Corona-Untersuchungsausschuss – Teil 17 | Von Jochen Mitschka

Majestätsbeleidigung oder notwendige Prüfung?

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

Wir setzen hiermit die Berichterstattung über die Corona Ausschusssitzung 9. „Die Rolle der Medien“ (1) mit dem 3. Teil fort, kommen auf die Sitzungen 7 und 8 später zurück, wenn die von YouTube gesperrten Videos auf anderen Kanälen wieder verfügbar sind.

Nach dem deutschen Journalisten und Psychologen Patrick Plaga, der zur Zeit in Schweden lebt, kam Prof. Michael Meyen zu Wort, der die Situation der Medien in der Krise aus soziologischer und historischer Sicht analysiert. Hier die Fortsetzung seiner Anhörung.

Prof. Dr. Michael Meyen

Dr. Füllmich fragte dann, was denn wohl passieren würde, wenn sich bestätigt, dass die PCR-Tests aber auch gar nichts über aktuelle Infektionen aussagen, und zum Beispiel, wenn gerichtlich festgestellt wird, dass die Zahlen, die offiziell und von den Medien zur Demonstration vom 1.8. in Berlin genannt worden waren, komplett falsch sind.

Prof. Meyen meint, dass Corona nur zuspitzen würde, was man seit 20 Jahren beobachten könne. Die ersten Zweifel wären nach den Berichten über den 11. September aufgekommen. Dann wäre die Informationspolitik in der Bankenrettung infrage gestellt worden, dann die Berichte über Griechenland und die Ukraine, oder die Meldungen über Ostdeutschland.

Als ehemaliger DDR-Bürger wisse er, wie die Menschen dort denken, und wie unzufrieden sie über die Berichterstattung wären.
Das Vertrauen in die Institution Massenmedien wäre ohnehin schon erschüttert. Selbstkritik könne man kaum erwarten, wie das Beispiel der 180° Wendung im Fall der Maskenpflicht zeigen würde. Seine Studenten hätten versucht, am Beispiel der NSU-Berichterstattung eine Selbstkritik der Medien zu finden, jedoch bis auf Einzelfälle erfolglos. Die Medien würden ganz einfach die Berichterstattung ändern, auf einen anderen Zug aufspringen, und so tun, als ob es etwas Anderes nicht gegeben hätte.

Er ist sich sicher, dass dies auch für die Berichterstattung im Fall von Corona gelten wird. Die Journalisten orientieren sich an offiziellen Quellen, übernehmen es und das wars.

Dr. Füllmich meinte, dass sich einige Journalisten aber so weit aus dem Fenster gelehnt hätten, dass sie doch wohl kaum unbeschädigt aus der Situation herauskommen würden. Daraufhin antwortete Prof. Meyen, dass der Journalismus in der Lage sein wird, immer wieder positive Beispiele, also Feigenblätter vorzuzeigen, die doch die andere Meinung schon immer hatten vertreten können. Aber es wird spannend werden, ob dies diesmal in allen Fällen funktionieren werde.

Der Aufwind der alternativen Medien wäre nur möglich gewesen, weil eben die abweichenden Meinungen nur dort vertreten gewesen wären. Aber erst, wenn der Corona-Ausschuss in der Tagesschau erwähnt werden würde, müsste man sich mit ihm beschäftigen. Die Leitmedien definieren, was Realität ist. So lange man den Ausschuss nicht angreife, wird er nicht wahrgenommen. Natürlich wächst die alternative Szene, und der Kampf um die Deutungshoheit ist nicht endgültig abgeschlossen, aber der Ausgang noch vollkommen ungewiss.

Prof. Meyen erläuterte, dass die Berichterstattung ja in der Regel nicht „lügen“ würde, sondern nur falsch „interpretiert“ und Dinge weglässt, welche für das Verständnis wichtig wären. Daher könne sich der Journalismus auch bei veränderter Wetterlage zurücklehnen und würde einfach anders berichten. Großartige Folgen auch für diejenigen, die wie Füllmich meinte, „mit Schaum vor dem Mund“ argumentiert hätten, erwartet er nicht.

Dr. Füllmich äußerte die Vermutung, dass es für Journalisten nicht so einfach sein werde, sich in bestimmten Kernfragen herauszureden. Prof. Meyen antwortete, dass sich diese Journalisten immer wieder auf die „offiziellen Quellen“ werden berufen können. Er sieht auch soziale Probleme darin, dass Journalisten, die plötzlich so nahe an der Macht sind, beginnen, die offiziellen Zahlen oder Quellen zu hinterfragen. Denn die Nähe ist ein Privileg, das sie haben, und sie werden alles unternehmen, dieses Privileg zu erhalten.

