Co-Parenting: Wer spricht für die Kinder?

Von Rüdiger Lenz, Nichtkampf-Prinzip.

“Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.“ Kurt Tucholsky

Vater, Mutter, Kind, Familie?
Beginnen wir mit einem Beispiel: Eine Frau und ein Mann sind befreundet. Das müssen beide jedoch nicht sein. Aber nehmen wir mal an, beide kennen sich. Sie sind aber nicht aneinander so interessiert, dass sich beide ineinander auch verlieben wollen. Verlieben, das ist nicht die Voraussetzung für das, was sie einen soll. Es ist der gemeinsame Kinderwunsch. Beide wollen ein Kind umsorgen und manchmal auch zu dritt Familie leben (spielen wäre vermutlich genauer ausgedrückt). Aber nur sporadisch, nicht dauerhaft. Sie gehen nun zu einem Verein, der heißt Kinderglück ohne Kindersorgen und mieten dort quasi für drei Stunden ein Kind ihrer Wahl. Spielen mit ihm, umsorgen es und bringen es dann wieder zurück. Zu wem? Zu den anderen Eltern, die sich das Elternsein mit, sagen wir, sechs Elternteilen aufteilen; vier Frauen, zwei Männer und vier Kinder – keines der Kinder ist von den Erwachsenen selbst gezeugt worden, aber insgesamt sind sie eine Familie.

Kommen Sie noch mit oder denken Sie „Was soll denn dieses blöde Gedankenexperiment!“ Es wird noch kruder. Warten Sie ab. Aber stehen Sie nicht. Bitte setzen Sie sich hin.

Denken wir weiter: Sie wollen ganz alleine bleiben und treten als Samenspender für eine Frau auf, die Mutter werden will, aber keinen Vater für das Kind braucht. Ab und an kommen sie nach der Geburt des Kindes als Freund der Familie (diesmal drei Frauen als Eltern) zu Besuch und das Kind wird nie erfahren, dass Sie der Vater sind. Abgemacht ist schließlich abgemacht. Andere Männer und Frauen kommen ebenfalls zu Besuch oder als aktiver und oder passiver Elternteil vorbei und umsorgen das Kind. Der Variationen sind bei Co-Parenting keine Schranken gesetzt.

Familie, so ruft es aus den USA, ist individualisierbar. Eigentlich sein genaues Gegenteil. Aber da noch niemand einen wirklichen Begriff für dieses seltsame Begehren „toleranter Elterndarsteller mit Extremindividualisierungsanspruch“ gefunden hat, framed man diesen Irrsinn positiv als Familie der Zukunft und alle Skeptiker wie gehabt, werden als irgendwie rechtslastig eingenordet.

So manche Linksgruppierung und große Teile der Olivgrünen haben darin schließlich Übung und eine Menge Erfahrung, wie man mit dem Schreckvolk der Deutschen ins Vernehmen und Benehmen geht: „Wer nicht für uns ist, ist Nazi, basta!“

Sie denken ich scherze!? Lesen Sie weiter.
Denken Sie nicht so lange darüber nach, was ich hier schreibe. Das bringt nichts. Der Trend des „Co-Parenting“ kommt, wie fast alles Geldgute, aus den Staaten und hat Deutschland längst erfasst. Seit 2011 gibt es Co-Parenting auch in Deutschland. Z. B. unter der Internetadresse www.familyship.org firmiert dieses neue Familienmodell, das ursprünglich die Idee hatte, gleichgeschlechtlichen Paaren einen Kinderwunsch zu erfüllen. Daneben wollten die Gründerinnen Miriam Förster und Christine Wagner ein alternatives Modell von Familie ins Leben rufen. Christine Wagner antwortet (auf www.startingup.de nachzulesen) auf die Frage „Bitte erkläre unseren Lesern kurz das Konzept Eurer Plattform. Wie funktioniert es?“:

„Familyship ist eine Website, auf der es möglich ist, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen möchten. Da kann man Schlagworte nennen wie Co-Parenting oder Regenbogenfamilie oder Queer-Family oder auch Patchwork-Familie. Letztlich geht es um die Umsetzung eines alternativen Familienmodells, das zwischen den biologischen Elternteilen nicht auf Liebesbasis fußt und von Partnerschaft entkoppelt ist. Man richtet sich also ein Profil ein, kann ein Foto hochladen, gibt den Wohnort an und das Alter und überlegt sich, welche Rolle man gerne später einnehmen möchte. Beispielsweise Vater mit Onkelfunktion oder Mutter mit Tantenfunktion oder aktive Mutter oder Yes-Samenspender. Leihmutterschaft und No-Samenspenden schließen wir aus.“

Weiter fragt Startingup: „Beim Co-Parenting sind viele verschiedene Rollen möglich – kannst Du sie kurz erläutern?“ Und Christine Wagner antwortet:

„Co-Parenting bedeutet, dass es mindestens zwei Menschen gibt, die sich, in welchem Umfang auch immer, um das Kind kümmern wollen. Das reicht in unserem Verständnis von Bei-Bedarf-mal-zum-Kaffee-Treffen bis zum Zusammenwohnen. Die Modelle, die dahinterstehen, sind letztendlich so individuell wie die Menschen hinter den Profilen. Beispielsweise gibt es da die 39-jährige Frau, sie hat womöglich studiert und danach ein Praktikum gemacht, dann folgte der Berufseinstieg, anschließend die ersten Jahre zum Fuß-Fassen und dann scheitert plötzlich die letzte langjährige Beziehung mit ihrem Freund und sie ist plötzlich Single und hat trotzdem einen Kinderwunsch und, biologisch gesehen, tatsächlich nicht mehr allzu viel Zeit. Vielleicht sucht sich diese Frau nun einen schwulen Mann oder ein schwules Paar, weil sie nicht in emotionale Verstrickungen geraten möchte mit dem Kindsvater und gleichzeitig aber auch nicht alleine verantwortlich sein will.

Oder es gibt einen Mann, der gerne Kinder hätte, aber sich nicht als Familienmensch versteht. Dieser Mann würde sich vielleicht ein lesbisches Paar suchen, das sich wünscht, dass das Kind regelmäßig Kontakt zum Vater hat, den Lebensmittelpunkt aber bei den Frauen behält. Oder es gibt eine lesbische Single-Frau, die einen schwulen Single-Mann sucht, oder zwei Männer suchen zwei Frauen, oder eine heterosexuelle Frau sucht einen heterosexuellen Mann und wer weiß, vielleicht verlieben sie sich ja doch und wenn nicht, ist das nicht schlimm, weil im Zentrum ihres Kennenlernens der gemeinsame Kinderwunsch stand. So oder so ist viel denkbar. Zentral jedenfalls ist der Kinderwunsch.“
(Quelle: http://www.starting-up.de/news/gruender-der-woche/gruender-der-woche-familyship.html)

Alternativen für Familie
Zentral ist also der Kinderwunsch bei Erwachsenen – nicht etwa der Elternwunsch von Kindern. Was die Präferenzen aus Sicht des Kindes in den Vordergrund rücken würde. Jetzt verstehen Sie, worum es sich bei dem Co-Parenting handelt. Natürlich kann heute niemand etwas dagegen haben, wenn gleichgeschlechtliche Paare sich ein Kind wünschen und dieses adoptieren können. Es geht hier um folgendes, was Christine Wagner, die Gründerin von Familyship, auf den Punkt gebracht hat: „…vielleicht verlieben sie sich ja doch und wenn nicht, ist das nicht schlimm, weil im Zentrum ihres Kennenlernens der gemeinsame Kinderwunsch stand. So oder so ist viel denkbar. Zentral jedenfalls ist der Kinderwunsch.“

D. h., niemand fragt das Kind. Niemand bedenkt dabei die Ergebnisse aus der Bindungsforschung. Niemand bindet bei dieser Idee des Co-Parenting die Biologie der Familie mit ein. Kinder brauchen feste Bindungen zu festen Bezugspersonen. Nicht nur Kinder reifen an ihren Eltern. Auch Eltern reifen an ihren Kindern. Das ist ein sich selbst organisierender und an Erfahrung reifender Prozess aller Familienmitglieder. Feste Bindungen. Und nicht sporadische Kaffeekranzbekanntschaften.

