Alternative für die Welt

von Bernhard Trautvetter.
 

Populismus gegen die Völker

Eine aktuelle Studie der Bertelmann-Stiftung über ‚Populismus‘ kommt zu der Aussage, „Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie“.

Definition Populismus

Populismus erinnert an ‚People‘ (Volk) und an ‚populär‘; das geht aufs Lateinische zurück, wo ‚Populus‘ Volk heißt.

‚Populismus‘ ist laut Bundeszentrale für Politische Bildung eine Verbindung von „Anti-Elitarismus, Anti-Intellektualismus, Antipolitik, Institutionenfeindlichkeit sowie Moralisierung, Polarisierung und Personalisierung der Politik“

Der Anti-Elitarismus kann wunderbar auch von Angehörigen der so genannten Elite wie dem Milliardär Trump oder dem Millionär Herrn Poroschenko in der Ukraine verkörpert werden.

Moralisierung, Niedergang und ‚Gutmenschen‘-tum

Der Aspekt der ‚Moralisierung‘ ist in dieser Definition auffällig unscharf, wie sich mit dem Begriff auch bei Populisten häufig zu findenden Begriff ‚Gutmensch‘ zur Abqualifizierung von Gegnern leicht zeigen lässt:

Die AfD Melsungen z.B. verlinkt ihre Website mit der der sogenannten „Preußischen Allgemeinen Zeitung„, die auch Horst Seehofer lobt [„Klar und kantig. In guter preußischer, konservativer und aufklärerischer Tradition.“]

Auf der mit dem AfD-Kreis verlinkten Seite liest man: „Deutschland fanden die deutschen Gutmenschen schon immer übel. Ihrem Land in den Rücken zu treten war und ist ihnen eine moralische Pflicht.“

Der Begriff ist schon rein sprachlich interessant: In seiner Wort-Logik differenziert er die Kritisierten von jenen, die anders als diese ‚Gutmenschen‘ sind. Gut ist hier schlecht. Gut kann z.B. jemand sein, der an das Gute im Menschen glaubt, dadurch naiv und gefährlich wird und deshalb bekämpft gehört. Man selbst ist dadurch gut, dass man das an sich Gute bekämpft. Man ist klüger als die (gefährlich) Naiven. Ich finde zu dieser unausgesprochenen Sprach-Implikation in Hölderlins Hyperion die Antwort: „Wie hass ich die Barbaren, die meinen, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben.“

Der Text der Preußischen Allgemeinen beginnt mit dem Vorwurf, Gutmenschen wollen möglichst viele Ausländer nach Deutschland holen, sie „diffamieren“ Andersdenkende als ‚Nazis‘ oder ‚Idioten‘, sie ‚heucheln‘ wenn sie sich darüber freuen, dass die rechtsnationalistische Front National in Frankreich schlecht abgeschnitten hat – diese Partei, die ein Sammelbecken von Rassisten und Neonazis teils im Schafspelz ist, selbst wenn einige ihrer Protagonisten in der Partei Schwierigkeiten bekommen:

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, hier in Form von herabwürdigend präsentierten Unterstellungen und Interpretationen, von als ‚Gutmenschen‘ bezeichneten Gegnern ist schon auch mit dem moralisierenden Tenor formuliert. Aber Moralisieren heißt laut Duden „(bildungssprachlich) die Moral betreffende Betrachtungen anstellen (oft abwertend) Moral predigen„.

Die hier gepredigte Moral stellt das Land nationalistisch in den Vordergrund, wie der Vorwurf zeigt, die als ‚Gutmenschen‘ bezeichneten, fallen ‚ihrem Land in den Rücken‘. Mit dieser Formulierung ist der Weg frei, sie ‚Volksverräter‘ zu nennen und sie somit als Bedrohung und Gefahr mit aller Macht zu bekämpfen.

Auch wenn Teile der AfD Verbindungen bis hin ins Spektrum der Neonazis haben (in Büdingen trat die AfD nicht an, dort bekam die NPD genauso viele Prozente wie die AfD in der nahegelegenen Region), auch wenn Rassismus und Ausländerhass in dieser Gesellschaft geschürt wird, und zwar nicht nur in Boulevard-Medien, sondern bis zur so genannten ‚Mitte‘ hin, auch wenn eine bedenklich große Minderheit der Gesellschaft Menschenrechte und Demokratie zumindest teilweise gering schätzt, sollte man Wähler/innen dieses Spektrums nicht von vorneherein als Nazis herabwürdigen, stigmatisieren und diesen Feinden des Lebens zutreiben. In Frankreich siegte die Front National oft auffallend stark in Regionen, die noch vor Kurzem linke Hochburgen der einst starken Kommunistischen Partei Frankreichs waren. Für Trump gilt ähnliches: er bekam in Gebieten der ehemals stark industrialisierten und damals stolzen Regionen, die durch ihren ökonomischen Niedergang im Zuge der De-Industrialisierung ‚Rost-Gürtel‘ genannt werden, auffallend viele Wählerstimmen, also aus der Arbeiterklasse, die Verlierer des technologischen Wandels ist. Michael Moore wies schon vor über einem Jahr – Monate vor Trumps Wahlsieg – darauf hin: „Bereits im Sommer 2015 hatte er prophezeit, dass es der Immobilienunternehmer zum republikanischen Kandidaten bringen werde. Nun meint Moore, dass der ‚erbärmliche, ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Psychopath‘ … Barack Obama nachfolgen werde.“

Unterhaltung = Unten halten + Tittytainmant

Derartig blinde Wählerströme geschehen dann umso leichter, wenn die Betroffenen keine Methode zur Analyse der Verhältnisse kennen, sondern stattdessen die Prozesse mit dem Blick verarbeiten, Personen seien schuld an den Vorgängen, die sie niederdrücken und in Angst versetzen. Dies zu konstatieren bedeutet mitnichten, Hillary Clinton nachträglich zu protegieren. Sie hat mit ihrer Kriegspropaganda und der unfairen Methoden hinter den Kulissen, um Bernie Sanders im Wettstreit zu schaden, mit zur gegenwärtig sich weiter zuspitzenden Lage beigetragen.

Es geht aber nicht um Personen alleine, es geht um das System. Der Kapitalismus ist darauf ausgerichtet, den Besitzern von Kapital Profit zuzuführen durch die Ausbeutung der Natur, der Ware Arbeitskraft und durch die Konkurrenz. Vivien Forrestier nannte das den Terror des Profits. Das sollen die unteren Klassen aber nicht kapieren. Sie sollen lieber personalisieren, sich generell aus der Politik heraushalten und sich gegeneinander wenden. Nach Karl Marx sind die Gedanken der Herrschenden die herrschenden Gedanken.

Und damit die Opfer des Kapitalismus nicht auf den Gedanken kommen, ihre Lage hätte etwas mit dem System zu tun, werden sie nicht nur von der gedanklichen Analyse der Verhältnisse durch Personalisierungen abgehalten, sondern im Kanon damit gleich unterhalten im Sinne von unten gehalten. Die moderne Form der Unterhaltung unterbindet die Unterhaltung der Menschen, indem sie jeden an sein Display bindet und somit vereinzelt. Dann kann die Herrschaft ruhig schlafen.  Sehr deutlich macht das der Text in Wikipedia über ‚Tittytainment‘:
“ ‚Tittytainment‘ (oft auch Tittitainment) ist eine Wortbildung aus englisch ‚titty‘ (Slang für Busen) und ‚entertainment‘ (Unterhaltung). Der Begriff steht für die Vermutung, dass auf Grund steigender Produktivität zukünftig ein großer Teil der Weltbevölkerung von der Produktion von Dienstleistungen und Gütern entbunden sein werde und dann von Transferleistungen leben werde. Um diesen Teil der Bevölkerung ‚ruhigzustellen‘, müsse er medial ‚berieselt‘ werden.

  • Begriffsgeschichte

Zugeschrieben wird dieser Begriff Zbigniew Brzeziński, dem früheren nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten Jimmy Carter. Er soll ihn 1995 auf einer Versammlung des ‚Global Braintrust‘ geprägt haben.

Aufgrund des Wachstums der Produktivität gehe, so die dem Schlagwort zu Grunde liegende Prognose, die (bezahlte) Arbeit aus. In Zukunft würden daher 20 % der Weltbevölkerung ausreichen, um alle benötigten Dienstleistungen und Güter zu erbringen bzw. zu produzieren. Die restlichen 80 % der Bevölkerung müssten dann von Transferleistungen leben.[2] Wie dem schreienden Säugling die Brust gegeben wird, müssten dann, so die Behauptung, die in der Produktion überflüssigen Menschen mit trivialer Unterhaltung (Fernsehen, Internet usw.) ‚bei Laune gehalten werden‘.“

Sündenböcke, Solidarität, Kosten und Herrschaft

Mit Zerstreuung und Ablenkung sollen die Menschen davon abgehalten werden, sich gegen das Unrecht aufzubäumen, dass sie zugunsten der Profiteure aus der Gesellschaft herausfallen.

Hier kommen den Herrschenden Sündenböcke wie gerufen. Teile und Herrsche ist ihre Erfolgsgeschichte. In Bert Brechts Solidaritätslied heißt das dann so: „Unsre Herrn wer sie auch seien sehen unsre Zwietracht gern – denn solang sie und entzweien – bleiben sie doch unsere Herrn“.

Zur Zerstreuung gehört auch, dass man nicht ins Nachdenken kommt. Wer nicht nachdenkt, handelt eher aus dem Reflex des Instinkts heraus oberflächlich. Er kann zum Beispiel aus dem Zeitungsbericht lesen, dass die Kommune zu wenig Geld wegen der Flüchtlingskosten hat und setzt das zu der geringen Höhe seiner Transferleistungen in Beziehung, dann werden diejenigen zu Feinden, denen es noch schlechter geht. Diese Denke wird bewusst geschürt, um von den wahren Zusammenhängen abzulenken. Nur alleine die Cum-Ex-Betrügereien erbrachten einen Steuerschaden von mindestens 31.8 Mrd. €. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die zwei Prozent von der Wirtschaftsleistung für die Rüstung jedes Jahr zusätzliche über 30 Mrd. € in den Bundeshaushalt einrechnen müssten, wird die Dimension des Betruges der Sprache klar, die die Kosten für die Flüchtlinge ablehnt, u.a. mit dem Satz, wir seien nicht das Sozialamt der Welt. Das stimmt natürlich, unterstellt nur den Vertretern einer menschlichen Politik, sie sehen das anders und wollen Geld in die Welt verschleudern, das wir nicht haben. Der Riss durch die Welt verläuft nicht zwischen Völkern, sondern zwischen oben und unten. In meinem Land Deutschland verhält sich das so: „Superreiche Ein Prozent der Bevölkerung besitzt ein Viertel des Vermögens.

Der Riss durch die Völker der Welt

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland weiter gewachsen: Laut einer DIW-Studie besitzen die oberen zehn Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent des gesamtdeutschen Vermögens. Die Armen dagegen verschulden sich immer stärker.“

Die Herrschenden kennen diese Zusammenhänge und sie wissen, wenn diese Zusammenhänge Allgemeingut werden, geht es ihnen schlecht. Sie wissen auch, die Finanzwelt ist seit der verharmlosend ‚Finanzkrise‘ genannten Katastrophe der Weltwirtschaft von 2008 folgende nicht wirklich gesundet: „Wer geglaubt hat, die internationale Finanzkrise sei überwunden, der liegt falsch. Sie schwelt weiter, denn sie war schon immer Teil eines viel größeren Problems, nämlich einer globalen staatlichen und finanzwirtschaftlichen Weltschuldenkrise, die uns und unseren Wohlstand im Kern bedroht. In den letzten Jahren sind die Schulden in den Staatshaushalten und in den globalen Banken- und Finanzmärkten nicht nur nochmals massiv gewachsen, sie tun es auch weiterhin. Es besteht kein Zweifel, dass wir aktuell mit dem größten Schuldenberg konfrontiert sind, den die Welt zu Friedenszeiten je aufgetürmt hat. Wer dabei vor allem an den Euro denkt, liegt im Übrigen falsch, denn die Schulden in den südlichen Eurostaaten stellen nur einen sehr kleinen Teil des Bergs dar.“

Schwarze Tage

In einer solch gefährdeten Zeit ist es gut, wenn das Kapital eine rechtsextreme Sündenbock-Politik der personalisierten Schuldzuschreibung gegen Verschwörer und Verschwörungstheoretiker lancieren kann, die die Opfer nicht zu Gegnern der im System des Kapitalismus liegenden Ursachen macht, sondern wenn sich die Opfer auf der den Instinkten des ersten Blicks schnell zugänglichen Ebene leicht sichtbarer Phänomene  im ‚Teile und Herrsche‘ gegenseitig zerreiben.

Der Aufstieg des deutschen Faschismus an die Macht 1933 folgte bereits dem Muster, den Reichen in die Hände zu spielen und Menschen in den unteren Etagen der kapitalistischen Gesellschaft gegen  andere aufzubringen. Dazu dieser Rede-Ausschnitt aus einer Montagskundgebung in Bochum:

„Im Industrieclub von Düsseldorf wurde Hitler der Weg zur Macht geebnet. Im Januar 1932 trafen sich die NS-Führung und Industrie zu einer Versammlung. Die Industriellen wie z. B. Krupp-Thyssen, Persil (deren Chef Jost Henkel lud Hitler und Co. zu diesem Vortrag im Industrie-Club ein. Insgesamt ca. 650 Industrielle und Bankiers kamen zu diesem Treffen, um Hitlers Programm kennen zu lernen. Hitler kam gerne und brachte Hermann Göring und den damaligen Führer der Terrortruppe SA, Ernst Röhm, mit.
Arbeiter, Gewerkschafter, Kommunisten und Sozialdemokraten zogen protestierend zum Industrie-Club im Park-Hotel. Diese Demonstration wurde von den SS-Schergen und der Polizei brutal aufgelöst, viele wurden inhaftiert.
Hitler legte in einer Rede seine Konzeption vor. Er versprach, den Marxismus auszurotten, die Gewerkschaften zu zerschlagen, die Demokratie abzuschaffen: Gern hörten die Industriellen auch Hitlers Herrenmenschenthesen an. Die Konzerne und Banken unterstützten durch große Spenden die Hitler-Faschisten.
Hitler konnte nur an die Macht kommen, weil die kapitalistischen Monopole ihn finanziell unterstützten. Zu dieser Zeit war die kommunistische Bewegung sehr stark. Hitlers menschenfeindliches Programm gegen den Bolschewismus und die Absicht auf Eroberung von Ostgebieten war Öl auf die Mühlen der Konzerne“.
‚Die Verfolgung der Juden war ein Alibi, in erster Linie ging es den Nazis um die Vernichtung von Kommunisten oder allen Andersdenkenden gegen deren Terrorpolitik. Das beweist das Verbot sämtlicher Gewerkschaften und Verfolgung aller >nichtarischer< Gruppen wie der Romas, Sintis, aber auch Antifaschisten, Behinderte und wie schon genannt der Juden‘, hieß es in einer Wortmeldung.“

Dieser Tragödie des 20. Jahrhunderts (beileibe nicht die einzige, ’nur‘ die größte), von der sich die Menschheit bis heute nicht erholt hat, wie man an den Krisen und Rechts-Entwicklungen hin zum Nationalismus, Militarismus, Rassismus und autoritären Law-and-Order-Denken und -Handeln in vielen Gesellschaften und Staaten weltweit nachvollziehen kann, zu dieser Menschheitstragödie kam es in Reaktion auf eine Wirtschaftskrise, die im schwarzen Freitag 1929 ihren für das Gedächtnis der Menschheit Höhepunkt erlangte:

„Schwarzer Freitag“ Der 25. Oktober 1929 gilt als dunkelster und folgenreichster Tag der Börsengeschichte. Die Einbrüche an der Wall Street setzten einen Prozess in Gang, der die Weltwirtschaft in eine schwere Krise stürzte.

Donnerstag, 24. Oktober 1929, 10.00 Uhr, Wall Street, New York: Die Börse wird von einer Verkaufswelle erfasst. Viele Anleger möchten ihre Aktien loswerden. Allein in der ersten halben Stunde wechseln 1,6 Millionen Aktien ihren Besitzer. Die Panik steigt, die Kurse brechen weg. Aufgrund der Zeitverschiebung zwischen Europa und den USA ist der Tag als ‚Schwarzer Freitag‘ in die Geschichte eingegangen.
Dem Börsencrash vorausgegangen war ein enormer Wirtschaftsboom in den 1920er Jahren… Der ‚Schwarze Freitag‘ und der darauf folgende ‚Schwarze Dienstag‘ am 29. Oktober markierten den Beginn von Amerikas abruptem Abstieg in Armut und Massenarbeitslosigkeit. … m sich selbst vor drohender Zahlungsunfähigkeit zu schützen, hatten amerikanische Banken nach den verheerenden Kursstürzen damit begonnen, die an europäische Staaten und Unternehmen vergebenen Kredite zu kündigen und das Geld abzuziehen. Das Deutsche Reich war hier besonders stark betroffen. Die Industrieproduktion ging zwischen 1929 und 1932 um rund 42 Prozent zurück. Regierung und Unternehmen reagierten mit massivem Sozialabbau und Lohnkürzungen. Die Arbeitslosenzahl stieg bis 1932 auf über sechs Millionen und lag im Durchschnitt bei 30 Prozent.“

In dieser Situation kam den Herrschenden die Faschistische Karte wie gerufen.

