BGE kollidiert mit Kapitalismus

MDR: Geld zum Leben für alle? Gegner und Befürworter diskutierten die Idee vom Bedingungslosen Grundeinkommen

von Susan Bonath.

Bis auf null sanktionierte Hartz-IV-Bezieher, von der Sozialhilfe ausgeschlossene EU-Migranten, Bettler und Obdachlose auf den Straßen sind der Beweis: Das Recht auf Menschenwürde ist zur leeren Floskel im deutschen Grundgesetz verkommen. Könnte ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), das jedem Menschen monatlich ausgezahlt wird, die Lösung sein? Befürworter und Gegner diskutierten darüber am Montagabend in der MDR-Sendung »Fakt ist«. Den Knackpunkt kristallisierte Moderatorin Anja Heyde mit einer Frage selbst heraus: »Kann das funktionieren im real existierenden Kapitalismus?« Eine Antwort darauf blieben beide Seiten schuldig.

»Wir brauchen Antworten auf die neue Arbeitswelt«, blickte Michael Bohmeyer vom Crowdfunding-Projekt »Mein Grundeinkommen« voraus. Denn mit dem technischen Fortschritt würden Erwerbslosigkeit und damit Armut weiter zunehmen. Jeder müsse erst einmal gut abgesichert sein, um sein Leben ohne Angst zu planen. Das Gegenargument, wonach manche Arbeit mit einem BGE nicht mehr erledigt würde, sei widerlegt, so Bohmeyer. Umfragen hätten ergeben, dass die meisten weiter arbeiten würden. »Der ständige Druck der Existenzangst, wie vor dem Abrutschen ins Hartz-IV-System, wäre aber erst mal weg.« Dann hätten Arbeiter mehr Wahlfreiheit und eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Unternehmern.

Mit seinem spendengetragenen Projekt verlost Bohmeyer einjährige Grundeinkommen von monatlich 1.000 Euro. 89 Personen seien bereits in den Genuss gekommen, erklärte er. Valerie Rupp ist eine von ihnen. »Uns hat es erst aus purer Not befreit, dann konnten wir überlegen, was wir machen«, berichtete sie. Rupp habe zu dieser Zeit ein Kind erwartet und studiert, aber kein Bafög bewilligt bekommen. »Bei mir hat der Sozialstaat immer versagt.«

Auf diesen berief sich der Wirtschaftsjournalist Andreas Hoffmann vom Stern. Mit einem BGE würde der Sozialstaat nicht mehr funktionieren, meinte er. Der sei in Deutschland ausbaufähig, aber in seinen Strukturen gut. Das BGE hingegen sei »nur eine schöne Utopie«. Außerdem müsse man Menschen durch Druck motivieren, sich auch unangenehmeren Jobs zu stellen, so Hoffmann.

Dem widersprach zwar Susanne Wiedemeyer, Landesbeauftragte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Sachsen-Anhalt. Dabei berief sie sich auf ihre Erfahrungen mit Ein-Euro-Jobs, die sie persönlich ablehne. »Die Betroffenen haben sich darum gerissen«, sagte sie.

Für ein BGE könne sich Wiedemeyer trotzdem nicht begeistern: »Das Geld bekommen Arme wie Reiche, es wird sich also an der sozialen Kluft nichts ändern.« Außerdem ist Wiedemeyer überzeugt, dass Unternehmer dann Mindestlöhne und hart erkämpfte Rechte boykottieren könnten. »Glauben Sie, der Arbeitgeber würde die 1.000 Euro nicht auf den Lohn anrechnen?«, fragte sie. Geklärt sei zudem nicht, wer wie viel in die Krankenkassen einzahlen solle. Und: »Wie lange würde es dann dauern, bis Mieten und Fahrkosten steigen, weil die meisten die 1.000 Euro zusätzlich haben?«

Die Befürworter verwarfen die Bedenken. Es komme auf den Versuch an; man müsse einfach sehen, wie es läuft. Das sah auch die Mehrheit der gut 3.000 vom MDR befragten Sachsen-Anhalter so. 81 Prozent stimmten für ein BGE. Dass sie weiter wie bisher arbeiten wollen würden, meinten sogar 89 Prozent.

Das Thema BGE ist dabei durchaus zwiespältig, einige Argumente der Kritiker wohl berechtigt. Dass so etwas einerseits funktionieren kann, zeigt ein bereits existentes »BGE« für die Jüngsten: das Kindergeld. Ein Modellprojekt in Finnland macht aber deutlich: Im Kapitalismus hat auch ein BGE seine Grenzen. Dort zahlt der Staat aktuell 560 Euro monatlich an 2.000 ausgeloste Erwerbslose, und dies frei von Bedingungen, wie Arbeitszwang. Klar ist: Davon kann niemand leben. Aus dem neoliberalen Lager gibt es weitere, ähnlich niedrig gehaltene Vorschläge.

Auch auf die Frage nach der Finanzierung hatte denn auch niemand der Diskutierenden eine plausible Antwort. Irgendwie über Steuern, kam am Ende lediglich heraus. Diese dürften, wie es auch gegenwärtig ist, vermehrt die lohnabhängig Beschäftigten mit mittleren Einkommen aufbringen. Die Profiteure dürften sich derweil ins Fäustchen lachen über die Zerschlagung des letzten Restes vom Sozialstaat. Denn vergessen werden darf nicht: Ein BGE wäre für sie ein Argument, weitere Hilfen abzuschaffen. Wie dann ein Querschnittsgelähmter an seinen unbezahlbaren Rollstuhl kommt, dürfte sie nicht sonderlich interessieren. Mit anderen Worten: Ohne den Kapitalbesitzern etwas wegzunehmen, ohne die Kapitalmärkte in gesellschaftliche Hand zu bekommen, lauern im BGE viele Gefahren.

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

51 Kommentare zu: “BGE kollidiert mit Kapitalismus

  1. @andris

    Arbeitslose leisten keinerlei Beitrag zur Volkswirtschaft. Belegt man sie mit Pflichten, so verursacht die Überprüfung dessen Kosten ohne Gegenleistung.

    Naja, so pauschal zu sagen, dass sie keinen Beitrag leisten, finde ich etwas fragwürdig. Monetär gesehen mag das vielleicht stimmen, aber was diese Menschen sonst so noch leisten wird ja garnicht gemessen oder erfasst. Ob da einer in Vereinen ehrenamtlich tätig ist (ja, trotz Arbeitslosigkeit soll es sowas geben) wissen wir doch z.B. garnicht.

    Solange man also am Prinzip festhalten will, dass man niemanden „verhungern“ lässt, ist die sinnvollste Lösung eindeutig ein BGE.

    Meiner Ansicht nach ist, beim Festhalten am Prinzip, dass man niemanden verhungern lassen möchte, die Grundlage das passende Verständnis. Wir sollten einfach ausreichend Dinge herstellen, die wir brauchen und dies möglichst lokal damit wir sie nicht sinnlos durch die Weltgeschichte transportieren müssen. Wie das bezahlt wird ist doch scheißegal, solange wir darauf vertrauen, dass alle irgendwie mitmachen. Und mal ehrlich, den Ferrari braucht man nicht und die Villa, die man alleine bewohnen möchte, aber garnicht alleine unterhalten und reinhalten möchte, braucht man auch nicht. Wie wir das respektvoll uns allen gegenüber anstellen sollen ist bislang nicht geklärt. Heute zwingen wir uns halt irgendwie zu irgendwelcher bezhalter Arbeit.

    Wir sind heute derartig arbeitsteilig, dass niemand auch nur irgendwas machen kann, ohne dabei von der Vorleistung eines anderen abhängig zu sein. Wir glauben allerdings, dass man um arbeitsteilig sein zu können sich gegenseitig bezahlen muss. Dann bin ich mal gespannt, wer mir klar machen will, dass er/sie zu Hause den Partner für irgendwelche Leistungen des gemenschafltlichen Zusammenlebens bezahlt…

    Und das ist es was uns klar werden sollte. Wie groß die Gemeinschaft ist, spielt doch keine Rolle. Unsere Gemeinschaft ist mittlerweile globalisiert, weil jeder irgendwo etwas herstellen kann, was an anderer Stelle benötigt wird.

    Wovon wir uns daher trennen sollten ist die permanente Angst beschissen zu werden oder die Angst davor, dass einer vermeindlich wenigertut als ein anderer. Wichtig ist doch, dass wir uns klarmachen, dass nur die allerwenigsten ohne andere auskommen können. Zusätzlich sollten wir verstehen, dass die wichtigsten Bedürfnisse (in Reihenfolge) Luft, Wasser und Nahrung sind. Wenn wir es endlich mal schaffen würden die letzen beiden sinnvoll zu verteilen, dann hätten wir schonmal etwas essentielles dazugelernt. Nämlich was unser Überleben sichert. Danach könnten wir uns dann überlegen, was wir sonst noch haben oder machen wollen.

