Anpassung oder Widerstand? | Von Multipolar-Redaktion

Ein Standpunkt von der Multipolar-Redaktion

Vorbemerkung: Die folgenden Auszüge sind dem Buch „Anpassung oder Widerstand? Der Bürger als Souverän – Grenzen staatlicher Disziplinierung“ entnommen, das 1987 erschien, damals im Kontext des zivilen Ungehorsams innerhalb der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung.

Es war die letzte Buchveröffentlichung des 1925 geborenen und 1990 verstorbenen Strafrechtsprofessors Joachim Hellmer, von dem seinerzeit Gastbeiträge auch in der Süddeutschen Zeitung und der Zeit veröffentlicht wurden. Multipolar veröffentlicht einige Auszüge aus diesem Buch, das mehr als 30 Jahre nach Erscheinen sehr aktuell wirkt.

Bürger und Staat

Ich erinnere mich an ein Kindheitserlebnis. Es muss etwa 1936 gewesen sein. In einer deutschen Zeitung war auf der ersten Seite Stalin mit bluttriefenden Händen abgebildet. Darunter stand etwa: Der Schlächter von Moskau. Ich fragte, wer Stalin sei, und als mich meine Eltern aufgeklärt hatten, schien es mir unfasslich, dass der Regierungschef eines Landes ein Mörder sein sollte. Der oberste Repräsentant eines Staates konnte doch kein Verbrecher sein. Staat und Verbrechen – das war für mich wie Feuer und Wasser.

Etwas von diesem kindlichen Glauben wohnt heute noch in jedem von uns. Unglaublich erscheint uns der Gedanke, dass der Staat Unrecht begehen könnte. Unter Staat versteht gerade der Deutsche die Personifizierung des Rechts. Der Staat ist für uns schlechthin der Hüter der Verfassung, ja die Verfassung selber. Widersprüche, ja Gegensätze zwischen Staat und Verfassung sind für uns undenkbar. Was der Staat tut, ist grundsätzlich wohlgetan.

Der Staat macht sich diese Einstellung seines Bürgers natürlich zunutze. In weiten Bereichen werden von ihm Verfassung und Staat als Synonyme behandelt, vieles wird als Verfassungsschutz ausgegeben, was nur Staatsschutz ist. So haben die Verfassungsschutzämter nicht etwa die Aufgabe, über die Einhaltung der Verfassung zu wachen, was bedeuten würde, dass in erster Linie die Einhaltung der Grundrechte gegenüber dem Bürger überwacht werden müsste, weil diese Grundrechte am Anfang unserer Verfassung stehen, sondern es werden durch diese Ämter – umgekehrt – nur die Bürger auf ihr Verhalten gegenüber dem Staat überwacht. (…)

In der Strafgerichtsbarkeit stehen sich zwar Bürger und Staat gegenüber, aber nicht der Staat wird durch den Bürger kontrolliert, sondern der Bürger durch den Staat. Eine Anklage des Staates vor den Strafgerichten gibt es nicht, nur eine Anklage des Bürgers durch den Staat, weil im Strafgesetz nur Fehlverhaltensweisen des Bürgers definiert sind und nicht des Staates. (…)

Daneben räumt unsere Verfassung noch das Widerstandsrecht gemäß Artikel 20 Absatz 4 Grundgesetz ein: „Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Dieses Widerstandsrecht wird von den Politikern unseres Staates bezeichnenderweise lediglich als Staatsnotstandsrecht ausgelegt, das heißt, der Bürger darf dem Staat zu Hilfe eilen, aber er darf nicht gegen den Staat Widerstand leisten. (…)

Das Schweigen des Volkes ist die Macht des Staates. Deshalb wird bei uns die schweigende Mehrheit auch als staatserhaltend angesehen. Sie ist aber nicht das, was die Demokratie ausmacht. Die meisten Deutschen haben auch zu dem geschwiegen, was Hitler gemacht hat. Eigentliches Kennzeichen einer Demokratie ist, dass sich eine möglichst große Zahl von Bürgern der Problematik des Verhältnisses zwischen Bürger und Staat bewusst ist und bei allen irgendwie zweifelhaften staatlichen Maßnahmen Kritik übt und Einspruch erhebt. (…) Nur eine Mehrheit von kritischen Bürgern kann verhindern, dass der Staat wiederum über die Grundrechte der Bürger hinweggeht und sich damit erneut selber ein Grab gräbt. (…)

