KenFM im Gespräch mit: Christoph Pfluger („Stop Fake-Money“)

Warum brauchen wir Wirtschaftswachstum? Warum kommt es einer Katastrophe gleich, wenn in unseren westlichen Überflussgesellschaften die Wirtschaft stagniert oder gar schrumpft? Wie kann es sein, dass selbst die UNO Wirtschaftswachstum als eines ihrer 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung ausgerufen hat?

Obwohl wir tagtäglich mit allerlei Prognosen, Geschäftsklimadiagrammen und Börsenindexen konfrontiert werden, sind diese eigentlich grundlegenden Fragen weit aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten und werden nur selten ausdiskutiert. Dies bietet den Predigern des ewigen Wirtschaftswachstums die erforderlichen Freiräume, ein weltumspannendes System zu etablieren, welches auf ständiger Übervorteilung der Unwissenden basiert. Dabei ist das Geheimnis eigentlich gar nicht so schwer zu durchschauen. Auf der einen Seite gibt es Schulden und auf der anderen Seite gibt es Guthaben. Da die Schulden zinsbelastet sind, reicht die Guthabenmenge niemals aus, um die Schulden vollständig zu decken.

Wirtschaftswachstum wird zur Grundvoraussetzung, um ansteigende Zinslasten weiterhin bedienen zu können. Es ist die Schippe in der Hand des zinsuniformierten, im Bankenjargon oft gehuldigten „arbeitenden Geldes“.

Glücklicherweise setzt sich langsam aber sicher in immer größeren Teilen der Gesellschaft die Erkenntnis durch, dass dieses von Kritikern oftmals als „metastasenartig“ beschriebene System auf lange Sicht nicht überlebensfähig ist. Die Schweizer Bürgerinnen und Bürger haben am 10. Juni dieses Jahres die Möglichkeit in einem Volksentscheid über das nationale Geldschöpfungsmonopol zu entscheiden.

Aus diesem Anlass hat KenFM mit dem renommierten Buchautoren und Geldaktivisten Christoph Pfluger gesprochen. Er ist Präsident der „Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit“ und legt in verständlicher Weise die Vorzüge eines auf souveräner Geldschöpfung basierenden schuldenfreien Geldes dar. Banken würden von profitgetriebenen Wirtschaftsunternehmen zu tatsächlichen Finanzintermediären. Das Gemeinwohl stünde vor Einzelinteressen. Auch wenn die Vorzüge eines solchen Systems nicht vom Tisch zu kehren sind, zeigt sich Pfluger realistisch: „Das Geldproblem ist zu groß für eine einzige Lösung“.

Außerdem sitzt man in Mitteleuropa immer noch recht bequem auf dem Sofa der alten Geldordnung. Ein langer Atem wird also nötig sein, um ein gesamtgesellschaftliches Problembewusstsein zu schaffen. Den scheint Christoph Pfluger zu haben.

Mehr zur Kampagne und zur Vollgeld-Initiative auf:

https://www.vollgeld-und-gerechtigkeit.ch/

https://www.vollgeld-initiative.ch/

Inhaltsübersicht:

0:03:10 Woher kommt das Geld?

0:13:25 Vollgeld im Vergleich zum Fiat-Geld

0:19:49 Das Geldsystem braucht ein Entgiftungssystem

0:34:50 Die Abschaffung des Bargelds

0:43:51 Die “Stop Fake-Money-Kampagne”

0:52:06 Die Zinslast als Fluchtursache

0:59:21 10. Juni 2018: Die Aktion in Daten und Fakten

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56 Kommentare zu: “KenFM im Gespräch mit: Christoph Pfluger („Stop Fake-Money“)

  1. Ein sehr schönes Gespräch wo wie einmal jemand zum zug kommt der auch etwas zu sagen hat.

    Die Masse hat das Problem gar nicht verstanden weil sie – die Masse an Bürgern – so sehr gehirn-
    gewaschen ist. Facebaook, whatsapp die nächsten Ferien und wie ’schiebe ich meine Schulden
    von einer Bank zur nächsten ohne dass sie es merken‘ sorgen für genügend Ablenkung.

  2. Ansprache an Millionäre

    „Erich Kästner“

    Warum wollt ihr so lange warten,
    bis sie euren geschminkten Frauen
    und euch und den Marmorpuppen im Garten
    eins über den Schädel hauen?

    Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
    Bald werden sie über die Freitreppen drängen
    und euch erstechen mit Küchenmessern
    und an die Fenster hängen.

    Sie werden euch in die Flüsse jagen.
    Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
    Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
    Dann wird es zu spät sein.

    Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
    Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
    Sie werden kommen und schweigen und töten.
    Niemand wird über euch trauern.

    Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
    Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
    Rollen und Bündel und Barren speichern?
    Ihr werdet alles verlieren.

    Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
    Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
    Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
    bevor sie kommen?

    Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
    Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind’s nicht.
    Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
    ist eure Pflicht!

    Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
    Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
    Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
    Wir sprechen von Geschäften.

    Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
    Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
    Die Welt verbessern und dran verdienen –
    das lohnt, drüber nachzudenken.

    Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
    Organisiert den Umbau der Welt!
    Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
    mit sehr viel Geld…

    Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
    Uns tut es leid. Ihr werdet’s bereuen.
    Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
    Es wird uns freuen.

    • Alte Weisheiten wie auch die von Göthe, nur wollen die reichen es bis heute nicht verstehen.
      Man will ihnen nicht alles nehmen, man will ihnen helfen sich selber zu verbessern.
      Doch sie können es nicht verstehen denn ihr Geist ist gefangen Dunst der Selbstsucht.

  3. Das Problem der Vollgeld-Initiative ist wirklich die Kommunikation. Alder, einer der Initianten, ist sicher ein kluger Kopf, aber er kann nicht kommunizieren.

    Er schweift und holt weit aus, aber kommt nicht auf den Kern.

    Wie der Bankenprofessor Geiger gesagt hat: Niemand versteht, was diese Vollgeldler eigentlich wollen.

    Das Video von Max von Bock, „Wie funktioniert eigentlich Geld?“, ist hier wesentlich verständlicher.

    Die Vollgeldinitiative wird höchstwahrscheinlich abgelehnt. Schon der Name Vollgeld ist so, daß er sich nichtmal von selbst erklärt. Anstatt Vollgeld hätte man Gelddeckung sagen sollen. Dann wäre sofort klar gewesen, was gemeint ist. Der Unterschied zwischen gedecktem (vollem) Geld und ungedecktem (Phantasiegeld, „fake money“).

    Trotzdem ist sie ein sehr sehr wichtiger Diskussionsanstoß.

    Und wer Währungen, die nicht auf Vollgeld, sondern auf Phantasie-Geld bzw. Buchgeld basieren, ablehnt, dem bleiben immer noch Komplementärwährungen oder Kryptowährungen.

    Gerade bei Regionalgeld und alternativen Währungen hat die Schweiz eine große Tradition. Man denke nur an das WIR-Geld oder alternative Währungen wie Talent.

    Paris führt gerade solche eine Währung mit Erfolg ein. Sie soll Finanzspekulationen entgegenwirken und Kaufkraft im Raum Paris halten. Und zudem vor Finanzkrisen sicherer bzw. bei Finanzkrisen eine Alternative sein.

    http://schweizerzeitung.ch/la-peche-pfirsich-neue-waehrung-in-paris-als-konkurrenz-zum-euro/

    Die Stadt Paris unterstützt diese Währung sogar offiziell.
    In Deutschland wurden Alternativwährungen oft bekämpft, wobei das heute nicht mehr zu beobachten ist, es gibt Regionalwährungen. Allerdings nicht überall gern gesehen. Die Bundesbank gab 2013 eine Schmähschrift mit dem Titel „Teuer und männlich: Regionalwährungen in Deutschland“ heraus.

    Noch zu gedecktem (vollem) und ungedecktem Geld:

    In der Schweiz fand übrigens 1891 ein Verfassungsreferendum über das Banknotenmonopol statt. Damals wurde dem Bund das Recht zugesprochen, Banknoten alleine herauszugeben. Also nicht den Banken.

    Damals beruhte das Währungswesen fast überall auf dem festen Verhältnis der Währungen zum Gold.

    • Remo Maßat,

      „Das Problem der Vollgeld-Initiative ist wirklich die Kommunikation.“

      Diese Behauptung erinnert mich fatal an die gängige Entschuldigung unserer Politikdarsteller, wann immer die Stümperhaftigkeit ihrer Politik offensichtlich wird. Dann schieben sie es auf die angebliche Tatsache, daß sie ihr Anliegen nur nicht richtig kommuniziert hätten.

      Ich denke die Initiativen zur Reformierung unseres Geldsystems kränkeln alle am selben Defizit: sie sind nicht richtig durchdacht. Und das liegt in erster Linie daran, daß die Möchtegern-Reformer noch nicht einmal das existierende Geldsystem richtig verstanden haben.

  4. Vizero,

    „Zitat „Wird viel gespart und wenig investiert, sinkt nicht nur das BIP, sondern auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse.“
    Das ist blanker Unsinn.“

    Warum ist das blanker Unsinn? Ein paar Zeilen darüber ist zu lesen:
    „Nur was investiert ist, wird auch gespart.“
    Mit anderen Worten, „wenn investiert -> dann gespart“. Sparen ist also eine notwendige Bedingung für Investitionen. Aber keine hinreichende. D.h. es gibt auch andere Formen des Sparens. Z.B. in Sachwerten würde mir da als erstes einfallen. Wenn der Anteil des Gesparten, der nicht investiert wird (wenn also viel gespart und wenig investiert wird), dann sinkt selbstverständlich das BIP. Und in der Folge auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse (zumindest dann, wenn Sparen in Sachwerten niedrigere Renditen abwirft als Investieren, wenn sich also die Wirtschaft nicht im Deflationsmodus befindet, was der Normalfall sein sollte – wenn man mal von währungstechnischen Fehlkonstruktionen wie dem Euro im Kontext unsinniger Austeritätsverträge a la Maastrich und Lissabon absieht.) Was bitte ist an dieser Aussage blanker Unsinn?

    „Zit.: “ So lange Ersparnisse nicht profitabel investiert werden, sind sie volkwirtschaftlich nicht nur sinnlos, sondern schädlich.“
    Das ist zwar richtig, aber es ist falsch, daraus auch die Umkehrung zu schließen, denn es wird auch schon heute viel Geld in volkswirtschaftlich schädliche Projekte/Systeme investiert, Hauptsache die Rendite stimmt.“

    Da gebe ich ihnen recht. Leider haben wir noch kein Wirtschaftswesen, das haftungsmäßig den Prinzipien des Gemeinwohls verpflichtet ist.

    „Noch mal Zitat „Was der Laie vielleicht nicht weiß, ist, dass die Kontokorrent-Guthaben bei den Banken (das Giralgeld) in den offiziellen Statistiken als Teil der Geldmenge mitgezählt werden.“
    Im Gegenteil, das denken alle, solange sie nicht wissen, dass es das Fiatgeldsystem gibt und davon ausgehen, dass Kredite mit ihren Guthaben finanziert werden.“

    Da haben sie vermutlich recht.

    • Vizero,

      „Zitat „Wird viel gespart und wenig investiert, sinkt nicht nur das BIP, sondern auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse.“
      Das ist blanker Unsinn.“

      Warum ist das blanker Unsinn? Ein paar Zeilen darüber ist zu lesen:
      „Nur was investiert ist, wird auch gespart.“
      Mit anderen Worten, „wenn investiert -> dann gespart“. Sparen ist also eine notwendige Bedingung für Investitionen. Aber keine hinreichende. D.h. es gibt auch andere Formen des Sparens. Z.B. in Sachwerten würde mir da als erstes einfallen. Wenn der Anteil des Gesparten, der nicht investiert wird (wenn also viel gespart und wenig investiert wird), dann sinkt selbstverständlich das BIP. Und in der Folge auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse (zumindest dann, wenn Sparen in Sachwerten niedrigere Renditen abwirft als Investieren, wenn sich also die Wirtschaft nicht im Deflationsmodus befindet, was der Normalfall sein sollte – wenn man mal von währungstechnischen Fehlkonstruktionen wie dem Euro im Kontext unsinniger Austeritätsverträge a la Maastrich und Lissabon absieht.) Was bitte ist an dieser Aussage blanker Unsinn?

      „Zit.: “ So lange Ersparnisse nicht profitabel investiert werden, sind sie volkwirtschaftlich nicht nur sinnlos, sondern schädlich.“
      Das ist zwar richtig, aber es ist falsch, daraus auch die Umkehrung zu schließen, denn es wird auch schon heute viel Geld in volkswirtschaftlich schädliche Projekte/Systeme investiert, Hauptsache die Rendite stimmt.“

      Da gebe ich ihnen recht. Leider haben wir noch kein Wirtschaftswesen, das haftungsmäßig den Prinzipien des Gemeinwohls verpflichtet ist.

      „Noch mal Zitat „Was der Laie vielleicht nicht weiß, ist, dass die Kontokorrent-Guthaben bei den Banken (das Giralgeld) in den offiziellen Statistiken als Teil der Geldmenge mitgezählt werden.“
      Im Gegenteil, das denken alle, solange sie nicht wissen, dass es das Fiatgeldsystem gibt und davon ausgehen, dass Kredite mit ihren Guthaben finanziert werden.“

      Da haben sie vermutlich recht.

    • Sorry – war eigentlich gedacht als Antwort auf den ersten Kommentar hier.
      Die Verdoppelung ist der dämlichen Anforderung geschuldet hier jedesmal sein Datenschutz-Einverständnis-Häckchen setzen zu müssen, was ich immer vergesse. Könnte man das nicht im Profil eines jeden Teilnehmers hier regeln?

  5. In der Einschätzung der unsinnigen Arbeiten, die wegen des Zinsgeldsystems und dadurch bedingten Wachstumszwängen liegt er meines Wissens nach falsch. Die überflüssige Arbeit beträgt mindestens 90%. Schon in den 1930er Jahren haben Wirtschaftswissenschaftler berechnet, dass über 50% der Arbeitsleistung für Unsinniges erbracht wurde und inzwischen ist die durchschnittliche Produktivität um das Zehn- bis Zwanzigfache höher als damals.

    • Das Zinsgeldsystem gibt es schon viel länger als es den Kapitalismus gibt.
      Wachstumszwänge gab es vor dem Kapitalismus nicht in dem Maße. Eine direkte Verbindung sehe ich nicht.

      „Arbeit dient im Feudalismus vor allem der Selbst- versorgung, auch Subsistenzwirtschaft genannt. Sie zielt in erster Linie auf die Befriedigung der Grundbedürfnisse wie Nahrung, Obdach und Kleidung. Die Arbeitsweise ist dabei geprägt von Hand- und Eigenarbeit. Auf lokalen Märkten wird nur das gehandelt, was nach der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse als Überschuss erhalten bleibt.“

      (Resch, Christine/Steinert, Heinz: Kapitalismus. Porträt einer Produktionsweise. Münster 2011)

      Darüber sollte man mal nachdenken.

