Armin Laschet kann Kanzler – Katja Kipping kann schweigen

Von Uli Gellermann.

Aus der Tiefe des politischen Raumes meldet sich Altkanzler Gerhard Schröder und erzählt der „Rheinischen Post“, dass Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, ein prima Kanzlerkandidat der CDU wäre. In Schröders eigener Partei bewerben sich inzwischen acht Kandidaten-Tandems und ein Einzelkandidat um den Parteivorsitz. Alle paar Tage meldet sich ein deutsches Medium mit der Botschaft, dass der grüne Robert Habeck ein sehr guter Kanzler wäre. Mitten in dieser haltlosen Geschwätzigkeit fallen Katja Kipping und Bernd Riexinger, Vorsitzende der Partei Die Linke, angenehm auf: Sie schweigen ziemlich gründlich. Auch die verheerende Wahlniederlage der LINKEN in Brandenburg und Dresden ringt den linken Schweigern bisher nur wenige Worte der Erklärung ab.

Vor den Landtagswahlen hatte Frau Kipping noch einen Traum: Sie wollte die „Krise des Konservatismus“ nutzen, „für einen Macht- und Regierungswechsel von links, für eine Regierung gegen den Rechtsblock“. Auch Herr Riexinger hatte Visionen und setzte bei der Landtagswahl in Brandenburg auf eine Mehrheit von SPD, Grünen und Linken: „Natürlich würde ich mir wünschen, dass es für eine rot-rot-grüne Mehrheit reicht“. Und während der ersehnte sozialdemokratische Koalitionspartner immer noch mit der CDU liiert ist und der sogar einen Kanzlerkandidaten empfiehlt, schweigen sich die Spitzen-Linken aus. Dass der rot-rote Senat in Berlin das größte landeseigene Wohnungsunternehmen mit mehr als 50.000 Wohnungen an Goldman Sachs verkaufte, ist einer linken Wahlanalyse nicht wert. Wie auch der Verkauf von 48.000 städtischen Wohnungen mit Hilfe linker Stadträte in Dresden in der Auswertung des sächsischen Wahlergebnis bei Kipping und Riexinger keine Rolle spielt.

Schweigen gilt manchmal als Beleg für Charakterstärke. Deshalb fallen einzelne Wortbrocken besonders auf. Was den Linken in der Wahlanalyse nicht helfe, wäre jetzt in „reflexhafte Schuldzuweisungen oder Schlachteplatte“ zu verfallen, erklärte Frau Kipping jüngst. Diese subtile Annäherung der Linken-Spitze an die Schlachter-Innung ist wahrscheinlich als neuer Akzent linker Bündnispolitik zu verstehen. Hat doch der Deutsche Fleischer-Verband 21.329 stationäre Verkaufsstellen und gilt mit seinen Thekengesprächen als meinungsbildend. Ob bald an diesen Theken auch Kippings originelle Schuldzuweisung für die brutale linke Wahlniederlage eine Rolle spielen wird? Denn Frau Kipping hatte noch am Wahlabend in der ARD die eigentlich Verantwortlichen ausgemacht: Die Wähler. Die hätten aus taktischen Gründen die CDU gewählt um zu verhindern, dass die AfD stärkste Partei wird. Das ist brillant: Wenn Wähler falsch wählen, sollte man sie von den Wahlen künftig ausschließen.

Auch auf der Website der Linkspartei wird der Wähler als solcher in die Verantwortung genommen: „Die Ausgangslage war ungünstig für die GenossInnen in Brandenburg und Sachsen: Bei beiden Wahlen ging es in den letzten Wochen für viele Menschen darum zu verhindern, dass die AfD stärkste Partei wird. Es fand ein Kopf-an-Kopf-Rennen statt, das in Sachsen der CDU und in Brandenburg der SPD nutzte.“ Wie kann der Wähler sich nur so enttäuschend verhalten? Auch dass CDU und SPD die schwierige Gemengelage gnadenlos für sich ausnutzten, war ebenso überraschend wie unfair. Den Wählern sollte die Linkspartei schon aus volkspädagogischen Gründen drohen, sich bald ein anderes Wahlvolk zu suchen. Die genannten Parteien wird man wohl nur einschüchtern können, wenn Kipping und Riexinger ankündigen würden, bei ihnen Mitglied zu werden.