Während im Verhältnis Einzelner zueinander die ethische Norm das hauptsächliche Regelungsinstrument war (Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Achtung, Höflichkeit, Anstand, Zuneigung, Liebe), spitzt sich das Verhältnis des Einzelnen zur Institution und damit zum Ganzen auf den Gegensatz zwischen Gehorsam und Ungehorsam, Anpassung und Widerstand zu. Gegenüber Ge- und Verbot, Befehl und Zwang, gibt es eben nur diese beiden, Anpassung oder Widerstand. (…)

Auch die Grundrechte der heutigen Verfassung sind nur ein Kapitel in der Geschichte des Kampfes des Individuums gegen den immer stärker werdenden Staat, gegen eine immer noch vom Individuum abstrahierte und Gewalt ausübende Staatsmacht. Wenn wir heute in der Verfassung Grundrechte haben, dann lässt sich dies überhaupt nur vor dem historischen Hintergrund des Gegensatzes zwischen Individuum und Staat und einer missbräuchlichen Verwaltung der Interessen des Individuums durch den Staat erklären. (…)

Widerstand und klassische Ethik

Wer nur dann von Sittlichkeit spricht, wenn die ganze Menschheit davon profitiert, hat sich etwas sehr Edles vorgenommen. Aber er würde erleben, dass der Staat sich sofort an die Stelle der Menschheit setzt und die edlen Motive des Einzelnen für sich in Anspruch nimmt. Dem Staat fällt es natürlich leicht, dem Bürger zu sagen: „Um Euch zu schützen, ist es meine Pflicht, möglichst viel Macht, Polizei und Militär anzusammeln; denn Euer Nachbar oder ein böser Feind würde Euch sonst vernichten oder unterjochen“, weil die Wahrheit dieser Behauptung kaum nachprüfbar ist. Auf keinen Fall dient er damit dem Recht des Einzelnen auf Leben und körperliche Integrität; denn Gewalt oder Drohung mit Gewalt können diese immer nur zerstören. So meint er in Wirklichkeit denn auch etwas anderes, nämlich seine eigene Macht, seine eigene Überlegenheit und Unanfechtbarkeit, und er schützt nur eine Pseudo-Ethik vor. (…)
Das Zeitalter ohne Ethik

Der „wissende“ Mensch unseres Jahrhunderts, für den es immer weniger Geheimnisse gibt, ist nicht etwa die Frucht höherer Intelligenz – dann müsste die Welt von heute wohl anders aussehen –, sondern größerer Hemmungslosigkeit und weniger Rücksichtnahme auf religiöse Gebote und menschliche Gesetze. Der „wissende“ Mensch unseres Jahrhunderts ist aber nicht nur besserer „Kenner“ der Welt, sondern er ist auch ratloser und ohnmächtiger gegenüber den Problemen des Lebens. Er hat an moralischer Kraft der Selbstbestimmung und der Lösung allgemein-menschlicher und politischer Probleme verloren, und zwar in einem Augenblick, in dem es angesichts der technischen Macht, über die er verfügt und die ausreicht, die ganze Welt zu vernichten, gerade auf diese Kraft in erhöhtem Maße ankäme. Die Kehrseite des Aufschwungs der Naturwissenschaften ist die ethische Schwäche, an der wir heute leiden. (…)

Widerstandsrecht und Widerstandspflicht

Wir kommen auf das schon eingangs erwähnte Widerstandsrecht zurück. In unserer Verfassung heißt es (Artikel 20, Absatz 4 Grundgesetz): „Gegen jeden, der es unternimmt, diese (gemeint ist: die verfassungsmäßige) Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“ Dieses Widerstandsrecht ist in Deutschland ein Novum. Während die klassischen Demokratien unter „Verfassung“ von Anfang an vor allem die Sicherung der Rechte des Einzelnen gegenüber der Obrigkeit verstanden haben und verstehen (Magna Charta Libertatum 1215, Amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776 und französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789), wird die Verfassung in Deutschland vor allem als Ordnungsinstrument des Staates aufgefasst. (…)

Einen Widerstand und ein Widerstandsrecht hat es durch die ganze Menschheitsgeschichte gegeben. Das Widerstandsrecht war bloß nicht immer normiert. Mit aufkommender Naturrechtslehre haben sich Widerständler auf ein übergesetzliches Widerstandsrecht berufen, wie ihm in klassischer Form Schiller im Wilhelm Tell Ausdruck verliehen hat („… und holt herunter seine ew´gen Rechte, die droben hangen unveräußerlich …“). Aber auch als Naturrecht geriet es, vor allem in Deutschland, in eine Krise und wurde von Kant („Weil bei einer schon subsistierenden bürgerlichen Verfassung das Volk kein zu Recht beständiges Urteil mehr hat zu bestimmen, wie jene solle verwaltet werden“) und erst recht von Hegel („… dass das Wohl eines Staates eine ganz andere Berechtigung hat als das Wohl des einzelnen …“) abgelehnt.