    • also ich bin Elektriker und nach meinem Fazit leiste ich 100 Prozent sinnvolle Arbeit, da hinterher der Kunde zufrieden und einen Mehrwert hat sonst hätte er meine Firma nicht beauftragt.
      Es gibt auch sicher Bereiche wo da nicht zutrifft wie zum Beispiel die Flüchtlingsindustrie-denn wir bräuchten Sie nicht wenn wir unsere Grenzen schließen würden.

  6. Das sog. „Vollgeld“ gab es ja in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland. Mit sehr vielen positiven Ergebnissen für die breite Masse der Bevölkerung. Aber das wird ja, wie immer, totgeschwiegen. War es nicht die Regierung um AH, die der „Weltfinanz“ den Kampf angesagt hat? Das Ende kennen wir ja leider – unvorstellbares Leid und totale Zerstörung – und wer hat nochmal vom Wiederaufbau am meisten profitiert???…insofern kann man sich das Ergebnis dieser und anderer Initiativen ausmalen. Vielleicht sollte man die Geschichte mal wahrheitsgemäß und allumfänglich aufarbeiten! An diese Thema traut sich allerdings niemand wirklich heran…auch nicht bei kenfm…!

  7. Herr Pfluger schien mir gedanklich nicht ganz aufgeräumt zu sein. Die Materie ist natürlich unglaublich komplex.

    Hier die Gedankenaufhänger zu einer Lösung (meine Meinung):

    1. Geld aus dem Nichts schöpfen ist nicht gut. Woraus dann schöpfen? (Bitte gut nachdenken…)

    2. Geld arbeitet für uns. Ist bekanntlich falsch. Für wen arbeitet es dann? (Bitte gut nachdenken…)

    Aus 1. wird folgen: die Wirtschaft muss das Geld schöpfen.
    Aus 2. wird folgen: wir müssen das Geld selbst verändern, nicht die Banken regulieren.

    • Hallo Olienta,

      daß Herr Pfluger gedanklich nicht ganz aufgeräumt ist, da stimme ich ihnen vollkommen zu.
      Auch ihre Anregungen zum Nachdenken unterstütze ich voll und ganz!
      Mit ihren Schlußfolgerungen gehe ich allerdings nicht konform.

      Ad 1: Sie wollen demokratische Entscheidungen noch mehr den Marktkräften unterwerfen? Die angeblich dem Volkssouverän dienenden Berufsdemokraten dienen doch jetzt statt dessen schon ausschließlich den großen Konzernen. Erhalten diese auch noch die Hoheit der Geldschöpfung sind Hungerlöhne garantiert.
      Aber vielleicht haben sie das gar nicht so gemeint und einfach selbst noch nicht gut genug nachgedacht. Daß für ein funktionierendes und prosperierendes Gemeinwesen eine ebensolche Wirtschaft Voraussetzung ist, damit bin ich vollkommen einverstanden. Vielleicht haben sie das ja auch so gemeint. Aber für eine funktionierende und prosperierende Wirtschaft ist es mit Sicherheit nicht erforderlich, diese mit der Geldschöpungshoheit auszustatten. Das wäre kontraproduktiv.

      Ad 2: Da würde ich empfehlen, noch einen weiteren Schritt zurück zu gehen. Bevor wir unser Geldsystem ändern sollten wir erst einmal versuchen, das bestehende zu verstehen. Hierfür empfehle ich die Beschäftigung mit MMT (Modern Money Theorie). Wenn man dann immer noch der Meinung ist, daß das gegenwärtige Geldsystem disfunktional ist, dann bitte vor Änderung des Geldes selbst ein stimmiges Konzept, das mindestens so plausibel und kohärent ist wie MMT.

    • Zu „gedanklich nicht ganz aufgeräumt“: Es ist oft bei Theoretikern mit guten Gedanken so, daß sie weit ausholen.

      Wenn diese sich für eine Volksabstimmung einsetzen, ist es leider so, daß sie oft die Sachen nicht gut verständlich auf den Punkt bringen können.

      Ich habe das Gespräch mit Herrn Pfluger wirklich sehr gern angehört, es sind viele interessante Gedanken enthalten. Auch ist ihm Respekt zu zollen dafür, wielange er schon das Magazin Zeitpunkt in der Schweiz führt.

      Aber eine Stimme seitens der wahlberechtigten Stimmbürger in der Schweiz bringt so ein Video natürlich nicht unbedingt. Das Thema wird auch hier nicht leicht verständlich gemacht in meinen Augen.

      Politik ist halt leider so, daß man Sachen möglichst gut auf den Punkt bringen muß.
      Daher haben kluge Köpfe ja in der Politik so selten Erfolg.

    • Remo Maßat,

      „Politik ist halt leider so, daß man Sachen möglichst gut auf den Punkt bringen muß.
      Daher haben kluge Köpfe ja in der Politik so selten Erfolg.“

      Also die These, daß kluge Köpfe dadurch charakterisiert sind, daß sie ihren Standpunkt nicht allgemeinverständlich erklären können (und deswegen in der Politik erfolglos sind) halte ich für sehr gewagt.
      Ein kluger Kopf, der sein Sachgebiet überblickt sollte in der Regel auch imstande sein, dies allgemeinverständlich zu vermitteln. Extrem selten vorkommende hyperintelligente Spezialbegabungen mögen da eine Ausnahme darstellen, weil sie sich einfach nicht in die Begriffsstutzigkeit ihrer Mitmenschen hineinversetzen können. Aber dafür gibt es Abhilfe. Die müssen ihre Superideen halt dann von didaktisch besser qualifizierten Leuten vermitteln lassen.

  8. Ich sehe mir fast jede Ausgabe von „KenFM im Gespräch“ an. Diese hier ist mit Abstand die schwächste, nichtssagendste, am schlechtesten vorbereitete. Wie damit Unterstützer für diese Initiative hinter dem Ofen hervorgelockt werden sollen ist mir ein Rätsel.
    Ich bezweifle auch sehr stark, daß diese Initiative überhaupt Sinn macht. Natürlich muß die Dominanz der neuen Feudalherren – der Finanzelite – gebrochen werden. Aber dazu bedarf es keiner Reform unseres Geldsystems. Denn unser aktuelles Geldsystem – Fiatmoney als souveränes Geld von souveränen Staaten emittiert – ist das ideale Vehikel um die Finanzelite an die Kandare zu nehmen. Die Finanzelite steht diesem Konstrukt absolut machtlos gegenüber, wenn es richtig gehandhabt wird. Die Finanzelite kann laut bellen und damit drohen die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe zu treiben. Aber beißen kann sie nicht. Die Renditen für Staatsanleihen eines souveränen Staates, der sein eigenes Geld emittiert bestimmt ausschließlich dieser Staat selbst. Er ist um seine Staatsausgaben zu tätigen überhaupt nicht darauf angewiesen Staatsanleihen zu emittieren. Wenn er dies trotzdem tut, dann ist das eine reine Gefälligkeit gegenüber der Finanzelite.
    Neben dem neoliberalen Märchen, daß die Finanzelite Staaten durch Androhung steigender Zinsen für ihre Staatsanleihen zu einem bestimmten Verhalten zwingen könnte existieren noch ein paar andere Fabeln um die Leute zu erschrecken. Z.B. die, daß es eine Obergrenze für die Schulden gäbe, die ein souveräner Staat aufnehmen kann. Oder z.B. die, daß ein Staat sparen müsse wie eine schwäbische Hausfrau und für die Finanzierung seiner Vorhaben Steuern erheben müsse.
    OK – ich muß zugeben, daß ich all diese Märchen bis vor ein paar Wochen noch selber geglaubt habe. Ich fürchte auch die hier bei KenFM bisher zu Wort gekommenen Geld“experten“ glauben auch alle an diese Märchen. Anders ist vieles von dem was sie sagen nicht zu erklären. Das gilt für Herrn Pflüger ebenso wie für Herrn Hörmann. Und ich fürchte sogar für Herrn Wolf.
    Ich muß auch zugeben, daß ich bis vor ca. einem Jahr ein absoluter Hasser des Fiatmoney-Systems war. Meine Ablehnung dieses Systems beruhte allerdings nicht etwa darauf, daß ich es wirklich verstanden hätte. Sondern auf den vielen Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten, die ich diesem System anlastete. Meine Ablehnung begründete sich in erster Linie auf der Annahme, daß die Freiheiten solch eines Systems für diejenigen, die es beherrschen so groß und verführerisch sind, daß Mißbrauch unvermeidlich ist. In der Tat findet zur Zeit auch ein derartiger Mißbrauch statt. Wäre es nicht so, dann würde jeder Finanzinvestor (die berühmten „Märkte“), der mit steigenden Zinsen für Staatsanleihen droht von einem kompetenten Finanzminister mit einem Tritt in den Hintern versehen. Leider ist diese Stelle zur Zeit von einem Ahnungslosen oder Korrupten besetzt, der ebenso wie sein ahnungsloser oder korrupter Vorgänger die Schwarze Null anbetet und glaubt eine Staat müsse sparen wie eine schwäbische Hausfrau. Beides belegt, daß er entweder die Funktionsweise des existierenden Geldsystems nicht versteht (also ahnungslos ist) oder nur so tut, als ob er es nicht verstehen würde (also korrupt ist).
    Meine Ablehnung des Fiatmoneysystems beruhte also darauf, daß ich es für prinzipiell unmöglich hielt, daß die Politiker den Versuchungen dieses Geldsystems widerstehen könnten. Ohne mich selbst so tiefgehend damit beschäftigt zu haben um es selbst zu verstehen war ich aber davon ausgegangen, daß zumindest ein Finanzminister es verstehen würde. Woran ich inzwischen erhebliche Zweifel habe.
    Aufgrund dieser meiner Skepsis gegenüber Fiatmoney wurde ich zu einem Anhänger der Österreichischen Schule und des Goldstandards. Inzwischen – ausgelöst durch die verheerende Austeritätspolitik der letzten Jahre – sind mir die Defizite dieser Denksysteme allmählich bewußt geworden. Sehr hilfreich dabei makroökonomische Zusammenhänge allmählich besser zu begreifen war und ist dabei die von Heiner Flassbeck und Paul Steinhardt betriebene Plattform makroskop_eu für mich. Kann ich bestens empfehlen und ich würde mir wirklich sehr wünschen, daß Ken es schafft einen dieser beiden Herren zu interviewen. Ein regelmäßiger Autor dieser Plattform war auch schon mal mit KenFM im Gespräch: Dirk Ehnts. Weiter unten ist auch ein Artikel aus Makroskop zum Thema Vollgeld eingestellt von keeneahnung.
    Vor kurzem kam es auf Makroskop zu einer lebhaften Diskussion zum Thema „Modern Money Theorie“ (MMT), ausgelöst durch einen Artikel, der sich kritisch mit dieser Theorie auseinandersetzte. Die verfolgte ich natürlich aufmerksam und kam auf diesem Weg zum Blog von Bill Mitchell, einem der geistigen Väter der MMT.
    Dessen Beiträge (leider in Englisch und nicht in Deutsch, er ist Australier) sind wirklich ein Augenöffner. Die weiter oben von mir geäußerten Thesen, die ich selber bis vor kurzem noch für zu steil gehalten hätte, entnehme ich dessen Erklärung der Funktionsweise eines Fiatmoneysystems.
    Gerne verlinke ich die entsprechenden Artikel, wenn das gewünscht wird.
    Mein vorläufiges Fazit zum Thema Geldreform ist, daß sich all die Reformer mit ihren unausgereiften Ideen erst mal mit der Funktionsweise von Fiatmoney vertraut machen sollten. Die ist bestens von MMT erklärt. Meine Vermutung ist, daß all die Revolutionäre, die uns mit viel Idealismus und wenig Ahnung zum Umsturz des gegenwärtigen Geldsystems aufrufen dann zum Schluß kämen, daß all die angestrebten Ziele mit dem existierenden Geldsystem bestens erreicht werden können. Daß große Defizit ist nicht das Geldsystem sondern diejenigen Ahnungslosen oder Korrupten, die es zur Zeit handhaben. Würden die die Interessen ihrer Bürger vertreten anstatt die Interessen der Finanzelite – mit dem existierenden Geldsystem haben sie die ideale Waffe in der Hand um diese bellenden Köter in die Schranken zu verweisen.
    Es besteht viel weniger Bedarf unser Geldsystem zu reformieren als Bedarf unsere angeblich demokratischen Institutionen zu demokratisieren. Ein Finanzminister eines souveränen Staates, der seine eigene Währung emittiert, der behauptet er habe nicht genügend Geld um marode Schulen und Straßen zu sanieren lügt und gehört in die Wüste geschickt. Das hatte ich schon immer vermutet. Aber dank der Beschäftigung mit MMT weiß ich jetzt auch, daß dies definitiv so ist. Jedem normalen Menschen drängt sich angesichts der Milliardenunsummen, die plötzlich zur Verfügung standen um die Zockerbanken zu retten natürlich die Frage auf, warum diese Summen nicht auch für den Bau von Schulen und Straßen und zum Betrieb eines ordentlichen Gesundheits- und Pflegesystems zur Verfügung stehen. Aber da wird uns dann das Schreckgespenst der „Märkte“ vorgeführt, die den Staat dann bestrafen würden. (Bei ihrer eigenen Rettung haben sie großzügiger Weise auf diese Bestrafung verzichtet, hahaha!)
    Daß man sich vor diesem Schreckgespenst nicht fürchten muß habe ich durch MMT kapiert.
    Wie dieses Schreckgespenst zur Unterminierung demokratischer Entscheidungen aus der Rumpelkammer geholt wird, kann man im Moment grade in Italien in Realtime bewundern. Ich drücke den italienischen „Populisten“ die Daumen, daß sie die schwäbischen Hausfrauen Mores lehren, die mit ihrer Austeritätspolitik ganz Europa ruinieren und eine ganze Generation arbeitslos machen.

    • “ Ich fürchte auch die hier bei KenFM bisher zu Wort gekommenen Geld“experten“ glauben auch alle an diese Märchen. Anders ist vieles von dem was sie sagen nicht zu erklären. Das gilt für Herrn Pflüger ebenso wie für Herrn Hörmann. Und ich fürchte sogar für Herrn Wolf.“

      Ich habe schon einmal vorgeschlagen Heiner Flassbeck einzuladen. (Herausgeber: Makroskop – leider zahlungspflichtig))
      H. Flassbeck hat meiner Meinung auch den richtigen Blick auf die Eurokrise, die jetzt auch im Bezug auf Italien wieder in den Blickpunkt gerät.
      Beiträge von Ihm, kann man auch auf den „Nachdenkseiten“ finden.
      Auch Vorträge von Ulrike Herrmann kann ich empfehlen.

      PS: Dem Beitrag von keeneahnung vom 30. Mai 2018 at 20:33 stimme ich auch zu.

    • W. Schürer,

      ich gebe Ihnen Recht, was Sie bezüglich Austeritätspolitik und Staatsfinanzierung geschrieben haben.

