KenFM im Gespräch mit: Andrea Komlosy („Grenzen: Räumliche und soziale Trennlinien im Zeitenlauf“) (Podcast)

Spätestens seit der eigenmächtigen Grenzöffnung durch Angela Merkel auf dem vorläufigen Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Sommer 2015, ist die Debatte über Grenzen, über „No Borders“ und „Closed Borders“, zu einem medialen Dauerbrenner mutiert. Plötzlich flammte ein Thema auf, welches man in Zeiten von Globalisierung, supranationalen Währungsräumen und transkontinentalen Wirtschaftsabkommen, auf dem Wege der Selbstauflösung wähnte.

Die infolgedessen unternommenen Versuche der Problemanalyse beschränken sich in ihrer Mehrheit auf nationalstaatliche, respektive kontinentale Außengrenzen. Das Phänomen der Grenze im Allgemeinen wird in Zeiten „grenzenloser Möglichkeiten“ jedoch nur selten in all seiner Komplexität ausgeleuchtet. Eine Wissenslücke, die die ohnehin aufgeladene Debatte nur weiter befeuert.

Höchste Zeit also, etwas Druck vom Kessel zu nehmen und sich dem Thema mit mehr Gelassenheit zu nähern. In ihrem Buch „Grenzen: Räumliche und soziale Trennlinien im Zeitenlauf“ beschreitet die österreichische Sozialhistorikerin Andrea Komlosy genau diesen Weg. Nichts wird beschönigt und nichts verteufelt. Grenzen werden schlicht als das beschrieben, was sie sind: Ein natürlicher Bestandteil menschlicher Existenz.

Auch wenn Grenzen zwangsläufig etwas inhärent Trennendes haben, ist dies zunächst einmal weder positiv noch negativ. Erst das gewollte Hinwegsehen über offenkundig vorhandene Grenzen, bereitet den fruchtbaren Nährboden für Konflikte entlang ihrer Verläufe.

Ein angemessener Weg wäre also, sich der existierenden Grenzen, welcher Beschaffenheit auch immer sie sein mögen, bewusst zu werden und sich ihnen vorbehaltlos zu nähern. So werden aus ihnen Räume der Begegnung und des gegenseitigen Verständnisses.

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