Im Gespräch: Bertrand Stern („Saat der Freiheit: Impulse für aufblühende Bildungslandschaften“)

Wäre die Schule eine klassische Dienstleistungsfirma, die ihren Kunden universelle Bildung anbieten würde, wären die meisten Einrichtungen übermorgen pleite. Kein Mensch, der die Wahl hätte, würde sich in diesen Informationskasernen länger als nötig aufhalten und gäbe es darüber hinaus eine Online-Bewertung wie bei Tripadvisor, wären die meisten Bildungseinrichtungen in der BRD als Orte des Grauens gekennzeichnet.

Dass Schulen vor allem in Deutschland keinerlei Rücksicht auf ihren Kunden nehmen müssen, ist dem schlichten Umstand geschuldet, dass in der BRD Schulpflicht herrscht. Wer nicht „freiwillig“ erscheint, wird von der Polizei abgeholt. Die Bilanz dieser Zwangsbeschulung ist ein Desaster. Immer mehr Schüler sind depressiv und müssen sich erst zudröhnen, um Schule überhaupt ertragen zu können. Bulimie-Lernen ist der Status quo in diesem Land.

Kinder und Jugendliche lernen heute weniger für das Leben, denn für die Prüfung. Sie lernen, was der Lehrer vorgeben muss, um selber nicht gefeuert zu werden. Was junge Menschen selber gerne gelernt hätten, interessiert unseren Staat herzlich wenig. Demokratie? Fehlanzeige!

Schule in Deutschland bedeutet vor allem den Lehrplan vermittelt zu bekommen und der zielt darauf ab, junge und freidenkende Menschen zu brechen, um sie zu guten Untertanen umzuprogrammieren. Sie sollen vor allem gehorchen und da wäre echte Bildung nur ein Hindernis. Wer in Jahren des Schulterrors gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ansichten zu begraben, ist ein idealer Kandidat für den „flexiblen“ Arbeitsmarkt. Er ist ein Staatsbürger, der nach Autorität lechzt. Zufall? Eher Ziel!

Seit 1919 schrieb die Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland fest. An der Idee, Menschen gegen ihren Willen zu beschulen, wird in Nachkriegs-Deutschland bis heute festgehalten. Ist unser Menschenbild tatsächlich so aufgeklärt, wie wir vorgeben?

Es wird höchste Zeit, das Schulsystem aus dem 19. Jahrhundert von Grund auf zu reformieren. Im Fokus sollten dabei diejenigen stehen, um die es geht. Kinder und Jugendliche. Binden wir diese „pädagogischen“ Opfer endlich mit ein. Fragen wir diese Menschen, wie sie sich die Schule der Zukunft vorstellen. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Man muss keine 18 sein, um vor dem Gesetz als Mensch zu gelten.

Schulzwang und Demokratie passen nicht zusammen. Nur wer freiwillig lernt, lernt überhaupt etwas. Hirnforscher wissen das schon lange, Philosophen noch länger. KenFM hat sich mit einem von ihnen getroffen. Freiwillig. Bertrand Stern.

Inhaltsübersicht:

00:02:21 Woher stammt die Schule?

00:16:21 Warum kritisiert Herr Stern das Schulsystem?

00:28:51 Schulpflicht, Fürsorgepflicht und Menschenrechte für Kinder

00:41:26 Kein Schulbesuch stellt ausdrücklick keine Kindeswohlgefährdung dar

00:55:29 Das Schulsystem ist am Ende

01:16:47 Die Bildung der Zukunft

01:31:26 Der Mensch kommt ohne Angst auf die Welt

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29 Kommentare zu: “Im Gespräch: Bertrand Stern („Saat der Freiheit: Impulse für aufblühende Bildungslandschaften“)