      Allerdings gibt es im Geldsystem insgesamt doch noch ganz andere Probleme: Die Verschuldung der Staaten ist – wie Sie ja richtig schreiben – auch deswegen zu hoch, weil die Banken „gerettet“ wurden. Zumindest da müsste wohl dringendst reguliert werden, indem man den Brot-und-Butter-Geschäftszweig der Banken vom Casino-Teil trennt. Daneben sind aber auch Privatpersonen und Unternehmen so hoch verschuldet wie noch nie. Dieser Umstand, sowie – damit natürlich zusammenhängend – die immer größere Konzentration von Vermögen, hat doch nur sehr wenig mit den Staatsfinanzen zu tun.

      Herr Flassbeck hat in manchen Punkten Recht, ich empfinde ihn aber als arrogant, was insgesamt nicht gerechtfertigt und jedenfalls nicht sympathisch ist. Nur weil er ein bisschen heller ist wie unsere Kassenwärte Schäuble, Scholz oder ein Hans-Werner Sinn, lässt mich das noch lange nicht in Ehrfurcht erstarren. Er setzt wie fast alle herkömmlichen Ökonomen letztlich auch nur auf Wirtschaftswachstum, um aus der Krise zu kommen. Was angesichts der gigantischen ökologischen Probleme, vor denen wir stehen, einfach nur absurd ist.

    • Benjamin,

      „indem man den Brot-und-Butter-Geschäftszweig der Banken vom Casino-Teil trennt.“

      Aber selbstverständlich! Nur Mafiosi vom Schlage unserer gegenwärtigen Politkdarsteller können das anders sehen.

      „Daneben sind aber auch Privatpersonen und Unternehmen so hoch verschuldet wie noch nie. Dieser Umstand, sowie – damit natürlich zusammenhängend – die immer größere Konzentration von Vermögen, hat doch nur sehr wenig mit den Staatsfinanzen zu tun.“

      Daß Privatpersonen und Unternehmen so hoch verschuldet sind wie noch nie ist mir absolut neu. Alle mir bekannten Statistiken der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung besagen das Gegenteil. Sowohl der Privat- als auch der Unternehmenssektor ist (zumindest in Deutschland) Nettosparer. Dank schwarzer Null jetzt auch noch der Staat. Zum Wohle der deutschen Exportwirtschaft verschuldet sich „hierzulande“ inzwischen EU-vertragswidrig inzwischen nur noch das Ausland. Wobei „zum Wohle der deutschen Exportwirtschaft“ natürlich nichts anderes heißt als zum Wohle anglosächsicher Hedgefonds, die inzwischen die ehemalige Deutschland-AG aufgekauft haben, aber nicht zum Wohle der deutschen Arbeitnehmer, die zugunsten dieser internationalen Investoren auf am Produktivitätszuwachs orientierten Lohnerhöhungen verzichten mußten (Schröder, Fischer, Merkel, Schäuble sei Dank) .

      „Herr Flassbeck hat in manchen Punkten Recht, ich empfinde ihn aber als arrogant, was insgesamt nicht gerechtfertigt und jedenfalls nicht sympathisch ist.“

      Da muß ich ihnen leider schweren Herzens (denn ich empfinde die fachliche Kompetenz Herrn Flassbecks wirklich als außergewöhnlich) recht geben. Arroganz ist nie gerechtfertigt und auch nie sympathisch. Allerdings habe ich angesichts der offensichtlichen Dummheit der Herren Schäuble, Scholz und Sinn (sofern sie denn nicht bestochen sind) und anderer ein gewisses Verständnis für diese menschliche Schwäche von Herrn Flassbeck. Nur als Heiland könnte man als langjähriger einsamer Prediger in der Wüste gegen so viel Unverstand souverän darüber stehen. Gegenüber den genannten Personen ist er meines Erachtens nicht ein bißchen heller sondern um Größenordnungen. Zumindest wenn man davon ausgeht, daß sich die genannten Herren ebenfalls intensiv mit dieser Materie auseinandergesetzt haben –was man angesichts ihrer Posten erwarten dürfte.

      „Er setzt wie fast alle herkömmlichen Ökonomen letztlich auch nur auf Wirtschaftswachstum, um aus der Krise zu kommen.“

      Das ist so nicht richtig. Auf Makroskop gibt es viele interessante Diskussionen zu Energiewende und ökologisch vertretbarem Wachstum. Auch zur Gemeinwohlwirtschaft. Sie haben Recht, daß Herr Flassbeck auf Wirtschaftswachstum setzt. Aber das ist nicht gleich zu setzen mit erhöhtem Ressourcenverbrauch. Es gibt auch qualitatives Wachstum. Und Herr Flassbeck setzt unmißverständlich auf derartiges Wachstum. Alles nachzulesen bei Makroskop. Unter anderem seine – meines Erachtens nach vernünftigen Appelle – daß effektiver Klimaschutz nur über die Verteuerung nicht-erneuerbarer Energiequellen machbar ist und nicht durch gut dotierte Sonntagsreden auf internationalen Show-Veranstaltungen.

    • W. Schürer,

      also, an ökologisch vertretbares Wachstum glaube ich nur insofern, dass man natürlich im ganzen sozialen (Dienstleistungs-) Bereich (Bildung, Pflege, Krankenhäuser, Kinderbetreuung, Sozialarbeit, usw.) deutlich mehr Personal gebrauchen könnte. Ich weiß ehrlich gesagt zu wenig, was auf Makroskop von Herrn Flassbeck und anderen mit „qualitativem Wachstum“ gemeint ist.

      „Daß Privatpersonen und Unternehmen so hoch verschuldet sind wie noch nie ist mir absolut neu. Alle mir bekannten Statistiken der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung besagen das Gegenteil.“
      Auf welche Statistiken beziehen Sie sich beispielsweise? Meine Sicht dazu wird z.B. hier dargelegt – also die Statistiken, ich übernehme natürlich keine Haftung für den prosaischen Inhalt eines FAZ-Artikels 🙂 :
      faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/die-verschuldung-in-der-welt-15375440.html

      „Sowohl der Privat- als auch der Unternehmenssektor ist (zumindest in Deutschland) Nettosparer.“
      Das mag für Deutschland stimmen. Aber wichtig ist hier vor allem, dass Sie offenbar vom Nettobetrag (Vermögen minus Schulden) sprechen. Ich spreche aber von der Summe der Schulden (und auch der Vermögen) für sich betrachtet. Denn die zu hohen Schulden des einen, welche nie zurückbezahlt werden können, bedingen natürlich auch das auf faulen Forderungen basierende Vermögen des anderen, welches nur auf dem Papier – oder sogar nur elektronisch – ausgewiesen wird, aber fernab jeglicher Realität liegt.

    • zu Benjamin
      „Herr Flassbeck hat in manchen Punkten Recht, ich empfinde ihn aber als arrogant, was insgesamt nicht gerechtfertigt und jedenfalls nicht sympathisch ist.“
      Es geht mir nicht darum, ob jemand arrogant oder nicht sympathisch ist (manchmal ist er auch beleidigt) -ich kann ihre Einschätzung nachvollziehen. Das ist mir aber Wurscht !!! –> recht hat er. Wo hat er denn nicht recht?

    • Benjamin:
      FAZ-Überschrift: „Die Verschuldung in der Welt wächst weiter“
      Das ist totaler Bullshit –> Volksverdummung. Schulden und Guthaben auf der Welt sind = 0! – Das sollte jedem klar sein.
      Das ist so. Da brauch ich gar nicht weiter lesen.

    • schwarzistweiß,

      Sie sind aber heute ungeduldig. Lesen Sie doch meinen Post zu dem FAZ-Artikel etwas genauer, dann werden Sie sehen, dass es mir nicht um die Summe von Vermögen und Schulden geht. Dass diese immer 0 ergibt, hat sich sogar schon bis zu mir herumgesprochen. 🙂

      Ich finde eben, dass Herr Flassbecks Ansätze auch nicht weit genug gehen und am Finanzsystem nichts Grundlegendes ändern, so weit sie mir bekannt sind. Ohne ein neues Geldsystem, einen groß angelegten Schuldenschnitt, eine Währungsreform – und vielem mehr – ist das doch alles nur Stückwerk.

    • Ich bin nicht ungeduldig – ich bin Schichtarbeiter. 🙂

      Dass Flassbecks Ansätze ihnen nicht weit genug gehen, da sich am Finanzsystem nichts Grundlegendes ändert, kann ich nachvollziehen.
      Ich sehe seine Intension darin, für alle Teilhabe zu organisieren und damit vor allem Demokratie, die ja akut bedroht ist, zu retten.
      Er spricht von einer funktionierenden Marktwirtschaft, die wir schon lange nicht mehr halben.
      Er will eine Änderung im System. Die Sorge, dass, wenn es so weiter geht, alles den Bach runter geht und wir im Chaos landen, treibt ihn um.
      Das heisst ja nicht, dass das der Weisheit letzter Schluss ist.

      Sie können natürlich eine Revolution fordern, dann müssen Sie aber auch sagen was anstelle des alten Systems kommt.
      Ich denke, dass dieses System unausweichlich in Chaos stürzt, wenn nicht umgedacht wird.

      Der Kapitalismus war nicht geplant, er kam durch die technische Revolution.
      Er nutzte das vorhandene Geldsystem.

    • Benjamin,
      grade vor ein paar Tagen (18.5.18) gab es auf Makroskop einen Artikel von Herrn Flassbeck mit dem Titel „Wohlstand ohne Wachstum?“.
      Der ist leider nur für Abonnenten zugänglich und deswegen möchte ich ihn hier nicht einfach reinkopieren. Aber es spricht ja sicher nichts dagegen daraus so viel zu zitieren um klar zu machen wie Herr Flassbeck das im Wesentlichen sieht:
      „Viele glauben, dass den ökologischen Herausforderungen nur durch einen Umbau der Marktwirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft Genüge getan werden kann. Doch dafür spricht – politisch und wirtschaftlich – nichts.

      Vor allem aber fehlt es, das will ich heute hinzufügen, den ökologisch bewegten Autoren an einer realistischen Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, auf deren Basis man ökologische Prinzipien glaubwürdig und verantwortungsvoll in das vorhandene Wirtschaftssystem einbauen könnte.
      Auch das Buch von Tim Jackson (Prosperity Without Growth), das mir einige Leser sehr ans Herz gelegt haben, leidet genau darunter. Immer endet man irgendwie in einer Kreislaufwirtschaft, wo der Staat trotz Produktivitätsfortschritten Wachstum verhindert (was mit Arbeitszeitverkürzung aufgefangen werden muss) oder der Staat verordnet den technologischen Stillstand von vorneherein. Auch Jackson philosophiert über Schulden und Sparen, über Keynesianismus und Finanzmärkte und wer weiß nicht noch was, ohne jede Chance, zum Kern der Dinge vorzudringen.
      Weil wir keine überzeugende Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung haben, ist die Sache eben nicht so einfach wie es scheint. Denn es ist gar nicht „Wachstum“ in dem primitiven Sinne eines „mehr von dem Gleichen“ oder doch wenigstens „mehr vom Materiellen“, das unser Wirtschaftssystem antreibt. Es ist auch nicht das Gewinnstreben der Unternehmen, der Zins, die Messung des Wachstums durch das BIP oder ein „zu viel an Geld“, die letztlich verantwortlich gemacht werden könnten für die Dynamik einer kapitalistischen Wirtschaft.
      Das Neue vertreibt das Alte
      Die einzige Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, die man ernst nehmen kann, ist die von Schumpeter. Darin vertreibt immer wieder etwas Neues das Hergebrachte, das Alte. Doch warum ist das so?

      es liegt daran, dass Menschen vernunftbegabte Wesen sind und jemand eine Idee hat. Er oder sie hat eine Idee, wie man etwas besser oder billiger produzieren kann, wie man die vorhandenen Produktionsprozesse effizienter, weil billiger macht oder wie man ein ganz neues Produkt an den Mann oder die Frau bringen kann.

      Die Marktwirtschaft ist aber ohne Zweifel ein System, das gute Ideen belohnt und knallhart diejenigen scheitern lässt, deren Ideen nicht auf ausreichende Resonanz stießen.
      Wie viele Ideen von wie vielen Menschen auf diesem Globus in die Welt gesetzt werden, wissen wir einfach nicht. Wir haben uns entschlossen, ein relativ offenes System zu erlauben, in dem wir erst hinterher, nachdem all die Ideen (die innerhalb des gesetzlichen Rahmens zulässig waren) umgesetzt worden sind, Bilanz ziehen und feststellen, was herausgekommen ist aus den Ideen unserer Kinder. Ob das dann in einer BIP-Messung auftaucht oder nicht, ist nicht entscheidend, weil das nur die Frage nach bestimmten Konventionen ist, die richtig oder falsch, angemessen oder unangemessen sein können.
      Die Offenheit ist der fundamentale Punkt, um den es geht. Sobald eine Kreislaufwirtschaft eingeführt werden soll, ist es mit der Offenheit vorbei. Dann muss jemand vorgeben, wie viel Neues und was von dem Neuen versucht werden darf. So bald das Neue droht, die vorher festgesetzte Grenze zu sprengen, muss der Staat eingreifen und irgendwo (nach welchen Kriterien?) Neues verhindern.

      Ja, man muss es so brutal sagen: Kreislaufwirtschaft ist Planwirtschaft. Und genau wie die ehemals real existierende Planwirtschaft ist sie innovationsfeindlich. Und das liegt an unserem notwendigen und durch nichts zu überwindenden Unwissen über die Zukunft.

