Bankencrash in Lettland – Gefahr fürs internationale Finanzsystem?

Von Ernst Wolff.

Die lettische Regierung wird am Montag in Riga zu einer Krisensitzung zusammentreten. Der Grund: Mit der ABLV steht die drittgrößte Bank des Landes vor dem Zusammenbruch und muss daher abgewickelt werden.

Bereits am Samstag hatte die EZB bekanntgegeben, dass die ABLV auf Grund der „signifikanten Verschlechterung ihrer Liquidität“ wahrscheinlich nicht mehr in der Lage sei, Schulden und andere Verpflichtungen zu bedienen. Die Finanzaufsicht in Riga sei deshalb angewiesen worden, die Vermögenswerte der Bank einzufrieren. Damit haben die Kunden der ABLV, die der EZB seit 2014 untersteht, keinen Zugang mehr zu ihrem Geld. Die Filialen der Bank sind geschlossen, ihr Kartensystem ist abgeschaltet.

Die US-Finanzaufsicht brachte den Stein ins Rollen

Die ABLV war vor kurzem ins Visier der US-Finanzbehörden geraten. die für Finanzkriminalität zuständige Abteilung des US-Finanzministeriums, das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN), hatte ihr vorgeworfen, Geldwäsche zu betreiben und ihren Kunden die Umgehung von US-Sanktionen gegen Nordkorea zu ermöglichen. Obwohl die ABLV die Anschuldigungen zurückgewiesen hatte, wurde sie wenige Tage später vom Zugang zum US-Finanzsystem abgeschnitten.

Daraufhin zogen Anleger rund 600 Millionen Euro ab. Die EZB schritt ein und wies die lettische Finanzaufsicht Anfang vergangener Woche an, eine Auszahlungssperre zu verhängen. Die lettische Zentralbank versuchte zu helfen und stützte die ABLV mit fast 300 Millionen Euro. Da trotzdem noch eine Lücke von etwa 180 Millionen Euro klaffte und die ABLV eine bis Freitag gesetzte Frist zur Schließung der Lücke ungenutzt verstreichen ließ, beschloss die EZB am Samstag ihre Abwicklung.

„Die lettische Regierung wird keinen einzigen Euro in die Rettung investieren“, kündigte Lettlands Regierungschef Kuckinskis an. Nach geltendem EU-Recht muss demnach die Bail-in-Regelung angewendet werden, nach der zunächst Aktionäre, Anleihebesitzer und Anleger mit Einlagen über 100.000 Euro anteilig zur Kasse gebeten werden.

Die ABLV ist nicht der einzige Krisenherd

Die ABLV ist nicht der einzige Krisenherd im lettischen Bankensystem. Bereits vor zwei Jahren waren fünf Banken wegen des Vorwurfs der Umgehung von Sanktionen gegen Nordkorea zu Geldstrafen von mehr als drei Mio. Euro verurteilt worden. Zudem war der Gouverneur der lettischen Zentralbank, Ilmars Rimsevics, am vorletzten Samstag von der Anti-Korruptionsbehörde des Landes wegen des Verdachts auf Entgegennahme von Schmiergeldzahlungen in Höhe von mehr als 100.000 Euro verhaftet worden. Rimsevics, der dem EZB-Rat (dem obersten Entscheidungsorgan des Eurosystems) angehört, wurde am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt, darf das Land aber vorerst nicht verlassen.

Ein weiterer Krisenfaktor im lettischen Bankensystem besteht darin, dass rund vierzig Prozent der lettischen Bankeinlagen aus dem Ausland stammen und damit eine Ansteckungsgefahr für andere Banken bedeuten. Im Fall der ABLV, deren Bilanz sich im September 2017 auf 3,63 Mrd. Euro belief, betragen die Einlagensicherungsgarantien gegenüber ausländischen Banken immerhin 2,2 Mrd. Euro, was 7,5 Prozent des lettischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Kein Wunder also, dass sich die Verantwortlichen in Riga und Frankfurt am Wochenende gegenseitig in ihren Versicherungen übertrafen, dass die Krise um die ABLV nicht überbewertet werden dürfe. Während die EZB-Führung bemüht war, den Image-Schaden durch Korruptionsvorwürfe gegen eines ihrer führenden Mitglieder herunterzuspielen und der lettische Behördenchef Putnin von „einer Krise bei nur einer Bank“ sprach, versicherte Finanzministerin Reizniece-Ozola, die ABLV sei nicht systemrelevant und stelle keine Gefahr für das internationale Finanzsystem dar.

