Das Einmaleins der Macht | Von Dharmendra Laur

Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Die Techniken der Herrschaftsausübung sind über viele Epochen hinweg gleich geblieben und wurden perfektioniert.

Von Dharmendra Laur.

Herrschaft im Mittelalter

In der Vergangenheit wurde Macht vor allem auf zwei Arten ausgeübt: zum einen durch rohe, physische Überlegenheit und die damit einhergehende Fähigkeit, Zwang auszuüben; dem gegenüber steht die Machtausübung durch eher subtile, intellektuelle Überlegenheit, mit deren Hilfe man andere, vorwiegend durch Täuschung, manipulieren und kontrollieren kann.

Während des Mittelalters waren in Deutschland und Europa beide Formen präsent. Die grobe, weltliche Macht lag formal in den Händen der Fürsten und Könige, die über Armeen verfügten und ihren Willen gewaltsam durchsetzen konnten. Der Klerus, also die Vertreter der sogenannten Geistlichkeit, bestimmte maßgeblich, woran die Menschen damals glaubten. Die Geistlichen waren die Herren der Meinungen und Ansichten und genossen hohes Ansehen und Vertrauen. Das brachte sie in eine Position, in der sie ihre Zuhörer, von ihrer Kanzel herab, beinahe nach Belieben mit Gedanken und Ideen füttern konnten. Viele der gepredigten Inhalte zielten vor allem darauf ab, Vorteile für die klerikale Klasse zu schaffen.

Tatsächlich hatte der Klerus nicht nur Kontrolle über die Gedanken der gemeinen Bevölkerung, sondern besaß auch die letztendliche Macht über die weltlichen Fürsten. Das wird zum Beispiel am berühmten Gang nach Canossa deutlich, als der weltliche König Heinrich IV. im 11. Jahrhundert nach Canossa reiste, um sich vor Papst Gregor VII. zu verneigen und so seine Niederlage in einem Kampf um das Recht darüber, Bischöfe und Äbte in ihre Kirchenämter einzusetzen, einzugestehen und um Vergebung zu bitten. Generell waren die Könige und Kaiser des damaligen Deutschen Reiches von der Gunst des Papstes abhängig, der seine Dominanz ihnen gegenüber bei deren Krönung demonstrierte. Schließich war es der Papst, der dem Kaiser die Krone aufs Haupt setzte und nicht umgekehrt. Der Kaiser empfing seine Macht so symbolisch vom Papst.

Die eigentliche Macht lag also beim Klerus und damit bei den Herrschern über Gedanken und Ideen. Wie konnten sie die weltlichen Fürsten trotz deren Armeen kontrollieren?

Dogma

Indem sie mithilfe von unantastbaren Glaubenssätzen geistige Gefängnisse konstruierten, aus denen einzelne Individuen nur schwer entfliehen konnten. Verbreitet eine Vertrauens- und Autoritätsperson, wie beispielsweise ein örtlicher Pfarrer, Überzeugungen wie die von der Existenz eines Fegefeuers und ähnliche, angsteinflößende Mythen, lähmt die daraus entstehende Angst die jeweiligen Gläubigen oft so sehr, dass sie es nicht einmal wagen, den Mythos selbst zu hinterfragen.

Darüber hinaus können die wenigen, die die Informationen des Priesters hinterfragen, kaum über ihre Ansichten sprechen, weil sie Gefahr laufen, von der Mehrheit der Strenggläubigen ausgestoßen zu werden.

Als Menschen ist unser nacktes Überleben abhängig von der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Fast nichts weckt unsere ureigensten Ängste so sehr wie die Angst vor absoluter sozialer Isolation. Sie ist lebensbedrohlich.

Und so stehen die wenigen kritischen Seelen nun also da und können ihre Gedanken nur unter großem Risiko verbreiten. Das zementiert nicht nur das bestehende dogmatische Glaubensgefängnis, sondern erschwert auch noch das Auffinden von Gleichgesinnten, was die Grundvoraussetzung für die Formierung einer möglichen Widerstandsbewegung ist. Zu den sozialen Repressionen, die sich aus den fanatischen Überzeugungen der Klerusanhänger ergeben, gesellen sich häufig noch direkte Bedrohungen von Leib und Leben Andersdenkender in Form staatlicher Repressionen durch die weltlichen Herrschaftsstrukturen. Ketzer wurden auch von weltlichen Fürsten verfolgt, wie beispielsweise im Falle des Wormser Edikts von 1521 über Martin Luther. Es verbot im gesamten Reich die Unterstützung und Unterbringung Luthers sowie das Lesen und Verbreiten seiner Schriften. Das Edikt wurde vom Reichstag verhängt und vom Kaiser gezeichnet.

Daran wird deutlich, dass die weltlichen Herrscher dieser Zeit die Interessen der geistlichen Fürsten durchsetzten. Zudem zeigt es, wie sehr sich die Religionsführer jener Zeit über das Fundament ihrer Macht im Klaren waren. Ihre Kontrolle über die Gedanken und Ansichten der Bevölkerung wollten sie unter keinen Umständen preisgeben.