      Das heißt natürlich nicht, dass man sich nicht dennoch für eine Kreislaufwirtschaft einsetzen sollte und dürfte. Doch all die vielen Autoren, die mit Inbrunst Kreislaufwirtschaft predigen, sollten ehrlicherweise klar sagen, was das heißt. Es heißt, unseren Gesellschaften (unseren Kindern vorneweg) die Offenheit zu nehmen und damit womöglich auch die Chance, Neues zu entwickeln, das dabei hilft, die ökologischen Herausforderungen, die kein vernünftiger Mensch bestreitet, zu meistern.
      Man kann allerdings diesen Konflikt minimieren, indem man die Innovationsfähigkeit des Systems unmittelbar für die ökologische Vorsorge einsetzt. Doch genau das vertreten die wenigsten und politisch ist es nahezu ein Tabu. Der Staat (die Staatengemeinschaft) muss dazu an den Märkten intervenieren, von denen die größten negativen Effekte ausgehen. Wer den Klimawandel verhindern will, muss dafür sorgen, dass fossile Energie im globalen Maßstab systematisch und auf lange Sicht teurer wird. Wer natürliche Ressourcen schützen will, muss die Nutzung einschränken oder auch hier die Preise drastisch erhöhen. Wer den Wasserverbrauch einschränken will, muss Wasser verteuern. Wer saubere Luft will, muss Technologien verbieten oder verteuern, die zur Luftverschmutzung besonders beitragen. Das alles ist möglich und sicher sinnvoll, es hat mit Kreislaufwirtschaft aber nichts zu tun. Trotz all der Einschränkungen bleibt das System offen für Änderungen, für neue Produkte und für neue Produktionsverfahren. Es bleibt aber auch offen für Entwicklung, die man „Wachstum“ nennen kann, aber nicht muss, denn es handelt sich ja nicht mehr um Wachstum im herkömmlichen Sinne.
      Doch vieles von dem ist politisch tabu, weil man vermutet, schon hier werde der Marktwirtschaft bzw. den Bürgern zu viel zugemutet. Das ist richtig und falsch zugleich. Richtig, weil es tatsächlich eine Zumutung sein kann, jedes Jahr wesentlich höhere Anteile des eigenen Einkommens für fossile Energie ausgeben zu müssen, weil es der Staat so will. Falsch ist es aber, weil man hier nicht die Offenheit des Systems in Frage stellt, die ja bedeutet, dass ich als Einzelner innerhalb eines gesetzlichen Rahmens aktiv werden darf. Niemand hat aber einen Anspruch darauf, in einem bestimmten Bereich oder einem bestimmten Markt mit einer neuen Idee aktiv werden zu dürfen.
      Wenn aber Preissteuerung – selbst in kleinem Maßstab – weitgehend tabu ist, obwohl fast alle politischen Parteien versichern, sie wollten verhindern, dass die eine Erde, die den Menschen zur Verfügung steht, geplündert wird, wie kann man dann allen Ernstes hoffen, die Politik werde den wesentlich größeren Schritt gehen, das System aus den Angeln zu heben. Das wird sie nicht und deswegen muss man darauf bauen, dass die Politik wenigstens versteht, dass eine Steuerung über die Preise vollkommen systemkonform ist. In welchem Maße man dann bereit ist, den Menschen etwas zuzumuten, ist eine vollkommen offene Frage, da Politiker auch Einzelinteressen vertreten (was eindeutig nicht systemkonform ist).
      Die größten Hindernisse für eine konsequente Preissteuerung (das ist immer inklusive kleinerer direkter Verbote bestimmter Produkte und Produktionsverfahren gemeint) sind, ich habe darauf in meiner langen Serie zu Wachstum und Entwicklung hingewiesen (hier der letzte Teil), die Verteilungswirkungen. Wer in einer Demokratie den Strukturwandel systemkonform durch Preissteigerungen in Richtung ökologische Vorsorge steuern will, kann das nicht durchsetzen, ohne die unteren Einkommen massiv zu entlasten, denn sonst tragen diese Gruppen – gemessen an ihrem Einkommen – einen weit größeren Teil der Gesamtlast als die oberen Einkommen. Da auch das in den Zeiten des Neoliberalismus in den meisten westlichen Demokratien ein Tabu ist, kommt man trotz vieler Sonntagsreden zum Thema ökologische Vorsorge und Klimavorsorge überhaupt nicht voran.
      Wenn aber selbst kleinste Schritte des systemkonformen Weges der Preissteuerung nicht möglich sind, kann man sich das Fordern von umfassenden Mengenbeschränkungen im Sinne eines Umbaus des Systems zu einer Kreislaufwirtschaft gleich sparen. Ich glaube sogar, die ständige Forderung nach Umbau des Systems aus ökologischen Gründen ist kontraproduktiv. Sie schreckt auch diejenigen ab, die bereit wären, einen stark beschleunigten Strukturwandel, der die Offenheit des Systems erhält, offensiv mitzumachen. Dabei mag am Ende eines solchen Strukturwandels durchaus eine Wirtschaft stehen, die in vieler Hinsicht einer Kreislaufwirtschaft nahe kommt. Doch das ist etwas ganz anderes, als dieses Ergebnis zum unmittelbaren Ziel des Totalumbaus zu machen.
      Ökologische Vorsorge ist absolut notwendig und ein beschleunigter Strukturwandel in Richtung naturverträglichen Wirtschaftens ist ein Gebot der Vernunft. Doch der Weg über absolute Mengenbeschränkungen für den gesamten Output eines Landes, wie er in den Vorstellungen zum Nullwachstum und vielen Ideen einer Kreislaufwirtschaft zu finden ist, führt ökonomisch und politisch in die Irre. Notwendig ist vielmehr der allmähliche Umbau unserer Wirtschaftsordnung über vom Staat (von der Staatengemeinschaft) geschaffene Knappheit der Produkte, die nicht ökologisch verträglich sind.

      Doch genau hier liegt der springende Punkt, der von den einen radikalen Umbau fordernden Autoren vollkommen übersehen wird: So lange unsere Politik gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge nicht versteht und die Mehrheit der Ökonomen sich aus ideologischen Gründen weigern, über diese Zusammenhänge auch nur nachzudenken, so lange kann selbst der „allmähliche“ systemkonforme Umbau nicht gelingen. Wenn selbst Strukturwandel mit Verlust von Arbeitsplätzen und „Wachstum“ gleichgesetzt wird, wie das fast täglich noch geschieht, kann eine ökologische Aufklärung niemals erfolgreich sein. Gelingt die wirtschaftliche Aufklärung nicht, scheitert die ökologische allemal.“

    • W. Schürer,

      vielen Dank. Das liest sich großteils wirklich gut, sehe ich genau so wie Herr Flassbeck.

      Allerdings sollte man nicht verkennen, dass das mehr oder weniger bereits auch revolutionär ist. Denn man müsste mit dem internationalen Freihandel immer stärker brechen. Solange andere Länder nicht mitziehen, müssen natürlich auch von dort importierte Waren signifikant besteuert werden. Denn die heimische Industrie wird ja mit hohen Ökosteuern belegt in diesem Szenario. Und es ist ja sicher auch nicht das Ziel, dass statt deutschem – sagen wir mal – Beton dann umgestellt wird auf chinesischen Beton.

      Natürlich müsste man das ganz praktisch EU-weit einführen – oder aus dem Euro und der EU austreten bzw. ein neues, alternatives Europa gründen. Das wäre übrigens meine Wunschvorstellung. Dass bisher nichts danach aussieht, ist mir bekannt. 🙂

    • Benjamin,

      >> „Auf welche Statistiken beziehen Sie sich beispielsweise?“

      Ich hatte mich falsch ausgedrückt. Bei dem was ich meinte geht es nicht um die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, sondern um die Finanzierungssalden einer Volkswirtschaft. Wobei die Volkswirtschaft in vier Sektoren aufgeteilt ist: private Haushalte, Unternehmen, Staat und Ausland.

      Diese Grafiken zur Veranschaulichung der Finanzierungssalden werden bei Makroskop am laufenden Band verwendet. Am liebsten um unhaltbare Behauptungen von Mainstream-Ökonomen anhand der Faktenlage ad absurdum zu führen. Hier ein Link auf die erstbeste, die ich gefunden habe. Sie betrifft Italien und sieht ähnlich aus wie die deutsche:

      https://makroskop.eu/app/uploads/2018/05/20180530_PS_Abb01_v2.png

      Stammt aus einem zahlungspflichtigen Artikel ist aber auch für Nichtabonnenten zugänglich. Habe es ausprobiert indem ich mich abgemeldet und den Link dann geöffnet habe.

      Also ganz klar: insgesamt sind sowohl Unternehmen als auch private Haushalte Nettosparer. Das gilt für Deutschland genau so wie für Italien. Italien hat als exportstarke Nation immer noch einen Außenhandelsbilanzüberschuß. Es handelt sich hier aber nur um relative Zahlen. Daß die italienische Wirtschaft dank deutschem Lohndumping seit der Einführung des Euro an die Wand gedrückt wird (daß Deutschland auch Arbeitslosigkeit in den Rest von Euroland exportiert) ist aus dieser Statistik nicht ersichtlich. Wenn Italien trotz jahrelanger Rezession immer noch einen Außenhandelsbilanzüberschuß hat, so liegt das daran, daß im Gleichschritt mit der fallenden Industrieproduktion nicht nur die Exporte sondern auch die Importe gefallen sind.

      Was diese Finanzierungssalden natürlich nicht abbilden ist die Aufteilung der Vermögens- und Verschuldungsverhältnisse innerhalb dieser vier Sektoren. Es handelt sich ja um Nettobilanzen. Und mit ihrer Bemerkung

      >> „Daneben sind aber auch Privatpersonen und Unternehmen so hoch verschuldet wie noch nie.“

      meinen sie vermutlich, daß die Bruttoverschuldung einzelner Teilnehmer dieser Sektoren extreme Werte angenommen hat. Da haben sie vermutlich recht. Wenn man bedenkt, daß sechs – oder sind es acht oder zwanzig, das spielt letztendlich keine Rolle – Personen auf dieser Welt so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, dann ist die Feststellung sicher korrekt, daß die Bruttoverschuldung der Benachteiligten in Summe und im Einzelfall inzwischen Extremwerte angenommen haben dürfte. Um das zu erkennen muß ich es mir nicht antun einen unverständlichen (ich habe es versucht) FAZ-Artikel zu lesen. Und daß die Summe der Schulden und Vermögen gleich Null ist stimmt natürlich. Aber diese Binsenweisheit sagt nichts aus über den Bruttoverschuldungsgrad der ärmsten Hälfte.

      Das mag durchaus eine Folge der Tatsache sein, daß unser gegenwärtiges Geldsystem Fiatmoney ist. Aber – das habe ich dank MMT inzwischen gelernt – das ist keine unvermeidliche Konsequenz eines Fiatmoneysystems. Ganz im Gegenteil, ein Fiatmoneysystem ist ein bestens geeignetes Instrument um solche Vermögensungleichheiten effektiv und friedlich in einem gesunden Rahmen zu halten.

      Aber dazu mehr demnächst.

    • W. Schürer,

      ich wollte Sie – um Gottes Willen – nicht zur Lektüre dieses FAZ-Artikels verdonnern. 😉 Mir ging es nur um die Statistiken (Schaubilder) darin. Aber egal, ich denke, wir haben uns verstanden.

      Was die – mir bisher kaum geläufige – MMT angeht: Sicher ist das weit sinnvoller als die deutsche Austeritätspolitik, völlig klar. Trotzdem frage ich mich, wieso der Staat sich weiter am Markt verschulden sollte? (Daran ändert sich doch nichts, oder?) Dadurch wird die Umverteilung hin zu den Reichsten immer weiter gehen. Deutschland bezahlt zwar gerade sehr niedrige Zinsen, aber andere Euro-Staaten nicht. Und das muss ja auch nicht für alle Zeiten so bleiben.

      Wieso sollte es nicht möglich sein, die Zentralbank zu verpflichten, dem Staat zinslos Kredite zur Verfügung zu stellen, ohne Umweg über Privatbanken? Das hat ja auch Sarah Wagenknecht schon einmal gefordert, meine ich.

      Und nochmal: Zuerst müsste ein riesiger Schuldenschnitt bzw. Umverteilung her, und zwar nicht nur zwischen Staaten, sondern auch auf Ebene aller anderen Wirtschaftsakteure – also Unternehmen, Banken und Privatpersonen. Die Staatsverschuldung und -ausgabenpolitik ist ein wichtiges Thema, aber es gibt noch viele andere.

    • Benjamin,

      >> „Was die – mir bisher kaum geläufige – MMT angeht:“

      Bis vor zwei Monaten kannte ich auch nicht mehr als den Begriff. Ich hatte keine Ahnung was es damit auf sich hat. Erst ein Artikel auf Makroskop vom 20.3.18 (Martin Höpner: „Modern Monetary Theory: Einwände eines wohlwollenden Zweiflers“) brachte mich dazu, mich näher damit zu beschäftigen.

      >> „Sicher ist das weit sinnvoller als die deutsche Austeritätspolitik, völlig klar.“

      Da liegt ein kleines Mißverständnis vor. Die MMT ist keine Ideologie wie der Neoliberalismus, der dieser Austeritätspolitik zugrunde liegt und auf recht abstrusen, in freier Wildbahn kaum jemals gesichteten Phänomenen beruht (Homo Oeconomicus, jederzeit vollkommen informierte Marktteilnehmer etc.). Die MMT untersucht, wie tatsächlich unser heute weltweit etabliertes Geldsystem (Fiatmoney) funktioniert indem sie die grundlegenden Operationen dieses Systems detailliert beschreibt. Und ebenso deren Wirkungen auf die Gesamtwirtschaft ohne dabei komplizierte mathematische Modelle zu entwerfen sondern mit Logik, gesundem Menschenverstand und Empirie, also Beobachtung und Bewertung der tatsächlichen Vorgänge. In diesem Sinne sagt die MMT nicht grundsätzlich daß Austeritätspolitik schlecht sei. Aber sie entlarvt schonungslos, daß die in der aktuellen Situation zu ihrer Rechtfertigung vorgetragenen Begründungen reiner Humbug sind, der im eklatanten Widerspruch zu den tatsächlichen Wirkungszusammenhängen steht.

      Beim Lesen des Artikels von Herrn Höpner erschienen mir all die dort von ihm vorgebrachten Einwände mehr als plausibel. Es entstand aber in der Folge auf Makroskop eine lebhafte Debatte zum Thema, an der sich mehrere Autoren beteiligten. Aber erst die ausführliche Stellungnahme von Bill Mitchell – einem der geistigen Väter der MMT – zum Artikel von Herrn Höpner war ein echter Augenöffner. Dank dieser Erwiderung auf seinem Blog in drei Teilen („My response to a German critic of MMT“) kam ich zu dem Schluß, das die Einwände von Herrn Höpner nicht gerechtfertigt sind. Und irgendwie bereitet mir diese Einsicht immer noch eine gewisse Unbehaglichkeit. Denn die Einwände Herrn Höpners sind absolut auf der Linie von makroökonomischen Laien wie ich einer bin und die sich halt ihr diesbezügliches Wissen aus oft als widersprüchlich empfundenen Beiträgen in Mainstream und Onlinemedien zusammengeschustert haben.
      Bill Mitchell scheint wirklich ein außergewöhnlicher Zeitgenosse zu sein. Er war von den Initiatoren bei der Gründung von Makroskop auch angesprochen worden dort als Autor mitzuarbeiten. Er lehnte aber deswegen ab, weil es sich bei Makroskop um eine gebührenpflichtige Plattform handelt. Er steht auf dem Standpunkt, daß alle seine Erkenntnisse open source sind und jedermann gratis zur Verfügung stehen sollen. Chapeau! Er veröffentlicht aber gelegentlich Artikel bei Makroskop. Aber immer unter der Bedingung, daß diese Artikel dann gebührenfrei allgemein zugänglich sein müssen.