Bernd Riexinger hat auf der Website mit „ersten Schlussfolgerungen aus den Wahlen in Brandenburg und Sachsen“ auch eine sprachliche Meisterleistung geliefert: „Ideen haben wir, mit neuen Aktiven kommen neue dazu.“ Welche Ideen mag er nicht sagen, auch über Zahl und Herkunft neuer Aktiver kein Wort. – „Ich werde mich niemals damit abfinden, dass wir bei den letzten Wahlen bei ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen und Erwerbslosen verloren haben.“ Das klingt nach Harakiri. Ob das die Arbeiterklasse beeindruckt? – „Die Gesellschaft und das Parteiensystem sind im Umbruch.“ – Richtig. Aber wer bricht wohin auf? – „Als LINKE stehen wir vor neuen Herausforderungen und Richtungsentscheidungen“. Aber welche das nun sind, will Riexinger lieber nicht sagen. Die Mitglieder sollen ja nicht beunruhigt werden.

Nachdem die LINKE mit Frau Wagenknecht eine ihrer wenigen öffentlich wirksamen Figuren gründlich demontiert hat, schweigen auch die meisten Medien höflich über die Partei. Vielleicht hülfe ja Gerhard Schröder. Wenn der jetzt die Frau Kipping als neue SPD-Chefin ins Gespräch brächte, könnte der Ring des Schweigens rund um die LINKE endlich gebrochen werden. Das würde auch der SPD sehr helfen, denn die hat mit nunmehr 17 Kandidaten immer noch nicht Auswahl genug. Der LINKEN müsste an einem Parteiwechsel von Frau Kipping ebenfalls gelegen sein. Vielleicht könnte dann ja offen über die Verantwortlichen für die Wahlschlappe geredet werden.

Bildquelle: Screenbild YT – phoenix

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Dieser Artikel erschien am 09. September 2019 auf dem Blog Rationalgalerie.

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8 Kommentare zu: “Armin Laschet kann Kanzler – Katja Kipping kann schweigen

  1. Danke! Die Linke ist für mich als Thüringer , der sie wählte, die absolute Entäuschung. Alle was wir als Familie mit vier Kinder unternahmen, wurde von der Linken mit erhöhten Gebühren und unsäglichem bürokratischem Aufwand torpediert und samt einem widerlichem Schulsystem und "Lerninhalten" ad Absurdum geführt! Wir waren links, heute nicht mehr! Wegtreten ihr Dummschwätzer und hysterischen Deutschhasser…meine Kinder sind deutschstämmig, wie soll ich ihnen erklären, dass man sich für die eigene uneigen zu beeinflussbare Herkunft schämen soll, weil es Massenmörder und Kriegsgewinnler an anderen Völker so wollen und die hier amtierende deutsche Regierung als deren Vasall nicht will…wir haben keine Schuld und lassen sie uns nicht verordnen! Fuck you Linke als Verein des Sytems!

  2. Armin Laschet mahnt an, dass die Politik sich mit den Themen beschäftigen sollte, die die Menschen beschäftigen.

    Ein Rechtsruck sei für die CDU falsch.

    Jedenfalls ist die CDU inhaltlich ganz sicher nicht so aufgestellt, dass sie für mich wählbar ist.
    Paul Zimiak sagt: „Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik nicht vernachlässigen“.

    Dann sehe ich Überschriften wie "Ziemiak: Trotz Milliardenüberschuss Wirtschaft entlasten".

    Keynes hatte den Kapitalismus-Fehler sehr treffend erklärt:
    „Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.“

    Den Fehler unserer Marktwirtschaft kann man mit geringfügigem Nachdenken sehr schnell herausfinden.
    Geld ist kein Wertgegenstand, sondern eine Schuld.

