Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Martin Winiecki (Tamera) und Bilbo Calvez

In Tamera (Portugal) leben und arbeiten ca. 160 Menschen. Dort gibt es ein Kinderzentrum, die „Escola da Esperança” (eine Schule für Kinder und Jugendliche), eine Hochschule für konkrete Utopie und eine Schule für weibliches Friedenswissen.

Parallel dazu verfügt Tamera über ein Ökologie-Zentrum, eine Technologie-Abteilung, eine Abteilung für regionale Autarkie, einen experimentellen Hektar für die Kooperation mit sichtbaren und unsichtbaren Wesen, ein Testfeld für die Entwicklung eines autarken Solarvillage, eine Liebesschule und das Institut für globale Friedensarbeit.

Gründe genug, sich umfassend darüber zu informieren.

Martin Winiecki ist im Alter von 16 Jahren nach Tamera gezogen, auf der existentiellen Suche nach einer besseren Welt. Jetzt arbeitet er in Tamera als Koordinator des Instituts für globale Friedensarbeit.

Vor einigen Wochen haben wir mit ihm in Berlin ein interessantes Gespräch über sein Leben und über das Tamera-Projekt geführt.

https://www.tamera.org/index.html

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Dieses Gespräch ist Teil des Kunstprojektes „Die Bärensuppe“.

Die Auseinandersetzung mit der Vision einer geldlosen Gesellschaft, genauer beschrieben einer dezentralen, nicht monetären Open-Source-Anarchie, bildet den Kern des Projektes.

Die Suppe, der Topf, das Zusammenkommen an einer sozialen Feuerstelle ist dabei die Metapher für eine Gesellschaft, die wieder Empathie statt Ellbogen zum Ziel hat. In die Bärensuppe gibt man, was man will und kann. Herausnehmen darf man, was man braucht und möchte. Gezählt, verglichen oder bewertet wird nicht. Alle „essen“ von der gleichen Suppe, also soll sie schmecken und sie soll für alle ausreichend hergeben. Es geht um das Wiederentdecken des Urvertrauens und um das Erfahren, dass wir alle in unserem tiefsten Inneren miteinander verbunden sind, auch wenn wir es vergessen haben.

Das Projekt „Die Bärensuppe“ besteht zuerst aus einem visuellen Anteil, Interviews mit Menschen, die anders mit Geld umgehen als gewöhnlich. Pioniere dieser in den Augen vieler dringend notwendigen Wende, oder Menschen, die durch ihr Handeln diese Transition ankündigen, vorbereiten, einleiten oder schon leben.

Der andere, analoge Teil, in Form einer Kunstausstellung, wird in Berlin in der Galerie Lite-Haus im September 2016 und im Jugendklub Königstadt im November 2016 präsentiert. Die Besucher werden durch das Agieren in zwei interaktiven Installationen dazu geführt, sich dem Impact des Geldes in ihrem eigenen Leben bewusst zu werden. Die interaktive Hauptinstallation, in dem geldlosen Bereich des Ausstellungsortes, wird den Besuchern die Möglichkeit geben, gegenseitiges Vertrauen zu beobachten und dieses auch selbst zu üben.

Die Ausstellung soll darüber hinaus einen schützenden Rahmen bieten, wo man sich mit diesem Thema, was allergische Reaktionen bei den meisten Menschen auslöst, in Ruhe annähern kann.

Andere Interviews der Bärensuppe:

https://kenfm.de/sendungen/baerensuppe/

https://www.facebook.com/groups/1432650360282037/

Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Enno Schmidt (BGE) und Bilbo Calvez: https://kenfm.de/baerensuppe-enno-schmidt/

Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung mit Raphael Fellmer („Glücklich ohne Geld“): https://kenfm.de/baerensuppe-raphael-fellmer/

Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Jörg Platzer und Bilbo Calvez: https://kenfm.de/projekt-baerensuppe-joerg-platzer-bilbo-calvez/

www.baerensuppe.berlin

https://www.youtube.com/c/bilbocalvez

56 Kommentare zu: “Projekt „Bärensuppe“: Eine Begegnung zwischen Martin Winiecki (Tamera) und Bilbo Calvez

  1. Das Projelt Bärensuppe ist mehr als interessant. Wenn ich das Interview mit dem Bitcoin – Macher denke oder auch das Neueste mit Martin. Dazu einige persönliche Anmerkungen. Mir fehlte die Fragen danach wie die Gemeinschaft in Tamera mit Krankheit (Keinen Schnupfen), Alter und Hinfälligkeit umgeht. Seit Jahren interessieren mich solche Gemeinschaften. In den wenigsten, selbst wenn ich wollte, könnte ich aus rein praktischen Gründen nicht leben. Für mehr als 100 m brauche ich einen rollenden Untersatz, das Bad müsste entsprechend umgebaut werden usw. Und mit zunehmenden Alter (derzeit 70) wird es nicht besser. Auf der Homepage von Tamera sind die unbefestigten Wege, die Stufen zu sehen – für mich ungeeignet.
    Seit ein paar Jahren kommt zu uns jeden Morgen eine Krankenschwester und wickelt meiner Frau und mir die Beine, weil wir keine Stützstrümpfe vertrage. Ende letzten Jahres verabschiedete sich eine Fachkraft und sagte sie zieht in eine christliche Lebensgemeinschaft in den Schwarzwald.Sie hat uns dann erklärt warum.Auf meine Frage ob ich auch dort leben könnte schüttelte sie nur stumm den Kopf. Ihr grenzt Menschen aufgrund ihrer Beeinträchtigungen aus war mein Kommentar. Und das befürchte ich tut Tamera auch, trotz aller schönen Worte von Martin.
    1999 haben meine Frau und ich Portugal bereist. Von Süden nach Norden mit dem Auto abseits der Touristen. Hätte es Tamera in der heutigen Form schon damals gegeben wir wären dort gewesen. Und möglicherweise geblieben, denn der Kopf und das Herz, im doppelten Sinne, funktionieren auchj wenn die Beine nicht mehr wollen.

  2. @ Micha
    “ Zumindest verstehe ich nicht, was daran irgendwie rationaler sein soll. “

    Ich empfehle dazu den Klassiker Piotr Kropotkin „Gegenseitige Hilfe in der Tier und Menschenwelt“, Arno Gruen „Dem Leben entfremdet“ & „Statt Survival of the Fittest: Empathie und Kooperation als Determinanten der menschlichen Evolution“ (erschienen in Jahrbuch für psychologische Forschung 11)

    „In der klassenlosen Gesellschaft wird man jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach keine Sitcoms, McDonalds, SUVs, Fußball-WM, Primark, DSDS oder ähnliches finden. Das sollte man den Menschen dann aber im vornherein auch klar sagen. “

    Und das alles willst DU? 😉
    Bitte betrachte dazu die Verbesserungen durch die Kollektivierungsprozesse in der spanischen Revolution 1936, bspw. was das Kulturangebot und dessen Zugänglichkeit für die Arbeiterklasse anbelangt. Es ist deutlich gestiegen, statt wie du behauptest, gefallen. Das Straßenbahnnetz von Barcelona wurde zur selben Zeit selbstorganisiert betrieben – das sind tausende Mitarbeiter, die sich in einem horizontal aufgebauten Betrieb koordiniert haben 😉
    Es gibt grade heute zahlreiche Projekte in Griechenland die als Selbsthilfemaßnahme von den Mitarbeitern selbst geführt werden.
    Der Kapitalismus und der Zentralismus haben zu keiner Zeit im Leben des Menschen zur technischen Entwicklung beigetragen, sondern sie behindert. Das autoritäre Prinzip, verkörpert durch Eliten bzw. den Staat waren nie Träger der kulturellen Entwicklung oder des technischen Fortschritts, egal was sie behaupten.
    Dazu empfehle ich Rudolf Rocker „Nationalismus und Kultur“ bzw „Die Entscheidung des Abendlandes“.

    Ich selbst arbeite mit einigen Leuten an dem Errichten eines Kollektivbetriebes. Wenn das klappt kann ich dir mehr aus meiner eigenen Erfahrung erzählen – so kann ich nur auf Texte verweisen. Das ist natürlich scheiße, weiß ich. Aber wenn man es mal erlebt hat, dann will man nichts anderes mehr – wenn man weiß wie es sich anfühlt ohne einen Chef im Nacken mit den Kollegen gemeinsam zu arbeiten – Geil!
    Ich habe diese Erfahrung in einem selbstorganisiert geführten Logistikunternehmen gemacht und muss sagen, dass es ein fundamentaler Unterschied ist. Du fühlst dich nicht wie der gestresste Handlanger, sondern selbst wie ein Mensch unter Menschen. Alles fließt, weil man sich absprechen kann – es geht nich darum mit Gewalt Befehle oder Zahlen gegen die eigenen Bedürfnisse durchzudrücken. Arbeiten kann auf diese Weise Spaß machen. Eine echte Freude sein. Ob man’s glaubt oder nicht 🙂

    • Obwohl ich zugegebenermaßen keine blasse Ahnung von den „Kollektivierungsprozesse[n] in der spanischen Revolution 1936“ habe, wage ich zu behaupten, dass das Spanien der 40er Jahre, was das Wohlstandsniveau anbelangt, sicherlich in keiner Weise mit dem Spanien des Jahres 2016 oder irgendeinem anderen OECD-Mitgliedsstaat zu vergleichen ist. Zur damaligen Zeit hatten die Menschen dort sicherlich nur zu gewinnen. Heute ist die Situation aber grundsätzlich anders. Heute profitiert selbst noch der letzte Hartz-4-Empfänger (war ich selbst eine Zeit lang, weswegen ich mir diese Aussage erlauben darf 🙂 ) vom heißgelaufenen Turbokapitalismus dieser Tage. Selbst dann, wenn die relative Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinandergedriftet ist, ist die Produktivität dieses Systems insgesamt so dermaßen gigantisch und überschießend, dass selbst ein paar hingeschmissne Brotkrumen noch ausreichen, um den Lebensstandard der 40er Jahre in Spanien zu übertreffen. So zumindest meine These. Das wird wohl auch einer der Gründe sein, warum in den saturierten – und wie ich finde, doch recht dekadenten – Gesellschaften des Westens nicht so wirklich eine revolutionäre Stimmung aufkommen mag. 🙂

      Sry, aber das der Kapitalismus weniger produktiv als der Sozialismus wäre, halte ich für Quatsch. Wenn der Kapitalismus irgendwas ist, dann produktiv. Das ist ja gerade das Problem. Genau deswegen ist er ja gerade dabei, den gesamten Erdball aufzufressen.