      In seiner Antwort zerlegt Bill Mitchell die Argumente von Herrn Höpner gnadenlos aber dank seines didaktischen Geschicks und argumentativer Stringenz in einer Art, daß ideologisch nicht fixierte Menschen es problemlos verstehen können, auch wenn sie MMT noch nicht kennen. Er entdeckt dabei an mehreren Stellen Argumentationen bei Herrn Höpner, die er als typische neoliberale Ideologie einordnet. Herr Höpner weist dies empört von sich und ich glaube auch wirklich nicht, daß es sich bei ihm um einen getarnten neoliberalen Maulwurf handelt. Beim ursprünglichen Lesen des Artikels von Herrn Höpner hatte ich großes Verständnis für seine Argumentation. Inzwischen ist mir klar, daß das daran liegt, daß auch ich bis zu einem gewissen Grad Opfer der ständigen und allgegenwärtigen Indoktrinierung mit neoliberalem Gedankengut bin, mit dem versucht wird die fehlgeleitete aktuelle Wirtschaftspolitik zu rechtfertigen.

      Ich bin noch weit davon entfernt in die Tiefen der MMT vorgedrungen zu sein. Aber dank der Lektüre von weiteren Artikeln aus Herrn Mitchells Blog verstehe ich jetzt die Funktionsweise von Fiatmoney besser. Der größte Gewinn aus dieser Lektüre ist für mich, daß Herr Mitchell diverse neoliberale Mythen als absolut falsch entlarvt, die inzwischen mehr oder weniger Allgemeingut bei makroökonomischen Laien und überraschender Weise auch bei professionellen Makroökonomen sind. Dabei ist das alles gar nicht so schwer zu verstehen. Und doch weist Herr Mitchell in diversen Kritiken zu Artikeln von so renommierten Ökonomen wie z.B. Herrn Krugman nach, daß dieser die Funktionsweise unseres aktuellen Geldsystems nicht verstanden hat. Das ist wirklich frappierend.
      Zurück zu ihrem letzen Beitrag.
      Auf die Fragen, die sie da stellen hätte ich bis vor kurzem auch nur mit einem ziemlich ratlosen Schulterzucken antworten können. Aber dank der (für mich) wichtigsten Erkenntnis über Fiatmoney, die ich dank MMT gewonnen habe, beantworten sich die meisten dieser Fragen ganz von selbst. Und diese wichtigste Erkenntnis ist, daß der Staat als souveräner Schöpfer seiner souveränen Währung in einem Fiatmoney-System zur Finanzierung seiner Ausgaben weder auf das Eintreiben von Steuern angewiesen ist, noch darauf sich bei wem auch immer zu verschulden. Das begründet Bill Mitchell Schritt für Schritt in absolut kohärenter, logisch nachvollziehbarer Weise. Und im Rückblick ist mir absolut unverständlich, warum ich nicht selbst auf diese einfache Wahrheit gekommen bin und warum diese einfache Wahrheit offenbar auch allgemein kaum erkannt und noch viel weniger in ihrer Tragweite verstanden wird. Obwohl ich mich schon lange über die Schwäbische-Hausfrauen-Haltung von Herrn Schäuble und Frau Merkel lustig mache war mir bisher trotzdem die simple Erkenntnis in ihrer ganzen Tragweite verwehrt, daß der Emittent einer Fiatwährung selbstverständlich keiner Einnahmen (Steuern) oder Kredite (Verschuldung) bedarf um seine Ausgaben zu tätigen. Das ist beschämend aber angesichts der allgegenwärtigen neoliberalen Indoktrination verständlich.

      Weit wichtiger aber noch als diese Erkenntnis ist die praktische Implikation, daß ein souveräner Staat mit Fiatmoney absolut unabhängig ist von privaten Finanzinvestoren. Im Gegenteil, die Abhängigkeit ist genau anders herum.
      Vermutlich sträubt sich bei ihnen alles dagegen für bare Münze zu nehmen, was sie da gerade lesen. Und ich sehe mich auch nicht imstande ihnen dieses auf den ersten Blick überraschende Abhängigkeitsverhältnis mit wenigen Worten plausibel zu erklären. Ich fürchte da müssen sie sich auch einige Artikel aus dem Blog von Herrn Mitchell antun. Die wichtigsten (so weit ich das mit dem bißchen was ich bisher gelesen habe beurteilen kann) sind die Artikel einer dreiteiligen Serie mit dem Titel „Deficit Spending 101“ (was wohl so viel wie „Das 1×1 staatlicher Defizite“ heißt.)
      Aber ich bitte sie, für einen Moment die von mir behauptete Erkenntnis und die daraus folgenden Abhängigkeitsverhältnisse als korrekt zu betrachten. Dann ergibt sich als Antwort auf die von ihnen gestellten Fragen folgendes:

      >> „Trotzdem frage ich mich, wieso der Staat sich weiter am Markt verschulden sollte?“
      Hierfür spricht in der Tat überhaupt nichts. Der Staat kann jederzeit schuldenfrei Geld schöpfen und in Umlauf bringen.
      >> „Dadurch wird die Umverteilung hin zu den Reichsten immer weiter gehen.“
      Das ist richtig. Deswegen sollte der Staat seine Fähigkeit schuldenfrei Geld in Umlauf zu bringen in der aktuellen Situation absolut vorrangig dafür verwenden für Vollbeschäftigung zu sorgen. Das sorgt für Umverteilung hin zur arbeitenden Bevölkerung.
      >> „Deutschland bezahlt zwar gerade sehr niedrige Zinsen, aber andere Euro-Staaten nicht. Und das muss ja auch nicht für alle Zeiten so bleiben.“
      Die Höhe der Zinssätze ist in einem Fiatmoneysystem nach Belieben durch die staatliche Geldpolitik (Zentralbank) steuerbar. Wer es nicht glaubt schaue nach Japan. Die sind mit 250% vom BIP noch viel höher verschuldet als Italien. Trotzdem seit Jahren Zinssatz von 0,0…% und keinerlei Inflation. Finanzinvestoren haben hierauf null Einfluß. OK, das werden sie nicht akzeptieren wollen. Aber ich hatte sie gebeten für den Moment zu akzeptieren, daß die Abhängigkeitsverhältnisse so sind wie die MMT sie beschreibt und nicht so, wie sie uns die Neoliberalen weiß machen wollen.

      >> „Wieso sollte es nicht möglich sein, die Zentralbank zu verpflichten, dem Staat zinslos Kredite zur Verfügung zu stellen, ohne Umweg über Privatbanken?
      Der Staat braucht als Schöpfer seines eigenen Fiatmoneys keine Kredite. Auch nicht von der Zentralbank. Wenn der Staat etwas einkauft, dann schreibt er einfach dem Verkäufer / Dienstleister die entsprechende Summe auf dessen Bankkonto gut. Aus dem Nichts. Wenn der Staat trotzdem häufig parallel zur Schöpfung des Geldes Staatsanleihen begibt so ist das ein zinsbewährtes Sparangebot an den Privatsektor und dient der Sterilisierung dieser Ersparnisse für einen gewissen Zeitraum um der Inflation durch die Schöpfung des neuen Geldes entgegen zu wirken. Die in Staatsanleihen angelegten Gelder konkurrieren dann nicht auf dem Gütermarkt mit dem parallel dazu neu in Umlauf gebrachten Fiatmoney des Staates. Ob es opportun ist gleichzeitig mit der Schöpfung neuen Geldes zinstragende Staatsanleihen (Schuldverschreibungen) zu emittieren hängt von der konjunkturellen Lage und damit den Gegebenheiten an der Inflations- / Deflationsfront ab. Selbstverständlich muß das laufend emittierte Geld auch irgendwann wieder eliminiert werden. Das ist der Hauptzweck der Steuern. Steuereinnahmen werden nicht etwa von Herrn Schäuble (resp. Scholz) in die Sparbüchse gesteckt für später. Wozu auch? Wer einen Geldesel hat braucht keine Sparbüchse. Das dürfte nicht schwer einzusehen sein, oder?

      >> „Zuerst müsste ein riesiger Schuldenschnitt bzw. Umverteilung her, und zwar nicht nur zwischen Staaten, sondern auch auf Ebene aller anderen Wirtschaftsakteure – also Unternehmen, Banken und Privatpersonen.
      Der aktuelle Zustand ist dem Umstand geschuldet, daß die Staaten nicht die Freiheiten genützt haben eine Politik zum Wohle der Allgemeinheit zu betreiben (z.B. Vollbeschäftigung herstellen), die ihnen ein Fiatmoneyregime eröffnet. Sie haben sich statt dessen (aus Dummheit oder aufgrund von Bestechlichkeit) der neoliberalen Doktrin gebeugt und sich durch unsinnige Selbstbeschränkung (z.B. Schwarze Null, Maastrichverträge etc.) in Umkehrung der systembedingten Abhängigkeit von privaten Investoren abhängig gemacht.
      Um diesem unsinnigen Treiben ein Ende zu machen ist das Gebot der Stunde: Aufklärung!
      Ob dann noch eine Geldreform vonnöten ist, ist eine andere Frage. Die Vollgeldinitiative berührt ja nicht die Fähigkeit des Staates Geld aus dem Nichts zu schöpfen. Sondern nur diejenige der Banken. Könnte insofern schon von Nutzen sein. Aus dem Gespräch zwischen Herrn Jebsen und Herr Pfluger kann man hierzu jedoch keinerlei Erkenntnisse gewinnen.

    • Nachtrag:
      Jetzt bin ich doch glatt in die allgemein verbreitete neoliberale Formulierungsfalle getreten:
      << „Wer es nicht glaubt schaue nach Japan. Die sind mit 250% vom BIP noch viel höher verschuldet als Italien.“
      Japan ist nicht mit 250% vom BIP verschuldet. Merke: „Schulden“ sind das große Schreckgespenst der Neoliberalen. Davor müssen wir uns fürchten und deswegen die Schwarze Null anbeten. Sondern das Defizit des japanischen Haushalts – das Ausmaß in dem die Ausgaben des Staates seine Einnahmen (Steuern) überschreiten – ist in der Größenordnung von 250% des japanischen BIP. Ein privater Haushalt, dessen jährliche Ausgaben 2,5 mal so hoch sind wie sein Jahresbudget, der kommt natürlich schnell in existentielle Problembereiche. Daß ein Defizit (also ein Mehr an Ausgaben als an Einnahmen) in beliebiger Höhe für den Besitzer eines Geldesels (oder Emittent einer souveränen Fiatwährung) hingegen kein Problem ist dürfte unmittelbar einsichtig sein. Ob ein solches Defizit angebracht ist oder doch lieber ein Einnahmeüberschuß (= Geldvernichtung durch Steuereintreibung) hängt von anderen makroökonomischen Überlegungen ab. Insbesondere von solchen zu Inflation bzw. Deflation und zum Außenwert der Währung (Tauschkurs gegen andere Währungen). Insbesondere sind diese makroökonomischen Überlegungen nicht davon abhängig wie hoch das vorherige (oder aktuelle) Budgetdefizit ist. Budgetdefizit ist identisch mit Gelderzeugung aus dem Nichts! Äußerst wichtig! Dringend merken! Daraus folgt, daß im Gegensatz zur neoliberalen Märchenstunde staatliche Budgetdefizite nicht inhärent die Tendenz haben die Zinssätze ansteigen zu lassen (das passiert bei Geldverknappung) sondern ganz im Gegenteil, denn Budgetdefizit heißt Geldvermehrung für den Privatsektor. Der Staat hat aus dem Nichts Geld geschöpft und beim Privatsektor eingekauft. Bei Arbeitslosigkeit am besten Arbeitskraft zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Die zukünftigen Generationen werden es uns danken, wenn hierdurch z.B. die Infrastruktur wieder in Stand gebracht werden. So ein Defizit kann nämlich vollkommen schuldenfrei entstehen. Nix von unverantwortlicher Verschuldung zulasten kommender Generationen wie uns der neoliberale Märchenonkel erzählen will. Ganz im Gegenteil wir hinterlassen den kommenden Generationen eine besser intakte Infrastruktur ohne Neuschulden indem durch vernünftige staatliche Geldpolitik das vorhandene, vom Privatsektor nicht genützte Angebot an Arbeitskräften mobilisiert wurde. Zinsfrei. Kostenlos. Nur durch die Ausgabe von Gutscheinen, die dann von den bezahlten Arbeitskräften für ihren Konsum genützt werden und so weiter per Binnennachfrage die Wirtschaft beleben. Und zum gegebenen Zeitpunkt, der es aus makroökonomischen Überlegungen als opportun erscheinen läßt wird dieses Geld eben wieder vernichtet durch die Eintreibung von Steuern oder zeitweise sterilisiert durch den Verkauf von Staatsanleihen.

    • W. Schürer,

      wir sind uns in den meisten Punkten einig und diskutieren m.E. nur über technische Details, global betrachtet.

      Ich finde die Vollgeldinitiative insgesamt gut. Allerdings gibt es so oder so noch zahlreiche sehr wichtige Punkte, die dringend angegangen werden müssten für eine lebenswertere Gesellschaft. Und natürlich ist es von zentraler Bedeutung, den Staat und staatliche Institutionen wie (dann) die Zentralbank wirklich zu demokratisieren. Es bringt ja nichts, eine möglicherweise perfekte Theorie (wie MMT) zu entwickeln, für deren Umsetzung man aber v.a. auf einen vernünftigen, sozialen Staat setzt – welcher eben weniger denn je existiert. Das ist übrigens auch immer ein wichtiger Kritikpunkt der Nachdenkseiten und sicher auch von Herrn Flassbeck am BGE, dass das unter den heutigen Bedingungen nichts Gutes werden kann. Da haben sie Recht. Aber wieso wird dann mit dieser Begründung eine m.E. – wenn man es richtig anstellt – gute Idee wie das BGE verdammt, und auf der anderen Seite einer Theorie wie der MMT „gehuldigt“, welche aktuell am selben Problem krankt.

      Summa summarum: Man kann das alles nennen wie man will und das für aussichtslos halten – aber wir kommen an revolutionären Änderungen an unserem gesamten Gesellschaftssystem nicht vorbei, möglichst noch vor oder eben nach dem großen Crash.

    • Benjamin,

      Um den Gedankenaustausch nicht ins Unendliche zu erweitern von mir für den Moment nur so viel zum BGE: die mir bekannten Konzepte taugen alle nichts und schon allein die Befürwortung von seiten der Neoliberalen sollte alle Alarmglocken schrillen lassen. Da soll wohl nur ein weiteres Lohndrückungsinstrument etabliert werden.

      Ansonsten sind wir uns vermutlich in den meisten Punkten einig. Sogar in diesem:
      >> „aber wir kommen an revolutionären Änderungen an unserem gesamten Gesellschaftssystem nicht vorbei“.

