ARD-tagesthemen: „Wo ist die Friedensbewegung?“

Eine ungeheuerliche Verdrehung der Tatsachen

Von Wolfgang Bittner

In den ARD-tagesthemen am 7.12.2015 wurde zum Krieg in Syrien gefragt: „Wo ist die Friedensbewegung?“

Eine Ungeheuerlichkeit! Man ruft jetzt plötzlich nach der Friedensbewegung, aber nicht gegen die westliche Aggressionspolitik und NATO-Aufrüstung, sondern im Propagandakrieg gegen Russland. Gezeigt wurde eine Demonstration, die vor der russischen Botschaft in Berlin gegen die Beteiligung Russlands im Syrienkrieg stattfand. Als ob Russland den Krieg in Syrien zu verantworten hätte. Es fanden sich eine Anzahl Williger aus Unkenntnis und Naivität und andere, die dafür mit Publicity oder sonstwie belohnt werden.

Interviewt wurden u.a. die ansonsten für die Kriegstreiber in Kiew eintretende Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck sowie der Schriftsteller und Putin-Hasser Peter Schneider. Kein Wort über die mordenden Terroristen und ihre Milizen, unter denen die syrische Zivilbevölkerung nun schon seit Jahren so unsäglich leidet. Wieder mal eine dieser verlogenen Verdrehungen der Tatsachen, die bis zum Erbrechen von den US- und NATO-Propagandisten unter Mithilfe der deutschen sogenannten Qualitätsmedien verbreitet werden. Weitere Teilnehmer waren der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit und der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir.

Als Beobachter nahmen der Publizist Ulrich Gellermann und der Herausgeber des Internetportals KenFM, Ken Jebsen, teil. Gellermann schreibt in seinem Internetauftritt „Rationalgalerie“: „Vor der russischen Botschaft in Berlin wollen sie den „Massenmord in Aleppo“ stoppen. Intellektuelle, wie Daniel Cohn-Bendit und Peter Schneider. Nicht vor der Saudischen Botschaft oder den Botschaften von Katar oder den USA, vor den Vertretungen jener Länder, die den Syrien-Krieg aus niedrigen Motiven seit fünf Jahren mit Geld, Waffen und Propaganda vorantreiben und befeuern … Unterstützung fanden sie ebenso schnell wie freudig in den üblichen Massen-Medien.“

Über die Initiatoren der Demonstration und eines Aufrufs schreibt Gellermann: „Cohn-Bendit und Schneider, die Initiatoren des fatalen Aufrufs, haben Übung in falscher Parteinahme: Sie waren für den völkerrechtswidrigen Jugoslawienkrieg. Weder hat sie der jüngste posthume Freispruch des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic durch den ‚Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien‘ bewegen können, ihre Kriegsmitschuld zu bekennen, noch konnte sie die geplatzte Lüge vom ‚Hufeisenplan‘, dieser Kriegsgrund-Erfindung durch Rudolf Scharping, bewegen. Beide waren wieder dabei als es galt, einen Krieg in Libyen zu rechtfertigen, der mit 55.000 Toten das Mords-Ergebnis in Jugoslawien noch übertroffen hat …“

Sehr gut und informativ ist der Bericht von Ken Jebsen, der einige der Teilnehmer interviewt hat. Auf seine Frage an Cem Özdemir, ob es auch eine Demonstration vor der Botschaft von Saudi-Arabien oder Katar geben werde, antwortete Özdemir: „Da habe ich schon demonstriert.“ Dazu Ulrich Gellermann: „Das ist eine schnelle, glatte Lüge. So ist der komplette Özdemir: Ein einziges Fake.“

Der sich peinlicherweise auf die wehrhafte demokratische Gesellschaft berufende Peter Schneider polemisierte hasserfüllt über „Putin und seinen Kumpan, den Massenmörder Assad“, wobei ihm Ursachen und Beginn des Syrien-Krieges abhandengekommen waren. Ihm fiel ein, dass in Aleppo von den Russen und der syrischen Armee die Zivilbevölkerung umgebracht wird. O-Ton: „Putin soll mit der Schande, die das bedeutet, in die Geschichte eingehen. Dafür müssen wir sorgen.“ Offensichtlich eingeübte Sprechchöre skandierten: „Aleppo-Putin-Schande!“

Alles in allem eine gespenstische Verkehrung der Fakten und zugleich eine politische Lumperei, verlogen, verhetzt und niederträchtig.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

Wolfgang Bittner, Schriftsteller und Jurist, ist Autor des Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“, Westend Verlag 2015. Siehe auch KenFM im Gespräch: https://kenfm.de/wolfgang-bittner/

Dieser Artikel erschien in den NachDenkSeiten am 9.12.2016.