Dann bezog er sich darauf, dass man in der DDR auch oft dem Staat geglaubt hatte, aber wie schnell dann der Glaube zusammengebrochen war. Menschen mit diesen Erfahrungen hätten es vermutlich einfacher, auch heute offizielle Quellen anzuzweifeln. Aber wenn man in diesem Leben [im Westen] sozialisiert wurde, und, da alles gut läuft, man keinen Anlass hat, etwas zu verändern, wird man tunlichst vermeiden, zu zweifeln.

Prof. Meyen erklärte, dass ein Forschungsprojekt darüber läuft, wie sich der normale Medienkonsument die Organisation der Medien vorstellt. Und dass dieses Modell sehr wahrscheinlich grundsätzlich von dem Abweichen wird, welches Medienexperten und Politik sich vorstellen.

Frau Fischer befürchtete, dass sich immer stärker Informationsblasen entwickeln, in welchen die Menschen sich einerseits in den Leitmedien informieren, und andererseits in den „alternativen“ Medien, so dass die Spaltung der Gesellschaft immer größer wird.

Prof. Meyer wies dann darauf hin, dass Journalisten auch darauf angewiesen sind, aus der Gesellschaft eine Realität erklärt zu bekommen. Und da es genügend Beispiele dafür gibt, was mit Menschen, wie Polizisten, Sportlern oder Wissenschaftlern passiert, welche aus dem Konformismus ausscheren und dann teilweise um ihre Existenzgrundlage bangen, gibt es leider nicht Viele, die es wagen auszuscheren. Und man könne sich vorstellen, dass Journalisten ohne diesen gesellschaftlichen Input auch Schwierigkeiten haben, eine Gegenposition zum offiziellen Narrativ zu vertreten, oder dieser Position Raum zu geben.

Dr. Füllmich hinterfragte dann die Ergebnisse der offiziellen Meinungsforschung und nannte als Beispiel das totale Versagen vor der Wahl von Trump in den USA. Prof. Meyer bestätigte, dass die empirische Sozialforschung ebenfalls in einer Krise ist. Einerseits würden die Menschen, welche den Institutionen nicht mehr vertrauen, einfach nicht mehr mitmachen. Andererseits könne man über Formulierungen der Fragen die Ergebnisse beeinflussen. Zusätzlich würden die Medien die Ergebnisse noch interpretieren.

Prof. Meyer erklärte dann, dass der Resonanzboden, der Testraum für die Politik, der durch die „kleine Öffentlichkeit“ geschaffen werde, also durch das Zusammenkommen von Menschen, die sich verbal und nonverbal signalisieren, wie sie denken, durch die Maskenpflicht drastisch eingeschränkt worden wäre. „Ich schnappe nichts mehr auf, ich höre niemanden mehr reden“. Die Öffentlichkeit, also der Raum, der zwischen Bürger und Politik vermitteln sollte, würde durch die Maskenpflicht quasi abgeschafft. Das Maskentragen würde verhindern, dass sich Bürger untereinander austauschen können. Natürlich könne man sich mit Freunden und Bekannten austauschen, aber die sind naturgemäß in ähnlichen Situationen und Meinungen. Entscheidend wäre, dass die zufällige Kommunikation mit Fremden wegfallen würde.

Dr. Füllmich wies darauf hin, dass nicht nur in Holland, sondern auch in China, jeder Bürger sogar jedes Gerichtsverfahren anklicken, und sich von zu Hause aus anschauen könne. Er forderte eine Diskussion darüber, ob solche Übertragungen und Speicherungen nicht hilfreich wären für die Schaffung von Transparenz und Disziplinierung von Prozessbeteiligten.

Dr. Wodarg wies darauf hin, dass im Parlament „die Kamera“ bereits installiert wäre, und Bürger alle Diskussionen abrufen könnten. Aber dadurch wäre nur eine große Bühne für Darstellungen entstanden. Die eigentlichen Entscheidungen würden in den Ausschüssen gefällt werden, und wie dort die Entscheidungsfindung vonstatten ginge, darüber gäbe es keine Aufzeichnungen. Die Kamera im Parlament wäre ein Alibi für „Öffentlichkeit“, während die wichtigen Entscheidungen hinter die Bühne verlagert werden würden.

Prof. Meyen meinte, dass man als Politiker darauf bedacht ist, durch die Medien eine Legitimation für die eigenen Taten zu erhalten, weil Politiker darauf angewiesen sind, die Akzeptanz der Wähler zu erhalten. Markus Söder hätte beim Bayerischen Rundfunk volontiert, er wüsste, wie die Journalisten ticken, und es wäre kein Zufall, dass er zu einer so dominanten Figur in der Krise wurde. Er würde die Klaviatur des Mediensystems besser beherrschen als seine Konkurrenten.

