Chomsky Interview: ‘The US is One of the Most Fundamentalist Countries in the World’

Artikel von Meera Srinivasan in The Wire.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei The Wire

Quellen: http://thewire.in/2016/01/31/chomsky-interview-the-us-is-one-of-the-most-fundamentalist-countries-in-the-world-20491/

 

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3 Kommentare zu: “Chomsky Interview: ‘The US is One of the Most Fundamentalist Countries in the World’

  1. Die Vereinigten Staaten sind ein sehr fundamentalistisches, religiöses Land – eines der extremsten der Welt, sagt Noam Chomsky, der wohl bekannteste politische amerikanische Dissident [Andersdenkende, Kritiker] unserer Zeit.

    Bereits in seinem Buch „The Attack – Hintergründe und Folgen“ schreibt Chomsky im Kapitel „Der islamische Fundamentalismus – ein neuer Feind?“:

    Im Grunde haben die USA (und viele andere westliche Staaten) gegen religiösen Fundamentalismus an sich nichts einzuwenden, er ist in der Alltagskultur der Vereinigten Staaten sogar weit verbreitet und kann extreme Formen annehmen. In der islamischen Welt ist neben dem Taliban-Regime Saudi-Arabien ein stark fundamentalistisch ausgerichteter Staat, der allerdings von Anfang an ein Satellit der USA war; die Taliban sind Abkömmlinge der saudischen Version des Islam. Radikale islamische Extremisten, die oft als »Fundamentalisten« bezeichnet wurden, gehörten in den achtziger Jahren zu den Lieblingen der US-amerikanischen Politik, weil unter ihnen die besten Killer waren, die man bekommen konnte. Einer der Hauptfeinde der USA war damals die katholische Kirche, die sich in Lateinamerika unverzeihlicherweise auf die Seite der Armen geschlagen hatte. Für dieses »Verbrechen« wurde sie schwer bestraft. In der Wahl seiner Feinde verfährt der Westen durchaus ökumenisch. Entscheidend ist die Unterordnung unter die Vormacht, nicht die Religion.

    Im verlinkten Interview, das zu meinem Leidwesen bislang nur auf englisch verfügbar scheint, weitet Chomsky die Verbreitung religiösen Fundamentalismus‘ in der US-Bevölkerung noch aus:

    »Und das trifft von Beginn der USA an zu“, sagt er und erklärt diesen scheinbar ultra-religiösen Aspekt der USA und dessen Auswirkungen auf die Wahlpolitik in einem Interview mit The Wire. Es gibt nicht allzu viele Länder in der Welt, in dem zwei Drittel der Bevölkerung das zweite Kommen [Christi] erwarten, sagte Chomsky, und fügte hinzu, daß die Hälfte von ihnen denken, das würde noch zu ihren Lebzeiten geschehen. »Und etwa ein Drittel der Bevölkerung glaubt, daß die Welt vor 10.000 Jahren genau so, wie es jetzt ist, erschaffen wurde. Solche Dinge sind ziemlich komisch, aber das gilt in den Vereinigten Staaten als wahr, und zwar bereits eine sehr lange Zeit.«

    Allerdings seien, so Chomsky, die religiösen Fundamentalisten erst in jüngster Zeit zu einer politischen Kraft geworden, um die »religiös-fundamentalistische« Seite des Landes [politisch] zu binden, was wir im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sehen würden, vor allem an der Mobilisierung der religiösen Rechten und der steigenden Popularität des republikanische Kandidaten Donald Trump.

    Vielleicht könnte einer der hier anwesenden User dieses Interview „mal schnell“ am Wochenende oder Feierabend übersetzen, denn ich verstehe in der Tat nicht alles, und wenn, dann womöglich noch falsch. Immerhin habe ich soviel verstanden, daß eine ständig wachsende Wut in der amerikanischen Bevölkerung auf staatliche Institutionen beobachtet wird, die sich vor allem darauf gründet, wie man dort mit einzelnen Menschen umgeht. Vermutlich bezieht sich Chomsky damit einerseits auf die rasant wachsende Verarmung der US-Bevölkerung, vermutlich aber auch auf die in der letzten Zeit angestiegenen Gewaltexzesse von Polizisten gegen Schwarze. Die Situation sei „ein Spiegelbild der Depression und Hoffnungslosigkeit“ und der Sorge darüber, daß nun alles verloren sei, Zukunfsaussichten, Perspektiven, und so bliebe den Leuten gar nichts anderes übrig, als zumindest ihre Wut zu zeigen. Weiter verstehe ich noch, daß die Sterblichkeitsrate weniger gebildeter weißer Männer zwischen 45 und 55 Jahren angestiegen sei, was mit entwickelten Gesellschaften nicht zu vereinbaren sei.