    Es kann nicht funktionieren, dass der Staat ständig dadurch Geld in Umlauf bringt, indem er neue Schulden macht, für die es vor allem kein Limit gibt und danach wird das viele Geld von wenigen großen Akteuren der Wirtschaft eingenommen und die vielen Schulden, ohne die das Geld erst gar nicht hätte entstehen können, die können dann nicht mehr abgebaut werden, weil es das Geld, mit dem der Schuldenabbau möglich sein könnte, erst gar nicht gibt.

    Das gute Leben für alle muss tauschlogikfrei sein. Die CDU ist ganz sicher nicht die Partei, wo ich diese Art von Politik bekommen kann. Sie ist eigentlich eher eine Partei der schwarzen Kassen, die fremde Interessen vertritt.

    Bei der Linken könnte man es denken, dass sie in die richtige Richtung denkt. Die Themen der Linken Themen wie Abrüstung, soziale Gerechtigkeit sind richtig.

    Aber an den richtigen Stellschrauben wird die Linke ganz sicher nicht drehen.

    Caren Lay: Öffentliches Wohnungsbauprogramm nach Wiener Vorbild
    Die Linke fordert zudem die Mindestsicherung von 1050 Euro

    Dann will etwa Frau Gesine Lötzsch die Schuldenbremse.

    Mit Nichtwählen werde ich also ganz sicher nichts falsch machen, weil die Probleme ohnehin auch nicht auf nationaler Ebene lösbar sind.

  3. "Denn Frau Kipping hatte noch am Wahlabend in der ARD die eigentlich Verantwortlichen ausgemacht: Die Wähler. Die hätten aus taktischen Gründen die CDU gewählt um zu verhindern, dass die AfD stärkste Partei wird. Das ist brillant: Wenn Wähler falsch wählen, sollte man sie von den Wahlen künftig ausschließen."

    Haha, das ist wirklich genial, und ich durfte endlich mal wieder richtig lachen, vor allem dank der genial lustigen Formulierung:)

    In der Realität sind Wähler in der Mehrheit leider so wenig taktisch wie die Linke noch links ist.
    Seit Fr. Wagenknecht weg ist kommt die Partei für mich nicht mehr in Frage. Mit ihr hatte ich kurzzeitig die irrationale Hoffnung, Wahlen könnten doch noch etwas ändern.
    Nun wähle ich AFD.
    Was bleibt sonst?
    Nichtwählen eigentlich, ich denke aber, dass wir für diese Art des Protests nicht mehr die Zeit haben. Es wäre wie sich ohne Gegenwehr fertig machen zu lassen, schon in wenigen Jahren wird das Land wie ich es kannte nicht mehr existieren, also greife ich nach dem Strohhalm, mit der leisen Hoffnung, so vielleicht etwas mehr Zeit zu gewinnen. Das System muss man dann eben später in Angriff nehmen, erstmal das Land bewahren (retten wollte ich nicht benutzen).
    Nebelkerze und Spaltung hin oder her, irgendwas haben die Eliten gegen die Afd, mehrheitlich zumindest, und das ist wohl das beste Argument.

  4. Grandioser Text. Trifft es auf den Punkt.

    P.S.: Mir tut es unendlich leid, das sich die Linke mit diesem absolut unfähigem Führungspersonal (Riexinger/Kipping) so ins Abseits torpediert hat und weiter aktiv am Niedergang arbeitet. Die Main-Stream-Medien nehmen das erfreut stillschweigend zur Kenntnis.

  5. Ergänzung.
    Auf Rubikon erfuhr ich gerade vom Tod Immanuel Wallerstein’s.
    Dabei ein Exlusivabdruck aus seinem 2-bändigen Werk „der Siegeszug des Liberalismus“.
    https://www.rubikon.news/artikel/die-sieger-ideologie

    Mit Wallerstein verlieren wir einen der ganz großen Denker, den Begründer der Weltsystem-Theorie. Welch ein Verlust!
    Hier 2 Nachrufe:
    https://www.rosalux.de/news/id/40961/in-memoriam-immanuel-wallerstein/
    https://taz.de/Nachruf-auf-Immanuel-Wallerstein/!5622225/
    Wer Wallerstein hören und sehen möchte, dem sei dieses Video empfohlen.
    https://www.youtube.com/watch?v=l78FopWUxko

    Es ist immer wieder wohltuend in diesem derzeitigen allgegenwärtigen „Meinen und Glauben“ sich mit solchen Analysen auseinanderzusetzen.