Zwar wird sich diese Tragödie nicht in gleicher Weise wiederholen, aber aus dem Muster haben Angehörige der so genannten ‚Elite‘ gelernt, und eine Partei rechts von der CDU/CSU gegründet und immer wieder auch üppig finanziell ausgestattet:

„Die Alternative für Deutschland (AfD) soll einen satten Überschuss in der Kasse haben, so ein Bericht. Alleine aus Spenden sollen 2013 mehr als vier Millionen Euro an die Partei geflossen sein.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat 2013 im ersten Jahr ihres Bestehens mehr als 7,7 Millionen Euro eingenommen. Das geht nach Angaben des ‚Spiegels‘ aus dem ersten AfD-Rechenschaftsbericht hervor, der in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll. Demnach steckte die Partei in dem Jahr gut 3,8 Millionen Euro in die Wahlkämpfe etwa um den Bundestag und den hessischen Landtag. … Größter Einnahmeposten waren dem Bericht zufolge 2013 Spenden in Höhe von 4,3 Millionen Euro.“

Selbst wenn die AfD bei der Bundestagswahl nicht die von ihren Protagonisten erhofften Prozente einfahren sollte, wird die im Mischung aus Krise, Rechtsnationalismus und Medienmacht eine Herausforderung an alle Demokratinnen und Demokraten sein, eine Gegenmacht für eine Politik aufzubauen, die die Probleme überwinden statt eskalieren kann.

Die Alternative für die Welt

Das kann nur eine Politik sein, die den Millionen Lohn-Abhängigen in der Gesellschaft eine Zukunftsperspektive auch dann eröffnet, wenn die in der Industrie des 20. Jahrhunderts gewohnten Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt entfallen. Von dieser Entwicklung dürfen nicht nur die Kapitaleigner profitieren, sonst versinkt die Gesellschaft im Chaos, das leicht alle Vorstellungen übertreffen könnte.

Eine Gesellschaft, ein Staat kann in der heutigen Welt nicht mehr auf Kosten anderer Erdteile auf Dauer stabil und in Wohlstand leben. Die ökologischen, sozialen und militärisch-politischen Probleme sind zu komplex und massiv.

Nur Kooperation der Menschheit hilft da.

Eine Politik, die dem gerecht wird, muss auf diese weltweite Kooperation hin arbeiten. Wir brauchen eine AfW/AfM – eine Alternative für die Welt/… für die Menschen.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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82 Kommentare zu: “Alternative für die Welt

  1. Torsten bringt das, was ich hier die ganze Zeit zum Ausdruck bringen wollte, sehr gut mit folgenden Worten auf den Punkt:

    „230 Milliarden Tiere werden jedes Jahr von Menschen bewusst in den Tod befördert, diese Zahl hat 12 Stellen. Bei den menschlichen Opfern dürfte sich diese Zahl im 6-maximal 7-stelligen Bereich bewegen. Damit ist der Massenmord an Tieren das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Von den Autoren hier bei KenFM erwähnt dies allerdings nur Dirk C. Fleck.(….)

    Wir haben somit folgende Situation:
    -Das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte
    -Jeder Mensch kann etwas für die Lösung tun
    -Es wird kaum darüber diskutiert, selbst hier bei KenFM
    – Personen, die das Problem ansprechen, werden kritisiert oder gar diffamiert*. “

    *Hier z.B. von Peter Pan.
    Ich möchte noch hinzusetzen: Das ständige Posten der besten Psychologen ist nicht unbedingt Garantie dafür, dass derjenige selbst psychologisch in Ordnung ist und wirklich durchblickt.

    • Superlative wie „das größte Veerbrechen der Menschheitsgeschichte“ beziehen die Verletzungen des Rechtes von Mitwesen auf alle anderen Verletzungen von Recht. Angesichts von Auschwitz und dem 2. Weltkrieg mit seinen vermutlich durch die Nachwirkungen weit über 60 Mio. Toten Menschen (http://2-weltkrieg.info/2-weltkrieg-tote.htm) plus die ungezählten Mitwesen bin ich da sehr vorsichtig.

    • Bernhard Trautvetter: Wissen Sie, dass der sog. „Auschwitz-Vergleich“(mit den Tier-Kz’s) ursprünglich von KZ-Überlebenden stammt? Soll ich Ihnen von solchen dafür ein paar Zitate zeigen?
      Diese Art von Mitgefühl, das sie hier zeigen, ist für mich nicht autenthisch! Ich kenne das doch alles schon lange!
      Für mich ist das alles nur noch eine Farce um mit aller Gewalt an einer Unterdrückungstradition festzuhalten, die man sich nicht getraut, loszulassen! Waren Sie schon einmal im Schlachthof oder auch nur in einem solchen Tier KZ und haben sich dort die Tiere angesehen und angehört? Ich denke nicht.

    • Liebe/r Specht
      Wir sind uns über die Grausamkeit der Massentiethaltung einig. Das Superlativ nicht mitzumachen steht dem für mich nicht im Weg. Foltermethoden aus dem Faschismus hier darzustellen, um zu veranschaulichen, was ich meine, will ich hier niemandem zumuten. Wir brauchen dafür nicht einmal nur die Nazi-Verbrecher 1933-45. Es gibt auch Dokumente wie die Filme „Es herrscht Ruhe im Land“ oder „Das Geisterhaus“ aus Chile, wo die Militärs mit CIA- und ITT-Unterstützung am 11. September (!) 1973 die Unidad Popular-Regierung von SP und KP wegputschten, um dann weitere Menschheitsverbrechen zu begehen. Alle diese Brutalitäten erlauben es nicht, Brutalitäten gegen das Leben in anderer Form schweigend hinzunehmen und sie dadurch leichter durchführbar zu machen.

    • Das erste Vegetarier-Dorf Amirin wurde 1958 von Holocaust -Überlebenden gegründet, die eine Parallele zwischen dem Holocaust und der Art und Weise, wie wir mit Tieren umgehen, gesehen haben.

      Martin Nimöller(Theologe, von 1937-1945 Häftling im KZ Dachau):
      „Ich entsinne mich, dass ich während eines Urlauaufenthaltes von 1967 im russischen Wald bei Cavidovo zum ersten Mal eine solche Hühnerfabrik gesehen und besucht habe und dass mein erster Eindruck- und er hat sich später nie geändert – der war: das muss für die armen Tiere ja schlimmer sein als was wir im Konzentrationslager die Jahre hindurch haben ausstehen müssen“

      Der 81jährige Jude Alex Hershaft erklärt in einer beeindruckenden Rede an der Universität Tel AVIV den Zusammenhang zwischen dem Holocaust der Juden und dem Holocaust der Tiere. Er überlebte als Kind den Holocaust nur durch ein großes Glück. Er lebt seit 40 Jahren vegan, um sich nicht selbst an einem Holocaust zu beteiligen.

      Edgar Kupfer-Koberwitz(Schrifsteller, 1940-1945 Häftling im KZ Dachau):
      „Ich weigere mich, Tiere zu essen, weil ich mich nicht von dem Leiden und vom Tod anderer Lebewesen ernähren kann. Ich weigere mich, dies zu tun, weil ich selbst so schmerzlich gelitten habe, dass ich den Schmerz anderer fühle, indem ich mich meiner eigenen Leiden erinnere“.

      Ich denke diese Beispiele reichen erst mal.

      Oder vielleicht noch dies von Isaac Bashevis Singer(jüdischer Literatur-Nobelpreisträger):

      „Wenn es um Tiere geht, ist jeder Mensch ein Nazi. Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka.
      „So lange Menschen das Blut von Tieren vergiessen, wird es keinen Frieden geben. Es ist nur ein kleiner Schritt vom Töten von Tieren zu den Gaskammern Hitlers und zu den Konzentrationslagern Stalins. (…) Solange Menschen mit Messer oder Pistole dastehen, um jene umzubringen, die schwächer sind als sie, wird es keine Gerechtigkeit geben.“

      Was die Größe des Verbrechens betrifft, muss ich hier dann doch auch noch darauf hinweisen(obwohl es ja eigentlich von allen gewusst wird und bedacht sein könnte), dass das Verbrechen an den Tieren aus meiner Sicht jede bisher bekannte Massentötung an von Menschen schon allein deshalb weit übersteigt, weil diese Tierhölle ja nicht etwa einer „Ausrottung“ dient, sondern eine laufend sich wieder neu reproduzierende Hölle ohne Ende ist und auch immer weiter so sein soll. Abgesichert mit den von Menschen gemachten Gesetzen und mit der Zustimmung der deutlichen Mehrheit.

    • Nein, wir brauchen hier gewiss keine Foltermethoden vergleichen oder gar abwägen. Aber wenn wir vom diesem gesetzlich erlaubten Dauermorden an den Tieren als dem größten Menschheitsverbrechen sprechen, dann sind wir uns ganz genau darüber bewusst, was das bedeutet. Es bedeutet nämlich nicht nur, dass diese Tierhölle ein in sich abgeschlossenes, gesetzlich weltweit lrgitimiertes sich stetig regenerierendes System ist, sondern auch, dass diese Lebewesen ganz selbstverständlich von vorn herein ein Recht auf Lebensglück von den Konsumierenden abgesprochen bekommen haben und zu Sachen degradiert wurden. Es ist insofern nicht nur ein tatsächliches Verbrechen, sondern auch ein kollektives mentales. Im Grunde genauso verbrecherisch an uns selbst. Es gibt da keine Trennung. Diese ist mit Gewalt gesetzt. Und diese selbstverständliche Gewalt ist es, die uns sowieso alle ständig in Krankheit hält. Ganz egal, ob wir noch zusätzlich im Menschenkrieg sind, oder nicht.

    • Es ist schon interessant, wie hier ein inhaltlich nicht angesprochenes Fass aufgemacht wird, das Verhältnis des Menschen zur ihn umgebebenden Natur in Form der Mitwesen. Ich werde dazu einen Text verfassen; danke für die Anregungen:)
      Hier zu den Konflikten noch ein Zitat von Ivan Illich:
      „Hoffnung richtet das Verlangen auf einen Menschen, von dem wir ein Geschenk erwarten. … Das Überleben des Menschengeschlechts hängt davon ab, daß wir sie als soziale Kraft wiederentdecken“ , dass wir entdecken, dass wir alle ein Herz haben, dass wir verbunden sind, mit ein ander und mit den Mitwesen auf Erden, vielleicht auch mit Gaia, Mutter Erde,…. Die Parolen der Französischen Revolution „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit (Geschwisterlichkeit)“ werden wir erfüllen oder von der Erde möglicherweise schneller als wir es uns vorstellen, abtreten. Dieses ‚werden‘ beginnt im wichtigsten Augenblick des Lebens: im Augenblick. Andersdenkende sind meine Brüder und Schwestern. Selbst Henker haben eine Seele, die das aber wohl das kapitalistische/militärische/autoritäre/angst-besetzte Ego eingekerkert hat. Diese Seele ermöglicht es, dass auch ein Saulus zum Paulus werden kann, ein Anhänger der Nazis wie anfangs Martin Niemöller zum unerbittlichen antifaschistischen Demokraten… Ich möchte niemandem eine Entwicklungs-Möglichkeit absprechen.

    • Herr Trautvetter,Sie meinen also, wir hätten hier ein anderes Fass aufgemacht? Ihr Titel lautet hier Alternative für die Welt. Sie haben druntergeschrieben, was Ihnen dazu einfiel. Wir auch. Wir sehen den Zusammenhang von gesetzlich sanktionierter Gewalt und Grausamkeit mit diesem Zustand, den wir jetzt haben und alle nicht wollen. Für Sie ist es immer noch nur eine Nische, oder, wie Sie hier schreiben, „ein anderes Fass“. Das ist leider immer noch der Standpunkt der Mehrheit, ich weiß. Wenn ich es nicht als unerträgliches Verbrechen an unseren unschuldigen Mit-Lebewesen und der ganzen Schöpfung, ja an unserer Mutter Erde, empfinden würde, würde ich mich sicher nicht immer wieder dieser immer gleichen ermüdend langweiligen Kritik aussetzen. Es ist immer wieder das selbe, ob gröber und einfacher, oder etwas feiner und komplizierter. Schade. Wie ich schon schrieb: Bekennende Pazifisten und Pflanzenköstler wurden in unserer Weltgeschichte von den Herrschenden schon immer in die Ecke gestellt. Wohlweislich. Deshalb denke ich schon lange in größeren Zeiträumen. Diese Art Zivilisation hat keine Überlebenschance mehr. Man kann Ivan Illich so oder so verstehen.

    • Der Titel ‚Alternative für die Welt‘ berührt in der Tat mehr Inhalte als der Text umfasst. Ich rate immer dazu, einen Text nicht zu überfüllen. Dinge, die mit dem Inhalt zusammenhängen, kann ein separater Text reflektieren, das ist m.E. fürs Verständnis besser, als alles in einem Text abzuarbeiten. Die Rigorosität der Abqualifizierung Andersdenkender ist nicht meins, außer jemand outet sich als Feind des Lebens; dann stelle ich die Argumentation ein, bis dieser Mensch sich vielleicht einst doch wieder öffnet. Monologe mit ein ander lehne ich ab.

    • Bernhard Trautvetter meinte am 6. August 2017 um 18:12

      „Hoffnung richtet das Verlangen auf einen Menschen, von dem wir ein Geschenk erwarten. … Das Überleben des Menschengeschlechts hängt davon ab, daß wir sie als soziale Kraft wiederentdecken“ , dass wir entdecken, dass wir alle ein Herz haben, dass wir verbunden sind, mit ein ander und mit den Mitwesen auf Erden, vielleicht auch mit Gaia, Mutter Erde,…. Die Parolen der Französischen Revolution „Freiheit Gleichheit Brüderlichkeit (Geschwisterlichkeit)“ werden wir erfüllen oder von der Erde möglicherweise schneller als wir es uns vorstellen, abtreten. Dieses ‚werden‘ beginnt im wichtigsten Augenblick des Lebens: im Augenblick. Andersdenkende sind meine Brüder und Schwestern. Selbst Henker haben eine Seele, die das aber wohl das kapitalistische/militärische/autoritäre/angst-besetzte Ego eingekerkert hat. Diese Seele ermöglicht es, dass auch ein Saulus zum Paulus werden kann, ein Anhänger der Nazis wie anfangs Martin Niemöller zum unerbittlichen antifaschistischen Demokraten… Ich möchte niemandem eine Entwicklungs-Möglichkeit absprechen.

      Illich erläutert jedoch ganz klar, worin er Hoffung und Erwartung unterscheidet:

      Unsere Gesellschaft ähnelt der allerneuesten Apparatur, die ich in einem New Yorker Spielwarengeschäft gesehen habe. Es ist ein Metallkästchen; drückt man auf einen Knopf, so springt es auf und zeigt eine mechanische Hand. Verchromte Finger greifen nach dem Deckel, ziehen ihn herunter und verschließen den Kasten von innen. Es war ein Kasten. Man erwartete also, daß man etwas herausnehmen könnte; er enthielt jedoch lediglich einen Mechanismus, um den Deckel zu schließen. Dieses Machwerk ist das Gegenteil der »Büchse der Pandora«.

      Ursprünglich war Pandora, die Allesgeberin, eine Erdgöttin im vorgeschichtlichen matriarchalischen Griechenland. Sie ließ alle Übel aus ihrer Amphora (pithos) entweichen, verschloß diese aber, ehe die Hoffnung entweichen konnte. Die Geschichte des heutigen Menschen beginnt mit dem Verfall des Mythos der Pandora und endet in dem sich selbst verschließenden Kasten. Es ist die Geschichte des prometheischen Bemühens, Institutionen zu schaffen, um darin jedes einzelne der sich ausbreitenden Übel einzupferchen. Es ist die Geschichte schwindender Hoffnung und wachsender Erwartungen.

      Um zu begreifen, was das bedeutet, müssen wir den Unterschied zwischen Hoffnung und Erwartung wiederentdecken. Hoffnung bedeutet im eigentlichen Sinne gläubiges Vertrauen auf die Güte der Natur; dagegen bedeutet Erwartung, wie ich das Wort hier verwende, daß man sich auf Ergebnisse verläßt, die der Mensch plant und kontrolliert. Hoffnung richtet das Verlangen auf einen Menschen, von dem wir ein Geschenk erwarten. Erwartung gilt der Befriedigung aus einem vorhersehbaren Verfahren, welches das produzieren wird, das zu erwarten wir einen Anspruch haben. Das prometheische Ethos hat jetzt die Hoffnung in den Schatten gerückt. Das Überleben des Menschengeschlechts hängt davon ab, daß wir sie als soziale Kraft wiederentdecken.

