Chemnitz und die Psychologie der Massen

Alle reden von Frieden, führen aber geistig Krieg.

von Peter Frey.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Noch einmal: Ein junger Mann wird erstochen, zwei weitere werden schwer verletzt; dies mitten im Zentrum von Chemnitz und das treibt noch vor und dann nach einem Aufruf der AfD spontan mehrere hundert Menschen auf die Straße. Die Massenblätter wussten umgehend zu berichten (b1):


Bild


Was sie dort erkennen können, nennt man einen Spin(1). Der schafft nämlich eine ganz bestimmte Atmosphäre, um Menschen einzunehmen.

Danach erfuhren wir über eine Woche lang ganz Erstaunliches. Nämlich, dass der Mord eines Migranten/Asylanten/Flüchtlings — sagen wir doch einfach, der eines jungen Mannes aus dem Irak — gezeigt hat, wie ausländerfeindlich eine große Anzahl der Chemnitzer doch ist. In Politik und Medien wird die Empörung der Bürger über die Bluttat reduziert auf „rechte Gewalt“. Diese „rechte Gewalt“, dieser „rechte Mob“ hat übrigens — wenn ich das bis zum heutigen Tag richtig mitbekommen habe — keine Toten und Verletzten gefordert (2).

Ich bin irritiert.

Warum also sind viele Chemnitzer tatsächlich so aufgebracht?

Sie meinen, dass Sie darüber nichts in unseren Medien erfahren konnten?

Ganz ohne Zweifel haben Menschen bei Demonstrationen in Chemnitz den Hitlergruß gezeigt und ebenso zweifellos konnte man in der rechten Szene in den vergangenen Tagen eine zunehmend rege Aktivität beobachten. Nicht ohne Grund, denn diese Leute wussten ganz genau, dass für sie reichlich Werbung gemacht werden würde. Sie nahmen voll und ganz die Berichterstattung ein.

Merke: Wahrnehmung bedarf einer Tribüne und zum Interesse angeregte Zuschauer. Für Beides wurde reichlich gesorgt. Ja, man könnte meinen, einer Choreographie beigewohnt zu haben.

Warum aber sind denn die Chemnitzer nun wirklich so sauer?

Weil sie von der AfD mitsamt ihren Kollaborateuren vom rechten Rand verführt wurden? Ich sage nicht, dass das tatsächlich so ist, sondern vermittle ihnen nur ein Narrativ, mit dem Sie sich augenscheinlich intensiv beschäftigen sollen.

Denn schauen Sie: Wenn Sie sich nur ausgiebig mit diesem Narrativ beschäftigen, dann wird alles wieder schön einfach. Verteidigen wir gemeinsam unseren demokratischen Rechtsstaat gegen rechtes Gedankengut. Kämpfen wir entschlossen gegen braune Auswüchse, keine Toleranz bei Nazis. Dafür müssen wir nichts weiter ändern, nichts an der Gesellschaft und nichts bei uns selbst. Es genügt vollends, lautstark „Stellung zu beziehen“ — worauf ich weiter unten noch einmal eingehe. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die übergroße Mehrheit der Menschen immer wieder aufs Neue zu diesem Problem hingeführt wird.

Wenn jemand fragt, warum denn nun die Chemnitzer so empört sind, wird das umgehend zugeschüttet mit dem Totschlagargument, dass wir ein riesengroßes Problem mit „rechter Gewalt“ haben. Schließlich habe es ja in Chemnitz sogar Hetzjagden gegeben. So sagt die Meinungsführerschaft und bietet uns „verlässliche“ Quellen an. Tatsächlich?

Ist es möglich, dass es Sie auf keinen Fall interessieren soll, dass es da offensichtlich in Chemnitz — und nicht nur dort — ein ganz anderes und wirklich echtes Problem gibt? Ein Problem, welches gar nichts mit der rechtsextremen Szene — deren Existenz ich bedauere — zu tun hat? Dafür soll es Sie interessieren, dass wir jetzt dringend den Kampf gegen Rechts aufnehmen müssen; gemeinsam mit unserer Regierung und unseren Medien.

Was hier tatsächlich geschah, war die Durchführung einer medialen Werbetour für rechte Gruppen oder Gruppen die dafür gehalten werden, oder auch Gruppen die man ganz bewusst als solche diffamierte. Mit Empörungs-Management hat man die Menschen noch allemal abhalten können, eine tatsächliche, reflektierende und daher mühselige Problemerfassung — damit beginnt es ja erst einmal — geschweige denn die nachfolgende Suche nach Lösungen anzugehen.