Ein weiterer wichtiger Baustein zum Machterhalt des Papstes und seiner Organisation bestand darin, ausschließlich auf Latein zu predigen und die entsprechenden grundlegenden Lehren und Schriften nur in Latein verfügbar zu machen. Das machte es für die einfachen Leute von damals praktisch unmöglich, das Gesagte zu hinterfragen oder sich aus eigener Kraft das notwendige Wissen anzueignen, um in den Augen ihrer Zeitgenossen als geistliche Autorität anerkannt zu werden.

Sich auf Latein zu beschränken war ein Trick des Klerus, um den Zugang zu ihren Reihen sorgfältig kontrollieren zu können und die Risse in ihren Ideologiegebäuden zu maskieren. Nur wer die entsprechende Autorität besaß, um über geistliche Themen zu sprechen, wurde angehört, und um die Autorität zu erlangen, war man auf Unterstützung der bestehenden Autorität angewiesen. Ohne diese Unterstützung war es nur sehr schwer — wenn überhaupt — möglich, sich entsprechendes Wissen und Fähigkeiten anzueignen. So sicherte der Klerus seine dominante gesellschaftliche Position.

Die weltlichen Herrscher mögen das teilweise durchschaut haben, waren dagegen aber machtlos. Ihre Armeen speisten sich ja selbst aus ebendieser Bevölkerung, deren Verstand in den geistigen Gefängnissen der intellektuellen Klasse verharrte.

Wir sehen also, an der Spitze der Gesellschaft standen damals die Intellektuellen in Form des Klerus, angeführt vom Papst. Sie manipulierten die Gedanken und Gefühle ihrer Untertanen und sicherten auf dieser Weise ihre Macht. Sie waren mächtiger als die höchsten weltlichen Herrscher, die selbst mit ihren Armeen nicht gegen die dogmatischen Bannsprüche ihrer Herren ankamen.

Nun zu unserer heutigen Situation: Welche Parallelen gibt es, wo sind die Unterschiede und was können wir daraus lernen?

Herrschaft heute

Die wohl drastischsten Veränderungen des vergangenen Jahres betreffen Freiheitsbeschränkungen im Namen der Gesundheit. Kleine, winzig kleine und sehr komplizierte Teilchen sollen unsere Gesundheit bedrohen. Um den Qualen einer Zwangsbeatmung und dem drohenden einsamen Tode zu entgehen, müssen wir bestimmte Regeln befolgen und Zwangsmaßnahmen akzeptieren.

Diese Regeln können wir nicht wirklich hinterfragen, denn aufgrund der Komplexität der zugrundeliegenden Materie bedarf es einer Legitimation, um über diese Themen zu sprechen. Diese Legitimation umfasst zumindest zwei, besser aber vier Buchstaben vor dem Namen sowie einen weißen, medienwirksamen Kittel. Diese Insignien intellektueller Autorität muss man sich in langwierigen akademischen Ausdauerläufen erarbeiten, und sie sind daher nur für eine kleine Gruppe realistisch erreichbar.

An dieser Stelle beginnen wir Parallelen zwischen damals und heute zu erkennen: Heute ist es wieder eine relativ kleine Gruppe von Intellektuellen, aufgrund deren Ansichten harte Zwangsmaßnahmen legitimiert werden. Ohne die Meinungen scheinbarer Experten zur Gefährlichkeit bestimmter Mikroben könnten Regierung, Polizei und Justiz nicht so agieren, wie sie es derzeit tun. Zumindest nicht ohne massiven Widerstand.

Die Kontrolle über Gedanken und Ideen ist bei der Ausübung von Macht gegenwärtig also wieder — oder immer noch — von großer Bedeutung. In dieser Hinsicht übernehmen heute einige sogenannte Wissenschaftler die Rolle der damaligen Kleriker.

Sie erschaffen abstrakte Bedrohungszenarien, die für die meisten Leute nicht nachprüfbar sind. Die Argumentationen der Pseudowissenschaftler wirklich bis ins letzte Detail nachvollziehen zu können erfordert eine jahrelange Spezialausbildung, über die nur relativ wenige verfügen.

Auch beherrscht ein Großteil der Bevölkerung die Fachterminologie der in eindrucksvollen weißen Gewändern auftretenden Männer und Frauen nicht und kann daher nicht einmal die Sprache derjenigen verstehen, deren Ansichten herangezogen werden, um weitreichende Freiheitsbeschränkungen zu rechtfertigen. Das Latein der damaligen Kleriker wurde in gewisser Weise ersetzt durch das Fachchinesisch heutiger Pseudowissenschaftler.

Mit Pseudowissenschaftler meine ich diejenigen Wissenschaftler, die sich aus wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen Auftragsforschungen mit zumindest gewünschten Resultaten widmen. Selbstverständlich gibt es viele aufrichtig und gewissenhaft arbeitende Wissenschaftler. All diese sind hier ausdrücklich nicht gemeint.

