Bidens Schattenkabinett | Von Thomas Röper

Ein Schwarm aus Falken über dem Weißen Haus

Ein Standpunkt von Thomas Röper.

Während die deutschen Medien Biden und seine potenziellen Kandidaten für Regierungsämter feiern, erinnert das russische Fernsehen an deren Lebensläufe. Das potenzielle Biden-Team besteht aus strammen Falken und sogar Befürwortern der Folter.

Jeder, der sich die Mühe macht, die Biografien und Werdegänge der für die Außenpolitik und die Geheimdienste genannten Kandidaten des Biden-Teams anzuschauen, wird feststellen, dass noch mehr Falken für führende Ämter vorgesehen sind, als unter Trump. Das russische Fernsehen hat eine mit schwarzem Humor gespickte Zusammenfassung gebracht, deren Wahrheitsgehalt jeder mit einer handelsüblichen Suchmaschine schnell überprüfen kann. Ich habe den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die New York Times hat heute einen großen Artikel veröffentlicht, der die wichtigsten Kandidaten für Führungspositionen in wichtigen amerikanischen Behörden unter Joe Biden auflistet. Und auch wenn er offiziell noch nicht Präsident ist, kann man schon jetzt sehen, was er will.

Nehmen wir zum Beispiel die wahrscheinlichen Kandidaten für Auslandsgeheimdienste. Wenn wir den transatlantischen Journalisten glauben wollen, gibt es zwei Kandidaten Die erste ist Avril Haines. Sie hat als stellvertretende CIA-Direktorin unter Barack Obama gearbeitet und war unter ihm Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates. Sie ist eine aktive Unterstützerin der sogenannten erweiterten Befragungstechniken.

Einfach ausgedrückt ist das brutale Folter von Terrorverdächtigen, zum Beispiel durch Waterboarding, wobei der Delinquent das Gefühl hat, zu ertrinken. Daran erinnern sich die Anhänger der Demokratischen Partei in der liberalen Presse jetzt natürlich lieber nicht. Aber der zweite Kandidat, das muss gesagt werden, steht ihr in nichts nach.

Michael Morell. Eine weitere Figur aus der Obama-Ära: er ist vor allem mit Blick auf die möglichen Beziehungen zwischen Washington und Moskau interessant. Er ist ein glühender Verfechter der Theorie der berüchtigten russischen Einmischung. Und insgesamt ist er ein eingefleischter Russophob, der auch nie versucht hat, das zu verbergen.

Falken fliegen über dem Weißen Haus. Falken sind die traditionellen Bewohner der amerikanischen Regierungskorridore. Michael Morell ist ein besonders strahlender Vertreter dieser Gattung von Politikern. Die Lieblingsbeschäftigung dieses Wundervogels ist es, sich an den Russen für alles zu rächen, was in der US-Außenpolitik misslingt. Er war es, der vor einigen Jahren in einem Interview im Frühstücksfernsehen, während die Amerikaner ihr Frühstück kauten, folgendes sagte:

Jetzt müssen wir unsererseits dafür sorgen, dass die Iraner und Russen in Syrien bezahlen.

Wenn Sie bezahlensagen, dann meinen Sie, dass wir sie töten müssen?“

Ja, aber unauffällig!“

Fast keine öffentliche oder schriftliche Erklärung Morells kommt ohne russische Hacker, Geheimdienste oder die Hände des Kremls aus. Was der potenzielle künftige CIA-Chef tun wird, steht außer Zweifel. Politische Analysten meinen, dass Russland solche Partnerzur Genüge kennt. Es spielt keine Rolle, wer am Ende in diesem oder jenem Sessel sitzen wird.

Jemand, der solche Aussagen macht, ist offensichtlich dumm. Je dümmer die Leute im Lager der Rivalen sind, desto besser für uns. Ich würde an ihrer Stelle auch Psaki zurückholen, eine wertvolle Mitarbeiterin. Und das ganze wird auch noch von einem 77-jährigen Greis geleitet, der die Namen seiner eigenen Enkelkinder verwechselt das ist ein großartiges Team für unsere Partner, sagte Oleg Matveychev, Politikwissenschaftler und Professor an der Finanzuniversität der russischen Regierung. (Anm. d. Übers.: Jen Psaki war unter Obama Sprecherin des US-Außenministeriums und sie war so derartig inkompetent, dass ihre Pressekonferenzen in Russland legendär geworden und Thema ungezählter Witze sind. Ihre einzige Qualifikation für den Job war wahrscheinlich ihre absolut anti-russische Haltung)

In der Außenpolitik, die nur auf dem achten Platz der Interessen der amerikanischen Wähler steht, kann man Russland für alles verantwortlich machen. Susan Rice, eine der Kandidaten für das Amt des Außenministers, zum Beispiel, hat Moskau nur aufgrund ihrer Intuition beschuldigt, die anhaltenden Rassenunruhen in den USA zu organisieren.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Russland der Katalysator für die radikale Stimmung in den sozialen Netzwerken auf beiden Seiten der Proteste wäre. Und mich würde es nicht überraschen, wenn sich herausstellt, dass diese Aktionen auf die eine oder andere Weise vom offiziellen Moskau finanziert wurden, sagte Susan Rice dem Sender CNN.

Interessant ist, dass Biden obwohl er eine sehr harte Linie gegenüber Russland verfolgen wird gleichzeitig auf den Weg der Verhandlungen zurückkehren wird. Er wird versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden, auch wenn seine Politik ständig auf eine Spaltung zwischen Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken hinarbeiten wird, sagte Andrej Korobkow, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Tennessee.