Kinder können nur zu starken Erwachsenen werden, wenn ihnen zumindest ein Elternteil oder eine Bezugsperson von Geburt an begleitet und diesen Menschen ganz genau kennt. Eine tiefe Bindungsbeziehung zu ihm hat und mit dem Kind durch dick und dünn geht. Kinder betreuen ist kein Hobby und Betreuung gelingt auch nicht mal so nebenher. Und schon gar nicht, wenn viele dies als nebenher betreiben und meinen, die Tageszeit des Kindes sei ja dadurch eben erlebbar und vor allem bunt betrieben worden. Schauen wir uns kurz einmal auf Familyship an, wer wie Kinder mit Co-Parenting betreuen kann:

Co-Parenting: Auf Familyship findest du Menschen, die eine Familie auf freundschaftlicher Basis gründen.
Aktiver Vater: Auf Familyship sind Menschen registriert, die den Wunsch haben eine Familie zu gründen und aktiv Vater zu sein.
Passiver Vater: Manche Nutzer auf Familyship möchten eine Familie gründen und hierbei nur eine Nebenrolle für das Kind spielen.
Yes-Samenspender: Auf Familyship sind auch Männer angemeldet, die als Yes-Samenspender Frauen ihren Kinderwunsch erfüllen.
Aktive Mutter: Hier findest du Frauen, die auf der Suche nach einem Mann sind, der mit ihnen eine Familie gründet – ganz ohne Beziehung.
Passive Mutter: Zugegebener Maßen ist es selten, aber einige unserer Nutzerinnen möchten für ihr Kind nur eine Tantenfunktion einnehmen.
Finde Austausch: Beim Co-Parenting gibt es zahlreiche Aspekte, die bedacht sein wollen – vom rechtlichen bis zum Praktischen.
Partner/in: Vielleicht ergibt sich bei der Suche nach einem Familien-Partner ja auch mehr; jeder Nutzer kann angeben, ob er hier auch die Augen nach einem potentiellen Partner offenhalten möchte. (Quelle: www.familyship.org)

Jetzt überlasse ich es dem Leser dieses Artikels, sich Optionen von Co-Parenting einmal beliebig vorzustellen. Familie, und das ist das Entscheidende, ist bei Co-Parenting nicht das, was wir bisher allgemein damit assoziiert haben. Zwei Elternteile, die sich der Verantwortung im vollen Umfang bewusst sind und Bindungsdichte beim Kind erzeugen wollen. Wobei es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob die Betreuung von leiblichen Eltern, von Pflegeeltern oder gleichgeschlechtlichen Eltern vollzogen wird. Die Qualität der Elternschaft ist entscheidend.

Wichtig bei einer gesunden Entwicklung eines Kindes ist die Bindungsdichte, die über die Eltern oder Betreuer erzeugt wird. Wie soll eine solche Bindung gelingen, wenn die dort definierten Eltern selbst aber keine Bindung eingehen wollen? Auch das zeigt die Bindungsforschung: Kinder erlernen ihr eigenes Verhalten aus dem Bindungsverhältnis der Eltern. Ist dies lapidar oder konfliktträchtig, so nimmt das Kind das als Norm für sich auf und erlernt Selbiges. Kinder nehmen immer das jeweilige Bindungsverhalten der Eltern für sich auf und leben das dann aus. Haben die Eltern ein gutes oder auf Krawall gebürstetes Bindungsverhalten, so wird das Kind dies dann auch so ausleben. Aus diesen grundlegenden Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie erwächst ein hohes Maß an Verantwortung im Umgang mit Kindern.

Triple B
Ich habe nicht ohne Grund in meinem Buch Die Fratze der Gewalt genau diesen Punkt zu Beginn erörtert, um klar zu stellen, welche Anfangsfehler in der Erziehung oft begangen werden und diese dann später beim Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Gewaltaffinität korrelieren. Dazu schrieb ich folgendes:

„Folgen wir zunächst den Vorbedingungen einer gut gelingenden ›psychischen Ausreifung‹, damit wir erkennen können, wie es kommen konnte, dass immer mehr Jugendliche körperliche und geistige Defizite besitzen und diese hauptsächlich in Gewaltverhalten kanalisiert werden. ›Nachreifungsprozesse‹ in Form von Therapien werden heutzutage als Wachstumsmarkt in der Kinder- und Jugendpsychologie verstanden, weil Kinder und Jugendliche immer mehr ›psychische Entwicklungsverzögerungen‹ in Form von Gewalt- oder selbstschädigendem Verhalten ausbilden.

Beziehungsbindungen, bedeutungsvolle Erlebnisse und Bewältigungsstrategien erfahren Kinder und Jugendliche immer weniger als einen gesunden ›Ausreifungsprozess‹ über die Familie und in der Gesellschaft, weil sie schon sehr früh in Beziehungen zu ihren Eltern die ›persönlichen Elternkonflikte‹ ausgleichen müssen und daraus ein selbstschädigendes Verhalten für ihre eigene Zukunftsplanung ausprägen. (…)

Wir gehen davon aus, dass ein Mensch auf die Welt kommt und vier Erfahrungen mitbringt, auf die er sich zunächst beruft. a) Er ist aufs Tiefste mit seiner Umgebung, seiner Mutter, verbunden und kann b) nicht ohne die Beziehung zu ihr überleben. Auf die Welt gekommen macht er zum ersten Mal die Erfahrung, dass er die Beziehungsbindung auf Gegenseitigkeit überprüft und c) Angebote macht, die seine Bedeutsamkeit stärken: Es schreit zunächst und will ein Bedürfnis damit äußern. Schafft es die Mutter die Sprache zu verstehen, dann setzt es ihr Baby an die Brust. Die Bedeutsamkeit wandelt sich sofort in ein angenehm positives inneres Bild beim Neugeborenen um, denn d) zum ersten Mal hat es erfahren, dass es ein Bedürfnis bewältigt hat. Es ist von ungeheuer elementarer Bedeutung für die Entwicklung eines Menschen, dass sich diese drei Erziehungs- und Bildungsangebote zu einem Band verdichten. Aber auch die Gesellschaft sollte dafür Sorge tragen, dass ihre Mitglieder diese drei Bänder niemals aus den Augen verlieren. Diese Drei (Beziehungsbindung, Bedeutsamkeit und Bewältigungskompetenz – Triple B) sind die Grundnahrungsmittel eines jeden menschlichen Gehirns und sind ausschlaggebend für die Entwicklung einer stabilen und ausgereiften, gesunden Psyche. Werden einem jungen Menschen diese drei Grundnahrungsmittel für die Ausreifung einer gesunden Psyche entzogen, dann könnte seine Seele den Motor zum Bösen entwickeln und später auch anlassen.“ (Quelle: Die Fratze der Gewalt, von Rüdiger Lenz)

Wenn ich zynisch wäre, würde ich mutmaßen: „Genau dieser Verzicht, seine dauerhafte Pathogenisierung, schafft extremste Herrschaftsverhältnisse. Denn Menschen, denen diese Drei genommen oder vorenthalten werden, werden zeitlebens eben auf der Suche nach Erfüllung dieser drei Eigenschaften sein und sie werden sie in maladaptives Erfüllen kanalisieren. Maladaptives Verhalten ist eine Ersatzbefriedung nach einem inneren natürlichen Bedürfnis, das durch den Ersatz jedoch niemals wirklich befriedigt wird. Folglich eine Verhaltensschleife produziert (eine individuelle Konfliktgenese ankurbelt), die fast ausschließlich in Fremdbestimmtheit und Materialismus endet.

Von Elterndarstellern und Neunazis
Als ich von Co-Parenting erfuhr, da war mir sofort klar, dass ich hier einen Artikel darüber veröffentlichen muss. Nur wenige haben bisher davon gehört und sich – außerhalb der vielleicht anfangs guten Intention der Gründerinnen, darüber Gedanken gemacht, was das eigentlich für die Kinder bedeutet, die keinerlei Mitspracherecht dabeihaben. Sie werden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Wille und das Bedürfnis von Erwachsenen werden einfach über das der Kinder gestellt und die Erwachsenen glauben wirklich, sie handelten im guten Interesse auch für die betreffenden Kinder.