      Die Allesbringerin Pandora wurde ursprünglich mit einem Krug auf die Erde geschickt, der alle Übel enthielt; von guten Dingen enthielt er nur die Hoffnung. Der primitive Mensch lebte in dieser Welt der Hoffnung. Damit er existieren könnte, verließ er sich auf die Freigebigkeit der Natur, auf die Zuwendungen der Götter und auf die Instinkte seines Stammes. Die Griechen der klassischen Zeit fingen an, die Hoffnung durch Erwartungen zu ersetzen. Nach ihrem Verständnis der Pandora hatte diese Übles wie Gutes losgelassen. Allerdings erinnerten sie sich ihrer vornehmlich wegen der Übel, die sie entfesselt hatte; am bezeichnendsten war jedoch, daß sie vergaßen, daß die Allesgeberin auch die Hüterin der Hoffnung war.

    • Lieber Peter Pan,
      in der Tat kann man zum Unterschied von Hoffnung und Erwartung bei Illich einen neuen Text schreiben. D’accord. Der Gegensatz, den Sie sprachlich mit dem Wort ‚jedoch‘ ankündigen, erschließt sich mir in Ihrem Kommentar nicht. Es freut mich, dass Illiich hier so viel Beachtung erhält. Er verbindet Achtsamkeit, Meditation, Kritik und Liebe…

      „Askesis ist das alte Wort für Übung, für Wiederholung. Was hier nötig ist, denke ich, ist ein Wort, das heute schwer
      auszusprechen ist: Tugend – die wiederholten Werke des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, wodurch
      du langsam psycho-physisch eine Leichtigkeit gewinnst, sie zu tun.“

    • Herr Trautvetter,

      Sie merkten an, daß sich Ihnen der mit dem Wort „jedoch“ eingeleitete Gegensatz zwischen Hoffnung und Erwartung nicht erschlösse. Das kann ich inzwischen vollständig nachvollziehen, denn es handelt sich eindeutig um ein Mißverständnis meinerseits. Der Text von Ihnen, den ich oben zitiert habe (ein Zitat Illichs), stellt Hoffnung als das Verlangen dar, von einem anderen „ein Geschenk“ zu erwarten. Illich meint damit, entgegen meiner ersten Interpretation, letztlich genau das, was ich mit einem sinngemäß ähnlichen Zitat von Illich darzustellen versucht habe: Miteinander verwechselt werden häufig Erwartung und Hoffnung. Beim ersten Lesen unterlag ich dem Irrtum, Sie selbst würden Hoffnung und Erwartung verwechseln. Dafür entschuldige ich mich und bedanke mich zugleich für die Korrektur bzw. den Hinweis auf meinen Irrtum.

      Zum Tugendbegriff möchte ich nur soviel sagen: Wenn er überhaupt noch angeführt wird, dann meist als reines Lippenbekenntnis. Die einstigen Tugenden sind mit den heutigen Entfremdungsphänomenen nicht vereinbar. Zudem wurden sie durch die neuen Tugenden der Unterwerfung unter gesellschaftliche Zwänge weitgehend ersetzt. Mitgefühl und Kooperationen wurden längst durch narzißtische Selbsterhöhung und Konkurrenzdenken ersetzt und bedingen heute weitgehend das gesellschaftliche Vorankommen des Einzelnen. Die einstigen Tugenden scheinen für die Mehrheit der Bürger keinen Wert mehr zu besitzen.

    • Lieberä/r Peter Pan + …:)
      Zu Hoffnung gibt es das Vaclac Havel-Zitat, das Hoffnung nicht mit der Aussicht auf Erfolg verknüpft, sondern mit der Etfahrung, dass das eigene Tun Sinn macht.

    • Specht,

      dass die Tier für den menschlichen Genuss erst misshandelt werden, um dann sterben zu müssen ist mindestens genauso wenig hinnehmbar, wie wir Menschen , um den eigenen Vorteil genießen zu können, anderorts Menschen dafür verhungern lassen.
      Beides ist unerträglich für jeden, der noch über einen Funken Empathie verfügt.
      Dennoch, ich glaube man erwartet zu viel auf einmal, Fleischverzicht von heute auf morgen, wird nie umsetzbar sein, jedoch der Appell die angeblichen Nutztiere zumindest natürlich leben zu lassen, was bedeutet Raum und Behandlung mit dem nötigen Respekt vor dem Lebewesen zu fordern, vielleicht kommt man dann schneller voran.!!?

    • Illich verknüpft meiner Lesart nach nicht Hoffnung mit der Aussicht auf Erfolg, sondern weist darauf hin, daß Hoffnung häufig mit Erwartung verwechselt würde. Letzteres bangt um den Erfolg. Man kann auch ohne Aussicht auf Erfolg hoffnungsvoll sein, denn schließlich kann noch bis zur letzten Minute, bevor man z.B. unschuldig hingerichtet wird, allerhand geschehen, das einem vielleicht doch noch das Leben rettet.

      Hoffnung als Wissen um den Sinn der eigenen Handlungen stellt ebenfalls eine nützliche Assoziation dar, erinnert mich auber auch an Seligman’s Erlernte Hilflosigkeit: „Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, hilflos zu sein, kann weitreichende Folgen haben: Depression, Angst und schließlich Apathie. Seligman weist in diesem Buch nach, daß das wiederholte Erleben von Hilflosigkeit, die wiederholte Erfahrung, daß die eigenen Handlungen wirkungslos bleiben, Hilflosigkeit zu einer dauerhaften Instanz der menschlichen Psyche machen kann. irwish.de/pdf/Seligman-Hilflosigkeit.pdf … bezeichnenderweise ist das eines der am häufigsten von meinem Server heruntergeladenen Bücher, was zu der Vermutung Anlaß geben könnte, daß erlernte Hilflosigkeit sehr weit verbreitet ist.

  2. „Wie hass‘ ich die Barbaren, die meinen, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben“ . Hölderlin in Hyperion.

    Danke für dieses Zitat, Herr Trautvetter. Das ist dann wohl der einzige Punkt, wo wir hier richtig zusammen sind.

    • „Wie hass‘ ich die Barbaren, die meinen, sie seien weise, weil sie kein Herz mehr haben“

      Also hassen Sie die aktuellen Rechtspopulisten, die ja ihre Politikvorstellungen von neuen Knaststaaten und neuem Faschismus gerne auch arrogant und pseudointelligent ‚erklären‘?

    • Ich bin nicht gerne mit Hass unterwegs, auch wenn ich Hölderlin gut zu verstehen glaube.
      Aber die Beschreibung einer Haltung, die uns ins Verderben zu stürzen droht, bringt er prononziert auf den Punkt, wie mir scheint.

    • Dieser Formulierung von Herrn Trautvetter kann ich mich ganz gut anschließen. Bei Hölderlin in seinem Hyperium und im 19.Jahrhundert klingt es treffend für die gesamte Diskriminierung unseres Fühlens und den niederträchtigen Wahn, es gäbe überhaupt ein klares Denken ohne das Fühlen.
      Wenn heute von Hass gesprochen wird, so denke ich eher an eine psychotische Erscheinung, die aber ja leider heute genauso häufig auftritt, wie eh und je und die vor allem auch von den Herrschenden bewusst geschürt und benutzt wird wie bspw. mit ISIS.

    • Ja, ich finde dieses Zitat auch klasse. Es beschreibt sehr gut meine Erfahrungen hier bei KenFM mit Leuten, die gegen die veganen Friedensaktivisten schreiben. Lediglich das Wort „Hass“ trifft es nicht genau. Ich bin von diesen Leuten eher enttäuscht und gelangweilt.

    • Ja, enttäuscht und gelangweilt trifft es genau. Nur bei den sonst wirklich Klugen, geistig regen war und bin ich eher „schwer enttäuscht“ und kann es immer noch nicht richtig fassen.
      Manchmal ist das extrem grotesk, wie das, was in dieser Welt den Tieren geschieht auch bei solchen konsequent aus allem ausgeblendet wird. Ich erinnere mich da an einen Text von Dr. Claudia v. Werlhof, die ehemalige Politologieprofessorin, die die Vereinigung „Planetare Bewegung für Mutter Erde“ gegründet hat und dafür gesorgt hat, dass das Buch: „Planet Earth- The Latest Weapon“ über das uns alle bedrohende Geo-Engineering der Militärs in Deutschland erscheinen konnte. Also eine sehr mutige, hoch intelligente Weltbürgerin. Sie möchte aber von Tierschutz und Anprangern der Tierhöllen seltsamerweise auch möglichst gar nichts wissen, geschweige denn selber etwas darüber schreiben. In einem Text forderte sie dagegen die Leser einmal auf, sich die Todes- Angst der Bäume vor den Motorsägen vorzustellen, worauf ich sie fragte, ob sie sich denn auch schon einmal die Todesangst der Tiere in den Tierfabriken und Fließbandschlachtungen vorgestellt habe. Aber dazu fiel ihr dann nichts mehr ein, außer, dass sie angeblich auch schon einmal auf die Not der Tiere hin gewiesen habe. Aber ich kenne ja ihre Texte und da fand ich die Tiere nur ein einziges mal in die ganze Misere mit einbezogen mit den Worten: „…und alles, was da kreucht und fleucht.“ Ist das nicht seltsam und bedenklich?
      Meine anfängliche Begeisterung für ihre Tun hält sich deshalb mittlerweile in Grenzen. Schade, dass die Menschheit in diesem Punkt so blind und taub ist. Schade und immer noch rätselhaft. Wahrscheinlich machen nicht nur die tierlichen Produkte in irgendeiner Weise körperlich süchtig(ist ja wissenschaftlich auch schon teilweise erforscht), sondern die ganze patriarchale Tierzüchter-Tradition dieser Zivilisation genauso. Dies ist allerdings bei Frauenrechtlerinnen und Patriarchats-bzw. Matriarchatsforscherinnen, zu deren Kreis Frau Prof. Dr. von Werlhof gehört, besonders erstaunlich. Die Fehlorientierung, dass die anderen Tiere für uns vor allem zum Zugrunde -Nutzen da seien, muss also mittlerweile ungeheuer tief verwurzelt sein. Interessant ist es ja, zu erfahren, dass auch in biblischen Zeiten die Pazifisten und Vegetarier schon immer verfolgt wurden und nicht in die Kirchengemeinden aufgenommen wurden. Ich empfehle dazu die Doku „Die verfälschte Bibel“, die ich bei „100 Gramm Liebe“ verlinkt habe.

    • Ich möchte zu meinem letzten Posting noch ergänzen: Ich bin von diesen Leuten (gemeint sind die Kommentatoren, die die veganen Friedensaktivisten kritisieren oder gar diffamieren) eher enttäuscht und gelangweilt, so wie in dem spannenden Western „Weites Land“ („Open Range“, erstaunlicherweise bei Youtube noch immer frei zugänglich) Charley Waite (gespielt von Kevin Costner) vor dem Showdown zur Frau seines Herzens sagt (bei 1.29.50, ganzer Dialog ab ca. 1.27.00): „Nichts, was in dieser Stadt passiert ist, hat mich überrascht – nur Sie.“

    • FMA, ich danke für Ihre Frage. Die Antwort ist ganz einfach. Anthropozentrische Friedensaktivisten arbeiten am Frieden für die Menschen. Vegane Friedensaktivisten schließen zusätzlich die Tiere mit ein. Sie sind nicht totalitär, sondern konsequent, wie sich das bei einem wichtigen Thema gehört. Sie zu kritisieren ist entweder böse (wenn es gewaltbejahend gemeint ist) oder dumm (wenn man über etwas urteilt, was man garnicht richtig kennt).

    • Es gibt nichts totalitäreres als Schlachthöfe. Wie kann jemand, der sich dagegen ausspricht, totalitär sein? Und ist dann nicht jemand, der Schlachthöfe mit seinem Geld unterstützt, totalitär?

  3. Hallo Peter Pan,
    ich habe ihre Ausfführungen hier aufmerksam verfolgt. Ich versuche sämlichte Aussagen (auf die anderer Kommentatoren oder auch allgemein die Beiträge hier) auf mein mein tagtägliches Verhalten, meine Lebenspraxis herunter zu brechen. Eben um ein Teil einer Lösung zu werden. Immer nach dem „Motto“: Du kannst die Welt (vor allem den Anderen) nicht ändern, sondern immer nur dich selbst. Was ich im Außen sehen möchte, das muss ich sein.
    Die Frage: Wie kann das gelingen? Ich bin ja nicht nur Geist und Seele, sondern eben auch Körper. Das hängt zwar zusammen und kann nicht losgelöst voneinander betrachtet werden, aber das macht das ganze nur noch komplizierter. Ich kann nur sagen, dass mein Körper mir ganz schön viel vordiktiert. Immerhin sind ja Emotionen und Gefühle sehr stark mit dem Körper verbunden, bzw. kommen aus dem Körper. Das führte im Laufe meines Lebens zu immer stärkerer Selbstdisziplin im Umgang mit dem Körper. Braucht jetzt die Seele auch Disziplin? Laut Fromm ja, andererseits soll ja das Kind, das durch die Hölle ging (ich bin da völlig d`accord) geheilt werden. Sprich die Verdrängung der eigenen Gefühle kann nur durch erneutes Durchleiden dieser Hölle aufgehoben werden (siehe Arno Grün).
    Also Therapie? Aber von wem, durch wen? Dann kommt hinzu, dass ich nicht will, weil es mir ja so gut geht. Ich will nicht leiden, weich werden, fallen, sterben … und ist damit dann der Welt geholfen? Bin ich dann ein Teil der Lösung?
    Also es bleibt festzuhalten. Es geht nicht um die anderen, sondern immer nur um mich. Für die Anderne.
    Ps: ich habe auf Tagesdosis „Mangel im Überfluss“ ihnen auch noch geantwortet, vor ein paar Tagen.

    • Leider schaff ich es immer nicht, den Kommentar dort zu plazieren, wo ich ihn hinhaben will, unter Ihren Kommentar bezüglich Erich Fromm. Keine Ahnung woran das liegt.

    • Wenn die Welt so einfach in Gut und Böse geteilt werden kann, wie die Anhänger einer beliebigen Ideologie behaupten, dann behaupten diese, es gäbe in dieser Welt Gewißheit:

      Ich denke, also bin ich. (Descartes)

      ist nichts anderes als die Behauptung einer Gewißheit. Wenn die Welt jedoch gewiß ist, dann muß keiner danach suchen, denn dann ist die Gewißheit immer schon da.

      Du kannst dann nichts mehr ändern, denn dann ist bereits alles vorherbestimmt, Schicksal. Fatalismus.

      Nur wer sich selbst für den Guten hält, muß den Bösen zwingend erzeugen.

      In der Psychologie ist das Rollenspiel im Dramadreieck (Täter-Opfer-Retter) schon lange bekannt. Genau das tun Menschen heute, sie spielen unablässig Gut-Böse-Spiele, pathologische Spielsucht.

      Zu diesen Spielen gehört auch der gute Geist und der böse Körper.
      Was existiert, der Geist, die Seele und/oder der Körper?
      Sind Geist und Körper eins?
      Oder verschieden?

      und weiter
      Wer befiehlt dem Körper? Wer befiehlt dem Geist?
      Wo ist der Geist bzw. die Seele lokalisiert?

      Es ist nicht möglich etwas noch einmal zu erleben (Zeitreise). Anscheinend lesen Menschen Erich Fromm bzw. Arno Gruen sehr sehr unterschiedlich.

      Sprache ist nur der Informationsträger, nicht die Information selbst.

      Wenn du emotionalisiert bist, z.b. durch Trauer, bist Du dann noch in der Lage zu Fühlen? oder ignorierst Du eher, was Du wahrnimmst? (Alles Wahrnehmen ist Fühlen)

    • Man kann von der Untätigkeit und der Selbstgefälligkeit mancher großer NGOs halten, was man will. Aber diese NGOs tun auf jeden Fall Besseres und mehr als üble Populisten wie Donald Trump. Gerade lief auf den Tagesthemen (die ich zum ersten Mal seit sicher mindestens einem Jahr sehe) eine Spendenaufruf für Jemen, dessen ärmere Bürger besonders auch durch die von den USA aktiv unterstützte unmögliche Politik Saudi-Arabiens in einer schwierigen Lage sind.
      Donald Trump hingegen hindert Jemeniten, die nicht zu den von ihm ausgewählten Organisationen gehören, an der Reise in die USA, als einzige „Antwort“ auf die politische Krise, die von seiner eigenen Regierung maßgeblich mitverursacht wird.
      Bei den NGOs ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Populisten hingegen sind eine Katastrophe.
      Was ist also das größere Übel?

    • War Heute-Journal, nicht die Tagesthemen.
      Und bezüglich der Flüchtlinge: Natürlich müssen Patrouillenboote die Flüchtlinge retten, auch wenn sie ggf. sogar selbstverschuldet in dieser Lage sind (was ja die Mannschaft eines Patrouillenbootes nicht ansatzweise entscheiden bzw. bemerken kann). Ich will keine Staatsmacht, die da irgendetwas anderes macht – die Alternative wäre, die Flüchtlinge ertrinken zu lassen – DAS wäre üblester Krieg. Und da Nordafrika kein Freizügigkeitsabkommen mit der EU hat (eben die miserable Grenzschließungspolitik existiert), können europäische Patrouillen die Flüchtlinge nur in Europa absetzen. DAs ist völlig in Ordnung so und – wenn man keine naziartigen Behörden will, die ‚Fremde‘ einfach ertrinken lassen – wirklich alterantivlos.

