Buchtipp: „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“

Mit Beiträgen von Jörg Becker, Daniele Ganser, Bernd Hamm, Hansgeorg Hermann, Hannes Hofbauer, Jochen Krautz, Mike Lofgren, Rainer Mausfeld, Hermann Ploppa, Jürgen Rose, Werner Rügemer, Rainer Rupp, Andreas Wehr, Wolf Wetzel und Ernst Wolff.

Buchtipp: „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“ von Mies, Ullrich/Wernicke, Jens (Hg.)

 

Immer sichtbarer wird für Beobachter des Zeitgeschehens die schleichende Transformation parlamentarischer Demokratien in Richtung autoritärer Systeme. Organisationen, die sich ausschließlich Kapitalinteressen verpflichtet fühlen, schaffen suprastaatliche Strukturen, die sich der demokratischen Kontrolle entziehen. Vom Volk gewählte politische Repräsentanten sehen sich zu Handlangern der ökonomisch Mächtigen degradiert, viele von ihnen vollziehen den Schulterschluss mit ihnen. 

Politik im bürgerlichen Staat war zwar schon immer interessengeleitet, neu an der aktuellen Situation ist aber die Tatsache, dass sich die Einflussnahme der Global Player nicht mehr auf die Lobby – die Vorhalle – politischer Ins­titutionen beschränkt, sondern dass Budget-, Finanz-, Sozial- und Umweltpolitik zunehmend auf Konzernrechnern konzipiert und dann nur mehr den einzelnen nationalen Parlamenten zum Absegnen vorgelegt werden. 

„Das Ende der Demokratie … wie wir sie kennen“ übertitelte der 2015 verstorbene Soziologe Bernd Hamm seinen Beitrag und gab damit den Anstoß für dieses Buch. Die hier versammelten Autoren analysieren seinen Befund aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Gemeinsam teilen sie die Überzeugung, dass sich die liberalen Demokratien, wie sie sich seit dem Zweiten Weltkrieg herausgebildet haben, im Niedergang befinden. Ihr aktueller Status ist mit dem Begriff der „Fassadendemokratie“ passend beschrieben. 

Während der aus immer weniger voneinander unterscheidbaren Parteien bestehende Parlamentarismus ein Schauspiel für die Öffentlichkeit abgibt, liegt die reale Macht dahinter im sogenannten „Tiefen Staat“. Dieser Tiefe Staat als Werkzeug der ökonomisch Mächtigen ist mit exekutiven und legislativen Diensten verflochten, deren Personal sich in transatlantischen Think-Tanks versammelt. Kapitalkräftige Medienkonzerne kommunizieren dort Beschlossenes als angeblich alternativlos. Wirtschaftliche und militärische Logik dominieren. Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen, scheint besiegelt. 

  • Die Herausgeber

Ullrich Mies, geboren 1951, studierte Internationale Politik in Duisburg und Kingston/Jamaika und lebt als Unternehmer und Aktivist in den Niederlanden. 

Jens Wernicke, geboren 1977, ist diplomierter Kulturwissenschaftler, arbeitet als Journalist u.a. für das Institut für Medienverantwortung und ist leitender Redakteur bei der Plattform „Rubikon“.

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2 Kommentare zu: “Buchtipp: „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“

  1. 2005 war schon das Ende der Demokratie.
    In den Niederländen, Frankreich und Irland wurde bei Referendum das sogenannte Europäische Grundgesetz verworfen, auf den Schleichweg wurde das ‚Grundgesetz‘ doch eingeführt, das Vertrag von Lissabon.
    In den Niederländen wurde bei Referendum 2016 gegen das Ukraine Assoziations Vertrag gestimmt, es änderte nichts.
    Nun sagen Gerüchte das unsere neue Regierung das Referendum jetzt abschaffen will.
    Farrage sagte in EP über das ignorieren der 2005 Referenda ’sie sagten: „sie wissen nicht was sie tun'“.
    Die niederländische Regierung ist seit 2005 keine Regierung mehr, nur noch Laufburschen von Brussel.
    Oder von Merkel, wie man es sehen will.

  2. Es ist bestimmt ein kritisches und daher bildendes Buch.

    Wenn dort auch das Thema der Tagesdosis vom 13.09.2017 inhaltlich vorkommt – also die Anbindung und das Wiederentdecken der eigenen Liebe gegenüber der Welt, trotz und gerade solcher belastenden Themen, wird dieses Buch ohne Ausnahme ein Bestseller werden.

    Vielleicht wird es auch generell ein Bestseller. Nur mit dem Thema Liebe dazu, würde es ein Bestseller der Herzen werden.

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