    • @sportivo Ich möchte vielleicht nochmal deutlich machen, dass ich alternative Gesellschaftsmodelle, wie die klassenlose Gesellschaft, insofern sie freiwillig von engagierten Menschen betrieben werden, für ehrenwerte Angelegenheiten halte. Man sollte sich nur nicht der Illusion hingeben, die Mehrheit der Menschen in eine bestimmte Richtung lenken zu können. Die Mehrheit sagt (schreit) offenkundig Primark, endloses Wirtschaftswachtum, McDonalds, SUVs, Smartphones usw. Und das wird sie genau so lange tun, bis es nicht mehr geht. Dann ist es aber leider zu spät. Und wir müssen das ganze ausbaden. Schon traurig…

    • Ich bedanke mich für den Hinweis auf Piotr Kropotkin. Habe folgendes von ihm gefunden, was ja an sich genau dem entspricht, was Martin Winiecki hier nach Sekunde 58 etwa über seine Weltanschauung mitteilt- und was übrigens auch meiner eigenen entspricht. Ich fand es immer widerlich überheblich, wie der heutige degenerierte Zivilisationsmensch sich moralisch über die Tiere und den Urmenschen erhebt, indem er ihnen genau diejenige Verrohung und Ungerechtigkeit unterstellen will, zu der er selbst verwahrlost ist, ohne es sich bewusst gemacht zu haben.

      „…darin beschrieb Kropotkin, wie- im Gegensatz zu den Ansichten Thomas H.Huxleys und Herbert Spencers- die Sittlichkeit bereits bei Tieren und Urmenschen vorhanden sei. Aus dieser Sittlichkeit entwickelte sich dann im Laufe der Evolution das Gerechtigkeitsgefühl und schließlich das Gefühl des Altruismus…“

      Schade, dass in dem Zusammenhang bisher nie der mir so sympatische italienische Anarchist Errico Malatesta erwähnt wird. Bei Wiki steht zwar, dass er Gewalt im Kampf für Gerechtigkeit nicht ausgeschlossen habe, aber an seinem eigenen, wie ich finde, vorbildlichen Leben kann man Gewalttätigkeit nirgends herauslesen. Im Gegenteil.

    • @ Micha
      Ich wiederhole mich ungern 🙂
      Bitte die Bücher lesen und nicht einfach alles nachreden, was du irgendwann mal aufgeschnappt hast. Alles was du behauptest, hat mit der Realität nichts zu tun.
      Noch nie hat der Kapitalismus irgendwas produziert. Das steht in gar keinen technischen Zusammenhang.
      Es sind Menschen die was produzieren, und das war immer so.
      Dem Kapitalismus kannst du keine Schaufel in die Hand drücken und ihm sagen, er solle eine Straße bauen….
      Man nennt deine Sicht eine Abstraktion. Diese wird von den Herrschenden propagiert, damit du und wir alle aufhören die Realität so zu sehen, wie sie ist. Das Resultat ist, dass wir uns automatisch an den Blickwinkel der Herrschenden gewöhnen und unsere eigenen Bedürfnisse völlig über Bord werfen.
      Man merkt auch, dass du gar keine Beweise anführst. Ich nenne dir Ereignisse und verweise auf Literatur und du sagst immer nur „Heiliger Kapitalismus, Heiliger Kapitalismus, …“
      Hier nochmal kurz, damit du verstehst, was Kapitalismus ist und was Menschen sind:
      Kapitalismus heißt, dass die Eigentümer der Produktionsmittel, das Unternehmertum, den Mehrwert der Arbeit der Arbeiter durch die Löhne, deren Höhe sie bestimmen und die Preise deren Höhe sie bestimmen abschöpfen. Eine Klasse von Eigentümern beutet eine andere Klasse von Lohnabhängigen aus. Das heißt Kapitalismus und das heißt Klassengesellschaft.
      Kannst du mir mal sagen, wo du da die Produktionstechnik drin wiederfindest?????
      Produktionstechnik entwickelt sich weiter – ob Kapitalisten das nun wollen oder nicht. Man kann keinem Menschen Geld geben und dann hat er eine zündende Idee.
      Man kann Kultur und Fortschritt nicht befehlen. Da können sich Kapitalisten oder andere Machthaber auf den Kopf stellen – sie können soviel Geld sie wollen in den Arsch einer Person stecken – trotzdem werden sie nie verhindern können, dass derjenige mal nicht mit Innovationen glänzt und andererseits kann ein verarmter Bergbauer in China einen Einfall haben, der die ganze revolutioniert…. also ist Innovation, ein Prozess IM MENSCHEN nicht im Lohnsystem. Produktion ist ein Prozess durch den Menschen.
      Verstehst du jetzt den Unterschied? Wir Menschen sind produktiv. Der Kapitalismus ist was ganz anderes – aus Kapitalismus kannst du keine Maschine bauen, Kapitalismus betreibt auch keine Maschine und Kapitalismus kann man auch nicht essen. Kapitalismus heißt nur die ungerechte Verteilung nach der Willkür des Eigentums.
      Wie ich oben gesagt habe, das sind alles Abstraktionen, die die Realität so verschleiern, dass wir sie aus den AUgen verlieren. Ist das geschehen werden wir zu Leuten die die Umstände nicht mehr verändern wollen, sondern sie nur noch bestätigen. Ein Zombie-Dasein.

      Wenn du Bock hast, dann lies auch Pierre-Joseph Proudhon „Was ist das Eigentum?“ Mir wars stellenweise etwas zu undurchsichtig, aber ich selbst habe trotzdem daraus viel lernen können.

    • @sportivo Mir ist klar, dass der Kapitalismus kein eigenständiges Subjekt sondern eine Abstraktion ist… Es ist bloß ziemlich anstregend, jedes Mal, wenn ich Kapitalismus meine, ausführlicher Weise schreiben zu müssen: „die Art und Weise, wie Menschen in einem kapitalistischen Gesellschaftszusammenhang gesellschaftlichen Reichtum produzieren und verteilen“ oder ähnliches.
      Mir ist auch klar, dass Gesellschaftssysteme wie der Kapitalismus letztlich das Ergebnis willkürlicher menschlicher Einzelhandlungen bzw. Interaktionen sind und kein dicker Globus mit Smiley-Gesicht und zwei dicken Dollarzeichen als Augen. Das ist aber aus meiner Sicht so offensichtlich, dass ich das nicht jedes Mal betonen muss.
      Dementsprechend meinte ich also bei der Aussage, dass der Kapitalismus in seiner Produktivität dem Sozialismus überlegen sei, ausführlich aufgeschlüsselt, dass die Art und Weise, wie in dieser Gesellschaftsform von Menschen gesellschaftlicher Reichtum produziert wird, derjenigen überlegen ist, die im Sozialismus angewandt wird. Warum das nun so ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
      Ich halte es für ziemlich offensichtlich, dass der Umfang an technischen Innovationen und die absolute Steigerung des materiellen Wohlstands, innerhalb dieses Gesellschaftssystems, alles aber auch wirklich alles andere was es jemals vorher gab bei weitem in den Schatten stellt.
      Die Ausbeutung habe ich überhaupt nicht thematisiert, weil ich sie für meine persönliche Betrachtung nicht benötige. Mich interessiert eher der ökologische Aspekt an der Tatsache, dass dieses Gesellschaftssystem durch seinen eingebauten Wachstumszwang einer Art vorprogrammierten Selbstzerstörung folgt.
      Mir gefällt es irgendwie nicht, dass ich hier als der große Verfechter des Kapitalismus hingestellt werde. Ich hab an keiner einzigen Stelle den Kapitalismus gelobt. Aus meiner Sicht ist die wirtschaftliche Überlegenheit des Kapitalismus gerade ein massiver Nachteil.

      Jedenfalls glaube ich, dass dieses Gesellschaftssystem durch seine massive Wohlstandssteigerung und die damit einhergehende Bevölkerungsexplosion sämtliche Brücken hinter sich zu einer humanen Gesellschaftsform abgerissen hat, die mit 7 – 10 Milliarden Menschen zwar rein technisch machbar wäre, jedoch aus meiner Sicht nicht wirklich erstrebenswert ist, da ich in keinem totalitären Ameisenstaat leben will. Deswegen breche ich auch keine Lanze für den Sozialismus.

    • @sportivo Und nebenbei verbitte ich mir solche oberlehrerhaften und besserwisserischen Belehrungen wie „damit Du verstehst, was Kapitalismus ist und was Menschen sind“. Obwohl ich mittlerweile gelernt habe, dass so eine Haltung gegenüber Andersdenkenden gang und gäbe bei linksradikalen Zeitgenossen ist, frage ich mich trotzdem: Was soll das? Ähnlich würde vielleicht ein IS-Soldat mir gegenüber Formulieren: „Damit Du verstehst, was der Koran und was Menschen sind.“, bevor er mir die Kugel gibt. 🙂

    • @ Micha
      (sorry, wurde gelöscht)
      Beweise bitte die Wohlstandssteigerung. Bisher habe ich keine Beweise bei dir gelesen. Und beweise sie für ALLE Menschen, denn du hast sie ja allgemein und pauschal ins Feld geführt.
      Also auch für die Textilproduzenten in Bangladesh, Zeitarbeiter in Deutschland, usw.

      Viel Spaß 😉

    • @nuevo1 Da haben wir uns vielleicht falsch verstanden. Ich schrieb von einer „absolute[n] Steigerung des materiellen Wohlstands“. Dass aber nicht alle 7 Milliarden Menschen von dieser Steigerung gleichmäßig partizipieren, sieht selbst ein taubstummer Blinder. Das habe ich auch nicht behauptet. Für meine persönliche Betrachtung, bei der es um die ökologischen Konsequenzen der stetigen Steigerung von Ressourcen-, Energieverbrauch und Schadstoffemission geht, verursacht durch das zwingend benötigte Wirtschaftswachstum, spielt die Verteilung des materiellen Wohlstands erstmal keine Rolle.