Wenn Medien Ihre Emotionen anstacheln, Ihre Rationalität durch Angsttrigger verdrängen, dann tun sie Eines mit Sicherheit nicht: mit dem Anspruch an Objektivität berichten. Dann verbreiten sie vielmehr Informationen, nach denen Sie sich richten sollen — Nachrichten also.

So funktioniert Propaganda. Erzähle Geschichten, zeichne sie scharf, gib dem Zuschauer Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Mache die Dinge einfach. Und er wird das tun, was man von ihm verlangt.

Dazu gehört zum Beispiel, nicht zu fragen, was für ein Problem denn die Chemnitzer — und nicht nur die — mit Ausländern haben.

Täte man das, müsste man nämlich in die Tiefe gehen. Man müsste differenzieren. Schließlich käme man auf unbequeme Wahrheiten. Nicht nur unbequem für die große Politik, sondern auch ziemlich unbequem für unser eigenes tagtägliches Tun.

Viel einfacher ist es doch, die Gazetten und Portale mit „Berichten über rechte Gewalt in Chemnitz“ zuzuschütten. Wenn Sie sich eine solche „Berichterstattung“ kritiklos hineinziehen, dann ist die Gefahr groß, dass Sie in Folge auch über ein hingehaltenes Stöckchen springen.

Dass die Chemnitzer Bürger — stellvertretend für Millionen Menschen in Deutschland — bereits über ein ganz anderes Stöckchen gesprungen sind und nun skrupellos ausgenutzt werden, haben sie dem Konsum unserer meinungsstarken Medienindustrie zu verdanken (Quelle: Bildblog, b2).


Bild


Dabei geht es hier „nur“ darum, den Verteilungskampf zwischen den ärmsten Schichten der Gesellschaft zu befeuern, während „von oben“ immer mehr der Sozialstaat dem Effizienzgedanken des Neoliberalismus geopfert wird. Es gibt aber auch noch andere Informationen, die sicher auch von den Chemnitzern gelesen und vor kurzem mit der eigenen Realität abgeglichen wurden:

„In der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2016 fällt auf, dass bei Delikten wie Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen sowie Vergewaltigung und sexueller Nötigung der Anteil Nichtdeutscher sehr hoch ist: Bei Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen liegt er bei 41 Prozent aller Tatverdächtigen, bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung bei 38,8 Prozent“ (3).

Die ARD wies hier also höchstselbst auf ein Problem hin, dessen sich der geneigte Zuschauer gedanklich annehmen möge. Meine erste Emotion beim Lesen dieser Meldung zeigt sich in einer gewissen Beunruhigung, einem Verlust an Sicherheit, sprich Angst. Und da es hier um Mord und Totschlag geht, ist der Hebel schon ziemlich stark. Könnte unter anderem das für die Chemnitzer eine gewisse Rolle gespielt haben?

Noch besser lassen sich vor allem deutsche Männer einfangen, wenn die Ausländer an „unsere Frauen“ wollen, die ARD berichtete ausführlichst und damals praktisch rund um die Uhr:

„Was in der Silvesternacht noch unklar war, zeigte sich in den darauf folgenden Tagen immer mehr: Unbekannte Männergruppen haben offenbar Frauen sexuell belästigt und bestohlen — ähnlich wie es am Kölner Hauptbahnhof und in Stuttgart passiert ist. Seit der Silvesternacht erstatten immer mehr Frauen Anzeigen bei der Hamburger Polizei. Die Zahl der berichteten Übergriffe steigt stetig. Doch was passierte in dieser Nacht wirklich?“ (4).

Was Sie da erlebten, nicht die Ereignisse von Köln, Hamburg und Stuttgart selbst, sondern die Art und Weise, wie davon berichtet und wie es in der Politik diskutiert wurde, war ein klassisches Beispiel, wie man etwas in die Gehirne großer Menschengruppen einspielt. Hier läuft etwas sehr Hässliches und es hat auch etwas von einer Inszenierung. Der Unmut großer Teile der Bevölkerung wird instrumentalisiert und kanalisiert, um sie dann gegeneinander auszuspielen. Bereits im 19. Jahrhundert schrieb der Historiker Emil Ludwig (5):

„Wissen Sie, was mich mehr als alles andere fasziniert? Dass Macht nicht in der Lage ist, irgendetwas zu organisieren.“

Wobei ich „organisieren“ bei Ludwig in seinem konstruktiven Sinne verstehe. Macht ist allerdings viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um den Fokus auf das Konstruktive legen zu können.