Welcher Kollektivismus! Der Standpunkt, dass auch normiertes Unrecht gültig sei, brach sich immer mehr Bahn. Dementsprechend hat auch der Bundesgerichtshof in (den wenigen) Verfahren, die gegen Justizpersonen des Dritten Reiches wegen Rechtsbeugung eröffnet wurden, immer wieder entschieden, dass selbst Verurteilungen zum Tode rechtens waren, wenn sie mit den damaligen Gesetzen übereinstimmten.

Auch in unserer geltenden Verfassung fehlte zunächst ein Widerstandsrecht. Der Antrag des seinerzeitigen Abgeordneten der Deutschen Partei im parlamentarischen Rat Hans-Christoph Seebohm, ein Widerstandsrecht in die Verfassung aufzunehmen, wurde von der überwältigenden Mehrheit abgelehnt, nachdem sich auch der SPD-Abgeordnete Carlo Schmid („Wir führen arme Teufel in Versuchung“) dagegen ausgesprochen hatte. Das Widerstandsrecht wurde erst später, 1968, zusammen mit den Notstandsgesetzen (gewissermaßen als Ausgleich für die Einschränkung der Grundrechte) in die Verfassung aufgenommen.
Die Erfahrungen der Hitlerzeit haben aber nicht ausgereicht, das deutsche Verfassungsverständnis zu wandeln! Wenn man hört, was zum Widerstandsrecht geäußert wird, stellt man fest, dass sich fast alle Stimmen darin einig sind, dass ein Widerstandsrecht zwar für die Diktatur, nicht aber für die Demokratie in Frage kommt. (…) Demgemäß wird das im Grundgesetz normierte Widerstandsrecht als Staatsnotstandsrecht aufgefasst, also das Recht des Bürgers, den Staat (!) durch Widerstand gegen Kräfte zu schützen, die ihn gefährden. Also Widerstand für, nicht gegen den Staat!

Damit bricht der deutsche Staat mit einer vielhundertjährigen europäischen Geschichte. Er hält sich – das ist für eine Ideologie bezeichnend – für den bestmöglichen Staat, für den Endpunkt der Entwicklung, für sakrosankt. Hier hat die Kritik anzusetzen. (…)

Nach der Verfassung hängt das Widerstandrecht außerdem noch davon ab, dass andere Abhilfe nicht möglich ist. Andere Abhilfe ist bei uns zum Beispiel durch Beschreitung des Rechtswegs möglich. (…) Der Vorbehalt der Rechtswegbeschreitung hat (…) [aber] gerade in entscheidenden Momenten nicht zu dem verfassungsmäßig gebotenen Schutz der Grundrechte des Bürgers geführt. Es gibt daher sehr wohl Bedarf an einem Widerstandsrecht, auch in der Demokratie. Das Widerstandsrecht in der Demokratie unterscheidet sich von dem in der Diktatur nur dadurch, dass es legal ist. In der Diktatur gibt es kein legales Widerstandsrecht, sie betrachtet sich als absolut unangreifbar, und jede abweichende Auffassung wird von ihr als Verfassungsverrat verfolgt.

Die Demokratie dagegen lebt von der abweichenden Auffassung. Erst wenn es Gegenstimmen gibt, gibt es Innovationen und kann man von Demokratie sprechen. Die Demokratie ist – im Gegensatz zur Diktatur – nicht starr auf eine bestimmte Weltanschauung festgelegt, sondern der schöpferischen Kraft und Phantasie des Einzelnen anheimgegeben, der seine Auffassung vom gesellschaftlichen Leben und vom notwendigen Inhalt der Gesetze auch außergerichtlich durch sein persönliches Handeln – natürlich ohne Verletzung der Grundrechte anderer – bezeugen kann. Er kann deshalb nicht zum Gehorsam gezwungen werden, sein Gewissen geht im Rahmen der Verfassung den Weisungen der Exekutive vor, vorausgesetzt – das soll noch einmal betont werden –, er verletzt dadurch nicht die Grundrechte anderer und die tragenden Stützen der Verfassung, die ihm diese Freiheit des Gewissens garantiert.

