Boxenstopp: Rainer Rupp über die Rückrufaktion Golf

Der G20-Gipfel in Hamburg ist über die Bühne und mit ihm auch die Randale, über die noch immer alle reden. Dass das, was in Hamburg geschehen ist, im internationalen Vergleich höchstens eine laute Party war, wird einem schnell klar, wenn man sich den Mittleren Osten ansieht.

In denselben Nachrichten, in denen über das Chaos von Hamburg berichtet wird, als hätte hier der Dritte Weltkrieg stattgefunden, werden die Kämpfe von Mossul oder Aleppo nur am Rande erwähnt. Dort stabilisiert sich die Lage, heißt es beschwichtigend, während statt eines Schwarzen Blocks, Panzer durch die Gassen rollen.

Stimmen bei uns die Relationen noch? Kaum. Das erklärt, warum die eigentliche Headline des G20-Gipfels nirgends zu lesen war:

„Warum hat der König von Saudi-Arabien erst das Hotel Vier Jahreszeiten komplett gemietet und im Anschluss mit Panzerglas ausbauen lassen, um dann spontan seinen Besuch in Hamburg zu canceln?“

Hat dieser Reißschwenk etwas mit der saudischen Pistole an der Schläfe Katars zu tun oder ist da noch mehr im Busch?

Ja. Es hat und es ist mehr.

Am Golf bahnt sich ein Super-Gau an. Der größte Öl-Produzent der Region steht vor einer Implosion, denn die einst stabilen Terror-Bündnisse im Umfeld gewinnen nicht wie versprochen die angezettelten Kriege. Sie arbeiten stattdessen auf eigene Rechnung und jetzt auch gegen die eigenen Auftraggeber.

Status quo ist:

Syrien hat dank stabiler Partner wie Russland und Iran dafür gesorgt, dass Saudi-Arabien, die Türkei, Ägypten und der Rest der Golf-Staaten ihr Gesicht verlieren. Trump dealt mit Putin eine Waffenruhe in Syrien aus und auf Al Jazeera darf Al-Qaida gegen den Iran mobilmachen, während die Regierung in Doha von Teheran mit Anti-Schiffsraketen beliefert wird, um saudische Kriegsschiffe zu versenken.

Das wäre so, als ob die AFD Sarah Wagenknecht einladen würde, damit diese gegen Gauland pöbelt, während Frau Petry Geld an Oscar Lafontaine überweist, damit der sich in Frankreich für Le Pen engagiert. Eine irre Kombination, die am Golf noch bizarrer läuft.

Das Israel verletze IS-Kämpfer, die von Riad finanziert werden, in speziellen Lazaretten wieder zusammenflickt, um sie wieder Richtung Damaskus zu schicken, ist bekannt. Was aber denken sich die Türken dabei, wenn sie die von den USA unterstützten Kurden bekämpfen und in Katar neben den USA jetzt ein eigenes Militärcamp betreiben?

Wer steigt da noch durch? Rainer Rupp!

Die folgenden knapp 60 Minuten kreisen um das Pulverfass und Irrenhaus Middle East, das seit der Westen dort Frau Holle in NATO-olive spielt und Bombenteppichen ausschüttelt, um mehr Demokratie zu wagen, kaum noch wieder zu erkennen ist.

Der saudische König Salman ibn Abd al-Aziz war nicht auf dem G20 und das bedeutet nichts Gutes. Okay, was auf der Schanze passiert ist, war ein lautes Wochenende für HH, aber das, was uns am Golf erwartet, wenn in Saudi-Arabien geputscht wird, kommt dagegen einem Erdbeben gleich. Stärke 9,0.

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22 Kommentare zu: “Boxenstopp: Rainer Rupp über die Rückrufaktion Golf

  1. Mal ganz ruhig nachdenken….

    Der Islam ist jetzt knapp 1600 Jahre alt? Was geschah mit der ähnlich idiotischen, ebenso absurden monotheistischen christlichen Religion als die 1600 Jahre wurde?