Ist es nicht ein Missbrauch der Erwachsenen, wenn sie solch weitreichende Entscheidungen aus egoistischen Interessen fällen, OHNE dabei das Recht von Kindern auf deren möglichst selbstbestimmtes Leben zu berücksichtigen? Wer spricht auf Familyship für die Kinder? Wer im Interesse von Co-Parenting für die Kinder? Ist das Prinzip von Co-Parenting nicht abgeschaut aus dem Interesse des Konsums – der maladaptiven Suche nach innerer Bedürfniserfüllung Erwachsener? Müssen Kinder heute einzig den Bedürfnissen Erwachsener untergeordnet werden? Das Kind als Marke definiert Familie? Kann man so mit Kindern umgehen? Darf Mann/Frau/Mensch das? Mich jedenfalls bestürzt es außerordentlich zu erkennen, dass ein Großteil der Erwachsenen noch immer von dem Vorurteil ausgehen, dass Kinder nicht wissen können, was für sie und in ihrem Interesse das Richtige ist. Kinder werden oft noch in die Bedürfniswelt der Erwachsenen hineingepresst. Erwachsene denken in der Mehrheit noch immer, dass die Welt der Erwachsenen eine alternativlose Option von Erziehung darstellt. Dabei ist es auf Gehorsam, Ichkompensation und Selbstentfremdung aufgebaut.

Der Sinn von Co-Parenting ist nicht, Kindern eine Familie zu geben. Zentral ist der Kinderwunsch der Erwachsenen – nicht der Elternwunsch der Kinder; letzterer kommt gar nicht erst vor! Denn die Möglichkeit ist eine Option bei Co-Parenting, dass die Elterndarsteller nach Betreuung jeder wieder seines Weges gehen kann, in seine eigene Wohnung, seiner individuellen heilen Welt – ohne das Kind. Mathematisch betrachtet sind die Möglichkeiten, Kinder nach dem Konzept von Co-Parenting zu betreuen, schier unglaublich hoch. Seine Varianten unerschöpflich. Die einzige Grenze liegt im Bedürfnis der Elternausübung erwachsener Gehirne und deren psychischer Zustände verborgen.

Ein befreundeter Sozialarbeiter teilte mir kürzlich mit, dass er im Sommer 2015 einen Dokumentarfilm über Co-Parenting auf 3Sat gesehen hat, bei dem ein Reporter den Einwand einbrachte, dass so etwas doch verboten gehöre. Geantwortet wurde mit dem üblichen Toleranztool der Eingeschworenen, nämlich: dass es sich bei der traditionellen Einstellung von Familie, (also Vater, Mutter und Kind) um ein „rechtsbehaftetes Gedankengut einer völlig veralteten Vorstellung von Familie“ handelt, denn: die Nazis hätten das auch propagiert. Spätestens jetzt sind wir bei Hitlers Schäferhund angelangt.

Es häufen sich diese Neunazi-Theoretiker in der Familienpolitik wie auch anderswo, wo es um gesellschaftliche Veränderungen geht, genau so massiv und mit ähnlichen Stilmitteln, wie sie bereits aus der Friedensmahnwachen-Bewegung bekannt geworden sind. Bekannte Mütter-Feministinnen wie Birgit Kelle, die den Gender Mainstream als „wirre Ideologie“ bezeichnet, wird ebenso von den Antideutschen und der AntiFA bei öffentlichen Veranstaltungen angegangen. Forscht man nach, so kommen beispielsweise die gleichen Drohungen von denselben Internet-Plattformen (Indymedia.org) wie auch die, die gegen Vortragseinladungen von Ken Jebsen ausgesprochen werden. Siehe dazu meinen Beitrag hier auf KenFM.de (https://kenfm.de/meinungsverbrennung/). Es ist das gleiche Spiel wohl überall dort, wo die Bürger aufbegehren, man sie aber einzuschüchtern versucht, mit Mitteln, die denen der Nazis zwar nicht gleichen, aber doch sehr ähnlich sind.

Wer spricht für die Kinder?
Co-Parenting mag als gute Idee für den gleichgeschlechtlichen Kinderwunsch gegründet sein. Doch in Wahrheit ist es ein Millionengeschäft. In den USA werden damit schon heute Millionen von Dollar produziert und damit Millionäre erzeugt. Schon längst vor Co-Parenting ist in der BRD eine Sozialindustrie entstanden. Und viele von uns einfachen Menschen dürfen nicht vergessen, noch verdrängen, woran jede Industrie gebunden ist. Am ewigen Wachstum im endlichen Raum. Am Aufsplittern der Ware für noch mehr Konsum. Aus dem Kerngeschäft Vielfalt zu erzeugen produziert Marktstabilität.

Wir Erwachsenen haben die Pflicht, Anwälte für alle Kinder dieser Welt zu sein. Anwälte für deren freie Entfaltung und Entwicklung. Wir haben es zu unterlassen, unsere Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche durch sie verkörpert oder vervollkommnend zu sehen. Wir haben nicht das Recht, ihr Recht auf Unversehrtheit zu beugen, noch zu missbrauchen. Eher ist es unsere Pflicht, uns vor ihre Unmündigkeit zu stellen, damit sie die Freiheit zur Selbstentfaltung als ein menschliches vollständiges Wesen erleben und erfahren dürfen. Wir haben nicht das Recht, unsere Fehler in ihre Gehirne einzulagern.

Das ist die Kernaufgabe von Eltern: ihren Kindern einen Rucksack mit möglichst viel Bewältigungskompetenz zu schenken. Sie haben es zu unterlassen, in die Seele der Kinder ihre eigenen Probleme einzulagern. Wenn wir unsere Kinder nicht davor schützen, nämlich vor unserer eigenen Unzulänglichkeit, wer schützt sie denn dann noch? Unsere Gesellschaft ist lediglich aus einem ganz banalen Grunde eben so, wie sie ist. Weil sie zutiefst krank ist. Die meisten Erwachsenen aber glauben, dass diese Welt in der sie aufgewachsen sind und forthin weiterleben, die beste aller Möglichkeiten darstellt.

Lassen wir zum Schluss noch einmal Christine Wagner von Familyship zu Wort kommen, damit wir unmissverständlich verstehen, was der Motor dieser Idee ist: „Ich glaube schon, dass sich das zunehmend entwickelt, weil wir einfach alle so hoch individualisiert leben und jeder so sehr seinen eigenen Weg geht und seinen eigenen Weg plant, dass eben alternative Konzepte und individualisiertere Konzepte, wo man vielleicht ein bisschen unabhängiger ist, zunehmen werden.“ (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=mrZOFiymOE0)

Es geht also um das weitere Ausblühen der Ich-Kultur, um den Ausbau der Ichlinge, den Leitdienern von Finanzen, Wirtschaft und Konsumbarometer. Dass dieser Ausbau einzig deswegen so ist, weil wir hier im Westen die Trennung des Ichs vom Kernselbst vollzogen haben, darauf kommen diese neuen, nach immer mehr „Ich-Toleranz sonst Neunazi“ feststellenden Maladapteure und Egotaktiker nicht.

Wir dürfen unsere gesellschaftlichen Erkrankungen nicht zu neuen Ufern erklären und mit ihnen Schiffe bauen, auf denen alle Schiffbrüchigen Platz nehmen. Diese Schiffe verdrängen immer mehr die Landbewohner, weil dessen Bruttoregistertonnen zunehmend das Land mit Wasser fluten. Doch am Ende laufen sie auf Grund und werden von den selbst erzeugten Tsunamis einfach hinweggespült.

Auf der Seite von Familyship wird schon jetzt der User dazu gezwungen, einen Obolus zu bezahlen, damit er sich darüber kundig machen kann, was auf den Seiten überhaupt angeboten wird. Wen das bei einer Seite, die die Familie preist, nicht von vornherein abschreckt… . Es zeigt überdeutlich, auf was dort in welcher Weise konditioniert wird. Und wie fern ab von Gut und Böse der Konsum in uns als völlig normal akzeptiert wird. Mit Kindern Geld zu machen ist und bleibt eines der abscheulichsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Und das viele diese Abscheulichkeit nicht einmal mehr fühlen, zeigt, wie weit die Krankheit unsere Gesellschaft schon fortgeschritten ist.