    Ich finde Arbeitslose garnicht schlimm. Arbeitslos zu sein bedeutet doch nur, dass es gerade einfach mal nix zu tun gibt. Wenn ihr zu Hause seid und das Klo ist sauber, dann werdet ihr es doch auch nicht einfach nochmal putzen, nur damit ihr eine Arbeit erfüllt. Bei Arbeitslosen scheinen die meisten allerdings irgendwelche Assos vor dem inneren Auge zu haben, die keinen Bock haben sich an irgendwas zu beteiligen. Ich würde mal sagen, dass so eine Beschreibung auch gut auf einige sehr reiche Menschen zutreffen könnte…
    Zusätzlich haben wir uns derart in diesem Geldprinzip verirrt, dass wir davon ausgehen, dass Geld der einzige Anreiz ist etwas zu tun.

    Was reizt nur die ganzen Erzieher/innen, Pflegekräfte, Sozialarbeiter/innen, usw. die jetzt nicht gerade fürstlich bezahlt werden oder gar die Menschen beim THW oder der freiwilligen Feuerwehr ihrer Arbeit nachzugehen???

    Die Frage die sich stellt ist doch, warum ist es heute schlimm wenn man keine bezahlte Arbeit hat? Weil alle anderen täglich gegen den Mangel an Geld ankämpfen müssen und der einzige Weg an dieses behinderte Mittel zu kommen eben eine bezahlte Arbeit ist. Daher zwingen wir die Arbeitslosen auch dazu Schwachsinn zu machen, nur damit sie irgendwas machen und wir anderen das Gefühl bekommen, dass dort keine Ungerechtigkeit den (bezahlt) arbeitenden gegenüber entsteht. Wie Ungerecht so manche Aktion da den Arbeitslosen gegenüber ist, scheinen sich nur wenige zu fragen.

    Der Teil, bei dem es darum geht was wir denn machen, wenn in einem Bereich plötzlich keine Arbeit mehr ist oder keine Aufträge mehr reinkommen, dieser wichtigste Aspekt ist einfach in den ganzen Modellen nie so richtig betrachtet worden. Heute besteht wirtschaften darin eine Unternehmung zu finden, die möglichst viel Geld abwirft. Der Gedanke, dass sich erfolgreiche Produkte am Markt durchsetzen und weniger erfolgreiche Produkte vom Markt verschwinden klingt, so modellhaft wie er ist, erstmal nicht schlimm, wenn dies aber bedeutet, dass mit dem geringen Erfolg eines Produkts auch die Menschen dahinter ihre bezahlte Arbeit verlieren, dann versteht man, dass das Modell nicht vollständig durchdacht ist. Und dann haben wir einfach die Hoffnung, dass immer ausreichend bezahlte Jobs zur Verfügung stehen. Wie naiv…

    Wir halten Bereiche irgendwie künstlich am Leben, nur damit die Leute ihre bezahlte Arbeit nicht verlieren. Im Bereich der Automobilindustrie darf also bloß keine Krise kommen, weil da so viele Jobs dranhängen. Wenn alle ein Auto haben, was dann? Dann sollten die Autobauer wissen, was sie danach verkaufen können, denn sonst stagniert der Absatz, die Leute benötigen aber weiterhin ihren Lohn…

    Es scheint also so zu sein, dass unser Prinzip mit dem Geld und dem Wirtschaften auf Profit hin und diese behinderte Abhängigkeit vom Geld und damit von einer bezahlten Arbeit nicht aufgeht. Denn das Prinzip der Profitmaximierung sorgt zwangsläufig dafür, dass wir versuchen permanent Kosten zu sparen. Blöd, dass für eine Unternehmung die mitarbeitenden Menschen Kosten verursachen.

    Wir sollten uns also überlegen, wie wir es hinbekommen, dass wir nicht erst fragen müssen, wie das finanziert werden soll, sondern wie wir sinnvoll miteinander an den Dingen arbeiten und diese herstellen, die wir wirklich brauchen und wie wir es schaffen können, eine Geisteshaltung einzunehmen, die auch mal langsamere und weniger arbeitsreiche Zeiten zulässt. Wenn eben eine Zeit lang für manche nix zu tun ist, ist das doch nicht schlimm. Die werden sich dennoch irgendwie in die Gesellschaft einbringen. Wenigstens dieses Vertrauen sollten wir uns zurückerobern.

    Bleibt friedlich…

    Ich

  2. Beim BGE muss man den volkswirtschaftlichen Kontext verstanden haben.

    1. Wir leben in einem System des „garantierten Grundeinkommens“, das heisst, der Staat kann jeder/-m sagen, woher sie/er das Grungeinkommen bekommen soll (Arbeitgeber, Sozialversicherungen, Verwandte, …). Finanziert ist das bereits.

    2. Solange Arbeitgeber auf dieser Liste stehen, ist der Arbeitsmarkt gegen unten abgeklemmt (Mindestlohn, bzw. Mindestpreis der Arbeit). Ein Mindestpreis bedeutet für den Markt, dass Überangebot herrscht, in diesem Fall heisst das Arbeitslosigkeit. Arbeitslose leisten keinerlei Beitrag zur Volkswirtschaft. Belegt man sie mit Pflichten, so verursacht die Überprüfung dessen Kosten ohne Gegenleistung.

    Ausserdem hat das System des garantierten Grundeinkommens einen grossen Haken:
    Unterhalb des Grungeinkommens besteht keine finanzielle Motivation zur Arbeit (Aufstocker). Man kann nur den Anteil des Grundeinkommens, das man selbst erwirtschaftet erhöhen, einen Einfluss auf das Einkommen hat das nicht. Ein Beispiel:
    Angenommen ich verdiene CHF 300.- selbst, dann zahlt mir das Sozialamt rund 2000.- unter der Bedingung, dass ich mich um ein eigenes, existenzsicherndes Einkommen bemühe. Verdiene ich neu 500.-, dann kriege ich vom Sozialamt nur noch 1800.-, bin also gleich weit wie zuvor, warum sollte ich das also tun?
    Ein BGE liesse sich in der Schweiz mit ca. 40-50 Lohnprozenten finanzieren. Das Beispiel mit BGE:
    Ich kriege 2300.- BGE, verdiene 300.- selbst, gebe davon 150.- ab, habe also 2450.- total. Angenommen ich verdiene 500.-, so wird das zu 2550.-, ich habe also einen finanziellen Anreiz um mehr zu leisten (+100.-).

    Somit lässt sich zusammenfassen:
    1. Entgegen allen Behauptungen, erhöht ein BGE den Anreiz zu arbeiten, auch ganz ohne dass man davon ausgeht, dass die Leute gerne arbeiten.
    2. Ein echter freier Arbeitsmarkt stellt das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sicher. Ergo keine Arbeitslosen, keine Menschen mehr, die keinen Beitrag zur Volkswirtschaft leisten, also muss davon ausgegangen werden, dass unter dem Strich für alle mehr da ist (ganz zu schweigen von den Einsparungen im Kontrollapparat).

    Solange man also am Prinzip festhalten will, dass man niemanden „verhungern“ lässt, ist die sinnvollste Lösung eindeutig ein BGE.

    Anfügen möchte ich hier noch, dass ich anfänglich das Gefühl hatte: „Das kann doch gar nicht gehen, das ist doch purer Sozialismus!“. Je mehr ich jedoch darüber nachdachte, umso mehr erkannte ich, dass das pure Gegenteil der Fall ist.

  3. Viele Menschen Fragen immer, was man angesichts der Erkenntnisse über die Übel in unserer Gesellschaft bzw. Wirtschaftssystem denn als ersten Schritt tun kann und muss:

    Meine Antwort/Empfehlung:

    Die Menschen müssen als erstes für einen 4-Stunden-Vollzeitsarbeitstag bei vollem Lohnausgleich streiken.
    Das bedeutet Generalstreik – deutschlandweit besser europaweit und letzlich irgendwann kommt das auch in den letzten Winkeln der Welt an.
    Denn wenn wir es hier schon nicht schaffen, wie sollten das die Menschen in den Ländern mit noch schwächeren demokratischen Rahmenbedingungen und noch geringeren Sozialstrukturen schaffen.
    Es MUSS darum bei uns hier beginnen.
    Je eher desto besser für die ganze Welt.

    Denn Geld ist relativ, wie viele hier schon angemerkt haben und somit auch das BGE oder ähnliches.
    Die tägliche Zeit die jeder Mensch zum Leben hat ist aber absolut und für alle gleich, nämlich 24 Stunden.

    Wenn es hier und jetzt gelingt, den entscheidenden Schritt zu tun, dann ist der Kampf schon fast gewonnen.