  1. Ehrenwerter Bertrand Stern, da sie sehr differenziert mit Sprache umgehen, so wie es auch mei-ne Vorliebe ist, möchte ich Ihnen zum Begriff Bildung einige Anregungen geben.
    Wenn wir uns mit dem Begriff der Bildung kritisch und differenziert auseinandersetzen, so werden wir entdecken können, dass das sogenannte Menschenrecht auf Bildung eine Unterwerfungs-pflicht ist. Dies wird auch schon dadurch offenbar, dass in zahlreichen Ländern der Welt nicht vom Recht auf Bildung gesprochen wird, sondern eine Bildungspflicht staatlich verordnet wird.
    Dass Bildung nichts mit der Entwicklung des Wesens zu tun hat ist nicht schwer nachzuvollzie-hen – Bildung kommt von Bild. Und die Urform der Bildung finden wir an den Kirchenwänden der frühen Tage, die voll biblischer Bilder gewesen sind, die den analphabetischen und des Lateini-schen nicht mächtigen Laien, die kirchliche Ideologie des Leidens in der Gegenwart für die Hoff-nung auf eine Erlösung in der fernen Zukunft als göttliche Fügung vermitteln sollten und so die Menschen zum Glauben an die Worte bzw. Bilder der selbst ernannten Vermittler nahezu ge-zwungen haben. So wurden die Menschen bewusst nicht zur der Gewissheit geführt, welche Größe in ihnen steckt und dass sie keines Vermittlers bedürfen. Auch wenn die Kirchen heute weiterhin ihr Unwesen treiben, so haben die an Macht und Herrschaft sowie am geisteskranken Teile-und-Herrsche- wie am Gewinn-für-Wenige-und Verlust-für-Viele-Spiel sich ergötzenden Kräfte nun ein noch effektiveres verbildendes Mittel ersonnen und perfektioniert – die Medien inklusive der Werbung, die heute unendlich viele Bilder nahezu hypnotisierend bis narkotisierend medial in die Köpfe und Seelen der Menschen pressen (daher Presse). Diese vorgefertigten und vorgesetzten sowie gerahmten bzw. geframten Bildern sind eben Vor-Stellungen, die vor uns gestellt werden, damit wir keinen Durchblick entwickeln und uns ablenken lassen, von der ErIN-NErng unseres eigentlichen Seins und der in uns liegenden Weisheit. Wer also Bilder vorgesetzt bekommt bzw. sich vorsetzen lässt oder dazu animiert wird, sich Bilder vom Geistigen zu ma-chen, soll eben nicht das Flüstern der Urquelle in sich selbst vernehmen, denn dann würde er ja gewahr, dass es keines Vermittlers zur Weisheit bedarf, keiner von anderen vorgefertigten Bilder des Ursprungs allen SEINs. Insofern ist Bildung kein Menschenrecht sondern eine Menschenab-richtung, und ich möchte behaupten, dass dies schon bei der Verfassung der Menschenrechte intendiert war. Ich empfehle, so man einem Erziehungswissenschaftler und ehem. Schulleiter verschiedner Schulformen nicht glauben will, gerne den aus dem Jahre 2010 stammenden Film "Schooling the world". Dieser viel zu wenig beachtete Dokumentarfilm über die Hintergründe des Schulsystems offenbart deutlich, dass unter-richten im Wesentlichen die Kurzform für zum Unter-tan ab-richten ist. Und die sich über die Welt hinwegziehende konformistische Bildung die Weis-heit der Kulturen und die Verbundenheit zu den essentiellen Werten bewusst zerstört. Wem das Ideal eines wahrhaft freien Menschen, der so handelt, dass sein Handeln immer eine win-win-win-Situation (ich-du-wir) im Auge hat, noch ein Anliegen ist, der kann nicht ernsthaft auf ein (Schul-) Bildungssystem setzen, welches genau auf das Gegenteil ausgerichtet ist, systembe-dingt. Bevor ich hier nun das Ausmaß eines Fachartikels erreiche, möchte ich mit der Hoffnung enden, dass ihnen diese Zeilen eine Anregung sein mögen, sich dem Begriff der Bildung und des Unter-richtens mit einem neuen (Durch-)Blick zu nähern. Abschließend noch eine kurze Einlas-sung zu dem von Ihnen kritisch hinterfragten Begriff „lernen“: Aus dem Sprachhistorischen heraus bedeutet „lernen“ einer gelegten Spur folgen. Nun ist hierbei die entscheidende Frage, wer oder was legt diese Spur? Wenn es diejenigen sind, die uns auch die vorgesetzten Bilder kreieren und framen, die die angebliche Bildung ausmachen, dann gebe ich Ihnen mit Ihren Vorbehalten recht. Wenn wir aber im obigen Sinne der von der Schöpfung gelegten Spur auf dem Wege der ErINNE-rung folgen, so ist lernen eine Entdeckung bzw. ErINNErung des ureigensten Potenzials.
    In tiefer Dankbarkeit für ihre Arbeit verbleibe ich mit dem schönsten Gruß, den ein Mensch den anderen zollen kann, Agápē-Namasté, ihr mavidi.

  2. Herzlichen Dank für dieses interessante Gespräch! Es hat mich tief beeindruckt!

    Meiner Meinung nach hat Herr Stern absolut recht in der Einschätzung, dass unser System, namentlich unser Schulsystem, am Ende ist. Es ist am Ende, weil die Menschen, die damit umgehen müssen, zum großen Teil am Ende sind. Zumindest meiner Beobachtung nach. Viele Lehrer sind es, viele Schüler und Eltern sind es. Und wenn sie es doch alle irgendwie überlebt haben, kommt oft nichts Gutes und Konstruktives dabei heraus. Was dabei herauskommt, oft genug jedenfalls, sind kranke, erschöpfte, lustlose Lehrer (meine tiefempfundene Hochachtung an all diejenigen, die es über Jahre hinweg schaffen, sich ihre Freude an dieser Arbeit und ihr Engagement zu erhalten!!), gestresste, entmutigte Schüler und verzweifelte Eltern. Es liegt nicht in meiner Absicht, alle über einen Kamm zu scheren, aber ich sehe diese Phänomene oft genug, um es auffällig zu finden. So kann es doch nicht weitergehen!

    Ich bin selbst seit über 20 Jahren Lehrerin, habe davon 13 Jahre an einer öffentlichen Schule gearbeitet, musste aber zum Glück nie Klassen unterrichten und Noten geben. Ich habe die Deutschförderkurse gegeben, hatte immer kleine Gruppen, viel Freiraum bei der Gestaltung des Unterrichts und konnte auch meinen Schülern viel Raum geben, das mit ihnen zu erarbeiten, was sie wissen wollten (oder mussten). Ein echter Luxus im Schulalltag!
    Trotzdem habe ich vor einer Weile den Ausbruch aus diesem System gewagt, weil ich den Schülern letztlich doch immer nur helfen musste, in diesem System zu überleben. Das konnte und wollte ich nicht mehr mitmachen.