      Wobei man beim revoltieren die geschichtlich ein ums andere mal belegte Tatsache nicht aus den Augen verlieren sollte, daß die Revolution regelmäßig ihre Kinder gefressen hat.
      Deshalb ist meiner Meinung nach eine Revolution nur dann angebracht, wenn die existierenden Institutionen so düsfunktional sind, daß sie auf normalem Wege nicht mehr reformierbar sind. Und wenn Institutionen düsfunktional sind, dann sollte man bevor man sie schleift erst analysieren, ob die Konzepte nicht funktionieren auf denen sie basieren oder ob nur die Ausführenden inkompetent sind um die Institutionen so zu führen, daß sie dem Gemeinwohl dienen.
      Daß die Finanzelite respektive Finanzmärkte in ihre Schranken zu verweisen sind und daß die Banken reguliert werden müssen, darüber sind wir uns wohl einig. Vermutlich ist eine Vollgeldreform ein Schritt in die richtige Richtung um die Banken zu disziplinieren. Ich habe mich (noch) nicht so eingehend damit beschäftigt um beurteilen zu können welche Nebeneffekte diese Umstellung ansonsten hat und ob die evtl. sogar den erwartbaren Nutzen mehr als konterkarieren. Dazu habe ich noch keine schlüssige Analyse gefunden wie z.B. jetzt grade mehr oder minder durch Zufall mit der MMT zum Thema Fiatmoney. Aber vielleicht gibt es innerhalb der MMT ja auch Antworten auf diese Frage?

      Was MMT betrifft, so „huldige“ ich dieser nicht. Was so viel bedeuten würde, daß ich ihr die Treue schwöre möge da kommen was wolle. Ein kurzer Exkurs, was die MMT für mich für eine Bedeutung hat. Dazu eine Analogie. Betrachten wir das Wirtschaftsgeschehen als Schachspiel. Das zugrunde gelegte Geldsystem definiert die Regeln des Schachspiels. Diese sind relativ einfach und von jedermann erlernbar. Aber wenn man diese Regeln kennt weiß man noch gar nichts über die immensen Möglichkeiten des Spiels. Taktiken und Strategien erlernt man nur indem man selber fleißig spielt und indem man Lehrbücher studiert, in denen solche beschrieben sind. Jedes solche Lehrbuch wird im Einführungsteil auch die grundlegenden Spielregeln des Schachs noch einmal rekapitulieren.
      Die am Schachbrett sitzenden Gegenspieler sind die Finanzelite und die Allgemeinheit. Letztere vertreten durch ihre Regierung(en). Otto-Normalbürger ist mehr oder weniger kompetenter Zuschauer, der ein großes Interesse daran hat, daß die Allgemeinheit nicht verliert. Ich bin einer davon.
      Grade bin ich auf das Lehrbuch MMT gestoßen. Und schon beim Lesen des Einführungsteils wird mir klar, daß ich bisher noch nicht einmal die Basisregeln des Schachspiels richtig kannte. Die hat mir noch nie jemand richtig erklärt. Ich wußte zwar, daß die Regierungen dabei irgendwie aus dem Nichts Geld schöpfen können. Warum sie dann trotzdem immer bei der Finanzelite um Kredite nachfragen mußten hat mich zwar immer schon gewundert. Ich hatte darauf aber bisher nirgendwo eine befriedigende und einleuchtende Antwort gefunden. Schon allein das Lesen des Einführungsteils meines neuen Lehrbuchs MMT hat diese Wissenslücke endlich beseitigt. Mir war bisher noch nicht einmal klar, wie diese Basisregel „Regierung schafft Geld aus dem Nichts“ überhaupt in der Praxis funktioniert. Jetzt weiß ich es: die Regierung schreibt dieses neue Geld einfach demjenigen, der es erhalten soll auf seinem Bankkonto gut oder druckt neues Geld und gibt ihm die Scheine. Fertig! Nix mit Finanzelite um Kredite bitten und dieser dann die Zinsen zahlen, die sie dafür fordert. Die Frage ob und zu welchen Bedingungen bei wem ein Kredit aufgenommen wird oder nicht gehört nicht zu den Basisregeln des Systems sonder ist Bestandteil der Taktik- und Strategieüberlegungen mit denen das Spiel geführt wird.
      Denn eine andere Grundregel des Spiels war mir bisher auch noch nicht bewußt. Das habe ich auch erst im Einführungsteil zu MMT gelernt: die Zentralbank (als Bestandteil des Regierungsapparates) kann die Konditionen (Zinshöhe, Laufzeit), zu denen Staatsanleihen gehandelt werden beliebig festlegen. Sie muß nur als „Lender of last resort“ kundtun zu welchem Kurs sie die entsprechenden Staatsanleihen in beliebiger Menge auf dem Sekundärmarkt aufzukaufen bereit steht. Das darf sogar die EZB, obwohl ansonsten das Regelwerk des Euro darauf ausgelegt ist die demokratische Souveränität der Mitgliedsstaaten möglichst zu beschränken und möglichst viel Macht in die Hände nicht demokratisch gewählter Technokraten in Brüssel zu legen.

      Ein Musterbeispiel hierfür sind gerade die aktuellen Ereignisse in und um Italien. Dort hat das Volk die Schnauze davon voll immer wieder dieselben Vollidioten in die Regierung zu wählen, die konsequent gegen die Interessen ihres eigenen Volkes handeln und unter deren Regierungsverantwortung Italien in die Situation geraten ist, in der es sich heute befindet. Da diese bisherigen Regierungen Schoßhündchen der Euro-Technokratie waren und die neu gewählten scharfe Kritiker derselben muß natürlich alles mögliche getan werden um diese zu verunglimpfen (Populisten) und dem italienischen Volk klar zu machen, daß das Gerede vom Volkssouverän in der Eurozone nur leeres Gefaßel ist. Kein geringerer als Herr Oettinger, ein Politiker, den man wegen erwiesener Unfähigkeit in der deutschen Landespolitik zu höheren Weihen in die Eurobürokratie befördert hat (Petriprinzip) hat das Maul so voll genommen, daß er fast daran erstickt wäre und dem verblödeten italienischen Volk prophezeit, daß die (Finanz)märkte es lehren werde wo es lang geht.

      Und tatsächlich: die Renditen italienischer Staatsanleihen haben einen ordentlichen Sprung nach oben gemacht seit ruchbar wurde, daß dort jetzt bald Euroskeptiker das Sagen haben werden. Von ungefähr 0% auf 2,6%. Haben die Finanzmärkte also doch diese Macht, den Staaten die Zinsen für ihre Anleihen zu diktieren?

      Des Rätsels Lösung: nein! Die steigenden Renditen für italienische Staatsanleihen sind von der EZB so gewollt. Als Erpressung gegen die neu gewählte Regierung Italiens.

      Paul Steinhard schreibt in seinem heutigen Artikel auf Makroskop:
      „Mein Argument war, dass die EZB durch den Ankauf italienischer Staatsanleihen diesen Anstieg jederzeit hätte verhindern können. Die folgende Grafik aus der FT, die auf Daten der EZB beruht, zeigt nun aber, dass die EZB den Anstieg nicht nur in Kauf genommen, sondern ganz bewusst herbeigeführt hat. Sie haben ganz offensichtlich den Kauf italienischer Staatsanleihen ganz erheblich zurückgefahren, seit sich die Koalition der „Populisten“ anbahnte.
      Nahezu 18 % der Staatsanleihen werden von italienischen Banken gehalten, deren Bilanzen aufgrund der lang anhaltenden Rezession in Italien äußert schwach sind. Dass die Rendite sich erhöht, bedeutet nun aber, dass der Marktwert der italienischen Staatsanleihen gesunken ist. Damit aber haben die italienischen Banken einen Wertberichtigungsbedarf. Die EZB droht also der neuen italienischen Regierung, dass wenn sie den Sparkurs der Vorgängerregierungen nicht fortsetzt, mit dem Zusammenbruch ihres Bankensystems. Gleichzeitig wird politischer Druck bei italienischen Sparern aufgebaut, die in italienische Staatsanleihen investiert haben und deren Schutz Mattarella als Grund dafür anführte, Paolo Savano nicht als Wirtschaftsminister zu akzeptieren.“

      „Die EZB kauft die Anleihen am Sekundärmarkt und sie handelt damit wie jede andere Zentralbank auch, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zins in seinem Währungsraum zu steuern. Als gemeinsame Zentralbank aller EWU-Länder ist es aber ihre Aufgabe, dafür Sorge tragen, dass die Anleiherenditen aller „ihrer“ Länder nahe beieinanderliegen. Das war auch lange Zeit der Fall, wie die folgende Grafik belegt.
      Der Grund dafür war, wie ich schon oft dargelegt habe (z.B. hier), schlicht und einfach, dass die „Kapitalmärkte“ geglaubt hatten, dass es sich auch beim Euro um ein mit anderen Währungen entwickelter Volkswirtschaften vergleichbares System handelt. In einem solchen System aber ist es unmöglich, dass ein Staat seine Zahlungsverpflichtungen in seiner Währung nicht mehr nachkommen kann. Wenn aber eine Zentralbank als Lender of Last Resort fungiert, dann gibt es zwischen monetärer Staatsfinanzierung und der über den Kapitalmarkt materiell keinen Unterschied mehr.
      Der Glaube, dass es sich beim Euro um ein mit anderen erprobten Währungssystemen vergleichbare Institution handelt, wurde nachdrücklich erschüttert nachdem am Beispiel Griechenlands und Zyperns demonstriert wurde, dass es in Euroland durchaus möglich ist, mit dem Kauf von Staatsanleihen auch Geld zu verlieren. Klar gemacht wurde damit, dass die Länder der EWU sich in der Lage eines Entwicklungsland befinden, das sich überwiegend in Fremdwährung verschulden muss. Solche Länder sind tatsächlich auf Einnahmen angewiesen, um ihre Darlehen in Fremdwährung bedienen zu können und sie können wie jeder andere Kreditnehmer auch Pleite gehen.“
      Das Beispiel zeigt, daß wir systematisch belogen werden und daß ein Falschspieler in den eigenen Reihen sitzt (EZB), der gegen die Interessen der Allgemeinheit agiert. Nach der Erpressung der zyprischen und griechischen Regierungen also nun die italienische. Und das Dummvolk der anderen Länder dieser eigenartigen Gemeinschaft Eurozone applaudiert vermutlich auch noch diesem Falschspiel.
      Deswegen ist meines Erachtens der dringendste Bedarf an der Geldfront derjenige, die Bevölkerungen über die Grundregeln des Funktionierens unseres aktuellen Geldsystems aufzuklären damit sie Desinformationskampagnen und dem Demokratieabbau der neoliberalen Nebelwerfer und ihrer Komplizen in der Politik nicht mehr hilflos ausgeliefert sind.

    • Hier noch die Einleitung und der Schlußabsatz des zitierten Marksokop-Artikels „Der Euro – eine Kolonialmacht“:

      „Der Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen und die geplante Etablierung eines Europäischen Währungsfond sind ein Weckruf für alle Demokraten. Wer in kollektiver Selbstbestimmung leben möchte, muss möglichst rasch raus aus dem Käfig namens Euro.“

      „Die Überführung des Ad-hoc Konstrukts ESM in einen EWF ist ein unzweideutiges Signal, dass die EZB auf keinen Fall eine Zentralbank sein soll, die als Lender of Last Resort jederzeit die Zahlungsfähigkeit seiner Länder sicher stellt, geschweige denn, dass die demokratisch beschlossene Politik von ihr mit ihrem Geldschöpfungsprivileg unterstützt werden soll. Ganz im Gegenteil, so bekennt Kommissionspräsident Jean-Claude Junker, wird der EWF dem Stabilitätspakt „neue Zugriffsinstrumente geben“.
      Der Spiegel hat schon Recht, wenn er von einer „Zeit des Irrsinns“ spricht und beklagt, dass „ganze Nationen […] systematisch gegen ihre eigenen Interessen“ entscheiden. Er irrt lediglich beim Ort.
      Nicht in Italien herrscht der Irrsinn, sondern dort scheint mit den Populisten die Herrschaft der Vernunft eine echte Chance zu bekommen. Liest man den Koalitionsvertrag, dann gibt es die Hoffnung, dass in Italien Politiker angetreten sind, die den Irrsinn des Euro erkannt haben und bereit sind, sich mit dieser Kolonialmacht anzulegen und für die Selbstbestimmung der Italiener zu kämpfen.“

    • W. Schürer,

      wiederum stimme ich Ihnen in fast allen Punkten zu. Außer zu folgendem:

      „Deshalb ist meiner Meinung nach eine Revolution nur dann angebracht, wenn die existierenden Institutionen so düsfunktional sind, daß sie auf normalem Wege nicht mehr reformierbar sind. Und wenn Institutionen düsfunktional sind, dann sollte man bevor man sie schleift erst analysieren, ob die Konzepte nicht funktionieren auf denen sie basieren oder ob nur die Ausführenden inkompetent sind um die Institutionen so zu führen, daß sie dem Gemeinwohl dienen.“

      -> Aus meiner Sicht ist es völlig klar, dass die existierenden Institutionen nicht mehr reformierbar sind. Und v.a. – und dieser Punkt ist mir extrem wichtig – muss jedes System, jede Organisation so konzipiert werden, dass fehlgeleitetes Verhalten von einzelnen Funktionsträgern (aus welchen Gründen auch immer – Korruption, Schwachsinn, …) nur begrenzte Auswirkungen haben kann! Macht von einzelnen Institutionen oder gar Personen muss überall, immer und unbedingt stark begrenzt werden. Daran sind übrigens auch fast alle Revolutionen und Utopien der Vergangenheit wie z.B. der Kommunismus gescheitert. Es gab wieder eine enorme Machtkonzentration an der Spitze des zentralistischen Apparats. (Wenn sie nicht daran gescheitert sind, dann am extremen Druck von äußeren Kräften.)