Wenn mir in der Politik nichts Substanzielles mehr einfällt, um die tatsächlich dringend anzugehenden Probleme dieses Landes offen zu diskutieren — was durchdachte und von der Bevölkerung getragene Lösungen ja erst möglich macht — dann muss ich, im Sinne meines Machterhalts, die Karte „Teile und Herrsche“ ziehen. Denn nur so kann die eigene Inkompetenz hinter großem Aktionismus, gespickt mit unzähligen inhaltslosen, dafür aber manipulativen Worthülsen, versteckt werden.

Hierfür agieren die Träger der Meinungshoheit als permanente Signalgeber von alarmierenden Gefahren und bieten „glücklicherweise“ gleich noch die „Lösungen“ für deren — in der Regel nie endende — Bekämpfung an. Immer und immer wieder wird die Bedrohung unserer Sicherheit thematisiert, der von innen wie von außen. Gefahr liegt immer und überall in der Luft. Um es anders auszudrücken: Medien und mit ihr die Politik spielen intensiv auf der Klaviatur von Propaganda.

Dabei wird ein Matsch aus vermeintlichen Gefahren und Symptomen angerührt, der den Leuten völlig das Hirn verkleistert und ihnen die Gabe nimmt, Probleme selbständig zu erfassen. Menschen, die heutzutage in die Schubladen von Antisemiten, Ausländerfeinden, Rechtspopulisten und Rechtsextremen geworfen werden, stehen auf verlorenem Fuß, denn sie weisen im Grunde nur auf die subjektiv erfahrenen Symptome eines viel größeren Problems hin, an das sie sich samt der Gesellschaft als Ganzes einfach nicht heranwagen.

Das Problem ist nämlich ein ganz anderes und das wurde in all den Tagen seit dem Mord eines Irakis an einem Deutschen niemals auch nur mit der Kneifzange angefasst. Dabei kann allein die Nationalität des Täters schon ein guter Hinweis sein.

Primär wird bis heute ein System, dass nur durch Wirtschaftswachstum — gekoppelt an ein anachronistisches Finanzsystem — lebensfähig bleibt und somit zwangsläufig auf Kosten anderer betrieben wird, nicht zur Diskussion gestellt. Man muss überhaupt nicht Experte sein, um zu erkennen, dass das nicht ewig gutgehen kann.

Machen wir uns doch nichts vor: Ein solches System generiert unweigerlich immer aufs neue Ausbeutung und Krieg! Wir stützen tagtäglich ein krankes System, dessen Gehirnwäsche uns mittels Pseudowissenschaften — wie Volkswirtschaftslehre, samt tragender Ideologien — weismachen will, dass wir in erster Linie egoistisch-gierige Wesen sind. Wir nehmen das hin und leider handeln wir auch zu oft danach.

Sie meinen, ein messerstechender Iraker oder zum Beispiel gewerbsmäßige Drogenkriminelle aus Marokko haben damit überhaupt nichts zu tun? Oh doch!

Weil wir dieses Primärproblem nicht wagen zu lösen, ändert sich auch nicht die darauf aufbauende Politik. Letztlich ist unsere Gesellschaft gemeinschaftlich dafür verantwortlich, dass anderswo soziale Gemeinschaften zerrüttet und folgerichtig Flüchtlinge überhaupt erst „produziert“ werden. Und so wie die Deutschen keine homogene Engelsschar sind, so kommen auch aus der Ferne nicht nur dankbar und voller Demut unsere milden Gaben annehmende Flüchtlinge. So sind wir Menschen nun einmal nicht.

Und nun frage ich Sie, liebe Leser: Welchen Stellenwert hat dieses Primärproblem? Über eine Woche gab es Gelegenheit, das tragische Ereignis von Chemnitz in eine Debatte münden zu lassen, warum überhaupt so viele hunderttausend Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Teilen Afrikas nach Deutschland kamen.

Wir würden interessante Zusammenhänge erkennen können, die unser ganz banales Alltagsverhalten betreffen. Dass wir aktiver Gestalter des primären, des fundamentalen Problems sind, können wir — nur als ein Beispiel — sehr gut an unserem eigenen unreflektierten Verhalten erkennen, dass sich im bedingungslosen Ja zu den in den letzten Jahrzehnten etablierten Supermarkt-Ketten ausdrückt.

Ja, zwischen Supermärkten und Flüchtlingen besteht eine tiefe Beziehung.

Doch statt den eigenen Standpunkt, die eigene Rolle im System zu überprüfen und in eine große gesellschaftliche Diskussion zu gehen, die offen, respektvoll und konstruktiv ist, wird etwas ganz anderes getan. Es wird Stellung bezogen.