    In der aktuellen Situation stelle ich mir mehr denn je die Frage: wie kann eine neue Form der Schule aussehen? Ich habe einige Ideen dazu (vorne weg: Benotung komplett abschaffen), aber auch viele Fragezeichen. Herr Stern hat mir einige dieser Fragen beantwortet, bzw. mich dazu angeregt, sie mir selbst zu beantworten. Herzlichen Dank dafür!

    Denn wenn es eine Chance auf echte tiefgreifende Veränderungen gibt, dann jetzt, in dieser Zeit. Ich stimme ihm aus tiefstem Empfinden zu: keine „Verbesserung“ unseres Systems, kein „Pflaster drauf“, sondern – unseren Kindern und kommenden Generationen zuliebe! – wir brauchen elementare Veränderungen, wie wir damit umgehen, Kindern die Welt zu zeigen.
    Und das bedeutet doch nicht, dass alles, was vorher an Lebensweisen, Werten, Wissen und Kultur errungen wurde (soweit es immer noch Sinn ergibt), nichts mehr wert ist. Es geht doch eher darum (so verstehe ich das), dass Menschen, klein oder groß, jung oder alt, den Raum bekommen, die Welt auf eine Art zu entdecken, die das Beste in ihnen hervorzubringt, die sie nicht formt, sondern beim Entfalten hilft. Jeder Mensch kommt mit einer einzigartigen Gabe zur Welt. Und jeder sollte die Möglichkeit, den Raum und die Zeit (!) bekommen, die er/sie braucht, um sie so zu entwickeln und zu entfalten, wie es bestmöglich ist. – Das geht in einer öffentlichen Schule nicht. Sogar wenn Eltern und Lehrer das wollten und sich redlich bemühen, sie bekommen einfach nicht den Raum (damit meine ich nicht Klassenzimmer) und die Mittel dafür.

    Die sorgsame differenzierte Art, wie Herr Stern mit Begriffen umgeht und erklärt, wie er sie verwendet, gefällt mir gut. Einfach schon deshalb, damit jeder Beteiligte erkennen kann, was genau gemeint ist. Sonst redet man schnell aneinander vorbei.

    Ausbruch aus dem Schulsystem? – Ich bin dabei!
    Zwar kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das in kurzer Zeit möglich ist. Aber ich konnte mir vor ein paar Monaten auch nicht vorstellen, dass Schulen weltweit von einem auf den anderen Tag für Wochen – oder vielleicht Monate? – geschlossen werden. Und das aus einem recht fadenscheinigen Grund. Die Welt verändert sich gerade jetzt – und wir alle können an der Gestaltung der Veränderungen mitwirken, da, wo es uns wichtig und richtig erscheint und wo wir unseren Beitrag leisten können und wollen.
    Irgendwie und irgendwo muss man ja anfangen. Und allein sich bewusst zu machen, dass die Schulpflicht nicht so zwanghaft obligatorisch ist, wie viele meinen, ist ja schon ein wichtiger Schritt in eine interessante Richtung! Daraus können sich neue Sichtweisen, Ideen und Vorgehensweisen entwickeln. – Und wenn ich die Möglichkeit bekomme oder finde, Kinder und Menschen jeder Altersgruppe beim (Neu-)Entdecken der Welt und beim Ausprobieren neuer Lebens- und Lernweisen zu begleiten, dann nehme ich sie herzlich gerne wahr. Denn auch ich kann dabei noch viel lernen – auch von Kindern!

  3. Nachdem ich den Gesprächsinhalt tagelang sacken ließ, kam ich zu
    dieser Meinung:
    Wer nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.
    Wer nur die Abrissbirne am Werk sehen will, erkennt nichts Bewahrenswertes.
    Wer nichts Bewahrenswertes sieht, ist blind dafür.
    Mindestens die Erinnerungen an die Anfänge unserer Kultur sollten wir
    uns bewahren: Klostergärten waren Vorbild für Bauerngärten, vor dem
    Buchdruck wurden ganze Bücher von Mönchen abgeschrieben, die mehr-
    tonale Musik wurde in der Benediktiner-Abtei Werden/a.d.Ruhr
    erfunden.
    Kulturgeschichte, Erd- und Menschheitsgeschichte, die Geschichte
    unseres Volkes sollte man kennen, unabhängig davon, ob hier ein
    Wissensdurst vorhanden ist.
    Eine Gedenkkultur soll die Erinnerung sowohl an Erfreuliches wie an
    Schreckliches aufrecht erhalten.
    Einverstanden: junge Menschen selbst entscheiden lassen, wann und wo
    sie sich Wissen und Kulturtechniken aneignen wollen.
    Ein Schatz an Grundwissen muss ihnen aber vermittelt werden, denn
    wo keine Spuren gelegt sind, kann gar nicht sinnvoll gefragt werden.
    Demokratische Verhältnisse, Diskursregeln können nur inmitten einer
    Gemeinschaft erfahrbar werden.
    Deshalb ja, Schule muss ganz anders werden. Und Bertrand Stern kann
    hier starke Anstöße geben; aber ihm an die Seite müssen auch Bewahrer
    und wir alle treten, um mitgefragt zu werden, mitgestalten zu können.
    Spätestens an der Stelle 1:38:07 Std. wurde mir deutlich, warum ich immer
    wieder ein Unbehagen wegdrücken musste. (Ich vermisse eine klare Unterscheidung
    von was IST und was ist Wunschdenken)
    Ob ich Atheist bin oder gläubig, muss ich zur Kenntnis nehmen, dass
    Papst Franziskus Einfluss hat. Zur päpstlichen Diplomatie hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=Ut3QNYkcvVI&feature=emb_rel_end