    Wer nachschaut wird finden, dass das durch die Reformation gespaltene Christentum im Alter von 1600 einen 30jährigen Krieg begann, in dem man sich ungeheuerlich reduzierte.
    Drr Krieg zwischen Iran/Shia und Saudi/Sunni wird nicht zu verhindern sein. Und um ehrlich zu sein, ich kann da auch gar kein wirkliches Problem daran erkennen. Wers verstanden hat, hat besseres zu tun, als sein Leben in einem islamischen Land abzusitzen.

    • Ihr Zynismus steigt weiter exponentiell an, stelle ich fest. Man könnte meinen, „TDVolland“ hat sich mit neuem Namen wieder angemeldet.

    • Ich habs schon mal erklärt: Man hat mein Passwort verändert und ich konnte mich nicht mehr einloggen un bei kenfm ist es ja unter Würde auf Anfragen zu antworten…. Oder haben sie auch nur schon EIN EINZIGE MAL hier im Forum gesehen, dass irgendjemand heir auf einen Post im Forum antwortet?

      Haben sie auch sonst irgendein Argument gegen Zynismus ausser, dass er ihnen nicht gefällt, weil ihnen Mami und Papi, Pfarrer und Lehrer beigebracht haben, dass das bääääh ist ?

    • Wieso nur interpretieren so viele User – vielleicht sind’s ja auch gar nicht so viele, wie ich zu bemerken schein – die Schilderungen historischer Fakten als Zynismus? Da kannst du doch gar nichts dafür, daß das damals so abgelaufen ist. In der Schule werden solche Aspekte natürlich nicht gelehrt, denn der zukünftige Arbeitssklave soll nicht zuviel über diese Zusammenhänge wissen. Die Massenmedien vermeiden es in der Regel ebenfalls, auf diese Dinge hinzuweisen.

      Was mir auch immer wieder auffällt bei solchen Etikettierungen: Die werden nie konkret. Niemals. Fragt man nach, weichen sie aus. Man könnte doch einfach konkret sagen, man empfinde eine Vorhersage wie die deine als zynisch. Aber dann müßte man doch auch das, was Herr Rupp sagt, als blanken Zynismus abtun, daß sich nämlich im Nahen Osten eine Katastrophe anbahnt, die eben mit diesen historischen Vorgängen zu vergleichen ist. Oder hast du etwa den ganzen Scheiß im Nahen Osten angezettelt? Ich denke nicht.

      Ich hab’s heute schon einem Kommentator bei Telepolis geschrieben, der in diese Falle eines bekannten Forenwüterichs hineingetappt war: Es geht ihnen vor allem ums Triuphieren und Rechthaben und nicht um das eigentliche Thema. Entweder du unterwirfst dich ihnen und übernimmst ihre fragwürdige Meinung, die sie kaum in der Lage sind, mit tragfähigen Argumenten zu untermauern. Oder du entgegnest ihnen sachlich, bis sie den Gegenwind nicht mehr ertragen können und, weil sie dich sofort dafür hassen, mit Beleidigungen aufwarten müssen. Damit haben sie sich dann selbst entblößt und ihr wahres Gesicht gezeigt und wechseln dann häufig den Account, nachdem man ihre Schandtaten öffentlich beim Namen genannt hat. Manchen Leuten gar fehlen Argumente bereits von vorne herein, die beginnen dann meist sofort mit herabwürdigenden Etikettierungen und Beleidigungen, sobald sie etwas lesen, das ihnen nicht gefällt.

      „Wenn man merkt, daß der Gegner überlegen ist und man Unrecht behalten wird, so werde man persönlich, beleidigend, grob. Das Persönlichwerden besteht darin, daß man von dem Gegenstand des Streitens (weil man da verlornes Spiel hat) abgeht auf den Streitenden und seine Person irgend wie angreift: man könnte es nennen argumentum ad personam, zum Unterschied vom argumentum ad hominem: dieses geht vom rein objektiven Gegenstand ab, um sich an das zu halten, was der Gegner darüber gesagt oder zugegeben hat. Beim Persönlichwerden aber verläßt man den Gegenstand ganz, und richtet seinen Angriff auf die Person des Gegners: man wird also kränkend, hämisch, beleidigend, grob. Es ist eine Appellation von den Kräften des Geistes an die des Leibes, oder an die Tierheit“.

