Das große Etiketten-Kleben

Der „Fall Lederer vs. Jebsen“ wirft ein Schlaglicht auf die Debattenunkultur im Land.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Stefan Korinth.

Über den Konflikt um die Preisverleihung an Ken Jebsen wurde in den vergangenen Wochen viel geschrieben. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Die.Linke) hatte sich auf Facebook vom Berliner Kino „Babylon“ gewünscht, die Preisverleihung abzusagen, was nach einem Anruf seines Kulturstaatssekretärs beim Kinochef dann auch so geschah. Um den Ablauf der Ereignisse bis hin zur doch noch stattfindenden Preisverleihung im „Babylon“ möchte ich mich hier also nicht kümmern. Auch die Argumente der Lederer-Kritiker wurden hier beim Rubikon und an anderen Stellen vielfach dargelegt. Sowohl linke Autoren wie Mathias Bröckers oder Ulrich Mies als auch Politiker der Linken wie Wolfgang Gehrke oder Andrej Hunko und viele andere äußerten sich zu dem Fall.

Stattdessen möchte ich hier einen Blick auf die Seite der Jebsen-Gegner werfen. Wie argumentieren sie eigentlich? Und wie belegen sie ihre Vorwürfe? Da wäre zuerst einmal der Berliner Kultursenator Klaus Lederer. In seinem vielfach zitierten Facebook-Eintrag verteilt er mehrere negative Etiketten an Jebsen und weitere Beteiligte der Preisverleihung. Diese Etiketten ließen sich wie folgt zusammenfassen: Israelhasser, Antisemiten, Verschwörungstheoretiker, Rechtsesoteriker, Verschwörungsgläubige und Aluhüte. Die Veranstaltung bezeichnet er als „Wahnsinn“. In einer Antwort auf die Kritik eines Lesers, klebt Lederer zusätzlich noch das Etikett „Querfront“ an Jebsen und andere Beteiligte.

„Die Belege liefere ich“

Doch wo sind die Belege für seine Behauptungen? Nachweise forderten nicht nur Facebook-Nutzer oder Jebsen-Fans. Nein, das fordert jede zivilisierte Dialogführung. Wer Behauptungen aufstellt, zumal wenn es derart schwerwiegende sind, muss sie mit stichhaltigen und wahrhaftigen Informationen begründen. Man muss argumentieren (1). In einer weiteren Stellungnahme bei Facebook schreibt Lederer: „Na, Moment. Die Belege darüber, wie Jebsen antisemitische Ressentiments bedient, liefere ich.“

Unklar bleibt, ob Lederer dies auf zwei Texte bezog, die er tags zuvor gepostet hatte, oder ob das eine Ankündigung für weitere Belege sein sollte. Doch so oder so, die Nachweise blieb Lederer schuldig. Weder folgten diese nach, noch lieferten die erwähnten zwei Artikel solche Beweise.

Beide Texte stammen von Lederer selbst. Den einen verfasste er gemeinsam mit dem linken Historiker Mario Keßler. In diesem Beitrag kommt Ken Jebsen überhaupt nicht vor, denn es geht darin um innerparteiliche Diskussionen über das Verhältnis der Linken zu Israel und zu Fragen des Antisemitismus. Als Beleg gegen Jebsen taugt der Artikel nicht.

Im zweiten Beitrag geht es dann unter anderem auch um Jebsen. Doch auch in diesem Text finden sich keine Belege für Jebsens vermeintlichen „Israelhass“ außer Behauptungen Lederers á la: „Jebsen ist für seine Gleichsetzungen der Besatzungspolitik des Staates Israel mit dem Holocaust bekannt“ (2). Stattdessen werden auch hier von Lederer wieder fleißig Etiketten verteilt. Die Rede ist von „esoterischen Erklärungsmustern“, von „kommunikativen Codes“, die an antisemitische Narrative wie das der „jüdischen Weltverschwörung“ anknüpfen, von fehlender Scheu gegenüber rechten Milieus und die Rede ist auch wieder von der Querfront.