    Wie man dazu kommen kann zu sagen, die kath. Kirche sei eine "kleine Sekte",
    mag Wunschdenken sein, Wunsch der Abrissbirne im Kopf (es sind immerhin
    1,2 Mrd. Menschen, die mehr oder weniger intensiv den Papst in Rom als
    Oberhaupt ihrer Glaubensgemeinschaft anzuerkennen.
    Dem Vorgehen von Margret Raesfeld und Michael Hüter kann ich mich anschließen
    und hoffe und wünsche diesem Bemühen großen Einfluss und Erfolg.

  4. Danke für das Interview.
    Wie immer.
    Komisch, dass mir hier der Film "Waterworld" einfällt. Herr Stern scheint hier nach "Dry-Land" zu suchen.
    Sicher, das Schulsystem ist zwingend reformbedürftig. Auch die Entfaltung des Individuums muß in den Vordergrund gerückt werden. Und ja, ich komme schon wieder auf ihn zurück: auf Dr. med. Wolf Büntig. Stichwort "Normopathie"! Das ist natürlich entmenschlichend. Ein hineinzwängen in vorgeschriebene Strukturen. Das ist gruselig.
    Aber: Die Ansichten von Herrn Stern halte ich für zu radikal bis kaum durchsetzbar. Zumindest derzeit. Die gesellschaftliche Struktur gibt so etwas einfach nicht her. Höchstens selektiv. Aber niemals bei der breiten Maße. "Was ist ist, was nicht ist,ist möglich" haben schon die "Einstürzendne Neubauten" gesungen. Und ihr Mastermind Blixa Bargeld war alles Andere als ein sittsamer Schüler. Rebell. Chaot. Autodidakt. Erfolgreich. Aber lag es daran, daß er die Schule verweigerte? Sicher möglich. Aber das scheinen mir Ausnahmen.
    Mir scheint Herr Stern hier etwas zu radikal. Worauf her hinaus will ist ja löblich. Aber nicht mit dem großen Schritt vor dem Kleinen. Und vielleicht nicht jeden Begriff auf die Goldwaage legen. Das kommt zu unentspannt rüber.

    • *"Die Ansichten von Herrn Stern halte ich für zu radikal bis kaum durchsetzbar."*
      Das kommt darauf an… Sicher ist, dass einem bis zum Zeitpunkt einer gewissen Selbstbestimmung, Werte beigebracht werden müssen. Werte, die den Umgang mit anderen Menschen regeln, denn es kann ja nicht sein, dass man solchen, die vorangig nur an sich selbst denken, freie Entfaltung gewährt. Wenn man in dieser Zeit der Prägung auch noch Grundlegendes wie Lesen, Schreiben und Rechnen lernt, ist daran nichts auszusetzen. Bei Herrn Stern aber kam so etwas leider nie zur Sprache. Ich kann mir jedoch kaum vorstellen, dass er so radikal ist, auf diese Grundprägung auch noch verzichten zu wollen.

  5. Vielen Dank, Ken Jebsen und Bertrand Stern, für das wirklich interessante und bereichernde Gespräch.
    Ich selbst bin Mutter von vier mittlerweile erwachsenen "Kindern". Sie besuchten die Freie Waldorfschule. Ich habe diese "Schulform" mit dem anderen pädagogischen Ansatz und der menschenkundlichen Betrachtungsweise lange Zeit als das kleinere Übel -im direkten Vergleich mit dem Staatsschulsystem- empfunden. Neben allen Höhen und Tiefen, Vor- und Nachteilen, dem Druck von außen, aber auch dem innerfamiliären Druck, neben all den schönen und unschönen Erlebnissen, doch vor allem durch das ganz individuelle Feedback von jedem EInzelnen meiner Kinder, muss ich heute rückblickend feststellen: Vieles war gut so. Und Vieles würde ich heute ganz anders machen.
    Was Sie über den Ausdruck "Kind" und "junger Mensch" sagen, gefällt mir sehr. Es erinnerte mich sehr an meine Studien im Rahmen einer Ausbildung über die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler, die einen anderen und sehr respektvollen Umgang zu den "Kleinsten" der jungen Menschen pflegte. Ihre Bücher sind Bereicherung für alle Eltern.

  6. Danke Ken, Danke Herr Stern,

    für das tolle Interview!
    Ich kann alles aus eigener Erfahrung genauso bestätigen, unser Bildungs- und Schulsystem ist traumatisch.