    Darum nochmal:

    Der erste und dringend notwendige Schritt ist die Einführung eines 4-Stunden-Vollzeitarbeitstages über Arbeitskampf und Generalstreik !!!

    Das wird aber ein Kampf, der bis aufs äußerste geführt werden muss und wird,
    denn die Eliten wissen ganz genau, was ein Sieg (für welche Seite auch immer) auf diesem Feld bedeutet.

    Ich werde diesen entscheidenden Punkt ab jetzt bei entsprechenden Themen immer wiederholen bzw. ansprechen.

  4. Bei diesem Thema muss noch mehr Überlegungen stattfinden. Für meinen Teil halte ich das BGE als Zeitgewinnungsversuch des marodierenden Kapitalismus. Was sind die sichtbaren bewiesenen Schäden die der Kapitalismus angerichtet hat? Entrechtung, Freiheitsverlust, Entwurzelung und Erschaffung von Fehlidentitäten der Menschen.
    Das alles soll durch das BGE allein wieder zurecht gebogen werden? So etwas könnte man als kurzer Atemzug vor dem Ersticken sehen, weil die Schlinge sich weiter um den Hals zuzieht.

    „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“
    Der Fisch den man den Mensch gibt ist das BGE. Der Zweite Teil des Zitates muss auf die heutige Zeit angepasst werden und könnte lauten: „Gib den Menschen ihre Rechte, Freiheiten und Identiät zurück und sie versorgen sich selbst ihr Leben lang.“

    • BGE ist gedanklich ein Schritt in die richtige Richtung.

      Es geht darum unabhängiger vom Geld zu sein und ein gewisses Maß an Zwang zu eliminieren.
      Wenn man diesen Ansatz konsequent weiterdenkt, landet man in einer Welt, in der wir den bescheuerten direkten Tausch (das Bezahlen mit Geld) garnicht mehr brauchen. In der wir den Zwang durch Geld durch ein Vertrauen aufeinander ersetzen.

      Klappt bei der Muttermilch, klappt am Frühstückstisch, klappt in der Nachbarschaft, kann also auch zwischen unterschiedlichen Gemeinschaften klappen.

      Klingt naiv??? Viel naiver ist es das bestehende fehlerhafte System weiter zu betreiben.

      Macht Euch frei von der Angst beschissen zu werden.

      Bleibt friedlich…

      Ich

    • Gedanklich ist das der kleine Tropfen auf dem heißen Stein. Dass das Thema überhaupt an die Öffentlichkeit und sogar bei den Schweizern zur Volksabstimmung kam, bedeutet nur, dass die Feudalherren mittlerweile auch bemerken, dass die Schlingen nicht nur um den Hals der Knechte geknüpft sind, sondern auch um deren Hals.
      Jedoch ist man immer noch nicht gewillt sich von seinem Knechtschaftsystem abzulassen und unternimmt den Versuch gönnerhaft Almosen an die Unwissenden zu verteilen, um den bevorstehenden Aufstand zu vermeiden.

      Und wenn man wirklich die Auswirkungen des BGE wissen möchte, kann man das ohne Weiteres realisieren. Dazu einfach ein abgesichertes Gebiet, eine Stadt z.B. als Muster hernehmen und dort für einen Testzeitraum einführen. Wenn es zu irgendwelchen Schäden kommen sollte, dann sind die leicht abfangbar. Sollte das Modell klappen, kann man das dann landesweit einführen.

  5. Tja, dass beim BGE viele Gefahren lauern, sehe ich nach vielen Jahren der Beschäftigung damit mittlerweile auch ganz klar so!

    V.a., dass Menschen sich in stark verändernden Zeiten einfach so komplett unter die „Fittiche“ des Staates vereinnahmen
    lassen wollen, eine extreme Aufgabe, sogar ihrer „formalen“ Freiheiten, einfach so aufzugeben bereit sind, ohne dass an grundlegenden Macht-Strukturen überhaupt nur gerüttelt wird? Tja, die allgemein um sich greifende und spürbare Not aller machts möglich?

    Sprich: Der ungehinderte Finanz-Oligarichismus, das High-Frequency-Trading Bankster-Casino
    wird da überhaupt nicht erwähnt!!! All die weltweiten Steueroasen-Ermöglicher und verbrecherisch, korrupten Steuerverschieber, inkl. EU-Politiker und Lobbyisten etc. die die EU ja nicht mal ansatzweise bekämpft oder angeht!

    Stattdessen finden es viele gut – ganz sozialistisch-global denkend – einfach anderen Leuten, die sich angestrengt haben, etwas schaffen und erwirtschaften, UND damit auch Arbeitsplätze !!!, einfach nur weil sie „reich“ wurden und aber ganz normal sowieso ihre Steuern bezahlen, etwas WEGZUNEHMEN !!! ??? Wo ist die Grenze ?

    So einfaches ist das leider alles nicht! Damit geht der Kommunist seit jeher aber schon immer gern hausieren!
    Was erwarten diese Leute, was für eine Art Gesellschaft daraus zu entstehen vermag?
    Soll Leistung und „Machertum“ (hier zurecht herausgestellt und motivierend angepriesen) in Zukunft im Gieskannenprinzip bestraft werden ? Wirklich?
    Was ist das überhaupt für eine Diskussion?

    Wo die wirklichen Schwachstellen und kranken Ungerechtigkeiten liegen, sollte sich mittlerweile jeder hier voll verinnerlicht haben. Wertvolle Beiträge dazu gabs hier wirklich genug!

    Abschaffung aller Zentralbanken! Völlige Trennung von „normalen Banken-verwaltungsmäßige Dienstleister“ und reinen „Luft-Geld-Zockerbuden“, die kurz davonstehlen auch noch das Bargeld abschaffen zu wollen, damit wir wirklich TOT sind.

    Ferner, Stärkung der Sparer durch plausible Zinsen (ohne pervertiertem Zinses-Zins) und Förderung von innovativem Investment in Klein und Mittelbetriebe! etc. etc. (mutige Macher?) !!! Regional, statt global!
    Wieder Augenmaß bei allen Staatsausgaben und v.a. verdeckter, ausufernder! Steuergeldverschwendung! usw. usf …
    ließe sich alles beliebig lang fortsetzen ….

    Sich einfach auf die Position „Wir nehmen es „den Reichen“ weg und verteilen das auf alle um“ zu stellen, ist wahrlich kindlich, total undifferenziert und letztlich tödlich für eine Gesellschaft, die FREI (zumindest v.a. im Geiste! – daraus resultiert alles andere!!!!) überleben will/soll/muss!

    Ich bin nicht prinzipiell gegen ein BGE! Damit das klar ist!
    Jedoch, muss das differenziert und intelligent angegangen werden! Und nicht wieder gesellschafts-spaltend (scheinbar funktioniert aber nur das immer reibungslos innerhalb der betrogenen Masse!? – Versprich ihnen was, VOR JEDER WAHL und dann machen wir sie platt, ohne das sie es bemerken! – So geht das IMMER !!! )
    Dann heißt es eben so wie bei „Multikulti ist gescheitert“ plötzlich „BGE ist gescheitert“ ! 😉

    Um „Gerechtigkeit für alle“, Angemessenheit und Augenmaß, kümmert sich das rein „links getrimmte Gemüt“ (die trotzdem gern vom „Kapitalismus“ profitieren (wir hatten ja nie einen echten seit ca. 100 Jahren), ihn aber mit blinden Flecken im Hirn propagandistisch verdammen – Heuchler … das sind heute alle Parteien, da alle globalistisch) dann nicht mehr.
    So war es immer! (könnte man ja auch mal draus lernen – endlich!?)

    Die vollständige Versklavung der Massen wurde mittels „Wahlgeschenksversprechen, medialer PR und Propaganda dem einfältigen Bürger (Bürgen) verkauft. Hey super! – BGE!!! Die bösen, bösen Reichen sollen zahlen, ja genau!
    HELP! Kinderwelt?

    Folge: Brain drain – Kapitalflucht – Flucht der Intelligenzia und Macher eines Landes – fehlende Einnahmen des Staates – Arbeitslosigkeit – Verelendung – kompletter Niedergang der Gesellschaft und Kultur – Das ist auch KRIEG! Wie in Syrien und dgl., nur keiner will das glauben-mit anderen Mitteln!!! Viel Spaß dann mit einem BGE! 😉
    Das ist so schnell wieder weg, wie man „alternativlos“ sagen kann!. Wie mans braucht!
    Dann ist die Kacke aber wirklich wieder am Dampfen! Dann gibts wieder echtes Revolutionspotential!!
    Man wird das staatl. Gewaltmonopol dann gegen uns verwenden!