      Schopenhauer fügt weiter hinzu: „Diese Regel ist sehr beliebt, weil jeder zur Ausführung tauglich ist, und wird daher häufig angewandt“. Was man wohl schon in der Antike wußte: „Wie sollte nicht auch den Sophisten das Mittel bekannt gewesen sein, durch welches Jeder sich Jedem gleich setzen und selbst die größte intellektuelle Ungleichheit augenblicklich ausgleichen kann: es ist die Beleidigung. Zu dieser führt daher die niedrige Natur eine sogar instinktive Aufforderung, sobald die geistige Überlegenheit zu spüren anfängt“.

      irwish.de/pdf/Schopenhauer-Kunst_Recht_zu_behalten.pdf
      irwish.de/pdf/Schopenhauer-Kunst_zu_beleidigen.pdf

  2. Dass die völlig verfahrene Lage im Mittleren Osten – und das sinnlose und kontraproduktive Isolations-Embargo gegen Katar – immerhin nun hier Erwähnung finden, finde ich begrüßenswert.
    Ich würde es aber eher als positiv werten, wenn Israel Verletzte alle Couleur versorgt. Selbst Terroristen haben Grundrechte. Und auch wenn nicht jeder es verdient – wo kämen wir hin, wenn wir Ärzten Polizisten oder auch Richtern die Macht geben würden, zu entscheiden, Leuten Grundrechte oder medizinische Versorgung abzusprechen? Richtig – direkt in die Diktatur!
    Syrien ist leioder selbst eine üble Diktatur. Es hilft also nichts, wenn wegen Syrien etwa die Saudis dumm aussehen – das tun sie meiner Meinung nach sowieso und das macht ihnen nichts aus, da sie von den USA und von Europa bedingungslos unterstützt werden. Alleine das ist derart unsinnig, dass ich bisweilen am Verstand der Planer dieser Politik zweifle.

    Die Lage da ist in der Tat völlig verfahren. Man muss hoffen, dass man Fortschritte im Kleinen erzielt. Natürlich wäre es sinnvoll, wenn die USA und Russland dort wirkliche Verantwortung übernehmen würden. Die USA müssten idealerweise den Irak und Nord-Syrien annektieren (sic) und Russland Süd-Syrien – und die Grenze zwischen Syrien und Israel öffnen und den Libanon da gleich einschließen. Saudi-Arabien müsste endlich Bedingungen gestellt bekommen, die über eine reine wirtschaftliche Zusammenarbeit hinausgehen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass sowas in den nächsten Jahren passiert?

    • Thatsit meint: Ich würde es aber eher als positiv werten, wenn Israel Verletzte alle Couleur versorgt. Selbst Terroristen haben Grundrechte.

      Das sehen die IS-Terroristen aber ganz anders: Die hauen dir zuerst die Rübe ab und fragen dich erst danach, was du hier treibst. Wie können wir uns hier im bequemen Wohlstandsland anmaßen, sowas zu beurteilen? Du möchtest verletzte IS-Terroristen wiederherstellen, damit sie weiter morden können? Finde ich jetzt nicht so prickelnd …

    • Im Grunde handelt jeder absolut logisch, denn das Logische ansich sagt noch nichts darüber aus, welches logische System denn nun gemeint sein soll. Viele scheinen eine solche Aussage, wie ich sie eben getätigt habe, nicht zu verstehen, denn sie glauben fest daran, daß Logik etwas Universelles sei und daß es daher nur ein einziges wahres logisches System geben kann, nämlich ihr eigenes.

  3. Ein erhellender Über- und Durchblick über eine ebenso verworrene wie brandgefährliche Lage im Nahen und Mittleren Osten. An diesem Beitrag kann man sich zudem noch einmal die ganze Dürftigkeit und Oberflächlichkeit der hochbezahlten Qualitätskorrespondenten von ARD und ZDF vor Augen führen.