Nachtrag: Ich habe einen erwachsenen Sohn.
Und seit September 2015 haben meine Frau und ich uns dazu entschlossen, ein elfjähriges Pflegekind aufzunehmen. Unser Pflegekind kam aus eben solchen Umständen der Vielelterei und genau das war der Grund für uns, das Kind in Pflegschaft zu nehmen. Weil es keine Perspektive, keine stringente Bindung kannte. Es ist mit dem Gefühl groß geworden, dass es nicht geliebt wird. Zur Liebe braucht es nämlich mehr als bloße Vielelterei. Es braucht dazu den bedingungslosen Einsatz – rund um die Uhr. Wechselnde Bezugspersonen erzeugen ein nicht geliebt werden im Kind. Nachzulesen in jedem Buch über Entwicklungspsychologie.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

18 Kommentare zu: “Co-Parenting: Wer spricht für die Kinder?

  1. Hallo zusammen,
    ich hoffe, dass es hier möglich ist auf angemessene Weise über das Thema zu diskutieren, auch wenn eine etwas andere Ansicht als die der großen Mehrheit hier dazu kommt.

    Zum Artikel muss ich leider sagen, dass ich ihn für wenig objektiv halte. Gleich am Anfang wird von einem bei dem man sich einfach mal für ein paar Stunden ein Kind „mieten“ könne. Oder es wird von sechs Erwachsenen geschrieben, welche sich ein Kind teilen. Da wird gleich am Anfang ein Bild beschrieben bei dem sich kein Mensch Gedanken um die Kinder oder um Familie macht. Es wird ein Bild gezeichnet, welches einfach nur Schwarz ist. Nichtmal Schwarz und weis, sondern einfach nur Schwarz ohne jede Abstuffung
    Es wird davon gesprochen, dass sich sechs Erwachsene (von denen keiner zu den leiblichen Eltern gehört ein Kind teilen so wie sie eben gerade zeit haben. Hat man keine Zeit, wird das Kind einfach zu anderen abgeschoben.

    Es wäre evtl. für einen wirklich guten Artikel besser gewesen sich das Co-Parenting einmal wirklich anzuschauen.
    Ich bin davon überzeugt, dass niemand in Deutschland auch nur eine Co-Familie findet, in der es so abläuft wie es hier beschrieben wird. Menschen die sich für das Co-Parenting entscheiden tun dies aus ganz unterschiedlichen Gründen. Einige von ihnen sind Paare bei denen der eine Partner einfach keine Kinder bekommen kann. Andere sind Homosexuelle Paare und wieder andere haben sich einfach dazu entschlossen nicht in einer Liebesbeziehung leben zu wollen. Aber alle haben eben eine Motivation gemeinsam, den großen Kinderwunsch und die Liebe zum, Kind.

    Menschen die sich für das Co-Parenting interessieren, lassen sich nicht leichtfertig darauf ein. Sie nehmen sich Zeit den möglichen „Partner“ ausgiebig und gründlich kennen zu lernen. Den sie wollen den Partner der am besten als Vater oder Mutter für ihr Kind geeignet ist und ihm dieselbe Liebe entgegenbringt wie man selbst. Menschen die das Co-Parenting angehen machen dies niemals leichtfertig oder verantwortungslos.
    Lernen sich potenzielle Partner für das Co-Parenting kennen, wird am Anfang zunächst abgeklärt, ob man dieselben Vorstellungen hat und gemeinsam so handeln kann, dass es das Beste für das Kind ist. Die wichtigsten Fragen werden geklärt, so dass es gar nicht erst dazu kommt, dass dem Kind geschadet wird. Die Frage „Wer spricht für die Kinder“ ist leicht beantwortet. Das machen die Eltern schon lange bevor es überhaupt dazu kommt das konkret an der Familie geplant wird. Co-Eltern klären vorher ab wie ein Kind aufwachsen soll, wie es erzogen werden soll. Das haben sie vielen traditionellen Familien voraus. Traditionell entsteht ein Kind aus einer Liebesbeziehung heraus (im Idealall) und dabei eben auch oft als Unfall. Die Eltern sind oft vor allem mit sich selbst beschäftigt und klären viel Fragen dann wenn es dafür eigentlich schon zu spät ist. Wenn es dann irgendwann einmal in der Beziehung nicht mehr klappt, weil der Stress in der Beziehung zu groß wird, wird sich eben getrennt. Was dies für die Kinder bedeutet wird bei der Kritik am Co-Parenting selten angesprochen.

    Sicher gibt es beim Co-Parenting nicht nur Menschen, welche sich vorher nicht ausreichend Gedanken dazu machen. Und sicher auch einige die es durch den großen Kinderwunsch überstürzen. Aber das Co-Parenting deshalb an sich zu verteufeln ist sicher nicht richtig. Auch unter den traditionellen Familien gibt es eine sehr große Zahl, bei denen es eben nciht so abläuft wie es sein sollte. Deshalb wird aber niemand jemals die Ehe abschaffen oder traditionelle Familien verbieten wollen. Es muss immer der Einzelfall betrachtet werden. Die meisten traditionellen Familien funktionieren sehr gut, aber dies gilt eben auch für die Co-Familien.

    Evtl. wäre es für den Artikel hier hilfreich gewesen auch einmal die vielen positive Erfahrungen von Menschen zu erwähnen die das Co-Parenting selber erleben.

    Einige hier fragen sich, warum Kritik welche hier angebracht wird immer wieder für Kritik von ganz rechts gehalten wird.
    Vielleicht sollten Sie sich einmal ansehen wie Kritik vorgebracht wird und welche Formulierungen genutzt werden. Welche Vermutungen und Vergleiche immer wieder verwendet werden. Es sind meist „Argumente“, Vergleiche und Theorien die eben auch genau so eben aus der eindeutig rechten ecke der Gesellschaft kommen.
    Das Co-Parenting ist eben keine Erfindung von Ultralinken und auch kein Plan der Grünen das Abendland zu zerstören oder ähnliches. Wenn man sich der Rethorik bedient welche von weit rechst stehenden bedient, dann sollte man sich auch nicht wundern wenn, Menschen auftauchen die einen selbst für Rechst oder gar für Nazis halten.

    Wer sich aus Angst vor allem neuem dazu hinreissen lässt eienn Weg mit zu gehen, welcher nur zu Verachtung und Hass führt, ohne sich über das Thema wirklich zu informieren und sich alle Seiten anzusehen, darf sich nicht wundern wenn er von anderen in eine braune Schublade gesteckt wird ohne vorher selbst einmal angehört zu werden.

    Mit freundlichen grüßen
    https://co-family.eu

  2. Da gab es mal eine Vielelterei aus zwei Lesben und zwei Schwulen, die zusammen lebten, und dann ein Kind haben wollten. Der eine Schwule und die eine Lesbe haben das dann gemacht, angeblich mit künstlicher Befruchtung. Die Eltern sollen aber nur die beiden Lesben gewesen sein. Dann hat sich diese Vielelterei auseinandergelebt, und es es stand die Frage im Raum, wer da wem Unterhalt zu zahlen hat.

    Solche egoistischen Umtriebe, solche Veranstaltungen mit Kindern von Erwachsenen für Erwachsene finden meistens im Umfeld der Grünen statt. Und die beteiligten Erwachsenen sind oft Kinder von ehemals hohen Tieren in Deutschland.
    Wer solche Machenschaften nicht gut heißt, gilt in diesen Kreisen als ein Rechter.

  3. Lieber Herr Lenz,
    das ist wirklich unglaublich! Ich habe mir die Links angeschaut und war fassungslos! In dem Herausgeberband „Frühes Trauma“ hat sich auch eine Autorin mit dem Thema „künstliche Befruchtung“ beschäftigt, schließlich wissen wir heute noch nicht so genau, welche psychischen Auswirkungen eine künstliche Befruchtung haben kann.

    Was wir hinterfragen sollten, woher dieser intensive Kinderwunsch kommt und was das dann gezeugte Kind für eine „Rolle“ für die „Eltern“ spielen soll?
    Vor nicht allzu langer Zeit gab es eine kleine Studie „Regretting Motherhood“. Mütter die Kinder hatten, bereuten ihr Muttersein, sie wünschten sich, ihre Mutterschaft wiederrückgängig machen zu können. Diese kleine Studie hat zu unglaublichen vielen Diskussionen geführt in diversen Zeitungen und sozialen Netzwerken.
    http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/unglueckliche-muetter-sie-wollen-ihr-leben-zurueck-1.2419449

    Da scheint ja das „Co-Parenting“ die ideale Lösung…das Kind kann entsprechend dorthin „verschoben“ werden, wer gerade Lust hat sich zu kümmern, ist die „Kümmer-Lust“ vorbei, wird es weiter gegeben…Ich fasse es nicht!