    • Benjamin,
      >> „muss jedes System, jede Organisation so konzipiert werden, dass fehlgeleitetes Verhalten von einzelnen Funktionsträgern (aus welchen Gründen auch immer – Korruption, Schwachsinn, …) nur begrenzte Auswirkungen haben kann! Macht von einzelnen Institutionen oder gar Personen muss überall, immer und unbedingt stark begrenzt werden.“
      Da haben sie zweifelsohne recht. Transparenz und demokratische Kontrolle sind unabdingbar. Vollgeld kann dies nicht ersetzen. So viel ist mir durch ein wenig stöbern zum Thema Vollgeld im Archiv von Makroskop (respektive flassbeck-economics, die Vorläuferplattform von Makroskop) schon klar geworden.
      Zum Beleg hier zwei Zitate aus zwei dort gefundenen Artikeln.
      Die Einleitung aus diesem Artikel:
      https://makroskop.eu/2014/05/abo-artikel-unser-geldsystem-xiii-vollgeld-das-moderne-gold/
      „Hans Christoph Binswanger, den wir sehr schätzen, hat in dem Buch „Die Vollgeld-Reform“, herausgegeben von dem Verein Monetäre Modernisierung (Edition Zeitpunkt, 3. Auflage, 2012) den bemerkenswerten Satz geschrieben: „Grundsätzlich geht es darum, eine Zwischenlösung zwischen dem früheren Goldstandard zu finden, in dem die Geldschöpfung durch die Einlösbarkeit des Papiergeldes in Gold und damit durch die Menge des vorhandenen Goldes beschränkt war, und dem heutigen Währungssystem, in dem eine grenzenlose Schöpfung von Papier- und Buchgeld möglich ist, ohne dass sie von den Zentralbanken krisenfrei kontrolliert werden kann.“ (S. 30) Der Satz ist insofern bemerkenswert, als wir – wie in den ersten Teilen dieser Serie beschrieben – gerade einige Jahrzehnte des Versuchs hinter uns haben, die „grenzenlose Schöpfung von Papier- und Buchgeld“ durch die Zentralbanken zu verhindern. Dieser Versuch wird üblicherweise Monetarismus genannt. Wer ihn als gescheitert einstuft, wie das Binswanger in dem zitierten Satz indirekt tut (und wie wir das auf flassbeck-economics explizit schon so viele Male theoretisch erklärt und empirisch belegt haben), sollte eigentlich die Frage der Geldschöpfung in einer monetären Marktwirtschaft nicht genau wieder mit dem Monetarismus zu beantworten versuchen. Dieser Fehler aber unterläuft den Vollgeld-Befürwortern.“
      Und das Fazit aus diesem Artikel:
      https://makroskop.eu/2013/09/kredite-aus-dem-nichts-teil-ii-gefaehrliches-inflationspotenzial-oder-notwendiger-wachstumsmotor/
      „Um es kurz zu machen: Wer versteht, warum eine florierende Marktwirtschaft Kredite aus dem Nichts für Sachinvestitionen bis zu einem gewissen Grad braucht, der weiß auch, dass er diesen Teil des Geld- und Kreditwesens besonders streng regulieren muss, um Missbrauch zu verhindern – Missbrauch, der vor allem in der Vergabe solcher Kredite für Spekulationsgeschäfte, sprich: das internationale Finanzkasino besteht. Und derjenige weiß auch, dass tatsächliche Inflationsgefahren durch Überauslastung der Kapazitäten einer Volkswirtschaft allemal durch eine restriktive Geldpolitik effektiv bekämpft werden können. Inflationsgefahren durch rein spekulativ getriebene Preisblasen hingegen kann die Geldpolitik nicht gut Herr werden, ohne dabei die gesamte Realwirtschaft in die Rezession zu stoßen. Wer also den Wachstumsmotor ‚Kredit aus dem Nichts‘ erhalten will, muss den Killer des Kreditwesens ‚Spekulation‘ beseitigen.“
      Doppelt hält besser:
      >>> Wer also den Wachstumsmotor ‚Kredit aus dem Nichts‘ erhalten will, muss den Killer des Kreditwesens ‚Spekulation‘ beseitigen.

  9. Die Währung aller Währungen ist auch seit Nixons Bonanza-Ansprache immer noch gedeckt. Aber nicht mehr durch Gold, sondern durch pures Adrenalin. Militärische und polizeiliche Schlagkraft sorgen Innen wie Aussen für den nötigen Stresspegel. Richtig gesehen ist der Dollar seit Nixon endgültig zu einer mafiösen Schutzgeldwährung verkommen. Solange man sich loyal gegenüber der amerikanischen Geldmafia zeigt, für Wachstum wirbt und brav Schutz-Zinsen bezahlt und ganz gutgläubig ihres hauptsächlich zum eigenen Wohl privat gedrucktes Falschgeld für bare Münze nimmt, ist man auch weiterhin einigermaßen gelitten und geschützt. Wer aber den Dollarglauben verliert, kriegt einen auf den Deckel. Ketzer und Abtrünnige werden der Inquisition übergeben und enden in Erdlöchern, Folterkammern, am Galgen, in der Flugbahn einer Kugel, am öffentlichen Pranger, im Ozean, im Nirgendwo, auf der Straße, vielleicht zukünftig in einem FEMA-Camp oder in bewährter Weise mitten im Ground Zero einer dubiosen Katastrophe. – Naomi Klein weiß über die Stresshormondeckung des Dollars viele passende Geschichten zu erzählen in ihrem Buch die Schockstrategie.

  10. Ich fand das Gespräch auch schwach. Es wurde nicht allgemeinverständlich erklärt, worum es geht.

    Insgesamt gesehen finde ich die Vollgeld-Initiative absolut empfehlenswert, aber mir greift das viel zu kurz. Deswegen kann man davon auch nicht viele Leute überzeugen, aus meiner Sicht. Und man kann so einen Schritt nicht gehen ohne eine tiefgreifende Revolution des kompletten Gesellschafts- und Wirtschaftssystems.

    -> Was passiert denn mit den riesigen, angehäuften Vermögen und Schulden auf der anderen Seite? Ohne große Umverteilung bzw. Streichung von Schulden und wohl auch eine Währungsreform wird dieses Kernproblem doch nicht gelöst.

    -> Wenn es weiterhin – evtl. sogar höhere – Zinsen geben darf: Wie kann man dann entkommen aus dem Problem der exponentiell immer weiter wachsenden Vermögen und Schulden durch den Zinseszinseffekt? Dieses Thema wäre normalen Leuten aus meiner Sicht auch viel leichter zu erklären. So wie hier: youtube.com/watch?v=ihT6uOSl5s0

    Tut mir leid, aber ich glaube nicht daran, dass wir das alles noch rechtzeitig regeln können vor dem großen, kurz bevorstehenden Finanzcrash…

  11. Zunächst ein dickes Lob an die Foristen hier und heute! Die haben mir handfeste Infos vermittelt, nebst weiterführenden Quellen. Das drucke ich mir jetzt aus.

    Das Gespräch selbst war konfus wie selten eins hier; nichts wurde richtig erklärt. Und schließlich bin ich ja kein Anfänger, habe seit 2014 mich auch für das Geldsystem interessieren lassen, habe mehrere (viele!) der hier und anderswo empfohlenen Bücher darüber gelesen. Aber mit dem Gespräch ist mir nichts klarer geworden, weil immer nur im Großen und Ganzen und nie an konkreten Beispielen etwas gezeigt oder belegt wurde. Ich behaupte, das Gespräch ist schlecht vorbereitet worden.

  12. Was passiert eigentlich, wenn ein Staat bzgl. des Geldsystems einen Alleingang macht?

    Das ist ja nicht so etwas wie Kommunismus, wo alle gleich viel verdienen, sondern das Geldsystem ist anders.
    Obwohl es Länder mit anderen politischen Formen wie Sozialismus, Kommunismus, Kapitalismus, etc gibt, so ist bisher (bis aufs Pilotprojekt mit dem Wörgeler Freigeld) das Geldsystem immer gleich geblieben. Es gibt in allen Ländern dieser Erde Banken, die „Geld aus dem Nichts“ schaffen. Es gibt in allen Ländern Zinsen und Zinseszinsen (wobei die Moslems als Einzelpersonen selber weder Zinsen verlangen noch zahlen dürfen, weil es nicht Halal ist).
    Was passiert eigentlich, wenn ein Land sein Geldsystem ändert? Wie geht es der Bevölkerung? Wie steht das Land gegenüber anderen Ländern da? Ist nicht ein anderes Geldsystem automatisch zum Geldsystem der restlichen Welt inkompatibel?

    • @Vegan4Life
      Haisenko-Gespräch „erhellend und interessant“: Zustimmung!
      Buch „spannend zu lesen“: Zustimmung!
      „… könnte klappen“: Große Zweifel. Nicht weil ich Fehler sehe (wäre sowieso unfähig dazu), sondern weil die Gedanken im Buch zu gänzlich anders als das herkömmliche Denken sind, weswegen die Widerstände – solche die aus dem Bauch kommen – zu groß wären. Es ginge also ungefähr so: „Was so ein ehemaliger Pilot sich da ausgedacht hat, …“
      Und zu Sachargumenten gegen einen Fachfremden wäre man sich zu fein.

    • Hallo Herr Meyer,

      ja, da haben Sie Recht – ich meinte meine Aussage, dass das klappen könnte, eher in dem Sinne, dass es funktionieren könnte, sogar in einem staatlichen Alleingang – natürlich nicht in „dieser Welt“, da bin ich auch nicht mehr gutgläubig genug, das anzunehmen.

      Ähnlich positiv würde ich auch den Plan B der Wissensmanufaktur sehen, auch wenn diesem – meines Wissens – die Möglichkeit der Umsetzbarkeit im Alleingang fehlt, was es nochmals komplizierter macht.

      Es sind beides Modelle, die ich mir vorstellen kann, logisch und nachvollziehbar. Dass diesen leider Interessen entgegenstehen, die dies auf jeden Fall zu verhindern suchen werden, ist mir bewusst.

      Viele Grüße
      Heike

  13. An dieser Stelle nochmals der Hinweis auf die Zeitgeist-Trilogie. Eine Dokumentarfilm-Trilogie, die durch die Erläuterung der Machtbasis des Geldadels, ein echter Augenöffner ist:

    Zeitgeist – Der Film der DEIN LEBEN verändert? – Doku Teil 1
    Am 23.03.2015 veröffentlicht

    Zeitgeist ist ein von Peter Joseph produzierter Film, der mit den Mitteln eines Dokumentarfilms u.a. eine Reihe von Verschwörungstheorien rund um das Christentum, die Anschläge vom 11. September 2001 sowie die Verbindung zwischen Hochfinanz und Kriegswirtschaft aufgreift.[1]
    https://www.youtube.com/watch?v=TmuYrvKq1L0

    Zeitgeist 2 – Der Film der DEIN LEBEN verändert? – Doku Teil 2
    Am 23.03.2015 veröffentlicht

    Der Kern aller Probleme in unserer Welt ist das Geldsystem, welches einen unendlichen Schuldensog erzeugt und uns zwingt alle Entscheidungen und Handlungen in unserem Leben nach finanziellem Profit auszurichten. Dadurch verschwenden wir (bewusst und unbewusst) einen großen Teil unserer Energie mit selbstsüchtigem, korruptem Verhalten, anstatt in Freiheit die gemeinsame Entfaltung der Menschheit im Einklang mit der Natur genießen zu können.
    https://www.youtube.com/watch?v=MMGvXs91-9Y

    ZEITGEIST MOVING FORWARD – Full Movie – Deutsche Originalversion
    Am 27.03.2012 veröffentlicht

    ZUSAMMENFASSUNG:
    Bei dem Film handelt sich um eine Dokumentation in Spielfilmlänge, welche Gründe dafür präsentiert, warum eine Abkehr vom momentanen sozio-ökonomischen geldbasierten System, welches die ganze Welt beherrscht, nötig ist. Der Inhalt geht über die Fragen von Kulturrelativismus und traditionellen Ideologien hinaus und begibt sich zu den Kernattributen, den empirischen Grundlagen für das Überleben der Gesellschaft und des Menschen, um von den unveränderlichen Naturgesetzen ein neues gesellschaftliches Paradigma abzuleiten: eine „Ressourcenbasierte Wirtschaft“.
    https://www.youtube.com/watch?v=_nWFZwOZtiM

    Dann noch der Hinweis auf Herrn Scheidlers Artikel, der Staat als Eigentum des Geldadels:

    Die Illusion der freien Märkte
    Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“
    19 Dez 2017
    von Fabian Scheidler

    Es gehörte schon immer zu den schmutzigen Geheimnissen des Kapitalismus, dass er mit freien Märkten sehr wenig zu tun hat und von Anfang an untrennbar mit staatlichen Herrschaftsstrukturen verflochten war. Die frühneuzeitlichen Staaten gewährten Händlern und Bankiers wie den Fuggern Monopolrechte als Gegenleistungen für Kredite, mit denen die Landesherren Söldner und Rüstungsgüter bezahlten. Nur durch diese Kredite konnten die sich neu formierenden Territorialstaaten ihre Macht aufbauen. Und nur durch die Monopole konnten die Händler und Bankiers die enorme Konzentration von Kapital in ihren Händen erreichen, ohne die der Kapitalismus undenkbar wäre. Die ersten Aktiengesellschaften des 17. Jahrhunderts waren Schöpfungen von Staaten und wurden von ihnen mit Charterbriefen, Monopolrechten und sogar militärischen Mitteln ausgestattet. Bis heute sichern Staaten für private Unternehmen weltweit Handelswege und setzen Eigentumsrechte durch – oft gegen den massiven Widerstand lokaler Bevölkerungen, wenn es etwa darum geht, neue Kupferminen oder Tagebaue zu erschließen, Pipelines zu bauen oder Kleinbauern für Palmölplantagen zu vertreiben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich darüber hinaus einige weitere Methoden entwickelt, mit denen Staaten die Maschinerie der endlosen Geldverwertung in Gang halten. Drei Strategien sind dabei von besonderer Bedeutung: Subventionen, leistungslose Einkommen aus Eigentumsrechten und Aneignung durch Schulden. Diese Dreifaltigkeit der Tributökonomie wird immer wichtiger, je instabiler die Weltwirtschaft wird. Denn sie beschert dauerhafte Geldflüsse auch dann, wenn sich am Markt kaum noch Profite durch den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen erzielen lassen.

    Konzerne am Tropf

    In fast allen Staaten der Erde existiert ein komplexes Subventionsdickicht, durch das private Konzerne mit Steuergeldern kontinuierlich gefördert werden. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Subventionsnetz zu einer Art Herz-Lungen-Maschine für den dahinsiechenden Kapitalismus geworden. Ein Großteil der 500 größten Konzerne der Erde würde ohne die massive Unterstützung durch Steuergelder längst bankrott sein.
    (…)
    Rente statt Profit

    Das Subventionswesen für Konzerne, für ihre Shareholder und Manager, ist Teil einer größeren Struktur, die man bisweilen als »Sozialismus für Reiche« oder »Neofeudalismus« bezeichnet hat. Den oberen Schichten ist es gelungen, sich ein »bedingungsloses Maximaleinkommen« zu sichern, das von ihren Leistungen und Verfehlungen weitgehend entkoppelt ist. Nicht Markterfolge erhalten und vermehren die großen Vermögen und Einkommen, sondern Strategien der Privilegiensicherung, insbesondere durch Einflussnahme auf den Staat. Die staatliche Gabenökonomie für Superreiche verbindet sich mit dynastischen Strukturen, in denen Macht und Reichtum wie einst beim Adel durch die Geburt vererbt werden.
    (…)
    Die künstliche Verknappung immaterieller Güter

    Das Tributsystem erstreckt sich auch auf immaterielle »geistige Güter« wie etwa wissenschaftliche Entdeckungen, technische Erfindungen, kulturelle Leistungen, Software, Markennamen und sogar die genetischen Codes von Lebewesen. »Geistige Eigentumsrechte«, die eine exklusive Verfügung über solche Güter garantieren, sind bei näherer Betrachtung ein sehr seltsames juristisches Konstrukt. Sie verknappen künstlich, was eigentlich im Überfluss da ist und durch intensivere Nutzung nicht weniger wird, sondern mehr. Wenn jemand etwa einen Softwarecode nutzt, wird er einem anderen nicht weggenommen, sondern vervielfältigt sich. Die Kosten dafür gehen gegen Null. Natürlich müssen Programmierer von etwas leben; aber Patentgebühren fließen in den seltensten Fällen in die Hände der tatsächlichen Urheber, so wenig wie Mieten in die Hände der Bauarbeiter fließen, die die Häuser einst erbauten. Stattdessen sind sie vor allem eine Methode von Kapitalbesitzern, um in einem Wirtschaftssystem, in dem es immer schwieriger wird, durch Produktion Profite zu machen, dauerhaft leistungslose Einkommen zu generieren.
    http://www.free21.org/die-illusion-der-freien-maerkte/

    All die Herrschaftsattrappen (Parlamente), Konzernmedien und diverse alternative U-Boote, geben sich redlich Mühe von diesen Hintergründen abzulenken. Scheingefechte, Belanglosigkeiten, inklusive Dauerbespaßung sind an der Tagesordnung, um auch die spärliche Freizeit, die der Hamster angekettet an’s Rad verbringt, aufzuzehren.