      Mit der Bemerkung, dass „selbst noch der letzte Hartz-4-Empfänger“ von diesem Gesellschaftssystem profitiert, bezog ich mich auf den Wohlstand innerhalb der BRD im Speziellen und den Wohlstand aller anderen OECD-Mitgliedsstaaten im Allgemeinen. Das gilt für die Näherin in Bangladesch selbstverständlich nicht.

      Ich stelle mir (als unbedeutender Leihe) die Frage (was ja mein gutes Recht ist), was es konkret bedeuten würde, die Gesellschaft entsprechend folgender Punkte umzustrukturieren:
      1. Absolut gleichmäßige Verteilung des materiellen Wohlstands auf 7 – 10 Milliarden Menschen.
      2. Reduktion der Lebensstandards aller 7 – 10 Milliarden Menschen auf ein ökologisch nachhaltiges Maß.
      Dabei bin ich (als unbedeutender Leihe und ehemaliger Hartz-4-Empfänger) zu dem Schluss gekommen, dass es, um das erste Ziel zu erreichen, wohl zu einer gewaltsamen und zentral koordinierten Umverteilung bzw. Enteignung kommen müsste. Weiter müsste es eine dauerhafte, zentral koordinierte, global agierende Gewalt geben, welche für die Einhaltung des 2. Ziels sorgt. Wer sonst sollte sie Menschen davon abhalten, nicht einfach wieder von neuem immer größere Mengen an Reichtum anzuhäufen bzw. ihren Ressourcenverbrauch und ihre Schadstoffemmisionen wieder zu steigern?

      Diese hässlichen Implikationen ergeben sich aus meiner Sicht nur in einer Welt aus 7 – 10 Milliarden Menschen.

    • @nuevo1 Ich möchte nochmal die Schizophrenie deutlich machen, die im letzten Absatz meines letzten Posts deutlich wird. Um eine vermeintlich humanere Gesellschaftsform zu schaffen, muss, unter den gegebenen Bedingungen (7 Milliarden Menschen), auf vollkommen inhumane Methoden zurückgegriffen werden. Nebenbei wäre es paradoxer Weise genauso inhuman, allen 7 Milliarden Menschen dasselbe Wohlstandsniveau zu verschaffen, wie einem durchschnittlichen US-Amerikaner. Das hätte nämlich unweigerlich den Kollaps des Ökosystems zur folge. Wenn aber das Ökosystem kollabiert, ist auch die Überlebensgrundlage menschlicher Gesellschaften verloren, womit sich die Menschheit automatisch unter inhumansten Bedingungen selbst dezimieren würde.

      Man kann die Sache also irgendwie drehen und wenden, wie man will. 🙂

    • @nuevo1 Wenn man meine persönliche Sichtweise noch weiter runterbrechen will, dann haben wir im Grunde genommen 2 Möglichkeiten, um auf diesem Planeten zu überleben:
      1. Eine Ökodiktatur (insofern wir 7 – 10 Milliarden Menschen versorgen wollen)
      2. Eine Dezimierung der Menschheit auf maximal 1 Milliarde Menschen (vielleicht durch einen 3. Weltkrieg ?!?) und eine strenge Geburtenkontrolle, um sicherzustellen, dass die Bevölkerungszahlen nicht wieder steigen.
      Ich persönlich tippe eher darauf, dass eine Spielart der 2. Variante eintreten wird. Die 1. Variante wäre ohnehin nicht besser…

      Das worst-case-Szenarion wäre natürlich, es geht einfach alles so weiter wie bisher. Dann erwartet uns nichts anderes als der Ökozid. Das ist wahrscheinlich mit Abstand die beschi**enste Variante.

    • @ Micha:

      Ah ok – Malthus-Anhänger.
      Ich will sehen, wie du das mit dem Töten übernimmst… Klassischer Fall von Überkompensation persönlicher Ohnmacht.
      Naja, „Das Boot ist voll“ kennen wir ja schon. Hat ja schon damals nur den Zweck gehabt, die Herrschaft und Ausbeutung zu rechtfertigen – im Sinne „die Minderwertigen sollen für die höherwertigen arbeiten und früh sterben, sonst wird es auf der Welt zu eng…“
      Der Adolf hat dann gerne diese Thesen aufgenommen und in seine eigene kleine Theorie umgeformt. Deshalb fand ihn das Bürgertum auch super.
      Du bist so einer, der, ohne es zu wissen, gerne mit dem bekloppten Marx und dem spinnerten Hegel (bürgerliche Denker) kommt, wenn es beispielsweise um die „historische Unausweichbarkeit“ geht, mit der du deine Zukunftsphantasien konstruierst.
      Heute gibst du als Vertreter des alten Schmarrns dem ganzen den modernen „Öko“-Anstrich.
      Damals ging es um „Volk“, „Lebensraum“ und „Rasse“, heute um eine verzerrte, gegen die Arbeiter gerichtete „Ökologie“ – das Ergebnis ist das selbe. Du bist auf der Seite der menschenverachtenden Herrschenden und willst für sie die Drecksarbeit machen, Dinge zu befürworten (zum Beispiel hier in so einem Forum), die – warte, wen wundert’s? – gegen die Masse der Abhängigen gerichtet sind! Sehr mutig!

      Fehler in deiner Argumentation sind also keine Fehler, sondern Glaubensbekenntnisse. Und deshalb komme ich auch nicht dagegen an, mit Argumenten. Denn genau da machst du ja dicht, damit dieses Weltbild funktioniert.
      Deshalb hast du auch einem menschenbezogenen (und damit genauso Ökologie-bezogenen!) System wie der Bedarfswirtschaft Irrationalistät unterstellt.
      Gemeint ist die „Irrationalität“ im Sinne der Reichen – von ihrem Lebenswandel abzurücken, abrücken zu müssen. Das sehen die als „irrational“ an – schon klar.
      Ok, lieber Micha – dann hätten wir das ja geklärt. Schade, ich dachte das wird hier noch konstruktiv.

    • @nuevo1 Erstmal habe ich fast alles, was ich hier geschrieben habe, mit dem Zusatz „meine persönliche Sichtweise“ versehen. Falls ich es an manchen Stellen vergessen haben sollte, bitte ich um Entschuldigung. Wenn das aber wirklich alles so ein „Schmarrn“, so „bekloppt“ und so „spinnert“ sein sollte, wie Du es darstellst, dann sollte es Dir ja nicht besonders schwer fallen, konkret auf meine Aussagen im Einzelnen einzugehen und sie zu widerlegen. Und nebenbei frage ich mich wieder mal, warum Du es offenbar nötig hast, auf Beleidigungen zurückzugreifen, obwohl Du doch vorgeblich die besseren Argumente hast. Für mich klingt das vielleicht mehr nach jugendlicher Überheblichkeit?!?. 🙂

      Es würde mich aber nach wie vor trotzdem sehr interessieren, wie Du die 2 von mir genannten Problemstellungen bewältigen würdest:
      „1. Absolut gleichmäßige Verteilung des materiellen Wohlstands auf 7 – 10 Milliarden Menschen.
      2. Reduktion der Lebensstandards aller 7 – 10 Milliarden Menschen auf ein ökologisch nachhaltiges Maß.“
      Oder kann es vielleicht sein, dass Du die Existenz von Grenzen bezüglich der Kapazität natürlicher Ressourcen und Schadstoffsenken generell leugnest? So wie es bspw. auch die Leute von der Tea-Party oder der AfD machen? Dann haben wir in der Tat wirklich nicht viel zu bereden. 🙂

      Mir gefällt ehrlich gesagt auch deine gesamte missionarische Grundhaltung nicht, die allen anderen, die einer anderen Auffassung als Du selbst sind, Glaubensbekenntnisse, Dummheit oder ähnliches unterstellt. Du selbst siehst dich aber selbstverständlich, mit deinem eigenen Glaubensbekenntnis zu einer funktionierenden „klassenlosen Gesellschaft“, im Besitz der absoluten und ewigen Wahrheit. Sry, aber das ist doch irgendwie alles lächerlich. 🙂

    • @nuevo1 Zu suggerieren, ich würde den frühen Tod der „Minderwertigen“ zu Gunsten der „Höherwertigen“ befürworten, ist absolut aus der Luft gegriffen. Wenn ich deine Definition von Minder- und Höherwertig richtig deute, dann beziehst Du das wahrscheinlich, in der heutigen Situation, auf die Menschen der wohlhabenden Industrienationen im Verhältnis zu denen der armen Entwicklungsländer. Im Zusammenhang mit einer maximal tragbaren Bevölkerungszahl für diesen Planeten habe ich jedoch nie irgendeinen Hinweis auf die Zusammensetzung dieser Bevölkerung gegeben. Um das nun der Vollständigkeit halber nachzuholen, spielt es für das Ökosystem keinerlei Rolle, ob die Menschen, die es übernutzen, nun aus Deutschland, der USA, Gambia, Äthiopien oder China kommen, eine helle Haut oder eine dunkle Haut haben, schwerstbehindert sind oder Olympiarekorde brechen, klug oder dumm sind usw. Das alles hat für das Ökosystem null Relevanz. Höchstens vielleicht für den Menschen selbst. Für das Ökosystem spielt einzig und allein der absolute Ressourcenverbrauch und Schadstoffausstoß dieser (wie auch immer gearteten Menschen) eine Rolle. Wenn 7 Milliarden Menschen den Lebensstandard eines durchschnittlichen Kubaners bzw. 10 Milliarden den eines durchschnittlichen Inders innerhalb einer Ökodiktatur fristen müssen, ist es für das Ökosystem exakt dasselbe, als ob 1 Milliarde Menschen auf dem Niveau eines heutigen US-Amerikaners leben würden. Diese Art der Verteilung spielt einzig und allein für den Menschen eine Rolle, der eben bestimmte kulturelle Vorstellungen von einem „guten Leben“ hat.