    Nachdem ich geflohen wurde aus dem Schulsystem der DDR erlebte ich schon einen Schock.
    Ich war Klassenbester dort, wir benutzten lateinische Begriffe wie Substantive und Adjektive und hatte Russisch.
    Kaum im damaligen Westdeutschland eingeschult, hatte ich es mit Namenwörter und Tunwörter zu tun.
    Es dauerte zwei Jahre bis ich mich daran gewöhnt hatte und da zitiere ich auch gerne Gerald Hüther: "Du bist in der Schule nur gut, weil du dich am besten anpassen konntest."
    Für mich war es so, ich hatte mich angepasst.
    Nach der Lehre holte ich das Abi nach, auf Abendschule, neben meinen Beruf. Ich tat es freiwillig, weil ich die Chance auf eine bessere Zukunft sah. Beruflich wie auch finanziell. Wie sie es sagen Herr Stern.
    Dann folgten 9 Jahre Abendschule, erst Meister, dann Dipl. Ing. (FH).
    Ich bin mittlerweile über zehn Jahre raus, aber ich habe heute noch Alpträume, dass ich eine Prüfung nicht bestanden hätte und wache schweiss gebadet auf. Seitdem hängen die Zertifikate und Zeugnisse
    an der Wand, damit ich mich immer daran erinnere, was ich alles bereits geschafft habe.
    Weiter gehe ich in Weiterbildungsseminare, freiwillig, mache ein Zertifikat hier und ein anderes etwas später, auch aus freiwilligen Stücken. Und was mir extrem auffällt, sind die Abläufe, extrem dicht gepackter Stoff meist in 5 Tagen. Man fährt in Hotels, sitzt 16 Stunden zusammen, lauscht dem Vortragenden Kursleiter, ballert sich das Zeug in den Kopf, Abends noch auf dem Zimmer alles wiederholen und noch 20 Fragen von Probeprüfungen machen bis 01:00 am Morgen. Und am Freitag in der Prüfung wird alles ausgekotzt. Ganz ehrlich, die ganzen Zertifikate die ich so erlangt habe, sind einen feuchten Dreck wert, weil ich im alltäglichen Leben kaum damit zu tun habe. Aber ich habe das Zertifikat und ganze andere Chancen im Leben als diejenigen, die es nicht haben. Obwohl ich dadurch nicht mehr weiss.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, was in unserem Bildungssystem abläuft will ich meinen Kindern nicht antun. Es ist traumatisch.

    Ich finde die Idee auch super wie in den Kommentaren unten, ein KenFM für Kids.
    Aufklärung statt Massenmanipulation und Ausbeutung von jungen, genialen, kreativen und selbstbestimmenden Geistern, unseren Kindern.

  7. Das ist ein Test, ob ich auf YT oder bei Ihnen ge(shadow)bannt bin.
    Sobald ich dort ausgeloggt bin, kann ich meine Beiträge nicht mehr sehen.

    *"Kann man diese geistige Verstümmelung rückgängig machen?"*
    Natürlich können Sie dass, Herr Jebsen, aber dabei wird Ihnen keiner helfen können oder gar helfen wollen. Sie müssen dies also im Alleingang – also autodidaktisch – schaffen und dabei naiv akribisch der Sache, über die Sie mehr wissen wollen, auf den Grund gehen. Nur wenn Sie dann etwas herausfinden, wofür Sie weder wissenschaftlich belegte Argumente/Aussagen, Experimente oder vorrausberechnende Formeln haben, wird Ihnen kein Mensch glauben. So ergeht es mir seit etwa 2013, als ich anfing, mich autodidaktisch mit Physik zu beschäftigen und 2016 und 2018 tatsächlich etwas heraus fand, was gegen die einhellige Mainstream-Meinung (Relativitätstheorie/Urknall-Modell, Dunkle Materie) spricht. Bis heute ist es so, dass die Einen mir nicht glauben, weil sie meine Ausführungen nicht verstehen oder gar verstehen können und die Anderen glauben mir nicht, weil die Wissenschaft etwas Anderes sagt (wofür Letztere auch noch Schulnoten und am Ende einen akademischen Titel bekamen). Bevor Sie also fragen, ob man diese geistige Verstümmelung rückgängig machen kann, sollten Sie sich fragen, ob es Sinn macht, sie rückgängig machen zu wollen. Ich muss sozusagen Linkshändern das Rechtsschreiben beibringen – also etwas tun, was die Rechtsschreiber bei mir damals auch nie geschafft haben.

    *"Die fahren mit dem Panzer in die falsche Richtung"*
    Das ist doch kein Argument. Man kann mit so einem Panzer nämlich aus zwei Gründen in die falsche Richtung fahren, nämlich neben der von Ihnen (Herr Jebsen) erwähnten Dummheit auch noch mit voller Absicht, weil einem das System nicht gefällt. Das Ergebnis dürfte in beiden Fällen das selbe sein.

    *"Wo kämen wir denn hin?"*
    Wenn nicht endlich mal einer losrennt um nachzusehen, wohin man denn käme, wenn man ginge, wirds keiner erfahren.

    Frage: Ob der Herr Dr. Stein sich wohl eine Situation vorstellen kann, in welcher einer merkt, an falscher Stelle aus dem System ausgebrochen zu sein, nämlich an jener, wo er erkennt, dass er ohne die Bezüge, die er kassiert nicht mehr klar kommt und sich deswegen dem System fügen muss? Sprich Sozialleistungen wie Hartz 4? Wie geht der Ausbruch denn nun weiter?

    Was bitte ist an diesen Beiträgen auszusetzen?

  8. Sehr geehrter Herr Bertrand Stern.

    Schule der Zukunft braucht Eltern die bewusst sind, dass Bildund nicht nur dadurch stattfindet, dass ein Erwachsene den Jungen Menschen etwas diktiert, vormacht oder diese Bespielt.

    Ich bin im Krippenbereich als Kinderpflegerin tätig. Habe selbst zwei Kinder, bin 47 Jahre alt und bin in Brasilien aufgewachsen.

