Charles Chaplin und die „Zweite Front“

Von Herman Ploppa.

Prominente wie Xavier Naidoo oder Ken Jebsen, um nur zwei Beispiele herauszugreifen, werden genau in dem Augenblick von Rufmordkampagnen getroffen, wenn sie Dinge sagen, die nicht in das Konzept und die Agenda der Mächtigen hineinpassen.

Die Methode Rufmord hat eine lange Tradition. Sie macht auch vor absoluten Superstars wie Charles Chaplin nicht halt. Als Chaplin auf die Untätigkeit der Westmächte im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen das Naziregime aufmerksam zu machen sich erdreistet, ist seine Karriere schlagartig beendet und ihm werden erfundene Delikte angehängt. Chaplin wagte es, die Ernsthaftigkeit der Anstrengungen der Westmächte im Zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen – wo blieb die „Zweite Front“, nämlich die Front im Westen? Tatsächlich begann der Angriff der Westmächte nämlich erst gut zwei Jahre später. Als die Sowjetunion im Alleingang das Nazireich besiegt hatte, und jetzt ungehindert die Wehrmacht westwärts vor sich her trieb. Worum ging es bei der gloriosen Invasion im Jahre 1944? Möglicherweise ging es darum, die Kriegsbeute vor den Sowjets zu retten?

Am 22.07.1942 veranstaltete der CIO (Council of Industrial Organizations) zusammen mit kirchlichen, studentischen Organisationen und Veteranenverbänden eine Kundgebung im New Yorker Madison Square Park.

Zu diesem Anlass hielt Charles Chaplin von Beverly Hills aus eine Telefon-Ansprache an die Demonstranten. Eindringlich appellierte er an die Regierungen der USA und GB, sofort eine zweite Front im Westen aufzumachen, da die Wehrmacht 35 Kilometer vor den Ölfeldern im Kaukasus stehe. Wenn diese in die Hände der Nazis fielen, sei praktisch die Ölversorgung der SU verloren. Währenddessen warteten die westalliierten Soldaten in Irland auf ihren Einsatz: „Wir hören davon, daß große Truppenmassen in Nordirland zusammengezogen werden, daß fünfundneunzig Prozent unserer Geleitzüge heil in Europa eintreffen, daß zwei Millionen Engländer voll ausgerüstet und bereit sind, eingesetzt zu werden. Worauf warten wir denn noch, da die Situation in Rußland derart verzweifelt ist?“ (S.420)

„Wenn Rußland den Kaukasus verlieren sollte, dann wäre das für die Sache der Verbündeten die größte Katastrophe. Dann werden wir auf die Beschwichtigungspolitiker achten müssen, denn sie werden aus ihren Verstecken hervorgekrochen kommen. Sie werden mit einem siegreichen Hitler Frieden machen wollen. Sie werden sagen: ,Es hat keinen Sinn, das Leben einer noch größeren Zahl von Amerikanern zu opfern – wir können mit Hitler „ein gutes Geschäft“ machen.“ (S.421)

Folge dieser mutigen Sätze: faschistische Organisationen hetzen Chaplin eine Frau namens Joan Berry auf den Hals. Diese strengt eine Vaterschaftsklage gegen Chaplin an. Obwohl ein Bluttest negativ verläuft, wird Chaplin vom General Attorney angeklagt aufgrund des ,Mann Act’. In erster Instanz unschuldig, zweite Instanz schuldig. Die American Legion erpresst die Kinos der USA, den Film trotz guter Besucherzahlen aus dem Programm zu nehmen. Zuvor hatte bereits eine Hollywood-eigene Zensurbehörde, das ,Breen Office’ (gehört zur selbsternannten ,Legion of Decency’) ,Monsieur Verdoux’ abgelehnt. Erst nachdem Chaplin die gewünschten Änderungen vorgenommen hatte, wurde der Film freigegeben.

Als Chaplin 1953 (?) eine Europa-Reise machen will, braucht er ein „Re-Entry-Permit“, um wieder in die USA einreisen zu können. Etliche Male wird er von der Einreisebehörde verhört. Man will klären, ob Chaplin wirklich Chaplin heißt, oder ob er nicht vielmehr ein Jude aus Galizien sei. Kaum ist er auf dem Schiff nach Europa, da wird ihm jeder weitere Aufenthalt in den USA untersagt. Durch Intrigen wird seine Filmfirma United Artists beinahe an die Wand gefahren.

Die Luce-Presse („Time“) zerreißt Chaplins Film ,Limelight’ (Chaplins Filmkomödie von 1952) in der Luft. Hier verlor Chaplin viel Geld. Chaplin verwahrt sich gegen den möglichen Eindruck, seine Erinnerungen seien eine Art Selbstrechtfertigung:

„Diese Erklärung ist keine Entschuldigung. Als ich begann, dieses Buch zu schreiben, fragte ich mich, warum ich es täte. Es gibt viele Gründe dafür, aber der Wunsch, mich zu rechtfertigen, ist nicht darunter. Wenn ich meine Lage zusammenfassen soll, dann müßte ich sagen, daß ich mir in einer Atmosphäre mächtiger Cliquen und unsichtbarer Regierungen die Feindschaft einer Nation zugezogen und unglücklicherweise die Zuneigung der amerikanischen Öffentlichkeit verloren habe.“ (S.477)

Warum so demütig? Die amerikanische Öffentlichkeit ist doch massiv daran gehindert worden, sich zu dem Thema zu äußern!

Was lernen wir daraus? Selbst 1964 ist der Druck auf Chaplin und den Verlag noch so groß, dass Chaplin defensiv argumentiert. Personen, Jahreszahlen und andere Daten sind in dem Buch so schwammig gehalten, dass von den Übeltätern niemand an die Öffentlichkeit gezerrt wird, mit Ausnahme eines untersten Gliedes, nämlich Joan Berry, jene Dame, die Chaplin fälschlich beschuldigt hatte.

Auszüge aus der Telefonansprache zitiert aus: „Aus Charles Chaplin: Geschichte meines Lebens“ (Frankfurt/Main 2003)

Buchtipp, der oben geschilderte Tatbestand aus sowjetischer Sicht: Valentin Falin: Zweite Front – Die Interessenkonflikte in der Anti-Hitler-Koalition. München 1997

+++

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

15 Kommentare zu: “Charles Chaplin und die „Zweite Front“

  1. Zu dem Film „der große Diktator“ habe ich vor etlichen Jahren eine Dokumentation gesehen. In dieser wurde unter anderem erzählt, wie unterschiedlich die Reaktion der Zuschauer ausfiel. Die Amerikaner sahen in dem Film vor allem die parodistischen Elemente, über die sie herzhaft gelacht haben, während den Zuschauern, die vor Hitler-Deutschland geflüchtet waren, gar nicht zum Lachen zu Mute waren, weil sie in dem Film die Realität wieder erkannt haben, der sie entflohen sind. Für diesen Film soll sich Chaplin gründlich vorbereitet haben, in dem er sich die Wochenschau-Filme hat zukommen lassen und diese studiert hat. Daraus wurde ein Film, der alle wesentlichen Aspekte des Hitler-Regimes, bishin zur Ghettoisierung der Juden, darstellt, Mir ist nicht bekannt, dass sich zu der Zeit – 1942! – eine andere Person mit vergleichbarer Reichweite auch nur annähernd derart weit aus dem Fenster gelehnt hat. Ein klares Statement gegen Faschismus, gegen Krieg und ein Appell an die Menschlichkeit. Dass sich Chaplin über das Fehlen einer zweiten Front beklagt bzw. auch hier wieder über seine Popularität eine solche einfordert, ist für mich nur eine logische Konsequenz, denn er wusste über die Verhältnisse in Europa – seine Heimat, er war gebürtiger Brite – bestens Bescheid.
    Chaplin stammt übrigens aus allerärmstlichen Verhältnissen. In London aufgewachsen, hat er als junger Mann den Sprung nach Amerika gewagt und sich auch dort noch für längere Zeit mehr schlecht als recht durch gewurschtelt. Seinen Durchbruch und sozialen Aufstieg hatte er erst als Tramp. Für diese Rolle musste er sich seine bereits ergrauten Haare schwarz färben. Ein Detail, das auf sein fortgeschrittenes Alter schließen lässt. Von ihm als Person mit bürgerlichem Hintergrund zu sprechen, halte ich vor dem Hintergrund seines Werdegangs für nicht ganz passend, auch wenn er zugegebenermaßen ab einem bestimmten Zeitpunkt dazu zu zählen war. Sein Scharfsinn und seine Weitsichtigkeit war ihm nicht unbedingt in die Wiege gelegt und dass er diese Fähigkeiten auch dann noch eingesetzt hat, als es nicht mehr nur um ihn ging, macht ihn für mich bis heute zu einer beeindruckenden und mutigen Persönlichkeit.

    • Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, für ihn zu sprechen. Friedensnobelpreise sind durchaus weniger geeigneten Persönlichkeit verliehen worden.

  2. Verzeihung da das nun etwas länger wird:

    Wer finanzierte Hitler und die NSDAP?

    Ohne Geld keine Revolution, ohne Geld kein Hitler. Wer gab der NSDAP soviel Geld, daß sie innerhalb von zehn Jahren aus dem Nichts an die Macht kommen konnte? Unsere Spurensuche zeigt: Niemand spendete Hitler aus Idealismus Geld. Jeder sah in ihm einfach ein Mittel zum eigenen Zweck. Eine Rezension über das Buch „Der finanzierte Aufstieg des Adolf H.“ von Wolfgang Zdral.

    Geld ist das Brecheisen der Macht. Friedrich Nietzsche

    Bevor wir Hitlers weiteren Aufstieg zur Macht weiterverfolgen, gehen wir hier der Frage nach, wer seine Geldgeber waren. Denn Geld ist das Benzin, nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Weltpolitik. Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äußeren im Jahre 1923 über die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution.“
    (…)
    Es war also keineswegs ein unaufhaltbarer Aufstieg, durch den Hitler an die Macht kam. Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genau so gut wieder untergehen können – wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.

    Dieser Artikel soll der Frage nachgehen, wer Hitler und der NSDAP wann wieviel Geld aus welchen Gründen gegeben hat – wenn auch diese Frage nicht endgültig zu beantworten ist, da viele Dokumente „verschollen“ und manche Quellen nicht über alle Zweifel erhaben sind.
    (…)
    Die ersten Geldgeber Hitlers

    Wenn ein kleiner österreichischer Gefreiter innerhalb von vierzehn Jahren aus dem Nichts eine Massenbewegung aufbaut, wenn er eine Hunderttausende zählende Privatarmee wie die SA auszurüsten (die SA hatte 1924 30.000, 1930 80.000, 1932 220.000, 1933 400.000 und 1934 etwa 4 Millionen Mitglieder), auszubilden und zu ernähren vermag und eine gewaltige Propagandamaschinerie inklusive Großveranstaltungen mit hunderttausend Teilnehmern finanziert, wenn er zweimal die Woche und später täglich den Völkischen Beobachter herausgeben kann, wenn er überall klotzt und nicht kleckert – feudale Parteizentralen kauft, Tausende von Flaggen und gleich zwei Flugzeuge aufs Mal – dann muß das Geld in Strömen fließen oder gigantische Schuldenberge müssen in die Höhe wachsen.
    (…)
    Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermaßen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Größenwahn.

    Deshalb ist es gerechtfertigt, daß man den Spuren des Geldes folgt und fragt: Welche Kreise haben Hitler langsam, aber sicher zur Macht verholfen? Gab es einen Augenblick, wo man ihn durch Entzug von Spenden hätte stoppen können? Oder war er nur eine willkommene Figur im Schachspiel der wirklich Einflußreichen? In einem Spiel, bei dem die Regeln von unsichtbaren Spielern gemacht werden?
    (…)
    Im Mai 1922 erhält der junge, noch weitgehend unbekannte Hitler die erste Gelegenheit, außerhalb Bayerns vor den Reichen und Mächtigen zu reden. Dem National-Club von Berlin gehören Bankiers, Großgrundbesitzer, Offiziere und Professoren an. Hitler ist erfolgreich: Ernst von Borsig, Besitzer einer Lokomotivfabrik, wird ihn künftig unterstützen und bei anderen Industriellen für ihn Werbung machen. Dieser Umstand wird übrigens auf den Seiten von borsig in der Biographie von Ernst von Borsig diskret verschwiegen. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass der älteste Sohn Karl ein glühender Nazihasser und der jüngste Sohn Ernst, Beteiligter am Widerstand gegen Hitler im Kreisauer Kreis war.

    Der Geschäftsführer einer Münchner Malzkaffeefirma, Hermann Aust, arrangiert daraufhin mehrere Treffen Hitlers mit bayerischen Industriellen. Diese sind beeindruckt und zücken die Geldbörse. Ein Vorarlberger Freund von Dietrich Eckart namens Gansser reist 1923 in die Schweiz und geht die dortigen gut situierten Bürger um Spenden für Hitler an. Hitler wird zu Vorträgen eingeladen und reist mit einem Gesamthonorar von 33.000 Schweizer Franken (zu Inflationszeiten waren ausländische Devisen ein Mehrfaches wert) nach Hause.

    Dietrich Eckart legt auch den Grundstein für einen weiteren Auslandskontakt, der die begehrten Fremdwährungen einbringt. 1919 lernt er Warren C. Anderson kennen, der als Europa-Präsident des amerikanischen Autoproduzenten Ford arbeitet. Konzernchef Henry Fords Abneigung gegen die Juden ist weit herum bekannt; sie geht soweit, daß er sogar ein Buch mit dem Titel „The International Jew“ schreibt, in welchem er den Juden die Schuld an der Misere in Wirtschaft und Politik gibt. Eckart nutzt seinen Kontaktmann zu Ford, und tatsächlich überweist der Autoindustrielle bald darauf Gelder an Hitler und seine Partei.

    Der bekennende Antisemit Henry Ford unterstützt Hitler – 1920

    (…)
    Henry Ford war auch der Herausgeber antisemitischer Schriften wie das Buch „Der internationale Jude – Ein Weltproblem“, eine Zusammenfassung von Artikeln, die 1920 bis 1922 in seiner Haus-Postille, dem „Dearborn Independent“, veröffentlicht wurden. Auch wurde mit seiner finanziellen Unterstützung das Pamphlet, „Die Protokolle der Weisen von Zion“ in viele Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet. Diese Schrift wurden bisher von nahezu allen Geschichtsforschern als Fälschung bezeichnet.

    Ein Bild von Henry Ford hing im Münchner Hauptquartier der NSDAP. Weiterhin überwies die Ford-Werke AG jährlich 50.000 RM als Geburtstagsgeschenk auf Hitlers Privatkonto beim Kölner Bankhaus J. H. Stein. Inhaber der Stein Bank war der anglophile (dem englischsprachigen zugeneigt) Kurt Freiherr von Schröder, der auch dem „Freundeskreis des Reichsführers SS“ ein Konto einrichtete. Nicht umsonst wurde Henry Ford von Hitler mit dem Großkreuz des Deutschen Adlerordens ausgezeichnet, die höchste Auszeichnung, die Nazi-Deutschland an Ausländer zu vergeben hatte.

    Die Ford Motor Company war beteiligt am Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die deutsche Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78.000 LKW und 14.000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht. Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung verschont und dann auch nur wenig beschädigt. In den Ford-Werken wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die man für vier Reichsmark pro Tag von der SS auslieh.
    (…)
    Dr. Max Erwin Richter, ein Pseudoadliger mit Revolutionärsblut – 1920

    (…)
    Scheubner-Richter macht sich bei den in Deutschland lebenden rechtsradikalen adligen und reichen Exilrussen beliebt, indem er sie organisiert und zu Treffen einlädt. Diese Exilrussen sind in der Regel russische Rechtsradikale, die vor der Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki 1917, der russischen Oktoberrevolution, geflohen sind. Zur Geldbeschaffung gründete er zwei gemeinnützige Organisationen, weil man solchen leichter spendet als Privatleuten. Zudem setzt er damalige Prominente als Galionsfiguren ein – beispielsweise den bayerischen Aristokraten Freiherr Theodor von Cramer-Klett, Vertreter des Vatikans in Bayern und glühender Faschist.
    (…)
    Die Höhe des geflossenen Geldes beschreibt Biskupsij 1935 rückblickend in einem Bericht an Heinrich Himmler als eine „geradezu horrende Summe“; zusätzlich hat die Großfürstin Viktoria „aus dem Verkauf ihrer Juwelen“ bedeutende Beträge zur Verfügung gestellt. In einem Brief vom Jahr 1939 beziffert der General die damals gewährte Finanzhilfe auf eine halbe Million Goldmark – für damalige Verhältnisse wahrlich ein fürstliches Vermögen, kostete doch ein Haus nur ein paar tausend Mark!
    (…)
    Auch André-François Poncet, in den dreißiger Jahren Botschafter Frankreichs in Deutschland und Kenner der internationalen Diplomatie, schreibt in seinen Memoiren, daß die Nazis Geld von den italienischen Schwarzhemden einstrichen. Und SS-General Wolff, Chef des persönlichen Stabs von Heinrich Himmler und höchster Polizeiführer in Italien, bestätigt ebenfalls, daß die Nationalsozialisten vor ihrer Machtübernahme Finanzmittel von Mussolini kassierten.
    (…)
    Die „Geldmacht“ USA trifft Kriegsvorbereitungen – seit 1918

    „Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, fanden sie heraus, dass schon seit 1918 Schritte unternommen worden waren, um Deutschland in ökonomischer und industrieller Hinsicht auf einen Krieg vorzubereiten.“ Zu diesem eindeutigen Fazit kamen die Aussagen verschiedener Regierungsbeamter vor dem amerikanischen Kilgore Committee nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Diese Kriegsvorbereitungen vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 gingen zum großen Teil auf die finanzielle Unterstützung der Wall Street zurück, welche in den Zwanziger Jahren mithalf, das deutsche Kartellsystem zu formieren. Zudem stellten bekannte amerikanische Firmen später technisches Know-How zur Verfügung, um die Deutsche Wehrmacht aufzubauen.