 

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

12 Kommentare zu: “ARD-tagesthemen: „Wo ist die Friedensbewegung?“

  1. Bernhard Trautvetter schreibt:
    „Aufklärung tut not … Aufklärung und Aktion gegen die Kriegspropaganda.“
    Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe schon mehrmals gesagt und geschrieben: Die Menschen müssen wissen, was hinter ihrem Rücken geschieht und was auf sie zukommt. Nur dann können sie sich dagegen wehren.
    Herzliche Grüße
    Wolfgang Bittner

  2. Zu „Veganislove“
    Harald Welzer schreibt „Selbst denken“, in seinem Buch gehe es darum „Tunnelblick zu therapieren“. Ulrich Teuchert nennt in „Lückenpresse“ das Beispiel des Reporters Lewis, der Reporter zitiert, welche meinen, dass der Irak-Krieg von 2003 wahrscheinlich nicht stattgefunden hätte, wenn ganz anders berichtet worden wäre. Wir befinden uns also wie so oft oder besser immer auch in einem Informationskrieg. Wer glaubt, der gewinnt oder eigentlich besser verliert (die Bevölkerung). Momentan läuft der Krieg um Manipulation auf Hochtouren. Einesteils finde ich es spannend, das zu durchschauen, andernteils grauselig. Dann wiederum finde ich es genial, dass ein Forum besteht, bei dem man neue Erkenntnisse mitteilen und andere zum denken anregen kann, und gleichermaßen mindestens genauso Infos bezieht und zum Denken angeregt werden kann. Dafür braucht es aber auch eine Bereitschaft. Die kann verhindert sein durch Angst, durch innere Verbote, durch Gehorsam usw. Deshalb glaube ich auch, dass nicht jeder erreicht werden kann, so gerne man sich das wünschte. Ich finde aber – wie die Verfassung unseres Rechtsstaates und die eigentliche UNO bzw. ihr Grundgedanke -, dass es Prinzipien gibt wie jenen, dem Frieden verpflichtet zu sein und darüber keine Diskussion vom Zaun zu brechen zu wollen. Andererseits wird mit den „Frames“ „humanitärer Krieg“ oder „Böser Mann“ (übrigens von D. Ganser) subtil gearbeitet, aber erfreulicherweise wird das Spiel durchschaut! (Hier nochmals ein dickes Dankeschön an das KenFM-Team für seine wertvolle Arbeit, die das Durchschauen natürlich neben anderen ermöglicht, und dies aber in diesem Forum auf eine sehr vielfältige und differenzierte Weise, und das schätze ich so: nicht überheblich und moralisch überlegen, kein Oben und Unten. Wir haben ja alle unsere Macken, aber im Bereich Oben und Unten sind wir meines Erachtens besonders anfällig, habe ich sehr oft erlebt, auch im Bereich des anders Denkens, auch das kann nur dem Oben-Sein wollen dienen.) Im Letztgesagten möchte ich an das anknüpfen, was wegen der Regenwaldfreunde gefragt wurde: Ich habe selbst, obwohl ich sogar von den Analysen her völlig einverstanden war (!) langjährige Freundschaften wirklich konsequent gekappt, weil ich die Überheblichkeit und das Moralisieren und Missionarische einfach nicht mehr ausgehalten habe, da können die Inhalte noch so gut und richtig sein, das geht eben meines Erachtens nicht, da wird man dem Menschen nicht gerecht. Darüber hinaus macht jeder neue Wissensinhalt auch etwas mit meiner Persönlichkeit und stellt möglicherweise massiv mein Weltbild infrage, das muss man auch erst einmal verkraften, kann extremen Drive geben, aber – je nach „Charakter“ auch „niederschmetternd“ wirken. Von daher eine nochmals kurze Antwort: Ja, Freundschaften können auch kaputt gehen, aber das macht ab einem gewissen Grad auch nichts, denn dann gibt’s wieder neue – wenn man offen ist – und außerdem stellt sich ja auch die Frage, ob man missionieren muss. Es gibt so viel offene Leute und so vielfältig und wunderbar, warum sollte ich dann gerade diejenigen von etwas überzeugen wollen, die vielleicht gar nicht wollen oder denen es zu gefährlich wird. Ist doch ok, dann halt nicht, vielleicht ist zu einem anderen Zeitpunkt die Zeit reif für erschütternde News, welche einen aufwühlen können. Außerdem finde ich es immer wichtig, ob man sich mit den News ausgeliefert fühlt oder ob man sich zum Macher macht (Danke ans Team auch hier für die neue Reihe „Macher“). Deshalb bin ich heute Morgen positiv amused, dass ich ja hier schreiben kann und vor allem zu deiner Frage zu den Australier-Freunden etwas beisteuern kann und bei der Gelegenheit euch teil haben lassen kann an den Büchern, die ich lese. In diesem Sinne optimistische und herzliche Grüße.