    Sollten wir gewisse, absehbare Strömungen nicht einfach JETZT sehen/erkennen und überspringen können?
    Ich sage, wir müssen!

    Ein BGE, das einer wirklich „solidarischen“ und nicht total gespaltenen, ohnmächtigen, verarmten, enteigneten Gesellschaft entspringt, ist eine gute und gerechte Sache, weil von allen Teilen der Gesellschaft akzeptiert und in Freiwilligkeit (aus Erkenntnis!) gerne mitfinanziert wird.
    Um des sozialen Friedens und der Weiterentwicklung eines jedes Menschen willen!

    Ein BGE zum jetzigen Zeitpunkt ist ein „trojanisches Pferd“ der Eliten zur völligen Unterwerfung der Massen,
    ein Zuckerl, das kurzfristige Linderung versprechen soll, aber letztlich das Damoklesschwert erst so richtig heruntersausen läßt!. Man muss wirklich „nur“ gründlich nachdenKEN!
    Oberflächlich war gestern!

    So, nur schnell mal so in den Wind gereimt, frisch von der Leber weg … sorry 😉

    LG! 🙂

  6. Ein großer Teil der Bevölkerung regt sich über Streiks auf, ebenfalls über ,HartzIV-Zahlungen, aber „nicht“ über Privatisierungen unserer selbst erschaffenen Güter, wie Bahn, Autobahn etc etc, Rentner auf Flaschensuche, Kinder ohne Bildungsmöglichkeiten, Sport wurde ihnen ausgetrieben…sie werden immer mehr werden…Was dann?
    Kein Geld ohne Arbeit, wer so denkt der fühlt sich ohne sie wertlos, identifiziert sich über sie, dann wohl auch über den eigenen Kontostand.
    Deutschland ist viel zu weit ab von der Menschlichkeit…Das BEG wäre eine Chance gewesen das zu ändern…Aber ohne Arbeit…welche bitte für heute 6-7Mio Menschen …haben sie kein Recht auf ein menschenwürdiges Leben?Anscheinend wohl nur eingeschränkt!

  7. Ich habe mich selber schon in Arbeitsgruppen mit dem Thema beschäftigt und daher schon einiges an Gedanken dazu entwickelt. 1. die Finanzierung: Sie ist grundsätzlich möglich durch eine Maschinensteuer bzw. Abgabe (= Verwendungszweck ist festgelegt), in unserem Modell war es finanzierbar durch eine 50%ige Abgabe auf JEGLICHE Art Einkommen- mit dem Effekt, dass alle, die weniger als 200% des BGE verdienen, einen Zugewinn hätten, bei einem Betrag von 1500 € wären das 3 000 €. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten, die, auch parallel dazu, möglich wären, hat die Wissensmanufaktur (u. A.) aufgezeigt.
    2. Kapitalismuskompatibilität: Ist nur theoretisch gegeben, erfordert aber eine geistige Revolution in den Köpfen der Mehrheit- weg von der Priorität der Profitmaximierung, bewussterer Konsum (nicht jeden Scheiß kaufen, weil man es kann und weil es billig ist) und Lebenswandel.
    Ich habe meine Zweifel, ob es in der Praxis funktioniert, es könnte andrerseits im Klassenkampf ein Waffe gegen die herrschende Klasse sein, die deren Übergewicht reduziert und das Ganze etwas ausgeglichener gestaltet.
    3. Notwendige Arbeiten: Schon jetzt haben kluge Wirtschaftswissenschalftler festgestellt, dass etwa 90% der derzeit gemachten Arbeit unnütz im Sinne der Volkswirtschaft sind (Stichworte: geplante Obsoleszenz, Werbung, Überproduktion, Luxusgüter, -dienstleistungen, Rüstung, Bürokratie, Einwegprodukte etc.). Reduziert auf notwendige Arbeit, könnte man jetzt schon mit einer 4-h-Woche den Lebensstandart von 99% der Bevölkerung sichern. Arbeit, die „schlecht“, also unbequem, hart, oder unangenehm ist, würde durch BGE entsprechend höher entlohnt werden müssen- das ist zu regulieren bei 4 h/ Woche, und damit würden diese Arbeiten auch die Anerkennung bekommen, die sie verdient.
    4. Migrationsproblem (Zuwanderung): Das ist ein Punkt, der die Kapitalismuskompatibilität in Frage stellt, denn das könnte nur dadurch gelöst werden, dass die Ausbeutung der sog.3. Welt gestoppt werden muss, was im herrschenden System ev. nicht möglich ist. Niemand wird nur wegen BGE zu uns einwandern, wenn er zuhause ein anständiges Auskommen hat, oder jedenfalls nur wenige. Ein ev. notwendiger Riegel (nur als Notbremse!) für Zuwanderung wäre eine Stichtagregelung.
    5. Wenn die Menschen mehr Zeit haben und weniger Druck, wird bei vielen ihre Kreativität freigesetzt für Lösungen der Probleme, die wir global und regional haben.

  8. Ein BGE geht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit genug.

    Wäre es nicht sinnvoller von einem monetären System endlich in ein Verteilungssystem überzugehen?
    Monetäre Systeme + Tausch/Handel/Besitz unterliegen ständig sehr komplexen Regulierungen. Der Verwaltungsaufwand ist enorm und
    dass diese Systeme scheinbar nahezu immer eine ungleiche Verteilung, Gier, Neid, Korruption usw. fördern ist denke ich nun auch schon oft genug bewiesen worden.

    Genauso basieren unsere derzeitigen Systeme hauptsächlich auf Bestrafung für vom System aus gesehenes unerwünschtes Verhalten, statt es funktionsfähig für alle Menschen zu machen was auch innerhalb von kürzester Zeit zu einer riesigen Abnahme von sogenannter „Kriminalität“ führen könnte.

    Ohne ein System, worin für jeden Menschen alles verfügbar ist, wird der ganze Spaß wie wir ihn jetzt haben mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder von vorne losgehen.

    • @stephan56
      Genau mein Standpunkt. Endlich einer, der das Ganze noch passend weiter denkt.

      Wir haben heute meistens ein Problem der Finanzierung obwohl wir mit den heutigen Möglichkeiten nur noch ein Problem der Verteilung haben sollten. Bevor heute etwas gemacht werden kann, muss erst mal die Finanzierung ermöglicht werden. Steht die nicht, wird das Vorhaben auch nicht umgesetzt. Irgendwie schon schräg. Wichtig wären doch eigentlich die Ideen, Menschen und Resourcen, um das Vorhaben zu vollenden. Und die gilt es sinnvoll zu verteilen und darauf zu vertrauen, dass jeder irgendwann und irgendwo im System seinen Beitrag leistet.

      Und, genau deswegen wird auch soviel am BGE rumdiskutiert. das muss doch irgendwie finanziert werden können.

      Habt ihr Euch mal gefragt, wer verdammt nochmal das Recht haben sollte, über den uns auf magische Weise bereitgestellten Planeten zu bestimmen??? Für meine Geburt kann ich garnichts, und nur weil jemand vor mir nichts für seine Geburt konnte, darf er bspw. bestimmen, wem das Land gehört bzw. wem er es für eine Bezahlung überlässt.

      Was ist mit den Menschen die nach uns geboren werden. Warum steht diesen Menschen nicht einfach ein flecken Erde zu, auf dem sie leben können, auch wenn sie nicht unsere direkten Nachkommen sind? Nein, da muss unbedingt für etwas geblecht werden, wofür die anderen zuvor auch nichts getan haben. Denn, wo dieses Land nun mal herkommt, ist nach meinem Kenntnisstand bislang nicht geklärt (Gott, Urknall, Dumbledore,… – sucht euch was aus). Jeder Mensch soll irgendwie ein Recht auf Würde haben. Oder zumindest sollte diese nicht antastbar sein. Das haben irgendwelche Leute vor uns mal in einem Fetzen namens Grundgesetz festgehalten. Zählt zu dieser Würde nicht auch ein Fleckchen zum Leben. Blöd, dass leider schon alles Land verteilt ist…

      So ein Schrott.

      Und sehr richtig – heute betreiben wir einen irrwitzigen Apparat, der den Fluss des Geldes und die Einhaltung der Regeln kontrollieren soll. Wozu das alles. Was eine Blindleistung.