„Stellung beziehen“ ist eine Begrifflichkeit des Krieges. Sie steht dafür, aus sicherer Deckung und Distanz den Feind zu bekämpfen. Der Protagonist sieht sich — da ja bei „den Guten“ — nicht als Teil des Problems und sieht so also die Schuld bei „den Anderen“, wobei die Crux bereits das Hantieren mit der Schuldkategorie an sich ist. Natürlich muss man dafür den Feind vorher ausgemacht haben. Oder muss man zuvor darauf gestoßen worden sein, wen man als Feind zu betrachten habe. Seien wir uns diesbezüglich sicher. Es gibt Spezialisten, die dafür sorgen, dass allen „ihre passenden“ Feinde nie ausgehen werden.

„Stellung beziehen“ hält davon ab, sich mit grundsätzlichen Problemen zu beschäftigen. Es zeigt auf die anderen und ihre Defizite, zieht ständig rote Linien, zeigt „klare Kante“ und erschöpft sich in Populismus. „Stellung beziehen“ ist eben das „über das Stöckchen springen“, was ich nun auch in Chemnitz wahrgenommen habe. Ein großes Feuerwerk an Destruktivität und Energieverschwendung — und dazu noch hochgefährlich! Denn offenbar sind sich viele „Aktivisten“ nicht im Klaren, dass auch die zivilisatorische Hülle der deutschen Gesellschaft dünn, sehr dünn ist und bürgerkriegsähnliche Zustände keine Fiktion bleiben müssen.

Der Faschismus droht nicht durch ein paar manipulierte oder — was ich für sehr wahrscheinlich halte — gekaufte Seelen, die öffentlichkeitswirksam mit dem Hitlergruß posieren. Doch signalisiert er seine Anwesenheit durch eben diese Inszenierung, durch die gezielt verbreitete Symbolik, die wirkmächtigen Trigger. Er selbst kommt aus einer ganz anderen Ecke, er kommt auf leisen Sohlen und nutzt die Psychologie der Massen, ganz so, wie es Gustave Le Bon beschrieben (6) und Edward Bernays dann weiter entwickelt hat (7, a1).

Er kommt vor allem von dort, wo uns in einem Klima von Paranoia stetig aufgetragen wird, Andersdenkende nicht zu verstehen sondern zum Schweigen zu bringen, durch Stigmatisierung, Ausgrenzung, Verteufelung. Am Ende steht in letzter Konsequenz die physische Vernichtung. Bei dieser Psychologisierung der Massen heizen unsere Leitmedien — in vorderster Front ARD und Co. — ganz zu Diensten der etablierten Politik kräftig mit ein (8). Möchten Sie tatsächlich Teil einer so verführten Masse sein?

Bleiben Sie bitte schön aufmerksam.


Quellen und Anmerkungen:

(a1) Bernays bezieht sich in seinem Buch Propaganda – Die Kunst der Public Relations ausdrücklich und mehrfach auf Le Bons (Die Psychologie der Massen) sowie den Journalisten und späteren Pulitzer-Preisträger Walter Lippmann, der auch mehrere Jahre im Direktorium des Council on Foreign Relations saß. Bernays und Lippmann gehörten, gemeinsam mit dem späteren CIA-Direktor John Foster Dulles, zur Verhandlungsdelegation der USA bei den Versailler Verhandlungen im Jahre 1919 und berieten dort den US-Präsidenten Woodrow Wilson.
(Allgemein) Wie ich mir eine konstruktive Herangehensweise an kontroverse, gesellschaftliche Themen vorstelle, hat Herbert Schui im Jahr 2015 vorbildhaft demonstriert, als er sich im hiermit empfohlenen Artikel mit den Phänomenen Pegida und AfD befasste.
(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden.
(1) 2.9.2018; https://de.wikipedia.org/wiki/Spin-Doctor
(2)1.9.2018;http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-chronologie-zu-den-ausschreitungen-in-sachsen-a-1226103.html
(3) 14.3.2018; https://faktenfinder.tagesschau.de/inland/fakten-gewalt-gegen-frauen-101.html
(4)12.1.2016;https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Nach-Silvester-Opfer-unter-Schock-Polizei-unter-Druck,silvester616.html
(5,7) 1928; Propaganda, Die Kunst der Public Relations; Edward Bernays; Orange Press; S. 17; entnommen bei: http://www.irwish.de/PDF/Bernays-Propaganda.pdf
(6) 1922; Psychologie der Massen; Gustave Le Bon; Alfred Kröner Verlag, Stuttgart; entnommen bei: https://ia800304.us.archive.org/21/items/Le-Bon-Gustave-Psychologie-der-Massen/LeBonGustave-PsychologieDerMassen1922168S.Scan.pdf
(8) 2.9.2018; https://www.publicomag.com/2018/09/die-hysterisierungsmaschine/
(b1) Bildschirmaussschnitt bei ixquick.de; Suchbegriff „Mann in Chemnitz erstochen“; 2.9.2018
(b2) Bildschirmfoto aus Bild plus; entnommen bei: https://bildblog.de/96290/bild-am-sonntag-treibt-keil-zwischen-arm-und-ganz-arm/; 5.2.2018
(Titelbild) Demonstranten, Masse; Sarah_Loetscher (Pixabay); 7.7.2017; Quelle: https://pixabay.com/de/leute-menge-revolution-menschen-2500990/; Lizenz: CC0 Creative Commons