    • @nuevo1 Das folgende Zitat von Richard von Weizsäcker (ehemaliger Bundespräsident der BRD) kann meinen Standpunkt ganz gut zusammenfassen:
      „Der Mensch braucht die Natur, die Natur den Menschen nicht. Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance.“

    • @nuevo1 Da ich gerade ein lustiges Survival-Handbuch lese (wahrscheinlich das sinnvollste was man dieser Tage machen kann), kann ich es mir nicht verkneifen, einen Ausschnitt zu zitieren, der an dieser Stelle nicht passender sein könnte. Der Ausschnitt ist aus dem Unterkapitel „Mentale Krisen“ und benennt 4 Phasen der Reaktion der menschlichen Psyche auf Katastrophen:

      Bedrohungsphase
      Diese Phase hat 2 Stadien:
      – Bedrohung: Die Gefahr ist für alle, die sie wahrnehmen, klar erkennbar. Andere reagieren mit Leugnung und Passivität.
      – Warnhinweise: Die Gefahr ist jetzt für alle offensichtlich; die wahrscheinliche Reaktion ist Überaktivität.

      Akutphase
      Diese Phase birgt die größten Gefahren. Laut Statistik treten folgende drei Reaktionsweisen auf:
      – 10 – 20% der Betroffenen bleiben ruhig und haben sich unter Kontrolle.
      – Bis zu 75% zeigen Schockreaktionen und sind unfähig zu rationalem Handeln.
      – 10 – 25% reagieren extrem, z.B. mit Schreien.

      Verarbeitungsphase
      Die Verarbeitungsphase folgt unmittelbar auf die Akutphase, z.B., wenn Schiffsbrüchige das sinkende Schiff verlassen und ein Rettungsboot erreicht haben. Diese Phase kann bis zu drei Tage dauern und ist in der Regel durch die allmähliche Rückkehr zu logischem Denken, klarem Bewusstsein und dem Ausdruck von Gefühlen charakterisiert.

      Posttraumatische Phase
      Wenn das Trauma nicht erfolgreich verarbeitet wird, können psychische Störungen auftreten. Die ganze Tragweite des Ereignisses wird jetzt realisiert. Symptome können sein: Schuldgefühle, Depression, Ansgt, Gefühle der Sinnlosigkeit und des Verlusts. Dies wird auch Posttraumatische Belastungsstörung genannt.

      Wenn das derzeitige Katastrophenszenario der drohende Ökozid ist, dann halten sich die Tea Party, die AfD und viele andere Leugner der Begrenztheit natürlicher Ressourcen und Schadstoffsenken, wohl noch im 1. Stadium der der 1. Phase auf. 🙂

  3. Ich möchte sportivos Literaturvorschläge noch ergänzen: Aus den Büchern von David Graeber (Schulden, die ersten 5 000 Jahre z. B.) kann man einiges erfahren über funktionierende anarchistische und klassenlose Gesellschaften erfahren, die es gab und Teils immer noch gibt. als Anthropologe kann er auch erklären, wie und unter welchen Bedingungen sie funktionieren und was ihre Schwächen sind.
    Auch die Veröffentlichungen und Vortrage von Gerald Hüther (Hirnforscher u. A.), die zeigen, dass Menschen durchaus zu selbstbestimmtem Leben in einer anarchistischen (herrschaftslosen) Gesellschaft fähig sind ohne dass das Chaos ausbricht.

    • Ich habe mir einen kleinen Vortrag von Gerald Hüther im Netz angeschaut. Hat mir gut gefallen, obwohl mir das alles im Prinzip schon lange bewusst ist, dass Menschen nicht als die Monster geboren werden,in die sie sich in dieser kranken Gesellschaft dann meistens verwandeln. Was aber der Geist dieses Gerald Hüther mit den Texten von @sportivo zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel!

    • Ich kenne den Graeber nicht. Ist der gut? Schreibt der auf solider historischer Grundlage oder eher so selbstbezogen/soziologisch/intellektuell?
      Gibt es praktische Ratschläge für den Einzelnen, die Verhältnisse umzugestalten?

  4. Wieder ein sehr interessanter Beitrag. Vor allem das hohe Maß der Selbstreflektion zu sich selbst als auch den Projekten finde ich beeindruckend und immens wichtig. In der Psychologie nutzt man für sowas das Johari-Fenster. Vertrauen zu fassen und es wieder zu lernen ist wohl eine der schwierigsten Hürden die die Gesellschaft meistern muss… Und auch eigene Leistung zu würdigen – unabhängig von einer Zahl und dem Applaus anderer. In den Spiegel schauen und stolz sein auf sich und das eigene handeln. Und wenn dann noch viele andere Spiegel einem dabei helfen das zu erkennen gibt das doch wieder Hoffnung. Danke Bilbo, Martin und natürlich an KenFm.

  5. Dieses Projekt finde ich als ungemein wertvoll für unsere Gesellschaft. Denn so, wie es die letzten 2.000 Jahre lief, kann es nicht weitergehen. Wohin uns das führte, das sehen wir derzeit. Wir brauchen eine reine Friedenskultur, der sich alles unterordnet. In Zukunft sehe ich den Menschen rein als Forscher mit dem Lebensziel des geistigen Wachstums!
    Und wenn ich hier einige negative Gedanken dazu lese, jedoch keinerlei Vorschläge, wie es anders laufen könnte als jetzt, dann tut es mir auf eine Art Leid. Denn meckern können viele, jedoch Sinniges einbringen nur ganz wenige… hmmm… woher kann dies kommen?!
    KenFM befasst sich mit den Themen der Aufklärung, was sehr wichtig ist im 1. Step. Doch im 2. Step braucht es auch Visionen für eine neue Welt! Dafür meinen lieben Dank und Bitte weiter so!!!

  6. Lieber Martin Winiecki! Wenn ich mir vorstelle, dass ich als legitimer „Spiegel“ bei Euch in der Gemeinschaft fungierte, so würde ich Dir jetzt sagen, dass Du Deine Sprache sehr gut entwickelt hast und Du so alles gut nachvollziehbar darstellen kannst, auch was Dich selbst betrifft. Ich würde Dich aber auch fragen(müssen), warum Deine Stimme meistens so hart und kratzig klingt, dass ich hier zwischendurch immer mal wieder abstellen musste bisher(bin erst bei Sekunde 58). Es kommt mir so vor, als ob diese gepresste Stimme durch irgendeine innere Beklemmung bei Dir ausgelöst würde. Ich schau mir später den Rest noch an und hoffe, dass sich das noch ein bisschen auflöst. Was bis jetzt über Tamera bei mir rübergekommen ist: Ein wichtiges, interessantes Projekt, das für manche gute Entwicklungsmöglichkeiten enthalten kann, aber sicherlich auch nicht ohne Mühsal ist. Es ist eben, wie jetzt überall, ein Überlebenskampf. Ich wünsche Euch hier schon einmal viel Glück und Erfolg weiterhin. Ich sehe solche Projekte auch wie „Naturschutzgebiete für Menschen, für menschliches Zusammenleben “ und deshalb auf jeden Fall unterstützenswert.

    • So, ab Sekunde 58 wurde es dann immer spannender und jetzt zuletzt am Ende bin ich hellauf begeistert von der Klarheit und Weitsicht dieses doch relativ jungen Mannes! Wir hier haben ziemlich exakt die selbe Art Hoffnung, wie Martin und ich könnte diese wohl auch nicht klarer in Worte fassen, als wie Martin das hier getan hat. Ich denke und schreibe selbst auch schon seit zig Jahren über das Phänomen Gewalt in unseren Menschengesellschaften und ich denke schon lange, dass diese Gewalt – der Glaube daran, die grundlegende Erkrankung der Menschheit ist.

  7. „Ich war 16 damals. Ich habe die Schule abgebrochen und bin nach Tamera gegangen, habe eine dreijährige Ausbildung absolviert als Friedensarbeiter.“

    An der Stelle mußte ich herzlich lachen und hätte beinahe schon abgebrochen, bevor 2 Minuten vergangen waren. Ich habe dann noch eine Weile durchgehalten, aber irgendwann wurde es mir zuviel. Das völlig weltfremde Gerede ist unerträglich, das Zuhören Zeitverschwendung.

    Ich teile die Auffassung von Micha. Solche Projekte sind immer nur von wenigen durchzuführen und nur in kleinen Oasen innerhalb des herrschenden Systems. Sobald man es auf große Gruppen oder gar auf einen ganzen Staat zu übertragen versucht, bricht die schöne Phantasiewelt zusammen. Aber der Versuch könnte gar nicht erst durch begonnen werden, weil die Herrschenden und Profiteure des jetzigen Systems niemals freiwillig ihren Platz räumen würden.

    Ich habe verstanden, daß KenFM nicht nur knallartige Aufklärung über politische Zusammenhänge bringen will, sondern auch „alternative Modelle“ präsentieren möchte. Mir scheint aber, das geht nicht gut, „Bärensuppe“ ist ein störender Fremdkörper im KenFM-Programm. Mit solchen utopischen Ideen wird die ganze andere Arbeit abgewertet.

    • „Bärensuppe“ ist ein störender Fremdkörper im KenFM-Programm. Mit solchen utopischen Ideen wird die ganze andere Arbeit abgewertet.

      Da fehlt was: Meiner Meinung nach ist „Bärensuppe“ ein störender…

      Dass andere Menschen das anders sehen, ist wohl schon noch erlaubt, oder? Ich beispielsweise schätze dieses Projekt und das Vorstellen „utopischer Ideen“…

    • Tut mir leid, war über’s Ziel hinausgeschossen.

      Ich versteh‘ nur die Aufregung nicht (siehe auch Lidadine und div .Kommentare auf youtube…): Wenn mir persönlich was nicht gefällt, muss ich es mir ja nicht anschauen.

      Daraus aber eine generelle Verurteilung und Herabwürdigung zu stricken, finde ich nicht in Ordnung. Solange nichts Schlimmeres passiert als dass ein Portal eine Sendung veröffentlicht, die mich nicht interessiert…

    • Ganz so „weltfremd“ kann das, von dem da berichtet wird, nicht sein – immerhin funktioniert es seit 20 Jahren in der realen Welt. Ich finde Projekte wie Tamera extrem wichtig, weil sie in der Praxis neue Wege erproben und ihr erarbeitetes Wissen auch teilen. So ausbeuterisch und zerstörerisch wie wir angeblich ‚zivilisierten‘ Menschen immer noch leben, kann und soll es nicht weitergehen. Aber es werden kaum Ressourcen für Friedensforschung bereit gestellt. Hier schliessen alternative Projekte wie Tamera eine für unser aller Zukunft entscheidende Forschungs-Lücke.