Wie wir sehen, gibt es einige Parallelen zwischen den gegenwärtigen und vergangenen Mechanismen der Machtausübung. Damals wie heute war und ist ein gewisses Maß an Kontrolle über die Gedanken und Meinungen der Bevölkerung notwendig, und damals wie heute kommt den Meinungen und Gedanken einer relativ kleinen, schwer zugänglichen und kaum hinterfragbaren Gruppe von Intellektuellen eine überprortionale Bedeutung zu. Doch sind die Intellektuellen, die Akademiker, die sogenannten Wissenschaftler auch diejenigen, bei denen die Fäden zusammenlaufen? Sitzen sie an der Spitze der Pyramide? Vereinen sie die meiste Macht auf sich? Betrachten wir dazu einige Unterschiede zwischen damals und heute.

Machtverschiebung

Die Geistlichkeit war damals nahezu überall vertreten. Noch heute findet sich in unseren Breiten kaum ein Dorf, mag es auch noch so klein sein, das nicht über eine kleine Kirche oder zumindest eine Kapelle verfügt.

Die intellektuelle Herrscherkaste von damals verfügte somit über ein eigenes, weit gespanntes Netz zur Verbreitung ihrer Ideologien. Sie konnte ihre Glaubensgrundsätze unabhängig von der Gunst anderer selbst verbreiten und gleichzeitig deren Einhaltung sicherstellen.

Darüber hinaus verfügten die Kleriker über großen Grundbesitz. So konnten sie ihren eigenen Unterhalt bequem als Lehnherren bestreiten. Steuern, Zwangsabgaben und Fronarbeit auf den eigenen Ländereien sicherten das Wohlergehen der geistlichen Fürsten. Abtrünnige Untertanen wurden notfalls mit Hilfe der weltlichen Kaiser und Könige auf den „rechten” Weg zurückgeführt. Die Spitze der damaligen Herrschaftspyramide konnte ihre Macht also weitestgehend alleine aufrechterhalten und war dazu kaum auf die Unterstützung anderer Interessengruppen angewiesen.

Die Pseudowissenschaftler genießen diese Privilegien heute nicht mehr. Sie sind nicht bis in jedes Dorf mit eigenen Außenstellen vertreten und verfügen auch über keinen unmittelbaren Zugang zur breiten Öffentlichkeit. Vielmehr sind sie für die Verbreitung ihrer Gedanken und Ansichten auf Unterstützung zum Beispiel durch Politiker oder Massenmedien angewiesen.

Diese befinden sich zu weiten Teilen im Besitz — und damit unter der Kontrolle — von wenigen Großkonzernen, welche ihrerseits maßgeblich von wenigen ultrareichen Privatpersonen kontrolliert werden. Die Intellektuellen sind heute hochgradig abhängig vom Wohlwollen einer vergleichsweise jungen Klasse: der Klasse ultrareicher Wirtschaftseliten.

Verfügten die Intellektuellen früher noch selbst über große Reichtümer, müssen heute viele von ihnen in regelmäßigen Intervallen — typischerweise etwa alle 3 Jahre — Bittanträge zur Finanzierung ihrer Arbeit stellen. Diese Bittanträge werden auch Forschungsanträge genannt und sind eine wesentliche Finanzierungsquelle wissenschaftlicher Vorhaben.

Welche Forschungsthemen förderungswürdig sind, bestimmen die Geldgeber selbst. Ein großer Teil der Wissenschaftsförderung entstammt zwar noch immer öffentlichen Geldern und kann daher theoretisch von der Allgemeinheit mitgestaltet werden, praktisch üben Lobbygruppen mächtiger Wirtschaftsinteressen hier jedoch großen Einfluss aus. Hinter diesen Wirtschaftsinteressen steht erneut die gleiche Klasse ultrareicher Wirtschaftseliten, die neben ihrer indirekten Kontrolle über die Verwendung öffentlicher Fördermittel auch selbst ganz direkt Fördermittel im großen Stil bereitstellen und damit die Aktivitäten der Wissenschaftler auch ganz direkt kontrollieren.

Die intellektuelle Klasse in Form von Teilen der akademischen Wissenschaft ist heute auf mindestens zweierlei Weise hochgradig von der Unterstützung mächtiger Wirtschaftsinteressen abhängig: um einerseits ihren Selbsterhalt und ihre wissenschaftlichen Vorhaben zu finanzieren und um andererseits mit ihren Ansichten und Gedanken eine gewisse gesellschaftliche Wirkmacht entfalten zu können. Sie genießen nicht mehr das gleiche Maß an Unabhängigkeit wie ihre intellektuellen Kollegen der Vergangenheit. Die Abhängigkeitsverhältnisse haben sich zugunsten der Klasse mächtiger Wirtschaftseliten verschoben und mit ihnen die Machtverhältnisse. Dort, bei den Wirtschaftseliten, laufen die Fäden der Macht heute zusammen.