    Kinder werden zu Objekten, die man ganz beliebig zeugen kann und sind sie dann da, kann man auch ganz beliebig mit ihnen umgehen…
    Und ja, Sie bringen es auf den Punkt: unserer Gesellschaft ist krank…Wobei ich lieber sage: 99 % der Menschheit ist in ihrer Liebesfähigkeit traumatisiert. Nach einem Trauma muss sich die Psyche spalten, das ist ein Notfallmechanismus, der nicht verhindert werden kann.
    Ein erlebtes Trauma beinhaltet immer Hilflosigkeit, Ohnmacht und Todesangst. Ein Baby was schreien gelassen wird, ist genau diesen Gefühlen ausgeliefert und um zu Überleben, spaltet sich seine Psyche. Je öfter ein Baby das erlebt, umso tiefer werden die Spaltungen, es schreit nicht mehr, spaltet seine Gefühle und damit auch seine ursprüngliche Lebendigkeit ab.
    http://www.spielundzukunft.de/kinderzeit/baby/2641-2015-03-09-14-44-50

    Diese Kinder passen sich den Überlebensmechanismen ihrer Eltern an, der Zugang zu ihren eigenen Gefühlen geht verloren, weil sie als bedrohlich erlebt werden. So können sie sich allen Situationen anpassen und sind die sogenannten „beliebten“ Kinder. Mit Beginn der Pubertät entscheidet sich dann, welchen Weg sie für ihre Zukunft einschlagen: Unterwürfig oder andere beherrschend, Rebell oder angepasst…es gibt viele Variationen, wie sich die immer stärker werdenden Überlebensmechanismen durchs Leben „kämpfen“ und dazu können auch viele körperliche Symptome gehören:
    http://www.khbrisch.de/files/ph_05_2014_bindung_s26s30.pdf

    Und wenn wir zurück schauen auf die Generationen vor uns, wie mit Kinder umgegangen wurde, dann brauchen wir uns über die heutige Generation nicht zu wundern: Selbstentfremdung und Bindungslosigkeit ist die Normalität.
    Liebe ist eine leere Worthülse geworden, kaum jemand weiß, wie sich Liebe anfühlt. Es entsteht eine Pseudo-Liebe, in der ich andere Menschen, also auch Kinder, zu meinen Besitz erkläre oder sie nach der Geburt so schnell wie möglich in einer der vielen Kitas, die wie Pilze aus dem Boden schieße, unterbringe:
    http://www.zeit.de/2014/04/kinderbetreuung-krippen-qualitaet-karl-heinz-brisch

    Also Co-Parenting ist absolut zeitgemäß, so schlimm das auch ist!

    Auf der anderen Seite gibt es zum Glück inzwischen auch viele Mütter und Väter, die sich früh genug ihren eigenen Themen stellen, die die Kurse bei Karl-Heinz Brisch besuchen:
    http://www.safe-programm.de/F%C3%BCr%20%28werdende%29%20Eltern.html

    Ich persönlich arbeite mit dem Spaltungsmodel nach Prof. Dr. Franz Ruppert, dessen Theorie es ist, dass sich die Psyche nach einem Trauma in drei Ich-Strukturen spaltet: die Überlebens-Ich-Strukturen, die Trauma-Ich-Strukturen und die gesunden Ich-Strukturen, die trotz Traumata erhalten bleiben.
    Menschen, die sich Hilfe suchen müssen für mein Verständnis gesunde Ich-Strukturen haben, sonst würden sie das nicht machen…
    Dieses Theorie-Modell erlebe ich als sehr hilfreich, für mich selbst und auch für meine Klienten. Es ist auch nicht unbedingt an eine bestimmte Methode gebunden, sondern beinhaltet eher die Grundhaltung des Therapeuten seinen Klienten gegenüber und schafft eine Bindungsbeziehung zwischen Klient und Therapeuten auf Augenhöhe…weil ich, als Therapeut, im selben Boot sitze.

  4. Das ganze Geschäftsmodell hat nichts mit der klassischen Familie gemein.
    „Hattest du gedacht die Familie ist dazu da, dass es dir gut geht? Das sie dich mit Schokoladenpudding füttert? Sie macht einem das Leben zur Qual, dafür ist es die Familie!“
    Dieses Zitat aus einer Fernsehserie ist hier sehr passend. Familie ist kein Wunschkonzert oder ein Modell auf Zeit, ein Spiel, bei dem man aussteigen kann, wenn es mal nicht so gut läuft. Man kann sich auch nicht nur die Rosinen rauspicken oder mal ein Sabbatjahr einlegen, wenn z.B. die Kinder mal wieder Probleme machen. Kinder sind kein Konsumgut mit einem hübschen Design und einer tollen Produktbeschreibung, die man innerhalb von 6 Monaten wegen aufgetretener Sachmängel zurückschicken kann. Familie und Elternschaft funktioniert nur digital: ganz oder gar nicht. Wer glaubt Kinder hätte die Aufgabe ihre Eltern glücklich zu machen, der irrt gewaltig. Verantwortung für Kinder ist bedingungslos, Kinder großzuziehen heißt keine Gegenleistung zu erwarten unabhängig vom eigenen Gefühlszustand. Das heißt auch seine eigenen Wünschen gegenüber dem Wohl der Schwächeren zurückzustellen, ob einem das nun gefällt oder nicht. Es gibt kein Ausstiegsszenario. Eines der vielen Werkzeuge, die Eltern ihren Kindern mit auf ihr Leben geben müssen, ist eben diese Verantwortung für sich und sein Leben und andere zu übernehmen. Wenn aber die Eltern schon verantwortungslos sind, wie sollen unsere Kinder wissen und lernen, was überhaupt dieses Wort bedeutet?
    Wem es wirklich um Kinder und nicht um sich geht, der nutzt nicht solche verantwortungslosen Platformen, sondern trifft eine unumkehrbare Entscheidung für Kinder in seinem Leben und trägt diese auch wie ein erwachsener Mensch nicht wie ein Konsument. Wenn auch der Weg manchmal steinig sein mag, dieser Weg gibt dem Leben einem tiefen Sinn und man fühlt sich nicht mehr nur als Steuerzahler, Konsument und Wähler. Und DAS macht mich glücklich!

  5. Was ich bei solchen familienpolitischen und kinderbezogenen Themen regelmäßig schwierig finde, ist, dass es letztlich in aller Regel gar nicht um die Inhalte geht (denn diese sind stark von den persönlichen Präferenzen der Betroffenen abhängig), sondern um die Frage, wie weit der Staat überhaupt das Recht hat, in solche Dingen hineinzuentscheiden.
    Zum Beispiel bin ich persönlich(!) inhaltlich gesehen klar gegen Abtreibung, aber dennoch der Meinung, dass der Staat schlicht kein Recht hat, Frauen zu bestrafen, die so etwas tun. Der Grund, warum ich für ein nach USA-Terminologie liberales Abtreibungsrecht bin, hat nichts mit meiner Einstellung zum eigentlichen Thema zu zun, sondern mit meiner Überzeugung, dass a) Strafen generell in manchen Themen das falsche Mittel sind und b) der Staat bei weitem nicht alles darf.
    Ähnlich ist es hier: ich bin klar persönlich(!) der Meinung, dass Eltern aus Vater und Mutter bestehen. Aber niemand gibt mir das Recht, das diktatorisch festzulegen – und niemand gibt irgendjemandem dieses recht, meine ich.
    Und im Übrigen halte ich die US-amerikanische Familienpolitik (jenseits der hier ebenfalls relevanten sozialstaatlichen Aspekte, versteht sich, also insbesondere für die arbeitende Mitte) eindeutig für besser und um Klassen liberaler als die deutsche. In Deutschland wird verlogen auf ‚linksliberal‘ gemacht, in den USA gibt es hingegen auch bei der angeblich ‚radkialen Rechten‘ (Tea Party) eine echte(!) liberale Tradition.

