihr Leben lang leiden, dahinvegetieren müssen, atmen, dass ist richtig, jedoch fragt sich , was ist humaner?
      Die Antwort kann ich nicht für andere Menschen geben, jedoch bezweifle ich, dass unsere Regierung dahingehend Skrupel hätte , ein bisschen den lieben Gott zu spielen und damit entscheidet wer leben darf und wer nicht, dieses aber natürlich versteckt(Gesundheitssystem)..Schon erstaunlich, morden durch Waffen, darin sieht der größte Teil des Volkes kein Verbrechen, eben, weil die da Oben es tun(dürfen)…
      Was die Anerkennung von Arbeit betrifft, muss man klar unterscheiden.In einer Welt, in der Geld zur Religion geworden ist, wird das Vermehren von industriellen Waren etc etc immer mehr anerkannt werden, denn durch sie bekommt man sein Geld.In sozial angehauchten Berufen wird im Höchstfall Menschlichkeit vermehrt, doch steht das , im Gegensatz zu einem neuen PKW, größerem Haus, mehr Urlaub etc in keinem Verhältnis, weil der Mensch, so scheint es manchmal, von sich selbst nichts hält.Im Grunde sind die meisten charakterlichen Schwächlinge dort anzutreffen, wo der alte Satz:Mehr schein, als sein, von der Bevölkerung noch immer stark unterstützt wird.Und damit schließt sich der Kreis! Geld=Anerkennung !

    • Die Doppelmoral von CDU/SPD ist hinreichend bekannt, doch das Dahinvegetieren, nur noch atmen , scheint gesetzeskonformer zu sein und wird geduldet, womit ich keine Sterbehilfe meine, sondern deren Skrupellosogkeit darstellen wollte.Sterbehilfe wäre das nicht, sondern Mord!
      Aber auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn offiziell wird unsere Regierung niemals dafür einstehen müssen, dass sie nicht allen Menschen, nicht einmal allen Deutschen , die gleiche Chance auf das Überleben, Heilung gibt..s. Gesundheitssystem!
      Das wir jedoch deren Morde (was man in Krieg umdeutet)akzeptieren, weil man meint, die da Oben haben das Recht dazu, ist das auch eine gesellschaftliche Doppelmoral!
      Was die Arbeit betrifft, was wundert da, angesichts der Tatsache, dass Geld eine Religion für besonders schwache Charaktere geworden ist.
      In der Wirtschaft, wo Vermehrung von Gütern jeglicher Art immer neu angestrebt wird, werden bessere Löhne gezahlt, weil nur Güter zählen!
      Bei Berufen, bei denen die Voraussetzung besteht, human, menschlich agieren zu müssen, vermehrt man keine menschlich denkende, handelnde Menschen und damit bleibt die Anerkennung dieser Berufe auch gering, denn es gilt immer noch der alte Satz:Mehr schein als sein, zeigt aber auch wie geringschätzend der Mensch zu sich selbst ist, als Mensch!!
      Da Umfeld reagiert dementsprechend, also sehen immer weniger Menschen darin eine Notwendigkeit, sich menschlich zu entwickeln, das tun sie lieber bei ihrer Arbeit, womit die Anerkennung steigt, je mehr man sich Güter zulegt!Wohin lassen sich Menschen lieber einladen, in eine Hütte, oder einer Villa, da kommt es nie auf den Charakter eines Menschen an!Im Gegenteil, war man bei dem Villenbesitzer, ist es nur eine Frage der Zeit, ab wann sich viele Menschen damit schmücken!
      Und damit schließt sich der Kreis-Geld=Anerkennung, passt doch zu unsere System!

    • Nachtrag!

      rgendwie kann ich Ken verstehen wenn er zum Wahlboykott aufruft aber Hagen Rether sagte ja schon: ,,Nicht wählen zu gehen, ist wie sich nicht die Zähne zu putzen. Wenn man es nicht macht, wird es braun.“

      Das ist ein gefährlicher Vorschlag, denn nicht wählen gehen kann ebenso braun bedeuten, wie es doch zu tun, denn wir sind ein uneiniges Volk!
      Ich gehe abwählen und wenn man das alle 4 Jahre macht, erzieht man sich seine Politiker, die vor nichts mer Angst haben, als vor Machtverlust.Das setzt aber selbst bestimmende Wähler voraus…das Dilemma ist perfekt!

    • Mehr Schein als Sein, greife ich gleich mal auf um den Wert eines Geldscheines über das tatsächliche Sein zu stellen 🙂 So mancher glaubt doch tatsächlich das ein dickes Bündel Bargeld das non-plus-ultra ist, sein eigenes Leben mehr wert ist, und es an die dicke seines Geldbeutels koppelt. Und vor allem wie Talent-, Hoffnungs-, Glanz- und Trostlos muss das Leben eines solchen Menschen sein, dessen Selbstwert einzig sich an sein Konto kettet. Wenn man Geld zwischen Droge und Religion einordnet, bleibt am Ende auch keine Erlösung. Ich will nicht abstreiten: Geld beruhigt…aber warum ist das so? Doch nur weil, wie sie ja schon sagten Annette, Geld eine Religion geworden ist. In Sound of Silence heißt es ja:,, and the people bowed and pray to the neon god they made.“ Jeder Gott will Herz und Seele des Menschen…doch habe ich noch nie das Geld sprechen hören, maximal klimpern und rascheln.