  3. „Gespenstisch“ – Hahaha das beschreibt es ganz gut 😉 Gespenstig waren vor allem die abgehalfterten Spukgestalten, die da herumliefen. Sah jetzt nicht so zukunftsträchtig aus, was sich da versammelte. Die einzigen jungen dynamischen Leuten waren die Bodyguards 😉
    Ich fühlte mich an irgendwelche Treffen von absterbenden K-Gruppen erinnert, die voller Inbrunst und voller Verkennung ihrer Lebensrealität immernoch auf irgendwelche Erscheinungen aus der Vergangenheit warten, anstatt aus eigenem Antrieb heraus zu leben.
    Mich erinnerte diese Farce einfach nur an den Umzug irgendeines Kirchengebildes. Man stapft seinen Priestern hinterher, wiederholt, was man schon kennt und geht dann wieder nach Hause. Also eine Versammlung von Gläubigen, die ihren Glaubensmerkmalen huldigen. Sie beten altbekannte Litaneien herunter, ergötzen sich am martialischen Aussprechen bestimmter abstrakter Begriffe, die sie als ganz wichtig und aussagekräftig empfinden und dann geht’s wieder heim zu Haus und Herd. Und zur Lohnarbeit natürlich, denn vor dieser „Normalität“ macht ihr Glaube nicht halt, sondern schließt sie mit ein.
    Und ich finde auch gut, was Bashar Ghaith in seinem Kommentar geschrieben hat: Richtig! In deren politischer Religion ist der Mensch nur Mittel zum Zweck – abstrakte Begriffe, wie „Umweltschutz“ bedeuten für sie, dass ihre Politik und der trügerische Schein des „Umweltschutzes“ Alles, der Mensch Nichts ist. Es ist ein kranker, weltabgewandter Fatalismus, der nicht nur bei Fundamentalisten der Abrahamitischen Religionen zu finden ist, sondern auch bei Kapitalisten, Politikern und vielen anderen.
    Ich nenne das Zentralismus, nach Rudolf Rocker, eine Auffassung vom Leben, in dem bestimmte „Zentren“ (abstrakte Begriffe, Personen, Ränge, usw.) Alles sind und der Mensch nur als Mittel zum Zweck angesehen wird, als Instrument der Gelüste der Herrschenden.

  4. ..und leider funktioniert diese Lügenpropaganda über die ganze gleichgeschaltete westliche Medienlandschaft weltweit! Wir können jetzt mit unseren ältesten Freunden im Australischen Regenwald schon bald nur noch Small-Talk am Telefon machen, weil sie die Wirklichkeit für Verschwörungstheorien halten! Und es sind natürlich die schlimmsten Fakten, die von ihnen nicht geglaubt werden wollen! Einfach alles, was möglichst geheim gehalten wird und nur über Internet erfahrbar ist, das sie dort nicht haben. Ich habe jetzt schon Angst, dass daran unsere alte Freundschaft zerbricht! Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich habe schon so viel von der Wirklichkeit dorthin geschrieben, Internet- Seiten ausgedruckt und jetzt wollen wir das Taschenbuch über Uranbomben dort hinschicken. Bin gespannt, ob sie von einem Buch zu beeindrucken sind! Sie können oder wollen einfach nicht glauben, dass von USA – England- Australien so viel Schlechtes ausgehen könnte in der Welt! Anscheinend wird man ohne reelle Infos zu nationalistisch mit der Zeit! Es ist zum Verzweifeln!

  5. Ja, genau, was Herr Bittner hier schreibt, trifft den Nagel auf den Kopf! Heute wurde im Deutschlandfunk noch eins draufgesetzt, um 19.00 Uhr, der Kommentar, so etwas von tendenziös und darauf hinarbeitend, dass kriegerisches Eingreifen ich sag jetzt mal „alternativlos“ bleibe, dass einem wirklich – Entschuldigung – das kalte Kotzen kam. Der Kommentar war so gesponnen, dass zunächst vermittelt wurde, Krieg sei schrecklich, Diktatoren könne man damit auch nicht wirklich den Garaus machen, aber trotzdem tatenlos zuzusehen gehe jetzt eben auch nicht – alles sehr überspitzt von mir so formuliert, dennoch die Richtung sehr eindeutig. Es ist wirklich GENAUSO wie vor dem Kosovo-Krieg, was ich damals u.a. auch im Hinblick auf Propaganda sehr genau verfolgte, der gleiche Spin, das gleiche Muster.
    Ich komme am Montag zur Mahnwache und hoffe, dass dort Weiteres geplant werden kann. Die Friedensbewegung sollen sie haben – aber die für den Frieden und nicht die instrumentalisierte für Anti-Putin-Propaganda, die dem Krieg dient, da wurde die Rechnung also wirklich ohne den Wirt gemacht!