    • PS: Ich möchte hier aber auch einen Punkt erwähnen, der in den USA sehr negativ ist und regelmäßig tabuisiert wird. Dieser betrifft das in dieser Hinsicht wichtige Sozialstaatsthema. Natürlich helfen sozialstaatliche Regelungen sehr stark den Familien, die kein hohes Vermögen oder hohes dauerhaftes Einkommen haben. Ich halte es für eine Lebenslüge der Konservativen, wenn sie regelmäßig das Gegenteil behaupten. In vielen Staaten der USA hat die Neocon-Politik absichtlich dazu geführt, dass Unterhaltspflichtige wirklich diskriminiert werden, und zwar, indem die Pfändungsgrenzen bei ihnen schlechter gestellt werden als bei allen anderen Schuldnern. Es kommt in den USA daher gar nicht selten vor, dass Unterhaltspflichtige, die arbeitslos werden, weil etwa der Firmenchef unfähig ist, in den Knast geworfen werden! Das ist besonders krass diskriminierend, weil in den USA ja ansonsten gerade durch die Neocons eine äußerst großzügige Kreditvergabe eingeführt wurde, die den Sozialstaat ersetzen sollte (was nicht funktioniert und sogar Finanzkrisen auslöst).
      Neocon-Politik im 21. jahrhundert bedeutet, dass Väter, die Schulden im Bordell haben, weit besser behandelt werden als Väter, die unverschuldet arbeitslos werden und ihren Unterhalt nicht zahlen können. Das zeigt, in welcher sunbstantiellen inhaltlichen Krise der Konservatismus wirklich ist.

    • @ Michael Kanellos
      Aus Ihrem Beitrag wird sehr deutlich, wie das bürgerliche Ensemble an sich beschaffen ist, denn Sie bringen auf den Punkt, dass Kinder, Familie und „Gedöns“ ins Private gehört und machen dann die Frage auf, ob der Staat (Öffentlichkeit) und in welchem Umfang da sein Sagen haben kann.
      Die Frage aber mit welcher sich der Artikel beschäftigt ist, wie aus einem Individuum, das das Licht der Welt erblickt hat, nach Jahren der Zurichtung ein Subjekt wird, welchem seine eigene Aufspaltung so selbstverständlich erscheint.

      Das Verschweigen der Eigenarten, das Unterdrücken und Zurichten der Eigenarten an Person und Körper zum bürgerlichen Subjekt ist dann das, was wir als Erziehung erleben. Es handelt sich dabei um eine gesellschaftliche Tätigkeit, die nicht die Form gesellschaftlichen Handelns im Sinne der Subjektivität annimmt, denn Subjektivität muss durch diese Tätigkeit erst hergestellt und eingeübt werden. Das heißt: Hier steht nichts zur Disposition, hier werden keine Diskurse geführt, keine Konkurrenzen abgehalten. Nun könnte eingewandt werden, dass es doch innerhalb der pädagogischen Wissenschaften die verschiedensten Auseinandersetzungen über die richtige Erziehungsmethode gibt, von Krabbelstuben, Kindergärten über Volksschulen und Gymnasien bis in die Universitätsinstitute konkurrieren Ausübende und Lehrende mit ihren Ausbildungsangeboten und ihren Einrichtungen. Keine Schule, die nicht ihr pädagogisches Profil auf ihrer homepage darstellte, keine Fachpublikation, die nicht die Konzepte des Vorgängers widerlegte, keine Fachpädagogik, die sich nicht in politischer oder wissenschaftlicher Konkurrenz von anderer abzuheben versuchte. Dies alles sind berechtigte Einwände, die aber unberücksichtigt lassen, dass sie sie nicht an das Wesentliche rühren – nämlich an die Notwendigkeit gesellschaftlicher Zurichtung der Zöglinge dieser Anstalten: Kinder, Jugendliche Schülerinnen und Schüler sollen zu mündigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, zu autonomen Subjekten gemacht werden. Das ist nicht verhandelbar. Verhandelbar sind die individuellen Ansichten darüber, wie dies am ehesten zum Nutzen der Gesellschaft, zum Nutzen der Kinder, zum Nutzen der Erziehungsinstitute, zum Nutzen aller Beteiligten durchzuführen sei. Die Notwendigkeit der Erziehung selbst und noch vielmehr der Ziele dieser Erziehung (der erwachsene, autonome, eigenverantwortliche bürgerliche Mensch, der mit seiner Eigenverantwortlichkeit die Entscheidung über das Fortkommen der Gesellschaft in ihrer kosmischen Gesamtheit auf sich nimmt – wie ein mythischer Held), sie sind nicht in Frage gestellt. Sie unterliegen nicht der Meinung, sondern dem Befehl. Sie sind kein Teil einer Unternehmung, sie sind in der Abspaltung (verheimlichte Seite der verallgemeinerten Subjektivität) zu verorten.
      Abspaltung erscheint oft dem ersten Augenschein nach als der Bereich, in dem die gesellschaftliche Tätigkeit der Frauen verschwiegen wird, unbezahlbar gemacht wird: im Sinne von nicht entlohnt und daher nicht produktiv ebenso wie im Sinne von nicht zu überschätzen und so der profanen Ökonomie entzogen und durch die Liebe geadelt. Der gesellschaftliche Befund gibt diesem Augenschein recht, allerdings beschränkt er sich nicht auf das empirische Geschlecht, und zwar dort nicht, wo die gesellschaftliche Tätigkeit der Abspaltung, wie oben beschrieben über Identifikation von Individuum und Subjekt, von Individuum und Abspaltung – über die Familie also – hinausgeht. Dennoch ist der neue junge Mensch, der in die Gesellschaft des Modernen Ensembles hineingeboren wurde, zunächst nur mit einigen wenigen individuell differenten Personen in Berührung, die zunächst Frauen sind: Mutter, oft auch noch Großmutter. Schwangerschaft und Geburt – Muttersein – sind in unserer Welt keine subjektive Unternehmung; hier treffen sich biologische Gegebenheiten und ihre gesellschaftliche Interpretation, um das Muttersein mit unhintergehbarer Festigkeit auszustatten und von den Frauen einzufordern, egal was deren emanzipatorischen Unternehmungen auch seien. So werden beispielsweise die unterschiedlichsten Politikansätze (je nach Ausgang der Wahlen, je nach gesellschaftlich-ideologischen Mehrheitsverhältnissen) in Stellung gebracht, „um Mutterschaft und Beruf“ oder „Familie und Berufstätigkeit“ zu vereinen und vereint zu ermöglichen. So erfährt in der letzten Zeit des Modernen Ensembles die Familie als Keimzelle ihre endgültige Reduktion auf das Wesentliche: eine alleinerziehende Frau mit einem Kind (oder mehreren, wenn sie sehr optimistisch oder sehr verzweifelt ist). Was darüber hinaus reicht, wird entlang ideologischer Bruchlinien verhandelt (sind wir jetzt mehr christlich oder mehr liberal, mehr konservativ oder mehr permissiv) und als beliebiges Flickwerk (patchwork family) den Gestaltungsmöglichkeiten der Einzelnen überlassen, die oft genug so sich darstellen, dass sie in den einschlägigen Sozialstatistiken und Armutsberichten und anderen empirischen Untersuchungen als so genannte temporäre Armut erscheinen; der einzelnen Frau es also materiell erst wieder besser geht, wenn ihre Sprösslinge so weit erzogen und erwachsen sind, dass sie ein eigenes Einkommen erzielen.
      Was das für die Mütter und ihre Kinder für Folgen zeitigt, zählt zu den dunkelsten Kapiteln des Modernen Ensembles. Was auch immer über das Vorhandensein oder Fehlen von Vätern oder anderen männlichen Bezugspersonen in der Entwicklung und Erziehung eines Kindes beklagt und geschrieben wird – hier zeigt sich ja doch nur die traurige Realität einer Erziehung, die zwar gesellschaftliche Tätigkeit ist, aber individuell, verschwiegen, privat vollzogen wird und dies in aller Regel von den Frauen, die Mütter sind. Gesellschaftliche Tätigkeit, privat vollzogen – hier zeigt sich schon deutlich die abgespaltene und verheimlichte Seite der Subjektivität: Auch hier wird privat vollzogen, was als verpflichtete, gesellschaftliche Tätigkeit gilt – das Verfolgen des Glücks des Einzelnen befördert das Glück aller, Verpflichtung zum Glück wird also zum terroristischen kategorischen Imperativ. Und dieser Befehl gilt ebenso mit aller Schärfe für die Frauen, die erziehen, darin ihr Glück zu finden und durch das Gelingen der Erziehung (dieser Glücksfindung) zum Glück der Gesellschaft beizutragen. Was immer auch Männer dabei für eine Rolle spielen, diese ist marginal, kann als aktives Zutun vernachlässigt werden, beschränkt sich auf den guten Willen beziehungsweise auf gesetzlich vorgegebene Verpflichtungen (die wiederum je nach ideologischer Konjunktur wechseln können, sich in der Regel aber auf den monetären Zuschuss beziehen) und dient hauptsächlich als role model für gelungene subjektive Unternehmung, falls diese Vorbildfunktion der – fernen – Väter nicht auch noch von den Frauen übernommen wird: erotisch attraktiv, liebevoll und freundschaftlich zum Nachwuchs, erfolgreich in Beruf und Karriere wie auch in der Verfolgung so genannter privater Interessen und der Gestaltung eines gelungenen Lebens.
      Dies alles wird unter dem Begriff des Narzissmus beschreibbar und erkennbar – erkennbar in seiner Brutalität der zugefügten Verwundungen und beschreibbar in der Rückschau auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse ebenso wie in der Eigensicht der Gesellschaft selbst. Narzissmus, damit bezeichne ich, indem ich den psychologischen und psychoanalytischen Traditionen folgen und ihre klarsichtigen Ansätze weiterverfolge, ein zutiefst gesellschaftliches Verhältnis, ein Verhältnis, das das Verhalten der Individuen untereinander und zu sich selbst gesellschaftlich bestimmt. Es ist dies ein Verhalten, das durch ein schweres Liebesversagen ausgelöst wird, wobei Versagen im doppelten Sinn verwendet wird: durch die Unmöglichkeit, selbst eine gelungene Beziehung aufzubauen und aufrecht zu erhalten, und dadurch, dass eine liebevolle Zuwendung an eins selbst versagt wurde und wird, wobei in beiden Fällen das libidinöse Hundher unterbunden wird und durch die Selbstbezogenheit ersetzt wird.
      Darin, in diesem funktionellen Narzissmus, der den Liebesentzug zur raison d’être der Entwicklung und die Liebe der Mutter (nicht nur der empirischen weiblichen Person, sondern jeder Person, die in der Abspaltung erzieherisch tätig ist, deren Liebe daher artifiziell und abstrakt, ein bloßes ideologisches Erfordernis ist) zur Grundlage der Erziehung macht, spiegelt sich das allgemeine Gebot, dass das Fortkommen des Einzelnen ohne erforderliche Rücksichtnahme auf andere das Fortkommen der Gesellschaft bedinge, dass pursuit of happiness also nicht ein Privileg besonders Glücklicher, sondern eine monströse Verpflichtung aller sei. So wie dem Kind die Liebe der Mutter abhanden kommen muss, damit es sich durch brutalen Erziehungszwang zum bürgerlichen Erwachsenen mausern kann, so muss das Individuum sich von allen anderen absondern und sein Eigenes verfolgen, um paradoxen Zugang zu den anderen zu erhalten: Einübung in den Narzissmus also durch frühe narzisstische Verwundung zum Wohle aller.
      Diese Grundkonstellation unserer zunehmend prekär werdenden Bürgerlichkeit mitsamt ihrer fetischistisch konstituierten Sicht auf „Natur und ihre Gesetze“. ihrer verantwortungslosen blutigen Vernunft und selbst referentiellen Aufklärung , ihrer Idiotie des Privaten und räsonierenden Geschwätzigkeit in der Öffentlichkeit, ist der am besten verschwiegene Dreh- und Angelpunkt der unerträglichen Verhältnisse.
      Und darum eben muss über die „heilige Familie“, bürgerliches Geschlechterverhältnis und Kinder dringendst gesprochen werden. Aber nicht als Objekt wissenschaftlicher (also wiederum fetischistischer) Diskurse von Biologie bis Psychologie, sondern als Institut und Ursprung unserer ungesellschaftlichen Gesellschaftlichkeit, unserer fetischistischen Konstitution.

