nachdenKEN über: CIA-Folterbericht und Konsequenzen

“Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht”

Das Jahr 2014 neigt sich dem Ende entgegen und beschenkt uns mit einer „Überraschung“, die dem einen oder anderen Demokraten und Fans der Menschenrechte die Gesamtbilanz verhageln könnte. Die CIA haben offen zugegeben, zumindest bis 2009 gefoltert zu haben.

Der von dem Senat aktuell veröffentlichte Folterbericht zeigt bei weitem nicht das ganze Ausmaß vom Verfall der „ältesten Demokratie“, aber vor allem seine Reaktion auf ihn, auch bei uns in Deutschland, ist das eigentliche Problem. Statt eines lang anhaltenden medialen Aufschreis, statt einer breiten Diskussion in der Gesellschaft, sind wir schon wenige Tage, nachdem man uns die CIA-Machenschaften verkauft hatte, wieder zur Tagesordnung übergegangen.

Warum ist das so? Warum fällt es unseren intellektuellen Einrichtungen, der Presse, den Juristen, den linken Denkern in diesem Land, den Geistlichen so schwer, sich der Realität zu stellen? Warum ducken wir uns weg? Fast alle, kollektiv.

Mich persönlich hat weniger das Zugeben der CIA – „Ja wir haben zwischen 2001 und 2009 systematisch gefoltert“ – erbost, sondern mehr die ausbleibende Reaktion auf dieses barbarische Tun im Nachhinein bei jedem einzelnen von uns. Der Zivilgesellschaft.

Der Rechtsstaat, der sich auf ethisch und moralisch unveräußerliche Menschenrechte beruft, kann nur so gut sein wie die Menschen, die ihn repräsentieren. Also wir alle. Aber ganz vorne stehen sollten Menschen, die in Berufen arbeiten, deren selbst erklärte Aufgabe es ist, den Rechtsstaat zu schützen. Ich persönlich kann nicht im Ansatz erkennen, dass von diesen Berufsgruppen das ausgeht, was man einen moralischen Impuls nennen könnte.

Im Gegenteil, hier muss ich ein nahezu vollständiges Versagen ausmachen. Im Zentrum dieses Versagens steht nicht fehlende Erkenntnis. Im Zentrum steht Feigheit. Das macht mich persönlich extrem zornig, denn ich muss erkennen, dass vor allem die Presse einen enormen Elan entwickelt hat, auf Menschen einzuschlagen, die sich 2014 mit ihrem Gesicht auf der Straße für den Frieden eingesetzt haben. Die selbe Presse aber ist, wenn es darauf ankommt, sich den eigenen Werten und ihrem Verrat zu stellen, unsichtbar.

Auch dieses Land ist von einem Kippen in die Barbarei nur einen Fußbreit entfernt, denn niemand scheint mehr zuständig zu sein, die Wahrheit offen, den Ist-Zustand in seiner vollen Härte auszusprechen.

Als Gesicht von KenFM habe ich mich daher zum Ende des Jahres entschlossen, dies ohne wenn und aber zu tun. Das folgende Statement ist weniger ein Appell an die User, denn mehr eine Zustandsbeschreibung des Status quo, den ich an mich selber gerichtet verstanden wissen möchte.

Natürlich wird es wieder Menschen geben, die diese Botschaft nicht erkennen wollen, die all ihre Energie wieder darauf verwenden werden, den Überbringer der Botschaft unter Feuerbeschuss zu nehmen, weil ihnen die Botschaft selbst nicht passt.

Diesen Gestalten sage ich zum Ende des Videos, was ich an Ihrer Stelle tun würde.

Allen anderen, die bereit sind, sich mit dem Gesagten tatsächlich und aufrichtig zu beschäftigen, möchte ich nur eines auf den Weg geben: Du sollst dich nicht wegducken. Gehe aufrecht in ein Jahr 2015 und engagiere dich für eine Gesellschaft, die ihre dunkle Seite nicht leugnet sondern als ständige Gefahr für die Demokratie erkennt.

Vor allem aber wünsche ich mir eine Analysiere der DNA des Systems, in dem wir uns alle befinden, und das uns alle mehr oder weniger zu Opfern macht, indem es in unserem Namen barbarische Taten organisiert.

Lass dich nicht weiter zum Mittäter machen.

Versuche, ein Mensch zu werden.