    Der dies behauptet, ist kein dubioser Verschwörungshysteriker, sondern ein amerikanischer Professor, Geschichtsforscher und Autor zahlreicher Bücher, der sich auf erstklassiges Primärquellenmaterial stützt: „Wall Street and the Rise of Hitler“ ist eines der vielbeachtetsten Bücher des gebürtigen Engländers Antony C. Sutton (1925-2002). Die finanzielle und technische Unterstützung Deutschlands durch die Wall Street sei weder zufällig noch kurzsichtig geschehen, hebt Sutton hervor.
    (…)
    Es beginnt mit dem Dawes-Plan – 1924

    „Was jetzt inszeniert wurde, war auch ein Krieg, ein unblutiger, leiser, der die Nationen finanziell ausbluten sollte, um sie auf den rechten Weg einer Welt-Wirtschaft und einer Welt-Finanz unter dem richtigen Dach zu bringen“, kommentiert E. R. Carmin* in seinem Buch „Das schwarze Reich“. Der Anfang allen Übels war der vermaledeite Versailler Vertrag. Seine Verfasser wußten, daß es Deutschland niemals möglich sein würde, die ihm aufgebürdeten, immensen Schulden abzutragen. Vielmehr sollte es nur gerade in der Lage sein, die Zinsen jener gigantischen Summe zu begleichen, auf daß die Schuld selbst niemals kleiner würde, sondern in alle Ewigkeit nur anwachsen und drückender werden könne.
    (…)
    Was allein an diesem System schlecht war, war (a) daß es zusammenbrechen würde, sobald die USA kein Geld mehr liehen und (b) daß in der Zwischenzeit die Schulden lediglich von einem Konto auf ein anderes verschoben wurden und niemand der Zahlungsfähigkeit auch nur einen Schritt näher kam. – Es war überhaupt nichts gelöst, aber die internationalen Bankiers saßen im Himmel, wo es von Gebühren und Provisionen nur so regnete.“
    (…)
    Antony C. Sutton listet in seinem Buch die Experten des Dawes-Plans akribisch auf: Da war natürlich der Bankier Charles G. Dawes, welcher das Alliierten-Komitee 1924 präsidierte. Ferner Owen D. Young (Bild links) von der Morgan Bank, der gemeinsam mit Charles Dawes ein Konzept entwickeln sollte, der auch noch Präsident des Stromgiganten General Electric Company war. Ab 1929 wurde Young, der Direktor der New Yorker Federal Reserve Bank, Präsident des Dawes-Komitees, unterstützt von J. P. Morgan selbst, der sich abwechselte mit T. W. Lamont, einem Partner von Morgan und T. N. Perkins, einem Bankier mit Morgan-Verbindungen. „Mit anderen Worten, die US-Delegationen waren einzig und allein – wie es Quigley nannte – J. P. Morgan-Delegationen, welche die Autorität und das Siegel der Vereinigten Staaten benutzten, um finanzielle Pläne umzusetzen, welche allein ihren eigenen pekuniären (finanziellen) Interessen dienten.“

    Zu den deutschen Mitgliedern des Expertenkomitees gehörten Hjalmar Schacht, Präsident der Deutschen Reichsbank und Carl Voegler von den Vereinigten Stahlwerken, welche dann später die Aufrüstung betreiben sollten.
    (…)
    … und setzt sich fort im Young-Plan – 1930
    (…)
    Kartelle (IG Farben, AEG, Verein. Stahlwerke) als Kriegsmittel – 1933

    Die Anleihen aus dem Dawes-Plan werden in Deutschland zu einem Großteil für die Bildung und Konsolidierung dreier gigantischer Kartelle verwendet, nämlich der IG-Farben, der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft (AEG) und der Vereinigten Stahlwerke. Der IG Farben gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen an. Die Vereinigten Stahlwerke beinhaltete fast alle großen deutschen Eisen-, Stahl- und Bergwerksgesellschaften. Zeitweise galten die Vereinigten Stahlwerke als europaweit größter Stahl-Konzern. Diese Kartelle tragen 1933 nicht nur wesentlich dazu bei, Hitler an die Macht zu bringen, sondern spielen später auch eine Schlüsselrolle bei der Produktion kriegswichtiger Materialien.

    Gerne wird heute kolportiert (das Gerücht verbreitet), Wall Street habe nicht erkannt, wohin Deutschland treibe. Dem widerspricht Sutton heftig. Analysen der zeitgenössischen Wirtschaftspresse Amerikas hätten unmißverständlich gezeigt, daß man sich der Nazibedrohung voll bewußt gewesen sei, weshalb man die Leser jener Wirtschaftsmagazine auch vor den deutschen Kriegsvorbereitungen gewarnt habe. Nicht nur hätten die betroffenen Amerikaner genau über die Natur des Nationalsozialismus Bescheid gewusst, nein, sie hätten ihn wann und wo immer zu ihrem eigenen Vorteil unterstützt – „in dem vollen Wissen, daß das wahrscheinliche Ergebnis ein Krieg sein würde, der Europa und die Vereinigten Staaten betrifft.“ Die Primärquellen, die Antony C. Sutton im Laufe seiner Recherchen konsultieren konnte, beweisen dies zweifelsfrei.

    So ermöglichten die Mittel aus dem Young-Plan vor allem den Aufbau der deutschen Kriegsindustrie. Und: Bei zwei der drei Kartelle sitzen amerikanische Finanziers im Aufsichtsrat! James Stewart Martin (man kann das Buch „All honorable men“ herunterloaden 41) beschreibt die Kartelle so: „Diese Anleihen zum Wiederaufbau wurden zu einem Instrument für Arrangements, welche mehr dazu beitrugen, einen Zweiten Weltkrieg herbeizuführen, als Frieden nach dem Ersten Weltkrieg.“
    (…)
    Rockefeller und die Standard Oil Company

    Ein weiterer großer Bezin-Lieferant für die Nationalsozialisten war natürlich die Standard Oil Company des Amerikaners John D. Rockefeller. Er galt durch seine Unternehmungen als der reichste Mann seiner Zeit und erreichte monopolartige Machtstellungen. Sein damaliges Vermögen betrug rund 900 Millionen Dollar (1913), was 2001 etwa einem Wert von 200 Milliarden Dollar entsprach. Damit war John D. Rockefeller der reichste Mann, der jemals gelebt hat.
    (…)
    Auch ein weiterer Großkapitalist wurde zur Rettung Deutschlands aktiv. 1929 appellierte Alfred Hugenberg, eine Art Axel Springer der Weimarer Republik, dessen Medienkonzern, etwa 40 deutsche Zeitungen, darunter der „Völkische Beobachter“, das tägliche Parteiblatt der NSDAP, einige Verlage und die größte deutsche Filmgesellschaft „Ufa“ angehörten, in einem Rundschreiben an 3.000 US-Millionäre, das drohende Chaos in Deutschland abzuwenden.

    Hugenbergs Aufruf verhallte jenseits des Atlantik nicht ungehört. Es war das Jahr der heraufziehenden großen Wirtschaftspanik, die US-Stahlkonzerne lagen darnieder. Wie hätte da nicht das mit einer deutschen Aufrüstung verbundene Geschäft verlocken sollen! Zwar hatte die Weimarer Republik die Remilitarisierung bereits eingeleitet, doch im großen Stil konnte man dies wohl erst von dem Heil- und Siegbringer aus Braunau (Hitler) erhoffen.

    Daß der deutsche »Führer« käuflich war, ist früh bekannt gewesen. Schon ein Prozeß im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, daß der Partei dreimal große Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugegangen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Großindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte.

