Im Gespräch: Bärbel Wardetzki („Loslassen & dranbleiben“)

Der Mensch ist ein wandelnder Widerspruch. Während ihm das Unbekannte einerseits Angst macht, fühlt er sich von Neuem magisch angezogen. Neugier ist dem Menschen angeboren und verführt ihn permanent dazu, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben.

Wie umgehen mit diesen beiden Polen? Wie soll der Mensch die richtige Balance finden?

Das Einzige, was im Leben eines jeden Menschen stabil bleibt, ist der permanente Wandel. Niemand ist in der Lage, zweimal in den selben Fluss zu steigen, denn alles befindet sich im Fluss. Nur wer loslässt, kann dranbleiben. Nur wer sich den Herausforderungen des Leben stellt, kann diese meistern. Da Scheitern ein wesentlicher Teil der Lektion ist, die uns das Leben vermittelt, sollten wir diese Mechanik als Teil unserer Existenz akzeptieren, um sie aktiv zu nutzen. Nur wie?

Im Gespräch mit Bärbel Wardetzki wird vielen von uns ein Licht aufgehen. Den anderen da draußen geht es ähnlich wie uns. Willkommen auf dem großen Spielplatz, den wir Leben nennen. Lernen wir voneinander. Ja, das kann Spaß machen!

Inhaltsübersicht:

0:05:45 Bärbel Wardetzkis berufliche Entwicklung

0:07:50 Die Frustrationstoleranz

0:20:12 Erlernte Hilflosigkeit und das Tal der Tränen

0:31:10 Der Umgang mit dem Tod

0:36:48 Kontrolle haben, Einfluss nehmen oder Akzeptieren

0:43:43 Fehlerkultur und Selbstfürsorge

0:48:39 Der Sinn des Lebens

0:58:43 Vollständig werden

1:12:37 Das gemütliche Elend

1:16:46 Resilienz – Die psychische Widerstandsfähigkeit

1:27:10 Akteur im eigenen Leben

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13 Kommentare zu: “Im Gespräch: Bärbel Wardetzki („Loslassen & dranbleiben“)

  1. 22:00-22:35:
    Die Fehler, die Eltern an ihren Kindern begehen, können also durch wohl verstandene, positive Zuwendung anderer Menschen durchaus kompensiert werden. Es würde sich also lohnen, unter diesem Aspekt das Thema Kita und deren positives Potential einmal neu zu bedenken (jenseits des anderen Extrems, dass diese Einrichtungen natürlich sehr geeignet sind zur Indoktrination im frühkindlichen Alter). Und Home Schooling erscheint auf einmal in einem fragwürdigen Licht, soweit es damit einhergeht, dass der Kreis der Bezugspersonen von Kindern zu sehr auf die Eltern verengt wird.

    • citoyen invisible: Solange die Eltern ihre eigenen möglicherweise frühen Traumata nicht bearbeitet haben, kann es Situationen geben, in denen ein junger Mensch in einer Einrichtung mehr an Beziehung erlebt, als in seinem Elternhaus. Dennoch ist es so, dass in pädagogischen Einrichtungen halt Menschen arbeiten, die ebenfalls oftmals nicht ihre eigene Biografie aufgearbeitet haben – dazu ist erst kürzlich ein Buch von Anke Elisabeth Ballmann erschienen "Seelenprügel – Was Kindern in Kitas wirklich geschieht und was wir dagegen tun können“. Und dort heißt es: „(…) Gewalt ist institutionalisiert und findet in zahlreichen Kinderkrippen und Kindergärten statt. Den größten Anteil der Gewalt an Kindern stellt dabei die psychische Gewalt dar (…). Das heißt, Kinder werden eingeschüchtert, gedemütigt, zurückgewiesen, beleidigt, erpresst, feindselig behandelt, verängstigt, ausgegrenzt, lächerlich gemacht, bedroht, isoliert und ignoriert“

      Das Gespräch mit Bärbel Wardetzki empfand ich als wunderbar! Worin ich nicht mit ihr übereinstimmte, ist das Beispiel "Süßigkeiten im Supermarkt". Ja, wir wissen heute, dass zu viel Zucker nicht gut für uns ist! Und wenn ein Kind an der Supermarktkasse sich Süßkram wünscht, ich mich aber als Mama, Papa, Oma oder Opa überwiegend gesund ernähre, dann ist nicht davon auszugehen, dass der junge Mensch sich ausschließlich von Süßkram ernährt. Also warum darf ich dann seinem Wunsch nicht nachgeben? Warum maße ich mir an, ihm das zu verbieten? Es sei denn, ich habe kein Geld dafür, doch das kann ich dann sagen. Und ja, darüber darf mein Kind dann sauer, traurig und auch wütend sein.
      Und wenn ich in dem Gefühl bin, das ist jetzt nicht gut, weil ich Angst habe, dass es meinem Kind schadet, dann kann ich das doch genauso sagen, also z.B.: "ich weiß, du hast jetzt Lust auf diese Süßigkeit, doch ich weiß, das ist echt schädlich und ich habe Angst um deine Gesundheit. " Wenn ich diesen Satz sage, dann muss ich mir wirklich sicher sein, dass z.B. ein Schokoriegel eine ernsthafte Bedrohung für mein Kind ist. Ist er das nicht und ich verweigere diesen Wunsch aufgrund einer Erziehungsideologie, dann schadet das sehr viel mehr, als ein Schokoriegel.