Die wahren Gefahren sind gar nicht sichtbar

Die Aussagen der Verantwortlichen kann man getrost als Zwecklügen verbuchen. Welche Gefahren im Hintergrund lauern, können auch sie nicht absehen, denn die Deregulierung der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass der Derivate-Sektor heute zu achtzig Prozent aus Over-the-Counter-Geschäften besteht, die nicht mehr in den Bilanzen von Finanzinstituten auftauchen müssen.

Es kann daher niemand sagen, wie viele Kreditausfallversicherungen in den letzten Wochen von Insidern auf die ABLV abgeschlossen wurden und im Fall ihrer Abwicklung fällig würden. Nur zur Erinnerung: 1998 brach mit Long Term Capital Management (LTCM) ein einzelner Hedgefonds in New York zusammen, dessen Bilanz in etwa der der ABLV entsprach. Die LTCM-Pleite zog Forderungen in Höhe von fast einer Billion US-Dollar nach sich und brachte das globale Finanzsystem fast zum Einsturz.

Selbst wenn der Fall ABLV keine derartigen Dimensionen annehmen sollte, so zeigt er doch die Anfälligkeit des europäischen Bankensystems, rückt die Vertrauenswürdigkeit von EZB-Ratsmitgliedern einmal mehr ins Zwielicht und macht vor allem die Art und Weise deutlich, wie die EZB im Fall eines Crashs auch weiterhin mit Bankkunden umzugehen gedenkt: Indem sie ihnen den Zugriff auf das eigene Geld verwehrt.

Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor der Bücher „Finanztsunami“ und „Weltmacht IWF“. Die Titel können über unseren KenFM-Buchshop bestellt werden:  https://kenfm.de/buchshop/

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6 Kommentare zu: “Bankencrash in Lettland – Gefahr fürs internationale Finanzsystem?

  1. Ernst Wolff -> Genialer Mann. Ich habe beide Bücher (IWF-Chroniken eines Raubzuges und Finanz Tsunami) gelesen.
    Es ist schon erschreckend, wie man sich von den USA und der von ihr erschaffenen Finanzindustrie tagtäglich verarschen lassen „muss“! Wie die Politik im Auftrag der Banken das Land zerlegt. Wenn man erst einmal die gesamte Perversion unserer heutigen Zeit und deren Architekten durchschaut und der Nebel sich lichtet, erinnert mich das doch schon sehr an den Film „Matrix“. Ihr wisst schon, da wo die Menschheit in einer Scheinwelt lebt und nicht weiß, was wirklich vor sich geht.
    Unglaublich, wie Menschen miteinander umgehen!

  2. So, also wenn wir nun wieder mit anschauen bis die Zahlungsunfähigkeit bei uns auftritt, bis wir unser Geld nicht mehr bedienen können, ohne das die Machtlosegesellschaft ohne Geldbenutzung, sogar ohne Gesetzessystem gestartet ist, sind wir von Hilfe abhängig bis zum Tot von Mördern (nur mal als Beispiel) Nicht das Merkel als Politiker tote verursacht. Nein^^
    Das ist zwar gewaltätig und Gesetzesbrüchig, nur die Kontensperrung und Geldentzug gesetzesmäßig und friedenssichernd.
    Dafür gabs ja schon die Sperrung meiner Schriftabfolge,
    wo Henker da die NSGestapo der Kommitern von Idiologen der Finanzabhängigen mit Kontopersönlichkeit der Zahlen$€.

    Das ist doch unvorstellbar, wenn man sein Lebenlang auf sein Lebenszeitkonto Zahlen einzahlt und dann sieht wie sie weggenommen und vernichtet ist, weil sein Kreditinstitut sich nicht an „Gesetze“ hält. Ich hoffe das haut noch die gesamte Welt auf die Straße hoffentlich, weil ich dann ohne Idiologie im Zentrum der Welt stehe.