    So ist es dann ja auch gekommen. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78.000 LKW und 14.000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht.
    (…)
    etc.
    http://sauber.50webs.com/kapital/

    Aus dem aktuellsten Buch Herrn Schreyers:

    In der medialen Wahrnehmung sind Milliardäre geisterhafte Wesen, die seltsam losgelöst von allem erscheinen und fast wie Märchenfiguren absichtslos und surreal über der Welt schweben. Doch dieser Eindruck täuscht: Keiner von ihnen handelt ohne Plan, und niemand ist so gut vernetzt wie die Milliardäre, bei denen schließlich alle finanziellen Fäden zusammenlaufen. (3)
    Man Weiß, dass sie mit ihren Milliarden gerne Stiftungen gründen, um Steuern zu sparen und ihren Familien über den Tod hinaus Macht und Einfluss zu sichern. Derzeit existieren allein in den USA mehr als fünfzig private Stiftungen reicher Familien und Firmen, die über so hohe Einnahmen verfügen, dass jede einzelne von ihnen mehr als 100 Millionen Dollar verteilen kann – wohlgemerkt pro Jahr. (4)
    Mit diesem Geld werden nicht nur wohltätige Initiativen gefördert, sondern auch sehr konkrete politische Ziele verfolgt.
    Eine der international mächtigsten Stiftungen, die Rockefeller Foundation, existiert seit 1913 und verfügt über ein Vermögen von mehreren Milliarden Dollar. Der Gründer John D. Rockefeller war seinerzeit der reichste Mensch der Welt. Sein Enkel David (1915-2017) galt als einer der politisch bestvernetzten Banker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von 1950 bis 1985 gehörte er zur Führungsebene des Council on Foreign Relations, einer außenpolitischen Lobbygruppe. Er zählte den CIA-Gründer Allen Dulles zu seinen Vertrauten und verhalf unter anderem dem späteren Außenminister Henry Kissinger zum Aufstieg.
    Der Einfluss der Rockefeller Foundation in den vergangenen hundert Jahren ist kaum zu ermessen. Im 4. Kapitel wurde bereits geschildert, wie die Stiftung gemeinsam mit der Ford Foundation ab 1948 verdeckt die Programme für eine europäische Einigung finanzierte, aus denen später die EU hervorging. Ziel war es damals, Westeuropa gegenüber dem sowjetischen Kommunismus fest zusammenzuschweißen. Moskau stellte das Privateigentum infrage und damit den Kern der Macht von Familien wie Rockefeller und Ford. In den 1960er Jahren, während der Hochphase des Kalten Kriegs, ernannte der frisch zum US-Präsidenten gewählte Hoffnungsträger John F. Kennedy den Chef der Rockefeller Foundation zu seinem Außenminister.
    Die Stiftung wurde aber schon früher politisch aktiv.
    (…)
    Der Zweite Weltkrieg erscheint in diesem Licht als Konkurrenzkampf zwischen Eigentümereliten verschiedener Nationen, der den jeweiligen Völkern auf allen Seiten als hochmoralische Notwendigkeit verkauft wurde, in dem die politischen Kriegsziele aber sowohl in den USA wie auch in Deutschland von kleinen privaten Gruppen aus der Oberschicht bestimmt wurden.
    (…)
    Die vom Nürnberger Kriegsverbrechertribunal bereits verurteilten deutschen Großindustriellen Friedrich Flick und Alfried Krupp, die zur gleichen Oberschicht wie Rockefeller gehörten, begnadigte McCloy 1951. Er setzte ebenfalls durch, dass beide ihr beschlagnahmtes Firmenvermögen zurückerhielten. Auch Hitlers Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk – Großvater der heutigen AfD-Politikerin Beatrix von Storch – begnadigte er, ebenso den Nazi-Diplomaten Ernst von Weizsäcker, Vater des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. Eine Elite schützte die Andere.
    McCloy wurde danach zum Vorsitzenden der Ford Foundation berufen, dann Chef von Rockefellers Chase Manhattan Bank. Schließlich wechselte er in den Vorstand des Council on Foreign Relations und gründete nebenbei den Lobbyverband Atlantik-Brücke. Deutlich wird bei Betrachtung einer solchen Karriere, wie der ganze internationale diplomatische Apparat auf die Interessen einzelner Bankiers und Milliardäre zugeschnitten ist und dass deren verschiedene politische Institutionen wie gut geschmierte Zahnräder ineinander greifen.
    Das betrifft nicht bloß die USA. In Deutschland arbeitet seit vierzig Jahren die Bertelsmann Stiftung, die zwar keine Kriege plant(*), mit ihren Millionen aber ebenfalls massiv Politik betreibt.
    (Paul Schreyer, Die Angst der Eliten – wer fürchtet die Demokratie?, S. 109-110, 113-114)

    Und munter weiter:

    Der Faschismus der anderen

    Madeleine Albright, die 81-jährige Ex-US-Außenministerin, ist beunruhigt über den Zustand der Welt. In ihrem neuen Buch „Faschismus – eine Warnung“ sorgt sie sich um die Demokratie und malt ein dunkles Bild der „neuen Autokraten“ von Trump bis Putin. Sie setzt deren Aufstieg in Verbindung zur Entstehung des Faschismus in den 1920er und 1930er Jahren.

    Albrights Buch ist ein Medienereignis, ein internationaler Bestseller, in den USA landete es auf Platz 1 der New-York-Times-Liste, die deutsche Übersetzung schaffte es im August auf Platz 4 der Spiegel-Bestsellerliste. Übersetzungen ins Spanische und Holländische sind ebenfalls bereits erschienen. Albright ist populär, auch in den Medien, sie gilt vielen als modern, liberal, ist bekannt für ihre uneitle Art und ihren Humor. Doch wie schlüssig ist ihre These? Und wie definiert die Autorin eigentlich den Begriff Faschismus?

    „Für mich ist ein Faschist jemand, der sich stark mit einer gesamten Nation oder Gruppe identifiziert und den Anspruch erhebt, in deren Namen zu sprechen, jemand, den die Rechte anderer nicht kümmern und der gewillt ist, zur Erreichung seiner Ziele jedes Mittel zu ergreifen, einschließlich Gewalt.“

    So schreibt es Albright gleich im ersten Kapitel – und da fangen die Probleme auch schon an. Denn nach dieser Definition könnte sie auch Barack Obama zum Faschisten erklären. Unbestreitbar griff er zur Erreichung politischer Ziele zu extremer Gewalt, warf Bomben auf zahlreiche Länder und beanspruchte dabei immer wieder, im Namen einer überlegenen Nation zu sprechen. So betonte er 2014, während seiner zweiten Amtszeit, in einer Rede vor Soldaten: „Ich glaube an die amerikanische Außergewöhnlichkeit mit jeder Faser meines Wesens.“ (1)

    Albrights Faschismusdefinition trägt nicht besonders weit, was darin gründet, dass die Politikerin noch ein weiteres Kriterium benutzt, welches sie in ihrem Buch aber nicht offen ausspricht. Auf dem Weg zum Faschismus befinden sich für sie nicht bloß Staatsführer, die autoritär, nationalistisch und gewalttätig handeln, und die sich dabei auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stützen. Das versteckte und entscheidende Kriterium liegt für Albright vielmehr darin, dass diese Staatsführer sich gegen das von den USA dominierte internationale Regelwerk wenden und der herrschenden Klasse – vor allem Amerikas – Paroli bieten.
    (…)
    Gefördert von der Elite

    (…)
    Albrights Vater, Josef Korbel (1909-1977), bis zu seiner Flucht in die USA ein tschechischer Diplomat, hatte vor der Machtübernahme durch die Kommunisten gute Aussichten, Außenminister seines Landes zu werden. In den USA wurde er bald zu einem einflussreichen Universitätsprofessor. Zu seinen Studenten zählte in den 1970er Jahren die spätere US-Außenministerin Condoleezza Rice.

    Korbel gehört zur langen Reihe osteuropäischer Emigranten, die in den USA aus vollem Herzen die antikommunistische Staatsdoktrin unterstützten – hatten die Kommunisten sie doch aus ihrer Heimat und ihren beruflichen Positionen verdrängt.

    Eine ähnliche familiäre Prägung erfuhr der mächtige Ex-US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski (1928-2017), dessen adliger polnischer Vater ebenso Diplomat war und der gleichfalls nach dem Zweiten Weltkrieg nicht in seine Heimat zurückkehren konnte – eine der Quellen des militanten Antikommunismus der Brzezinskis. Madeleine Albright gehörte in den 1970er Jahren zum Team Brzezinskis im Nationalen Sicherheitsrat. Die vertriebenen Exilanten kennen sich – und ihren gemeinsamen Feind.

    Sehr erhellend für das Verständnis dieses Milieus ist der mühelose Einstieg von Albrights Vater 1949 in die Elitestrukturen der USA. In ihrem Buch heißt es dazu nur knapp, dass der Vater „schon bald eine Stellung als Professor an der Universität Denver erhielt“ und dort „Bücher über die Gefahr der Tyrannei schrieb“. Dass ein politischer Flüchtling kaum einfach so, ohne mächtige Hilfe und Protektion, eine begehrte Professorenstelle erhält, liegt auf der Hand. Recherchiert man an dieser Stelle, abseits von Albrights Buch, etwas weiter, dann stößt man auf das illustre Netzwerk, das diesen geschmeidigen Einstieg damals arrangierte.