      Das Argument ist immer, dass wir Leistung gg. Leistung bringen müssen, weil wir arbeitsteilig sind.
      Aha! Und wer hat diese notwendige Bedingung auf- oder festgestellt?
      Wir sind so dermaßen arbeitsteilig, dass keiner auf diesem Planeten mehr ohne eine Vorleistung eines anderen klar kommen kann. Alle reden davon, dass die Wirtschaft zum Erliegen kommt wenn das mit dem Geld nicht ordentlich hinhaut. Das einzige was da nicht hinhauen wird ist, dass man glaubt ohne Geld kann man nicht mehr arbeiten. Solange der Planet da ist und solange wir uns bewegen und anpacken können, wird hier garnichts zum erliegen kommen. Das ist alles nur theoretischer Scheiß der auf einem dämlichen Prinzip von Angebot, Nachfrage und Preis basiert, das scheinbar niemand anzweifeln möchte. Achja, und dann gibt es ja noch den Markt, der in den ganzen Modell ja überhaupt nicht vereinfacht wurde. Da alle davon ausgehen, dass wir unbeding tauschen müssen, denn das ist der erste Reflex, wenn das Geld weggedacht werden soll, nur deswegen is Geld die ultimative Lösung. Tatsächlich sollten wir einen Schritt zurückgehen und uns den tatsächlichen Bedürfnissen zuwenden. Dann wird es möglich wieder normal zu denken. Wenn das Angebot nicht ausreicht, um die Nachfrage zu decken, dann sehen wir nicht etwa zu das Angebot der Nachfrage anzupassen. Nein, das wäre ja zu einfach gedacht. NEIN, dann müssen wir natürlich den Preis erhöhen, weil das natürlich nicht zu Problemen führt…

      Wenn ich immer die ach so weisen studierten Gehirnakrobaten sehe, die irgendwas von nachhaltigem Wachstum faseln, ohne das ihnen ins Hirn getrichterte Wirtschaftswissen mal zu hinterfragen, wird mir jedes mal schlechter.
      Es gibt meiner Meinung nach keinen auf diesem Planeten, der auch nur im Ansatz kapiert, was welche Auswirkungen wo in diesem monetären System haben wird.

      Geld bedeutet Zwang. Wir bauen lieber darauf unsere Gesellschaft so zu pflegen, dass wir immer wieder auf die Ausübung von Zwang angewiesen sind, anstatt endlich mal dafür zu sorgen, dass die Menschen verstehen und endlich mal vertrauen…

      Wenn den Menschen klar ist, was zu tun ist und sie einen Sinn darin sehen, dann machen sie auch gerne mit. Oder warum um Himmels willen putzt irgendwer zu Hause noch sein Klo? Im Familien- und Freundeskreis schaffen wir es mitunter manchmal sogar noch auf die Menschen zu vertrauen. Aber auch das geht, sobald es ums Geld geht, gefühlt immer öfter in die Hose. Überall anders vertrauen wir lieber auf ein Mittel, dass die wenigsten verstehen, dessen Auswirkungen die wenigsten abschätzen können und dessen Verwerfungen wir in riesigen Kraftakten in Form von Symptombekämpfung zu lindern versuchen.

      Dieses behinderte konkurrenzgetriebene Wirtschaften basiert komplett auf Angst. Und, das tolle unternehmerische Risiko bedeutet bei Eintreten immer den Verlust der Einnahmequelle. Und das nicht nur für den Unternehmer.

      Weg kommen wir davon nur, wenn wir uns frei von Angst machen.
      Von der Angst, die durch dieses System erst so richtig geschürt wird.
      Angst davor, dass keiner mehr Verantwortung für sein Handeln übernehmen kann/will.
      Angst davor, dass man an jeder Ecke beschissen wird.

      Aber Leute – der größte Beschiss ist das System selbst…

      „Ohne ein System, worin für jeden Menschen alles verfügbar ist, wird der ganze Spaß wie wir ihn jetzt haben mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder von vorne losgehen.“

      Wieder richtig.
      Und komischer Weise sind wir jetzt an einem Punkt, an dem wir es tatsächlich richtig verteilen könnten. Denn in unserer deutschen Welt ist ja scheinbar von allem zu viel da. Sonst würden wir ja nicht ein Drittel von allem wegschmeißen. Weil hier jeden Tag was zu Fressen auf dem Tisch ist, kann es hier wichtiger sein, zwei Wochen vor dem Applestore zu zelten, damit man der erste ist, dem das komische Smartphone runterfällt. Smart wird man aber leider nicht durch das gekaufte Produkt. Und der Apfel, der da drauf ist, wird uns auch nicht ernähren.

      Wenn man kapiert, dass man nicht tauschen muss, um arbeitsteilig zu sein, dann hat man schon viel geschafft.
      Wenn man dann noch kapiert, dass man Geld nicht essen kann, ist man schon ein Stück weiter.
      Wenn man obendrauf dahinter kommt, dass ein BGE der Ansatz von einem Denken weg von Konkurrenz und Kampf ist, dann schafft man vielleicht auch den Sprung, den Stephan schon vorgedacht hat. Eben noch einen Schritt weiter.

      Wir müssen nicht tauschen, um unsere Welt zu bewirtschaften und uns zu versorgen.

      Bleibt friedlich…

      Ich

    • Dein Standpunkt teile ich. Aber ich denke, BGE könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein. Für eine gesellschaftliche Veränderung in Richtung mehr Gerechtigkeit könnte es die Möglichkeit eröffnen, gewaltfreie Revolution zu ermöglichen, wozu auch gehört, dass den Herrschenden die Angst vor Entmachtungsfolgen (Kopfab und Ähnliches) genommen werden muss. Und das BGE könnte die sozialen Spannungen soweit mindern, dass dies mölgich wird.
      Ich gebe zu, dass es auch nach hinten losgehen könnte in Richtung Konsumsteigerung bis zur Bewusstlosigkeit (so weit ist es ja vom heutigen Standpunkt aus nicht da hin), aber es ist ein Risiko, das einem fast sicheren Untergang unserer Zivilisation meiner Ansicht nach vorzuziehen ist.

    • Du erinnerst mich an die Idee von The Venus Project. Es stellt ein ganzheitliches System vor, das ohne die Benutzung von Geld, Handel und Tausch auskommt und ein komplett neues System einführt. Es gibt auch eine Menge sehr guter Materialien über das Projekt. Zum Einstieg würde ich dieses Video empfehlen: https://www.youtube.com/watch?v=kmISWqGMOGI&t

  9. Einfach beim Oberneoliberalen Milton Friedman nachlesen, der war für eine negative Einkommensteuer. Warum wohl?
    Sehr einfach, ihm war klar, daß es zu Empörung & Aufständen kommt, wenn keine Grundsicherung für die Verlierer im _Neoliberalismus_ vorhanden ist. Im gegebenen neoliberalen System übrigens der einfachste und auch eleganteste Weg, deutlich besser als des Götzen Mehrwertsteuermodell. Erwartbar nur in einer Höhe, die nicht gänzlich zum Auskommen reicht, mit integrierten Teilzeitmodellen im Billiglohnbereich zur Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit für die so quersubventionierte Exportwirtschaft.

    Es ist wie beim jüngsten Gericht:
    Der Mensch steht als Eigentum des Staates für sein Scheitern und/oder Gelingen in der Verantwortung dem Eigentümer gegenüber.
    Eine andere Richtung, ein Weg aus dem neoliberalen Kapitalismus ist das BGE definitiv nicht. Es ist umgekehrt,die Ideologie verfestigt sich, es gibt schon psychologisch kein Entrinnen mehr. Der Konkurrenzdruck wird weiter zunehmen.
    Zumal die Bedingung, daß das Einkommen das Auskommen sichern muß, gar nicht vorkommen darf!

    Das Problem ist die Bedeutung des Begriffes Freiheit im Liberalismus, der allein auf das Individuum gegenüber dem Staat bezogen wird.
    Der Zustand Freiheit wird in dieser Betrachtung pervertiert, denn Freiheit ist gerade nicht, daß ein Mensch tun und lassen kann, was er will. Dies ist und bleibt den Göttern (anderes Wort für die Kapitalisten) vorbehalten. Kaum einer hindert diesen, da jeder selbst ein Gott sein will, mit Gott Geld, der Wasser in Wein verwandelt…

    Wettbewerb geht nur über Regeln. Das bedeutet, daß Wettbewerb den Zustand Freiheit nicht erhöhen kann. Der Mensch wird fremdbestimmt. Der Wettbewerb ist das höhere Wesen der Gewinner, der Eigentümer, der pathologischen Zocker.

    So wird euer Leben zum Spielgegenstand.

    • „negative Einkommensteuer“, das bedeutet also, wer Einkommen hat, wenn auch noch dazu ein besonders Großes, der bekommt nochmal viel mehr vom Staat dazu? Aha.
      .
      Jaja, das ist wohl der feuchte Traum aller Industriemagnaten und Oligarchen, LOL.
      .
      Und von wem bitteschön, soll der Staat das Geld für diese milden Gaben holen?

  10. „Für ein BGE könne sich Wiedemeyer trotzdem nicht begeistern: »Das Geld bekommen Arme wie Reiche, es wird sich also an der sozialen Kluft nichts ändern.«“

    Da hab ich jetzt aber mal herzhaft gelacht.