  6. Die Gründungsgrüne Petra Kelly schrieb 1983: „Wir wollen auf die großen nationalen und internationalen Verflechtungen aufmerksam machen, die Kriege ermöglichen…“ Wie weit sind führende Grüne (solche unabhängige ‚Geister‘ wie Uli Cremer, Roland Vogt und Hans-Christian Ströbele ausgenommen) von diesem aufklärerischen Ansatz zugunsten der Machtoptionen abgekommen und nun schon als Flankenschutz für die Nato-Propaganda unterwegs!
    Wir haben die Aufgabe, an die Ursprünge zu erinnern, die Friedensbewegung braucht Aktive auch unter jenen, die sich als Grüne verstehen.
    Aufklärung tut Not. Das ist dann wohl im Sinne von Petra Kelly unser Job. Aufklärung und Aktion gegen die Kriegspropaganda …

  7. Exakt so ist es Herr Bittner.

    Es ist ein einziges Grauen, was spätestens seit diesem akademischen Voll-Irren K. Gniffke — der Typ, dem es nicht peinlich ist, sich mit egomanischen „Chef-Kommentaren“ wie eine Heulboje jeden noch so bösartigen Fehltritt seines heruntergekommenen, zwangsfinanzierten Regierungspressler-Konglomerats zu rechtfertigen — aus Tagesschau bzw. ARD-Aktuell geworden ist.

    Diese Leute sind Übeltäter, dermaßen an der Wahrheit desinteressiert und/oder höchstwahrscheinlich dazu noch unter einer Decke steckend, von gewissen transatlantischen Machtelite-Zirkeln gegängelt, dass einem nur noch speiübel wird.

    Das kann man an dem erkennen, was Sie hochnotwendigerweise beklagen, aber auch – als weiteres Musterbeispiel – an der Verteufelung eines D. Trump, der nicht einmal ansatzweise dermaßen Böses auf dem Kerbholz hat wie der durchtriebene und verlogene Massenmörder und Kriegsverbrecher B. Obama.

    Selektive, geschickt unterschwellige Volksverdummung … leider gibt es im StGB keinen Straftatbestand dafür. Ansonsten säßen in den genannten Redaktionen schon jetzt insgesamt hunderte Jahre Knast. Und ich bin mir sicher, dass diese hochbezahlten Ganoven schon selber genauestens wissen, wer damit gemeint ist …

    Die schiere Masse charakterloser Schundjournalisten und ruchloser Lohnschreiber, die auf den Markt strömen, wächst offenkundig stark an, und Chef-Ratte Gniffke weiß exakt, welche gehorsamen Pfiffis man sich an Bord holt, und wen man zu welchen Themen schreiben oder nicht schreiben lässt …

    Diese Sorte Journaille schafft sich durch seine Schrift gewordene, in sie eingefressene Arroganz und Überheblichkeit immerhin so blindwütig wie rasant selber ab; das ist das Einzige, was man an diesem Schund- und Lohnschreibertum noch als positiv empfinden kann.

    Und wer dieses Drecksloch in Hamburg noch mit GEZ-ahlt, ist selber schuld.

  8. <a href="https://de.southfront.org/islamischer-staat-startet-wahrend-us-russland-gesprachen-uber-syrien-zufallig-eine-gros-angelegt-offensive-bei-palmyra/"Islamischer Staat startet während USA-Russland Gesprächen über Aleppo “zufällig” eine groß angelegt Offensive bei Palmyra
    <a href="https://de.southfront.org/kriegsbericht-syrien-09-dezember-2016-isis-ruckt-wahren-waffenstillstand-in-aleppo-auf-palmyra-vor/"Kriegsbericht Syrien – 09. Dezember 2016: ISIS rückt während Waffenstillstand in Aleppo auf Palmyra vor

    Quelle: de.southfront.org

  9. die grünen sind eine kriegspartei und keine frriedenspartei , ich persönlich nenne sie , ich mache mit partei,
    was palästina angeht sind sie blind und für jeden krieg sind sie zu haben , sie wollen die menschheit vernichten aber sie wollen die pfandflasche durchsetzen und die umwelt schonen

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