    Im Zentrum stand Philip E. Mosely (1905-1972), Mitglied der Rockefeller-Stiftung, später beim Council on Foreign Relations tätig, und in den 1950er Jahren enger Vertrauter von CIA-Chef Allen Dulles. Vermittelt durch Mosely, finanzierte die Rockefeller-Stiftung den beruflichen Start von Albrights Vater in den USA. Dokumentiert ist auch, wie Mosely – laut einer Journalistin der New York Times ein „Pate der osteuropäischen und russischen Emigranten in den USA“ (2) – sich in den 1950er Jahren regelmäßig mit CIA-Chef Dulles darüber beriet, welche Themen demnächst in Forschungsprogrammen untersucht werden sollten und welche Wissenschaftler man dafür auswählte. Die CIA lenkte aktiv die politische Forschung in den USA mit. Wer welche Studie schreiben durfte, war Gegenstand geheimdienstlicher Erwägungen.

    Albrights Vater wirkte hier als nützliches Rädchen in der großen Kampagne gegen den Kommunismus, mitfinanziert durch Stiftungen von Milliardären wie Rockefeller, die sich begründete Sorgen um den Fortbestand ihres gigantischen Reichtums machten, sollte der Kommunismus sich weiter ausbreiten. Gern spendierten die Reichsten der Gesellschaft da ein paar Millionen, um genehmen Wissenschaftlern den Weg zu ebnen und es ihnen zu ermöglichen, „Bücher über die Gefahr der Tyrannei“ zu schreiben.

    Das ist deshalb besonders verlogen, da in jener Zeit, Ende der 1940er Jahre, die CIA nicht nur damit begann, autoritäre und gewalttätige Rechtsextremisten in aller Welt zu fördern, solange sie nur den Kommunismus bekämpften (der das Privateigentum der Reichsten bedrohte), sondern selbst berüchtigte Nazis aktiv vor Verfolgung schützte und für sich arbeiten ließ. (3)

    Albright knüpft mit ihrem aktuellen Buch nun nahtlos an die familiäre Traditionslinie an.
    (…)
    Abgründe von Morallosigkeit

    Madeleine Albright ist nicht nur mitverantwortlich für die erste Bombardierung einer europäischen Hauptstadt nach 1945 (Belgrad 1999), sondern auch berühmt geworden für ihre 1996 getätigte Aussage die US-Sanktionen gegen den Irak seien die 500.000 verhungerten Kinder dort „wert“ gewesen. Eine weniger bekannte Episode ihrer Karriere veranschaulicht vielleicht noch deutlicher, dass diese Politikerin sich hinter den größten und bösartigsten Kriminellen der Gegenwart kaum zu verstecken braucht.

    1997, sie war gerade Außenministerin unter Präsident Bill Clinton geworden, nahm sie an einem informellen Frühstück im Büro des Sicherheitsberaters teil. Zu dieser Zeit führten die USA Überwachungsflüge über dem Irak mit U-2-Jets durch, die in großer Höhe operierten. Albright nahm beim Frühstück den ranghöchsten US-Militär, den Chef des Vereinigten Generalstabs, Hugh Shelton, vertraulich zur Seite und machte ihm einen Vorschlag: „Hugh, ich weiß, dass ich Sie das nicht fragen sollte, aber um in den Irak zu gehen und Saddam ausschalten zu können, brauchen wir ein wirklich extremes Ereignis – etwas, das uns in den Augen der Weltöffentlichkeit gut aussehen lässt. Könnten Sie dafür sorgen, dass einer unserer U-2-Jets ausreichend tief und langsam genug fliegt, um sicherzustellen, dass Saddam ihn abschießen könnte?“

    Shelton schilderte diese Episode in seiner 2010 veröffentlichten Autobiographie, ohne Albrights Namen dabei direkt zu nennen. Aus dem Kontext heraus wird gleichwohl klar, dass es sich um die Außenministerin handelte. (5) Shelton war, seiner Darstellung zufolge, erschüttert über diesen Abgrund von Kriminalität und Morallosigkeit und antwortete recht schlagfertig: „Natürlich können wir …“, worauf Albright erfreut gelächelt und sich aufgeregt vergewissert habe: „Wirklich?“ Shelton präzisierte seine vermeintliche Bereitschaft dann so: „Aber sicher. Sobald wir Sie zum Fliegen ausgebildet haben, werde ich Sie so tief und langsam fliegen lassen, wie Sie nur wollen.“ Albright darauf: „Ich wusste, dass ich Sie das nicht hätte fragen dürfen …“

    Man sollte diesen außergewöhnlichen Dialog in Ruhe auf sich wirken lassen: Die amtierende US-Außenministerin wollte den ranghöchsten Militär für eine Verschwörung gewinnen, mit dem Ziel, die eigene Bevölkerung und die Weltöffentlichkeit zu täuschen, um einen Krieg vom Zaun brechen zu können. Und die gleiche Person „warnt“ heute mit erhobenem Zeigefinger vor den Feinden der Demokratie. Absurder geht es kaum.
    (…)
    Die Geschichte des Faschismus ist komplex und der „liberale Westen“ auf vielfältige Weise darin verwoben.

    Möglicherweise sympathisieren manche der heutigen Faschismus-Warner im Establishment insgeheim mit António Salazar. Dieser faschistische Führer Portugals, (das unter seiner Herrschaft 1949 Gründungsmitglied der Nato war), hielt die Demokratie insgesamt für eine Einbildung. Überliefert ist sein Bekenntnis: „Ich glaube nicht an das allgemeine Stimmrecht, ich glaube nicht an die Gleichheit, ich glaube an die hierarchische Ordnung.“ Und, so schrieb es der Spiegel anlässlich seines Todes 1970: „Er glaubte an die Macht.“

    Auch wenn Albright kein Anhänger Salazars sein sollte – dass sie diesen Glauben mit ihm teilt, hat sie in ihrem Leben hinreichend bewiesen.
    https://paulschreyer.wordpress.com/2018/09/22/der-faschismus-der-anderen/#more-1692

    Ein Abstecher zu einem der zahlreichen Gründungsmythen der BRD:

    Mittwoch, 19. April 2017, 18:46 Uhr
    ~16 Minuten Lesezeit
    „Russland“ erobern, diesmal transatlantisch
    Vor 50 Jahren, am 19.4.1967, starb Konrad Adenauer.
    von Werner Rügemer

    Mit dem ersten, christlich lackierten Bundeskanzler Konrad Adenauer hatten deutsches und US-Kapital 1949 die Weichen für die Sonderstellung des neugegründeten Staates Bundesrepublik Deutschland im Nachkriegs-Europa gestellt – neuer Krieg gegen „Russland“ inbegriffen. Diese Konstellation ist wirksam bis heute.

    (…)
    Amtseid: Antikommunismus mit dem Sternenbanner in der Hand

    Am 8. Mai 1945, dem Tag der Niederlage des europäischen Faschismus, es herrscht Waffenstillstand, bestellt John K. Patterson, US-Militärgouverneur von Köln, Konrad Adenauer zu sich. Den hatten die US-Geheimdienste als „Anti-Nazi“ benannt, der habe als früherer Kölner Oberbürgermeister Widerstand gegen Hitler geleistet und sei somit der ideale neue Kölner Oberbürgermeister im befreiten Deutschland. Adenauer wird herangeschafft. Er überreicht sogleich eine kleine seidene US-Flagge und belehrt den US-Repräsentanten: Die größte Gefahr sei ein kommunistischer Frieden, gefährlich sei die kommunistische Gewerkschaft, von der ein Vertreter ihn gerade aufgesucht habe. Das Sternenbanner habe er 1929 von der Ford Company erhalten, als er den Vertrag über die Kölner Ford-Niederlassung unterzeichnet habe. Patterson ernennt Adenauer zum Kölner Oberbürgermeister. Antikommunismus mit dem Sternenbanner in der Hand: Das war Adenauers Amtseid.