    • Dieses geradezu absurde Bündnis des Westens mit der 120%igen Islamdiktaturregierung Saudi-Arabiens begründet sich meines Erachtens im Grunde auf zwei Dingen:

      Erstens natürlich der ‚historische‘ Aspekt. Man meinte, den ganzen Islamismus kontrollieren zu können, wenn man mit der Macht, die Mekka und somit ‚die heiligen Stätten des Islams‘ territorial kontrolliert, verbündet ist. Ferner hielt man offenbar den saudi-arabischen wahhabitischen Islam eher für ein abschreckendes Beispiel für den Islam und hoffte so, den Islam in schlechtem Licht dastehen zu lassen. Das ging nicht auf, aber die aktuellen Machthaber können das weder zugeben (daher wird betonköpfig einfach weitergemacht bis zur Lächerlichkeit) noch einfach anpassen. Mit wem sollen sie sich sonst verbünden in der Region?

      Zweitens die wirtschaftlichen Interessen einzelner, aber mächtiger, Lobbyisten. Die Saudis haben es gut verstanden, zahlreiche Profiteure auf ihre Seite zu ziehen. Viele westliche Firmen machen gute Geschäfte in Saudi-Arabien. Und diesen Wirtschaftslobbyisten sind Demokratie und Grundrechte EGAL oder sogar zuwider. Den Managern und -Inhabern der meisten Firmen ist eine (Islam-)Diktatur mit faktischen Sonderrechten für ihre Firma soger LIEBER als eine Demokratie mit einem wirklich freien Markt und viel Konkurrenz.

  4. Zu dem Thema „Trump als Friedenspräsident“, das hier auch angesprochen wurde:

    Hmm, ich möchte gerne glauben, dass Trump generell geistig in der Lage ist, ein Kalkül zu haben. Und dass es sein Kalkül ist, den militärisch-industriellen Komplex ruhigzustellen mit sporadischen Aktionen (Syrien, Mutter aller Bomben, Budgeterhöhung für das Militär, Waffenverkauf an Saudi-Arabien,…), aber er eigentlich Frieden im Sinn hat. Nur: Kann das gutgehen – gegen die geballte Macht der Medien, gegen die Psychopathen der „Elite“, die Russland (nicht nur wegen Geld) zerschlagen und beherrschen wollen, gegen die Geheimdienste, etc. ? Lassen sich diese eiskalten, gierigen, psychopathischen und durch und durch zynischen Personen dauerhaft vertrösten oder gar veräppeln? Glaube ich nicht…

    Hoffen wir, dass Herr Rupp Recht hat, und sich die (rein logische, nicht mal moralische) Vernunft durchsetzt – welche gegen einen Krieg der USA mit Iran oder gar direkt mit Russland spricht.

    Sehr erfrischend fand ich übrigens, dass Herr Rupp bekannt hat, bei diesem ganzen Wahnsinn, der sich auf unserem Planeten abspielt, auch nicht immer durchzublicken.

    • Trump war nie ein Friedenspräsident. Das hat er nun wirklich leider auch bewiesen, und zwar auf Kosten zahlreicher unschuldiger Leidtragender. Erstens durch den unfairen und grundrechtsfeindlichen EInreisestopp gegen völlig Unschuldige (während seine Freunde aus dem ‚Establishment‘ ausgespart sind als ‚Mitglieder anerkannter Organisationen‘). Zweitens aktuell in der sogenannten Katar-Krise, wo er einen völlig sinnlosen ‚Kalten Krieg‘ offenbar vom Zaun brach und nicht einmal offen darüber redet.
      Ich denke, man muss dann von kriegerischen Aktionen im negativen Sinn sprechen, wenn unschuldige Bürger unter den Konsequenzen schlechter Politik zu leiden haben, indem sie Leben, Gesundheit oder grundlegende Rechte verlieren.
      Zwar betreffen Trumps Aktionen „nur“ die grundlegenden Rechte. Trumps Politik initiiert somit zwar bisher keinen „klassischen“ Krieg (wobei das auch keinesfalls in naher Zukunft ausgeschlossen ist), aber er hat in den wenigen Tagen seiner Amtszeit mit den obigen Beispielen schon zwei Kalte Kriege statt Frieden initiiert, und damit ist Trump natürlich – leider – kein Friedenspäsident.