    In den Einrichtungen werden Kinder, Betreut, gepflegt und gebildet. Das werden die jungen Menschen zu Hause auch.
    Sind Eltern und jegliche betreuende Erwachsene aus dem familiären Umfeld des Kindes davon bewusst, kommt dies sehr ihren Kindern und der "Schule de Zukunft" zu Gute.

    Ich habe eine zukunftweisende Herangehensweise in der Art des Wertschätzen der "Ausdrucksformen"des jungen Menschen ausgearbeitet und würde gerne diese mit Ihnen besprechen. Wie kann ich Sie kontaktieren?

    Mit freundlichen Grüßen

  9. Ohne jede Frage ein sehenswerter Beitrag, aber …
    Schulpflicht ist KEINE Pflicht der Kinder (ich bleibe bei dem Begriff, u.a. deshalb, weil ich im Schulbetrieb versuche diesen gegenüber dem der "Schülerinnen und Schüler" durchzusetzen)! Der Schulpflicht müssen die Eltern nachkommen, indem sie ihrem Kind den Schulbesuch gestatten müssen, statt seine Arbeitskraft auszunutzen. In unserer Gesellschaft ist Kinderarbeit in irgendwelchen Betrieben/Wirtschaftszweigen weitgehend geächtet, so dass man meinen könnte, dies sei kein akutes Problem mehr. Tatsächlich aber werden insbesondere Mädchen oft zu häuslichen Arbeiten incl. Betreuung jüngerer Geschwister missbraucht, statt die Schule zu besuchen oder eben "sich selbst zu entfalten/verwirklichen".
    Ein weiterer Grund für mein Beharren auf dem Begriff Kind ist übrigens, dass ich mich nicht an einem sprachlichen Rückzugsgefecht beteiligen möchte, das auch "lernen" vermeidet. Ich versuche im Gegenteil, den Begriffen ihren wahren Wert wiederzugeben. Kinder experimentieren, erkunden und erfahren – völlig richtig – UND lernen dabei. Lernen ist nämlich ein innerer Prozess, der durch äußeres Handeln den nötigen Input erhält. Wir brauchen also zweierlei:
    1. Input (den unsere heutige Schule absolut suboptimal anbietet, aber in vielen Fällen immer noch besser, als es die Alternative (zu Hause vor der Glotze abhängen o.ä.) bereithält)
    2. "Lernzeit", d.h. weitgehend inputfreie, also ungestörte Zeit wie Schlaf oder Langeweile! Erst dann werden nämlich die Inputimpressionen einsortiert (siehe u.a. den wunderbaren Pixar-Film "Alles steht Kopf")

    Hintergrund der über das sinnvolle Maß hinausschießende Schulpflicht-Bashing ist m.E. übrigens ein fataler begrifflicher Irrtum. Einem FDP-würdigen (Miss-)Verständnis von Freiheit folgend wird die Frage gestellt, was man DARF, statt was man KANN. Ein Mensch soll nicht bloß Verantwortung (für sich, seine Bildung und andere Menschen) übernehmen DÜRFEN, sondern es auch KÖNNEN, wozu er aber nicht "von Natur aus" befähigt ist – ER MUSS ES ERST LERNEN – im praktischen Umgang mit intellektuellem und sozialem Input! Dass die Schule – insbesondere in unserer heutigen minderwertigen Form – das nicht ideal zu leisten imstande ist, bedarf keiner Diskussion, sehr wohl aber, inwieweit sie dazu einen wertvollen Beitrag erbringen kann.

    • "Warum sollten eigentlich die Schülerinnen und Schüler sich dem, was ich als Lehrerin oder Lehrer ihnen anbiete, wenn es tatsächlich wichtig und wissenswert ist, permanent verweigern, so dass Kontrolle hier a priori angezeigt und unvermeidlich ist? Naheliegender ist doch die Schlussfolgerung, dass der diffuse Eindruck der Schüler, ihnen würde in der Schule über ihre Köpfe hinweg etwas angedient, das mit ihren Lebensinteressen nicht notwendig etwas zu tun hat, von den Lehrern im Grunde geteilt wird. …

      Wenn also alles, was ich (als Schüler) in der Schule tue, aber besonders das Lernen bzw. Gelernte (in wie »verständnisvoller« und »kindgerechter« Weise auch immer) vorgegeben, aufgegeben, angemahnt, abgefragt, zensiert, etc. wird, so geht man (die Lehrer als 'Funktionäre' der Schuladministration) offensichtlich davon aus, dass es für mich nicht auf eine einsehbare Weise nützlich ist, so dass ich auch keinen Grund dafür haben kann, es »von mir aus«, freiwillig zu übernehmen. …

      Auch alle Erziehungswissenschaft und Didaktik dieser Welt bleibt nichtig, wenn sie nicht auf der Grundvoraussetzung aufbaut, dass ich mich ALS SCHÜLER ZUM SCHULISCHEN ANGEBOT F R E I VERHALTEN KÖNNTE."
      (Klaus Holzkamp)

    • Entschuldigen Sie bitte, dass mein Zitat-Kommentar etwas deplaziert wirken mag…

      Es ging mir um den Hinweis darauf, dass Lernen eine durch und durch subjektive 'Angelegenheit' ist und völlig unabhängig von jedweder Institution 'funktioniert'. Es ist ein durch und durch natürliches Geschehen, d.h. "Kinder experimentieren, erkunden und erfahren" und d a s ist das Lernen, Lernen ist nicht noch etwas dazu oder daneben…

      Darüber hinaus ist der Schul-Zwang eindeutig ein Zwang für die Kinder. Und die Schul-Arbeit ist
      f r e m d b e s t i m m t e Kinder-Arbeit und meist gegen ihre eigensten Interessen.