Frau Fischer wies auf eine Studie der Universität Erfurt hin. Darin wären sogar Empfehlungen für „Stories“ gegeben worden, die man empfahl, um die bröckelnde Akzeptanz in der Bevölkerung für die Regierungsmaßnahmen wieder zu erhöhen. Prof. Meyer brachte noch einmal den Begriff „Verantwortungsverschwörung“ ins Spiel. Er beschreibt, dass Wissenschaftler und Journalisten sich in der Verantwortung sehen, die Maßnahmen der Regierung zu unterstützen. Sie glauben, dass sie auf Grund ihrer Bildung und Rolle in der Gesellschaft dafür verantwortlich sind.

Dadurch würden Wissenschaftler nicht mehr nur analysieren, und Journalisten nicht mehr nur berichten, sondern sie würden zur Meinungspartei werden.

Außerdem, so Prof. Meyer nach einer Frage von Dr. Füllmich, wäre natürlich die Nähe der Medien zur Politik ein großes Problem. Denn nur aus der Distanz ließe sich eine einigermaßen objektive Berichterstattung formulieren. Politik würde sich auch Nähe durch Exklusivnachrichten „erkaufen“. Man „füttert“ bestimmte Journalisten mit Nachrichten, die andere eben nicht haben, und man kann sich so „Wohlwollen“ für den nächsten Fall, in dem man selbst nicht so gut dasteht, erkaufen.

Professor Johannes Ludwig

Neu in das Hearing kam der Kommunikationswissenschaftler Johannes Ludwig, der sich besonders mit den Verbindungen der Medien untereinander beschäftigt, wie Frau Fischer anmerkte. Daraufhin erklärte er, dass Medien in erster Linie auf zwei Beinen stehen würden. Das eine wäre die Frage, wie groß die Freiheitsrechte der Recherche sind. Im internationalen Vergleich wäre Deutschland da sehr gut platziert. Das zweite Bein wäre das wirtschaftliche Fundament. Es gehe um die Frage, wie sich die Medien finanzieren, um die Kosten für die Recherchen abzudecken.

Da gibt es dann aus historischen Gründen „reiche“ Medien, wie den Spiegel, meinte er. Dieser hätte von den finanziellen Voraussetzungen her alle Möglichkeiten, jede Recherche durchzuführen, theoretisch. Aber man müsse immer zwei Ebenen auseinanderhalten. Zum Einen die der Systeme, wie sie sich definieren, welches Selbstverständnis sie hätten. Zum Anderen die Ebene der Akteure.

Bei den Systemen gibt es ja den ÖRR und das private Fernsehen. Wobei die Privaten sich aus Werbung finanzieren würden, daher enorm auf die „Kundschaft“ Rücksicht nehmen müssten. Beim ÖRR wäre es komplizierter, und sicher nicht transparent. Die Rundfunkräte, die von der Idee her die Bevölkerung wiederspiegeln sollten, sind im Prinzip nur Vertreter der Politik, der Kirchen und anderer Institutionen, und das jeweils von deren Führung bestimmt. Es wäre aber nicht wirklich ein Querschnitt der Bevölkerung.

Im Printbereich gäbe es noch ungefähr 300 unterschiedliche „Titel“. Aber die wären entweder in großen ökonomischen Verbünden zusammen gefasst, oder inzwischen zum größten Teil mit „Zentralredaktionen“ versehen. Dann gibt es die überregionalen Medien wie die Süddeutsche, oder die Welt, die FAZ usw. Die hätten noch einen anderen Anspruch.

Überregionale Medien könnten eher zum Beispiel über Korruption im Umfeld von Regionalzeitungen schreiben, als regionale Zeitungen, die eine gewisse Nähe und Informationsabhängigkeit von den regionalen staatlichen Institutionen hätten. Aber obwohl das so wäre, gäbe es jedes Jahr ungefähr 60 Reportagen, die sich um einen Preis der Tagespresse bewerben würden. 15 Jahre lang hätte er mit seinen Studenten diese Geschichten aufgearbeitet. Und er müsse der Meinung widersprechen, dass in der lokalen Presse nicht mehr recherchiert werden würde. Es gäbe sogar Geschichten, die durchaus große Reaktionen auslösen würden, und die Republik „zum Wackeln“ bringen würden.

