Corona – Maximale Alarmstufe in Paris

Von Sean Henschel.

Seit Dienstag, den 6. Oktober, gelten in Paris verschärfte Maßnahmen. Diese besagen unter anderem, dass Bars vorerst für zwei Wochen bis zum 19. Oktober geschlossen bleiben müssen, während Restaurants offenbleiben dürfen. Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran hatte schon am 23. September neue Maßnahmen angekündigt. Das Land wurde in vier verschiedene Zonen eingeteilt, von der Alarmzone, Hochalarm-Zone und der maximalen Alarmzone bis hin zu Zonen des Gesundheitsnotstands. Paris rutschte in die maximale Alarmzone und sah sich somit neuen Einschränkungen ausgesetzt.

Bereits gegen die zuletzt erlassenen Maßnahmen der verkürzten Öffnungszeiten bis 22 Uhr hatte es Widerstand seitens der lokalen Politik und der Bars- und Restaurantbetreiber gegeben. Insbesondere wurde in diesem Zusammenhang die Unvorhersehbarkeit und Widersprüchlichkeit der Handlungen der Zentralregierung gerügt. Diese wurden jetzt erneut und zulasten der Barbesitzer verschärft.

Der Polizeipräfekt Didier Lallement laß im Fernsehen den ganzen Katalog an neuen Maßnahmen vor. Er stellte unter anderem nochmals klar, dass der Konsum von Alkohol auf öffentliche Straßen und Plätze ab 22:00 weiterhin verboten bleibt, genauso wie das Spielen lauter Musik an öffentlichen Plätzen, um Menschenansammlungen zu vermeiden.

Die Entscheidung Bars zu schließen aber Restaurants offen zu lassen, stößt bei vielen Barbetreibern auf scharfe Kritik, da sie sich ungleich behandelt fühlen. Die Widersprüchlichkeit der undifferenzierten Trennung zwischen Bars und Restaurants wird besonders klar, wenn man sich vor Augen führt, dass Restaurants gerade jetzt gerne als Location genutzt werden, um etwas trinken zu gehen. Die Kundschaft, die sonst in die Bars gegangen wäre, wandert einfach an die Restaurantbetreiber ab, die bei dieser Gelegenheit ein paar mehr Stühle auf die Straße stellen.

Anstatt dass die trinklustigen Pariser sich also auf viele Örtlichkeiten verteilen können, versammeln sie sich bei Restaurants, die als einzige noch offen bleiben dürfen. Die dadurch umso volleren Restaurants werfen vor dem Hintergrund, dass diese Regelung getroffen wurde, um Menschenansammlungen zu vermeiden, große Fragen bezüglich der Kohärenz und Sinnhaftigkeit der Maßnahmen auf.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kommentierte die neue Lage mit folgenden Worte:

„Das Leben muss sich weiter entfalten können, das demokratische, wirtschaftliche und soziale Leben. Die Gesundheitskrise hat harte, dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit. Wir sind eine Stadt, die sehr vom Tourismus abhängig ist. Wir müssen mit dem Virus leben und uns schützen.“

Während das öffentliche Leben heruntergefahren wird, baut die Stadt Paris ihr Sicherheitspersonal aus um, in den Straßen für mehr Sicherheit und Ordnung zu sorgen.

Wie es in Zukunft in Frankreich weitergehen wird, hat der französischen Präsidenten Emmanuel Macron in einem Interview am Mittwoch indirekt vorweggenommen. Er sprach davon, dass die „Epidemie sich weiter ausbreitet“ und man Richtung weiterer „Einschränkungen“ bewegen müsse, insbesondere dort, wo älteren Menschen betroffen seien.

Quellen:

  1. https://www.service-public.fr/particuliers/actualites/A14321
  2. https://www.gouvernement.fr/sites/default/files/cfiles/prez_-_conf_de_presse_23092020_-_vdef.pdf
  3. https://twitter.com/BFMTV/status/1313054881457074178
  4. https://www.paris.fr/pages/coronavirus-les-mesures-prises-par-la-ville-7672
  5. https://www.deplacementspros.com/international/paris-se-reconfine-levenementiel-a-larret
  6. https://www.paris.fr/pages/la-ville-de-paris-recrute-120-inspectrices-et-inspecteurs-de-securite-15262
  7. https://www.prefectures-regions.gouv.fr/ile-de-france/Actualites/Nouvelles-mesures-de-lutte-contre-la-COVID-19-5-octobre-2020
  8. https://www.bfmtv.com/politique/covid-19-pour-emmanuel-macron-on-doit-aller-vers-plus-de-restrictions_AN-202010070336.html