    Alles hängt daran, deswegen ist ohne alles nichts mehr vorhanden. Es ist alles, die Menschen schaffen es nicht mal zu diskutieren, also darüber nach zu denken, dass Menschen kein Geld in ihrem Leben benutzen wollen. Habs versucht, nun habe ich eine Familie weniger, bis auf zwei Schwestern. Geht niemanden etwas an, nur als Beispiel das der Geldkonsum bereits über der Familienstruktur einen höheren Stellenwert einnimmt. American Dream. TV-Konsum als Freizeitbeschäftigung und Recht des Lebens!
    Den muss man dann auch noch irgendwie beim Crash, versichern das es weiter geht.

    Don’t try to run away!
    You can’t escape this fray!
    We are machines rusted deep to the core
    It’s time to act – like never before!

    Genau das ist Faschismus, Geldfaschismus! Da kann mir Komitern noch solange versichern das die DDR das nicht verursacht hat. Genau die waren das was ich hier paar Zeilen höher dargelegt habe! Soldaten der NVA und Industriearbeiter in DDR-Staatsbetrieben und SED-Funktionäre.

    Schätze auf einen Donnerstag wirds auch hier landen, könnte dieser seien oder der nächste. ich widerspreche nicht dem Herrn Wolff oder irgendwen anderes in der Meinung. Nur wird Menschen die meinen das Geld nicht erstrebenswert ist vorgewurfen sie wären Totalitär und die Meinung anderer unterdrücken, ein übersteigertes Ego besitzen. Was bei Geldablegung, Arbeitsverweigerung und Gesetzes- bzw. Befehlsablegung nur im sehr kleinen Maße der Fall seien kann.

    Dazu, im Artikel der nun wirklich viele Infomationsverbreiter im Anspruch genommen hat.
    „7,5 Prozent des lettischen Bruttoinlandsprodukts“, das ist ja schon Grenzwertig zum Landescrash.

    „Kein Wunder also, dass sich die Verantwortlichen in Riga und Frankfurt am Wochenende gegenseitig in ihren Versicherungen übertrafen, dass die Krise um die ABLV nicht überbewertet werden dürfe. Während die EZB-Führung bemüht war, den Image-Schaden durch Korruptionsvorwürfe gegen eines ihrer führenden Mitglieder herunterzuspielen und der lettische Behördenchef Putnin von „einer Krise bei nur einer Bank“ sprach, versicherte Finanzministerin Reizniece-Ozola, die ABLV sei nicht systemrelevant und stelle keine Gefahr für das internationale Finanzsystem dar.“

    Also die Führenden EZB-Leute sind nicht mehr gewollt die Lage einzuschätzen und nur noch an Schadensbegrenzung bemüht, während die Politiker der Letten „Behördenchef Putnin“ und „Finanzministerin Reizniece-Ozola“ eine Systemangeschlossene ABLV als Nicht-Bedrohung für das internationale Finanzssystem darlegen und es ein Einzelfall seinen soll, nach deren Meinung.
    Während Finanzströme so komplex gestaltet sind das sie niemals auch nur eine Bank mit ziehen, niemals nur Einzelfälle seien können und auch immer eine Systemfrage stellen, das geht schnell da geht der EZB innerhalb von Tagen alles Flöten und zwar so das es nicht mehr wieder kommt.
    Mir is aufgefallen das Politiker so wenig Ahnung von der Finanzwelt haben wie der Autofahrer von weiter Entfernung im gegensatz zum Fußgänger.

    Ziehts schnell ab oder Gehts noch? Der Finanzausfall der sich transportiert geht schneller als ein einzelner Ernst Wolff alle informieren kann.

  3. Ich würde zu gerne wissen wie das Ganze abgwickelt wird, abseits der Beraubung sowie Bevormundung der Bürger.

    Also das Szenario welches angenommen ca. 100 Tausend Konten von Bürgern auf unbekannte Zeit gesperrt werden:
    Sind alle Geldströme gesperrt? Daueraufträge, Überweisungen, Geldabhebungen etc.
    Ist diese Frage zutreffend, hat es doch gravierende Auswirkungen, abgesehen dass der Bürger auf Dauer verhungert bzw. der Grundsicherung seiner Existenz beraubt wird, auf die anderen Bereiche der „Wirtschaft“ (Versicherung, Miete, Strom, Gas, Telekommunikation und wenn einer noch Zeitungsabo als Dauerauftrag hat auch, usw.)