    • Aus der Sicht einer klassischen politischen Lehre, die Politiker als Vertreter ihrer Wähler/innen sieht und aus der berechtigten Sicht der Bürger sind die Aktionen vieler aktueller Machtpolitiker in der Tat kaum nachzuvollziehen.
      Ein Aspekt fällt aber auf, und zwar besonders bei Trump, der ja bekanntlich im Wahlkampf ständig davon sprach, das Gegenteil zu wollen: Es wird verstärkt auf eine Politik gesetzt, die die Freunde und persönlichen(!) Verbündeten der Machthaber privilegiert und alle anderen entrechtet. Man sieht das bei Trump sowohl beim ‚Einreisestopp‘ gegen Unschuldige, sogar gegen klar USA-freundliche Bürger z.B. des Irans, und auch in der ‚Katar-Krise‘, wo für Trump nur zählt, dass die Saudis offenbar etwas enger mit den USA verbündet sind als die Katarer.
      Auch bei anderen Politikern der G20 sind solche Entwicklungen zu beobachten.
      Das ist eine ziemlich bedenkliche Entwicklung, und es wirft auch ein ziemlich ungutes Licht auf die G20-Randale. Denn auch da wurden hauptsächlich Unschuldige geschädigt, meistens Leute aus dem linksalternativen(!) Schanzenviertel, und es wurden echte und friedliche Kritiker der aktuellen Politik geschädigt, deren Anliegen nun kaum beachtet werden. Quizfrage: Auf wessen Seite stehen diese Randalierer (sofern sie zu denen gehören, die wirklich nur auf Gewalt aus waren) also wirklich? Und wie ist die dubiose Rolle einiger Polizeieinheiten zu bewerten, die mehr provozierten als konsequent Gewalt verhinderten? Ich denke, die Antwort ist klar.

    • Ich gebe Ihnen Recht, Thatsit – für mich ist Trump auch überhaupt kein „Friedenspräsident“. Und er verfährt tatsächlich nach kindlichen Freund-Feind-Mustern in vermutlich allen seinen persönlichen Beziehungen. Macron hat er nun z.B. überschwänglich gelobt, weil der ihn nun nach Paris eingeladen hat. Und weil er ihn vermutlich mit seinem kräftigen Handschlag beeindruckt hat. (Oder gibt es noch eine andere Verbindung über Skull&Bones und Konsorten? Bin nicht sicher, könnte natürlich sein.)

      Das ist wirklich alles nur noch total albern. Möglicherweise möchte Trump aber wirklich keinen großen Krieg, der sogar Amerika bedroht – zumindest diese kleine Hoffnung möchte ich mir noch erlauben.

    • Es gibt keine Friedenspräsidenten mehr – zumindest nicht seit JFK. Die US-Präsidenten nach JFK hatten nicht mehr das Sagen, und man wählt auch keine Präsidentschaftskandidaten aus, die versuchen würden, irgend etwas selber zu entscheiden. Würde es einer wagen, erginge es ihm wie JFK, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sanders hat sich inzwischen längst als entpuppt, was er schon immer war: Ein raffgieriger Milliardär mit Schauspieltalent. Obama war und ist nichts anderes, und auch Trump spielt nur eine Rolle. Empörungsmanagement, Leute, alles Empörungsmanagement, darauf wette ich.

  5. Anbei ein paar weiterführende links.

    Zur demokratischen/undemokratischen(?) Wahl von Mohamed Mursi. Hier angefochten durch ein authentisches/gefälschtes(?) Dokument:

    Kommission für die Wahl des ägyptischen Präsidenten beugt sich der Erpressung der Muslim-Bruderschaft
    Voltaire Netzwerk | Kairo (Ägypten) | 26. April 2016

    Schreiben der Wahlkommission für die Präsidentschaft Ägyptens vom 20. Juni 2012 an den Vorsitzenden des Rates der Streitkräfte. Darin schlägt die Wahlkommission, in einem Akt offener Wahlfälschung, vor, aufgrund massiven Drucks, Mohamed Mursi, statt den wahren Gewinner, General Ahmed Shafiq, zum Gewinner der vorangehenden Präsidentschaftswahlen zu proklamieren.
    http://www.voltairenet.org/article191486.html

    Zumindest erscheint es nachdenkenswert, ob im Rahmen des Arabischen Frühlings, in einem so wichtigen Land wie Ägypten, „demokratische“ Wahlen überhaupt dem Zufall überlassen wurden.