    Für wie bescheuert hält dieser schräge Vogel die Menschen eigentlich?

    Natürlich muss das Geld für das BGE von den Reichen und Wohlhabenden zuvor eingesammelt werden. Über speziell für Reiche und wohlhabende Menschen abzuführende Steuern, Beiträge oder ähnliches.

    Natürlich ist das BGE nichts anderes als eine echte Umverteilung von oben nach unten.

    Und zwar eine längst überfällige Umverteilung.
    .
    .
    .
    Und nochmal, weils so schön dämlich ist:

    „Das Geld bekommen Arme wie Reiche, es wird sich also an der sozialen Kluft nichts ändern“

    So ein Vollpfosten, man hab ich gelacht ^^

    • Geld existiert nicht, da ist nichts mit einsammeln. Es geht, wie bei allen Regeln, einzig um Verhaltenssteuerung.

      Ihr erkennt nicht einmal das Problem, das ihr zur Lösung erklärt.

    • Worum geht es eigentlich?
      Die soziale Kluft wird beleiben, aber durch das BGE würden Mio Menschen von Diffamierungen Drangsalierungen befreit werden…Ja sie erhalten wieder ihre Würde, Freiheit, Eigenverantwortung, sogar auch gut 2 Mio Kinder.Der Neid würde nach gewisser Zeit verblassen, der im Grunde die Politiker vor dem BGE abschrecken lässt.Wähler haben eine Macht, obwohl sie sie nie nutzen…

  11. Die Gegner des BGE sagen:

    Jeder muss was leisten, damit er Geld bekommt. Aha.
    Denn es ist moralisch nicht gerechtfertigt Geld ohne Leistung zu bekommen. Aha.

    Ich sage:

    Unser System, genannt Kapitalismus, hat den moralischen Anspruch verloren, Leistung für Geld zu verlangen, als es angefangen hat, Menschen systematisch und sukzessive von Arbeitsprozessen für wirklich benötigte und sinnvolle Güter und Dienstleistungen massenhaft auszuschließen.

    Darum ist es heutzutage keineswegs unmoralisch, das Geld für den notwendigen Lebensbedarf zu verlangen, ohne eine eigene Leistungsbeteiligung an der Bereitstellung dieser benötigten Gütern erbracht zu haben. Denn wie schon gesagt, ein Großteil der Menschen wird systematisch und auf Grund der Gewinnsteigerung zu Gunsten einiger weniger an diesen Prozessen mutwillig ausgeschlossen.

    Von diesen ausgeschlossenen Menschen nun zu verlangen, sich mit irgendwelchen Drecksjobs (auch Bullshitjobs genannt) die benötigte Kohle für den Lebensunterhalt zusammenzukratzen oder ihre Organe dafür zu verkaufen oder sonstige erniedrigende Tätigkeiten anzunehmen ist purer Zynismus und eine Frechheit sondersgleichen.

    Dennoch wird es von der Mehrheit der Gesellschaft seltsamerweise (?) als normal angesehen und sogar gefordert.

    Hier verstehe ich die Mehrheit der Bürger absolut nicht, die sich einfach darauf verständigen könnte, die wirklich benötigte Arbeit einfach auf mehrere Schultern zu verteilen, was fast allen zugute kommen würde, außer den oben genannten Profiteuren.

    Diesem sinnvollen Verhalten (Aufteilung der wirklich benötigten Arbeit) steht leider immer noch das unhinterfragteste aller Mysterien, das 11. Gebot, der von Gott persönlich in Stein gemeißelte 8-Stunden-Arbeitstag entgegen.

  12. Bin mir persönlich nicht ganz sicher, was ich vom BGE halten soll. Einerseits unterstütze ich den ethischen Grundgedanken hinter dem BGE, dass man Menschen nicht zur Arbeit im modernen Sinne zwingen darf.
    Andererseits scheint auch die sogenannte Elite, oder zumindest Teile davon, von der Idee des BGE begeistert zu sein, obwohl sie dadurch scheinbar Macht verlieren würde. Und das macht mich misstrauisch. Sehr misstrauisch.
    Die Idee klingt einfach zu gut, um wahr zu sein…

    • Ganz so daneben bist du nicht, aber andrerseits gibt es bei den Eliten, wenn auch selten, doch ein paar, die soziales Denken gelernt haben und merken, dass unsere Gesellschaft dabei ist, gegen die Wand zu fahren.

    • Ich denke, auch die Politiker können sich nicht vorstellen, ein Volk zu regieren, welchem keine Angst mehr gemacht werden kann.Zwangsarbeit, Niedriglöhner etc etc…die Wirtschaft würde fluchen!

  13. Warum ist die Verkürzung der Arbeitszeit und das Verbot vom Import von Billig/Willigarbeitskräften nicht im Gespräch ? Nicht die Aufwertung der Arbeitskraft, die dem Arbeitgeber auch Bedingungen setzen kann und nicht wie Usus, die Bedingungen einseitig vom Arbeitgeber festgelegt werden ?

    • Weil beides nicht mit dem „freien“ Markt Mechanismus kompatibel ist. Es geht nämlich nicht nur um die „Billig/Willigarbeitskräfte“ im eigenen Land, von anderen Zusammenhängen nicht zu reden.

  14. Programm
    Programm

    Das Bündnis Grundeinkommen setzt sich für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ein. Ziel ist, mithilfe des bedingungslosen Grundeinkommens allen Menschen die Existenz zu sichern und eine demokratische Teilhabe am Gemeinwesen zu ermöglichen. Das bedingungslose Grundeinkommen ist ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen zu verstehen.

    Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das eine politische Gemeinschaft bedingungslos jedem ihrer Mitglieder gewährt. Es soll

    die Existenz sichern und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen,
    einen individuellen Rechtsanspruch darstellen sowie
    ohne Bedürftigkeitsprüfung und
    ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen garantiert werden.
    Das Grundeinkommen wird an einzelne Menschen anstelle von Haushalten gezahlt. Es steht jedem Menschen unabhängig von sonstigem Einkommen zu.

    Das Bündnis Grundeinkommen versteht sich als Ein-Themen-Partei, die keinen anderen Zweck verfolgt, als im demokratischen Kontext der Bundesrepublik Deutschland die Einführung des Grundeinkommens mit demokratischen Mitteln voranzubringen. Aufgrund der Größe des Projekts ist dies eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle Teile der Volkswirtschaft und der Politik beeinflusst.

    Unser Ideal vom freien und emanzipierten Menschen, der eben ohne Bedingungen das Grundeinkommen erhält, schließt totalitäre und faschistische Bestrebungen aus. Hierzu zählt auch, dass die Gesellschaft frei sein muss und ein Grundeinkommen weder mit Gewalt noch mit undemokratischen Mitteln durchgesetzt werden darf. Das Grundeinkommen ist im Rahmen der derzeitigen Verfassung realisierbar und es bedarf keinerlei Änderung an unserem freiheitlich-demokratischen System.

    Das Bündnis Grundeinkommen ist eine Partei, die sich mit dem Thema bedingungsloses Grundeinkommen befasst, und alle ihre Mitglieder haben verstanden, dass andere Themen nicht Gegenstand dieser Partei sind. Dem einzelnen Mitglied steht es frei, sich bei anderen Themen in anderen demokratischen Parteien zu engagieren.

    Soweit die parlamentarische Arbeit nicht das Grundeinkommen betrifft, sind die Abgeordneten des Bündnisses Grundeinkommen gehalten, sich das notwendige Fachwissen anzueignen und nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden. Dabei haben sie das Grundeinkommen in allen Entscheidungen zu vertreten.

    Da das Grundeinkommen einen Finanzrahmen erfordert, der den gesamten Haushalt betrifft, ist nahezu jedes Themengebiet betroffen, bei dem die Abgeordneten des Bündnisses Grundeinkommen mitwirken. Wir fordern die Einsetzung einer Enquetekommission im Bundestag zur Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens, insbesondere auch zur festzulegenden Höhe des Grundeinkommens und dessen Finanzierung.

    Beseelt von dem politischen Willen, das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen, engagiert sich das Bündnis Grundeinkommen trotz aller politischen Widrigkeiten genau für ein Thema: das bedingungslose Grundeinkommen.

    • Ein Ideal und freie Menschen ist ein Widerspruch in sich, denn ein Ideal, ein Urteil, bestimmt, was ausgegrenzt wird. Immer.
      Geld ist bereits dieses Ideal…Ich weiß, das wird euch von eurem Glauben nicht abbringen…

    • @Franz Maria Arwee: Zitat „Ein Ideal und freie Menschen ist ein Widerspruch in sich..“
      Dieser Widerspruch entsteht nur, wenn man Ideal zum Absolutum macht.