    Stehen die offenen Rechnungen aus? Sind die Forderer geduldig oder rückt das Inkassokommando sofort aus? Da diese Unternehmen ja auch gegenüber Anderen Verbindlichkeiten begleichen müssen, so zieht doch ein riesen Rattenschwanz nach.
    Wie behandelt das Recht bzw. die Gerichte solche Fälle? Kann man einen Anwalt auch bar bezahlen? Konto ist ja gesperrt.

    • Bei soetwas brauchst du kein Gericht mehr, keine Polizei und keine Rechnungen, du hast kein Geld.
      Zudem die Gesetzlage so aussieht das es Rechtens ist von Banken, Konten bei einer Zahlungsunfähigkeit einzusperren.

      Bei dem Szenario von 100 000 Menschen hat man eher mit Ladenkriminalität und Vergewaltigung zu tun.
      Die werden allerdings immer als Mediale Schlampen definiert, d.h. sie werden von Mainstreammedien als Verbrecher gestempelt, somit einer dauerverfolgung der Mainstreamgesellschaft unterzogen.
      Nur Antifanten oder Nazibrüder, also Politische Extreme werden noch unterstützung bieten können. Der Rest der Demokraten wird zusehen und Angst vor Banken bekommen.
      Du verfügst bei dem Zauberdatum nur noch über Bargeld, das nicht auf dem Konto liegt. Wann das ist kann so überraschend kommen wie der Blitzeinschlag beim Gewitter das noch nicht geblitzt hat, jetzt zweimal (ABLV + Reaktion der EZB)

      Das Inkassokommando wird nur von staatl. Versorgungsinstitutionen kommen. Wie es bei meinem Mitmenschem der Fall war. Gedult, ist dort falsch angebracht, da die Schuldigen – die noch deine Rechnung aushalten, sich versuchen zu schützen vor zusätzlichen Belastungen.
      Wie gesagt, der Anwalt wird dir nicht den Arsch retten können, noch irgendetwas einklagen können noch dich verteidigen. Das was die ABLV macht ist 99,4% Rechtskonform, da Banken ihre Einlagen der Bürger auf Anweisung der EZB einfrieren können um weitere Zahlungsausfälle zu verhindern.
      Du legst dein Geld bei der Bank auf dem Konto an, damit es vor Räubern geschützt ist.
      Du als EU-Bürger unterliegst mit deinem Geld auf deinem Konto den Willkürs- ähh Notfallsrecht der EZB und somit kannst du versuchen gegen die EU/EZB einen Rechtsstreit zu gewinnen deren Gesetze sie selbst geschrieben haben und genau dieses Verhalten als Legitim gegenüber dem Bürger definieren.

    • Die Antwort deiner Bank auf deine Kontosperrung wäre dann wie folgt:

      Wir mussten ihr Geld [Ihr Überleben*] einziehen um einen weiteren Schaden von den Finanzströmen abzuwenden.
      Tut uns leid das wir unfähig sind aber Sie sind unsere Vertrauensvollsten Kunden in unserer Firmengeschichte.
      Danke [Sie dürfen Verhungern*]

      *steht nicht mit da aber ist die logische Konsequenz.

      Wobei die EZB das verhindern sollte. Da diese allerdings bereits bei einer der kleinsten Probleme den Schwanz einkneift ist da nicht viel was noch an Hoffnung hineinzuspeisen ist. Also das die EZB irgendwen retten wird vor der verhungerung durch Geldlosigkeit und nein ohne Geld kein Essen, jedenfalls nicht von Konzernen.

    • Falls Sie zugang zum Tor-Netzwerk haben können Sie auch alternativ folgenden Link aufrufen um die „Verschwörungstheorie“ des Bankenkollapse mal lesen und die 10 besten Situationen auf Englisch nachvollziehen.
      Aus dem Jahr 2015, ich übernehme keine Garantie der Legalität innerhalb des TorNetzwerkes, wobei die verlinkte Seite so sauber wie YouTube von Kipo ist.
      Eine htmlseite
      oxwugzccvk3dk6tj realnews res 456

      „7. You pick up the phone to call 911 and the line is dead.“ =D

      „Those who lived in Greece, Venezuela, Spain, Zimbabwe, Yugoslavia, Turkey and many other nations of the past (including Germany during the Weimar Republic and Russia during the Soviet Union) thought exactly the same way you and many others think right now. „It will never happen to us.““

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