      Viel hängt in Wahrheit an Russland. Russland könnte alle, wirklich allle, Flüchtlinge aufnehmen und wäre immer noch unterbesiedelt. Es ist Putins Regierung, die solche Fortschritte blockiert und Russland nicht in der EU haben will.

    • Nach dem Verursacher-Prinzip sollten vor allem die USA und in zweiter Instanz solche Nato-Staaten, die mit an den Kriegen verdienen und beteiligt sind, mit Kreuzfahrtschiffen in Beirut und Libyen die Flüchtlinge aufnehmen, die den Todeszonen entronnen sind, statt sie weiterer Gefahr für Leib und Leben auszusetzen.

    • Natürlich sollten die USA und vor allem Russland mehr Verantwortung bezüglich der Flüchtlinge übernehmen.

      Da die aktuelle russische Regierung ja meint, in Syrien den Diktator Assad stützen zu müssen (mit massiven militärischen Mitteln), um einen ‚Zugang zum Mittelmeer zu behalten‘, passt es bei Russland sogar in die aktuelle Militäragenda. Bei den USA passt es hingegen nur sehr bedingt in deren ‚Strategie‘ (falls man die Chaospolitik der US-Regierungen mindestens seit Bush senior so nennen will). Denn die USA haben bezüglich Libyen/Absetzung Gaddafi ja einen Großteil der ‚Arbeit‘ von Frankreich machen lassen, alleine das sind sehr interessante Details, ist aber ein anderes Thema.

      Russland hat ein riesiges Territorium, ist eindeutig unterbesiedelt und könnte somit alle Flüchtlinge der ganzen Welt aufnehmen und würde dabei sogar rein materiell profitieren. Und Russland ist an den aktuellen Problemen in Syrien stark beteiligt. Dass Russland sich dennoch sogar abschottet, ist nur der Macht- und Kriegspolitik der Putin-Partei und den mehr als dubiosen Interessen seiner Lobbyisten geschuldet.

      Aktuell patrouillieren da aber eben EU-Staaten, die – gerade wegen der mangelhaften politischen Beziehungen mit Nordafrika – die Flüchtlinge nur in der EU absetzen können. Und da geht es ganz konkret darum, welches Staatsverständnis Rechtspopulisten haben, die faktisch fordern, dass europäische Staatsbedienstete Leute auf Befehl ertrinken lassen sollen. DIe sind eben WIRKLICH sehr nahe bei den Nazis, obwohl (oder gerade weil) sie ständig ‚Nazikeule‘ schreien, wenn man sich erlaubt, diese Tatsache zu erwähnen.

  4. Der neue Niederländische Partei, Forum Für Demokratie, FVD, wird gesehen als populistisch.
    FVD will Demokratie durch Referenda, will die EU verlassen, der Niederländische Gulden zurück, Migration beherrschen, die Niederländische Kultur verteidigen und gute Beziehungen zu Russland.
    Aber es gibt ein Problem mit die Definition von populistisch, die Mitglieder sind Intellektuelle.
    Die zwei Abgeordnete jetzt sind beide Akademiker, Baudet schrieb viele Bücher, Hiddema ist ein angesehener Anwalt.
    Vorsitzende ist der Leiden Professor Cliteur.
    Die Partei besteht seit etwa Oktober 2016, hat aber jetzt schon mehr als 10.000 Mitglieder.
    Rutte’s VVD hat 26.000 Mittglieder.

    • Auch und gerade Intellektuelle können rechtsradikal sein. Die Nazi-Partei Adolf Hitlers (NSDAP) hatte auch zahlreiche akademische Mitglieder.

  5. Es wird hier immer wieder die Krankhaftigkeit unserer Welt beschrieben, aber leztendlich doch nichts, was jeder einzelne Mensch zur Heilung ganz konkret beitragen kann. Mein erster, grundlegender Vorschlag, diese von Gewalt beherrschte und von Aggressionen strotzende Welt ganz praktisch zu heilen mit der kollektiven Umstellung zum Veganismus will hier gar nicht erst erhört werden, geschweige denn begriffen. Deshalb versuche ich es jetzt noch einmal rein auf der geistig- Psychologischen Ebene mit den von mir als wahr empfundenen Worten Eckhart Tolles und einer seiner Übungen, die er so beschreibt :

    „Unglücklichsein und Negativität sind eine Krankheit, die auf unserer Erde passiert. Was die Umweltverschmutzung für die Außenwelt, ist die Negativität für die Innenwelt. Sie ist überall. Nicht nur dort, wo die Menschen Mangel leiden, sondern vor allem dort, wo sie mehr als genug haben. Ist das ein Wunder? Nein, die Überflussgesellschaften identifizieren sich stärker als andere mit der Form, verlieren sich noch mehr im Inhalt. Sind noch fester ans Ego gefesselt….“

    DIE HERABSETZUNG DES EGO ZULASSEN
    Das Ego ist stets auf der Hut vor allem, was es als Herabsetzung empfindet. In diesem Fall springen automatisch Reparaturmechanismen an, um die mentale Form des Ego wieder herzustellen. Wenn Dich jemand tadelt oder kritisiert, empfindet das Ego dies als persönliche Kränkung und versucht sein angeschlagenes Selbstwertgefühl wieder zu reparieren. Ob die andere Person recht hat oder nicht ist für das Ego irrelevant. Es ist viel stärker an seiner Selbsterhaltung interessiert, als an der Wahrheit. Damit wird für den Erhalt der psychologischen Form Deines Ichs gesorgt. Selbst etwas so normales wie Zurückbrüllen, wenn Dich ein Autofahrer im Verkehr einen Idioten nennt, ist eine automatische unbewusste Reaktion zur Wiederherstellung des Ego. Eine der häufigsten Reparaturmechanismen des Ego ist Wut, die eine kurzzeitige, aber ungeheure Ego- Aufblähung bewirkt. Für das Ego haben alle Reparaturmaßnahmen ihren Sinn, obwohl sie im Grunde zu seiner Gestörtheit beitragen. Am deutlichsten gesteigert wird die Gestörtheit durch physische Gewalt und Selbsttäuschung in Form von überspannten Phantasien.
    Eine besonders kraftvolle spirituelle Übung besteht darin, die Herabsetzung des Ego zuzulassen, wenn sie geschieht, ohne etwas dagegen zu unternehmen. Ich empfehle Dir, von Zeit zu Zeit damit zu experimentieren. Wenn Dich z.B. jemand kritisiert, tadelt oder beschimpft, tust Du einfach gar nichts, statt sofort all Deine Abwehrmechanismen zu mobilisieren und auf Rache zu sinnen. Lass es zu, dass Dein Selbstbild schrumpft und achte darauf, wie sich das in Deinem tiefsten Innern anfühlt. Ein paar Sekunden lang wird es Dir unangenehm sein, so als wärst Du kleiner geworden. Dann aber spürst Du eine innere Weite, die Du lebhaft empfindest. Du bist überhaupt nicht kleiner geworden. In Wahrheit hast Du Dich ausgedehnt. Jetzt machst Du vielleicht eine erstaunliche Entdeckung. Wenn Du in irgend einer Weise herabgesetzt wirst und überhaupt nicht darauf reagierst, nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich, geht Dir auf, dass nichts Wirkliches davon berührt wurde und Du eigentlich durch das Erniedrigt-Werden gewachsen bist. Sobald Du die Form – das Ego- nicht mehr verteidigst, oder zu stärken versuchst, löst Du Dich von der Identifikation mit dieser Form, dem mentalen Selbstbild. Indem Du weniger wirst in den Augen des Ego, dehnst Du Dich in Wahrheit aus und schaffst einen Raum, in dem das Sein erscheinen kann. Dann kann Deine wahre Kraft – das, was Du jenseits der Form bist- durch die scheinbar geschwächte Form des Ego hindurch leuchten.
    Das meinte Jesus, als er sagte, man solle sich selbst verleugnen oder die andere Backe darbieten. Das heißt natürlich nicht, dass Du Dich unbewusst den Menschen opfern oder Dich von ihnen ausnutzen lassen sollst. Manchmal erfordert es eine Situation, dass man jemanden deutlich zurückweist. Wird dabei nicht das Ego verteidigt, zeigen die Worte Wirkung, ohne bloß Gegenreaktion zu sein. Falls nötig, kannst Du jemandem mit aller Bestimmtheit ein klares Nein sagen. Und das wird ein Nein von hoher Qualität sein, wie ich es nenne. Ein von aller Negativität freies Nein. Wenn Du Dich damit zufrieden gibst, niemand besonderer zu sein, Dich also nicht hervortust, richtest Du Dich auf die Kraft des Universums aus. Was dem Ego wie Schwäche vorkommt, ist in Wirklichkeit die einzig wahre Stärke.
    Diese spirituelle Wahrheit ist den Werten unserer heutigen Kultur und der Art und Weise, wie sie das Verhalten der Menschen konditioniert, diametral entgegengesetzt…..“

    Wir können auch in der Bibel neben den macht- manipulativ verkehrt übersetzten Wahrheiten und Weisungen die echten Wahrheiten und Weisungen entdecken. Ich nenne davon hier nur 2:
    „Alles kann den Menschen vergeben werden, nur eines nicht: Die Sünde wider den Geist.“ (Matthäusevangelium)
    Oder Jesus sagt: „Wenn Du in eine Stadt kommst, und man misshandelt Dich, so schüttle den Staub von Deinen Füßen“.
    Bei Nietzsche findet man hierfür diese wunderschönen Worte, die auch alles bisher hier gesagte zusammenfassen:

    „Wo Du nicht mehr lieben kannst –
    Da-
    Musst Du vorüber gehen!“

  6. Ein paar Anmerkungen:
    In der Tat gibt es Unterstützung seitens einzelner Kapitalisten für faschistische Diktaturen – meistens im Ausland, damit sie davon nicht persönlich betroffen sind (und mittels Exporten etwa von Waffen oder mittels Monopolen sogar profitieren können).
    Diese faschistischen Diktaturen verwirklichen aber nun gerade nicht die Ideen des Kapitalismus und der Marktwirtschaft, sondern eher das Gegenteil.

    „Und damit die Opfer des Kapitalismus nicht auf den Gedanken kommen, ihre Lage hätte etwas mit dem System zu tun, werden sie nicht nur von der gedanklichen Analyse der Verhältnisse durch Personalisierungen abgehalten, sondern im Kanon damit gleich unterhalten im Sinne von unten gehalten. “

    Wo sind denn Opfer des Kapitalismus? Wie die Linken ja selbst (zu Recht, meine ich übrigens) behaputen, ist die soziale Absicherung des Einzelnen Sache des Staates. Kapitalistische Staaten hindern ja Politiker nicht daran, eine Sozialhilfe einzureichten, auch eine großzügige. Verwechseln Sie bitte nicht Opfer schlechter Politik mit angeblichen ‚Opfern des Kapitalismus‘.

    Es gibt aber sehr viele Opfer des Anti-Kapitalismus:
    Die Leute in Nordkorea z.B., die dort von einer – meines Erachtrens wahnsinnigen *) – Regierung eingesperrt und quasi als Geiseln gehalten werden.
    Die Ärzte in Kuba, die zum ‚Dank‘ dafür, dass sie etwas gelernt haben, was nicht jeder kann, nicht ausreisen dürfen (widerwärtig ungerecht und eingebildet-arrogant ist sowas – subjektiv, rein subjektiv, ekelt mich das fast noch mehr an als die durchgeknallte nordkoreanische Kamarilla, auch wenn es natürlich weniger schlimm ist als Nordkorea. Selbst die „DDR“ hat Leistungsträger korrekt privilegiert mit ihren bescheidenen kommunistsichen Miiteln).
    Die Bürger der ‚DDR‘, der Sowjetunion und anderer früherer Ostblockstaaten die nicht mal nach Italien in den Uralub fahren durften.
    Die Bürger Albaniens, die vor 1990 nicht aus ihrem Land ausreisen durften und völlig unterdrückt wurden.
    Etc. Etc.

    Kommunismus funktioniert nicht und wird nie funktionieren, weil der Privatbesitz an Produktionsmitteln und die Handelsfreiheit elementare Grundrechte sind, die der Kommunismus aber PER DEFINITION negiert.

    • *) Schauen Sie sich mal die ‚Juche‘-Ideologie der nordkoreanischen Regierung – eine Erfindung des großen Diktators Kim-Il-Sung, einer Figur wie aus einem Comic. Diese Ideologie hat im Wesentlichen genau eine Aussage: Sie sieht die Menschen bzw. den natürlichen (!!) Zustand der Menschen so an, dass sie zwar durchaus ‚Subjekte‘ sind (Dankeschön..), aber natürlich nur als Befehlsempfänger der nordkoreanischen Regierung leben sollten. Das ist so dreist, dass es schon fast zum Lachen ist. Übrigens hat Nordkorea bzw. dessen Diktatur-Mafia kürzlich das Ganze modifiziert: Seit 2009 bereitet sich dieser Staat auf Druck der Diktatur auf den großen Krieg vor, das Motto lautet in etwa ‚Alles für die Armee‘ – völlig militaristisch ist das, und bedenklich in höchstem Maße.

    • Zugegeben: Auf eine SEHR spezielle Art und Weise ‚hat‘ Nordkorea etwas (wenn man da nicht als ‚Bürger‘ eingesperrt ist). Dieser Staat wirkt wirklich wie eine Kreation eines Cartoon-Autors (während ich Kuba z.B. einfach nur daneben finde).
      Nordkoreanische Kulturveranstaltung mit der – grundsätzlich nur aus Frauen bestehenden – „Staatsband“, die sogar westliche Instrumente spielen und deren Auftritt an alte ‚Star Trek‘-Folgen erinnert:
      „https://www.youtube.com/watch?v=rxx4jL-0fY0“
      Man beachte die Panzer auf der Videoleinwand! Militär-Wahnsinn pur.

      Der zunächst wesentliche Punkt ist wirklich die Reisefreiheit. Es muss möglich sein, dass die Leute, die etwas Anderes wollen als diesen Staat, in einem ersten Schritt wenigstens ins Ausland können. Und es muss auch möglich sein, nach Nordkorea ein(!)zuwandern. Dann können die Leute, die das alles toll finden, sogar dort hin!

    • Der m.E. schönste Satz der politischen Literatur, die mir bekannt ist, steht im kommunistischen Manifest von Marx und Engels: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ Kritiker sagen, das kann der Mensch nicht. Ich sage: Wir bewegen uns durch die Digitalisierung auf eine Zeit zu, in der es nur noch mit einer Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft mit den ungezählt vielen Lohn-Abhängigen eine Zukunft gibt, die aus der Gefahr der Barbarei und des Untergangs heraus führt.
      Privatbesitz an Eigentum, das mir Macht über das Schicksal von Mitmenschen über die Möglichkeit, ihre Arbeitskraft zu verwerten gibt, ist kein Menschenrecht. Handelsfreiheit darf auch nicht heißen, dass subventionierte EU-Landwirtschafts-Produkte afrikanischen Bauern die Existenz zerstört. Jean Jacques Rousseau dazu: „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“

    • Bernhard Trautvetter zitierte am 6. August 2017 um 06:46 Marx mit den folgenden Worten:

      „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

      Damit hat Marx eine schon zu seiner Zeit nicht wirklich neue Erkenntnis zu verbreiten gesucht – bislang jedoch ebenso vergeblich, wie die Erkenntnisse von Fromm und Gruen breite Massen erreichten. Aus meiner Sicht ist aber genau das der größte Knackpunkt all unserer Verwerfungen, seien sie nun politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder das Finanzwesen betreffender Natur.

      Wir alle sind mehr oder weniger entfremdete Wesen. Wir wurden in frühester Kindheit bereits wichtigen Teilen unseres sich gerade in Entwicklung befindlichen Wahrnehmungs- und Gefühlsapparats entfremdet. Deshalb können wir immer nur das im Außen annähernd unverzerrt wahrnehmen, wo wir im Inneren noch eine Verbindung aufrechterhalten. Phänomene, die in Resonanz mit abgespaltenen Selbstanteilen stehen, können nicht unverzerrt wahrgenommen werden, weil sie gleichzeitig auch die Angst hervorrufen, die uns einst zur Abspaltung genötigt hatte. Solche Phänomene lösen Abwehrreaktionen aus, die sich gewöhnlich in einer Projektion der verhaßten Selbstanteile auf den Auslöser beschränken. Erschwerend kommt hinzu, daß wir zwar bei anderen durchaus in der Lage sind zu erkennen, wo sie auf uns projizieren, jedoch die eigenen Projektionen auf andere meist nicht als solche erkannt werden können. Das biblische Wort Wir sehen den Splitter im Auge des anderen, erkennen aber nicht den Balken im eigenen Auge weist darauf hin, daß dieser Umstand schon sehr lange bekannt ist.

      Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: So lange wir nicht unsere emotionale Vollständigkeit, die Vollständigkeit unseres ursprünglichen Selbst zu erreichen in der Lage sind, werden wir, allen gesellschaftlichen und politischen Fortschritten zum Trotz, immer wieder in diese Falle geraten.

    • „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“ Kritiker sagen, das kann der Mensch nicht.

      Ganz im Gegenteil: Der Mensch kann das!

      Der Kommunismus kann das aber nicht!