Als Beispiel nannte er das Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Berliner Morgenpost hätte zum ersten Mal Vorgänge aufgegriffen, die dann immer größere Wellen geschlagen hätten.

In den lokalen Medien wäre es Usus, dass die Journalisten in der Freizeit recherchieren würden, weil sie wüssten, dass sie den Redaktionsleiter nur mit Fakten bewegen können, eine Reportage zu beauftragen.

Das große Rätsel nun auch für ihn wäre, warum im Fall von Corona, niemand entscheidende Fragen stellen würde. Er stellte fest, dass in Deutschland jeden Tag ungefähr 2600 Menschen sterben würden. Das beträfe ca. 600 Menschen, die an Krebs sterben, während man seit März insgesamt ca. 70 Tote als Corona-Tote zählen würde. Was etwas mehr als bei der normalen Grippe wäre, bei der man mit 60 Toten rechnen könne. Aber kein Medium berichte über diese Diskrepanz von 600 Krebstoten täglich und 70 Corona-Toten seit März.

Wenn zwei Airbusse zusammenstoßen würden, und 600 Menschen stürben, dann wäre dies das einzige Medienereignis für alle Medien. Warum ist es so, fragte er sich, warum man bestimmte Dinge als „normal“ betrachte, so wie über viele Jahre die Grippetoten, aber dann plötzlich alle über Corona reden.

Es wären wohl die Leitmedien, die einen gigantischen Einfluss darauf hätten. Niemand in den offiziellen Medien stelle sich leider laut die Frage, wie man es hinbekommen könne, dass die Freiräume die es gibt, mehr wahrgenommen werden. Die Freiräume werden wohl nicht genutzt, weil in den meisten Fällen die Meldungen, die Freiräume nutzen, einfach untergingen.

Es gäbe strukturelle Ungleichgewichte, die dazu führen würden, dass bestimmte Themen einfach untergehen, und dass andererseits bestimmte Themen unsere Wahrnehmung und unser Leben bestimmen. Die Leitmedien würden aus unterschiedlichen Gründen den Ton angeben und alle würden hinterherrennen. Statt nach Problemen zu suchen, würden Journalisten sich darauf konzentrieren zu berichten, was andere eben auch bearbeiten, aus Angst, dass sonst ihr Bericht schlichtweg „untergeht“.

„Wie schaffen wir es, dass Journalisten, die in bestimmten Systemen arbeiten, solche Freiräume haben (…) und dass dies dann auch medial wahrgenommen wird.“

Er fügte hinzu, dass im Moment die Wahrnehmungsfehler der Medien einfach durch die Medien an die Bevölkerung weitergegeben würden. Auf Nachfrage erklärte er, dass noch niemand beantworten könne, warum die Corona-Berichterstattung praktisch die gesamte Medienwelt total beherrscht, und andere Themen untergehen. Allerdings wäre es nicht neu, dass bestimmte Hypes entstehen, Berichterstattungsspiralen, auf die sich jeder setzen würde. Wie im ÖRR, in dem am Montag der Spiegel aufgeschlagen würde, um festzustellen, über was man auch berichten müsse.

Es gäbe eine Art Druck, sich an Themen anzuhängen. Die New York Times mit 1500 Journalisten war nach 9/11 voll auf den Hype aufgesprungen, dass man nun Krieg gegen Afghanistan führen müsse, und es hätte zwei Jahre gedauert, bis die NYT selbst bemerkt hätte, dass sie einem Mechanismus aufgesessen war, den sie nicht von vornherein erkannt hatte, bis sie dann bemerkte, dass sie sich von einer allgemeinen Stimmung hatte überwältigen lassen, statt ihren Job zu machen, und zu recherchieren.

Als weiteres Beispiel nannte er in Deutschland die Berichterstattung über den Vietnamkrieg. Im Fall von Corona gäbe es im Moment zu wenige Menschen, die kritische Fragen stellen würden. Diese würden fast ausschließlich außerhalb der offiziellen Medien stattfinden, in YouTube-Kanälen, sozialen Medien, oder wenig beachteten Internetseiten. Diese hätten keine Reichweite, und die Menschen würden sich an die Leitmedien halten, weil sie meinen, sonst etwas zu verpassen. Und das wäre im deutschen Mediensystem ein struktureller Fehler.

Dr. Füllmich nannte dann aber die Namen der Wissenschaftler und Fachleute, die schon früh „aus der Deckung gekommen“ wären, ohne dass die Medien aber ernsthaft darauf eingegangen wären. Und niemand in den Medien hatte etwas unternommen, als Dr. Wodarg ganz gezielt verleumdet wurde.