    • @ Petra
      Ich behaupte keineswegs, dass der Staat Kinder und Erziehung und Familie ans ‚Gedöns‘ abtun soll. Ich behaupte aber, dass der Staat, wenn er etwas tut, in diesem Bereich HELFEN soll und nicht diktieren oder strafen. Und zwar meine ich: allen Beteiligten helfen, nicht in Form einer gehässigen Gouvernante die ‚Macht‘ über die Kinder den Eltern wegnehmen.
      Ich denke sehr wohl, dass in diesem Punkt – nicht aber im sozialstaatlichen Bereich – Deutschland sich etwas von den USA abschauen kann.
      ‚Bürgerlich‘ bedeutet in Deutschland übrigens keineswegs liberale und staatsferne Einstellung zum Familienthema, sondern traditionell das Gegenteil – Gängelung der Familien, Diskriminierung Alleinerziehender, formalistische Ehevorschriften, die Einstellung, dass der Staat in Form eines arroganten und eingebildeten Schulsystems, das in Wirklichkeit sogar eine fragwürdige Einstellung zu Menschenrechten hat *), nahezu alles besser kann als Mütter oder Väter.
      In den USA ist das wirklich anders. Auch die Rechten in den USA sind in dieser Hinsicht traditionell liberal. In den USA gibt es sogar das Recht auf home schooling.

      Ich erwähnte aber auch eindeutig die Mißstände in den USA im sozialstaatlichen Bereich.

      *) Deutsche Schulen verbieten Schülern z.B. oft, während des Unterrichts zu trinken. Das ist meines Erachtens grundrechtswidrig und pure Gängelei der Schüler. Es ist auch leistungsfeindlich, da so die Schüler ja eher weniger leistungsfähig sind.

    • @ Michael Kanellos
      Der Staat ist aber selbst ein Subjekt, so what? Der Staat als Hüter der Subjektivität – um es mehr als freundlich auszudrücken – hilft, wie es seine Aufgabe ist, die Subjektivität der Unterworfenen aufrecht zu erhalten. Solcher „Hilfe“ bedarf keiner, keine und keines.

      „Bürgerlich“ ist – auch in Deutschland – ein Synonym für die Affirmation der heute relevanten Welterklärung. Ich denke, dass wir da einander nicht verstehen. Liberalität ist der lachhafte Versuch die einzige menschliche Kompetenz dadurch zu untergraben, Leute zu Monaden zu machen.

    • @ Petra
      Also ich denke, dass das viel einfacher ist. Liberalität ist einfach, wenn der Staat da hilft, wo er es kann und sich da heraushält, wo er nichts zu bestimmen hat. Außerdem ist es meines Erachtens liberal, Grundrechte zu achten und diese auch nicht mit dem Verweis auf ein angebliches ‚Gemeinwohl‘ zu schleifen. Witzigerweise hat ausgerechnet die Kommunistin Rosa Luxemburg einen sehr guten Satz zum Liberalismus gesagt – sinngemäß: Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Dass sie damit nicht die kommunistische Realpolitik gemeint haben kann, ist offensichtlich.

    • PS: Ich habe mir erlaubt, beim Rosa Luxemburg-Zitat das ‚immer‘ wegzulassen, da es natürlich auch andere Freiheiten gibt, die der ‚Gleichdenkenden‘ sollten ja nicht unter den Tisch fallen.

  6. Dieser Beitrag des Herrn Lenz kann aufzeigen, warum unbedingt notwendig ist, die wirkliche Wissenschaft zu befreien vom Einfluss all derer, die in die Wissenschaft das Politische als das Richtunggebende einführen wollen.
    Wenn da gegen alle Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie vorgebracht wird, diese seien “ rechtsbehaftetes Gedankengut einer völlig veralteten Vorstellung von Familie“, denn „die Nazis hätten das auch propagiert“, dann ist dahinter das ganz veraltete, zu verschrottende Gedankengut, dass die Politik die Wissenschaft zu dominieren habe.