  14. zu diesem Unsinn lass ich mal jemand anderen sprechen!!!!!!

    Vollgeld-Initianten auf dem Nebengleis

    Von Werner Vontobel quelle: makroskop

    Die Vollgeld-Initiative ist eine komplexe Materie, die wohl die allermeisten Stimmbürger überfordert. Deshalb versuchen es die Initianten mit Banken-Bashing und der steilen These, das geltende Kreditsystem sei verfassungswidrig.

    Das Stimmvolk muss dieses Jahr entscheiden, ob die Schweiz als erstes Land ein Vollgeld-System einführen soll. Praktisch heißt das, dass alle Spareinlagen und Girokonten der Banken von der Nationalbank garantiert bzw. übernommen werden. Ein solches System wird unter Geldtheoretikern immer wieder mal diskutiert. Dem normalen Stimmbürger sind deren Feinheiten aber kaum zu vermitteln.

    Deshalb versuchen die Initianten, die Diskussion auf eine andere Ebene zu verschieben. Sie diffamieren das gewohnte Kreditsystem als verfassungswidrige „private Geldschöpfung“ oder als „Geldschöpfungprivileg der Privatbanken“. Das Volk sei systematisch hinters Licht geführt worden.

    Auf der Homepage der Initianten heißt es dazu:

    „Die Vollgeld-Initiative will genau das, wovon viele denken, dass es schon so ist, nämlich: Allein die Nationalbank stellt künftig unser Geld her, auch das elektronische Geld. Das entspricht der ursprünglichen Intention der Bundesverfassung (ab 1891 Art. 36, heute Art. 99: ‚Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes‘).“

    Und weiter:

    „Die meisten Leute glauben, die Guthaben auf einem Bankkonto seien echtes Geld. Ein Trugschluss! Ein Konto ist bloss eine Forderung des Kunden an die Bank, ihm Bargeld auszuzahlen, selbst aber nicht echtes Geld.“

    Das ist zumindest stark übertrieben. Selbstverständlich wissen die „meisten Leute“, dass sie ihre Spargelder nicht direkt der Nationalbank anvertrauen. Die würde sie für ihren Spareifer nämlich mit einem Minuszins von 0,75 % bestrafen. Deshalb gehen sie lieber zu ihrer Kantonalbank oder zur UBS, weil sie dort einen (wenn auch geringen) Zins kassieren.

    Vermutlich haben die meisten auch schon mal etwas von einer Einlagesicherung gehört und davon, dass Bankpleiten zumindest theoretisch möglich sind. Kurz, die meisten Leute wissen, wie das Kreditgeschäft der Banken seit jeher funktioniert.

    Das, was die Initianten als „private Geldschöpfung aus dem Nichts“ darstellen, ist nichts anderes als die schon immer übliche Art und Weise der Banken, ihr Kreditgeschäft zu betreiben: Das Unternehmen X will eine neue Fabrikanlage bauen. Die Bank prüft das Gesuch, legt die Kredithöhe fest, lässt sich eine Hypothek ins Grundbuch schreiben und schreibt der Firma X einen Kredit von 1 Million Franken auf einem Girokonto gut. Damit bezahlt die Firma X nach und nach die Rechnungen der Baufirma und der Lieferanten.

    Was der Laie vielleicht nicht weiß, ist, dass die Kontokorrent-Guthaben bei den Banken (das Giralgeld) in den offiziellen Statistiken als Teil der Geldmenge mitgezählt werden. Daraus konstruieren die Initianten einen Widerspruch zu Art. 99 der Bundesverfassung und insbesondere zur ursprünglichen Formulierung:

    „Das Recht zur Ausgabe von Banknoten und andern gleichartigen Geldzeichen steht ausschließlich dem Bunde zu.“

    Das kann man zur Not so sehen. Aber die Initianten gehen noch einen Schritt weiter. Sie tun so, als hätten uns der Bundesrat und die Nationalbank jahrzehntelang über diesen Widerspruch im Unklaren gelassen. Mit der Annahme der Initiative könne man diesen Missstand jetzt – da uns die Initianten reinen Wein eingeschenkt haben – endlich beenden.

    Ein besonders eifriger Verfechter dieser These ist der Journalist und Geldtheoretiker Christoph Pfluger. Er hat auf Seite 19 in einer 16 Jahre alten Broschüre der Nationalbank diesen Satz gefunden:

    „Die Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben.“

    Dies ist für ihn ein Beleg dafür, dass die SNB selbst in einem schwachen Moment den Tatbestand private Geldschöpfung zugegeben habe. „Banken schaffen neues Geld, indem sie Kredite vergeben.“ Hört, hört, genau unsere These. Später habe die Nationalbank die „verräterische Broschüre“ eingestampft und den Text auf der Homepage gelöscht (siehe hier).

    Auf der Homepage der Initianten wird immer wieder die Frage gestellt und beantwortet, die den Stimmbürgen angeblich unter den Nägeln brennt: “Ist die Geldschöpfung der Banken wissenschaftlich nachgewiesen?“ Antwort: „Ja selbstverständlich.“ Als Kronzeuge wird etwa die Deutsche Bank zitiert: „Tatsächlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zusätzliches Buchgeld geschaffen.“ Und die „weltgrößte Rating Agentur Standards & Poors“ habe für eine ihrer Veröffentlichungen folgenden provokativen Titel gewählt: „Sprecht mir nach: Banken verleihen nicht ihre Einlagen – sie können das nicht und tun das nicht.“

    Ja klar. So ist es, so war es schon immer, niemand hat es uns verheimlicht, und die meisten Stimmbürger sind bis zur Vollgeld-Initiative auf gar nie auf die Idee gekommen, dass man das Kreditwesen auch anders organisieren könnte.

    Die wirklich wichtige Frage ist, ob man das auch tun sollte? Die Initianten haben darauf seltsame Antworten: So soll man es etwa deshalb tun, damit die „KMU und die Privatpersonen endlich die gleich langen Spiesse haben wie die Banken“. Während diese nämlich ganz legal mit Geld arbeiten könnten, das sie selber erschaffen, müssen „die sich die übrigen Unternehmen die Mittel für Investitionen zuerst selber erarbeiten oder zinspflichtig ausleihen“. Diese „ungeheure Wettbewerbsverzerrung“ sei den übrigen Marktteilnehmern gar nicht bewusst.

    Da verwechselt offenbar jemand die Vermittlung von Krediten für dritte mit der Beschaffung von Eigenkapital. Abgesehen davon, dass gewerblich KMU Kunden, aber nicht Konkurrenten der Banken sind.

    Die Initianten halten sich offenbar an die Devise der guten alten schwäbischen Hausfrau, wonach man Geld erst verdienen, bzw. sparen muss, bevor man es ausgeben oder investieren kann. Doch volkswirtschaftlich trifft genau das Gegenteil zu: Nur was investiert ist, wird auch gespart. So lange Ersparnisse nicht profitabel investiert werden, sind sie volkwirtschaftlich nicht nur sinnlos, sondern schädlich. Wird viel gespart und wenig investiert, sinkt nicht nur das BIP, sondern auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse. Anders gesagt: Am Ende des Jahres hat die Volkwirtschaft das gespart, was real investiert worden ist, nicht das, was die Sparer auf die hohe Kante gelegt haben.

    Und es ist deshalb volkswirtschaftlich sinnvoll, dass die Banken die Kreditgewährung nicht von den Spargeldern abhängig machen, sondern davon, ob eine geplante Investition profitabel und der Gläubiger entsprechend kreditwürdig erscheint.

    Pfluger missbilligt das. In seinem Text beklagt er sich darüber, dass das jetzige System den „Kreditwürdigen“ nütze. Ja natürlich, was denn sonst? Pfluger schlägt vor, die Kreditvergabe solle sich „gleichmäßig über die Volkswirtschaft verteilen“. Er meint damit vermutlich den Passus, wonach die Nationalbank dem Staat gratis Geld abgeben darf. Das könnte sinnvoll sein, hat aber mit den Bankkrediten nichts zu tun.

    Allerdings gibt es da ein Problem, das nicht nur den Vollgeld-Fans sauer aufstößt: Weil die Einkommen zunehmend einseitig verteilt werden, wird (mangels Massenkonsum) zu wenig konsumiert und (von den Reichen) zu viel gespart. Wegen der fehlenden Konsumnachfrage braucht es deshalb immer weniger (echte) Investitionen, weshalb die Reichen ihr Geld nicht investieren, sondern damit Immobilien und Wertschriften kaufen und deren Preise nach oben treiben. An diesem Vorgang beteiligen und bereichern sich auch die Banken. Daran stören sich die Verfechter der Vollgeld-Initiative völlig zu recht.

    Die meisten Anhänger der Initiative verfolgen einen doppelten Zweck: Sie wollen die Macht der Banken brechen und gleichzeitig die Verschuldung eindämmen und dadurch die Umwelt schützen:

    „Wir brauchen nicht noch mehr Investitionen, noch mehr Autobahnen, noch mehr Gadgets, noch mehr Umweltzerstörung, noch kurzlebigere Produkte, Trends etc.“

    In dem die Initiative der Nationalbank die Kontrolle über die Kreditvergabe der Banken gibt, könnte sie eventuell mithelfen, dieses Problem zu lösen oder wenigstens zu entschärfen. Der früheste mögliche Termin ist der 3. Juni, wahrscheinlich wird aber erst im September abgestimmt. Die Initianten haben also noch ein wenig Zeit, ihre juristische Argumentationsschiene zu verschrotten.

    Stattdessen sollten sie uns davon überzeugen, dass ihr Vollgeld-System auch volkswirtschaftlich taugt und konkrete Probleme löst. Bisher haben sie in dieser Hinsicht zu wenig geliefert.

    • @ Keeneahnung Zitat “ Sie tun so, als hätten uns der Bundesrat und die Nationalbank jahrzehntelang über diesen Widerspruch im Unklaren gelassen.“
      Fakt ist aber doch, dass selbst in der Ausbildung der Volks- und Wirtschaftswissenschaften bis vor nicht allzulanger Zeit nie davon die Rede war, dass Kredite Fiatgeld sind.
      Zitat „Wird viel gespart und wenig investiert, sinkt nicht nur das BIP, sondern auch die volkswirtschaftlichen Ersparnisse.“
      Das ist blanker Unsinn. Das BIP ist durch Produktion von Waren und Dienstleistungen definiert, die Ersparnisse sinken nicht nominell, sondern durch Inflation, und diese entsteht dadurch, dass mehr Geld in den Umlauf kommt, als an materiellem Gegenwert vorhanden ist.
      Zit.: “ So lange Ersparnisse nicht profitabel investiert werden, sind sie volkwirtschaftlich nicht nur sinnlos, sondern schädlich.“
      Das ist zwar richtig, aber es ist falsch, daraus auch die Umkehrung zu schließen, denn es wird auch schon heute viel Geld in volkswirtschaftlich schädliche Projekte/Systeme investiert, Hauptsache die Rendite stimmt.
      Zitat „Und es ist deshalb volkswirtschaftlich sinnvoll, dass die Banken die Kreditgewährung nicht von den Spargeldern abhängig machen, sondern davon, ob eine geplante Investition profitabel und der Gläubiger entsprechend kreditwürdig erscheint.“
      Das Kriterium „profitabel“ alleine sollte nicht geeignet als Beurteilungsmaßstab für Kreditwürdigkeit sein, denn es gibt viel zu viele profitable Investitionen, die sowohl volkswirtschaftlich als auch sozial und ökologisch immense Schäden anrichten, oft mit viel höherer Rendite als bei sinnvollen/nützlichen Investitionen. Das ist mit eine Ursache für die Aufblähung der Fiatgeldmenge, die inzwischen ein Zigfaches der tatsächlichen realen Werte beträgt. Wir (arme Schlucker) können nur hoffen, dass dieses Geld nicht in größerer Menge in die Realwirtschaft fließt, denn es würde eine Hyperinflation auslösen mit den (in Deutschland) bekannten Folgen.

    • Noch mal Zitat „Was der Laie vielleicht nicht weiß, ist, dass die Kontokorrent-Guthaben bei den Banken (das Giralgeld) in den offiziellen Statistiken als Teil der Geldmenge mitgezählt werden.“
      Im Gegenteil, das denken alle, solange sie nicht wissen, dass es das Fiatgeldsystem gibt und davon ausgehen, dass Kredite mit ihren Guthaben finanziert werden.

    • „Das BIP ist durch Produktion von Waren und Dienstleistungen definiert, die Ersparnisse sinken nicht nominell, sondern durch Inflation, und diese entsteht dadurch, dass mehr Geld in den Umlauf kommt, als an materiellem Gegenwert vorhanden ist.“
      Die EZB versucht ja seit Jahren Inflation zu erzeugen und „druckt mehr Geld“.
      Der Erfolg ist doch sehr marginal.
      Das Geld wird nicht investiert, sondern geht in Aktien und Hedgefonds.
      Wenn keiner investiert, entstehen keine Waren und Dienstleistungen.
      Wenn keine Waren und Dienstleistungen erzeugt werden, gibt es auch keine Zinsen und deshalb ist die Inflation höher als der Zinssatz.

    • „Im Gegenteil, das denken alle, solange sie nicht wissen, dass es das Fiatgeldsystem gibt und davon ausgehen, dass Kredite mit ihren Guthaben finanziert werden.“
      Ich weis sehr wohl, dass es Fiatgeld gibt.
      Wenn ich einen Kredit z.B. für ein Haus aufnehme, habe ich nicht genug Guthaben. Sonst bräuchte ich keinen Kredit nehmen.
      Finanziert wird der Kredit von meinem Arbeitslohn. Die Kreditsumme wird mit meinen Zahlungen getilgt und ich bezahle natürlich die vereinbarten Zinsen. Die Kreditsumme wird im Laufe der Zeit gestrichen.
      Zinsen bekommt die Bank.

      Wenn ich Tilgung und Zinsen aus meinem Einkommen (+Lebensunterhalt) bezahlen kann. Wo ist das Problem?
      Gefährlich wird es wenn ich meine Arbeit verliere und (oder) der Puffer für den Lebensunterhalt zu klein ist.

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