+++

Dieser Beitrag erschien am 08.09.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

+++

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

14 Kommentare zu: “Chemnitz und die Psychologie der Massen

  1. Schweden scheint nun 61 no go areas zu haben, Gebiete wo die Polizei Angst hat zu gehen.
    Frankreich hat seine banlieues, um die Polizei die dahin geht zu schützen haben die Fahrzeuge Glas was nicht mit Steine oder so durchbohrt werden kann, die Polizisten bekamen Uniforme aus unbrandbares Material, nachdem ein Molotov Anschlag verübt worden war auf zwei Polizei Farhrzeuge, darin vier Polizisten.
    Einer davon wird sein ganzes Leben körperliche Probleme behalten.
    Heute in den Niederländen haben Illegale wieder ein Gebäude in besitz genommen, sie sind illegal bei uns, aber bekommen zu Essen, ein Bett zum Schlafen, und können duschen.
    Aber sie sind damit nicht zufrieden.
    Ich frage mich ob Peter Frey der Meinung ist das jeder Bürger irre ist.

  2. Sobald die Bevölkerung demonstriert gegen unkontrollierte Einwanderung tauchen wie bestellt sogenannte Rechte auf ,die Randale machen.Natürlich ist rein zufällig auch gleich eine Kamera dabei,wenn einer einen Hitlergruß zeigt.

    Am Ende geht es nicht mehr in den Konzrernmedien um den eigentlichen Grund der Demo-sondern nur noch um eine angebliche Rechte Gefahr.

    Dass von Seiten solcher Leute wie Soros und der NMQ die Migrationskrise bezahlt und unterstützt wird ,um ganz Europa und die nationale Identität der Menschen auszudünnen,spielt keine Rolle und wiurd selbst hier nicht beleuchtet.

    Wer kapiert da eigentlich nicht,was hier gespielt wird,wenn das so offensichtlich ist .
    Es wird ein Problem künstlich erschaffen,um von einem anderen abzulenken.

    Und am Ende steht wieder ein Konzert gegen die rechte Schublade von diesen Berufs-gegen-rechte Schubladen -„Künstlern“,die nichts begreifen.

  3. Etwas konkreter hätte es m.E. durchaus sein dürfen.
    An verschiedenen Beispielen, das Gemeinte erklären. Das verhindert auch Falschdeutungen, was der Autor denn meint.

    Ich teile übrigens nicht die Meinung des Autors, dass das Beziehen von Positionen, verhindert, dass man sich mit den grundlegenden Problemen befasst.
    Es kann dazu führen, muss es aber nicht.

    So bezieht der Autor also nicht wirklich Stellung, aber was sagt er zu den grundlegenden Problemen?
    Da fallen ihm die Supermärkte ein. Die sind doch in ihrer Art, also mit den Produkten und Arbeitsbedingungen, auch nur ein Symptom. Sollen wir die jetzt bekämpfen?

    Ja und dann wird die Unfähigkeit der Regierenden zur Problemlösung kritisiert.

    Im Sinne des Systemerhaltes ist doch der Prolemerhalt und die Schaffung von weiteren Problemen geradezu wünschenswert. Die Teile-und-Herrsche-Karte ist nicht die Notfallkarte. Sie ist der zugrunde liegende Plan, um die Bevölkerung zu beschäftigen, damit man sich in aller Ungestörtheit mit denen herumschlagen kann, die vielleicht gerade noch mächtiger werden als man selbst.

    Die Regierung ist nur ein Mittel zum Zweck und eine Fassade für die, die noch an Wahlen glauben und daran, dass sie wer retten wird. Und vielleicht wird das nach der ganzen Wut über die Ignoranz der Regierung wieder ein paar Menschen mehr klar.