    Chomsky schildert ein Phänomen, das man auch hier bei uns beobachten kann: Das Propaganda-System der USA ist so konzipiert, daß es die Wut der Menschen auf all jene konzentriert, die noch größeren Nöten ausgeliefert sind, die noch weniger haben und noch unglücklicher sind, wie z.B. Einwanderer oder Menschen, die von der Wohlfahrt leben oder Gewerkschaften und überhaupt alle Arten von Menschen, von denen man annimmt, daß sie etwas bekommen, was einem selbst verweigert wird. Da fällt mir doch glatt mal wieder der gute alte Florida-Rolf ein, der es sich in seiner sozialen Hängematte in Florida auf Kosten des deutschen Steuerzahlers gutgehen läßt.

    Die Wut sei dann, so Chomsky weiter, nicht auf diejenigen gerichtet, die wirklich verantwortlich sind – die leistungshungrige Privatwirtschaft und die großen, von den Steuerzahlern finanzierte Finanzwirtschaft –, sondern wird auf jene gelenkt, die z.B. Lebensmittelmarken erhalten, das sind schätzungsweise 50 Millionen US-Bürger !! Diese Leute werden von den Politikern dann gerne als das eigentliche Problem dargestellt. Das läuft somit genau so wie bei uns: Die Schwächsten, die sich nicht wehren können, werden als Sündenböcke gebrandmarkt. Von all den verschwendeten Milliarden für Bankenrettung, Militäreinsätze im Ausland und Versenkung in faschistischen Schwarzen Löchern wie der Ukraine hört man dagegen nur, wenn man sich außerhalb des Mainstreams informiert.

    Ein paar Sachen hab ich noch aus dem Interview rausgezogen: Obama sei ein Ziel für Rassisten. Es gäbe eine Menge unglaublichen Haß auf Obama, der „viszeralem Rassismus“ entspringe (viszeral bedeutet vom Bauch, von den Eingeweiden her, also Bauchgefühl im Gegensatz zum kognitiven Rassismus). Ein großer Teil der Republikaner denkt offenbar, Obama sei ein Muslim, weil er woanders geboren wurde, nämlich in Kenia. Jüngste Umfragen sollen nach Chomsky sogar zeigen, daß etwa ein Viertel der Republikaner denke, Obama sei der Antichrist, also der personifizierte Teufel, wie er in der Bibel und in zahlreichen Horrorfilmen nicht nur der amerikanischen Bevölkerung dargestellt wurde. Diese Vorstellung sei eng mit den fundamentalistischen religiösen Geschichten über Armageddon, den Antichristen und mit Jesus verbunden und mit dem Kampf um die geretteten Seelen, die in den Himmel steigen, und das vielleicht noch zu unseren Lebzeiten. Das sei ganz großes Theater in den USA und das sei die Basis der Republikaner.

    Wie gesagt, mein Englisch ist dürftig, und wenn ich was falsch verstanden haben sollte, bitte ich hiermit um schonungslose Korrektur.

  2. Daß die USA als fundamentalistischer Staat zu gelten haben, versuche ich schon seit geraumer Zeit meinen Mitdiskutanten in anderen Foren vergeblich klarzumachen. Offenbar verbindet man mit religiösem Fundamentalismus stets nur das Bild des bärtigen Moslem-Prediges oder Ayatollahs. Dabei gibt es Fundamentalisten auch bei uns, z.B. in der Katholischen Kirche und im Vatikan. Im Grunde ist jeder Pfarrer, der nicht in Frage stellt, ob seit Gott tatsächlich existiert, mehr oder weniger ein Fundamentalist:

    Fundamentalismus (von lateinisch fundamentum ‚Unterbau‘, ‚Grund‘, ‚Fundament‘) ist eine Überzeugung oder eine Geisteshaltung einer sozialen Bewegung, die ihre Interpretation einer inhaltlichen Grundlage (Fundament) als einzig wahr annimmt. Fundamentalismus wird durch eine stark polarisierte Auslegung einer Letztbegründung umgesetzt.