    Adenauer hat in seinem Leben vieles und vieles heimlich getan, aber eines nie, nämlich Widerstand gegen die Nazis zu leisten. In Köln nutzte er zunächst zielstrebig das katholische Milieu – die Zentrumspartei, schlagende Verbindungen, Erzbistum – zum Aufstieg aus kleinbürgerlichem, preußisch-untertänigem Beamtenmilieu. Als Kölner Oberbürgermeister 1917 noch vor Ende des Krieges im Stadtrat gewählt und durch Verordnung von Kaiser Wilhelm II ins Amt gesetzt, biederte der Aufsteiger sich zuerst den lokalen Größen der Wirtschaft an, so dem Bankier Louis Hagen, der neben seinem Amt als IHK-Präsident noch in etwa 50 Aufsichtsräten saß. Mit ihm und den Bankiers von Oppenheim, dem Geheimen Kommerzienrat von Guilleaume (Felten & Guilleaume) und dem aufsteigenden Privatbankier Kurt Freiherr von Schröder gründete er in kleiner Männerrunde den Kölner Rotary-Club.
    (…)
    Adenauer bewunderte Benito Mussolini, der seine autoritäre Führung faschistischer Prägung mithilfe des Vatikans und Krediten der Wall Street zugunsten der Privatwirtschaft festigte. In Köln als erster deutscher Stadt förderte der OB deshalb die Gründung eines italienischen Kulturinstituts. Autoritäre Lösungen, verbunden mit der neuesten Technologie und Austricksen der Gewerkschaften war deshalb auch Adenauers Konzept der Modernisierung von Verwaltung und Wirtschaft. Er war gegen „überzogene Kommunalisierung“. Privatunternehmen sollten möglichst viele öffentliche Aufgaben übernehmen. Er setzte sich dafür ein, dass die Kölner Börse ein neues Gebäude erhielt.
    (…)
    CIA, Rockefeller, CDU

    Adenauer rühmte sich, 1918 den Kölner Arbeiter- und Soldatenrat ausgetrickst und damit „die Rettung der Stadt aus der Revolution“ geschafft zu haben. Mit bürgerlich-demokratischen Mitteln war der Sozialismus im größeren Kontext allerdings nicht auszutricksen, deshalb hatte der verbissene Antidemokrat andere wie seine Freunde von der „Ruhrlade“ und den Bankier von Schröder gewähren lassen. Leider konnten die dann aber auch mit Hitler doch nicht, wie der versprochen hatte, den Kommunismus ausrotten. Deshalb war es ja die dringlichste Sorge des 1945 wieder eingesetzten Kölner OB, mit dem Sternenbanner in der Hand dem US-Militärgouverneur die Warnung vor der immer noch weiterdauernden „kommunistischen Gefahr“ vorzutragen.
    (…)
    Als die Briten Ende 1945 die USA als Militärmacht in Nordrhein-Westfalen ablösten, entließen sie Adenauer als Kölner OB, weil er die Ruhrindustrie lieber mit der französischen, belgischen und luxemburgischen Schwerindustrie verbinden wollte – das hatte doch auch während der Nazizeit schon so gut geklappt und war auch im Sinne der USA. Adenauer kämpfte aber keineswegs um sein provinzielles Kölner Amt, denn er sollte und wollte mehr. Er gründete mit dem protestantischen Bankiersfreund Pferdmenges die nun Katholiken und Protestanten zusammenführende CDU, in Abstimmung mit CIA-Chef Allen Dulles und dem 1948 gegründeten American Committee for the United Europe. Gelder flossen von der Ford- und der Rockefeller-Stiftung, die gleichzeitig auch die Springer-Presse finanzierten.

    Finanzberater Adenauers war der Privatbankier und Rotary-Mitbruder Pferdmenges. Der war auch CDU-Schatzmeister und trieb zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) Spenden bei Unternehmen ein. Gleichzeitig führte er treuhänderisch auch die Geschäfte des gemeinsamen Freundes Friedrich Flick, solange der nach dem Nürnberger Tribunal seine Strafe als Kriegsverbrecher absitzen musste (aber von McCloy vorzeitig aus dem Gefängnis geholt wurde).
    (…)
    Die USA retteten, nachdem beim Nürnberger Tribunal die erste politische Garde abgeurteilt worden war, hunderttausende NS-Kollaborateure in den neuen Staat und in die Unternehmen. McCloy holte verurteilte Kriegsverbrecher wie Krupp und Flick und die Manager des Chemie-Monopols IG Farben aus dem Gefängnis. Das kapitalistische Privateigentum und die Kriegsgewinne wurden gegen Einschränkungen und Verstaatlichung abgeschirmt.
    Der CIA säuberte zusammen mit dem US-Gewerkschaftsbund AFL/CIO und mit Adenauers klammheimlicher Unterstützung die westdeutschen Gewerkschaften von tatsächlichen und vermeintlichen Kommunisten. Zur „kommunistischen Gefahr“ zählte auch der linke Flügel der CDU, der mit der SPD zusammenarbeiten wollte und deshalb von Adenauer, der gleichzeitig CDU-Vorsitzender war, intrigant geschwächt wurde.

    McCloy, der später auch Vorstandsmitglied von Mercedes Benz USA wurde, sorgte dafür, dass US-Konzerne wie Ford, General Motors, ITT, Standard Oil, Dupont und IBM die Gewinne bekamen, die sie in Deutschland während des Krieges gemacht hatten, sich aber nicht hatten auszahlen können. Auch die enge Verbindung zwischen US-Konzernen und Banken mit der IG Farben durfte nicht bekannt werden.
    https://www.rubikon.news/artikel/russland-erobern-diesmal-transatlantisch

    So, nun … dies ließe sich endlos fortsetzen. Aber es reicht aus um etwas zu verdeutlichen.

    Sie sehen wie Eines in’s Andere greift. Clans und Cliquen die quasi inzestuös unter sich bleiben. Die immer wieder gleichen Namen und Institutionen, evtl. etwas umlackiert.

    Eine Kontinuität die sich bis heute fortsetzt. Die Fäden laufen stets am gleichen Ende zusammen; bei der Klasse der Besitzenden.

    • P.S.: Kürzlich wurde an verschiedener Stelle angemerkt, daß egal was weiterhin geschieht, die Sonne weiterhin aufgehen wird.
      Da ist etwas dran. Darum geht es aber auch nicht. Es geht darum, ob in einer möglichen Zukunft auch noch weiterhin jemand da sein wird, der diesen Vorgang auch noch beobachten und wertschätzen kann.

    • Ihre eigenen Worte zeigen gelegentlich, wes Geistes Kind sie WIRKLICH sind, nicht die für gezielte Propaganda und Geld publizierten Bücher. Albright ist in der Tat Experte in Sachen Faschismus (und Rassismus). Ihr berühmtes Zitat, in dem sie abwägt, ob die Zahl der Toten gerechtfertigt sei, und dies mit ja beantwortet; diese Haltung deckt sich mit der des als Liberalen verkauften Faschisten Hayek:
      „Eine freie Gesellschaft benötigt eine bestimmte Moral, die sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschränkt: nicht auf die Erhaltung allen Lebens, denn es könnte notwendig werden, das eine oder andere individuelle Leben zu opfern zugunsten der Rettung einer größeren Anzahl anderen Lebens. Die einzig gültigen moralischen Maßstäbe für die »Kalkulation des Lebens« können daher nur sein: das Privateigentum und der Vertrag.“ – Interview in: El Mercurio, Santiago de Chile, 19. April 1981

      Wer sich zu den „Auserwählten“ (s. unten) zählt, für den sind logisch die anderen die Faschisten, ganz allgemein eben die Bösen.

      Zitate von „Auserwählten“:
      lbert Beveridge, republikanischer Senator aus Indiana, rechtfertigt den US-Imperialismus in Asien in seiner Kongressrede 1900:
      „Geradewegs hinter den Philippinen liegen Chinas schier unermessliche Märkte. Wir werden unseren Teil in der Mission unserer von Gott geschützten Rasse bei der Zivilisierung der Erde beitragen. Wo werden wir die Abnehmer unserer Produkte finden? Die Philippinen geben uns einen Stützpunkt am Tor zum Osten.“
      Und 1901:
      „Wir werden nicht klein beigeben im Auftrag, unserer Rasse, unter Gottes Wille weltweit als Treuhänderin der Zivilisation zu wirken, und wir werden mit unserem Werk weitermachen, ohne wie Sklaven, die zu ihrer Arbeit gepeitscht werden, unseren Schmerz herauszuschreien, sondern mit Dankbarkeit für ein Unternehmen, das unserer Kraft würdig ist, mit Dankbarkeit gegenüber dem allmächtigen Gott, dass er uns als sein auserwähltes Volk bezeichnet hat, das fortan seine Heilung der Welt anführen darf.“

      Präsident William Taft prophezeit 1912:
      „Die gesamte Hemisphäre wird uns gehören, da sie uns kraft der Überlegenheit unserer Rasse moralisch eigentlich schon jetzt gehört“

      General Smedley D. Butler schreibt am 21.8.31 in der New York Times:

      „Ich half 1903, Honduras für die amerikanischen Fruchtfirmen zu öffnen. Ich half 1914 Mexico, und speziell Tampico, die Ölinteressen zu sichern. Ich half, aus Haiti und Kuba einen netten Platz zu machen, wo die Jungs von der National City Bank Geld verdienen können. Ich half ein halbes Dutzend zentralamerikanischen Republiken für die Wall Street weichzuklopfen. Ich half 1909-1912, Nicaragua für die internationale Bank Brown Brothers zu säubern. Ich öffnete die Dominikanische Republik 1916 für die amerikanischen Zuckerfirmen. In China beschützte ich Standard Oil. Rückblickend denke ich, dass ich Al Capone einige Tipps hätte geben können. Er betrieb seine Erpressungsgeschäfte in 3 Distrikten, ich arbeitete in drei Kontinenten.“