  15. was politisch gewollt ist, ist auch bezahlbar – natürlich von den obersten einkommen. durchgerechnete modelle dazu gibt es schon. Wenn die klügsten der Kapitalisten erkannt haben, dass ohne BGE diese Gesellschaft explodieren wird – vielleicht gibt es dann die hoffnung, dass es eingeführt wird – aber nicht ohne druck von unten. der kapitalismus wird dadurch aber nicht abgeschafft.

    • Das grundsätzliche Problem ist, dass in diesem System Menschen ohne bezahlte Arbeit einfach nicht gewünscht sind, was auf das Vorhandensein des Geldes zurückzuführen ist. Deswegen heißt das System auch Kapitalismus. Obwohl doch ein riesen Anteil an „Arbeit“ heute schon ehrenamtlich geleistet wird (Feuerwehr, THW, …)

      Das Ziel ist jedoch immer: Geld verdienen.

      Daher wird auch ein BGE am Trend mit immer weniger immer mehr zu schaffen über kurz oder lang wenig ändern.
      Es wird auch nur verlagern, wer, wann, wen und was bezahlt.

      Der Ansatz ist jedoch richtig.

      Wir müssen uns fragen, und diese Frage ist unausweichlich, wie wir künftig zusammenleben wollen.

      Der Kapitalismus wird dafür sorgen, dass immer weniger Menschen eine bezahlte Arbeit haben werden.
      BigData und Digitalisierung werden auch die heute noch ganz gut bezahlten Jobs gefährden.
      Früher oder später wird auch ein Computer aufgrund gesammelter Daten die besseren Managemententscheidungen treffen können. Dann sind auch deren Jobs endlich mal in Gefahr ;O).

      Sollen die einen, dann eine bezahlte Arbeit haben und die anderen mit „bezahlen“, die leider keine mehr finden und denen es eben nicht mal möglich ist mal eben noch ein Studium zu finanzieren und zeitlich ins Leben zu bauen?
      Sollen wir denen die dann keine bezahlte Arbeit mehr finden dann eine Schaufel und nen Eimer in die Hand drücken, und der eine kippt den Sand beim Anderen wieder ins Loch, nur damit die dann auch was „schaffen“?

      Oder sollten wir mal an die Grundsätze gemeinsamen Handelns gehen und uns überlegen, wie wir auch ohne Kapital und dem ganzen Mist wie Zinsen, Versicherungen, Finzanzamt, usw. der da dran hängt gut miteinander klar kommen??? Ganz ohne? Wenn wir die ganzen Menschen, die heute mit sinnfreien Dingen wie Marekting und Werbung, Versicherungen, Finanzen, Steuern u.ä. beschäftigt sind plötzlich mit sinnvollen Dingen beschäftigen und wenn wir das Wissen über Dinge miteinander teilen statt sie aus Konkurrenzdruck voreinander zu verheimlichen, was wäre dann wohl alles möglich.

      Ich wage zu fragen, ob wir in Kooperation den heutigen Stand vielleicht schon früher erreicht hätten als in der bisherigen Art aus Konkurrenz, Angst und Druck…

      Bleibt friedlich…

      Ich

    • @ Franz Maria Arwee: Frage:“Was genau ist dann überhaupt erreicht?“
      Zumindest eine annähernde Waffengleichheit. Das wäre doch auch schon mal was.

  16. Das Einzige was mich wirklich an den Forderungen zum BGE stört: Eine konkrete Berechnung habe ich noch nicht gefunden. Ist leider auch irre aufwendig und wäre mal eine Aufgabe für die Hochschulen. Möglich wäre das, ich erinnere nur an das Modell, daß Prof. Kirchhof seinerzeit hat durchrechnen lassen. Da wäre also politischer Druck nötig, um so eine Berechnung anfertigen zu lassen.

    Unabhängig von der konkreten Berechnung läßt sich jedoch mutmaßen: Wir zahlen schon jetzt eine Riesensumme für Grundeinkommen (Hartz IV, Kindergeld, Wohngeld etc.), nur ist das leider nicht bedingungslos. Insofern dann jeder ein bedingungsloses Grundeinkommen bezieht, läßt sich sicher ein Verfahren finden, bei dem progressiv ab einem bestimmten Einkommen, das auch wieder „weg“gesteuert wird. Außerdem kommt eine Menge Geld wieder dadurch rein, daß fast das ganze Arbeitsamt (und entsprechend anderswo Tätige) arbeitslos wird, Zur Vermeidung von Mißverständnissen: Dies ist kein Vorschlag zur sofortigen Entlassung! Es ist auch keine Rechtfertigung für die jetzige Einkommenssteuerregelungen – ich halte es da eher mit den Forderungen im Wahlprogramm der Partei Die Linke.

    Kommen wir zu den Bedingungen. Ich habe noch die Sozialgesetze in den 70er erlebt – und selbst während einer kurzen Arbeitslosigkeit (3 Monate) davon ziemlich einfach „profitiert“. Ich will diese Verhältnisse nicht verklären, ganz im Gegenteil. Aber seitdem hat es nur Verschlechterungen gegeben. Immer wieder wurden die Bedingungen härter und die Begründungen waren immer dieselben: Anders bekommt man die Arbeitslosen nicht dazu, zu arbeiten, so hieß und so heißt es.

    Nun, schon in den 70ern wußten wir, dass Zuhälter auf St. Pauli nebenbei Arbeitslosengeld kassierten und auch wußten, wie man schärfere Bedingungen umgeht. Heute sehen wir, wie selbst Terroristen sich mit mehrfacher Sozialhilfe versorgen. Die Verschärfung der Bedingungen haben fast immer nur die wirklich Bedürftigen getroffen. Eine Schande ist es, daß Sozialarbeiter die Zahnbürsten in einer Hartz IV Bezieher-Wohnung kontrollieren dürfen – und schämen sollten sie sich für diese „Arbeit“.

    Wenn ein 50-jähriger Maurer arbeitslos wird und durch die Umschulungen gejagt wird, dann habe ich sogar jedes Verständnis dafür, wenn er sich kleine Erleichterungen „erschummelt“. Keinerlei Verständnis habe ich dafür, wie ich gerade in der Presse lesen kann, wenn ein Rentnerehepaar angeklagt wird, weil es Pfandflaschen im Wert von 1,44 Euro aus einem Altglascontainer geangelt hat. Das Geld für den Staatsanwalt, den Prozess, den Richter, den Verteidiger etc. reicht schon wieder für wieviel bedingungslose Grundeinkommen?

    Das führt mich zu dem Argument, daß keiner mehr arbeite, wenn es das BGE gibt. Ich habe leider keine Zeit, danach zu googlen/suchen, aber ich wette, daß das entsprechende Argument schon fiel, als es um die Abschaffung der Sklaverei ging. Ich wette auch: Für gutes Geld findet sich immer jemand, der „das“ macht.

    Außerdem, immer wieder werden uns im Fernsehen Aufstocker vorgeführt, die für einen Hungerlohn arbeiten – warum wohl? Die meisten Menschen wollen sich positiv in die Gemeinschaft einbringen, wollen sich nützlich fühlen etc. etc. Nichts bringt Rentner schneller zum Sterben, als wenn sie auf einmal nichts mehr zu tun haben. Und schon mal geprüft, wieviel Leute ein Ehrenamt bekleiden? Auch für diesen Kommentar erwarte ich keine monetäre Belohnung.

    Natürlich gibt es auch einige (sicherlich zu viele) Menschen, die man mit nichts an die Arbeit bekommt. Na und? Eben mit nichts! Eben auch nicht mit (verschärften) Bedingungen! Also lassen wir es. Wir zwingen doch auch nicht die Milliardäre, deren Ehefrauen, (die sich immer darüber beschweren, wie schwer es doch ist, vernünftiges Personal zu bekommen), die Erben und… und… und… zu arbeiten. Warum also ausgerechnet die Ärmsten?

    Sahra Wagenknecht, von der ich sonst sehr viel halte, hat sich in dieser Woche bei Thomas Gottschalk leider gegen das BGE ausgesprochen und stattdessen höhere Löhne, Mindestlohn etc. gefordert. (Ihre Standardforderungen, auch meine 😉 ). Das geht auch so ein bißchen in die Richtung, in der Susan Bonath argumentiert: „Ohne den Kapitalbesitzern etwas wegzunehmen, ohne die Kapitalmärkte in gesellschaftliche Hand zu bekommen, lauern im BGE viele Gefahren.“

    Liebe Damen, diese Forderungen muß man doch nicht aufgeben, nur weil man das BGE fordert! Und natürlich kollidiert das BGE mit dem Kapitalismus, aber das tut jede Forderung, die die Arbeiter, die Angestellten oder die Völker aufstellen. Geht eben nicht ohne Druck und ohne Gefahr! Aber das bringe ich schon meinen Enkeln bei: Man muß lernen, mit den Gefahren umzugehen.