    Und zieht man die massive Wahlbeeinflussung im „freien“ Westen zu Rate, drängt sich dieser Gedanke um so mehr auf.

    Zu Katar und Saudi Arabien:

    Die Maus, die brüllte: Wie Saudi-Arabien Katar unterschätzte

    Es gibt eine gewisse Ironie in der Krise, die den Golf-Kooperationsrat (GCC) plagt, nachdem Saudi-Arabien Katar zum Paria gestempelt hat. Die entstandene Pattsituation hat das Potenzial, die Region in eine völlig neue geopolitische Einheit umzuwandeln.
    von Catherine Shakdam

    Katar war als Opferlamm gedacht. Damit wollte man die Schuld vernebeln und abschieben in einer Zeit, in der Wahhabismus/Salafismus/Deobandismus auf dem Scheiterhaufen der öffentlichen Meinung verbrannt würden. Darüber hinaus wurde Katar mit dem Ziel in den Fokus gerückt, eine neue Kriegsplattform gegen das eigentliche Ziel Saudi-Arabiens, den Iran, einrichten zu können.
    Auch wenn wir uns damit dem Risiko aussetzen, diesem infantilen binären Narrativ in die Hände zu spielen, den man uns bis zum Überdruss verkauft hat, um damit die Gegebenheiten in der Region zu erklären, muss ich zugeben, dass Riad wahrlich von Teheran besessen ist. Tatsächlich ist es noch viel mehr als das, denn die Notwendigkeit, den Iran zu zerstören, ist für Riad die einzige Existenzberechtigung und der einzige Anker, um eine eigene Identität zu begründen.
    Das Königreich lebt keinen Pluralismus – nicht in der Politik, nicht im Glauben, nirgends. Saudi-Arabien kennt nur Absolutismus und Zwang.
    (…)
    Und dann haben wir natürlich diesen Akteur, der Türkei genannt wird. Auch sie besitzt ein unschätzbares geopolitisches Kapital. Was Katar an Größe und politischer Landmasse fehlt, macht es durch Reichtum und Zugriffsmöglichkeiten wett.
    Mit anderen Worten: Katar ist mehr als das, was Saudi-Arabien jemals schlucken könnte – militärisch oder anders gesprochen.
    (…)
    Lassen Sie mich mit diesem Gedanken schließen: Wenn es Saudi-Arabien nicht einmal gelingt, die ärmste und instabilste Nation der Arabischen Halbinsel, den Jemen, zu unterjochen, obwohl eine Armada von militärischen Supermächten und ein Blankoscheck aus der internationalen Gemeinschaft Riad dabei unterstützt, wie soll es ihm dann gelingen, seinen Willen gegen Katar, das Milliarden von US-Dollars zur Verfügung hat, durchzudrücken? Oder sollten wir erwarten, dass die Kleinen die Mächtigen überwinden?
    Die Region befindet sich aufgrund dieser Krise inmitten tiefgreifender Veränderungen und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie dorthin zurückkehren wird, wo sie vorher war. Saudi-Arabiens Kerze ist erloschen, alles, was wir jetzt brauchen, ist, dass die Monarchie dies auch erkennt.
    https://deutsch.rt.com/meinung/53986-saudi-arabien-unterschatzte-katar/

    Und noch eine Einschätzung Herrn Meyssans:

    Frieden in Syrien zugunsten von Israel und der Türkei?
    von Thierry Meyssan
    Obwohl man sich dem Ende des Krieges gegen Syrien nähert, wurde keines der ursprünglichen Ziele der Angelsachsen völlig erreicht: nicht nur die Muslimbruderschaft hat nicht mit ihren arabischen Frühlingen triumphiert, sondern sie scheint in der gesamten Region zu verlieren, außer in Katar und in der Türkei; Wenn Syrien auch weitgehend zerstört ist, hat die syrische Gesellschaft und ihr multireligiöses Modell standgehalten; schließlich sollte die Seidenstraße wieder hergestellt werden. Wie dem auch sei, Israel und die Türkei sind dabei, die Kastanien aus dem Feuer zu holen und auf ihre Weise auch als Sieger des Krieges zu erscheinen.

    Jedermann dachte, dass die Krise zwischen Saudi-Arabien und Katar das Wiederaufleben der Riad-Damaskus-Kairo Achse erleichtern würde, die das politische Leben der arabischen Welt bis zum „arabischen Frühling“ dominiert hatte. Es war dem aber nicht so.
    Vielleicht hofft Prinz Mohammad Ben Salman immer noch, im Jemen zu siegen und findet es daher nutzlos, sich Syrien anzunähern. Oder die Saudis, der früher den arabischen Aufstand gegen die Osmanen führten, halten es heute für zu gefährlich, die Partei Syriens gegen die Türkei zu ergreifen. Es ist wahr, dass während der Verhandlungen von Crans-Montana letzte Woche, die UNO, der IWF und die Europäische Union die nach internationalem Recht illegale Besetzung Nordzyperns durch die türkische Armee unterstützt haben. Offensichtlich unterstützt die NATO, obwohl es im Westen Mode geworden ist, auf die Diktatur von Erdoğan zu spucken, auch vorbehaltlos die türkische militärische Entfaltung in Zypern, in Syrien, in Irak und im Katar.
    (…)
    Man muss die Ankündigung einer Putin-Trump-Vereinbarung auf drei Regionen im Süden von Syrien in diesem Zusammenhang verstehen. Die US-Truppen dürften dort eingesetzt werden, angeblich für den Frieden, in der Realität aber um eine entmilitarisierte Zone zwischen dem syrischen Golan und dem Rest des Landes zu bewahren. Die Iranischen Truppen dürften sich nicht Israel annähern. Auf diese Weise würden die Golan-Höhen, widerrechtlich durch Israel seit vierzig Jahren besetzt, nun de facto als Annexion betrachtet werden, auch wenn das Wort nicht verwendet werden würde. Lokale Dorfräte würden im Oktober 2018 nach israelischem Recht dort gewählt werden. Russland würde nichts sagen und die Vereinigten Staaten würden ihre Krim Besessenheit vergessen.
    Im Rest von Syrien, mit Ausnahme der von den Kurden eroberten ehemaligen Daesch-Zone und der von den Türken kontrollierten Zone, könnte Frieden geschlossen werden. Washington und Moskau würden die Türken mit diesen Kurden abrechnen lassen, d. h., sie massakrieren lassen. Genau wie Henry Kissinger die irakischen Kurden gegen Saddam Hussein unterstützte, bevor er sie über Nacht mit ihrem Kurdistan Traum fallen ließ. Am Ende würde die türkische Armee Al – Bab besetzen, wie sie es bereits in Nordzypern und in Baachiqa im Irak tut.
    Die Palästinenser und die Kurden würden ihre Fehler bezahlen, nämlich für ein Land außerhalb ihres Gebiets gekämpft zu haben (in Jordanien und im Libanon, anstelle von Palästina für die Ersten, und im Irak und in Syrien statt in Kurdistan für die Letzteren).
    Israel und die Türkei wären die zwei einzigen Staaten, die von dem sechs jährigen Krieg gegen das syrische Volk profitieren würden.
    http://www.voltairenet.org/article197077.html

    Diese durch die Beiträge belegte Gewaltspirale, wird befördert von interessierten Eliten, dies durch die Lieferung von Rüstungsgütern und durch Unterstützung in anderer Form, einzig zur Durchsetzung diverser Herrschaftsansprüche.