      Ansonsten zum Kommentar ergänzende Quellen:

      The Car Connection
      from the book
      Trading with the Enemy
      The Nazi – American Money Plot 1933-1949
      by Charles Higham
      Delacorte Press, 1983

      WALL STREET AND
      THE RISE OF HITLER
      By
      Antony C. Sutton
      TABLE OF CONTENTS
      Preface
      Introduction
      Unexplored Facets of Naziism
      PART ONE: Wall Street Builds Nazi Industry
      Chapter One
      Wall Street Paves the Way for Hitler

      1924: The Dawes Plan
      1928: The Young Plan
      B.I.S. — The Apex of Control
      Building the German Cartels

      Chapter Two
      The Empire of I.G. Farben

      The Economic Power of I.G. Farben
      Polishing I.G. Farben’s Image
      The American I.G. Farben

      Chapter Three
      General Electric Funds Hitler

      General Electric in Weimar, Germany
      General Electric & the Financing of Hitler
      Technical Cooperation with Krupp
      A.E.G. Avoids the Bombs in World War II

      Chapter Four
      Standard Oil Duels World War II

      Ethyl Lead for the Wehrmacht
      Standard Oil and Synthetic Rubber
      The Deutsche-Amerikanische Petroleum A.G.

      Chapter Five
      I.T.T. Works Both Sides of the War

      Baron Kurt von Schröder and I.T.T.
      Westrick, Texaco, and I.T.T.
      I.T.T. in Wartime Germany

      PART TWO: Wall Street and Funds for Hitler

      Chapter Six
      Henry Ford and the Nazis

      Henry Ford: Hitler’s First Foreign Banker
      Henry Ford Receives a Nazi Medal
      Ford Assists the German War Effort

      Chapter Seven
      Who Financed Adolf Hitler?

      Some Early Hitler Backers
      Fritz Thyssen and W.A. Harriman Company
      Financing Hitler in the March 1933 Elections
      The 1933 Political Contributions

      Chapter Eight
      Putzi: Friend of Hitler and Roosevelt

      Putzi’s Role in the Reichstag Fire
      Roosevelt’s New Deal and Hitler’s New Order

      Chapter Nine
      Wall Street and the Nazi Inner Circle

      The S.S. Circle of Friends
      I.G. Farben and the Keppler Circle
      Wall Street and the S.S. Circle

      Chapter Ten
      The Myth of „Sidney Warburg“

      Who Was „Sidney Warburg“?
      Synopsis of the Suppressed „Warburg“ Book
      James Paul Warbur’s Affidavit
      Some Conclusions from the „Warburg“ Story

      Chapter Eleven
      Wall Street-Nazi Collaboration in World War II

      American I.G. in World War II
      Were American Industrialists and Financiers
      Guilty of War Crimes?

      Chapter Twelve
      Conclusions

      The Pervasive Influence of International Bankers
      Is the United States Ruled by a Dictatorial Elite?
      The New York Elite as a Subversive Force
      The Slowly Emerging Revisionist Truth
      Appendix A
      Program of the National Socialist German
      Workers Party
      Appendix B
      Affidavit of Hjalmar Schacht
      Appendix C
      Entries in the „National Trusteeship“ Account
      Appendix D
      Letter from the U.S. War Department to
      Ethyl Corporation
      Appendix E
      Extract from Morgenthau Diary (Germany)

      Trading with the Enemy
      The Nazi – American Money Plot 1933-1949
      by Charles Higham
      Delacorte Press, 1983

    • Oha! Das hab ich mir gleich rauskopiert und wenn ich mal Zeit habe guck ich noch mal in die Adolf Biographie vom Kershaw. Die fand ich nämlich auch sehr gut, da sie auch die finanziellen Kanäle berücksichtigt. Ich bin gespannt, ob das deckunsgleich ist.
      Das Buch hole ich mir auch, Danke für den Hinweis!

  3. Wenn man Bücher „aus sowjetischer Sicht“ liest, verpasst man die besten Sachen. Hier ist wieder so ein Fall. Die prominente Figur des Bürgertums, Charles Chaplin, spielte bei Weitem nicht die große Rolle, die er neben Guido Knopp im Fernsehen eingeräumt bekommen hat. Aber Millionen von Menschen in ihrem Kampf gegen den Spanischen Faschismus spielten eine große Rolle in der europäischen Geschichte.
    Jedoch finden wir hierzu nahezu keine Rezeption. Komisch…. Da sich doch das Schicksal Europas in Spanien 1936/37 entschieden hat…
    Leider wird man über dieses Ereignis aus „sowjetischer Sicht“ sicherlich keinen annähernd realistischen Bericht in die Finger bekommen. Und auch alle anderen National-Mächte der Welt werden sich hüten darüber zu berichten, was in diesen beiden Jahren zur Zeit des Francoputsches in Europa vorging.
    Kurz gesagt haben die Mächte USA, UK, F durch eine heuchlerische Politik der Neutralität dem Faschismus zum Sieg geholfen und für den Zweiten Weltkrieg damit erst die Grundlage geschaffen – freiwillig oder nicht ist mir persönlich egal.
    Heuchlerisch deshalb, weil Nazi-Deutschland und das fashistische Italien sehr wohl Waffen und anderes für den Krieg nötiges Gerät nach Spanien zu schaffen wussten.
    Und schließlich war es Winston Churchill, der von einer fünfjährigen „neutralen“ Diktatur schwafelte, nach der er dann vielleicht gedachte wieder auf parlamentarische Einrichtungen zurückzugreifen…
    Und Stalin-Russland erpresste die spanische bürgerliche Regierung mit Waffenlieferungen gegen viel Gold und politische Zugeständnisse. Parallel dazu überzog er das Land mit einem Heer Agenten, die Fememorde und Spionage zu ihrem Handwerk hatten. Schließlich im Mai 1937 ließ er die Telefonzentrale von Barcelona durch eigene spanische Bolschewiken angreifen.
    Doch warum das alles? Was fürchteten Kapitalisten, Faschisten, Bolschewisten und sozialdemokratisches Bürgertum so sehr an Spanien?
    Was viele gar nicht wissen, ist, dass es zur Zeit der Legion Kondor und Guernica etwas in Spanien gab, dass für ganz Europa von größter Bedeutung war und ist, aber bis heute totgeschwiegen wird.
    In Spanien gab es eine Revolution von den Arbeitern und Arbeiterinnen, den Intellektuellen und den Bauern.
    Das ist ja jetzt nichts besonderes, werden viele sagen. Aber diese Revolution hatte im Gegensatz zur Russischen, die durch die bolschewistische Konterrevolution ins Chaos gestüzrt wurde, keine neue Elitenbildung nach sich gezogen. Das heißt, die Leute hatten sich wirklich vom Kapitalismus befreit und die Wirtschaft in ihre eigenen Hände genommen. Könnt ihr euch das vorstellen? Leute wie Chaplin saßen da auf dem Trockenen und haben viel über nichts geredet, aber nichts getan. Die Kino-Schaffenden Spaniens haben sich zu der Zeit längst den Revolutionären angeschlossen und eine Reihe teilweise noch erhaltender Filme gedreht, die weit über das demokratische Geplänkel eines Chaplin hinaus gingen und wahrhaft revolutionär waren und auch unter Bedingungen der Sozialen Revolution in Spanien zustande gekommen sind. Chaplin ist dagegen nur als embedded zu bezeichnen.
    Ist doch schön, denken manche bestimmt – dass es eine freie, geldlose Wirtschaft gegeben hat… Das fanden aber die Herrschenden im UK nicht – die fürchteten um ihre Ausbeutungsrechte spanischer Minen und um die Gewinne ihrer Firmen in Spanien, die von den Sozialisierungsbestrebungen des Volkes betroffen waren.
    So ging es nicht nur UK sondern auch F.
    Deutschland und Italien fürchteten sich einerseit vor einem antifaschistischen Gegengewicht in Europa und andererseits vor der ersten herben Niederlage eines Faschisten (Franco) vor den Augen der Welt, die sich bisher damit begüngt hatte, Adolf alles zu geben, was er wollte, wodurch er sich als durch aus siegreich in Pose setzen konnte.
    Aber Russland, das „Vaterland des Proletariats“ muss doch wenigstens ein Interesse an der Spanischen Revolution gehabt haben? Tja, Schlagwörtertum macht noch keine Revolution. Die Sowjets waren in Russland längst entmachtet, Anarchisten und Syndikalisten, aufständige Matrosen usw. längst erschossen oder verbannt. Die Russische Revolution wurde durch die bolschewistische Konterrevolution ins Blut gestürzt. Übrig blieb eine rote Kommissarokratie, die antirevolutionär, nationalistisch und kapitalistisch war. Die Weltrevolution war in ihren Augen nur ein Sieg russischer nationaler Interessen.
    Und deshalb musste die Weltrevolution auch nach stalinistischen Methoden passieren – oder gar nicht!
    Was erdreisteten sich diese Bauern in Spanien mit einem anti-bolschewistischen Konzept den Kapitalismus abzuschaffen, wo doch Marx mit Hilfe des wissenschaftlichen Sozialismus längst bewiesen hatte, dass der Kapitalismus sich in einer Übergangsphase mit Hilfe der „Diktatur des Proletariats“ selbst abschafft??????? Die famose „Diktatur des Proletariats“ war nur eine Diktatur ÜBER das Proletariat und das famose Übergangsstadium führte nicht zielsicher zum Sozialismus, sondern zum bolschewistischen Staatskapitalismus.
    Die Herrschenden Russlands befürchteten in Spanien ein freiheitliches Konzept entgegengestellt zu bekommen, dem sie uU nicht mehr Herr würden. Sie hätten dann befürchten müssen, dass die Bevölkerung im eigenen Land wieder auf die ursprüngliche Sowjet-Räte Struktur zurückzugreifen gedenkt und damit die neuen, roten Zaren stürzt. Also taten die russichen Herrschenden alles, um Spanie der faschistischen Diktatr auszuliefern, statt ihre Macht zu verlieren.