Wenn die Demokratie notfalls vom Widerstand des Einzelnen lebt, dann gibt es nicht nur ein Widerstandsrecht, sondern auch eine Widerstandspflicht für den Fall, dass ethische Positionen, die in den Grundrechten unserer Verfassung geschützt werden, verletzt worden sind.

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Die Bücher „Wir sind die Guten“, „Wer regiert das Geld?“ und „Chronik einer angekündigten Krise“ von Paul Schreyer werden in diesem Zusammenhang empfohlen.

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Dieser Artikel erschien zuerst am 06. Januar auf dem Medienportal Multipolar

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Danke an die Redaktion für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:     Jaz_Online/ shutterstock

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20 Kommentare zu: “Anpassung oder Widerstand? | Von Multipolar-Redaktion

  1. Weltbuerger sagt:

    Leisten Sie Wiederstand indem sie bei der kommenden Wahl eine ihre Interessen vertretende Partei wählen oder gründen sie selbst eine solche, wenn es keine gibt, mit der sie zufrieden sind. Ja, all das ist in unserer Gesellschaft möglich! OK, das macht Arbeit und so ist aber allemal besser als eine Revolution. Die meisten waren gewaltsam und haben vielen Menschen das Leben gekostet und viele mehr ins Elend gestürzt. Deshalb bitte ich doch sehr, von so etwas Abstand zu nehmen. Ich hänge an meinem Leben. Vielen Dank!

    • skyman sagt:

      Starker Name, starke Antwort, "Weltie" 😉

      Hollywood-Zitat: "Na, Sie können wir hier gebrauchen!"
      😉

      P. S.: Verzeihen Sie mir meine Klugsch***erei — aber es gibt zudem einen unzweideutigen Unterschied zwischen "Wiederstand" und "Widerstand".

      P. P. S.: Warum Sie im Falle einer "Revolution" um Ihr Leben fürchten sollten, ist mir überdies noch ein Rätsel.

    • Regreubtlew sagt:

      Immer wieder Widerstand – Handy sei Dank akufe ich immer wieder ein "e" zuviel. Danke für den Tip 😉

      Da viele Revolutionen mit Gewalt einher gehen ist die Gefahr sehr groß, dass dabei jemand zu Schaden kommen könnte. Vielleicht auch ein paar mehr wie ab 1917 in Russland.

      Außerdem kämpfe ich sehr gerne mit Worten für unsere Demokratie, wie es Demokraten aben tun und würde aber doch ungern mein kleines Leben dafür opfern müssen.

  2. skyman sagt:

    Wie sehr sich die Dinge doch gleichen (!) …

    "Die Politik vernichtet den Rechtsstaat": Prof. Dr. Peter-A. Albrecht:_Frontal21_2007___2015
    >>> https://www.youtube.com/watch?v=uOT1CkVyS18

    Peter-Alexis Albrecht: Die Polizei auf dem Weg zur Geheimpolizei (Deutschlandradio Kultur/ 2012.02)
    >>> https://www.youtube.com/watch?v=4sTqBpaTMjg

    Damals ging es haupts. um Schäubles "Anti-Terror-Gesetze" und deren hässlichen Rattenschwänze ("Lauschangriff" etc.).

    >>> ANSCHAUEN/ZUHÖREN IST EIN ABSOLUTES MUSS!

  3. Wildenfelser sagt:

    Für englisch Lesende: Im Off-Guardian wird beschrieben, wie sich die USA auf "Widerstand" vorbereiten. Könnte sein, dass das "Ermächtigungsgesetz" hier noch zu ergänzen ist. (Daran arbeitet ja auch schon die EU):
    https://off-guardian.org/2021/01/08/prepare-for-the-new-domestic-terrorism-bill/

  4. Isabelle Emcke sagt:

    https://i2.wp.com/aim4truth.org/wp-content/uploads/2020/11/corrupt-rig-election-machines.jpg