    Beim Lesen der letzten Ausgabe von Publik Forum wiederum erfahre ich mehr Fakten und Praktisches, wo ich eher auf „Glauben und Meinen“ treffen müsste (z.B. erklärt uns eine Försterin aus Göttingen wie wir jetzt Bäumen im Klimastress helfen können. Ich erfahre auf der Seite 38 „Mutig für den Frieden von einer Weltversammlung der Religionen in Lindau, auf der Seite 40 „Gegen die Kriminalisierung des Krichenasyls, auf der Seite 14 „Wir müssen mit alten Mustern brechen“, Magret Rasfeld im Interview).

  6. Es werden so viele alternative Projekte vorgestellt und das alles ist sicherlich wertvoll,
    denn sie öffnen und weiten den Debatten- und Möglichkeitsraum.
    Aber um eine gründliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Spielarten des Kapitalismus kommen wir nicht herum.

    Mit diesem Beitrag von Gert Ewen Ungar
    „Die Linke und der Kapitalismus – ein andauerndes Missverständnis“
    https://deutsch.rt.com/meinung/91986-linke-und-kapitalismus-andauerndes-missverstandnis/
    könnte eine solche Auseinandersetzung beginnen.
    Zitat daraus:
    „Die Alternative zur derzeitigen Spielart des westlichen Kapitalismus ist ein gesteuerter Kapitalismus, in der Politik wieder das Primat hat und so die Märkte einhegt und steuert. Das ist dann immer noch Kapitalismus. Aber diese Form von Kapitalismus wäre dann auch eher in der Lage, anstehende Probleme zu lösen, denn eine Gesellschaft als Ganzes ist in der Lage, Akzente zu verschieben, was der Einzelne als Verbraucher eben nicht vermag“ und „Das Problem der Armut lässt sich über das Herstellen von Vollbeschäftigung lösen, die durch einen starken Konsum und nicht von Außenhandelsüberschüssen getragen wird. Um all das zu bewerkstelligen, bedarf es kluger, weitsichtiger und vor allem ökonomisch gebildeter Politiker. Das allerdings ist der einzige wirklich gravierende Fachkräftemangel, an dem Deutschland aktuell leidet. Ökonomische Klugheit findet sich in der deutschen Parteienlandschaft praktisch nicht…“

    Dazu passt auch dieser Beitrag:
    Felix Butzlaff & Robert Pausch „Partei ohne Erzählung: Die Existenzkrise der SPD“
    https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2019/august/partei-ohne-erzaehlung-die-existenzkrise-der-spd
    Im Kapitel: 1. Später Keynesianismus. Das wirtschaftspolitische Denken der SPD in
    den 1970/80er Jahren
    unter dem Abschnitt:
    „Die SPD in der Opposition bleibt aber bei ihrer gemäßigt keynesianischen Position, was zwar für die Partei – in
    der wenig über Fragen der Wirtschaftspolitik diskutiert wurde – selbst nicht gegolten hat, aber die Ökonomen, die die SPD damals beraten hatten, waren durchwegs noch keynesianisch eingestellt.[3] Diese Einstellung war eindeutig ökologisch ausgerichtet. Die Formel von der Versöhnung von Ökonomie und Ökologie wurde damals bereits propagiert.[4] Diese Sichtweise eines moderaten Keynesianismus plus ökologischem Umbau wurde 1986 mit einem wirtschaftspolitischen Programm beschlossen, dass die wirtschafts- und finanzpolitische Kommission unter der Leitung von Wolfgang Roth erarbeitet hatte. Eine nennenswerte Resonanz in der Partei fand dieses Programm
    jedoch nicht mehr.“
    [3] Die wichtigsten waren: Hans-Jürgen Krupp, Jürgen Kromphardt, Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling. Dazu kommt, dass in der BT-Fraktion mit Sigrid-Skarpelis-Sperk, Wolfgang Roth, Herbert Ehrenberg und Ingomar Hauchler vier Makroökonomen*innen vertreten waren, was heute undenkbar ist: Es gibt keinen einzigen.
    auch interessant:
    https://www.sozialismus.de/kommentare_analysen/detail/artikel/warum-braucht-die-spd-eine-wirtschaftspolitische-debatte/

  7. Eine Partei die so schön Gendersprech kann und die ansonsten im Ansatz Sozialdemokratie verspricht, aber noch nicht einmal diese Korrumpiererei der Arbeiterschaft bei Regierungsbeteiligungen hält. Ja, wer braucht so etwas?