    Wenn man sagen würde, dass in der Nazizeit in den Schulen gelehrt wurde, zweimal zwei müsse vier ergeben, deswegen sei das eine veraltete Vorstellung, deswegen müssten wir heute lehren, dass acht dabei herauskäme, wäre das ein ähnlicher Schwachsinn. Wir müssen die Wissenschaft entpolitisieren !
    Wir müssen der Politik verbieten, die Hochschulen zu verwalten. Sonst geht dieser Irrsinn immer weiter.

    Und zum Begriff „Ichlinge“ folgendes: Gerade diejenigen Kinder, die in stabilen Familien aufwachsen, haben die Chance auf eine gesunde Ich – Entwickelung, sofern nur das Ziel der Erziehung Freiheit und Selbständigkeit ist.
    Aber gerade die Politik hat KEIN Interesse am freien selbständigen Individuum, sondern das Eigeninteresse der Politik ist, dass Untertanen ihr die Steuern zahlen. Je mehr das Politische das Wissenschaftliche dominiert, desto weniger Gewicht hat das wirklich Wissenschaftliche, das auf Erkenntnissen – nicht nur auf Meinungen sondern auf Erkenntnissen -ruht.
    Entpolitisierung der Wissenschaft scheint mir ein Gebot unserer Zeit zu sein.

    • Hier stimme ich Ihnen mal weitgehend zu. Allerdings wird die Politik immer die Hochschulen verwalten müssen, damit in den ‚harten‘ Fächern die Qualitätsstandards erhalten bleiben. Wenn es da keine Standards gäbe, könnten inhaltsleere Universitätsabschlüsse inflationär vergeben werden.

      Allerdings ist es eben schwierig und auch gar nicht wünschenswert, staatlich im Detail festzulegen, was eine ’stabile‘ Familie sein soll. Ich halte es zudem für zweifelhaft, ob Kinder, die in besonders dominanten (und somit wahrscheinlich stabilen) Familienstrukturen aufwachsen, gerade besonders selbständig werden. Es kann auch gegenteilig laufen, nämlich, dass das Eingebettetsein gerade nicht die Selbständigkeit fördert.

    • @ Michael Kanellos : „Es kann auch gegenteilig laufen, nämlich, dass das Eingebettetsein gerade nicht sie Selbständigkeit fördert.“

      Ja, das ist wahr, und das Ergebnis sind dann evt. „Muttersöhnchen“, die nicht jemals lernen mussten, sich selbst die Schuhe zu putzen. Wenn diese „dominanten“ festen Strukturen so sind, dass die Eltern nicht freilassen, nirgends die Kinder zur Initiativwerdung bringen und denen alles abnehmen, auch die Eigenverantwortung im Finanziellen, dann kann das gewaltig aus dem Ruder laufen. Glaube, es gibt da keine „Patentrezepte“ in puncto Erziehung.
      Und dann gibt es auch Kinder aus sog. „zerrütteten“ Familien, die eben vielleicht gerade wegen dieser Zerrüttung selber den Impuls zur Initiativwerdung spürten und sogar zu reichen Pop Stars wurden.
      Ein Beispiel soll ja „Eminem“ sein, der Rapper aus USA.

  7. Ich würde das jetzt nicht so verteufeln.
    Klar braucht ein Kind enge Bezugspersonen, aber dafür gibt es ja „Aktiver Vater“ und „Aktive Mutter“, und ich gehe davon aus, dass jedes Kind mindestens einen davon haben wird.
    Also wär es ja schon sehr ähnlich zu normalen Familien, nur dass hier dann ziemlich sicher ist, dass die Eltern das Kind auch wirklich wollen, was normalerweise nicht immer der Fall ist.
    Außerdem kennt das Kind dann auch ein paar „Verwandte“ oder „Familienfreunde“.
    Also ich seh da keinen großen Unterschied zu normalen Familien.

  8. Einerseits bin ich erschüttert und auch zutiefst entsetzt, was mit unserer Zukunft passiert. Andererseits passt das leider ganz genau ins Bild der hochgelobten Konsum- und Wegwerfgesellschaft.
    Und niemand denkt an das Wohl und die seelische Unversertheit der Kinder? Das kann und will ich mir einfach nicht vorstellen müssen.
    Vielen Dank für diesen aufrüttelnden Beitrag.

    • Ja – traurig aber wahr. Ich finde auch das Medial immer stärker der Eindruck vermittelt wird, das Kinder eher als Accessoires zu betrachten sind…vorher waren es die Hunde der Promis und jetzt sind es eben Kinder. Und eher ein Luxusartikel… Am Ende ist es ein gestörte Existenz ala Justin Biber, Miley Cirus und wie sie alle heißen… Eine neue Generation an Psychos wird herangezüchtet…Ich spinne den Gedanken weiter und verbinde das Thema mit dem Militärgedanken…„Uncle Sam´´ ist ja auch ein Onkel…sprich: Je mehr seelisch und moralisch kaputte Kinder produziert werden, was anderes passt hier nicht, desto mehr wird sich dann die Bundeswehr in den Vordergrund für sie als „Familie´´ stellen…Dort bekommen sie Essen, Aufmerksamkeit und sogar Orden und Anerkennung für ihren Gewaltdrang. So fügt es sich dann, das Kinder ohne Elternliebe oder Liebe im allgemeinen, dann auch keine Probleme haben auf die Gesellschaft loszugehen…also mit Gewehr und Panzer.

    • @ CaraF:“was mit unserer Zukunft passiert“

      Manche Kreise wollen nur deswegen die Familien zerstören, damit dann andere daran – verzeihen Sie den harten Ausdruck -: Geld verdienen können, Familiensubstitution gewerblich zu betreiben.
      Mich widert das genauso an, wie mich dieser dummidiotische Gender Schwachsinn anwidert.

      Um Kinder zur Freiheit und Selbständigkeit erziehen zu können, braucht es ein „Bild“ vom Menschen, das eben auch berücksichtigt, dass der Mensch in Jahrsiebten sich entwickelt. Kleinkinder imitieren zuerst vieles, was Erwachsene ihnen vormachen. Die Eltern gehen mit dem Kind zusammen in den Supermarkt und nehmen Dinge aus den Regalen und legen die in den Einkaufswagen. Kleinkinder machen das nach ! Die nehmen dann auch etwas aus dem Regal und legen das in den Wagen. Und da macht gar keinen Sinn, dann dem Kleinkind, das zunächst durch Nachmachen lernt, zu „erklären“, warum es das nicht machen soll. Denn das Jahrsiebt, in dem das Kind durch Erklärungen lernt, kommt erst nach dem Zahnwechsel.
      Und man spricht anders mit Vierzehnjährigen als mit Einundzwanzigjährigen und so weiter.

      Wenn man schon Kleinkindern vorlebt, dass „Vater“ und „Mutter“ beliebig austauschbare, für Geld engagierbare Leute sind, dass man die heute „Onkel“ und morgen „Pappi“ nennt, dann wird da etwas verfestigt in den Seelen der Kinder, was dann später zur Bindungslosigkeit und zum seelisch-geistigen Vakuum wird. Solche Erwachsene haben kein inneres fest strukturiertes Selbstvertrauen entwickeln können, weil denen das Urvertrauen fehlt, das eine wirkliche Familie geben kann. Es gibt da immer auch Ausnahmen, weil manche Familien die Kinder unterdrücken, statt deren Anlagen zu fördern und zu entwickeln. Irwisch weist ja auf so etwas hin. Da wäre vielleicht eine „Patchworkfamilie“ die bessere Alternative, wenn da das Ziel ist, zur Freiheit und Selbständigkeit zu erziehen.
      Wenn dieses Urvertrauen und dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten innerlich fehlt, dann sucht der Mensch nach äusseren festen Strukturen. Da sucht der beim Militär dann nach einem äusseren „Panzer“, weil der innerlich hohl und butterweich ist und kein „Knochengerüst“ von festem innerem Selbstvertrauen mitbringt. Da wird der Mensch zur „Schildkröte“, die nach aussen hin hart ist. Wie ein Insekt. Innen schleimige Masse und aussen harter Chitinpanzer. Da ist dann kein verantwortliches Ich, da gibt es dann nur noch ein Wir ! Yes we can. Statt: Ich kann.
      Nur noch ein Kollektiv wie ein Heuschreckenschwarm, der über alles herfällt, bis die Erde öde ist, eine Wüste ist.
      Das beginnt mit der Verwüstung und Verödung menschlicher Seelen durch Kommerzialisierung von Familiensubstitution.

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