      Die freie Marktwirtschaft stellt die Bedingung der freien Entwicklung aller.
      Kommunismus verbietet freie Produktion und freien Handel per Definition (ist also irreparabel gegen die freie Entwicklung eines jeden).

      Ich bin aber erstaunt über solche wirklich liberalen Sätze ausgerechnet von Karl Marx. Ist mindestens vergleichbar mit dem ‚Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden‘ von Rosa Luxemburg (das ja von den Unterdrückungsapparaten kommunistischer Regierungen ebenfalls völlig konterkariert wird).

      Reagan hatte wohl wirklich recht: Sinngemäß sagte er: Ein Kommunist ist jemand, der Marx (und Lenin) ‚liest‘. Ein Antikommunist ist jemand, der Marx (und Lenin) VERSTEHT.

  7. Der übliche Tag-träumende Gut-Menschen Text:

    „Nur Kooperation der Menschheit hilft da.“

    Na denn, Herr Tautwetter, dann machen sie mal, das mit dem bisschen Ko-operation, das schaffen sie schon.

    • Solange es nicht ausgemacht ist, dass die Menschheit den Planeten Erde wie das Paradies Eden verlieren wird, und damit ihre Existenz, halte ich dagegen. Ich weiß nicht, ob das funktionieren kann. Es gibt keine andere Lösungs-Alternative zur Barbarei, die uns dem Untergang weihen würde. Und daran bin ich nicht interessiert. Ich kann/Wir können damit scheitern. Eine solche Tragödie möchte ich nicht durch Resignation vorwegnehmen.

    • Naja, wer aus dem Land flüchtet, in dem er sich nicht mehr wohlfühlt, um hinterher die Zurückgebliebenen hämisch auszulachen und damit seiner Verachtung auszudrücken, von dem kann man eigentlich auch nichts anderes erwarten. Ihren Standpunkt, Herr Trautvetter, Lösung und Fortschritt unserer Misere als „Menschheit“ nicht durch vorzeitige Resignation unmöglich machen zu wollen, teile ich aus tiefstem Herzen.

      Wer Grund zur Hoffnung braucht, der hofft nicht, sondern verwechselt Hoffnung mit Erwartung. Hoffnung ist ein zutiefst menschlicher Zug und benötigt keine Grund. Die meisten Leute, die etwa sagen, »ich hoffe, daß es bald regnet« oder »hoffentlich gewinnt meine Mannschaft, mein Verein« usw., geben damit einem aktuellen Bangen Ausdruck. Das hat nichts mit Hoffnung zu tun. Hoffnung ist vielmehr Ausdruck einer tiefen inneren Überzeugung, daß noch nicht alles verloren ist, egal wie düster und ausweglos die Situation auch scheinen mag.

      Hoffnung sehe ich z.B. in der folgenden Aussage von Ivan Illich, dessen Buch Entschulung der Gesellschaft ich gerade lese:

      Die Dissonanz, die das Merkmal so vieler junger Menschen heute ist, hat weniger mit Erkenntnis als mit Einstellung zu tun: das Gefühl, wie eine erträgliche Gesellschaft nicht aussehen darf. Das Erstaunliche an dieser Dissonanz ist, daß eine sehr große Zahl von Menschen sie aushalten kann.

      irwish.de/pdf/Illich-Entschulung_Gesellschaft.pdf

  8. Lieber Herr Trautvetter! Sie schreiben als Antwort auf meinen ersten post u.a.: „Die Frage unseres Verhältnisses zu den Mit-Wesen ist in der Tat unterbelichtet.“
    Aber wie es für mich aussieht, wollen Sie weiter mit dieser Unterblichtung leben, da Sie ja, wie auch fast alle anderen Schreiber/innen hier, diese permanent und konsequent in ihren Texten ignorieren. Ich spreche das hier deshalb an, weil es mir schon lange als gesamtgesellschaftliches Phänomen erscheint und ich mich fortgesetzt frage, was eigentlich der wahre Grund ist. Denn Tatsache ist ja, dass wir alle unter den Gewaltsystemen leiden, die wir angeblich schon längst durchschauen. Dieser Höllenkrieg gegen die andersartigen Lebewesen, der uns alle nur krank macht, scheint aber zu diesen Gewaltsystemen für die Vielen, die ihn so konsequent ignorieren, einfach nicht dazu zu gehören. Und ich stelle immer wieder fest, dass dies einen immer größeren inneren Graben schafft zwischen denen, die diese Tierhölle so konsequent aus allen Diskussionen heraushalten und damit marginalisieren wollen und denen, die mit dieser Tierhölle nicht mehr weiter leben wollen und sich deshalb mit dieser Frage schon lange auf allen Ebenen auseinander setzen.
    Dieses immer noch Augen-Zukneifen der meisten vor dem größten kollektiven Verbrechen der Menschheit sehe ich als unser grundlegendes heutiges Problem, dem alle anderen übergelagert sind. Das wollte ich nur noch einmal klar gesagt haben.

    • Lieber Specht,
      im Buch ‚Die Grenzen des Wachstums‘ ist Seite 13 eine Grafik. die zeigt, in welchen Raum-Zeit-Horizonten man nachdenken kann. Das geht vom Hier und Jetzt bis zur Unendlichkeit in Raum und Zeit. Wir sind nicht alleine in einen Lebenswandel eingebunden, der Mit-Wesen ausrottet und aussterben lässt, sondern der auch die Lebens-Chancen kommender Generationen aller Arten untergräbt. Wenn wir uns für Ökologie und Frieden einsetzen, dient das weit über die Artengrenzen unserer Gattung und über den Zeithorizont unseres Daseins hinaus. Vielleicht muss ich das deutlicher machen. Der Kapitalismus zwingt das Denken und Handeln wesentlicher EntscheidungsträgerInnen in die Begrenztheit von Quartalsberichten und Jahres-Bilanz-Pressekonferenzen. Bei Wahlen können diese Zeiträume schon einmal mehrere Jahre übergreifen. Atommüll muss 1 Mio. Jahre hermetisch von der Ökosphäre abgeschirmt sein. Was war (hier) vor 1 Mio. Jahre los! Was wird sein? Wir haben eine verdammte Pflicht und eine wunderschöne Herausforderung, alles uns nur eben Mögliche einzubringen, dass das Leben an der Perlenkette der Jahrhunderte nicht reißt… Der Sinn kann ein zärtlicher sein, wenn wir ihn gemeinsam leben.

    • Lieber Herr Trautvetter! Ich weiß wieder nicht, was ich mit dieser Antwort von Ihnen anfangen soll. Das, was ich hier angesprochen habe, diese Höllenfolter, die ununterbrochen und nur von einer Minderheit angeprangert auf der ganzen Welt ständig für ein vielfaches der gesamten Menschheit an empfindsamen Lebewesen vollzogen wird zum Zwecke der ERNÄHRUNG, kommt hier wieder genauso wenig vor, wie eh und je. Es ist, als ob ich eine fremde Sprache spräche, von der Sie kein Wort verstehen. Dabei ist es doch so einfach. Ich kann daraus nur den Schluss ziehen, dass Sie diese Hölle gar nicht, wie ich und immer mehr andere, dringend abschaffenswert finden, weil sie von allem am meisten zu unserem Untergang beiträgt, sondern dass Sie auch noch glauben, wie anscheinend viele andere, wir bräuchten diese permanent befeuerte Hölle hier zum Überleben. Ich erlebe jetzt seit 15 Jahren, zusammen mit immer mehr anderen, dass ich nicht nur vollständig für meinen Lebensbedarf auf die Nutzung dieser Hölle verzichten kann, sondern dass es mir dadurch ungleich viel besser geht, als zuvor. Ich bin sicher, dass die Krankheit und äussere wie innere Deformation der Menschheit direkt mit dieser traditionell immer noch festgetretenen verkehrten Ernährungslüge zusammenhängt.

    • Ich frage mich immer wieder verzweifelt, warum in einem alternativen Aufklärer-Forum wie KenFM von allen Autoren außer DirkC.Fleck das Thema Tierhölle und ihre Auswirkungen bzw. ihr dringender Abbau als Thema mit derartiker Akribie ausgespart wird, dass sogar noch user, die dann darauf hinweisen, wegen angeblicher Themenabweichung gesperrt werden konnten.
      In der ProVegan-Ausgabe 31/2017 heißt es zu dem jüngsten Gift-Eier-Skandal:
      „Die grausame industrielle Tierhaltung braucht Chermie, um die Tierkinder wenigstens eine Zeit lang am Leben zu halten. Ob dies nun Antibiotika sind oder Desinfektionsmittel, sicher ist, dass es ohne diese Mittel gar nicht geht.
      Werden sie dann einmal entdeckt, ist es seltsamerweise ein „Skandal“. Sicher ist auch, dass das Vorhandensein dieser Mittel in den Produkten nur durch Zufall herauskommt und dass wahrscheinlich 99% aller Kontaminationen unentdeckt bleiben.
      Auch bekannte Kontaminationen von Tierprodukten, die standartmäßig von Behörden gemessen werden wie z.B. der Gehalt an kanzerogenen Umweltgiften wie Dioxinen und PCP’s führen zu keinen Konsequenzen.
      Diese kanzerogenen Umweltgifte stammen zu 99% aus Tierprodukten, insbesondere aus Milchprodukten und Fisch. Trotzdem wird vor deren Verzehr nicht oder kaum einmal gewarnt. Schlimmer noch, ahnungslose oder korrumpierte „Ernährungsexperten“ und entspr. Organisationen empfehlen genau diese Produkte als Bestandteile einer „ausgewogenen Ernährung“, sogar für Kinder.“

      Man muss aber diese Dinge gar nicht mehr in allen Einzelheiten kennen, es genügt ein Blick auf die Straße, wo die monsterartigen Gestalten unter den Passanten rapide zunehmen.
      Genauso, wie heute ein mit Chemtrails- kontaminierter Himmel den meisten immer noch „als natürlich“ gilt, gelten Hautausschläge im Babyalter, Akne in der Pubertät und fettige Haut mit Mitessern, sowie Speckmasken, Doppelkinne und Hängebäuche ab einem gewissen Alter als völlig normal. Nun ja, es ist ja tatsächlich schon die Norm! Prost Mahlzeit!

    • Was Sie Ignorieren nennen, liebe/r Specht, das ist für mich Ausdruck (m)einer zu geringen Sach-Kenntnis. Ich empfehle den Film meines Freundes Erwin Wagenhofer „We feed the world“

    • Lieber Herr Trautvetter! Ich weiß durch Ihre Texte, dass Sie ein hoch sensibler, denk-und formulierbegabeter gerechtigkeitsbewusster Mensch sind, der sich (fast)über alle Problematiken unseres Lebens gut informiert hat. Gerade deshalb wundert es mich, dass Sie die Tiere in ihrer von Menschen bereiteten Hölle, die genauso empfindsam sind, wie wir, bisher für mich ganz offensichtlich von all dem ausgeschlossen haben. Es erscheint mir, verzeihen Sie bitte, wenn ich mich irre, bisher so, als fänden Sie das, was diesen geschieht immer noch vergleichsweise in Ordnung. Es gibt heute über alles, was da geschieht und was infolge dessen den Menschen geschieht und der ganzen Erde an Krankheit, Elend und Vergiftung genügend Film-und Textmaterial. Warum lesen Sie nicht einfach mal so ein Buch wie bspw. „The WorldPeaceDiet“(in Deutschland „Ernährung und Bewusstsein“) von Will Tuttle, einem amerikanischen Soziologen und Erziehungswissenschaftler? Ich verspreche Ihnen, dass das ganz sicher nicht unter Ihrem Niveau ist.

    • Hallo Herr Trautvetter,
      ich möchte an dieser Stelle die „Kontinuität von Bewusstsein – Das naturwissenschaftliche Argument für Tierrechte“ von Martin Balluch empfehlen, sowie „Zoopolis – eine politische Theorie der Tierrechte“ von Sue Donaldson und Will Kymlicka.
      Ich schließe mich zudem Specht an und möchte nochmals betonen, dass Speziesismus überwinden nicht bedeutet, dass Menschen weniger Wert sind. Letztlich sind wir alle Tiere.
      Und wenn eine Ernährungsform derart desaströse Auswirkungen auf den Planeten, den Menschen und natürlich die Tiere hat … dann erscheint es einfach, eben etwas anderes zu essen (bzw. überhaupt zu konsumieren) und somit als eine Alternative.
      Im übrigen sind Menschen, die in den Schlachtbetrieben arbeiten, extremen (auch tödlichen) Gefahren ausgesetzt und psychisch ständig am Rande der Verzweiflung (siehe dazu auch Melanie Joy „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“).
      Eine Bekannte arbeitete jahrelang als Tierärztin in einem kleinen Schlachthof (beim Metzger des Vertrauens), der nur ein Abklatsch des Horrors ist, der in großen Schlachtbetrieben abläuft. Sie wollte den Tieren ihren letzten Gang so leicht wie möglich machen. Dass Tiere beseelte, empfindsame und vor allem auch Individuen sind, hat sie in einem kleinen Büchlein aufgeschrieben.
      http://www.tiere-leben.de/imags/Gesichter_der_Angst.pdf
      Immer wieder hat sie Tiere freigekauft und einen kleinen Gnadenhof betrieben. Mittlerweile hat sie ihre Tätigkeit im Schlachthof eingestellt und ist mit ihren Tieren auf einen großen Gnadenhof in Moringen gezogen.
      https://www.white-paw.de/projekte/lebenshof-die-wilde-hilde/
      Der Hof lebt von Patenschaften und Spenden. Jedes einzelne Tier. Das ist alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber jedes Leben ist wertvoll.

  9. Eine Bitte an die Administratoren: Mir ist es jetzt schon des öfteren widerfahren, daß ich einen Beitrag einstelle, der keinerlei Links enthält, aber dennoch nicht erscheint, nicht einmal als noch zu prüfender Kommentar. Ich wollte unten Herrn Trautvetter antworten. Die längere Antwort wurde nicht aktzeptiert, die kürzere dagegen schon. Was bezweckt der Administrator damit? Gelte ich als unerwünschter Kommentator, so teilt mir das bitte offen mit und löscht meinen Account. Alles andere ist nicht wirklich akzeptabel.

  10. „Der Sinn des Lebens scheint mir in der Tat darin zu liegen, das Weiterleben möglich zu halten und die Bedingungen dafür möglichst lebensunterstützend zu gestalten.“ Bernahrd Trautvetter

    Ich sehe aber keinen Sinn darin, diese Art von Weiterleben wie jetzt möglich zu halten. Ganz im Gegenteil. In einer Welt, in der sich die größte und mächtigste Art hauptsächlich und täglich von der ständig massenhaft erzwungenen Qualexistenz anderer genauso empfindsamer Lebewesen nährt, möchte ich nicht mehr weiter leben und kann unmöglich so ein Weiterleben irgendwelchen Nachkommenden wünschen.

    • Das war nicht die Frage, Herr Specht, sondern:

      Herr Specht, wenn Sie nicht mehr weiterleben wollen, wieso leben Sie dann noch?

      Ist doch eine ganz einfache Frage, nicht? Beantworten Sie diese Frage doch einfach, statt sich wie gewohnt in ausweichende Mutmaßungen zu flüchten …

      Wenn Sie nicht sterben wollen, dann spielen Sie hier einfach nur Theater: Theatraliche Vorführungen: Seht her, ich bin so betrübt, ich würde am liebsten sterben. Interessiert das jemanden? Nein, nur mich, weil ich empathisch nach fühlen kann, in welcher emotionalen Zwangsjacke Sie stecken müssen, wenn Sie solche Inhalte öffentlich posten. Und deshalb frage ich Sie noch einmal: Wenn Sie wirklich sterben wollen, wieso leben Sie dann noch immer? Nehmen Sie einmal für einen kurzen Moment Ihre Angst vor dieser Frage oder vor mir zurück und denken Sie, nein fühlen Sie den Implikationen dieser Frage nach.

    • @Specht:
      Ich verstehe gut, was Sie meinen, glaube ich. Mit solchen düsteren Gedanken haben wir wohl alle zu kämpfen, die wir diese aktuelle Situation miterleben müssen. Und ich kann nur sagen, dass wir mitfühlender mit uns selbst sein sollten. Wenn wir könnten, würden wir die Dinge zum Positiven wenden, sage ich mal etwas grobschlächtig. Und ich hoffe natürlich, dass wir das irgendwann können. Aber solange es nicht so ist, sind wir wirklich schon gestraft genug und sollten uns nicht auch noch selbst zermürben. Es ist wohl kaum möglich – oder jedenfalls sehr, sehr schwer – ein moralisch einwandfreies Leben zu führen unter den gegebenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umständen.

      @Peter Pan:
      Ihre Beiträge sind oft interessant. Aber hier verhalten Sie sich wirklich fragwürdig. Denken Sie bitte einmal daran, dass man Ihren Beitrag, der sicher gut gemeint war, auch ganz anders verstehen kann.

      Specht hat hier einfach nur ein ziemlich ehrliches, verzweifeltes Statement abgegeben – so kommt es jedenfalls bei mir an. Und wenn jemand auf dem Boden liegt, dann sollte man nicht auch noch auf ihn eintreten, selbst wenn man gute Absichten hegt! Manchmal hat der andere vielleicht gerade einfach nicht die Kraft dazu.