      Man muss das ja nicht alles toll finden. Aber es wäre doch schön, wenigstens anzuerkennen, dass sich da Menschen wichtige Fragen stellen und mögliche Lösungen mit vollem Einsatz angehen. Ich persönlich sehe es so, dass uns Bilbo Calvez und ihre Gesprächspartner hier ein ausserordentlich wertvolles Geschenk machen. Mich inspirieren die Bärensuppen sehr und ich bin dankbar dafür! 🙂

    • Ist doch klar, daß es meiner Meinung nach so ist; darauf muß man nicht jedesmal ausdrücklich hinweisen. Selbstverständlich haben andere Menschen andere Meinungen. Bestimmt gibt es Menschen, die solche gutmenschlichen Utopischen im großen Stil für realisierbar halten. Es gibt ja auch UFO-Jäger und Leute, die an Reptiloiden glauben.

      Wer sich lieber mit solchem Unsinn befaßt statt mit wichtigen Dingen, möge das tun. Aber ich sorge mich um die generelle Glaubwürdigkeit von KenFM. Seit einigen Wochen ist irgendwie der Wurm drin.

    • Hier kann ich mich @Claudia C. auch mal meinungsmäßig voll anschließen! Ich finde es reichlich arrogant und intolerant, hier Beiträge derart herabzuwürdigen, die von engagierten Menschen mit Mühe, Arbeit und Zeitaufwand erstellt wurden. In einer Gesellschaft, wo nur solche Leute das Sagen haben, möchte ich auf jeden Fall nicht leben.

    • Wie soll sich jemand äußern, der eine Sache für bescheuert hält? Soll er einfach nur den Mund halten? Wäre das dann die erwünschte Toleranz?

      Meiner Meinung nach schadet „Bärensuppe“ dem Projekt KenFM, obwohl die Beteiligten ihr Herzblut und viel Arbeit daran setzen. Tut mir leid, ich empfinde das so. Hier liegt eine zunehmende Verzettelung vor, die auf die Dauer nicht durchgehalten werden kann. Man sieht ja, daß etliche Zuschauer sich von dem utopisch-esoterisch-hippieähnlich-gutmenschlichem Zeug (oder wie man es nennen soll) grundsätzlich befremdet fühlen, während bei anderen Themen mehr inhaltlich diskutiert wird. In letzter Zeit habe ich sogar den Eindruck, daß wichtige Sachen durch weniger wichtige (höflich ausgedrückt) ersetzt werden. Vielleicht ist Ken Jebsen einfach nur in Urlaub.

      War da nicht irgendwas in Frankreich und in der Türkei? Wie sieht es eigentlich in Syrien und im Irak aus? Was ist von der Annäherung der Türkei an Rußland und Israel zu halten? – Ist wohl nicht so wichtig.

    • Zitat „Solche Projekte sind immer nur von wenigen durchzuführen und nur in kleinen Oasen innerhalb des herrschenden Systems“
      Da hast du recht, das sagt Martin Winiecki im Laufe des Gesprächs selber (hast zu früh abgeschalte?).
      Es geht ja auch nicht darum, solche Systeme auf Staatsgebilde zu übertragen (was ja nicht möglich ist, wie im Gespräch selber auch betont wird), sondern darum, Keimzellen für Neues zu schaffen. Viele kleine Alternativen können die Welt auch verändern. Vielleicht sogar besser, weil sie von den Herrschenden nicht so leicht bekämpft werden können, wie eine einzige große Bewegung, in die nur einfach ein paar Agent Provocateurs eingeschleust werden müssen, um sie kaputt zu machen oder abzulenken.
      Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, praktikable Alternativen zu finden besser, wenn viele unterschiedliche Bewegungen auch viele unterschiedliche Wege gehen- eine oder einige davon werden richtige Wege gehen, die anderen werden/können scheitern, ohne dass gleich alles verloren ist.

    • @vizero13 So gesehen könnte ich den Sinn der Sache so deuten, dass sich dieses und ähnliche Projekte als einzig überlebensfähig erweisen, wenn sich unsere konventionellen Gesellschaften in ihrem Wahn schon längst selbst zerstört haben. Auch das wäre nur ein weiterer Schritt in der Evolution. Die Frage ist nur, ob die verblieben Gewinner dieser Selektion dann noch erträgliche Bedingungen vorfinden oder für geologische Zeiträume traurig dahinvegetieren müssen.

    • War da nicht irgendwas in Frankreich und in der Türkei? Wie sieht es eigentlich in Syrien und im Irak aus? Was ist von der Annäherung der Türkei an Rußland und Israel zu halten? – Ist wohl nicht so wichtig.

      Dass KenFM keinen „Newsdesk“ hat, oder wie das heißt, ist jetzt aber auch nicht wirklich was Neues, da sind die Mainstream-Medien klar im Vorteil.

      Auf tragische Ereignisse wird hier meist erst verspätet eingegangen, mit ein wenig zeitlichem Abstand, aber dafür mit dem Vorteil, dass Analysen auf stabileren Beinen stehen können.

      Ich verstehe KenFm eher als „Reportagen“-Portal, das sich eben auch zeitloseren Themen widmet. Das sind wir mit der heutigen „Immer-vernetzt“ – Mentalität irgendwie auch nicht mehr gewohnt.

      Und wozu im Detail Stellung genommen wird, kommt wohl auch darauf an, wofür gerade „Spezialisten“ zur Verfügung stehen, das muss man wohl auch realistisch sehen. Es gibt eben nicht für jeden Bereich einen Korrespondenten, der „Gewehr bei Fuß“ steht.

    • Deine pessimistische Grundhaltung trägt grundlegend zur Erhaltung dieses Systems bei. Eine der souveränitätsförderndsten Eigenschaften eines Menschen ist die Fähigkeit sich auf gegenteilige Weltanschauungen(Ansichten) einlassen, sich damit auseinandersetzen und eine Synthese erfahren zu können. Bitte nutzen Sie doch diese naturgegebenen Werkzeuge um sich der Welt zu öffnen. Wer denkt bei der objektiven Wahrheit angelangt zu sein widerlegt dies zeitgleich mit seiner Annahme.

      Dieser Text ist keinesfalls als Angriff zu verstehen, sondern ein Spiegel der Ihnen meine Interpretation Ihres Textes offenlegt. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich diese Worte zu Herzen nehmen, auch wenn Ihnen meine Meinung widerstrebt.

      Abschliessend möchte ich Ihnen noch einen (Hör-) Buchtipp Nahe legen. Führen Sie sich bei Gelegenheit die Werke von Richard David Precht zu Gemüte. Sehr zu empfehlen sind „Die Kunst kein Egoist zu sein“ und „Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“ Diese Werke haben mich enorm weitergebracht und dazu gebracht andere Ideen und Ansätze zuzulassen.

      Herzliche Grüsse

      Ben Ebelt

  8. Die Tatsache, dass an diesem Projekt gerade mal 160 Menschen beteiligt sind, ist für mich eine weitere Bestätigung, dass solche utopischen Gesellschaftsentwürfe, die auf Kooperation statt auf Konkurrenz basieren, nur in sehr kleinen Gruppen funktionieren können. Denn bei 160 Menschen ist definitiv gewährleistet, dass Jeder jeden kennt und dass alle eine persönliche, familiäre Beziehung zueinander haben. Damit ist u.a. auch gegeben, dass man sich nicht gegenseitig verar***t, um seinen eigenen Vorteil rauszuschinden. Anders sieht die Sache schon aus, wenn 80 Millionen Menschen, wie in der BRD, miteinander auskommen müssen. In solchen gigantischen Menschenaggregaten braucht man zwingend solche Institutionen wie das Geld, um das Zusammenleben überhaupt noch organisieren zu können. Das Geld dient als Ersatz für die persönliche Beziehung und die damit einhergehende Hilfsbereitschaft unter den Gesellschaftsmitgliedern. Warum sonst sollte Herr Meier aus Hessen am Fließband eine schei* Autotür montieren, damit sich Herr Schmidt aus Sachsen-Anhalt (den er nicht kennt und auch niemals kennen lernen wird) einen neues Auto kaufen kann? Aus Menschenliebe? Dann erzählt das mal bitte Herr Meier. Mal sehen was er dazu sagt. 🙂

    • Sehe ich nicht unbedingt so. Das Problem der BRD liegt eher darin, dass die Politik die Gesetze übergeht. Insbesondere das Subsidaritätsprinzip. Und das keinerlei Ethik und Transparenz in der Politik herrscht sowie Kommunikation von Politik zum Volk. Das wir in Konkurrenz statt in Kooperation leben ist außerdem kein menschliches Problem (wie viele glauben) und auch kein Problem der Masse (wie viele glauben) sondern ergibt sich einfach aus dem Zinssystem in dem wir leben, dass ohne Konkurrenz, Klassenkampf, künstlichen Mangel und Überlebensangst nicht lange existieren könnte. Diese Dinge fördern all jene schlechten Eigenschaften des Menschens und unterdrücken die guten Eigenschaften. Ist ne ganz logische Folge. In einer Gesellschaftsform, die auf einem Geldsystem basiert, dass Talente, Fähigkeiten, Potentiale, Bedürfnisse und Eigenschaften positiv fordert und fördert, würde die Welt und der Mensch vollkommen anders sein. All das was wir über uns wissen, Psychologie, soziale Strukturen usw. basiert auf diesem Ausbeutersystem dass uns seit vielen hundertjahren prägt. Leider erkennt kaum einer, was das eigentlich in der Praxis mit uns macht und was es bedeutet. Aber selbst dass, ist eine Folge des Systems.

    • Ich würde sogar sagen, dass es nicht nur das Zinssystem ist sondern unsere generelle Abhängigkeit von einem Wirtschaftssystem, an dem unser Überleben hängt und auf die wir keinen einfachen, direkten Einfluss haben. Dass was wir bräuchten sind Lebensmittel, Wasserquellen, Energiequellen, die möglichst nachhaltig, regional, zahlreich sind. Aber genau diese Entwicklung wird durch Privatiserungen, Gesetze und Vorschriften boykottiert bis unterdrückt. Und dies führt über so lange Zeit einfach dazu, dass wir intellektuell und empathisch abbauen bis abstumpfen. Und das führt wiederum zur menschlichen Gleichschaltung und gesellschaftlichen Konkurrenzdenken auf Basis primitivster Instinkte, die noch über bleiben.