Als Antwort meinte Prof. Ludwig, dass man sich die Akteure und die Strukturen, in denen sie leben, anschauen müsse. Er erklärte die prekären Arbeitsverträge. Viele wagen es nicht, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, weil sie um ihre wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenz fürchten, erklärte er. Natürlich gälte dies nur für jene, die die Zeit und Ressourcen hätten, in erster Linie also für Journalisten im ÖRR. Aber dort gäbe es die völlig intransparenten Abhängigkeitsmechanismen, über die kaum jemand rede, die zum Konformismus führen würden.

Prof. Ludwig stellte fest, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf Grund der finanziellen Ausstattung und Recherchemöglichkeiten eigentlich ideal dafür ausgerüstet wäre, investigativen Journalismus zu betreiben. Aber eben nur theoretisch.

Er sprach dann über die Strukturen und Abhängigkeiten, die indirekten Einflussnahmen. Aber erklärte dann auch, dass größere Produktionen im ÖRR auch relativ lange Vorlaufzeiten hätten. Man müsste mit mindestens einem Jahr rechnen. Wenn man sich Monitor oder Panorama anschauen würde, wären dort in erster Linie kurze Berichte von 6-8 Minuten zu sehen. Wenn man direkt angestellt ist wie im Öffentlichen Dienst, und damit quasi unkündbar, dann könnten diese Journalisten durchaus gegen den Strom schwimmen, und Narrative hinterfragen. Aber sie täten es einfach nicht, weil es einfacher, bequemer wäre, nicht aufzufallen.

Andererseits gäbe es viele freie Journalisten, die unter erheblichen Schwierigkeiten, teilweise unter dem Einsatz ihrer wirtschaftlichen Existenz, versuchen würden, die richtigen Fragen zu stellen. Eigentlich müssten die im ÖRR arbeiten, statt jene, die ihren Job als bequeme Absicherung sehen und schon eine Beamtendenke hätten. Aber das werde wohl nicht ohne eine größeres Mitspracherecht der Medienkonsumenten, der von den Medien betroffenen Bürger jemals realisiert werden.

Aber eine solche Entwicklung wäre nicht absehbar. Die normalen Menschen, an die sich die Medien richten, würden sich zu wenig Gedanken machen, wie die Medien überhaupt funktionieren. Und sie wären auch nicht bereit, zu zahlen, was für einen solchen Journalismus als Aufwand anfällt. Während jeder weiß, wie teuer die Produktionsstraßen von Automobilfabriken sein müssen, hat kaum jemand eine Vorstellung von den wirtschaftlichen Bedingungen der Medien, da diese das niemals wirklich kommuniziert hätten. Der Spiegel, so berichtete er, hätte einmal errechnet, dass der Verzicht auf Werbung die Kosten für eine Ausgabe von fünf Euro auf elf bis zwölf Euro würde steigen lassen.

Auf die Frage von Dr. Füllmich, inwieweit finanzielle Zuwendungen, wie sie zum Beispiel von der Gates-Stiftung an die Medien fließen, die Berichterstattung beeinflussen, antwortete Prof. Ludwig, dass man ja nur wüsste, was offiziell bekannt gegeben werde. Die Beträge, die bekannt wurden, wären vergleichsweise gering. Er erwähnte dann, dass ein Blog-Medium im Rahmen einer Recherche den Spiegel über die Zahlungen der Gates Stiftung befragt hätte. Der Spiegel gab dann zu, gemeinsam mit der Gates Stiftung ein Projekt zu machen. Selbst wenn die Summe gering wäre, bedeute es, dass man mit dem Geldgeber auf einer freundlichen Ebene kommunizieren müsse.

„Es heißt im Zweifel auch, selbst wenn man es sich selber nicht zugibt, man ist immer irgendwo in einer Abhängigkeit drin.“

Dr. Füllmich fragte, ob die Kombination von zu großer Nähe und dann auch noch finanziellen Verbindungen nicht ein großes Problem der Medien wäre. Professor Ludwig bestätigte das, und erklärte die formelle Nähe und die gefährliche informelle Nähe. Richter halten Vorträge, man trinkt ein Bierchen [wobei er auf Erklärungen von Dr. Füllmich einging], das wären die Dinge, die solche gegenseitige Abhängigkeiten konstruieren können, natürlich nicht zwangsläufig.

Ausblick

In der nächsten Zusammenfassung wird auf weitere Aspekte eingegangen, warum die Medien in der Corona-Krise sich als Verteidiger der Regierungspolitik sehen, und das Interview von Prof. Ludwig beendet.

Quellen:

(1) https://youtu.be/Q11xjqRwWhk

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Bildquelle: OvalMedia

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