Die Herrschaftsinstrumente der Wirtschaftseliten

Auch die Kleriker hatten materielle Bedürfnisse in Bezug auf Nahrung, Unterkunft, Kleidung und Ähnliches. Die entsprechenden Güter stellten sie allerdings kaum durch ihrer eigenen Hände Arbeit her. Der Gütertransfer von der arbeitenden Bevölkerung hin zur Geistlichkeit wurde immer bedeutsamer und brachte die Händler und Kaufleute in eine für sie äußerst günstige Position. In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft wurden sie zunehmend zu Mittelsmännern, die die Verbindung der Mächtigen mit den begehrten Handelswaren herstellten. Sie kontrollierten Handels- und Warenflüsse und schafften es binnen weniger Jahrhunderte, ihre Macht so weit auszubauen, dass sie es mit den alten Herrschaftsstrukturen aufnehmen konnten.

Vor diesem Hintergrund stehen die gesellschaftlichen Umwälzungen im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts in einem neuen Lichte. Sie waren auch Ausdruck sich wandelnder Machtverhältnisse und markierten den Aufstieg der Klasse mächtiger Wirtschaftseliten an die Spitze der Machtpyramide. Freie Märkte erfreuen gewiss diejenigen am meisten, die über große wirtschaftliche Macht verfügen. Sicherlich hatten die frühen Vertreter klassischer Marktideologien wie Adam Smith, David Ricardo und John Stuart Mill keine großen Schwierigkeiten dabei, wohlhabende Unterstützer zu finden, die ihre Arbeit und deren Verbreitung förderten.

Und hier schließt sich in gewisser Weise der Kreis zur Situation der heutigen pseudowissenschaftlichen Klasse. Die ultrareichen Marktbarone verstanden es früh, Ideen zu fördern, die für sie nützlich waren. Karl Marx hingegen, der die Enteignung der Wirtschaftseliten propagierte, war bettelarm und auf die Gunst eines einzigen Kapitalistensprösslings angewiesen. Schon seit Beginn der Machtübernahme durch die Marktbarone verstanden diese es, die Intellektuellen durch deren geschickte Förderung in ihren Dienst zu stellen und für ihre Interessen arbeiten zu lassen. Das trifft auch heute noch zu.

Die wahre Macht liegt bei der Kaste ultrareicher Wirtschaftseliten, den modernen Marktbaronen, die man jetzt wohl eher als Finanzbarone bezeichnen muss. Ihre Macht fußt auf einer Kombination von Kontrolle über die Güterströme und der Aufrechterhaltung von ausgewählten, unantastbaren Glaubenssätzen.

Die Unantastbarkeit unserer marktwirtschaftlichen Grundordnung zeigt sich unter anderem in Angela Merkels Ziel einer „marktkonformen Demokratie“.

Die Kaste der Wirtschaftselite hat die Gesellschaft recht umfassend unter ihrer Kontrolle. Wie groß ihre Macht ist, konnten wir besonders im letzten Jahr sehen. Zudem bewiesen sie, dass sie vor nichts zurückschrecken, um ihre Macht zu erhalten und weiter auszubauen. Sie nehmen bereitwillig in Kauf, die Gesellschaft zu lähmen, Fortschritt zu behindern und enormes Leid zu verursachen. Die Herrschaft der ultrareichen Kaste ist eine große Bedrohung für die Menschheit. Doch wie können wir sie überwinden?

Der Weg nach vorn

Um das System zu ändern, müssen wir die zur Machterhaltung notwendigen ideologischen Kernelemente erkennen und das Fehlerhafte und Schädliche an ihnen aufzeigen. Aufklärung ist ein essenzieller Schritt auf dem Weg zu einem neuen System. Das alleine reicht aber nicht aus. Wir müssen auch gute und praktische Alternativen anbieten.

Derzeit leben wir im Kapitalismus, der seinen Namen trägt, weil Kontrolle über und Vermehrung von Kapital seinen Wesenskern bilden. Er ist von der Überzeugung getragen, dass unterm Strich für alle das Beste herauskommt, wenn jeder möglichst auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist und für die Vermehrung seines eigenen Kapitals arbeitet. Das kommt besonders denen gelegen, die über viel Kapital verfügen. Um Kapital vermehren zu können, muss man erst einmal welches besitzen.

Nun stimmt es zwar, dass Selbsterhalt und die Anhäufung materieller Güter recht starke Antriebe des menschlichen Geistes sind. Als Fundament einer Wirtschaftsordnung können sie durchaus dazu beitragen, dass sich mehr Menschen stärker bemühen, was zu besseren Resultaten in Form einer gesteigerten Wirtschaftsleistung führt. Jedoch birgt dieser Ansatz auch gravierende Nachteile. Ein Verstand, der primär auf seinen eigenen Vorteil ausgerichtet ist, ist anfällig dafür, die Konsequenzen des eigenen Handelns für andere und die Gesellschaft als Ganzes nicht wahrzunehmen.