    • @darkarth An der momentanen Situation, in der 7 Milliarden Menschen den Planeten bevölkern und in der es Nationalstaaten von 80 Millionen Menschen gibt, ist – gemessen an der ursprünglichen Lebensweise des Menschen – rein gar nichts mehr natürlich. Es gehört einfach nicht zur menschlichen Evolution, in Gesellschaften von 80 Millionen Menschen zu leben. Der Mensch in seiner heutigen Form ist vor ca. 200000 Jahren in Afrika das erste Mal auf der Bildfläche erschienen. Bis vor ca. 15000 Jahren (neolithische Revolution) haben Menschen ausschließlich in s.g. Jäger-und-Sammler-Gesellschaften gelebt mit einer durchschnittlichen Gruppenstärke von 200 Personen. Das bedeutet, dass erst seit 15000 Jahren (7,5% der gesamten Existenz) Menschen damit begonnen haben sesshaft zu werden und stetig ihre Bevölkerungszahlen zu steigern, weil sie nun durch Ackerbau und Viehzucht dazu Lage waren, Vorräte an Lebensmitteln bzw. materielle Überschüsse (Reichtum) zu produzieren und damit immer mehr Menschen zu ernähren. Genau das war auch der Beginn des Verteilungsproblems, welches bis heute das zentrale Problem sesshafter Gesellschaften ist.

      Das Verteilungsproblem (wer produziert wie viel und wer bekommt wie viel davon) kann unter den genannten Bedingungen (80 Millionen Menschen) aus meiner Sicht nur über das Geld, bzw. den Äquivalenztausch (es werden Gebrauchsgüter vom selben „Wert“ getauscht) gelöst werden. Denn die Alternative zum Geld wäre, die erbrachten Leistungen aller Gesellschaftsmitglieder, nicht über ein allgemein anerkanntes Medium zu quantifizieren und dementsprechend auch keine Gegenleistung quantifizieren zu können. Heute kann ich einfach sagen, ich habe das Recht in den Aldi zu gehen und mir 2 Brötchen für 1,50 Euro mitzunehmen, weil ich wiederum im Gegenzug (bei 10,00 Euro Stundenlohn) 0,15 Stunden meiner Arbeitszeit zur Gesellschaft beigetragen habe. Ich tausche also an der Kassentheke als Lohnarbeiter indirekt 0,15 Stunden meiner Arbeitszeit gegen 2 Brötchen über das Medium Geld (1,50 Euro). Die Alternative wäre, dass mir der Bäcker (hinter welchem heute letztlich irgendeine anonyme Bäckereikette steht) die Brötchen aus Menschenliebe überlässt, ohne eine Gegenleistung einzufordern. Das mag unter 160 Menschen noch funktionieren. Unter 80 Millionen oder gar unter 7 Milliarden aber definitiv nicht.

    • @Micha:

      Es gibt einen wesentlichen Unterschied zu damals. Zu Beginn war dieses Verteilungssystem ein Problem, welches sich aus unterschiedlichsten Faktoren zusammensetzte und wo jede Region mit diesem Problem alleine fertig werden musste. Eine Problemlösung dafür war damals Krieg bzw. Kolonialismus. Ob es eine gute oder schlechte Lösung war, sei mal dahingestellt. Später kam noch das Geld dazu. Aber weniger um Handel treiben zu können als viel mehr jene Kriege finanzieren zu können, um die Gier nach Macht, Wohlstand, Reichtum weiterhin befriedigen zu können. Der „verbesserte“ Handel war eher ein Nebeneffekt um die Idee des Geldes gut verkaufen zu können. Genauso wie man es um die Jahrtausendwende herum mit der EU tat und wie man sonst so häufig tat. Scheinheilige Schönrederei zum Durchsetzen der Interessen Einzelner.

      Heute wird dieses Verteilungsproblem künstlich am Leben erhalten, um jene Kriege und den Kolonialismus noch zu rechtfertigen. Aus der anfänglichen Not entwuchs rasch eine Habgier, dessen Folgen kaum abzusehen waren. Doch die Welt sieht heute anders aus. Nun haben wir die Technologien, die Theoriemodelle und das Knowhow zur weltweiten Kommunikation und Versorgung. Mit den entsprechenden Landwirtschaftsformen könnten wir die sämtliche Lebewesen der Erde zweimal ernähren und sie zeitgleich mit zweimal soviel Strom versorgen wie nötig. Ohne dazu auf Atomkraft, Kohle oder sonstige endlichen Quellen zurückgreifen zu müssen. Diese Dinge werden von den Lobbys aber natürlich ganz aktiv zurückgehalten, weil die Konzerne dadurch ihren Reichtum und ihre Machtposition langfristig verlieren würden. Anstatt Güter zu exportieren halte ich es aber für viel sinnvoller, Wissen zu exportieren. Wissen zb. darüber wie man gewisse Lebensmittel anbaut oder was auch immer. Das Internet einfach mal für was sinnvolles nutzen. Dadurch gäbe es iwann einen globalen Wohlstand sondergleichen.

      Gegen Geld habe ich aber garnichts gesagt. Nur würde ich mir ein Umdenken wünschen. Anstatt einem monopolistischem Geldsystem wünsche ich mir ein dynamisches Währungsystem, in dem jede Region, sei sie auch noch so klein, sich eine eigene Währung schaffen kann. Dies kann Geld sein, dies könnte aber auch Leistung gegen Ware sein oder etwas Symbolisches. Alles was ein Kreis an Personen akzeptieren mag. Diese Währungen dienen dann nicht mehr der Wertbestimmung sondern lediglich einer Strukturerhaltung. Den Wert bestimmen die Tauscher/Besitzer selbst in dem sie ganz einfach verhandeln. Korruption und Monopolismus wären auf Dauer kaum mehr möglich, da es durch den Export des Wissens zwangsläufig iwann zu Alternativen kommt. Wobei in einer Welt, wo Wohlstand, Intellekt und Empathie zur Norm wird, keiner mehr großartiges Interesse haben dürfte, einen Monopol darzustellen. Für solche Bedürfnisse würden dann vermutlich private Spielereien reichen, da sich diese Bedürfnisse ja massiv abbauen würden, im Verhältnis zu heute. Und das dies funktionieren, zeigen solche Projekte wie Tamera, uralte Kulturen und andere Beispiele. Im Grunde genommen ist es eine erste Idee, wie eine heutige Welt, die den Regionalismus lebt, funktionieren könnte. DIe Idee des Regionalismusses ist ja da und findet immer mehr Anklang und die Entwicklung schreitet expotentiell voran. Zu Anfang sehr langsam. In Zukunft halte ich sie für unvermeidlich. Zum Einen als Gegenreaktion zum derzeitgen Zentralismus und zum Anderen als logisches Konsequenz der Möglichkeiten die das Internet bietet. Es braucht eigentlich nur paar Menschen, die als erster voran gehen. Und diese gibt es wie gesagt. Ich werde mich dem auch anschließen, sobald ich das Grundstück meines Großvaters beerbt habe.

      Ansonsten würd ich ihnen gerne raten weniger mit Zahlen, vermeintlichen Fachbegriffen und Systemstrukturell-erzeugter Denke zur argumentieren, da zu extreme Rationalität perse irrational ist. Unsere überzüchtete Ratio ist ein wesentlicher Faktor, dafür, weshalb wir nur sehr schwerlich aus diesem goldenen Gefängnis rauszukomme scheinen. Ich orientiere mich eher an den Prinzipien der Natur und den positiven Dingen, die gern (absichtlich) übersehen werden. Halte mich weniger mit Problemen und Vergangenheiten auf sondern erarbeite liebe praktische und theoretische Lösungsansätze für Gegenwart. Mehr Out of the box, weniger Matrix-Syndrom.

    • @darkarth Mir scheint es so, als ob Sie einen besonderen Faktor konsequent bei Ihren Überlegungen ausblenden: Die bloße Anzahl der Gesellschaftsmitglieder. Dabei ist es extrem wichtig, alles was Sie in Ihrem letzten Post geschrieben haben, vor dem Hintergrund zu sehen, dass kooperative Lebensmodelle, die in einer kleinen familiären Gruppe funktionieren, in einer großen anonymen Gruppe nicht mehr praktikabel sind. Das ist aus folgendem Grund so: Kooperation erfordert eine gewisse Hilfsbereitschaft unter den Gesellschaftsmitgliedern. Diese Hilfsbereitschaft ergibt sich wiederum aus einer persönlichen Beziehung dieser Gesellschaftsmitglieder. Ich bin bspw. ohne weiteres bereit, unentgeltlich meinen Freunden beim Umzug zu helfen, ihnen das Auto zu leihen, ihnen Teile meines Besitzes zu leihen oder sogar zu schenken usw. eben weil es meine Freunde oder Familienmitglieder sind und weil ich im übrigen genau weiss, dass sie jederzeit das selbe für mich tun würden. Das ist so gesehen praktizierter Kommunismus. Genau das ist aber zwischen mir und Herrn Schmidt oder Herrn Eyüboğlu am anderen Ende der Stadt nicht mehr gegeben. Und genau deswegen würde ich Herrn Schmidt oder Herrn Eyüboğlu auch nur dann helfen bzw. eine Leistung erbringen, wenn ich eine quantifizierbare Gegenleistung dafür bekomme, die meiner eigenen Leistung entspricht. Anders ausgedrückt: Ich würds nur für Geld machen. Von diesen Leuten kann ich nämlich nicht mit absoluter Sicherheit erwarten, dass sie sich für meine erbrachte Leistung auch revanchieren würden. Vielleicht mag ich sie auch einfach nicht oder sie mögen mich nicht. Kurz: Wir haben keinerlei Beziehung zueinander.