    Die drohende Faschismusgefahr sehe ich ähnlich, wie der Autor. Sie kommt sicher nicht wegen ein paar tatsächlich fremdenfeindlicher oder hasserfüllter und gewaltbereiter Mitmenschen, ob nun von links oder rechts. Aber diese werden sich wohl als erste instrumentaliesieren lassen.

  4. Nach meinem Empfinden sind wir in den letzten Jahren ein gutes Stück vorangekommen. Das Beispiel »Chemnitz« steht für mich exemplarisch für viele andere Ereignisse des aktuellen Zeitgeschehens. Die »Freien Medien« haben inzwischen Strukturen, Prozesse, Plattformen, Kapazitäten und Reichweite aufgebaut, so dass ihre Leser sich rechtzeitig mit alternativen Sichtweisen versorgen können und so eine autonome und reflektierte Sicht auf die Ereignisse entwickeln können.

    In letzter Zeit nehme ich vermehrt wahr, dass in den »Freien Medien« auch darüber nachgedacht wird, wie die entstehenden Einsichten in konstruktives Handeln münden können. Es wird vom Einzelfall auf das Systemische abstrahiert. Es werden die psychologischen und soziologischen Hintergründe beleuchtet. Es wird gegen das verbreitete Feinddenken gearbeitet. Der Blick wird zunehmend auf die Ursachen, das Systemische und nicht zuletzt auf den Energiefluss und das Innen gelenkt. Insofern wähne ich uns auch unter diesem Aspekt auf einem guten Weg.

    Nach meiner Beobachtung liegt hier aber noch ein weiter Weg vor uns. Die Leser der »Freien Medien« sind zwar in der Regel als »Rebellen« aber häufig auch als »Kämpfer« sozialisiert. Vielen geht es darum, Recht zu haben und das Böse zu bekämpfen. Dieser Artikel, wie auch die nachdenklichen Worte von Ken Jebsen, Hans-Joachim Maaz und einigen weiteren sind für mich Leuchttürme.

    Die Gedanken in diesem Artikel von Peter Frey möchte ich gerne nutzen, um die weiter oben eher abstrakt formulierten Gedanken zu konkretisieren.

    Ich fühle mich seit jeher den Idealen der Aufklärung verpflichtet. Dass wir alle systemimmanent auf Kosten anderer (andere Herkunft, anderer Ort, andere Generation, andere Spezies) leben, ist für mich ein nur schwer erträglicher Gedanke. Ebenso, wie die gravierende Ungleichverteilung der Lebensbedingungen und Möglichkeiten. Aus dieser »linken Tradition« heraus, bin ich sehr dafür, Menschen, die bei uns um Einlass bitten auch aufzunehmen. Nun muss ich aber seit einigen Jahren zur Kenntnis nehmen, dass viele Menschen in Deutschland bzw. Europa ganz anders auf die Flüchtlinge reagieren. Ich sage es einmal so: »Wer sich ohnehin schon von der Gesellschaft und dem Staat ausgegrenzt und zurückgesetzt fühlt, empfindet eine großzügige Haltung gegenüber Fremden als den Gipfel der Ausgrenzung und Zurücksetzung.« oder noch plakativer »Wer sich in seiner Heimat nicht sicher, geborgen und anerkannt fühlt, kann sein Herz auch nicht für Fremde öffnen!«.

    So gesehen mutet es mir schon sonderbar an, wenn wir »Linke« uns an dieser Ausgrenzung und Zurücksetzung der Inlandsheimatlosen beteiligen. Wir wohlsituierten und wohlgebildeten »Linke« sind hier auf Kosten der Abgehängten »großzügig«. Die neuen Mitbürger gefährden nämlich unsere persönliche Lebenssituation in keiner Weise – eher im Gegenteil. Wir »Linke« befinden uns in einem Dilemma. Die Partei »Die Linke« reibt sich daran gerade auf. Wir »Linke« sollten dieses Dilemma jedoch lieber nutzen, um nach innen zu blicken. Wieso erzeugt es in uns ein wohliges Gefühl, uns dafür einzusetzen, die Grenzen zu öffnen, obwohl sich bereits heute so viele als Inlandsentwurzelte fühlen und sich hartherzig und die eigene Würde verletzend gebärden? Inwieweit tragen wir »Linke« Verantwortung dafür, dass es so viele Inlandsheimatlose gibt? Jedenfalls waren wir nicht sonderlich erfolgreich in unseren Bemühungen! Selbst, wenn wir die Situation nicht – alleine – zu verantworten haben, entbindet uns das doch nicht von der Verantwortung, die Realität anzuerkennen. Mit Hass und Ausgrenzung auf den Protest zu reagieren, erscheint mir jedenfalls absolut unwürdig und auch überhaupt nicht zielführend.