    Europa, Russland und die USA haben in Spanien 1936/37 gegen die Emanzipation der Menschheit gekämpft. Das, was ihr euch hier wünscht — ein gerechtes System auf der Basis des freiwilligen Zusammenkommens von Menschen — gab es schon. Und die Vorgänger von denen, von denen ihr das heute fordert, haben dieses System zu ihren Gunsten zerstört und sind mit dem Zweiten Weltkrieg dafür belohnt worden. Eine Gefahr, die sie bereitwillig eingegangen sind.
    Also falls noch jemand etwas von irgendeiner höheren Macht erwartet, sei ihm / ihr dieser Teil der europäischen Geschichte ans Herz gelegt. Bevor hier wieder gedankenverloren Quellen von Bolschewisten oder Kapitalisten zitiert werden.

    • Wenn sich alle, die sich sonst – in abwechselnden Konstellationen – spinnefeind und gar bereit sind, sich gegenseitig zu vernichten, in einer Sache einig sind, das ist doch verdächtig. Oder?

      Das Problem beginnt schon mit der Herrschaft über die Sprache: also, wer ist Eigentümer der Sprache?

      Egal welcher intellektueller, ideologischer und politischer wie unpolitischer Herkunft, Anarchie wird so gut wie immer (absichtlich) mit Chaos verwechselt.

      Erstaunlich ist es da, dass (noch) bei Wikipedia unter “Anarchie” zu lesen ist:

      “Landläufig wird Anarchie auch mit einem durch die Abwesenheit von Staat und institutioneller Gewalt bedingten Zustand gesellschaftlicher Unordnung, Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit angenommen und vor allem in vielen Medien häufig dem eigentlichen Sinn verfälschend im Schlagwort „Chaos und Anarchie“ verwendet. Die tatsächliche Bezeichnung für einen solchen Zustand ist jedoch Anomie.”

      ANOMIE ist also das, was Unwissende sich unter Anarchie vorstellen; alle anderen wissen genau, was Anarchismus in seinen verschiedenen Formen sein kann.
      Darauf hinzuweisen wird von Anarchisten versäumt.

      Was Spanien betrifft, dass da sich alle Lager (zwangsläufig!) einig waren, und wie entscheidend das für Europa war, da verstehe ich Sie und ihren Zorn uneingeschränkt! Aber im Zorn sollte man nicht genau das tun, was die “Einheitsfront” der Wissenden und Unwissenden tut, wenn es darum geht, Anarchisten, Anarchismus als Chaoten und Chaos zu diffamieren.

      Kurzum: Charles Chaplin als möglichen Anarchisten zu sehen, das hilft der Sache des Anarchismus meiner Meinung nach mehr, als ihn (nur) als “Figur des Bürgertums” zu bezeichnen und darüber hinaus, damit den Spaltern und Herrschern dienend, ihn als “Klassenfeind” zu stilisieren.

      Ich kann jeden verstehen, der in Charles Chaplin einen Anarchisten sieht.

      Google-Suche eingeben:

      Chaplin – Anarchist

      https://www.reddit.com/…/Anarchism/../i_knew_chaplin_was_an…

      theanarchistlibrary.org

      The Haves – Charlie Chaplin was an Anarchist

    • Guter Einwand. Das merk ich mir, mit Chaplin. Und der Begriff Anomie ist mir auch nicht bekannt gewesen… interessant.
      Bei den Anarchisten, die versäumen auf den Begriff richtig hinzuweisen muss ich aber widersprechen. Die modernen „Anarchisten“ weisen ja auf kaum was anderes hin 😉 Das Problem ist nur, dass sie marginalisiert sind und dass sie nicht an das hohe kulturelle Niveau ihrer Vorgänger von vor dem Krieg anknüpfen konnten.
      Viele Anarchisten von heute sind Chaoten. Das ist einfach deshalb so, weil ihre Bewegung in den Gulags, KLs und Knästen der Welt, auf den Kriegsschauplätzen und den Barrikaden zerrieben wurde. In den 60-70er Jahren kam die Idee wieder in Umlauf. Aber als dumpfe Ahnung, eher emotional und dann auch in den Akademikerkreisen, die sie aufgriffen und eher künstlerisch emotional geistig weiterentwickelten zu diversen Strömungen, die der eigentlichen Idee von Früher nicht so ganz auf den Grund gingen.
      Heute sind wieder mehr Generationen ins Feld gezogen und haben die Idee der freien Gesellschaft handfester umrissen. Heute denke ich, kann es zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte wieder zu einer anarchistischen Bewegung kommen, die Substanz hat – die sich aus dem chaotischen subkulturellen Prokrustesbett des Punk und der Autonomen, in dem sie überwinterte, erheben kann zum Kulturideal von vor dem Krieg.
      Ich kann das nur noch mal betonen: Die Anarchisten, das waren weltberühmte Literaten damals. Erich Mühsam, Ernst Toller, Oskar Maria Graf, Rudolf Rocker und nicht zu vergessen der große B. Traven. Wir erinnern uns vielleicht noch an Tolstoi – auch er war ein dem Anarchismus verwandter Pazifist einer christlichen Richtung aus Russland. Wenn sich der Anarchismus auch a-religiös weiterentwickelt hat, so kann er an allen Ecken und Kanten auf eine reichhaltige Kulturgeschichte zurückblicken.
      Dieses Erbe haben Anarchisten bisher noch nicht so richtig angetreten. Sie sind bis heute eher rigorose Aktivisten geblieben, viel von ihrem Denken ist von linken Gedankengängen geprägt, wo doch der Anarchismus früher wirklich als Ausweg aus dem Rechts-Links-Dilemma gedacht war.
      Heute allerdings habe ich wieder Hoffnung, da wir von allen Seiten positive Signale bekommen.
      Ich meine mit „von allen Seiten“, dass sich die Armen der Welt wieder auf sozialrevolutionäre Ideen zu beziehen beginnen. Auch hat Abdullah Öccalan die Kurdenbewegung mit freiheitlichen Gedankengängen in Kontakt gebracht. Auch hier ist zu hoffen, das dies vielleicht Früchte tragen wird. Auch in Bangladesh gibt es mittlerweile eine anarchistische Gewerkschaftsföderation.
      Aber auch in Deutschland gewinnt der Anarchismus immer mehr an Geltung. Und die Genossen und ihre Arbeit wird seriöser und weniger von linken oder anderen Spaß-Szenen dominiert. Das ist wahrscheinlich damit zu erklären, dass heute die anarchistische und syndikalistische Geschichte in Deutschland immer mehr aufgearbeitet wird. Ich jedenfalls bin gespannt, was unsere famosen Herrschenden sagen würden, wenn wir einfach ohne sie weitermachen würden… „Und wer kehrt jetzt die Auffahrt?“

  4. Der Film „Limelight“?
    Ich habe ein wenig bei youtube rumgewühlt. Dieser Film?
    youtube.com/watch?v=qiJl9w8Yr_w
    Kannte ich noch nicht, thx.
    Limelight – durch Knallgas erhitztes Kalkgestein, das verdammt viel Licht macht. Das kann man ausnahmsweise auch mal in der Wikipedia nachschauen, wie das damals funktioniert hat.
    Heutzutage funktioniert LED einfacher.
    Ist das wirklich eine „Filmkomödie“? Das ist doch wohl eher ein Drama, oder?
    Desweiteren kann ich Deiner Argumentation folgen, und ich bin der Ansicht, dass Du recht hast.

Hinterlasse eine Antwort