    Wie Chomsky im Interview feststellte, sind die religiösen Fundamentalisten erst in jüngster Zeit zu einer politischen Kraft geworden, aber im Grunde ist seien wesentliche Teile der US-Amerikaner schon immer Fundamentalisten gewesen. Nur so ist es meiner Ansicht nach zu verstehen, daß die von Chomsky ebenfalls erwähnte Junge-Erde-Theorie entgegen aller modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse sich so stark in den USA verbreiten konnte:

    Es gibt nicht allzu viele Länder in der Welt, in dem zwei Drittel der Bevölkerung das zweite Kommen [Christi] erwarten, sagte Chomsky, und fügte hinzu, daß die Hälfte von ihnen denken, das würde noch zu ihren Lebzeiten geschehen. »Und etwa ein Drittel der Bevölkerung glaubt, daß die Welt vor 10.000 Jahren genau so, wie es jetzt ist, erschaffen wurde. Solche Dinge sind ziemlich komisch, aber das gilt in den Vereinigten Staaten als wahr, und zwar bereits eine sehr lange Zeit.«

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fundamentalismus

    Mit diesem Unterbau kann man der amerikanischen Bevölkerung im Grunde alles im Namen des Herrn „verkaufen“, insbesondere aber die Notwendigkeit, das heilige Land, das auserwählte Volk zu verteidigen. Wer hier eine Ähnlichkeit zu israelischen Einstellungen erkennt, wird das wohl kaum für Zufall halten. Unter dem Gesichtspunkt des amerikanischen religiösen Fundamentalismus nimmt die Absichtserklärung gewisser amerikanischer NWO-Think-Tanks, die Welt in Chaos und Verderben stürzen zu wollen, geradezu apokalyptische Ausmaße an. Bekanntlich folgt auf das zweite Erscheinen des Jesus das Jüngste Gericht, wie das auch bei den Zeugen Jehovas, einer äußerst fragwürdigen Sekte, die ebenfalls an die junge Erde glaubt, der Fall ist.

    Ich glaube inzwischen, daß wir Europäer, die wir entweder noch nie in den USA waren oder uns höchstens mal im Urlaub dort aufgehalten haben, das gar nicht so mitbekommen. Bei arte gab’s mal eine Doku über „Christliche Fundamentalisten in den USA“: https://www.youtube.com/watch?v=1MLAeOxfTiY
    Und vom ZDF wurde „Wählt Jesus – Amerika in Gottes Hand“ gesendet: https://www.youtube.com/watch?v=1a_aAqARbq4
    Eine weitere Arte-Doku zum Fundamentalismus allgemein findet man dort: https://www.youtube.com/watch?v=ZjWGjWlrS2I

    Vielleicht ist die Wahl der US-Elite, sich die Moslems zum nächsten Erzfeind zu wählen, zum Teil auch auf den Islam als Konkurrenz-Religion zurückzuführen. Aber letztendlich hassen Fundamentalisten gewöhnlich alle Anders- und Ungläubigen. Gibt es dann noch einen „Gottesauftrag“ zu erfüllen … ou weiah … Nach Chomsky wird in den USA gezielt Haß in der Bevölkerung gesät, der Haß auf Institutionen steigt demnach in weiten Teilen der Bevölkerung an, und das nicht ohne Grund, „wenn man sich anschaut, was mit Leuten geschieht … Es ist ein Spiegelbild der Depression, der Hoffnungslosigkeit, der Angst, daß jetzt alles für unsere Zukunft verloren ist … Aber die Wut konzentriert sich nicht auf diejenigen, die für alles verantwortlich sind – die leistungshungrige Privatwirtschaft und die großen Finanzinstitute [leistungslose Spitzeneinkommen; F.R.], die sich von den Steuerzahlern nähren. Die Menschen richten ihre Wut vielmehr auf all jene, die sie unter sich wähnen, die auf einer niedrigeren Einkommensstufe leben wie z.B. die Mutter mit ihren Kindern, die von Lebensmittelmarken lebt …“

    Kenn ich doch irgendwoher … ach ja, fast vergessen: Die Wut der arbeitenden Bevölkerung auf die Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger, die jahrelang von den Schmuddelmedien wie RTL, Pro7 und BILD regelrecht geschürt wurd [Florida-Rolf] und noch immer wird, und die heute dafür sorgt, daß man schon fast Angst haben muß, verprügeld zu werden, wenn man sich als Hartzer outet. Jetzt können die Hartzer aber etwas aufatmen, jetzt haben wir ja die Flüchtlinge, die noch weiter unten stehen.

    Mein Englisch ist leider nicht gut genug, um das ganze Interview ins Deutsche zu übersetzen, meist reichen meine Englischkenntnisse gerade dazu aus, Dokumentationen zu Programmierkomponenten und Datenbanken zu verstehen. Vielleicht erbarmt sich ja ein User mit guten Englischkenntnissen und übersetzt das mal an einem Sonntag Nachmittag oder nach Feierabend.

  3. Wie auch in seinen Büchern, nicht ganz so leicht zu lesen und damit zu verstehen, aber äußerst interessant und informativ wie eh und je. Ich hoffe Herr Chomsky bleibt dieser Welt in menschlicher Form noch viele Jahre erhalten, seine Gedanken und Meinungen sind eh über Generationen hinweg bestätigt worden und werden vermutlich nie falsch sein.
    Danke!

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