    Mein Vorschlag wäre, uns mit den Inlandsheimatlosen ins Benehmen zu setzen und mit Ihnen zu verhandeln, was geschehen muss, damit sie ihre Herzen wieder öffnen können. Wenn das geklärt und dann hoffentlich auch umgesetzt ist, wird sich dieses Dilemma auflösen. Vielleicht könnten wir im Zuge dieses Prozesses auch gleich die Frage adressieren, wo wir alle zurücktreten können, um die Ungerechtigkeit in der Welt und die anderen Fluchtursachen zu beseitigen.

    • Das aktuelle Problem Heimat und Heimatlosigkeit wurde erkannt und in Amerika mit der Gründung des Ministeriums für Homeland Security reagiert; prompt sah man daraufhin in Deutschland die gleiche Aktion. Eigentlich nicht überraschend.

      Aber: „Heimat wird nicht von Meldeämtern verwaltet.“ (Bernhard Waldenfels).

      Sie haben den Finger in die Wunde gelegt: Es gibt nicht nur im Ausland Heimatlose. Das nicht zu sehen oder akzeptieren zu wollen/können ist ein zentrales Problem der sog. Integration. Dazu kommt, dass „Heimat“ sehr vieldeutig definiert und erlebt wird. Etwa: „Wo es mir gut geht, das ist mein Vaterland, meine Heimat.“ Das Land der Geburt muss nicht unbedingt und zu jeder Zeit als Heimat empfunden werden: Heinrich Heine, „Ein Fluch dem falschen Vaterlande, wo nur gedeihen Schmach und Schande“; oder Lessing, „Und wie weiss man denn, für welchen Erdkloss man geboren…“; oder Ernst Bloch: „Die vergesellschaftete Menschheit im Bund mit einer ihr vermittelten Natur ist der Umbau der Welt zur Heimat“; etc.

      Niemand verlässt seine Heimat, nur weil er glaubt, dass es ihm woanders besser geht!

    • Herzlichen Dank an Peter Frey – und auch Cyberzaurus und Tony !

      Mich bewegt die Frage, wie wir, außer hier im Forum von kenfm, zusammenfinden können. Wie können wir den Vorschlag in die Tat umsetzen: “ … uns mit den Inlandsheimatlosen ins Benehmen zu setzen und mit Ihnen zu verhandeln, was geschehen muss, damit sie ihre Herzen wieder öffnen können. Wenn das geklärt und dann hoffentlich auch umgesetzt ist, wird sich dieses Dilemma auflösen. Vielleicht könnten wir im Zuge dieses Prozesses auch gleich die Frage adressieren, wo wir alle zurücktreten können, um die Ungerechtigkeit in der Welt und die anderen Fluchtursachen zu beseitigen.“ ?

    • Joga Twickel sagte:

      Mich bewegt die Frage, wie wir, außer hier im Forum von KenFM, zusammenfinden können. Wie können wir den Vorschlag in die Tat umsetzen?

      Wie wir ins konstruktive Handeln kommen, ist auch meiner Meinung nach die entscheidende Frage. Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit einigen Jahren. Irgendwann habe ich mit der praktischen Erprobung meiner Ideen begonnen und mache mittlerweile recht gute Fortschritte. Hiervon habe ich in zwei Artikeln berichtet, die beim Rubikon und bei Peds Ansichten veröffentlicht wurden. Aktuell haben Elisa Gratias und ich einen Artikel veröffentlicht, in dem wir den Aufbau einer Plattform vorschlagen, auf der es darum geht, dass sich jeweils zwei Menschen finden, die einander widersprechenden Meinungen oder gar Haltungen haben und in einen wertschätzenden Austausch gehen.

      Ich kann mir gut vorstellen, dass mein Vorschlag in Sachen Inlandsheimatlose den einen oder anderen Leser zum Widerspruch reizt. Gerade mit solchen Menschen würde ich gerne in jene Art von Austausch eintreten, die Elisa Gratias und ich in unserem Artikel skizziert haben.