Es war sofort klar, dass Bidens Team etwas Besonderes wird. Die Demokratische Partei bezeichnet sich als Partei der Minderheiten, der sexuellen und ethnischen Minderheiten. So sind die meisten Mitglieder dieses Dream-Teams Frauen, und damit vielleicht Teil des schönen Geschlechts, aber sicherlich nicht des schwachen. Was bringt es, wenn ein potenzieller Verteidigungsminister einen Rock trägt, aber bereit war, alle chinesischen Schiffe und U-Boote zu versenken?

Biden hat mit Blick auf Russland eine große Anzahl von ziemlich harten Leuten im Team. Ein Teil davon war in Obamas ehemaligem Team. Das heißt, das sind die Leute, die dafür gesorgt haben, dass das nicht die beste Zeit für die russisch-amerikanischen Beziehungen war, erklärt der Amerikanist Maxim Suchkov

Das wichtigste, wofür die sie sich an Russland rächen werden, da sind sich alle Experten sicher, ist der Sieg von Donald Trump im Jahr 2016. Oder besser gesagt, für die Niederlage der Demokratischen Partei. Dass es dafür keine Beweise gibt und dass solche Behauptungen das Fehlen von gesundem Menschenverstand bedeuten, wird Bidens Team wahrscheinlich nicht aufhalten. Die Abneigung gegen die Russen, die manchmal wie regelrechter Hass aussieht, scheint ihnen im Blut zu liegen.

Beide haben ihre Wahlkämpfe leider nicht nur auf einem anti-russischen, sondern auf einem russophoben Fundament aufgebaut. Aus irgendeinem Grund nennen wir sie immer noch Partner. Sind sie Feinde oder Partner, meine Herren? Ich glaube, dass muss man nicht erklären, unsere Politik sollte sich grundlegend ändern, sagte der Politikwissenschaftler und Amerikanist Rafael Orduhanyan.

Allerdings sind alle erwähnten möglichen Kandidaten nur mögliche Kandidaten. Zumindest vorerst. Offizielle Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahlen gibt es noch nicht. Biden ist bisher noch nicht der verdiente Sieger, bisher stehen vor seinem Namen noch die mehrdeutigen Worte selbsternannter Wahlsieger.

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 12.11.2020 bei anti-spiegel.ru

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: VP Brothers  / shutterstock

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9 Kommentare zu: “Bidens Schattenkabinett | Von Thomas Röper

  1. Ja, ja…die Medien freut's und viele Leute in meinem Umfeld auch. Der pöhse Trump ist weg, der Clown und wie auch immer benannt. Der gute Biden – älterer nett dreinschauender Herr mit weissem Haar – ist da und bringt allen Frieden, Freude und Eierkuchen.
    Zu gern wird vergessen, dass der gute Herr weiterhin die Interessen des DeepState und die international aggressive Agenda, wie damals unter Obama weiter führen wird. Dabei hoffe ich mich zu irren… Herr Röper hat bereits zügig recherchiert und die Aufgaben erledigt, die eigentlich die grossen Medienhäuser machen sollten.
    Danke für die Erörterungen.

    Da für Ausgang und anderes eh kein Geld ausgegeben werden "kann" – bleibt mehr über für das neue Projekt KenFM.
    Dieses Jahr Weihnachtsgeschenk unbedingt für KenFM und natürlich auch für die anderen "Alternativen", die von YT unter Druck kommen. Meine Investition in die Zukunft.

  2. „Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (Peter Sloterdijk).
    Hmmmm…. das wird aber weithin so empfunden.
    Oder ist das "eine unmoralische Lust zur Welt- und Selbstvernichtung"?
    Und wenn das so ist…. was hat man mit den Menschen gemacht, dass sie so etwas nachgehen? (Eine rhetorische Frage, oder?)

    • @ Wildenfelser, der Psychoanalytiker und Gründer der Wiener Schule Sigmund Freud hat ja vom Todestrieb, welcher allen Menschen immanent sei gesprochen. Vielleicht liegt seine Autodestruktivität daher darin verborgen, oder es ist einfach nur schlicht und ergreifend die Dummheit der Menschen die sie dazu treibt.

  3. Zufälle gibt's … "Biography of Avril Haines – Participant for Event 201"
    https://www.centerforhealthsecurity.org/event201/players/haines.html
    Hat selbstverständlich alles nichts mit Waterboarding und Ähnlichem aka „erweiterten Befragungstechniken" zu tun.

  4. Das klingt ganz so, als hätte das Biden-Team Russland zu den neuen "Commies" ernannt und Putin zum neuen "Stalin". Und wie man sich dazu zu verhalten hat, hat dereinst McCarthy ("Commie-Fresser") gelehrt und seither hat "man" noch dazu gelernt.
    Und da liegt die deutsche Regierung mit so gut wie allen Parteien auf der Lauer und sprungbereit umgehend hinterher zu eilen.
    Da können wir uns denn schon mal warm anziehen – falls das helfen sollte.

    • @ Wildenfelser, Das vom deutschen Philosophen Martin Heidegger postulierte “Sein zum Tode” wurde durch den ebenfalls deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zum “Sein im Massengrab” erweitert.

      „Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“ (Peter Sloterdijk)

      "Der Mensch ist Herr geworden über das nukleare Feuer, aber so wie er Herr darüber geworden ist, so wird er auch darin untergehen." (Peter Sloterdijk)

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