      Während meiner einige Jahre dauernde Betätigung in einem sehr freien Kinderladen konnte, ich trotz der 'genehmigten' großen individuellen Freiheit des einzelnen Kindes, fast täglich erleben, dass Kinder, wenn sie denn morgens von ihren Eltern dort 'abgegeben' wurden, verdrießlich, mürrisch oder geradezu unglücklich darüber waren, nun dort sein zu müssen und nicht etwas 'besseres' tun zu dürfen.
      Die Struktur des Erwachsenen-Arbeitslebens wird schon dem Kindergarten-Kind auferlegt… Das Kind geht sozusagen j e d e n Tag zur Arbeit. …

  10. Interessante Standpunkte und nachdenkenswertes Thema, allerdings widerspricht Herr Stern, zumindest in diesem Format, mit seinem Dogmatismus und verbissenem Formalismus der Freiheit, die er hier versucht zu propagieren. Ich hoffe tatsächlich, dass diese Art der Präsentation seines Themas, diesem Format geschuldet ist, in mir persönlich löst diese Verbissenheit allerdings genau die Reflexe aus, die ich aus der Schule kenne und gegen die er ja offensichtlich angehen möchte – legt bei mir den Verdacht nahe, dass Herr Stein ein dramatisches Opfer des von ihm kritisierten Systems ist.
    Na, ich werde mich einmal seinem Buch widmen und hoffe, dass dieses in seinem Sprachduktus etwas weniger zwanghaft rüber kommt.

    • Interessante Sichtweise, Herr Lage.

      Ich meine: Nicht alles was zwanghaft wirkt, ist auch zwanghaft.

      Ein penibles Beachten der Bedeutung von Worten kann im kommunikativen Bereich durchaus auch das sein, was wir in anderen Bereichen 'Hygiene' nennen. Hier also die Hygiene der Sprache. Für manche Mitmenschen sicher eine Zumutung. Vor allem für diejenigen, über die bisweilen parodistisch gewitzelt wird: "Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich nicht gehört habe, was ich sage!"

      Ich betrachte Herrn Stern nicht als "Zwängler". Aber selbst wenn er einer sein sollte:
      Das wäre dann sein eigenes Problem. An den Inhalten seiner Aussagen – die ich für absolut stimmig halte – ändert das nichts.

      Ich glaube nicht, dass unseren jüngsten Mitmenschen (und unserer Gesellschaft insgesamt) gedient ist, wenn wir taten- und wortlos bleiben, mit dem Verweis darauf, dass Herr Stern "zwanghaft" ist.

  11. Liebe Leute. Habt ihr eigentlich schon bemerkt, dass ihr selbst – KenFM – eine solche Bildungslandschaft seid ?
    Seit 6 Jahren bilde ich mich bei Euch freiwillig und bin begeistert von der neu errungenen gedanklichen Freiheit.

    Wie wäre es also, einen KenFM-Ableger für unsere Kleinen in einem solchen Format zuschaffen?
    Vielleicht mit Herrn Stern?

    • Klingt nach keiner üblen Idee! – nur scheitert das wohl schon daran, weil die allermeisten Väter meist lebenslang damit beschäftigt sind, den Lebensunterhalt für mehrere Personen, die ganze Familie nämlich, zu erarbeiten und die meisten Mütter in solchen Dingen – hmm – meist viel zu inaktiv sind?!

      Dem Bertrand könnte man zwar seinen Namensvetter Andre zur Seite stellen (evtl. sind die ja sogar verwandt, weiß ich nicht), der ein Paradebeispiel für schulbefreite Intelligenz ist (mehrsprachig & mehrere Berufsausbildungen). Sprößling deutscher Eltern, die m.W. genau wegen dem deutschen Schulzwang ins schulzwangfreie Frankreich umgesiedelt sind, um ihren Kindern ein Aufwachsen OHNE Schule zu ermöglichen:
      https://andrestern.com/de/startseite.html

      Sofern die beiden sich diesen Altruismus überhaupt "antun" wollen! – diese Mühe: FÜR die Sprößlinge anderer Eltern GEGEN einen massiven, institutionell-betonierten Strom zu schwimmen. Was doch wohl eine ureigenste "Sportivität" und Eigenverantwortung von Eltern selbst ist. – wenn ihnen wirklich – also wirklich! – etwas am Wohl ihrer Sprößlinge liegt und sie vermeiden wollen, dass denen das gleiche angetan wird, wie ihnen selbst.

      Vermutl. würden die beiden Sterns sich (m.E. absolut legitim!) wohl verweigern. Eltern sind doch für gewöhnlich selbst alt und klug genug, um dafür keine "Führer" zu benötigen, die sie bei sowas an die Hand nehmen und sie – schulisch *g* – in etwas unterrichten, was sich – und das ist wohl wirklich des Pudels Kern – "Empathie" nennt.

      Ich denke, das wäre sogar paradox: Eltern, die Lehrer nötig haben, weil sie ihren Kindern Lehrer ersparen wollen. Da kann man – ganz egoistisch – ja heilfroh sein, wenn man heutzutage kein "Kind" mehr ist.