  5. Auch wenn es an der Argumentation des Artikels nichts ändert, sollten doch die Fakten stimmen.
    Im Artikel wird der „Mord eines Irakis an einem Deutschen“ behauptet. Doch im Rundfunk lief heute die Meldung, der Iraker sei an der Tat nicht beteiligt gewesen, dafür gebe es einen Zeugen. Was sich auch später ergeben wird, mit einer Vorverurteilung zu argumentieren, ist immer schlechter Stil.
    Auch die Behauptung, durch „rechte Gewalt“ habe es keinen Verletzten gegeben, ist fraglich. In einem Interview mit einem in Chemnitz „Verfolgten“, war im Fernsehen ein deutlich lädiertes Gesicht zu sehen – das würde ich dann schon als Verletzung bezeichnen.

  6. Sehr guter Artikel.

    Um nicht ganz zu verzweifeln. Wie könnte denn eine praktikable (Zwischen-)Lösung aussehen, die eine globale Plünderung und Ausbeutung privater intern. Konzerne zu Gunsten des eigenen Wettbewerb-Vorteils und der eigenen Rendite aussehen ?
    So beutet z.B. – Shell-Nigeria auf Kosten des Landes, der Natur und gegen das nationale Recht seit mehr als 40 Jahren die Oel- u. Gasvorkommen Nigerias aus. Ganze Landschaften sind verwüstet, u.a. in dem Bei-Gas einfach abgefackelt wird (Gas-Flaring). Dies verschafft Shell u.a. einen Kostenvorteil gegenüber Mit-Konkurrenten, die das Bei-Gas auffangen und nutzen. (z.B. Venezuela)
    Der damalige EU-Energie-Minister Oettinger meinte auf die Frage des Gasflarings als gängige Geschäftspraktik: „So ist das Leben“. Also das Recht des Stärkeren und der Preis ist maßgeblich am „Freien Markt“.
    Gesonderte Einfuhrzölle in die EU muss Shell auf Grund ihrer skrupellosen Fördermethoden deshalb nicht entrichten.

    Hätten wir aber einen regelnden Staat, – bzw. eine EU-Staatengemeinschaft, die konsequent intern. ausbeutende Privat-Konzerne mit erhöhten Einfuhr-Zöllen belegen würden, – die z.B. an Nigeria zurück flössen, wäre womöglich ein wenig betriebswirtschaftliches Umdenken angesagt.

    So aber bleibt es dabei. Staatenlenker, Geheimdienste und Militär sind der verlängerte Arm der internationalen Konzerne.
    Um das globale Ausbeuten in Grenzen zu halten, müssten an der Pyramidenspitze korrumpierte EU-Handlanger ausgetauscht werden, damit auch die Schwachen eine Chance haben in ihrem Land vernünftig wirtschaften zu können.
    https://www.youtube.com/watch?v=3wqXddTIjCY

  7. Mal wieder spitzen sich die Verhältnisse so zu, dass Le Bon und Bernays eine der wichtigsten Figuren sind, um diese Verhältnisse zu verstehen, auch wenn natürlich der Begriff Masse zu Zeiten von Le Bon sich von der heutigen Zeit unterscheidet (von 1800 bis 1914 stieg die Einwohnerzahl Europas von 180 Millionen auf 460 Millionen).
    Die Einführung von Helmut Dingeldey in der autorisierten Übersetzung in KRÖNERS TASCHENAUSGABE, Band 99, 1973 ist wichtig zur richtigen Einordnung der verschiedenen Begrifflichkeiten von Masse bei Le Bon und überhaupt sowie von Le Bon selbst. Unabdingbar ist auch die Lektüre von José Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen! (Vermassung der „Eliten“!)

    Was Le Bon in erster Linie meint, das ist die „psychologische Masse“, also flüchtige, vorübergehende Erscheinung, wenn sie auch aus Teilen der dauerhaften soziologischen Massen besteht.
    Helmut Dingeldey in seiner Einführung: „Le Bon versteht unter „psychologischer Masse“ jedoch nicht nur die eben beschriebene spontane Masse. Diese ist für ihn vielmehr nur das Paradigma, um die psychische Massensituation als solche möglichst einleuchtend zu charakterisieren…Worauf es ihm dabei besonders ankommt , ist der Nachweis, dass der einzelne, wenn er in der Masse aufgeht oder auf andere Weise sich selbst nur noch als Bestandteil einer Masse fühlt, zwangsläufig einen Individualitätsverlust erleidet, und dass dieser Vorgang auf die Dauer zu einem Absinken des Kulturniveaus der zivilisierten Menschheit führen muss.“
    In Aufstand der Massen ist die Vermassung einschließlich der Eliten beschrieben, was durchaus dem, was als „Race to the bottom“ bekannt ist gleichkommt.

    Zu Bernays fällt mir nur eins ein: Absolut toxisch!

Hinterlasse eine Antwort