      Wenn wir aber das Geld zwingend benötigen, um miteinander auszukommen, dann hat das wiederum weitreichende Konsequenzen, welche Sie ja in Ihren bisherigen Posts weitestgehend benannt haben. Und die ich vielleicht noch in einem späteren Post erschöpfender benennen kann… 🙂

      Rein technisch bzw. rechnerisch gesehen, könnte man, wie sie richtig gesagt haben, solche Probleme wie Hunger usw. ohne weiteres mit den modernen wirtschaftlichen Kapazitäten beseitigen. Die Frage ist eben, was würde das konkret für die gesellschaftliche Umstrukturierung bedeuten? Es würde jedenfalls definitiv bedeuten, dass es zu einer gewaltsamen und zentral koordinierten Umverteilung des konzentrierten Reichtums kommen müsste, denn freiwillig werden sich die Wohlhabenden sicherlich nicht enteignen lassen. Außerdem müssten die Ansprüche aller Gesellschaftsmitglieder auf ein ökologisch nachhaltiges Maß reduziert werden. Dieses Maß ist nicht sonderlich hoch (in etwa der Lebensstandard eines durchschittlichen Kubaners bei 7 Milliarden Menschen) und wird mit steigender Bevölkerungszahl logischerweise immer geringer, vorausgesetzt man wollte den Reichtum absolut gleichmäßig verteilen.

    • @darkarth Nachtrag; Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen, dass der Versuch, die allseitige Menschenliebe zu predigen und diese mit Gewalt in die Gesellschaft zu institutionalisieren, das genaue Gegenteil bewirkt. Nämlich, dass sich (echte) familiäre und freundschaftliche Bindungen zunehmend auflösen und das Geld, Egoismus und Zweckgemeinschaften immer weiter in den Vordergrund rücken. Etwas ähnliches ist denke ich auch in der ehemaligen Sowjetunion passiert und in abgeschwächter Form auch in der BRD im Zuge der 68er-Bewegung. Willkürliche Experimente auf der menschlichen Beziehungsebene richten in aller Regel mehr Schaden an als sie Nutzen bringen.

    • Zitat „Warum sonst sollte Herr Meier aus Hessen am Fließband eine schei* Autotür montieren, damit sich Herr Schmidt aus Sachsen-Anhalt (den er nicht kennt und auch niemals kennen lernen wird) einen neues Auto kaufen kann?“
      Wenn er das Auto dann selber auch benutzen kann, sieht die Sache schon etwas anders aus. Abgesehen davon- ist es überhaupt wünschenswert, immer neue Autos zu bauen? Es wird heutzutage durch die kapitalistischen Profitzwänge so viel Mist gebaut, den kein Mensch braucht, so viel an Arbeitskraft verschwendet für immer höhere Umsätze (geplante Obsoleszenz z. B.), was alles gar nicht Not tut.
      Wir haben in den letzten 50 Jahren einen durchschnittlichen inflationsbereinigten Produktivitätszuwachs von 1 000 (in Worten: tausend) Prozent gehabt, damals konnte man von 40-45 h/Woche Arbeit gut leben. Heute könnte man es (technischen Fortschritt außerhalb der Produktion nicht eingerechnet) also mit 4 h/Woche genauso haben.
      Zu deine restlichen (richtigen Einwänden) habe ich an anderer Stelle geschrieben, will ich hier nicht wiederholen.

    • Zitat “ Dabei ist es extrem wichtig, alles was Sie in Ihrem letzten Post geschrieben haben, vor dem Hintergrund zu sehen, dass kooperative Lebensmodelle, die in einer kleinen familiären Gruppe funktionieren, in einer großen anonymen Gruppe nicht mehr praktikabel sind.“
      Absolut richtig, darum brauchen wir auch ein echtes Subsidiaritätsprinzip in den Gesellschaften, wo die wichtige Fragen eben von genau den Betroffenen diskutiert werden.
      Da bedeutet Entmachtung der großen Organisationen (auch und vorallem Konzerne), Rückkehr zu regionalen Produktionen der lebensnotwendigen Dinge, was durch unseren technischen Fortschritt ohne Einbußen an Lebensstandart möglich wäre. Die Wege dahin sind das Problem, da die Herrschenden nicht gerne ihre Macht abgeben werden, aber da könnte das Tamera- Projekt möglicherweise einer davon sein.

  9. Die vergangenen zwei Wochen: 8 sinnlose Konserven, 2 mal Boulevard, 1 Interview über ein Buch, das von jedem anderen Journalisten mit Links in der Luft zerrissen werden kann und Bärensuppe Blah Blah in DIESER ZEIT?????????

    Dauerauftrag gekündigt. Ihr macht Euch lächerlich!

    • Generell zu KenFM:
      „Die vergangenen zwei Wochen: 8 sinnlose Konserven, 2 mal Boulevard, 1 Interview über ein Buch, das von jedem anderen Journalisten mit Links in der Luft zerrissen werden kann und Bärensuppe Blah Blah in DIESER ZEIT?????????

      Dauerauftrag gekündigt. Ihr macht Euch lächerlich!“ (Lidadine)

      Kein Problem. Dauerauftrag eingerichtet 😉
      Stichwort „zentralistisches Paradigma“ (59:12 im Video): Es fällt in den Kommentaren immer wieder auf, dass viele Zuschauer eines gegen die Eliten und gegen die Ideologie der Macht gerichteten Medienprojekts, selbst noch immer nach Führern und religiös-politischer Verbrämung der Realität suchen.
      Ken Jebsen ist ein solcher Führer, den viele reflexartig, unbewusst hochstilisiert haben, ohne, dass er das selbst so irgendwann mal ausgedrückt hätte. Das Gegenteil ist der Fall.
      Und interessant ist auch, dass sich das Problem darin nicht erschöpft. Diese Leute, die irgendwo mit ihrem Gehorsamsballast hinwollen, eine Art Deponie dafür suchen, fordern auch diesen Gehorsam. Sie glauben, sie spenden einer selbstständig agierenden Truppe Geld und haben somit das Recht den Kurs dieser Menschen bestimmen zu dürfen. Sie sind immernoch in jenem Denken verhangen, gegen das sich viele der Beiträge hier richten. Komisch oder?
      Vor einigen Tagen habe ich einen Liedtext gepostet – darauf kam anscheinend eine Person (oder ein Bot) nicht klar und kommentierte völlig aus dem Zusammenhang gerissen irgendwas über „Buddha“… und jetzt hier dieses theatralische Gestammel. Daran visualisiert sich eine gewisse Unfähigkeit auf die Wandelbarkeit des Lebens zu reagieren. Es kann zu jeder Zeit Alles passieren. Ordnungen, die das leugnen, führen automatisch zu Starrheit, Dogma, Stillstand, Reaktion, Ausbeutung, Zwang. Bei KenFM gibt es jenen Stillstand nicht, den viele wollen, um sich darin „sicher“ zu fühlen, weil sie das so „gelernt“ haben.
      Das Leben und die damit verbundene Wandelbarkeit ist Ausdruck einer gegen jeden Gehorsam gerichteten fundamentalen, vitalen Freiheit. Man muss selbstständig leben. Wer auf Anerkennung bei Autoritäten hofft oder selbst Gehorsam einfordert, bei dem läuft es auf der Schiene der Macht, die sich starr gegen das Flexible des Lebens richtet. Aus Angst vor neuen Traumata denke ich.
      Das ist eine der Geistesgrundlagen eines tiefsitzenden Zentralismus, eben was Arno Gruen die „Ideologie der Macht“ genannt hat. (Was aber auch strukturell viel tiefer sitzt, als dass man es mit parlamentarischer Demokratie in den Griff bekommen würde, wie Gruen das so äußert, wenn er von „unserer Demokratie“ spricht.)
      Und genau darauf finde ich, sind viele Beiträge eine interessante Antwort. Dieser hier zählt dazu. Richtig gut gemacht, KenFM – mal wirklich was anderes. Und dann noch so professionell. Klasse.

      Zum Interview:
      Man muss den Beitrag aber auch kritisch sehen. Ich bin persönlich kein Freund von diesen avantgardistischen Hippie-Künstler-Projekten und dem ganzen damit verbundenen hippen studentischen Aussteigerleben. Ich denke aber, dass die Rolle des eigenen Bewusstseins hier klar durchkommt. Es ist sicherlich sehr realistisch das Bewusstsein der / des Einzelnen als Basis der Gemeinschaft zu nehmen, weil der Begriff „Gemeinschaft“ ja kein Bewusstsein haben kann…

      Widersprüchlich ist allerdings, dass der Interviewpartner das Bewusstsein u.a. in irgendwelchen Mythen, Religionen usw. sucht… weil die ja eher das Gegenteil seines nicht-zentralistischen Zieles sind. Die Gottes-Elite ist eben die tiefgreifendste von allen im Elitenglauben. Ich denke dieser ganze neo-religiöse Kram, der sich in „Tamera“ zeigt, von wegen „nichtsichtbare Wesen“, „transzendentale Wirklichkeit“ usw. ist ein Rückschritt, eine neue Verbrämung der Realität vor der sich der Mensch unbewusst immer wieder zurückzuziehen versucht. Dadurch kann er sie aber nicht gestalten und wird Opfer der Führer, Priester, Schamanen, Politiker usw, bzw. neigt dazu, diesen ihre Verantwortung übertragen zu wollen – was nicht geht – die Verantwortung für’s eigene Leben kann einem kein Politiker, kein Gott und kein Gesetz abnehmen. (Bei Marx zeigt sich auch nichts anderes als ein zentralistisches, politisch-religiöses Moment: Der Glaube an eine an Hegel angelehnte Metaphysik zum Beispiel, der darin gipfelte, dass man am Ende angenommen hat, dass der Kapitalismus und die Diktatur die sozialistische Gesellschaft einläute…. ging ja irgendwie in die Hose.)

      Und diese „freie Liebe“ wird meiner Meinung nach auch völlig falsch gedeutet. „Freie Liebe“ ist eben frei. Aber auch frei dazu „monogam“ zu sein, wenn sich beide dafür entscheiden. Deshalb geht es nicht um eine bestimmte Form von Freiheit (siehe Ibsen) – die gibt es ja gar nicht – sondern um Freie Verträge zwischen Menschen. Es ist egal, wie der Vertragsgegenstand zwischen Menschen aussieht, sondern wichtig ist, dass der Vertrag zwischen Einzelnen frei von Bevormundung eingegangen wird. Dazu zählen auch abstrakte Vorstellungen, zum Beispiel, dass Beziehungen nur dann „frei“ seien, wenn sie „polygam“ sind. Es kommt eben auf die Einzelpersonen und ihre Lebenssituation an. Hier nach pauschal „richtigen“ Antworten zu suchen, halte ich für genauso zwanghaft, wie einen für alle verpflichtenden Gott auszurufen.