      Und wenn mein Kind sich hauptsächlich von Süßigkeiten ernährt, dann muss ich mich selbst fragen: Was kann ich meinem Kind nicht geben, dass es dieses Defizit mit Süßkram auffüllen muss? Das gilt auch bei Computerspielen, Smartphone-Benutzung und Co.
      Frustsituationen gibt es für junge Menschen genug im Leben, da muss ich aufgrund einer Erziehungsideologie nicht noch zusätzlichen Frust hinzufügen 🙂
      Junge Menschen sind so verdammt gut darin, uns in unserer eigenen Lebenssituation zu „spiegeln“ und ja, da geht es dann an die eigenen Lebensthemen 😉

    • "Gewalt ist institutionalisiert und findet in zahlreichen Kinderkrippen und Kindergärten statt. Den größten Anteil der Gewalt an Kindern stellt dabei die psychische Gewalt dar (…). Das heißt, Kinder werden eingeschüchtert, gedemütigt, zurückgewiesen, beleidigt, erpresst, feindselig behandelt, verängstigt, ausgegrenzt, lächerlich gemacht, bedroht, isoliert und ignoriert“ – also fit gemacht for capitalism and competition (Entschuldigung, aber ohne Zynismus kommt man in dieser Welt kaum noch aus).
      Danke, mamomi, für Ihre Einordnung. Da sieht man mal wieder, wie theoretisch an sich sinnvolle Ansätze allenthalben sofort in ihr Gegenteil verkehrt werden. Die Verhältnisse ändern heißt also auch hier, nicht lediglich an Symptomen herumkurieren, sondern ganz grundsätzlich anzusetzen bei der von vorneherein falschen Konditionierung vieler Menschen.

  2. Danke für das interessante und anregende Gespräch !

    Zu 31.10 ff:
    KJ: „ … Eckhardt Tolle hat gesagt, du bist nicht deine Gefühle, du bist nicht deine Gedanken. Würden sie das unterschreiben ?“
    BW: „Ich weiss nicht genau was er damit meint; was sind wir denn dann ?“

    Ein Wissen nach der Wirklichkeit, der wahren Natur unseres Menschseins, ist hilfreich. Und darüber gibt es doch ein recht klares Wissen, das immer mehr Menschen bekannt wird. Es beeinflusst wesentlich, wie ich mit den Gedankenströmen, Gefühlen und Emotionen umgehen kann, welche mir die Stürme im Leben verursachen.
    Wer da mehr erfahren möchte, kann eben Tolle lesen. Und wer Tolle das Letzte findet, weil er nicht versteht, was der rüberbringen will – ich habe das Tollebuch „Jetzt“ nach 120 Seiten wütend in eine Zimmerecke geschmissen und in den folgenden zehn Jahren dreimal von a bis z begeistert gelesen – dem sei RUPERT SPIRA ans Herz gelegt. Rupert Spira erzählt das Gleiche, aber in ganz anderer Art, einer feinen Art. Es gibt von ihm viele sehenswerte Talks auf youtube, leider in Englisch. Wer es gern in Seiner Muttersprache mag, dem seien seine inzwischen auch ins Deutsche übersetzten Bücher empfohlen, z.B. „Bewusstsein bewusst sein“.

    • "Deshalb, ihr Mönche, was für Körperlichkeit, Empfindung, Bewusstsein, Gestaltungen und Erkennen es auch immer gegeben hat, geben wird und gibt, gleichviel, ob in uns oder in der Außenwelt, gleichviel, ob fein, ob gering, ob hoch, ob fern, ob nah: Alle diese Körperlichkeit, Empfindung, Bewusstsein, Gestaltungen und Erkennen sind nicht mein, sind nicht ich, sind nicht mein Selbst…" ("Mahavagga" I,6,45) – … und wem das zu altertümlich klingt, dem sei es frei interpretiert: Es gibt Bewusstsein (im 'herkömmlichen' Sinne), Gedanken, Gefühle, Sinnes-Empfindungen/Erfahrungen, aber es gibt niemanden, der sie hat.

      Urs Schweizer schreibt: "Ein Wissen nach der Wirklichkeit, der wahren Natur unseres Menschseins, ist hilfreich."

      Ist die Behauptung vermessen: dass die WAHRE NATUR des Mensch-Seins ZU WISSEN ein unmögliches Unterfangen ist?