  5. Wildenfelser sagt:

    Es entzieht sich völlig meinem Begriffsvermögen, wieso Widerstand eine (gesetzliche) Genehmigung benötigt. Wie stellt man sich das vor? Man stellt bei Frau Merkel einen Antrag, gegen ihre Politik Widerstand leisten zu dürfen. Der kommt dann vielleicht mit einem dicken Stempel zurück: "Genehmigt!". Und doch würde ich nicht ausschließen wollen, dass da "Nicht genehmigt!" draufstünde. Was dann? Hilflose Fassungslosigkeit überall. Stimmt schon, hätten sich die Geschwister Scholl damals erst eine Genehmigung von Innenminister Frick geholt – es wäre ihnen nichts passiert. Auch Graf Stauffenberg und seine Freunde hätten mit einer Genehmigung für ihren Anschlag hinterher nicht belangt werden können.
    Widerstand muss also (in Deutschland) immer rechtlich abgesichert werden. Dann geht das schon in Ordnung.
    In diese Richtung zielt auch dieses wunderbare Gedicht von Erich Mühsam:

    War einmal ein Revoluzzer,
    Im Zivilstand Lampenputzer;
    Ging im Revoluzzerschritt
    Mit den Revoluzzern mit

    Und er schrie: „Ich revolüzze!“
    Und die Revoluzzermütze
    Schob er auf das linke Ohr,
    Kam sich höchst gefährlich vor

    Doch die Revoluzzer schritten
    Mitten in der Straßen Mitten,
    Wo er sonsten unverdrutzt
    Alle Gaslaternen putzt

    Sie vom Boden zu entfernen,
    rupfte man die Gaslaternen
    Aus dem Straßenpflaster aus,
    Zwecks des Barrikadenbaus

    Aber unser Revoluzzer
    Schrie: „Ich bin der Lampenputzer
    Dieses guten Leuchtelichts.
    Bitte, bitte, tut ihm nichts!

    Wenn wir ihn’ das Licht ausdrehen,
    Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
    Laßt die Lampen stehn, ich bitt!
    Denn sonst spiel’ ich nicht mehr mit!“

    Doch die Revoluzzer lachten,
    Und die Gaslaternen krachten,
    Und der Lampenputzer schlich
    Fort und weinte bitterlich

    Dann ist er zuhaus geblieben
    Und hat dort ein Buch geschrieben:
    Nämlich, wie man revoluzzt
    Und dabei doch Lampen putzt.

  6. Norbert Voß sagt:

    Das war ja heute die volle Packung: Erst Rüdiger Lenz mit Ralf Ludwig und jetzt: Der Bürger als Souverän! Wenn in diesem und in den nächsten Jahren die Frage beantwortet wird: "Wie wollen wir leben?" ist es wichtig die Verfassungsschützer und die Verfassungsrechtler UNABHÄNGIG zu benennen. Menschen, welche die Geldschöpfung festlegen, natürlich auch – ebenso wie Rundfunkräte. Parteien werden wir nicht mehr brauchen, denn "Partei" kommt von "pars"=Teil des Ganzen – wir brauchen aber Repräsentanten und Verwaltungen die ganzheitlich Denken können. Danke für den (heute wieder besonders wichtigen) Beitrag.

  7. Alcedo sagt:

    Finde ich auch merkwürdig, ein gesetzlich verbrieftes Recht auf Widerstand – gegen was oder wen? Wenn es bei Eintrag der Notstandsgesetze mitgeschrieben wurde, ist womöglich der Widerstand legitim, sobald wieder Notstandsgesetze in Kraft treten (und statt des Tickets am Bahnsteig zu ziehen, lesen wir eben Art.20 Abs.4 😉

  8. Krishna sagt:

    Das Widerstandsrecht existiert auch ohne in der Verfassung eigens erwähnt werden zu müssen.
    Monika Donner geht darauf ab min. 20 ein, der ganze Vortrag ist allerdings hörenswerd.
    Deutschland ist hierin ohnehin in einer Sondersituation, da der Rechtsbankrott schon weiter fortgeschritten ist.

    https://www.okitube.com/video/875/monika-donner—krise-als-chance-202012?channelName=FranzJosefSuppanz&fbclid=IwAR0AGL6HZt0eUmsqGV-tGQgVERrXlB68tDfrJ3cRveI4h75D99hWd7fTeeQ

    • Krishna sagt:

      Deutschland ist im Rechtsbankrott
      "Rechtsbankrott ist das Unvermögen einer Rechtsordnung, den Rechtsunterworfenen Recht zu verschaffen. Eine Einrichtung, insbesondere eine Rechtseinrichtung offenbart beispielsweise Rechtsbankrott, wenn sie Lügner an die Spitze gelangen lässt, Schmierer zu Schriftführern macht, Betrüger zu Kassieren, Fälscher zu Protokollanten, Hochstapler zu Beisitzern und Erpresser zur Rechtsaufsicht. Eine Besserung verspricht unter solchen Umständen allein die vollständige Rückkehr zu allgemein anerkannten Werten (z.B. Wahrheit, Freiheit) und Rechtsgrundsätzen (z.B. pacta sunt servanda, Willkürverbot, Wettbewerb usw.)."
      (Köbler, Gerhard: Juristisches Wörterbuch; 15. Ausgabe, Verlag Vahlen, München, 2012)

      Das Widerstandsrecht könnte z.B: als Musterverfahren vor Gericht wahrgenommen werden, indem der Richter auf den Rechtsbankrott hingewiesen wird und die damit verbundene Konsequenz erörtert werden, dass für den Angeklagten nur noch die "Anerkannten Werte" (siehe oben) gelten, bis zur Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit. Somit der Richter nicht mehr berechtigt ist nach Deutschem Recht ein Urteil zu sprechen, da der Staat seine Hoheitsrechte verloren hat.
      Beispiel Rechtsbankrott: Willy Wimmer zu Gerhard Schröders Geständnis des völkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieges .ohne Rechtsfolgen
      Die Besetzung der Position der EZB-Präsidentschaft mit einer vorbestraften
      Die Immunität der Finanzminister der Eurozone samt Familien vor Staatsrecht
      Die Aufnahme von Menschen ohne Dokumente/Reisepaß doer Einreisegenehmigung seit 2015 auf Basis des MENSCHENRECHTES. Das heisst, bei Grenzübertrigg galt das Menschenrecht und mit Ausstellung von Personalausweisen etc. gilt BRD-Recht. Wer und auf welcher Rechtsgrundlage wird also entschieden, wann Menschenrecht und wann Personalrecht zur Anwendung kommt? Ein guter Punkt anzusetzen, für sich selbst zu entscheiden, nach Menschenrecht zu leben, allerdings hat dies auch Pflichten:, sich moralisch und sittlich zu verhalten.

  9. Wildenfelser sagt:

    Wie Widerstand DAMALS aussah, beschreibt Leonard Cohen in seinem Lied "The Partisan" hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=PrN7qmkdvx4
    In Deutschland (siehe Gruppe Baum) war auch DAMALS dieses nicht mehr möglich. Und heute?
    Dazu sage ich lieber nichts.
    Ich erinnere mich… schon vor einem dreiviertel Jahr sah ich einen älteren Mann draußen vor einem kleinen Café über einem Kaffee mit Maske sitzen (ab, Kaffee, wieder auf). Ich versuchte ins Gespräch zu kommen, bis zu seinem zentralen Satz: "Ich glaube nicht, dass es Frau Merkel und ihre Regierung schlecht mit uns meinen!". Ich musste – unhöflich – laut lachen und sagte ihm, dass ich auf eine solche Idee mein ganzes Leben lang noch nie gekommen wäre.
    Und ich ging.
    Ich hatte jetzt meinen "Widerständler" gesehen.

    • Wildenfelser sagt:

      Da höre ich einen fragen: "Und was machst Du?". Als (früherer) Science-Fiction-Leser sehe ich das etwa so: Ich bin mit meinem kleinen Raumschuttle durch die Galaxis unterwegs, habe aber zunehmend den Eindruck, dass mir die Borg auf den Fersen sind. Das sind die mit ihrem unnachahmlichen: "Widerstand ist zwecklos!". Ich bin aber nicht Käpt'n Picard. Ich weiß nicht mal, wo der sich herumtreibt. Und so verstecke ich mich erst mal hinter einem Asteroiden. Die Aussichten sind allerdings nicht gut.

    • Weltbuerger sagt:

      Und warum sollte Frau Merkel uns böses wollen?

    • Deakehler sagt:

      Genau diese Frage kennen wir aus dem Dritten Reich

    • Alcedo sagt:

      Hallo Wildenfelser, dieser Ihr Widerständler hat recht, finde ich. Die meinen es nicht schlecht mit uns, die meinen uns gar nicht! Unsere politische Einflußnahme ist bislang so gering, das deren Wiederwahl von ganz anderen abhängt. Wir sind höchstens zufällig tangiert… bis zur direkten Demokratie (natürlich bei echtem Informationszugang und Diskurs.)