      Andere Möglichkeit, sonst heißt es, ich würde nur meckern:
      Um eine möglichst große Gruppe Menschen weltweit zur Selbstständigkeit zu erziehen, ist es nötg einen Prozess der Selbsterziehung einzuläuten. Das geht nicht ohne Geld, denn diejenigen, die die Masse der Menschheit bilden sind (mehr im Kopf, als in der Realität) Lohnabhängige. Sie können nicht aufhören zu ihrem Job zu latschen und sagen: Hach ja, ich lebe jetzt frei und unbeschwert, denn spätestens beim ersten Diebstahl aus Hunger würde ein genauso im Kopf abhängiger Polizist einschreiten.
      Es gibt also kein Aussteigerleben, das ist eine Illusion.
      Man kann aber auch anders vorgehen. Man kann dort agieren, wo das Problem auch wirklich sitzt. Die Herrschaft der Eliten findet auf dem Arbeitsplatz statt. Der Unternehmer, der Chef, ist die erste Instanz über uns Lohnabhängigen in einer Hierarchie, die sich weit über den offiziellen Staat erstreckt.
      Will man die Gesellschaft von diesem Überbau befreien, ist es wichtig, dass jeder Einzelne daran Anteil nimmt um Träger der zukünftigen Organisation der Gesellschaft zu sein. Wenn der Einzelne einem Glauben an Führer erliegt, die ihn schon aus dieser Lebensmisere herausführen werden, wird das nur dazu führen, dass sich erneut eine Aristokratie herausbildet und alles fängt wieder von vorne an.
      In der Geschichte der Arbeiterbewegung gab es einige Versuche, die auch hier auf KenFM von Ken Jebsen bspw. erwähnt wurden, wie zB. die spanische Revolution und im Zuge dessen die Kollektivierung ganzer Industrien.
      Die Zeitzeugen berichteten von einer umfassenden Befreiung der Gesellschaft, nachdem der Kapitalismus durch eine Bedarfswirtschaft ausgetauscht wurde.
      (Das werde ich hier jetzt nicht alles darlegen können, lest selbst. Wichtige Autoren zum Thema sind: Abel Paz, Augustin Souchy, Diego Abad de Santillán, Juan Peiró u.a.)
      Will man als Mensch in einer freien Gesellschaft mit anderen auf Augenhöhe leben, muss man wohl oder übel die Führer stürzen und sich selbst aus der erniedrigten Position erheben.
      Die gesellschaftlichen Klassen müssen zu diesem Zweck aufgelöst werden.
      Das kann nur geschehen, wenn sie im Moment ihrer Konstituierung zerstört werden und zwar eben auf dem Arbeitsplatz, wo entschieden wird, wer welche Position bekommt und wer wieviel „verdient“.
      Hier wird Macht gelebt – vom Vorgesetzten, bis zum Industriemagnaten.
      Die einzige Antwort auf diese Verhältnisse kann nur eine selbstorganisierte, basisdemokratisch wirkende Gewerkschaft sein, die sich gegen die Sozialpartnerschaftliche Vereinnahmung der Selbsthilfeorganisationen der Lohnabhängigen richtet und keine Partnerschaft mit dem Unternehmertum, der Kirche und dem Staat akzeptiert, sondern dessen Entthronung anstrebt. Bilden sich solche Gewerkschaften sollten sie sich international vernetzen, weil – wie wir vom hier interviewten Rapper Kaveh gelernt haben – sind alle Lohnabhängigen gleich, egal welche Hautfarbe sie haben.
      So, das erziehrische Moment kommt in dem Augenblick, in dem die Politik des einen Landes die Lohnabhängigen gängelt.
      Nehmen wir an, die deutschen Arbeiter hätten aus Solidarität und gegenseitig empfundener Verbundenheit mit den Franzosen einen Generalstreik ausgerufen, als das neue Arbeitsgesetz dort verabschiedet wurde. Wissentlich, das ihre Lage zusammenhängt. Oder umgekehrt, als Schröder die Übergriffe des Unternehmertums auf die Arbeitsbedingungen durchgewunken hat, hätten die Franzosen gemeinsam mit den Deutschen alles lahmgelegt, bis die Politik zurücknimmt, was den Regierten nicht passt.
      Dann würden sich die Menschen ihrer eigenen, persönlichen Kraft und politischen Gestaltungsfähigkeit in der Gemeinschaft bewusst werden. Die Wirtschaftskraft der Arbeit entzieht der bevormundenden Politik die Existenzgrundlage. Ab da bräuchten wir keine Eliten mehr und könnten gesamtgesellschaftlich umsetzen, was in Tamera nur wenigen überlassen wird. Den Schritt zur einzigen Gesellschaft ohne Klassenkonflikte: Einer klassenlosen Gesellschaftsordnung.
      Mindestens genauso wichtig, wie die bürokratiearme Gewerkschaft als Abwehr- und Selbsthilfeorganisation wäre ein Netz kollektivierter, sozialisierter, basisdemokratischer Betriebe weltweit, quasi als Gegenmuster zur kapitalistischen Wirtschaft. Hier wäre die Absprache wichtig, die frei und gegenseitig eingegangenen Verträge die dem Zwang durch die Besitzverhältnisse und der Gesetze entgegengesetzt werden könnten.
      So in etwa, aber denkt selbst darüber nach. Es gibt Unmengen Literatur zu dem Thema gewerkschaftlicher Selbstorganisation. Zum Beispiel:
      Bücher: Augustin Souchy und Ernst Gerlach „Die soziale Revolution in Spanien“ Verlag Barrikade, Abel Paz „Durruti“ Nautilus Verlag, Rudolf Rocker „Die Spanische Tragödie“
      Broschüren: Heiko Grau-Maiwald „Betriebsausfall“ & „Aus dem Takt“, Ahto Uisk „Syndikalismus – eine Ideenskizze“, FAU Bremen „Syndikalismus – Geschichte und Perspektiven“ & „Klassenkampf im Weltmaßstab“, Beltrán Roca Martinez „Renaissance des Anarcho-Syndikalismus?“, Evert Arvidson „Der freiheitliche Syndikalismus im Wohlfahrtsstaat“, Rudolf Rocker „Die Rationalisierung der Wirtschaft und die Arbeiterklasse“ & „Die Prinzipienerklärung des Syndikalismus“ & „Über das Wesen des Föderalismus im Gegensatz zum Zentralismus“ (Siehe Beitrag) & „Der Kampf ums tägliche Brot“
      Noch wichtiger aber ist, dass man nach dem Lesen was tut.

    • @sportivo Ist die „einzige Gesellschaft ohne Klassenkonflikte: Eine klassenlosen Gesellschaftsordnung.“ nicht genau so ein irrationales Glaubenssystem, wie <> ? Zumindest verstehe ich nicht, was daran irgendwie rationaler sein soll. Letztlich ist das einfach eine andere Konstellation willkürlicher Werte- und Zielvorstellungen, die in einem übergeordneten Sinn weder besser noch schlechter ist, sondern lediglich besser oder schlechter unter realen Bedingungen funktioniert (wobei ich mit Blick auf die Geschichte eher zu schlechter tendieren würde). Was wäre denn, wenn sich die Mehrheit der Menschen, insofern man ihnen die propagierte Freiheit lässt, freiwillig für die Klassengesellschaft entscheiden, einfach weils geiler ist?
      In der klassenlosen Gesellschaft wird man jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach keine Sitcoms, McDonalds, SUVs, Fußball-WM, Primark, DSDS oder ähnliches finden. Das sollte man den Menschen dann aber im vornherein auch klar sagen.

      Mal sehen, wie viele dann noch mitmachen wollen. 🙂

    • Sry, an der stelle wo „“ steht, sollte eigentlich „dieser ganze neo-religiöse Kram, der sich in „Tamera“ zeigt, von wegen „nichtsichtbare Wesen“, „transzendentale Wirklichkeit“ usw.“ stehen. Das ultrakluge Kommentarsystem ohne Bearbeiten-Funktion hat mein Spitzklammerzitat als html-Tag interpretiert.

    • @sportivo schrieb: „Vor einigen Tagen habe ich einen Text gepostet-darauf kam anscheinend eine Person(oder ein Bot) nicht klar und kommentierte völlig aus dem Zusammenhang gerissen irgendwas über „Buddha“… und jetzt hier dieses theatralische Gestammel.“

      Ich habe nicht „irgendwas über Buddha“ geschrieben, sondern ich schrieb, dass z.B. Buddha den Hass für die größte Verfehlung des Menschen hielt. Und ich hätte gleich hinzufügen sollen, dass ich dies aus meiner eigenen Lebenserfahrung voll und ganz bestätigen will, kann und muss! Das letzte, was wir Menschen jetzt noch in der Welt gebrauchen können, sind Hasspredigten!

    • Zitat „Was wäre denn, wenn sich die Mehrheit der Menschen, insofern man ihnen die propagierte Freiheit lässt, freiwillig für die Klassengesellschaft entscheiden, einfach weils geiler ist?“
      Wenn die Menschen aufgeklärt sind und alle Sinne beisammen haben, können sie sich ausrechnen, dass in einer Klassengesellschaft (siehe unsere) es eben immer wenige Reiche und Mächtige gibt und viele die dafür schuften müssen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man zu den Wenigen gehört, die einen Vorteil von der Klassengesellschaft hat, ist natürlich viel geringer, als die, dass man zu denen gehören wird, die dafür schuften müssen.
      Also- was ist dann geiler?

    • @Micha:
      Zitat „In der klassenlosen Gesellschaft wird man jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach keine Sitcoms, McDonalds, SUVs, Fußball-WM, Primark, DSDS oder ähnliches finden. Das sollte man den Menschen dann aber im vornherein auch klar sagen“
      Fast alles Dinge, die kein Mensch wirklich braucht, um gut zu leben bzw. sogar eher schädlich sind, also auch besser verschwinden. Fußball (WM) und einiges andere wird es weiter geben können, solange die freien Menschen das haben wollen.

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