Entscheidungen, die Einzelnen dienen, der Allgemeinheit aber schaden, werden systematisch begünstigt. Die Folgen davon können wir unter anderem in Form grassierender Umweltzerstörung, extremer Armut in einer Welt überbordenden materiellen Reichtums oder Kriegen für die Interessen kleiner Gruppen sehen.

Zudem ist die Verengung des menschlichen Geistes auf seinen eigenen Vorteil nicht natürlich. Wir Menschen besitzen beides, eine Tendenz zum Eigennutz und eine Tendenz zu Güte und Mitmenschlichkeit. Beides wollen wir ausdrücken, beides braucht einen Platz. Ein Gesellschaftssystem sollte beide Aspekte systematisch fördern. Es sollte berücksichtigen, dass das Wohl jedes Einzelnen vom Wohl der Gemeinschaft abhängt und dass das Wohl der Gemeinschaft die Summe des Wohlergehens ihrer Mitglieder ist.

Ein wichtiger Schritt hin zu solch einem System wäre meines Erachtens die Einführung einer Obergrenze für Reichtum. Genauer: Niemandem sollte es gestattet sein, ohne die Zustimmung der Gesellschaft unbegrenzt materiellen Reichtum anzuhäufen.

Durch die geschickte Wahl einer geeigneten Obergrenze für Reichtum sowie der Möglichkeit für gemeinschaftlich beschlossene Ausnahmen können die wenigen Vorteile des Kapitalismus erhalten bleiben und seine wesentlichen Schwächen effektiv beseitigt werden.

Damit das gelingt, muss diese Obergrenze einerseits groß genug gewählt werden, dass nur sehr wenige Menschen sie erreichen. Dann bleibt der Anreiz zur Bemühung für die meisten Menschen erhalten. Andererseits muss sie gering genug festgesetzt werden, dass niemand unkontrolliert durch die Anhäufung von Reichtum in eine gesellschaftsbeherrschende Machtposition gelangen kann. Des Weiteren sollte die Obergrenze prinzipiell dynamisch angelegt sein und sich der Entwicklung des gesellschaftlichen Wohlstands anpassen.

Zum Thema einer Obergrenze für überbordenden Reichtum habe ich bereits ein ausführliches Video aufgenommen, dessen zentrale Inhalte auch in kondensierter, schriftlicher Form zur Verfügung stehen. Darin zeige ich die Notwendigkeit einer solchen Obergrenze auf, wäge sie gegen mögliche Nachteile ab und unterbreite konkrete Vorschläge für deren Umsetzung.

Die Grundvoraussetzung für die Einführung einer Obergrenze für Reichtum ist, dass die Idee zunehmende Verbreitung findet. Daher betrachte ich das Verfassen eines Artikels wie diesen als Arbeit daran, die Herrschaftsstrukturen der ultrareichen Kaste zu überwinden. Das gilt auch für die Verbreitung dieses Textes und weiterer Inhalte, die sich mit der Schaffung einer neuen Wirtschaftsordnung beschäftigen.

Ein neues System ist möglich, und das schneller, als viele es für möglich halten. Fangen wir jetzt damit an, die Fundamente dafür zu legen.

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Dieser Beitrag erschien am 13. April 2021 im Rubikon – Magazin für die kritische Masse

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:       Zhao jiankang / shutterstock

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10 Kommentare zu: “Das Einmaleins der Macht | Von Dharmendra Laur

  1. P. Nibel sagt:

    Als Adolf Hitler ein Gesetz zur Offenlegung der privaten Vermögen erließ, kam es zu einer Massenflucht der "Kapitalisten" aus Deutschland, denn der Grundsatz, dass Eigentum verpflichte, wird von den "Kapitalisten" nicht anerkannt!
    Die "Kapitalisten" rächten sich grausam dafür und erließen Gesetze zu ihrem Schutz.
    Deshalb nennen wir sie ja auch nebulös "Kapitalisten", anstatt sie bei ihrem eigentlichen Namen zu nennen!
    Hat jemand eine bessere Idee, als Adolf Hitler, wie wir die "Kapitalisten" dazu bewegen sollen, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen, die ja sogar in unserer Verfassung steht?
    In diesem Artikel lese ich nichts davon und deshalb glaube ich, dass hier nicht die superreichen "Kapitalisten" angegriffen werden, sondern nur der Mittelstand, der NICHT Schuld an unserer Lage ist!

    Zwei Daumen abwärts!