    Ist die letzte Anmerkung Herrn Rupps, die pauschale Behauptung zu den Deutschen, im Zusammenhang mit ihrem Wahlverhalten, nun die aktuelle Methode ein größeres Publikum zu motivieren, Sachverhalte zu hinterfragen und sich für Veränderung einzusetzen?
    Diese Schlußbemerkung steht in ihrer Art und Weise reichlich im Widerspruch zum restlichen Beitrag.

    • Ich denke, der Iran ist kein militärisches Kriegsziel (mehr). Früher setzten die USA auf ein Bündnis (!) mit Saddam Hussein und haben den Irak quasi gegen den Iran aufgehetzt. Auch das war neben der generellen Fragwürdigkeit eines Bündnisses mit Saddam Hussein ein fast schon absurder Fehlschlag, denn gebracht hat es dem Westen genau nichts, aber es gab sehr viele Kriegsopfer. Man muss aber fairerweise sagen, dass die Khomeini-Regierung WIRKLICH radikal antiamerikanisch und israel-feindlich war. Ich habe selbst die Parolen ‚Down with USA‘ und ‚Down with Israel‘ gesehen.

      Wie auch immer, heute gibt es heute den sogenannten ‚Iran nuclear deal‘. DIeser ist nicht nur ein ’nuclear deal‘, der Atomwaffennutzung regelt, sondern eine völlige Rehabilitierung und Sanktionsfreistellung des Irans.
      Bitte informieren Sie sich / informiert euch. Es ist ganz erstaunlich, wie das alles falsch dargestellt wird.

      Die Establishments der USA und des Irans haben sich ausgesöhnt und starten gerade das große Geschäftemachen. Währenddessen verhängt die US-Regierung (Präsident Trump) Einreisestopps für einfache Bürger und setzt diese mit Terrorsiten gleich. Angehörige anerkannter Organisationen, sicher darunter auch die Geschäftspartner von bei der US-Regierung beliebten Lobbyisten, dürfen natürlich weiter einreisen. Pure Establishmentdiktatur ist das seitens der Trump-Regierung, das Gegenteil von dem, was Trump im Wahlkampf versprochen hat. Diese Art des Kalten Krieges ist bereits im Gange. Ein miltärischer Krieg ist aber wohl ausgeschlossen.

    • Kleine Korrektur: Es gibt weiterhin einige Sanktionen der EU gegen den Iran und USA-eigene Sanktionen gegen den Iran, die US-Firmen betreffen. Mit dem ‚Iran nuclear deal‘ wurden nicht alle Sanktionen abgeschafft. Was aber ganz eindeutig ist, ist die Tendenz: Wirtschaftliche Sanktionen werden reduziert (was erfreulich ist), die Establishments desr USA, der EU, Russlands und des Irans nähern sich an und starten mehr Geschäftstätigkeit. Was auch per se erfreulich ist.

      Aber gleichzeitig wird die Reisefreiheit einfacher Bürger eingeschränkt – was das Ganze in einem ganz anderen Licht dastehen lässt. Nicht nur Iraner, die nicht zu ‚anerkannten Organisationen‘ gehören, werden an der Einreise in die USA gehindert, sondern es gibt auch Schikanen für deutsche Touristen (genauer: für Touristen aller Nationen mit visafreier EInreise in die USA), die in den Iran reisen. Man darf danach nicht mehr visafrei in die USA reisen. Das hat bereits die von den Massenmedien hochgelobte Obama-Regierung initiiert.

      Geschäfte und freies Reisen für das ‚Establishment‘, geschlossene Grenzen und Klater Krieg für einfache Bürger, so in etwa sieht Trumps Außenpolitik aus, in Kontinuität(!) mit der von Obama.

  6. Rainer Rupp, Danke für Ihre Einschätzung der Lage im Mittleren Osten.
    Die Stunde verging im Fluge.

    Warum in D. Frau Merkel wohl wieder gewählt wird?
    Herrlicher Schlusssatz, den auch „Michel Eyquem“ bestätigen wird.
    Sorry – musste gleich an Sie denken.
    „Weil die Deutschen blöd sind.“

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