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle:    4K360 / shutterstock.com

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3 Kommentare zu: “Corona – Maximale Alarmstufe in Paris

  1. "Leute, die es schaffen, und Leute, die nichts sind."
    (Emmanuel Jean-Michel Frédéric Macron, Staatspräsident von Frankreich)

    Frankreich: Streiks, Proteste, Demonstrationen – ein Blick auf die andere Seite der Gewalt. Eine Dokumentation von Heiner Biewer.
    28. Januar 2020 um 14:44 Ein Artikel von Heiner Biewer | Verantwortlicher: Redaktion

    Vorbemerkung zu dieser Dokumentation: Unsere Gesellschaften zerfallen. Die Kluft zwischen Reich und Nicht-reich bzw. Arm wird immer größer. Die Oberschichten bestimmen über weite Strecken die politischen Entscheidungen. In dieser Situation erwarten manche kritischen Zeitgenossen, dass es zum Protest, ja bis hin zum revolutionären Akt kommen könnte. Manche hoffen auf diese Entwicklung. Ich kann das verstehen, vermute aber, dass sich die herrschenden Kräfte rüsten und dass sie mit aller Brutalität zuschlagen. Das sehen wir in Chile, in Bolivien, in Frankreich, in China zum Beispiel. Deshalb dokumentieren die NachDenkSeiten im Folgenden Text, Fotos und Links von Heiner Biewer. Danke vielmals für die Mühe. Albrecht Müller.

    Im Text findet sich die folgende Passage:

    „Beinstellen kommt offenbar in Mode. Zwei Polizisten bringen vorsätzlich eine junge Frau zu Fall, das Zusammenspiel wirkt wie einstudiert; wenig hätte gefehlt und sie hätte mit dem Kopf auf einen Eisenpfosten fallen können.“

    Dieser Vorgang war mir vor einiger Zeit schon aufgefallen. Beinstellen ist harmloser als Auge ausschießen oder Hand wegschießen, aber dieser kleine Vorgang belegt den Geist, in dem die Konterrevolution trainiert wird. Mit Demokratie und demokratischer Auseinandersetzung, mit Demonstrationsrecht und Einheit von Bürger und Staat hat das alles nichts mehr zu tun. Hier wird wieder einmal sichtbar, auf welch schlimmem Weg wir sind.
    (…)
    “In Frankreich ist das politische Grundrecht, in Sicherheit demonstrieren zu können, zerstört worden. In Frankreich kann man nicht mehr demonstrieren, ohne die körperliche Unversehrtheit und selbst das eigene Leben zu gefährden. Wir warten immer noch darauf, dass die großen Medien diesen unerträglichen Zustand benennen, der … den Anspruch, den “Liberalismus” gegen den “Illiberalismus” von Orban & Co, zu verteidigen, der Lächerlichkeit preisgibt”.

    Was nun?

    Das Macron-Regime scheint unbeugsam bereit, seinen Weg fortzusetzen: was bei uns Helmut Kohl mit seiner “geistig-moralischen Wende” eingeleitet und Schröder/Fischer nach zwei Jahrzehnten mit der Agenda 2010 vollendet haben, will die männliche Margaret Thatcher Frankreichs in einer einzigen Präsidentschaftsperiode umsetzen: die Schleifung des Sozialstaates. Die “Rentenreform” ist das Kernstück dieses Vorhabens: daher die Unerbittlichkeit dieser “Kreatur der Oligarchie”, wie Juan Branco – einer der Anwälte von Julian Assange – ihn nennt.
    (…)
    Man muss die Geschichte eben immer von der richtigen Stelle aus erzählen: Wo hat die Gewalt ihren Ursprung? Bei den zertrümmerten Schaufenstern oder bei der Gewalt, die den Menschen zuvor angetan wurde?
    https://www.nachdenkseiten.de/?p=58044

    P.S.: Ebenso ein Verehrer des Marschall Pétain.

    • Das ist ein Gesichtspunkt der Pandemie, der mir seit Monaten schwer zu schaffen macht: Die Pandemie erzeugt nämlich mehrheitlich unsichbare(!) Tote. Die Menschen sterben wie die Fliegen, werden aber kurz nach dem Tod unsichtbar. Das ist ein sehr unheimliches Symptom der Covid-19-Erkrankung, und wurde von Drosten und seinen Unterstützern, ja selbst von der Weltgesundheitsorganisation, noch nirgends diskutiert. Es zeigt sich wieder einmal, dass uns Presse, Funk und Fernsehen über wichtige Eigenschaften der Pandemie im Unklaren lassen.

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