  2. Wolf-Im-Scharfspelz sagt:

    Moin an die Schafe und Ihre Schäfer,
    Moin an die Wachhunde,
    Moin an die Wölfe, ob einsam oder im Rudel!
    Ja so in etwa kann bzw. muss man sich vorstellen wie die Gesellschaft aufgebaut ist und in diesen Mechanismen funktioniert diese auch, ganz einfach!
    Also wenn
    1. du mit deiner Rolle in dem "Spiel des Lebens" zufrieden bist dann bist du genau da wo du sein sollst und das ist ja auch gut so für dich.
    2. du mit deiner Rolle nicht zufrieden bist dann musst du dich ändern, sozusagen transformieren, in die Rolle welche dir zusagt bzw. du dir versprichst dass du damit glücklich bist.
    3. du das Spiel hasst, dann hör auf zu spielen mit allen Konsequenzen.
    Versuche ein besseres Spiel zu erschaffen mit den Regeln die du für richtig hältst, vergiss aber nicht das ein Spiel ohne Mitspieler und ohne Spielfeld keinen Sinn macht, denke daran das die Regeln auch die Mitspieler einbezieht und diese besser sein sollten als im alten Spiel (Fair, etc.) sonst wär es ja eine Verschlechterung, was kein Spieler will.
    Es gäbe noch mehr Optionen, aber diese erspare ich mir aus Gründen der Pietät.
    Also die Entscheidung liegt bei jedem selbst, das ist der Knackpunkt, warte nicht auf andere, denn nur DU hast die wahre Macht, die Macht über dich und dein Handeln.
    MfG an alle Spieler
    PS:
    "May the 4th be with YOU" ??
    ⚔?

  3. sandra beimer sagt:

    Huch, wurden Kirche und Adel mitlerweile enteignet? Muss ich verpasst haben. Als ob die Welt nicht schon vor langer Zeit verteilt worden wäre.

  4. Mike Ahrend sagt:

    Für alle, die sich jetzt schon an etwas Neuem beteiligen wollen: www.wirkraft.org

  5. Hartensteiner sagt:

    Was wir in Sachen Machtausübung gerade historisch erstmalig erfahren haben, das ist eine GLOBALE MACHTAUSÜBUNG.
    Ich habe das wiederholt schon so beschrieben:
    Es war (ist) wie ein Zirkusakt. Ein brennender Reifen wird hochgehalten und auf Pfiff oder Zuruf springt das Tier, zum Beispiel ein Hund, hindurch.
    Vergleichbar wurde hier der Welt der "Corona-Reifen" (Wurde als HEISS brennend dargestellt) vorgehalten und auf Pfiff sprang der ganze Planet, sprang die ganze Menschheit hindurch!
    Was mich daran so erschreckt hat: Diese Erfahrung, dass das möglich ist, hätten die "Mächtigen" nie machen dürfen. Jetzt aber wissen sie, dass und wie das geht – und können bei Bedarf der Planeten, die Menschheit nun jederzeit durch einen hochgehaltenen "Reifen" springen lassen! Das wussten sie bis dahin nicht und wären vielleicht davor zurückgeschreckt?
    Jetzt gibt es kein Halten mehr.

    • arteurope sagt:

      Sie beschreiben einen überaus wichtiges Strategem. Langfristig wäre es tatsächlich katastrophal. Aber wie wir sehen, können sie damit noch gar nicht umgehen.

      Der derzeitige Erfolg beruht auf diverse Vorgaben, die, heute fällt es uns wie Schuppen von den Augen, jahrzehntelang gezüchtet wurden.

      Wieso ist es über 40% unserer Bevölkerung nicht möglich zum Beispiel die neulich veröffentlichte Intensivbettenstatistik zu lesen? Sie wurde veröffentlicht um die sich zuspitzende Dramatik auf dem Gesundheitssektor aufzuzeigen. Wenn ich mir soetwas anschaue rechnet mein Gehirn automatisch mit, ich kann das gar nicht abstellen und stellt in Sekunden fest, dass hier Betten abgebaut wurden und, obwohl absolut die Auslastung (der verbliebenen Betten) prozentual gestiegen ist, der Quotient über den gesamten Zeitraum gleich niedrig geblieben ist, wenn man die fehlenden Betten wieder hinzuaddiert. Das ist Mathe 8. Klasse, also noch ein gutes Stück vor dem Hauptschulabschluss und den werden die meisten dieser 40 % doch wohl haben.

      Also liegt ein gravierendes Manko in unserem Schulsystem und seinen Lehrkräften, ansonsten könnten diese Propagandisten doch nicht darauf vertrauen, dass die meisten es gar nicht erkennen werden. Strategisch wäre dem also damit zu begegnen, dass wir unser Schulungssystem komplett erneuern. Allerdings muß man diese Taschenspielertrickserei nicht so tolpatschig machen – scheinbar reicht es aber, ich könnte das wesentlich geschickter arrangieren und ganz gewiss bin ich kein Mathegenie. Ich denke nicht, dass hier, etwa aus Spass der dummen Masse gegenüber, extra dümmlich agiert wurde, das widerspricht den Gesetzen soziologischer Gruppendynamiken. Es wurde dumm dargestellt, weil die PR-Abteilung dumme Menschen in diese Position gesetzt hat und das bedeutet, dass deren Administration aus etwas weniger dummen besteht, die aber dennoch dumm sind. Ein dummer Chef wird immer einen noch dümmeren untergebenen Abteilungsleiter wählen. Fängt diese Spirale einmal an, läßt sie sich in ein und derselben Generation kaum aufhalten (generatives System), die Grünen im Bundestag sind ja das Paradebeispiel (unter anderen). Eine dumme Administration gerät schnell an ihre Grenzen und wird überfordert. Verfügt sie über Exekutiven, wird es schnell gewalttätig, das sehen wir zur Zeit.