    • Werter Benjamin,

      man kann beinahe jede Aussage »anders« verstehen. Wie Sie meine Aussage, die sie als fragwürdig etikettieren, verstanden haben, geht aus Ihrer Antwort nicht hervor. Vermutlich halten Sie es für selbstverständlich, daß man Sie stets so versteht, wie Sie es meinen, und daß man Unerwähtens immer so ergänzt, wie Sie es dachten.

      Sie schreiben:

      Specht hat hier einfach nur ein ziemlich ehrliches, verzweifeltes Statement abgegeben – so kommt es jedenfalls bei mir an. Und wenn jemand auf dem Boden liegt, dann sollte man nicht auch noch auf ihn eintreten, selbst wenn man gute Absichten hegt! Manchmal hat der andere vielleicht gerade einfach nicht die Kraft dazu.

      Specht inszeniert hier einen seiner zahlreichen Versuche, moralischen Druck bei den Lesern seiner Zeilen zu erzeugen, indem er quasi droht: »Wenn ihr nicht damit aufhört, Tiere zu töten, muß ich mich wohl umbringen. Dann seid ihr schuld an meinem Tod!« Er sieht sich bereits als Märthyrer für die Sache der Tiere.

      Auf konkrete Nachfragen erhält man vom Specht so gut wie nie eine direkte Antwort. Er weicht ständig aus oder wird sogar aggressiv und beleidigend, wenn man nachfragt. Gesteht man ein, über das Thema, das Specht gerade behandelt, nicht viel zu wissen, und erklärt man, daß man gerade deshalb den Specht als Experten, als den er sich ständig ausgibt, um Rat fragt, wird man hochtrabend abgewiesen: Man solle doch bitte zuerst mal das Wissensniveau des Specht erreichen, bevor man ihn mit dummen Fragen belästigt.

      Ich bin nicht verpflichtet, Spiessern und Mitläufern Informationen aufzudrängen, die sie sich alle selbst besorgen könnten, dies aber nicht tun, weil sie lieber bequem im Vorurteils-Mainstream mitschwimmen.

      Peter Pan: Ich finde Dich hier mit Deinen Statements, die ich schon gefühlte millionen mal von anderen gelesen habe, einfach nur noch uninteressant. Du redest hier mit dem Mainstream über Dinge, von denen Du gar keine Ahnung hast. Wenn Du tatsächlich etwas über Geo-Engineering weißt, dann erzähl doch mal! Du gibst hier ja quasi zu, dass Du gar nichts darüber weißt! Aber Du bist Dir ganz sicher, dass es keine Chemtrails gibt und die das behaupten, Spinner oder „Esoteriker“ sind, was immer Du dir darunter vorstellst. Du hast ja keine Ahnung, wie viel Unwissen Du hier demonstrierst. Dass es diese Anlagen wie „HAARP“(in Alaska) und „Woodie Woodpacker“(in Russland) gibt(neben zahlreichen weiterenübrigens), wirst Du ja wohl nicht bestreiten wollen. Na dann erzähl doch mal irgend etwas darüber, was die so alles machen! Wenn Du darüber nichts weißt oder nichts wissen willst , dann kannst Du hier über Chemtrails gar nicht mitreden!

      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind/#comment-120070

      Specht hat hier einfach nur ein ziemlich ehrliches, verzweifeltes Statement abgegeben – so kommt es jedenfalls bei mir an. Und wenn jemand auf dem Boden liegt, dann sollte man nicht auch noch auf ihn eintreten, selbst wenn man gute Absichten hegt! Manchmal hat der andere vielleicht gerade einfach nicht die Kraft dazu.

      Meiner Erfahrung nach, die ich bislang mit dem Specht hier machen durfte, ist Specht keineswegs ein aufrichtiges Individuum. Man kann einen Menschen nicht nach zwei, drei Postings richtig einschätzen. Ob Specht auf dem Boden liegt, wie Sie das ausdrücken, kann ich nicht beurteilen. Zudem trete ich nicht auf jemanden ein, sondern bleibe auch bei solchen Inhalten, wie Specht sie oben gepostet hat, sachlich. Wenn ich jemanden frage, wieso er öffentlich postet, daß er sich umbringen werde, wenn der Rest der Welt weiterhin Tiere töte, ist das kein Treten, sondern eine berechtigte Frage. Sie dagegen stellen aufgrund von Informationen, die mir anscheinend nicht vorliegen, fest, daß man Specht hier nur mit dem, was Sie für Mitgefühl halten, entgegnen darf. Mein Gefühl sagt mir hier jedoch etwas ganz anderes: Ich empfinde solche Drohungen als theatralische Aufführung, ebenso wie kürzlich einige Leute exakt dasselbe Theater aufführten: Sie seien so dermaßen verletzt (ohne Angabe, wodurch genau), daß sie sich sofort – nicht ohne theatralische Vorankündigung – abmelden mußten, und gleich am nächsten Tag waren sie wieder da, gaben vor, die abgebliche Verletzung überwunden zu haben und zeigten mit dem Finger stets auf denselben Kommentator, nämlich mich, der sie dazu gebracht haben solle, sich abzumelden. Was für ein Schwachsinn! Aber die Leute glauben’s wohl tatsächlich.

      In einem Internetforum kann man nur mit Worten agieren. Darstellungen von Gefühlen usw. sind nicht wirklich glaubhaft, denn Worte sind billig zu haben, und die Demonstration von irgendwelchen Gefühlen dient nicht selten der Manipulation, um sich die moralische Überlegenheit zu sichern. Wenn dann gleich mehrere Leute sich auf einen mißliebigen User eingeschossen haben, der angeblich ständig Beleidigungen von sich gäbe (die nicht wirklich nachweisbar sind, weil es keine gegeben hat) und auf Nachfrage nicht mal fähig sind, zu zeigen, wo denn genau eine Beleidigung ausgesprochen wurde, ist das für mich nicht mehr glaubhaft.

      Meine Frage an Specht diente der Entlarvung seiner Theateraufführung: Wer wirklich vor hat, sich das Leben zu nehmen, der tut das. Er schreibt vielleicht einen Abschiedsbrief und macht’s dann einfach. Wer es nicht wirklich vorhat, aber lauthals verkündet, er werde sich umbringen, wenn oder wenn nicht … der will sich garantiert nicht selbst töten, sondern versucht, die Adressaten seiner Darstellung moralisch unter Druck zu setzen, seinem eigenen Willen zu unterwerfen und so über die anderen Macht auszuüben. Das ist aus meiner Sicht verwerflich.

      Es gibt ein Sprichwort, das sinngemäß feststellt: Wer am lautesten schreit, bekommt eher Recht, als jene, die mit leiserer Stimme Vernunft predigen. (oder so ähnlich) Specht und einige seiner militanten Tierschutz-„Mitstreiter“ führen dieses Theater ständig auf. Da wird nicht sachlich argumentiert, sondern theatralisch ausagiert und moralischer Druck aufgebaut. Wer sich dagegen stellt, wird gemeinsam angegriffen und diffamiert, und zwar mit Methoden, die alles andere als aufrichtig sind. Das geht so weit, daß sogar frei Erfundenes über einen mißliebigen User gepostet wird, um diesen in ein schlechtes Licht zu rücken, wie u.a. Schürer das gemacht hat:

      Also ich glaube die psychologischen Erkenntnisse dieses Fundi-Moralapostels auf der unermüdlichen Suche nach den Fehlern seiner Mitmenschen stammen von seinen eigenen Sitzungen bei seinem Psychotherapeuten. Letzterem ist sicher Lob zu zollen, wenn er es immerhin geschafft hat ihn von 135 kg auf 110 kg abzuspecken. Immerhin ein ausbaufähiger Teilerfolg auf der physischen Ebene. Auf der psychischen Ebene erscheint mir das bisher Erreichte eher noch etwas mager. Der Patient hat zwar gut aufgepaßt und kann auch gut über menschliche Unzulänglichkeiten und deren Ursachen in der Erziehung referieren. Aber der Schmerz zu akzeptieren was ihm widerfahren ist scheint doch so heftig zu sein, daß er nicht anders kann als all das auf andere projizieren zu müssen. Das kann nicht gut gehen. Nicht mal im virtuellen Raum. Das nervt einfach nur. Da muß der Therapeut noch nachlegen. Aber wahrscheinlich weiß der ja gar nicht was sein Patient so alles treibt.

      Da kommt keiner angesprungen und redet dem Schürer ins Gewissen, was ihm wohl einfalle, seinen Dreckkübel über einem anderen User auszuschütten.
      https://kenfm.de/tagesdosis-25-7-2017-sag-mir-wo-die-fliegen-sind/#comment-120188

  11. Lieber Herr Trautvetter,

    ich danke Ihnen für diesen Beitrag. Er nennt an vielen Stellen wichtige Punkte.

    Ich nehme mir einen Punkt mal heraus.

    Unterhaltung = Unten halten + Tittytainmant

    Derartig blinde Wählerströme geschehen dann umso leichter, wenn die Betroffenen keine Methode zur Analyse der Verhältnisse kennen, sondern stattdessen die Prozesse mit dem Blick verarbeiten, Personen seien schuld an den Vorgängen, die sie niederdrücken und in Angst versetzen. Dies zu konstatieren bedeutet mitnichten, Hillary Clinton nachträglich zu protegieren. Sie hat mit ihrer Kriegspropaganda und der unfairen Methoden hinter den Kulissen, um Bernie Sanders im Wettstreit zu schaden, mit zur gegenwärtig sich weiter zuspitzenden Lage beigetragen.

    Dieses Thema der „Untenhaltung“ gilt auch für die Unterhaltungsindustrie in Deutschland.

    Da gilt es, finde ich, in Deutschland den Fokus auch verstärkt darauf zu richten.

    Ich zitiere mal kurz etwas aus Faust dazu:

    Faust:

    Das Spionieren, scheint’s, ist deine Lust.

    Mephistopheles:

    Allwissend bin ich nicht; doch viel ist mir bewußt.

    Faust:

    Wenn aus dem schrecklichen Gewühle
    Ein süß bekannter Ton mich zog,
    Den Rest von kindlichem Gefühle
    Mit Anklang froher Zeit betrog,
    So fluch ich allem, was die Seele
    Mit Lock- und Gaukelwerk umspannt,
    Und sie in diese Trauerhöhle
    Mit Blend- und Schmeichelkräften bannt!
    Verflucht voraus die hohe Meinung
    Womit der Geist sich selbst umfängt!
    Verflucht das Blenden der Erscheinung,
    Die sich an unsre Sinne drängt!
    Verflucht, was uns in Träumen heuchelt
    Des Ruhms, der Namensdauer Trug!
    Verflucht, was als Besitz uns schmeichelt,
    Als Weib und Kind, als Knecht und Pflug!
    Verflucht sei Mammon, wenn mit Schätzen
    Er uns zu kühnen Taten regt,
    Wenn er zu müßigem Ergetzen
    Die Polster uns zurechte legt!
    Fluch sei dem Balsamsaft der Trauben!
    Fluch jener höchsten Liebeshuld!
    Fluch sei der Hoffnung! Fluch dem Glauben,
    Und Fluch vor allen der Geduld!

    Geister, Chor (unsichtbar) :

    Weh! weh!
    Du hast sie zerstört
    Die schöne Welt,
    Mit mächtiger Faust;
    Sie stürzt, sie zerfällt!
    Ein Halbgott hat sie zerschlagen!
    Wir tragen
    Die Trümmern ins Nichts hinüber,
    Und klagen
    Über die verlorne Schöne.
    Mächtiger
    Der Erdensöhne,
    Prächtiger
    Baue sie wieder,
    In deinem Busen baue sie auf!
    Neuen Lebenslauf
    Beginne,
    Mit hellem Sinne,
    Und neue Lieder
    Tönen darauf!

    Mephistopheles:

    Dies sind die Kleinen
    Von den Meinen.
    Höre, wie zu Lust und Taten
    Altklug sie raten!
    In die Welt weit,
    Aus der Einsamkeit
    Wo Sinnen und Säfte stocken,
    Wollen sie dich locken.

    Hör auf, mit deinem Gram zu spielen,
    Der, wie ein Geier, dir am Leben frißt;
    Die schlechteste Gesellschaft läßt dich fühlen,
    Daß du ein Mensch mit Menschen bist.
    Doch so ist’s nicht gemeint
    Dich unter das Pack zu stoßen.
    Ich bin keiner von den Großen;
    Doch willst du, mit mir vereint,
    Deine Schritte durchs Leben nehmen,
    So will ich mich gern bequemen,
    Dein zu sein, auf der Stelle.
    Ich bin dein Geselle,
    Und mach ich dir’s recht,
    Bin ich dein Diener, bin dein Knecht!

    Faust:

    Und was soll ich dagegen dir erfüllen?

    Mephistopheles:

    Dazu hast du noch eine lange Frist.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3664/7
    Dieses Phänomen des Anbiederns gibt es auch in Deutschland. Lobbyismus genannt. Und mit entsprechender Perspektive und einigen Menschen, die gedanklich und gemeinschaftlich sich um friedliche Lösungen bemühen, mit einem starken Glaubensrückhalt und Unterstützungen vielfältiger Art innerhalb der Bevölkerung wird es keinen Mephistopheles als Lobbyisten mehr brauchen.

    Die Alternative für die Welt

    Das kann nur eine Politik sein, die den Millionen Lohn-Abhängigen in der Gesellschaft eine Zukunftsperspektive auch dann eröffnet, wenn die in der Industrie des 20. Jahrhunderts gewohnten Arbeitsplätze durch den technischen Fortschritt entfallen. Von dieser Entwicklung dürfen nicht nur die Kapitaleigner profitieren, sonst versinkt die Gesellschaft im Chaos, das leicht alle Vorstellungen übertreffen könnte.

    Eine Gesellschaft, ein Staat kann in der heutigen Welt nicht mehr auf Kosten anderer Erdteile auf Dauer stabil und in Wohlstand leben. Die ökologischen, sozialen und militärisch-politischen Probleme sind zu komplex und massiv.

    Nur Kooperation der Menschheit hilft da.

    Eine Politik, die dem gerecht wird, muss auf diese weltweite Kooperation hin arbeiten. Wir brauchen eine AfW/AfM – eine Alternative für die Welt/… für die Menschen.

    Ich finde gut, dass Ihr Beitrag auch hier erscheint.
    Was ich genauso wichtig finde, wenn vorhandene Friedensinitiativen vor Ort und weltweit dies ebenfalls begreifen und eine Lösungsorientierte Perspektive dazu einnehmen, um miteinander konstruktive Lösungen zu finden und zu diskutieren auch Machbarkeit und Umsetzbarkeit.

    Ich möchte in einiger Zeit mich auf mehr direkte Gespräche konzentrieren, da ich viel eher die Ideen diskutieren möchte, welche ich habe, statt längere Erklärungen zu schreiben.

    Ich schätze, Sie werden mit diesem Beitrag auch einige Menschen gedanklich abgeholt haben, die zwar um das Geschichtswissen an einigen Stellen informiert sind, aber die gedankliche Vernetzung zu dem Wort „Kooperation“ und „Weltweit“ noch nicht in Bezug auf die weltweite Lösungsmöglichkeit in Betracht gezogen haben.

    Lieben Gruß Ihnen.

    • Lieber Specht, liebe Mit-LeserInnen
      die Frage unseres Verhältnisses zu den Mit-Wesen ist in der Tat unterbelichtet. So auch die unseres Verhältnisses zu den Generationen der Menschen und ihrer Mit-Wesen n nach unserer Zeit. Der Sinn des Lebens scheint mir in der Tat darin zu liegen, das Weiterleben möglich zu halten und die Bedingungen dafür möglichst lebensunterstützend zu gestalten. Das ist es, wie ich Albert Schweitzer‘ Ehrfurcht vor dem Leben verstehe, dessen für mich zentraler Satz dieser ist: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.“
      [http://www.schweitzer.org/2012/de/leben-und-werk/ehrfurcht-vor-dem-leben]
      U.a. auch deshalb Frieden, Ökologie, Menscherechte,…, deshalb Überwindung der Jagd nach Profitsystems der Ausbeutung und Konkurrenz ohne Rücksicht auf Verluste für das Leben.

    • Und wieso kommentieren Sie dann noch immer, wo Sie doch massenweise von Ignoranten und Tierquälern umgeben sind. Sie stellen offenbar nicht nur die unbestrittene Qual der Tiere in Massentierhaltung, sondern aller Tiere, die der Mensch sich während einer Jahrmillionen dauernden Entwicklung in irgend einer Weise nützlich machte, weit über die Qual der Menschen, von denen sie umgeben sind. Aus meiner Sicht und Erfahrung spricht daraus ein lange verleugneter Selbsthaß, der in zahlreichen Ihrer Texte zum Ausdruck kommt.