  12. Hmm … das Interview hab ich doch vor etlichen Wochen schon mal auf KenFM gesehen. Ein Neustart unter neuer Rubrik? – denn die Aufrufe, momentan ca. 460, während die, in der Angebots-Liste nachfolgenden, brandneuen Clips, nicht unter ca. 10.900 aufweisen?! Seltsam. Ist es zu wenig interessant?

    Ich hoffe, dieses "Desinteresse" hat nichts mit der Thematik zu tun. Denn eigentlich ist die doch wohl der schändliche Kern unseres Gesellschafts-Pudels: Unsere "Zivilisation" ist unmenschlich!
    (Und nebenbei: Unsere Wirtschaft tötet! – wie Georghe Bergoglio, alias Papst Franziskus, schon vor geraumer Zeit klar zum Ausdruck brachte.)

    Und die jüngsten Menschen ("Kinder" ist die falsche Vokabel, hab ich jetzt begriffen. Merci Bertrand!) können sich bekanntermaßen am wenigsten dagegen wehren. Und: Werden sogar von ihren Eltern, denen sie naturBE-dingt (zumindest anfangs) UN-bedingt vertrauen, auf die Schiene des Schul-Anwesenheits-Zwangs gesetzt (nicht "Schulpflicht" – hab ich auch grad begriffen. Merci Bertrand!). Vorher schon "Krippe" und "Kindergarten" als Einübung auf fortfolgende … Dressur?!?

    Auch was unsere Corona-Krise angeht meine ich: Viel zu wenig stehen unsere Jüngsten dabei zur Debatte. Ausser, dass beklagt wird, dass man sie nicht in die Schule schicken kann. Au weh! – da wird's wohl mit diesem Interview ein wenig knirschen, im Gebälk von manchem Oberstübchen.

    Nur hie und da fällt mal eine Nebenbemerkung, dass dieser bundesweite (fragwürdige) Hausarrest, auch dem sogen. "Kinds"-Missbrauch, also den Macht-Missbrauch (körperlich, emotional, sexuell) an den jüngsten unserer Mitmenschen Tür und Tor öffnet. Während, sowieso überforderte, Jugendämter blockiert sind und Polizisten SpaziergängerInnen in Parks kontrollieren: Glaubt irgendwer, für die Macht-MissbraucherInnen wäre die Ausgangssperre identisch mit einem "Exorzismus"?!? – das Gegenteil(!) ist viel wahrscheinlicher.

    "Ein Wahnsinn wird unsichtbar, sobald er
    ein genügend großes Ausmaß erreicht hat!"

    (Berthold Brecht)

    Auch wenn Humor bei dem Thema "Unsere jüngsten, wehrlosesten Mitmenschen" missverstanden werden kann, noch ein Zitat mit Augenzwinkern, aber keineswegs ohne tieferen Sinn:

    "Man kann bei der Wahl seiner Eltern
    nicht vorsichtig genug sein!"

    (Götz Werner, dm-Drogerieketten-Chef,
    der mit diesen Worten wiederum seine Mutter zitiert)

    • Danke! – für die Klärung meiner Spekulation bezügl. des video-clips.

      Und "sorry" @all – sollte ich damit falsche Eindrücke erweckt haben.
      Das war nicht meine Absicht.

  13. Lieber Bertrand, lieber Ken,
    das war ein ganz wundervolles Gespräch! Und vielleicht beinhaltet dieser "Corona-Wahn" auch die Chance, aus alten Denkstrukturen und Ideologien auszubrechen, wenn wir die Chancen darin erkennen und für uns nutzen 😊. Wer weiß wie viele junge Menschen sich gerade erholen, weil sie nicht mehr dem Gebäudeanwesenheitszwang unterworfen sind? Und ich kann nur hoffen, dass viele Eltern sich weigern ins Homeschooling überzuwechseln, sondern anfangen ihrem Nachwuchs zu vertrauen…
    Liebe Grüße
    Birgit

    • Mamomi schreibt:
      "… Wer weiß wie viele junge Menschen sich [bei der akt. Corona-Krise] gerade erholen, weil sie nicht mehr dem Gebäudeanwesenheitszwang unterworfen sind? …"

      Richtig! Solche gibt es mit absoluter Sicherheit auch. Und: Es sei ihnen von Herzen vergönnt. Die haben jetzt vergleichsweise eine gute Zeit und man muss sich nicht notfallmäßig um sie kümmern.

      Nur – beim Blick auf diese "Erlösten":
      Darf man die anderen dabei vergessen?!? Diejenigen unserer jüngsten Mitmenschen, die den "Kinds"-MissbraucherInnen derzeit – faktisch ABSOLUT – hilflos ausgeliefert sind?

      Oder anders gefragt:
      Wem nützt bei diesem Thema das sogen. "Positiv-Denken" wirklich?!?

    • Leider kein Antwort-Button unter "Ken J"-Antwort auf mein posting. Deshalb auf diesem Weg:

      Danke! – für die Klärung meiner Spekulation bezügl. des video-clips.

      Und "sorry" @all – sollte ich damit falsche Eindrücke erweckt haben.
      Das war nicht meine Absicht.

    • Sorry! – letzter post hier ist meiner senilen i-net-INkompetenz geschuldet. Der Post gehört nicht an diese Stelle. *gequält-grins*

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