      Meine schlaue Hündin, Ausbildung als Rettungshund in Gewässern, Drogenaufspürhund für Koka und THC, würde tatsächlich durch den Reifen springen, einmal, aus Lust und Neugier, aber das wäre es dann auch. Sie kann bis 4 zählen, denn sie weiß was nichts ist (0), was einmal ist und zweimal und was noch mehr ist. Leider kann sie auch meinen Kühlschrank öffnen – aber das nur nebenbei. Den 40% möchte ich sagen, okay, was immer ihr in der Schule gemacht habt, so richtig gebracht hatte es ja nichts, aber weniger klug als eine Australian Shepherd? Dass ihr jetzt nicht gerade erschnüffeln könnt, ob euer Chef sich eine Nase, oder einen Spliff reingezogen hat, oder dass euch das einfach zu nass und zu kalt ist bei jedem Hilferuf gleich in den See zu springen – geschenkt, aber ihr werdet doch wohl nicht ein zweites mal durch einen brennenden Reifen springen. Tut das nicht sonst landet ihr im Tierheim.

    • How-Lennon sagt:

      @arteurope

      Der Punkt ist eher, dass die 40% (oder mehr) die Wahrheit, bzw. den Irrsinn gar nicht sehen wollen.
      Sie wollen nichts verlieren, sich keine Sorgen machen, alles soll so bleiben wie gehabt. Die drei Affen in Reinform.

    • Beobachter sagt:

      Ich glaube auch, dass das Erkenntnisinteresse das entscheidende an dieser Stelle ist. Dummheit ist etwas sehr relatives. Und man kann diese Tatsache in beide Richtungen "lesen". In einem grobschlächtigen Sinne dumm
      sind wohl weniger Leute als diejenigen, die den Blick in den Abgrund scheuen, da sie sich dann innerlich zu nichtkonformen Handlungen verpflichtet sähen -die sie aber -im Wesentlichen aus Gründen des Opportunismus
      und letztlich des Selbsterhalts- scheuen. Der innere moralische Kompass ist nicht leicht zu überlisten, obwohl
      er auch nicht völlig unangreifbar ist. Lebenspraktisch bequemer ist es aber, sich zur Einsicht in "schwierige", etwa in
      politisch (im weitesten Sinne) zweifelhafte, die Systemzwänge berührende Sachverhalte selbst zu verunfähigen.
      Das gelingt etwa durch Abstinenz vom kritischen Denken und indem man dem allseits geförderten Fachidiotismus
      fröhnt, und es gelingt nicht zum wenigsten den Studierten und "höher Gebildeten". Verkürzt könnte man es unter
      "Was ich icht weiß, macht mich nicht heiß" zuammenfassen. Es ist eine weitverbreitete Einstellung, auch und vielleicht vor allem bei denen, die in ihren jeweiligen Berufen sogar respektable Arbeit leisten. Die Mehrheit der Menschen will m.E. "gerecht" sein -was sich bei vielen in der Vorstellung erschöpft: ich arbeite-verdiene Geld-
      verkonsumiere meinen Anteil -und habe vor allem "meine Ruh`". Die Mehrheit der Menschen will sicher auch nicht lügen müssen -aber mehr noch als dies wollen sie zufrieden gelassen werden, den status quo erhalten,
      "normal" sein. Und für die letzteren 3 Ziele machen sie hunderttausend Kompromisse -und verhalten sich unterm Strich kapitalkonform. Gegenüber der instinktiv erspürten Macht wollen sie auch nichts riskieren.
      Für diesen Zweck kombiniert sich dann alles vortrefflich -die Denkfaulheit, eine kultivierte Ignoranz, samt dem
      Unwillen und/oder der Unfähigkeit, ein paar Überschlagsrechnungen durchzuführen.