    • Herr Trautvetter, der obige Kommentar von mir war nicht an Sie gerichtet, der folgende dagegen schon:

      Wenn wir alle, die wir doch offenbar eine bessere Welt herbeisehnen, uns gegenseitig immer nur im Kampf gegen die herrschenden Zustände aufreiben und zudem, wie die Historie zeigt, damit auffallend erfolglos bleiben, wäre es doch an der Zeit und läge daher nahe, sich einmal grundsätzlicheren Gedanken hinzugeben als dem Sinnieren über das eine oder andere System – ob nun politisch, finanztechnisch oder sonstwas. Es kommt doch kein Mensch als Kapitalist, Ausbeuter, Sklave, Ausgebeuteter usw. auf die Welt. Mein Hauptaugenmerk liegt daher schon lange auf der Frage: Wie geschieht es, daß Menschen so werden, wie wir sie nun beobachten können? Was hat den einen dazu gebracht, seine Mitmenschen auszubeuten? Und was hat den anderen dazu gebracht, gehorsam zu sein und stillzuschweigen?

      Diese Zusammenhänge wurden bereits sehr gründlich untersucht und in zahlreichen Publikationen dargestellt, wobei selten eine Publikation genügt, um allen Aspekten dieser Frage auf den Grund zu gehen. Doch in der massenmedialen Darstellung findet sich so gut wie nichts davon. Auch in den Schulen und Universitäten werden diese essentiellen Zusammenhänge nicht nur nicht gelehrt, sie sind weitgehend unbekannt. Die Bücher, die sich mit diesen Dingen befassen, die ich immer wieder empfehle und sogar auf eigenes Risiko zum Herunterladen bereitstelle, werden von den allermeisten Leuten nicht gelesen, ihre Inhalte daher kaum verbreitet.

      Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen scheinen viele Zeitgenossen allein schon bei der Vorstellung, ein trockenes Sachbuch zu lesen, Unlustgefühle zu empfinden. Zum zweiten sind scheint vielen die Fähigkeit, einer bestimmten Sache, z.B. dem Lesen eines Buches gegenüber, über einen längeren Zeitraum Aufmerksamkeit zu widmen, entweder abhanden gekommen zu oder erst gar nicht ausgebildet worden zu sein. Und drittens meiden meiner Erfahrung und Beobachtung nach die meisten Menschen Themen, die ihre innerseelischen Angelegenheiten berühren.

      Es gibt aber kaum jemanden, mit dem man sich darüber auseinandersetzen kann. Nicht nur, weil kaum jemand Erich Fromm oder Arno Gruen gelesen hat, denn auch bei diesen Leuten kann ich mich häufig des Eindrucks nicht erwehren, daß sie diese Autoren nicht wirklich gelesen, und wenn doch, dann nicht verstanden haben. Erst gestern war ich bei einer alten Bekannten, die schwer auf die 70 zugeht und der ich vor Jahren einmal das Buch Die Kunst des Liebens von Erich Fromm ausgeliehen hatte. Nachdem ich ihr Computerproblem gelöst hatte – selbstverständlich kostenlos, sie hat auch schon viel für mich getan –, frage ich sie nach diesem Buch. Sie holte es aus dem Regal und erklärte, sie habe es gelesn, aber mit solchem esoterischem Ratgeberkram brauche ich ihr nicht zu kommen. In dem Moment wußte ich, daß sie es nicht gelesen hatte, denn mit Esoterik hat dieser Text nicht einmal im Entferntesten zu tun. Es ist auch kein Ratgeber, wie man die Richtige findet oder rumkriegt.

      Fromm beschreibt darin die weitläufigen Vorstellungen des heutigen Menschen, die er sich geöhnlich von der Liebe macht. Bereits im Vorwort schreibt Fromm, der offenbar wußte, was von einem Buch mit diesem Titel erwartet werden würde:

      Man darf von diesem Buch keine simple Anleitung zur Kunst des Liebens erwarten; tut man es doch, wird man enttäuscht sein. Das Buch möchte ganz im Gegenteil zeigen, daß die Liebe kein Gefühl ist, dem sich jeder ohne Rücksicht auf den Grad der eigenen Reife nur einfach hinzugeben braucht. Ich möchte den Leser davon überzeugen, daß alle seine Versuche zu lieben fehlschlagen müssen, sofern er nicht aktiv versucht, seine ganze Persönlichkeit zu entwickeln, und es ihm so gelingt, produktiv zu werden; ich möchte zeigen, daß es in der Liebe zu einem anderen Menschen überhaupt keine Erfüllung ohne die Liebe zum Nächsten, ohne wahre Demut, ohne Mut, Glaube und Disziplin geben kann. In einer Kultur, in der diese Eigenschaften rar geworden sind, wird die Fähigkeit zu lieben nur selten voll entwickelt. Jeder mag sich selbst die Frage stellen, wie viele wahrhaft liebende Menschen er kennt. Daß die Aufgabe schwer ist, sollte uns jedoch nicht davon abhalten zu versuchen, uns die Schwierigkeiten klarzumachen und die Voraussetzungen, die man braucht, um diese Schwierigkeiten zu überwinden. Um die Sache nicht zu komplizieren, habe ich mich bemüht, in einer einfachen, klaren Sprache zu schreiben. Aus eben diesem Grunde habe ich auch möglichst wenig auf Fachliteratur verwiesen.

      Fromm’s zentrale Überzeugung zur menschlichen Liebe lassen sich nicht in einem Satz oder kurzen Artikel abhandeln. Doch soviel will ich hier noch zitieren über Fromms Gedanken zur erotischen Liebe, die ja für viele offenbar die Liebe ansich verkörpert:

      Nächstenliebe ist Liebe zwischen Gleichen; Mutterliebe ist Liebe zum Hilflosen. So verschieden beide voneinander sind, ihnen ist doch gemein, daß sie sich ihrem Wesen nach nicht auf eine einzige Person beschränken. Wenn ich meinen Nächsten liebe, liebe ich alle meine Nächsten; wenn ich mein Kind liebe, liebe ich alle meine Kinder, nein, ich liebe sogar darüber hinaus alle Kinder, alle, die meiner Hilfe bedürfen. Im Gegensatz zu diesen beiden Arten von Liebe steht die erotische Liebe. Hier handelt es sich um das Verlangen nach vollkommener Vereinigung, nach der Einheit mit einer anderen Person. Eben aus diesem Grund ist die erotische Liebe exklusiv und nicht universal; aber aus diesem Grund ist sie vielleicht auch die trügerischste Form der Liebe.

      Zunächst einmal wird sie oft mit dem explosiven Erlebnis, »sich zu verlieben« verwechselt, mit dem plötzlichen Fallen der Schranken, die bis zu diesem Augenblick zwischen zwei Fremden bestanden. Aber wie bereits dargelegt, ist das Erlebnis einer plötzlichen Intimität seinem Wesen nach kurzlebig. Nachdem der Fremde für mich zu einem intimen Bekannten geworden ist, sind zwischen uns keine Schranken mehr zu überwinden, und ich brauche mich nicht mehr darum zu bemühen, ihm näherzukommen.

      Man lernt den »Geliebten« ebenso genau kennen wie sich selbst; oder vielleicht sollte man besser sagen, ebensowenig wie sich selbst. Wenn es mehr Tiefe in der Erfahrung eines anderen Menschen gäbe, wenn man die Unbegrenztheit seiner Persönlichkeit erleben könnte, würde einem der andere nie so vertraut – und das Wunder der Überwindung der Schranken könnte sich jeden Tag aufs neue ereignen. Aber für die meisten ist die eigene Person genau wie die des anderen schnell ergründet und ausgeschöpft. Sie erreichen Intimität vor allem durch sexuelle Vereinigung. Da sie das Getrenntsein von anderen in erster Linie als körperliches Getrenntsein erfahren, bedeutet die körperliche Vereinigung für sie die Überwindung des Getrenntseins.

      Darüber hinaus gibt es noch andere Faktoren, die viele für die Überwindung des Abgetrenntseins halten. Man glaubt, man könne es dadurch überwinden, daß man über sein eigenes persönliches Leben, seine Hoffnungen und Ängste spricht, daß man sich dem anderen von seiner kindlichen oder kindischen Seite zeigt oder daß man sich um ein gemeinsames Interesse an der Welt bemüht. Selbst dem anderen seinen Ärger, seinen Haß und seine völlige Hemmungslosigkeit vor Augen zu führen, wird für Intimität gehalten, was die pervertierte Anziehung erklären mag, welche Ehepartner häufig aufeinander ausüben, die offenbar nur intim sind, wenn sie zusammen im Bett liegen oder wenn sie ihrem gegenseitigen Haß und ihrer Wut aufeinander freien Lauf lassen.

      Aber alle diese Arten von «Nähe» verschwinden mit der Zeit mehr und mehr. Die Folge ist, daß man nun bei einem anderen Menschen, bei einem neuen Fremden Liebe sucht. Wiederum verwandelt sich der Fremde in einen Menschen, mit dem man «intim» ist, wiederum wird das Sichverlieben als ein anregendes, intensives Erlebnis empfunden, und wiederum flaut es allmählich mehr und mehr ab und endet mit dem
      Wunsch nach einer neuen Eroberung, nach einer neuen Liebe – immer in der Illusion, daß die neue Liebe ganz anders sein wird als die früheren Liebesbeziehungen. Zu diesen Illusionen trägt die trügerische Eigenart des sexuellen Begehrens weitgehend bei.

      Heutzutage wird bereits das Eingeständnis, nicht ständig auf Partnersuche zu sein oder regelmäßig Sexualverkehr zu haben, von vielen als Zeichen einer Geistesstörung gedeutet – die übliche Projektion eigener Ängste eben.

      irwish.de/pdf/Fromm-Kunst_des_Liebens.pdf

    • Lieber Peter Pan,
      danke für die Einbezihung von Erich Fromm in unseren Austausch.
      Hier m.E. passend dazu:
      „Selbst, wenn man erkannt hat, daß das Prinzip des Kapitalismus mit dem Prinzip der Liebe an sich unvereinbar ist, muß man doch einräumen, daß der „Kapitalismus“ selbst eine komplexe, sich ständig verändernde Struktur hat, in der immer noch recht viel Nicht-Konformität und persönlicher Spielraum möglich sind.
      Damit möchte ich allerdings nicht den Eindruck erwecken, als ob wir damit rechnen könnten, daß unser gegenwärtiges Gesellschaftssystem in alle Ewigkeit fortdauern wird und daß wir gleichzeitig auf die Verwirklichung des Ideals der Nächstenliebe hoffen können.
      Das Wesen der Liebe zu analysieren, heißt ihr allgemeines Fehlen heute aufzuzeigen und an den gesellschaftlichen Bedingungen Kritik zu üben, die dafür verantwortlich sind. Der Glaube an die Möglichkeit der Liebe als einer individuellen Ausnahmeerscheinung ist ein rationaler Glaube, der sich auf die Einsicht in das wahre Wesen des Menschen gründet.“ [http://www.matthias-kaldenbach.de/dkdl.htm]

    • Sehr geehrter Herr Trautvetter,

      das Prinzip des Kapitalismus ist im Prinzip nichts anderes als das Recht des Stärkeren, alle aus seiner Sicht Schwächeren straft- und folgenlos ausbeuten zu dürfen, um sie seinen ganz persönlichen Interessen zu unterwerfen. Dieses Recht des Stärkeren herrscht bereits so unvorstellbar lange, daß schon die früheste Geschichtsschreibung gar keine anderen Zustände kennt und sie daher wie die allermeiste Literatur der Neuzeit und der Gegenwart als natürlich gegeben hinnimmt.

      Aus meiner Sicht sind alle politischen und sozialen Verwerfungen – zu denen ich auch den Kapitalismus als Zwangsjacke zähle, unter der heute nahezu alles zu subsummieren ist, was Menschen heute tun bzw. überhaupt tun können – Ausdruck der Charaktere weitgehend aller heute lebenden Menschen. Genauer gesagt: Menschen, die sich über die (meist verdrängte) Hölle ihrer Kindheit hinweg wesentliche Teile ihres ursprünglichen Selbst bewahren konnten, sind äußerst selten zu finden und daher in der absoluten Minderheit. Zahlreicher dagegen sind all jene, die zwar gegen die eine oder andere Unbequemlichkeit und Last des herrchenden Rechts des Stärkeren aufbegehren, aber dennoch wesentliche Bereiche ihres ursprünglichen Selbst für immer wegschließen mußten. Sie sind zwar noch immer zu Mitgefühl fähig, leiden aber dennoch an einem reduzierten Zugang zu ihren Gefühlen. Man kann in dieser Gesellschaft nicht wirklich zurechtkommen, wenn man ein vollständiger, argloser Mensch ist und keinerlei Tarntechniken – standardisierte Persönlichkeit, die Maske der »Person«, eines Begriffs aus der griechischen Antike, der die Maske des Schauspielers bezeichnet – anwendet, um sich nicht ständigen Angriffen ausgesetzt zu sehen und erwehren zu müssen.

      Wer den Film Das Parfüm gesehen oder besser das Buch von Patrick Süskind gelesen hat, konnte vielleicht kurz emotional nachvollziehen, warum der so nach »Liebe« duftende Frauenmörder am Ende mit Haut und Haar von der Bevölkerung gefressen wird, nachdem er sich eine Überdosis seines eigenen, aus den Düften getöteter Frauen hergestellten Parfüms verpaßt hatte. Sie fraßen ihn mit Haut und Haaren, weil sie selber so nach Liebe dürsteten, weil ihnen ihre eigenen Interpretationen und Vorstellungen von Liebe keine Befriedigung verschafften. Auch sie verwechselten den betörenden Duft junger Frauen, der nicht auf Liebe, sondern auf Sex zielt, mit etwas, das sie für die Essenz der Liebe hielten.

      Das gleichzeitige Ersehnen und Scheuen der Liebe läßt die Menschen zwischen Einsamkeit und beinahe als lebensnotwendig empfundener sexueller Verbindungen hin- und herpendeln. Wenn ein heutiger Mensch zu seinem Sexualpartner sagt, ich liebe dich, meint er gewöhnlich das, was er an ihm liebt, und das ist das, was der andere ihm gibt. Gibt er nicht mehr, ist der Ofen meist ziemlich schnell aus. Man kann einen anderen Menschen nicht mehr lieben als sich selbst. Wenn ich Anteile meines ursprünglichen Selbst einst abspalten mußte, kann ich diese Anteile beim anderen nicht lieben, im Gegenteil: ich muß sie hassen, sobald ich sie wahrnehme, weil ich gelernt habe, das einst Abgespaltene zu hassen und zu verachten, es in mir aber nicht bekämpfen kann und daher den Kampf nach außen tragen muß, um es bei anderen zu bekämpfen.

      Ein Kind, dessen Gefühlsäußerungen nur zum Teil von den Eltern akzeptiert werden, kann es sich gar nicht erst leisten, diese Äußerungen weiterhin zu wagen, denn es ist auf die Eltern angewiesen, ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Daher vermeidet es zuerst die Äußerung (auch schon das Baby), und weil das weh tut, vermeidet es am Ende die komplette Wahrnehmung des zugrundeliegenden Gefühls. Eltern reden zum Beispiel ihren kleinen Söhnen schon sehr früh die Wahrnehmung seelischen Schmerzes aus: Ein Indianer kennt keinen Schmerz, ein Mann weint nicht, das ist doch nicht so schlimm, sei doch nicht so zimperlich usw. Der daraus hervorgegangene Mann muß seinen Schmerz dann gar nicht mehr verdrängen, weil er ihn erst gar nicht wahrnimmt. Die entsprechenden Selbstanteile wurden bereits im Kleinkindalter so tief vergraben, daß sie vollkommen in Vergessenheit geraten sind.

      Nun sehen wir uns einmal so einen Kapitalisten an, der ja ansich nicht von Grund auf böse oder aggressiv auf seine Umgebung wirkt, der nett und vielleicht sogar charismatisch sein kann. Die Menschen in seinem Umfeld sind selbstverständlich keine Unterschichtler und kommen gewöhlich auch nicht aus der unteren Mittelschicht (Arbeiter, Angestellte usw.). In seinen Kreisen trägt man Anzug und Krawatte, und zwar zu jedem Anlaß außer vielleicht beim Golfspielen oder in der Sauna. In diesen Kreisen kann man sich keine Gefühle leisten, höchstens mal privat oder im trauten Familienkreis, im Geschäftsleben sind und bleiben Gefühle weitgehend tabu. Und dort in diesen Kreisen wächst der Nachkomme unseres Kapitalisten auf, erzogen von einer Mutter, die ebenso wie sein Vater den Anforderungen seines gesellschaftlichen Stands gerecht zu werden sucht. Da darf auch der Nachwuchs nicht aus der Reihe tanzen. Einige tun das trotzdem, aber die sind Ausnahmen. Was vermitteln diese Eltern ihrem Kind anderes als die eigenen Vorstellungen? Sei hart bei Verhandlungen, laß dich nicht erweichen, zeige niemals eine Blöße, zeige niemals Verunsicherung und so weiter. Der Sohn oder die Tochter werden also zu emotionalen Verhärtungen erzogen, um dem Bild, das der Vater und die Mutter von sich haben, gerecht zu werden.