  17. Gibt es schon einen Namen? Für die Geschichtsbücher? Für eine weitere Reform „von Oben“? Von Bismarck bis Hartz, Sympathie oder gar Empathie waren noch nie Beweggründe, sich „von Oben“ um die „da Unten“ zu sorgen. Eine weitere „Reform“ „von Oben“ sollte man sich „Unten“ genau ansehen.
    Ja, Gefahren lauern, denn die Sorge gilt natürlich dem Kapitalbesitz und dem Kaptalmarkt. Wer, mit BGE „sozial befriedet“, dazu nicht oder nur unwesentlich beiträgt, der wird zum alimentierten besseren Hauspersonal, das man sich neben den Robotern leistet – für den „menschlichen“ Umgang.

    • Solange das „alimentierte besseren Hauspersonal“ wenigstens keine Bullshitjobs annhemen muss, um zu überleben oder seine Nachmittage im Arbeitsamt oder in Maßnahmen verblödeln darf, ist das schon mal eine beachtliche Verbesserung für diese Menschen.
      Das ist vielleicht nicht bei Ihnen der Fall, aber ich kann sehr wohl mit diesen Menschen mitfühlen.

      Das übergeordnete Ziel ist eine Bewußtmachung für den Kampf „Arm gegen Reich“ und der feste Glaube der Armen (der Masse) an einen Sieg und die Beendigung der Armut (der Masse) und des Reichtums (der Wenigen).
      Jeder Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel ist wichtig.
      Und dazu zähle ich auch das BGE, das allerdings diesen Namen auch verdienen muss (also eben kein besseres HArtz4).

    • @ Habakuk

      Ich hätte wohl hinzufügen sollen, was ein Zukunftsforscher sagte: Es wird die geben, die den Robotern sagen, was sie zu tun haben; und es wird die geben, denen die Roboter sagen, was sie zu tun haben. (Name fällt mir gerade nicht ein.)
      Der Appell war, sich diese Reform von „Oben“ sich sehr gut von „Unten“ anzuschauen.

  18. Man braucht sich nur das Trauerbeispiel staatliche Rente vor Augen führen, da hat es sich schon gleich ausgeträumt mit BGE.
    Ohne grundlegendem Wandel in Politik, Wirtschaft und Finanz wird auch das Thema BGE nur zu einem weiteren Missbrauchsgegenstand für Regierungen, Kartelle und Eliten zu Lasten aller Bürger.

  19. Dass ein BGE im bestehenden System NICHT funktionieren kann, sollte wirklich jeder schon mitbekommen haben (siehe auch die Einwände in Artikel bzgl. Erhöhung von Mieten, etc.).

    Man möge sich doch einfach mal bei Menschen informieren, die sich schon seit Jahren mit dem Thema beschäftigen und sich sehr fundierte Gedanken dazu gemacht haben, wie:

    – Andreas Popp (Wissensmanufkatur) und der dort entwickelte „Plan B“ – es wird klar gesagt, dass es im bestehenden System nicht geht (und das ist doch wohl ohnehin so gut wie am Ende). Im „Plan B“ gibt es 4 Bedingungen, die erfüllt sein müssen im neu zu etablierenden System:
    1. Fließendes Geld
    2. soziales Bodenrecht
    3. BGE
    4. freie Presse

    Wer mehr dazu wissen will: www. wissensmanufaktur.net. -> Plan B

    – Peter Haisenko und Hubert von Brunn waren doch kürzlich hier zum Gespräch und haben ihre „Humane Marktwirtschaft“ vorgestellt – ebenfalls ein interessanter Denkansatz.

    Es ist so lächerlich, dass überhaupt diskutiert wird, wie sich das bezahlen lässt … im aktuellen System: GAR NICHT!
    So schwer ist das doch nicht …

    • Wer etwas nicht will findet Gründe – Wer etwas will findet Lösungen!

      Vor allem geht es darum mutig zu sein.
      Mutig dahingehend, den Schritt in ein anderes Wirtschaften zu wagen und vorzuleben.
      Dieses System ist so durchsetzt von Angst, dass es ein immens hoher Aufwand wird, den Kahn umzulenken.

      Es haben einfach alle schiss, dass dann alle nur noch faul rumliegen und der eigene Fleiß nicht mehr gewürdigt wird oder man vielleicht von seinem eigenen Standard etwas zurück müsste. Beobachtet Euch selbst, wenn ihr gegen etwas seid. Wir sind einfach zu schnell im urteilen und verurteilen. Die Angst ist einfach zu groß…

      Was den Menschen nicht zu hunderprozent klar zu sein scheint ist, dass unser jetziges System von einigen wenigen, die die Möglichkeiten haben eben heute schon massiv ausgenutzt wird, zum Nachteil anderer. Und irgendwie hofft jeder darauf, irgendwann zu denjenigen zu gehören, die die Möglichkeiten haben, sich zum Nutznießer zu machen.

      BGE ist, wie viele schon hier erwähnt haben, einfach eine weitere Symptombekämpfung im bestehenden System. Auch finde ich, dass bspw. beim Plan B immer noch in monetären Strukturen gedacht wird, weil auch Herr Albrecht sagt, dass wir aufgrund der Arbeitsteilung ein Tauschsystem mit einer Geldfunktion benötigen.

      Ich kann es immer nur wieder sagen.
      Warum benötigen wir den Tausch um arbeitsteilig zu sein?
      Wer kann es mir plausibel erklären?

      Verfolgt man die Probleme mal bis zum Ende, landet man nahezu immer beim Geld…

      Was eigentlich mit Globalisierung gemeint sein sollte ist, dass wir beginnen uns als eine Gemeinschaft auf diesem Planeten zu sehen. Es sollte NOCH genug für alle da sein. Wir könnten alle davon profitieren, wenn wir aufhören würden uns gegenseitig zu bekämpfen und zu berauben. Wir machen es uns damit nur unnötig schwer. Wenn wir unsere Aktivitäten auf die wichtigen Ziele hin bündeln würden, was wäre dann alles möglich?

      Man mag das für naiv halten. Ich aber halte es für viel naiver ein System weiter zu betreiben, das vor Fehlern nur so strotzt, aus Angst vor der Veränderung.

      Wer etwas nicht will findet Gründe.

      Bleibt friedlich…

      Ich

  20. Das BGE bedeutet mehr als Geld…darüber wird jedoch kaum gesprochen…
    Freiheit, Selbstbestimmung, beendete Drangsalierung, Neid geht verloren, Arbeit die einem wirklich liegt hinzugewonnen etc etc
    Und so steht nur die Finanzierung im Mittelpunkt..Schlimm auf was Menschen reduziert werden

    • Nicht-Existentes Geld, das auf Glauben beruht, ist zwingend fremdbestimmend.

      Verwechselt wird hier der Begriff des fremdbestimmten Einkommens mit dem Begriff des selbstbestimmten Auskommens.
      Es geht darum, daß Menschen ihr _AUSkommen_ haben, völlig unabhängig von irgendwelchen dämlichen Idealen Zahlen. Bei letzterem geht es gerade nicht um den Menschen.

  21. Einen Mindestlohn braucht man mit BGE ohnehin nicht mehr, hat ja dann jeder genug fürs Nötigste. Und wenn die Arbeitgeber zu wenig zahlen, werden sie niemanden finden. Finanzieren können das genau diese Arbeitgeber, die seit vielen Jahren ihre Profite nicht oder kaum an ihre Belegschaften weitergeben, dann können sie ruhig auch das BGE auf das Einkommen anrechnen, falls sie dann – wie gesagt – noch Leute finden.

    Oder man erhöht einfach Hartz4, schafft die Sanktionen ab und treibt ordentlich Vermögenssteuern ein, mit einem Freibetrag im Bereich 1-10 Millionen, damit es auch nur die wirklich Reichen trifft. Wer sein Geld außer Landes schaffen will, muss so viel Kapitalfluchtsteuern zahlen, dass es sich nicht lohnt.

    • Frau Bonath

      hat die Rentner nicht bedacht, die, die vom Ataat alimentiert werden müssen.
      Diese Alten(wohl gemeint) sind im Grunde bei HartzIV gelandet, denn sie unterliegen beim Grundeinkommen deren Gesetze.Was heißt Umzüge sind keine Seltenheit, incl Möbelverluste, da nur 48m² (mit eine Kaltmiete von 342€ incl Betriebskosten, die kaum jemand findet)erlaubt sind, sie aber meist in größeren Wohnungen leben.
      Zahlungskürzungen ohne jeglichen Bescheid…die ganze HartzIV Palette wird aufgefahren…
      Doch man wählt den eigenen Metzger!

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