    Das nun mal unabhängig davon, was der Wahlzirkus, unter demokratischem Vorsatz, ohnehin ist, nämlich eine Luftnummer.

    Zunächst Herr Wetzel:

    Man muss Sahra Wagenknecht (LINKEN-Fraktionschefin im Bundestag) überhaupt nicht in allem folgen, um ihrer Analyse der massiven Wahlniederlage bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen zuzustimmen: Die Partei DIE LINKE wird nicht mehr als Opposition begriffen, sondern als Bestandteil „des grünliberalen Establishments.“ (FR vom 3. 9.2019). Die Kluft zwischen dem, was diese linke Partei programmatisch versprochen hat und was sie als Opposition oder in Regierungsbeteiligung umgesetzt hat, ist gewaltig.

    Die politische Passivität der LINKEN

    Mehr noch: Sie haben sich an Regierungen beteiligt (wie in Berlin als Kopilot in der rot-roten Regierung 2002-2011) und aktiv daran mitgewirkt, den bereits dürftigen Bestand an städtischem/gemeinnützigem (also bezahlbarem) Wohnbesitz weiter zu verscherbeln. Ganz aktuell zeigt sich das an einem Streit in der Berliner Stadtregierung. Der von SPD, LINKE und Grünen geführte Berliner Senat will die Mieten vom Jahr 2020 an für fünf Jahre einfrieren, „um die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zu beruhigen“. Dazu legte die Senatorin Katrin Lompscher (LINKE) einen Entwurf vor, der „einen radikalen ‚Mietenstopp‘ für fünf Jahre vor(sieht), womit für alle Mieten die vom Gesetzgeber festgelegten „Obergrenzen“ gelten würden – und auf dieselben eingefroren werden würden.“ (tagesspiegel.de vom 26.8.2019)

    Bevor dieser überhaupt diskutiert werden konnte, wurde der Entwurf „geleakt“, also an die Öffentlichkeit gespielt, um den Vorschlag schon im Keim zu ersticken. Das hatte Erfolg. Nur vier Tage später wurde der „Entwurf“ zurückgezogen und ein deutlich verwässerter Vorschlag steht nun im Raum. Warum hat man es nicht auf einen Koalitionsstreit ankommen lassen? Warum hat man nicht die vielen MieterInnen-Initiativen eingebunden, um diesen Vorschlag öffentlich zu diskutieren? Warum hat man den Konflikt nicht aus den Konferenz- und Beraterzimmern herausgeholt und auf die Straße getragen?

    Die LINKE als „Systempartei“?

    Wofür steht also die Partei DIE LINKE – gerade im Osten? Viele werden darauf verweisen, dass es ganz viele Flügel in der Partei gibt, so viele Flügel, dass sie ganz sicher nicht „abheben“ kann: von ehemaligen SED-Kadern, über Kapitalismusbändiger (mit buntem Freizeitprogramm), bis hin zur „Bewegungs“-Linken, die von einem ökologischen Sozialismus spricht, der über einen „Transformationsprozess“ erreicht werden soll.

    Doch eines hat sich bis heute bewahrheitet: Wenn die Partei DIE LINKE an die (Regierungs-)Macht kommt, ist sie „Systempartei“, bis fast nichts mehr von ihr übrig ist.