    • Deakehler sagt:

      Die Waffen altertümlichen Widerstands sind nützlos, aktuell sind andere Waffen im Angebot.

      Widerstand, gelebt von Wilhelm Hammann, könnte Vorbild sein.
      https://www.dkp-mw.de/public/books/hammann.pdf

      Zunächst ist ein Paradigmenwechsel vonnöten.
      Kant steckte den Grad der Erkentniss ab. Durch weltweit neu gesichteten Horizonte, sprudelten die Interlektuellen in einer universellen Sprache. Ein neue Perspektive war entstanden.
      Novalis schrieb:
      "Dankbar wollen wir jenen Gelehrten und Philosophen die Hände drücken;
      denn dieser Wahn mußte zum Besten der Nachkommen erschöpft
      und die wissenschaftliche Ansicht der Dinge geltend gemacht werden."

      Hoffnung lag in der neu zu bewertende Zukunft. Es herrschte viel schwärmerische Naivität bei den Handelden. Der Rationalmus segelte, auf dem Schiff des Materialismus, allen davon und aus dem Griff.

      Unsere Geschichtsbücher erzählen Wahres. Jedoch weltweit haben die fähigsten Geschichtschreiber das Bild ergänzt. Die Abgangsklassen der Schulen verdienen Geschichtsunterricht mit allen zu ermittelten gesicherten Informationen.
      Die Dokumente der beiden Weltkriege sind offenzulegen, um neue schwerwiegende Infarkte der Schöpfung zu umgehen und unser Handeln danach auszurichten.

      Dieser Perspektivenwechsel ermöglich erst neue Intellektualität und die Möglichkeit eines friedvollen 21stes Jahrhundert.

      Wie sagte Novalis:
      "Dankbar wollen wir jenen Gelehrten und Philosophen die Hände drücken;
      denn dieser Wahn mußte zum Besten der Nachkommen erschöpft
      und die wissenschaftliche Ansicht der Dinge geltend gemacht werden."

    • Querdenker sagt:

      Tja Wildenfelser, so ist das halt, wenn selbst die Aufgeklärten sich hinter einem Asteroiden ;-( So können ganz Wenige mit uns machen was sie wollen …

      Eine, wie ich meine aufgeklärte Freundin erzählte mir neulich das eine Bekannte von ihr ganz große Probleme im öffentlichen Raum beim Einkaufen, auf der Post etc. hat. Sie kann keine Maske tragen, hat auch ein Attest und bekommt mit Maske Panikattacken, sodass es nicht mal für kurze Zeit geht. dennoch wird das Attest in viele Situationen nicht anerkannt.

      Als ich der Freundin von mir sagte, dass sie mit zu der Sitation beiträgt, da sie sich ja immer an die AHA-Regeln halte, meinte sie nur, sie müsse halt auch einkaufen gehen und da sind Masken eben vorgeschrieben. Wenn also sogar Menschen, die das Spiel durchschaut haben, dennoch an die Spielregeln halten, wie soll sich da etwas ändern? Da brauchen wir auch nicht von Widerstand reden.

      Im Krieg, und wir befinden uns in einem, werden zuerst die feindlichen Sendestationen angegriffen. Aktuell sehr schön mit den Strikes und Kanallöschungen auf Youtube zu sehen. Und, macht das hier auch einer mit dem Gegner, ihm die mediale Macht zu entziehen oder zahlen noch alle brav GEZ?

    • Weltbuerger sagt:

      Hallo Querdenker: Dieses Dilemma hat Ihre Freundin den Querdenkern zu verdanken, die mit falschen Attesten hausieren gegangen sind. Wer glaubt den heute noch einem solchen gefälligkeits Attest selbst wenn es berechtigt wäre? Jetzt haben alle ein Problem, die ein berechtigtes Attest haben aber ihnen nicht geglaubt wird. Danke den Querdenkern für deren Hilfe!

    • Deakehler sagt:

      Stimmt, Gefälligkeitsatteste sind idiotisch und destruktiv.
      Auf sonstige Gründe hinzuweisen hält, den von den Masken Bedrohten, genauso straffrei.
      Wer hat denn, im Namen der Querdenker, solche Atteste ausstellt?

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