  6. Beobachter sagt:

    Im Grossen und Ganzen sind im Text einige historische Tendenzen richtig erkannt. Zunächst juckte es mich in den Fingern die Punkte zu kommentieren, die ich als ungenügend empfinde (so hatte etwa die Verwendung des Lateinischen
    im Mittelalter auch seine guten Seiten – es garantierte europaweite Verständlichkeit; natürlich ist der "nach unten"
    exklusive Charakter dieser Sprache ebensowenig zu leugnen. Sie ermöglichte aber auch einen relativ bequemen Zugang zu den literarischen Schätzen der griechisch-römischen Antike -wobei wieder zu monieren wäre, dass der Blick durch die "lateinische Brille" die historische Substanz der griechischen und erst recht der orientalischen Welt tendenziell verzerrt. Darüber könnte man lange referieren. Hierzu gibt es auch Literatur "ohne Ende".). Ob der Papst und seine Hierarchie ohne weiteres als "Intelektuelle" durchgehen, kann man auch bezweifeln – Päpste waren in erster Linie
    de facto Feudalherren (jedenfalls ihrer Funktion nach), dann auch Politiker -und hatten in der Regel eine elitäre
    Ausbildung genossen, was sie an die "Intellektuellen" tatsächlich annähert. Einige Päpste traten tatsächlich als Autoren respektabler wissenschaftlicher Traktate hervor, andere dichteten Verse nach antikem Vorbild -all dies hinderte sie nicht vor Selbstsucht und Grausamkeiten. Allerdings bleiben die meisten Schlussfolgerungen im Artikel richtig.

    Positiv hervorzuheben ist, dass der Artikel im zweiten Teil tatsächlich einen Vorschlag macht, wie man dem Wuchern gesellschaftspolitisher Macht und mehr oder weniger überzogenem Einfluss auf Basis wirtschaftlichem Erfolgs (oder gar ererbtem Vermögen) einen Riegel vorschieben könnte:

    "Ein wichtiger Schritt hin zu solch einem System wäre meines Erachtens die Einführung einer Obergrenze für Reichtum. Genauer: Niemandem sollte es gestattet sein, ohne die Zustimmung der Gesellschaft unbegrenzt materiellen Reichtum anzuhäufen.

    Durch die geschickte Wahl einer geeigneten Obergrenze für Reichtum sowie der Möglichkeit für gemeinschaftlich beschlossene Ausnahmen können die wenigen Vorteile des Kapitalismus erhalten bleiben und seine wesentlichen Schwächen effektiv beseitigt werden."

    Diese Überlegungen sind m.E. dem Grundsatz nach richtig. Ob es eine hinreichende Basis für eine erträgliche Zukunft wäre, ist zwar zweifelhaft; aber es wäre m.E. ein Schritt in die richtige Richtung, eine obere Einkommensgrenze zu etablieren. Überhaupt wird
    ein Vermeiden des great reset-Szenarios oder auch sonstiger angedrohter Hyperdigitalisierung/-globalisierung ohne eine gewisse alternative ökonomische Programmatik nicht möglich sein. Ansonsten bleibt es ewig beim
    resignierten Jammern und Meckern über die Pläne derer, denen das Planen und Durchboxen ihrer Ideen viel
    leicht fällt als uns-und die sich dabei anmassen, einfach für uns mitzudenken. Mir ist übrigens klar, dass eine Programmatik nicht ohne kontroverse Klärungsprozesse zu haben sein wird, denn was dem einen wirtschaftlich als naheliegend erscheint, tut dem anderem in der Seele weh. Ich gebe übrigens zu, dass Resignation ein sehr naheliegendes Gefühl angesichts der Weltlage ist, und bin selbst keineswegs frei davon.

    • How-Lennon sagt:

      "Positiv hervorzuheben ist, dass der Artikel im zweiten Teil tatsächlich einen Vorschlag macht, wie man dem Wuchern gesellschaftspolitisher Macht und mehr oder weniger überzogenem Einfluss auf Basis wirtschaftlichem Erfolgs (oder gar ererbtem Vermögen) einen Riegel vorschieben könnte:"

      Ich gehe so weit und sage, dass quasi alles nur noch über ererbtes Vermögen läuft.
      Aber:
      1. Ist die Welt erschlossen.
      2. Gehen die Ressourcen allmählich und immer bedrohlicher zur Neige.
      3. Haben wir nur noch ein Fake-Wachstum(Schulden-bedingt).
      4. Droht aufgrund dieser Punkte ein baldiger System-Kollaps.

      Das sind die kleinen aber feinen Unterschiede zum damaligen Herrschaftssystem.
      Das heißt, selbst ohne "Kampf" wird wohl in wenigen Jahren alles zusammenbrechen. Ich bezweifle, dass dann einfach ein "gezähmter" Kapitalismus der richtige/gewünschte Weg sein wird.
      Aufgrund des verursachten – hoffentlich nur – ökologischen Schlachtfeldes, der geplünderten Ressourcen und der globalen Verarmung und Verelendung sehe ich dann eigentlich nur einen demokratischen, ökologischen Sozialismus als einzige Chance, das dann grassierende Chaos zu überwinden.
      Man darf nicht übersehen: Die Zeiten werden erst dann wirklich reif sein für dieses eigentlich noch blutjunge System. Der Kapitalismus muss erst kollabieren. Das Umdenken der Massen wird dann – nämlich in größter Not – erstaunlich schnell bis schlagartig einsetzen.

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