    Aus:
    Das Ossi- und AfD-Phänomen
    08. September 2019 um 11:45 Ein Artikel von Wolf Wetzel | Verantwortlicher: Redaktion

    Die Diskussion über die Wahlausgänge in Sachsen und Brandenburg ist in vollem Gange. So soll etwa mit der „Extremismustheorie“ oder einer „ostdeutschen Versorgungsmentalität“ das Wahlverhalten der Ostdeutschen erklärt werden – dieser Versuch der Deutung ist aber nach Meinung eines Debattenbeitrags von Wolf Wetzel ein politisches und intellektuelles Desaster. Von Redaktion.
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=54609

    Und hier nochmal Herr Kirner, auch wenn sich mir der parlamentarische Zinnober immer noch nicht erschließt:

    Es ist schon eine rechte Strafe, über den Parteitag der LINKEN in Leipzig schreiben zu müssen. Denn jeder Blick, den man in das Innenleben dieser Partei tut, offenbart: es ist ja noch schlimmer, als man befürchtet hatte!

    Schadenfreude kommt dabei absolut nicht auf, zumindest nicht bei mir. Denn ich wüsste kaum etwas, das diesem Land in dieser Zeit besser täte, als eine kämpferische, entschlossene, durch und durch rebellische, funktionierende Organisation der Linken, der Arbeiterbewegung, des fortschrittlichen Lagers, wie auch immer. Eine Partei, die echter Theoriearbeit und einer tiefgehenden Analyse der Weltverhältnisse als Plattform dient. Die aber zugleich der Ort ist, an dem sich die besten Kämpfer für höhere Löhne, für Umweltschutz, für gleiche Rechte, gegen Rassismus, für Frieden und gegen die Machenschaften des Tiefen Staates sammeln und wirkungsvoll organisieren.
    (…)
    „Der Parteitag der LINKEN hatte viele skurrile Momente. So bejubelte eine Delegierte aus Berlin-Neukölln die erfolgreiche Verankerung der Partei bei Mietern, die sich gegen die Machenschaften des börsennotierten Immobilenkonzerns „Deutsche Wohnen“ zur Wehr setzen. Hinter ihr saß mit gönnerhaftem Lächeln der Tagungsleiter, Berlins ehemaliger Wirtschaftssenator Harald Wolf. Der war maßgeblich daran beteiligt, dass Berlin eine komplette kommunale Wohnungsbaugesellschaft, die GSW, mit über 70.000 Wohnungen an Spekulanten verhökerte. Und eben diese Wohnungen bildeten die Basis für die Entstehung der „Deutsche Wohnen“, gegen die seine Partei jetzt kämpfen will.“

    Aus:
    Freitag, 15. Juni 2018, 12:00 Uhr
    ~15 Minuten Lesezeit
    Kollektiver Realitätsverlust
    Auf ihrem Parteitag präsentierte sich die Linkspartei als Vogel mit zwei lahmen Flügeln.
    von Florian Kirner
    https://www.rubikon.news/artikel/kollektiver-realitatsverlust

    Dann läßt sich Herr Pfaller zitieren, um zu beschreiben, wofür diese „Linke“ steht:

    Die Schaffung einer ganzen Kaste von Beauftragten, die im Namen von Benachteiligten sprechen und an deren Stelle Vergünstigungen beziehen, ist eine effiziente Maßnahme zur Stabilisierung bestehender Benachteiligung und zur Sicherung wachsender Ungleichheit. Denn wenn in einer Gesellschaft die Einkommensunterschiede sich verschärfen, werden die Verteilungskämpfe härter. Da ist es – wie in jeder Herrschaftssituation – günstig, Kollaborateure heranzubilden. Man ermöglicht Leuten, die sonst meist vergleichsweise wenig Qualifikation innerhalb ihres jeweiligen Apparats aufweisen, einen gewissen sozialen Aufstieg und Zugang zu Kontrollfunktionen in ebendiesen Apparaten. Klarerweise werden die Kollaborateure bestrebt sein, dies ihren Gönnern zu danken. Und sie werden in klugem Eigeninteresse sämtliche Aufgaben und Anliegen, für die sie stehen, immer nur so weit betreiben und vorankommen lassen, dass sie selbst nicht überflüssig werden.
    Mit großem Pathos stets gegen irgendeine Benachteiligung ins Feld ziehend – und dadurch jede gegen sie selbst gerichtete Kritik erstickend -, werden sie tunlichst dafür sorgen, dass diese Benachteiligung niemals gänzlich aufhört. Gleichbehandlungsarbeitskreise an Universitäten zum Beispiel geben vor, weibliche Wissenschaftskarrieren zu fördern, indem sie in die Ausschreibungstexte „Genderkompetenz“ als Anforderung hineinreklamieren. Das hat zur Folge, daß junge Wissenschaftlerinnen, um bessere Chancen zu gewinnen, sich verstärkt mit Genderthemen beschäftigen müssen. Dadurch aber vernachlässigen sie andere Fragen, und es wird in der Folge sowohl für Universitäten mit bestimmten inhaltlichen Zielsetzungen als auch zum Beispiel für Veranstalterinnen von Symposien oder Fernsehdiskussionen zu anderen gesellschaftlich relevanten Themen zunehmend schwieriger, überhaupt geeignete weibliche Expertinnen für solche Themen zu finden. Frauen bleiben dann weiter unterrepräsentiert. Umso notwendiger, können die Arbeitskreise dann rufen, ist unsere Tätigkeit.
    So gelingt es, die in Schach zu haltende Gesellschaft mehrfach zu spalten: Die Beauftragtenkaste in den Verwaltungsapparaten von denjenigen, die für Produktivität sorgen müssen; einen Mittelstand mit hehren moralischen Gefühlen für ferne Benachteiligte und hohem, daraus entspringenden Distinktionsgewinn von einer Unterschicht, die sich solche Gefühle und den dazugehörigen verklemmten akademischen Jargon immer weniger leisten kann; eine Opfer- oder Interessengruppe von der anderen; die nach Gleichheit Strebenden oder faire Konkurrenz Fordernden von denen, die Sondervergünstigungen beanspruchen.
    So wird unter dem Anschein von Emanzipation das Gegenteil bewerkstelligt: Sowohl Solidarität als auch Mündigkeit werden verhindert; Bestrebungen nach Gleichheit werden auf unbedeutendere, kleinere Problemfelder umgelenkt, und berechtigte Empörung wird durch peinlich genaue Sprachregelungen entweder stumm oder kleinlaut gehalten.

    Gutgemeinte Worte werden böse

    Die zwiespältige Rolle der Verwaltungs- und Vollzugsorgane postmoderner Politiken ist ein Grund für ihr wohl auffälligstes Merkmal: ihre gesetzmäßige Erfolgslosigkeit.
    Drei oder vier Jahrzehnte massiver Frauenförderung in westeuropäischen Ländern haben höchstens höhere Frauenanteile in absteigenden Berufssparten wie Kunst, Kulturwissenschaften oder Psychotherapieberufen produziert, aber keine Angleichung der Einkommensniveaus. Regelnde Eingriffe zur Herstellung gendergerechten Sprachgebrauchs haben keine zufriedenstellenden Bezeichnungen hervorgebracht, sondern immer nur neue Unzufriedene: Schien kurzfristig das Binnen-I das geschlechtsneutrale Ei des Kolumbus zu sein, so fühlten sich bald die Transgenderpersonen übergangen, dann kam als vermeintliche Rettung der „underscore“, doch daß dieser eben am unteren Rand der Schriftzeile sitzt, erscheint inzwischen manchen als abwertend; darum muß an seiner Stelle nun unbedingt und definitiv ein Sternchen her. Aber ob dies nun die ideale Lösung ist, und ob es wohl immer die richtige Zahl von Zacken für das Empfinden aller Gruppen besitzt, muß noch abgewartet werden.
    (Robert Pfaller, Erwachsenensprache – Über ihr Verschwinden aus Politik und Kultur, S. 27-29)

    Summa summarum, Luftnummern wohin das Auge blickt. Wie kann man auch auf die Idee kommen, ein Opportunistenmagnet, was eine Partei letzlich ist, könnt’s richten.

  8. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Bei so viel Profil der Linken wie ein Slick in der Formel 1 bricht die Klienel der Partei weg? War schon clever die U- Boote der Piraten in der Linken zu platzieren und Hr. G. zu kaufen, äh auf den richtigen Weg zu bringen.

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