      Am Ende wird sich der Kapitalismus in all seiner destruktiven Kraft entfalten und sich selbst ausmerzen. Spätestens wenn alles was es zu beherrschen gibt aufgeteilt ist, müssten sich ja die Wirtschaftselite es sich zum Ziel machen, um selbst Fortbestand zu erleben, sich gegenseitig zu zerfleischen. Klar auf dem Rücken der 99 % aber es bleibt zu hoffen das wir es selber Kippen und bereinigen, bevor sich das Spiel wiederholt. Ich Schwanke oft zwischen Zorn, Tristesse und manchmal ertappe ich mich sogar dabei zu glauben: Vielleicht können „die da oben´´ gar nicht anders. Das ein Zuckerberg, Buffet, Trump, Gates usw usw usw längst selbst Gefangene ihres Unternehmens geworden sind. Sie sich der Gier des Konzerns bewusst geworden sind aber es einfach nicht mehr kontrollieren können. Das Geld ist ja nur rein virtuell vorhanden und ausgeben kann es keiner. Andreas Popp (dürfte hier ja ein Begriff sein) sagt selbst das er nicht daran glaubt das die wirklich wissen was „die da oben´´ anrichten. Ein anderes Beispiel war das italienische Parlament das ein Arzt per Ferndiagnose untersuchte und dabei feststellte das ca. 90 % der Politiker Soziopathen sind. Dann sollte man sie doch einfach ihrer Ämter entheben und helfen zu genesen, am besten weltweit. Wenns nicht zum heulen wäre, könnte man ja fast lachen. Und lachen ist ja gesund! Aber man darf ja nicht gesund sein. Also greife ich auch da ihre Idee auf Annette und behaupte: Wir werden bewusst depressiv gemacht damit dann der Staat die „heute habe ich kein bock mehr und lasse alles hinter mir, mir doch alles scheiß egal´´-Zyankali-Kapsel verteilen kann. Spart ja auch Rente etc. Und der Kriegspriester Gauck kann dann noch seinen Senf dazugeben wie solidarisch sich diese Bürger doch mit dem Staat und seiner prekären Situation zeigen, in dem sie eher als Verlangt vor ihren Schöpfer, das Kapital treten. Denn auch diese Helden wurden einst nur geboren, weil Mama und Papa den nötigen Respekt hatten, das Geld darum zu bitten ein möglichst sparsames bzw effizientes Kind zu bekommen. Vielen Dank du gaucklerisches Kapital, auf das du uns all mit deiner Großzügigkeit und Dividende überhäufen mögest, bis wir an dir und deinen Propheten ersticken.

    • Ich habe nur eine Hoffnung, dass sich der Kapitalismus nicht überlebt, die,, meine Vermutung ,wurde durch Andreas Popp verstärkt, denn so wie er es erklärte,wenn auch einfach, ist es wertloses Papier , welches gerade durch den $ dem Goldverbot, ein Ende setzen wird.
      Was werden die Menschen tun, denen die Religion genommen wird…Zusammenbruch, oder eine Chance auf menschliches, empathisches Leben, weil der Mensch oftmals durch Armut in die Lage versetzt wird, einmal über sich nachzudenken.
      Ein Mann, der mir zu meiner Berufswahl verhalf…Albert Schweitzer, der da sagte:Humanität besteht darin, daß niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird.
      Das müsste gesetzlich fest gelegt werden!

    • Gedankenwirrwarr ,

      The Sound of Silence ,

      war schon ein Aufruf in den 60ern, auch da hörte niemand zu!
      Man sieht, Veränderungen werden gern boykottiert, man möchte für alle Zeit nie seine Gewohnheiten ändern müssen..Warum?Sind wir ein spezielles Völkchen, denn wenn man sich umblickt, überall versuchen Völker eine neue Entwicklung , bzw neue Tendenzen von Politikern zu fordern!
      Aber das ist ein weiteres Thema…Analyse unseres Volkes..real,pur ohne Umschweife…das gibt es nicht, weil man nie den ersten, sondern immer den zweiten Schritt macht!

  9. Solange wie denen, die diese Regelungen als sogenanntes „Recht“ in Form sogenannter „Gesetze“ beschließen und durchsetzen, am sogenannten „Wahltag“ unsere Stimme geben, wird sich so schnell nichts änderen.

    • Unbegreiflich, nicht nachvollziehbar, aber dem ist so.Das Volk wählte immer seinen Metzger selbst!

  10. Es ist noch schlimmer geworden!
    Rentner, die vom Staat wegen zu geringer Rente unterstützt werden, müssen sich die vom Staat gezahlten KK-Beiträge, als Einkommen bei der KK, anrechnen lassen.Was bedeutet, sie übersteigen damit den KK-Satz, der ihnen unter HartzIV eine Zuzahlung sicherte, da dort die KK-Beiträge nicht als Einkommen galten!..
    Das es so weit kommen musste, konnte jedem bewusst sein.Spätestens ,wenn viele Rentner zahnlos das Alltagsbild schmücken, niemand mehr mit ihnen zu tun haben will, ist eine erneute Spaltung der Gesellschaft, dem Staat geglückt.

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