      Nun sehen wir uns einen Arbeiter- oder Angestellten-Nachkommen an: Der Vater ist durchdrungen von Gehorsams- und Anpassungsbemühungen, denen er seiner Überzeugung nach seine Karriere, seinen bescheidenen kleinen Wohlstand verdankt, vielleicht das halb abgezahlte Reihenhaus und den Kleinwagen, die Urlaubsreise alle zwei Jahre und den Flachbildschirm. Das will er ebenso wie die Mutter auf keinen Fall gefährden. All ihre Bemühungen, ihre Kinder auf die Welt da draußen vorzubereiten, zielen auf Anpassung, Unterordnung und Gehorsam. Letzteren fordern sie daher auch von ihren Kindern, die einen mehr, die anderen weniger, aber dennoch: Der Gehorsam, die Unterwerfungsneigung wird so tief eingeprägt, daß sie quasi zu Reflexen werden, über die man keinerlei Kontrolle hat.

      Ich habe hier jetzt nur mal beispielsweise zwei Seiten auf idealisierte Weise zu beschreiben versucht. Die Wirklichkeit besteht natürlich in zahlreichen Abstufungen und Abwandlungen. Aber das spielt keine Rolle. Ich möchte damit lediglich zeigen: Wir alle, die wir Kinder in die Welt setzen und nach unseren Vorstellungn erziehen, heranbilden, pflanzen diese Zustände immer weiter fort. Wir tradieren die herkömmlichen Prägungen, ohne uns dessen bewußt zu sein.

      Ich möchte wirklich jedem, der sich auch nur im Entferntesten vorzustellen vermag, daß es keine bösen Systembauer gibt, die die »Matrix« ersonnen haben und dafür sorgen, daß die Menschen darin gefangen bleiben, empfehlen, z.B. die Bücher von Arno Gruen zu lesen, der diese Zusammenhänge sehr deutlich und auch für Laien nachvollziehbar beschrieben hat. Natürlich gibt es haufenweise Menschen, die sich die »Matrix« zunutze machen wissen, die sie weiter ausbauen und davon profitieren. Aber das Grundsystem, auf dem alles andere aufbaut, das sind unsere Erziehungsmethoden, die es den Kindern nicht gestatten, ihr vollständiges Selbst zu entfalten, und zwar auf beiden Seiten, auf Seiten der Ausbeuter ebenso wie auf Seiten der Ausgebeuteten.

      Um das erkennen zu können, habe ich mich in den letzten Wochen bemüht, den einen oder anderen Beitrag zu dieser Thematik beizusteuern. Leider bin ich damit bei vielen auf eben dieses reflexartige Abwehrverhalten gestoßen, von dem oben bereits die Rede war.

      (Vorsicht bei Charismaten, das sind nicht selten Psychopathen!)

    • Hallo @Specht, Hallo @PeterPan

      ich hab zu diesem Tierthema etwas im Beitrag Tagesdosis „Mangel im Überfluss“ kommentiert. Und Peter Pan auch noch auf Ihren Kommentar geantwortet, leider nicht an richtiger Stelle, also nicht als direkte Antwort.

    • Herr Trautvetter, sie haben Matthias Kaldenbach mit folgenden Worten zitiert:

      Selbst, wenn man erkannt hat, daß das Prinzip des Kapitalismus mit dem Prinzip der Liebe an sich unvereinbar ist, muß man doch einräumen, daß der „Kapitalismus“ selbst eine komplexe, sich ständig verändernde Struktur hat, in der immer noch recht viel Nicht-Konformität und persönlicher Spielraum möglich sind.

      Dazu möchte ich bemerken: Nicht selten trügt der Schein, was die angeblich zahlreichen Möglichkeiten der Nicht-Konformität betrifft. Die erste Frage, die sich mir bei einer solchen Behauptung stellt: Wieso wohl streben die allermeisten Menschen dennoch nach Konformität, während sie gleichzeitig fest daran glauben, Individualisten zu sein, dies in der Hauptsache jedoch daran festmachen, welche Produkte sie konsumieren? Von einer Freiwilligkeit kann hier keine Rede sein, denn die Menschen wurden bereits so erzogen, daß sie das wollen, was sie sollen.

      Man kann das nicht nur hier im Forum beobachten: Von den eigenen Haltungen und Überzeugungen abweichende Darstellungen werden weder geachtet noch überhaupt erst in Betracht gezogen („deine Kacke les ich nicht!“), nein, man sucht zudem ständig, diejenigen zu diffamieren, mit denen man nicht übereinstimmt. Das zeigt sich auch in (meist größeren) Firmen im Mobbingverhalten, das wird in den Massenmedien deutlich, das kann man in der Politik beobachten, wenn man sich die Debatten im Bundestag ansieht, und das kann man im eigenen Umfeld oder der eigenen Peer-Group beobachten, wo man sich zu gewissen Themen besser zurückhält, will man nicht ausgegrenzt werden. Auch in Schulen und Universitäten bilden sich auf diese Weise fest abgegrenzte Gruppen aus, die ihr „Territorium“ verteidigen. Dasselbe in Vereinen, in politischen Vereinen – ich wüßte spontan keine „Masse“ oder Gruppe zu benennen, bei der begründeter Anlaß besteht, anderes zu vermuten.

      Der angeblich vorherrschende Individualismus ist aus Sicht eines lebenslangen Outsiders eine reine Blendgranate – eine Täuschung, der die meisten der sich für Individuen haltende Menschen unterliegen. In Wirklichkeit spielen sie lediglich standardisierte Rollen nach und sind daher als standardisierte Personen bzw. Charaktere nicht nur zu bezeichnen, sondern auch leicht zu erkennen. Das wohlfeile Klischee hat längst die genaue Beobachtung ersetzt. Oft genügt ein einziger Hinweis auf einen der verbreiteten Standards – auf das genormte Verhalten, Denken und Handeln –, um sofort eine als ausreichend empfundene Sicherheit der Wahrnehmung zu erzielen, z.B.: Der ist schlecht gekleidet, das muß ein Penner sein.

      Wenn ich z.B. mit Stoffhose und Sacko einkaufen gehe, vielleicht noch einen Hut auf dem Kopf, worunter sich meine lange Mähne wunderbar verbergen läßt, dann werde ich stets und ohne Ausnahme auffallend respektvoll behandelt. Man erkennt mich an der Kasse und beim sonstigen Personal und widmet mir immer ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit.

      Ganz anders, wenn ich in einer alten Jeans, ohne Sacko, Hut und sonstigen Kennzeichen des Wohlstands im selben Laden zum Einkaufen gehe: Dann erfahre ich ausnahmslos Geringschätzung. Man erkennt mich offenbar nicht mehr, wenn ich mit kurzer Hose und einer abgenutzten Lederweste über dem Tshirt und ohne Hut auftauche. »Zeigen Sie mir doch bitte mal Ihre Stofftasche da im Wagen.« Mit Sacko wurde ich noch nie dazu aufgefordert, obwohl meine Einkaufstaschen immer im Wagen liegen. (Das könnte jetzt man durchaus für einen guten Tip beim Ladendiebstahl halten.)

    • Hallo Peter Pan,
      ich habe ihre Ausfführungen hier aufmerksam verfolgt. Ich versuche sämlichte Aussagen (auf die anderer Kommentatoren oder auch allgemein die Beiträge hier) auf mein mein tagtägliches Verhalten, meine Lebenspraxis herunter zu brechen. Eben um ein Teil einer Lösung zu werden. Immer nach dem „Motto“: Du kannst die Welt (vor allem den Anderen) nicht ändern, sondern immer nur dich selbst. Was ich im Außen sehen möchte, das muss ich sein.
      Die Frage: Wie kann das gelingen? Ich bin ja nicht nur Geist und Seele, sondern eben auch Körper. Das hängt zwar zusammen und kann nicht losgelöst voneinander betrachtet werden, aber das macht das ganze nur noch komplizierter. Ich kann nur sagen, dass mein Körper mir ganz schön viel vordiktiert. Immerhin sind ja Emotionen und Gefühle sehr stark mit dem Körper verbunden, bzw. kommen aus dem Körper. Das führte im Laufe meines Lebens zu immer stärkerer Selbstdisziplin im Umgang mit dem Körper. Braucht jetzt die Seele auch Disziplin? Laut Fromm ja, andererseits soll ja das Kind, das durch die Hölle ging (ich bin da völlig d`accord) geheilt werden. Sprich die Verdrängung der eigenen Gefühle kann nur durch erneutes Durchleiden dieser Hölle aufgehoben werden (siehe Arno Grün).
      Also Therapie? Aber von wem, durch wen? Dann kommt hinzu, dass ich nicht will, weil es mir ja so gut geht. Ich will nicht leiden, weich werden, fallen, sterben … und ist damit dann der Welt geholfen? Bin ich dann ein Teil der Lösung?
      Also es bleibt festzuhalten. Es geht nicht um die anderen, sondern immer nur um mich. Für die Anderne.
      Ps: ich habe auf Tagesdosis „Mangel im Überfluss“ ihnen auch noch geantwortet, vor ein paar Tagen.

    • Angie K, ich kann und will Ihnen keine therapeutischen Ratschläge vermitteln. Zur Neugestaltung der Gesellschaft existieren zahllose Bücher mit sehr unterschiedlichen Vorschlägen und Ausarbeitungen. Ich weiß nicht, ob Sie überhaupt regelmäßig Bücher lesen oder wie Sie sich sonst informieren. Mit einem Wort: Ich kenne Sie nicht, ich kenne Ihre persönlichen Probleme nicht und kann Ihnen daher nicht dabei behilflich sein, eine Lösung zu erarbeiten. Doch Sie selbst können das mit Sicherheit. Zudem bin ich weder Therapeut noch Psychologe noch Psychoanalytiker noch Heilpraktiker oder sonst ein Mediziner. Zwar weiß ich mir gewöhnlich selbst zu helfen, was nicht bedeutet, daß meine Methoden, die ausschließlich bei mir selbst zum Einsatz kommen, auch auf Sie anwendbar wären – ich bin auch kein Ratgeber-Autor, der sich anmaßt, anderen seine eigenen Lösungskonzepte aufdrängen zu wollen. Mit der Literatur, die ich bereits in etlichen meiner Artikel empfohlen und angeboten habe, wissen Sie vermutlich nichts anzufangen. Daher erübrigen sich aus meiner Sicht erstmal weitere Literaturhinweise an Ihre Adresse. Ich möchte Sie bitten, mich nicht weiter um Rat oder Hilfe bei Ihren persönlichen Problemen zu bitten. Das deutsche Mediziner-Recht gestattet es zudem nicht, ohne entsprechende Hilfe medizinisch tätig zu werden. Ich möchte mich nicht strafbar machen.

    • Peter Pan,

      da hab ich mich wohl äußerst mißverständlich ausgedrückt. Die Bücher die Methoden und Konzepte vorstellen, wie man Teil der Lösung eines gesamtgesellschaftlichen Problems werden kann, hätten mich in der Tat interessiert. Ich wollte von Ihnen keine therapeutische Behandlung. Ich werde in Zukunft besser aufpassen, was ich schreibe, damit ich nicht so sehr missverstanden werden kann. Wie auch immer, ich schreibe dennoch gerne von meiner ganz persönlichen Standpunkt aus, denn nach der Theorie der Autopoisies in der systemischen Verhaltenstherapie neigt ja der Mensch dazu, nur Dinge anzunehmen, die in sein bereits selbst erschaffenes Weltbild passen.
      Immerhin haben Sie das Gefühl der Scham ausgelöst, mich irgendwie unpassend verhalten zu haben.

    • Die meisten Menschen können offenbar nur schwer ein nein akzeptieren. Daher noch einmal zum „mitschreiben“: Ich will nicht.

      Es lag nicht in meiner Absicht, Sie zu Schamreaktionen zu drängen: Ich fühle mich nicht dafür verantwortlich, wenn Sie sich Ihrer Äußerungen schämen, denn ich habe Ihre individuellen Schamreaktionen nicht geprägt. Es interessiert mich auch nicht wirklich, ob Sie sich schämen oder ärgern oder mich für einen arroganten Menschen halten. Letztendlich gelten Ihre Empfindungen nicht mir, sondern vielmehr dem Bild, das Sie sich von mir machen.

      In Ihrem Kommentar war zudem kein Hinweis zu finden, der auf etwas anderes schließen läßt als das, was ich da herausgelesen habe. Bereits in Ihrer vorherigen Entgegnung an mich haben Sie offenbar erwartet, daß man Ihnen erklärt, weshalb Ihre Tochter, wie Sie schrieben, Schwierigkeit mit ihrem Umfeld hat. Das ist im Rahmen eines Diskussionsforums nicht möglich, und ich bin nicht dafür qualifiziert. Vielleicht sollten sie sich, wenn Sie unbedingt irgendwelche Antworten benötigen, besser an den Specht halten, der weiß offenbar über alles Bescheid und ist mit Sicherheit sehr dankbar wenn er Ihnen seine Sichtweise aufdrängen darf. Er wird Ihnen sicher mit Feuereifer auf jede Frage eine Antwort liefern, z.B. daß es ganz normal sei, „irrenhausreif“ zu werden, wenn man mit den Vorgaben einer Alice Miller erzogen wurde. Ich selbst neige nicht zu solchen Kurzschlüssen. Wenn Sie wirklich Probleme mit sich haben, an Orientierungslosigkeit oder Verhärtung, wie Sie andeuteten, leiden, sollten Sie sich statt an Specht aber wohl doch besser an einen ausgewiesenen Fachmann halten. Meiner Einschätzung nach ist das hier ein Diskussionsforum und keine Lebensberatungsanlaufstelle. Für letzteres gibt es ebenso Fachleute, die meiner Kenntnis nach aber nicht ganz billig sind. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt darüber, und wenn der Sie nicht versteht, suchen Sie sich einen anderen.

      Die verfügbare Literatur, die Vorschläge, Ideen usw. für eine neue Form der Gesellschaft abhandelt, ist so zahlreich, daß es mir vollkommen unmöglich ist, sie hier aufzulisten. Daher verweise ich noch ein letztes Mal auf die von mir bereits in meinen Beiträgen empfohlene Literatur. Oder Sie schauen sich auf irwish.de um und stöbern in der Literaturliste. Ansonsten kann ich nur noch auf Bibliotheken und Buchhandlungen verweisen, und natürlich auf das Internet, das zahlreiche Buchbesprechungen für Sie bereithält. Eine Literaturberatung kann und will ich jedoch nicht leisten, zumal ich nicht wirklich einen brauchbaren Überblick aller verfügbaren Literatur behaupten kann. Zahlreiche Youtube-Videos bieten ebenfalls Literaturempfehlungen an. Ich möchte in dieser Sache keinerlei Verantwortung für Sie übernehmen müssen, mir genügt die Verantwortung für mich selbst vollauf.

      Ich meine das nicht unfreundlich, aber ich bin auch nicht Ihr Freund. Ich kenne Sie nicht und ich kann nicht einmal sicher sein, daß Sie wirklich eine Frau sind, wie der Nick impliziert, was mir im Grunde auch egal wäre. Ich habe keine Ahnung, wer sich dahinter verbirgt und bin auch nicht darauf aus, hier Freundschaften zu schließen oder irgendwelche Leute von mir abhängig zu machen. Erarbeiten Sie sich selbst Ihre Lösungen, so wie ich das auch gemacht habe bzw. noch immer mache. Das Leben ist ein immerwährender Lernprozeß, der erst mit dem Tod endet. Befassen Sie sich mit Hirnforschung, die wird Ihnen das bestätigen. Wenn Sie nach meinen Beiträgen suchen, geben Sie bei Google das folgende inkl. der Anführungszeichen ein:

      „Peter Pan sagt“ site:https://kenfm.de/

      Ich hoffe, das war jetzt deutlich genug, so daß alle Mißverständnise bereinigt sind.

    • Peter Pan, Ihr Kommentar vom 4. August 2017 at 17:44 zeigt, daß Sie Specht nicht verstanden haben. Specht stellt die Qual der Tiere nicht über die Qual der Menschen, sondern stellt beides gleich. Ein Unterschied besteht allerdings in der Quantität. 230 Milliarden Tiere werden jedes Jahr von Menschen bewußt in den Tod befördert, diese Zahl hat 12 Stellen. Bei den menschlichen Opfern dürfte sich diese Zahl im 6- bis maximal 7-stelligen Bereich bewegen. Damit ist der Massenmord an den Tieren das größte Verbrechen der Menscheitsgeschichte. Von den Autoren hier bei KenFM erwähnt dies allerdings nur Dirk C. Fleck. Das ärgert Specht, und er weist darauf hin, zurecht, wie ich meine. Das hat nichts mit Selbsthass zu tun, sondern mit Liebe.
      Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß gegen die Tierqual jede(r) sofort etwas tun kann, nämlich keine tierischen Produkte mehr konsumieren. Das ist bei den Kriegen dieser Welt schwieriger.
      Wir haben somit folgende Situation:
      – Das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte
      – Jeder Mensch kann etwas für die Lösung tun
      – Es wird kaum darüber diskutiert, selbst hier bei KenFM
      – Personen, die das Problem ansprechen, werden kritisiert oder gar diffamiert
      Halten Sie es für so abwegig, wenn Specht daraufhin Zeichen von Verbitterung zeigt?
      Überdenken Sie bitte Ihre Einstellung, denn sie scheint nicht logisch zu sein.

    • Hallo Torsten! Du bringst es mal wieder alles genau auf den Punkt! Genau das wollte ich hier sagen. Nicht mehr und nicht weniger!

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