      ( Mal abgesehen davon, dass eine 'Spezialistin', wie die ehrenwerte Frau Wardetzki mit all ihren Ich-Verbesserungs-Methoden – welche bestenfalls einen 'Kleider-Wechsel' ermöglichen mögen, für die Menschen, welche sich mit ihrem jeweiligen 'Ich-Kleid' (zu sehr) identifizieren – betrüblicherweise doch sehr ahnungslos erscheint, wenn Sie auf Eckhart Tolle angesprochen wird…)

      Einige weitere ergänzende 'neuzeitliche' Buch-Empfehlungen zum vortrefflichen Rupert Spira/( Francis Lucille/ Jean Klein) seien bitte erlaubt:

      Elias Amidon, "The Open Path":
      "… die Vorstellung, dass es da mit einem 'Handelnden' einen "Geist in der Maschine" gibt, einen kleinen "Selbst-Gott", der unabhängig vom Rest des Universums eine Wahl hätte…"
      "Wir erschaffen uns zu fast allem eine (Lebens-) Geschichte – und dann leben wir darin."

      Karl Renz, "Erstes und Letztes":
      "Da ist große Not, aber wo ist das 'Ich'?"
      "Leben ist nicht etwas, das geboren sein kann – also von etwas anderem getrennt ist."
      "Es gibt im Sein keinen Besitzer. Das ist Freiheit."
      "Das, was du bist, ist kein Objekt, kein Gefühl, kein Gedanke; somit wirst du dich niemals spüren.
      Eine Selbstberührung ist unmöglich. Du bist unkennbar, unbegreifbar, unberührbar."
      "Wie kann das Sein unter Sein leiden, das ist die Frage."

      Andreas Müller, "Weihnachten hat es nie gegeben":
      "Das 'Ich' sucht Etwas. Es erlebt sich als Etwas und es erlebt alles andere als Etwas. Und es vermutet, dass die Lösung des (scheinbaren) Dilemmas auch Etwas ist."
      "Es passiert nur, was passiert – ohne eine bestimmte Richtung – ohne einen getrennten Grund."
      "Gedanken kommen nicht, Gedanken sind nicht jetzt hier, Gedanken gehen nicht. (Denn) es gibt niemanden, der das erlebt und somit gibt es auch überhaupt keinen Zeit-Raum dafür."

      … mit dem letzten Zitat wird auch darauf hingewiesen – zumindest nach meinem Verständnis -, dass der 'tolle Eckhart' mit seinem 'Jetzt' schon wieder eine Dualität schafft…

      Etymologisch erscheinen folgende Worte doch bemerkenswert:
      Jetzt / itzo / ie zuo / immer zu / immerzu (- ein gegenwärtig, dauernd gedachter Zustand.)
      All(es) / Allheit / Ganzheit
      Das ergibt: Alles ist jetzt . Alles ist immer. (Wo sollte da Raum oder Zeit für etwas Zweites sein?)

      eine erbauliche Lektüre wünschend…

  3. Langsam verblasst der Wind
    Die Wellen werden eben –
    Etwas nur, und es beginnt
    Der Nebel sich zu heben.

    Man sieht jetzt ein Stück weiter,
    So weit, wie man nie sah,
    Schon scheint das Leben heiter,
    Das Ziel den Augen nah.

    Ja, ein Stück Unendlichkeit
    Hat man sich eingefangen,
    da macht sich wieder Nebel breit,
    Von vorn beginnt das Bangen.

    • Die ganze Arbeit verschafft mir langsam Gehör
      So rückt zusammen, was zusammengehört
      Schließe mich an, schiebe es an und schlag ein
      Das, was uns verbindet, liegt auf der Hand
      Liebe und Angst, dies das, man sieht sie uns an
      Wolken in lila Gewand ziehen sich zusammen
      Tiefenentspannt dank Peace an der Wand
      So viel liegengelassen, setzte mich nie wieder ran

      Jeden Tag ein mehr oder minder spontaner Pinselstrich
      Der schneller trocknet, wenn es windig ist
      Die Welt ist klein, hast du mal selber gesagt
      Dann haben wir uns langgemacht und in die Ferne gestarrt
      Jeden Tag, an dem es möglich war man selber zu sein
      Gucke was kommt, stell mich drauf ein

      ich bin bereit dafür
      Alles, was du brauchst ist Feingefühl – sprich dein Gespür
      Nicht, dass du den Scheiß, den du nicht raffst für Esoterik hältst
      Und nachts wach des Lebens schwarze Schäfchen zählst
      Das Studium hatte Lukas nach Bremen verschlagen
      Nebelschwaden, Concordia bis Bremerhaven
      Du kannst es Schicksal nennen, ich würde dazu Leben sagen
      Ein Stückchen Glück versüßt das Warten auf den Lebensabend

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