Lederer liefert Link

In der Kommentarspalte unter dem Artikel immerhin gibt es eine Wortmeldung offenbar von Lederer selbst, in der er einen YouTube-Link scheinbar als Beleg für Jebsens Verbreitung „antisemitischer Stereotypen“ eingestellt hat. Dabei handelt es sich um einen Ausschnitt eines Wortbeitrages Jebsens in dem dieser das US-Wirtschaftsmagazin Forbes zitiert. Dieses habe behauptet, 25 bis 30 Prozent der reichsten US-Familien hätten jüdische Wurzeln, sagt Jebsen. Unter allen US-Amerikanern hätten hingegen nur zwei bis drei Prozent „jüdische Roots“.

Da es sich um Lederers einzigen Beleg in der Angelegenheit handelt, wollen wir genauer darauf blicken. Die erste Frage: Stimmen die Zahlen, die Jebsen aus Forbes zitiert? Laut dem US-Forschungsinstitut PEW haben tatsächlich 2,2 Prozent aller US-Amerikaner jüdische Wurzeln in ganz verschiedener Form.

Zu den Superreichen: Es ist unklar auf welchen Forbes-Beitrag sich Jebsen konkret bezieht. Doch das Magazin erstellt regelmäßig Ranglisten der Superreichen. Diese kann man nach Religionszugehörigkeit aufschlüsseln und etwa die Juden unter den Superreichen benennen. Wie sinnvoll das ist, sei dahingestellt, doch tun genau das auch israelische Zeitungen.

So berichtete etwa die Jerusalem Post schon in Bezug auf die Forbes-Liste über „Die reichsten Juden der Welt“. So etwa 2010 und 2013. In der Times of Israel stand 2015 zu lesen: „Wie in den vergangenen Jahren sind die Juden in der Rangliste der Reichsten der Welt mit 10 Juden unter den Top 50 überproportional vertreten.“ In der großen liberalen Tageszeitung Haaretz hieß es beispielsweise 2016: „Elf der 50 reichsten Menschen auf der Welt sind jüdisch“.

Nun geht es in Jebsens Zitat aber nur um die USA. Man kann sich die Liste der 400 reichsten US-Amerikaner vornehmen und für jeden einzelnen dessen Religionszugehörigkeit und Familienbande abklopfen. Da Jebsen nur von „den reichsten Familien des Landes“ spricht, bleibt die konkrete quantitative Bezugsgröße jedoch unklar. Beschränkt man sich auf die 25 reichsten US-Amerikaner, zählt man unter ihnen elf Personen, die (auch) „jüdische Wurzeln“ haben. Also 44 Prozent. Berücksichtigt man die Verwandtschaftsverhältnisse unter diesen 25 Personen (also die reichen Familien) erhöht sich die Quote sogar nochmal, da die Familien Koch, Walton und Mars je mehrere Vertreter unter die Top 25 entsenden.

Mir persönlich ist diese Zählerei zuwider, ist ihre Aussagekraft doch sehr gering und zudem irreführend. Man könnte an dieser Stelle auch nach „christlichen Wurzeln“ oder ganz anderen Merkmalen fragen, die in dieser kleinen Gesamtmenge verzerrte Ergebnisse liefern würden. Zudem haben die meisten dieser Personen weitaus mehr als nur eine jüdische Identität. Aber darum geht es an dieser Stelle nicht. Festzuhalten bleibt, die von Jebsen zitierten Zahlen stimmen – setzt man die Grenze wie oben dargestellt, sind sie sogar eher zu niedrig.

Jebsen kritisiert Ideologie statt Herkunft

Sein Verweis auf den überproportionalen Anteil jüdischer US-Amerikaner an der US-Oberschicht klingt unappetitlich, wenn man damit alte Vorurteile bedienen möchte, dass Juden überdurchschnittlich oft reich sind. Doch tatsächlich tut Jebsen das in dem kurzen Ausschnitt gar nicht, sondern kritisiert die Tatsache, dass reiche jüdische US-Amerikaner viel von diesem Geld in aggressive nationalistische PR für Israel stecken.

Oligarchen und Spekulanten, Lobbyismus der Superreichen und Unterstützung für nationalistische Politik? Dagegen müsste doch auch Klaus Lederer etwas haben. Doch dieser sieht in den Aussagen Jebsens Unterstützung für das Narrativ einer „jüdischen Weltverschwörung“ belegt und schreibt: „Was braucht es noch mehr, um antisemitische Stereotypen zu bedienen?“.
Nun ja, stichhaltige Belege möchte man antworten.

Mit viel gutem Willen für Lederer ließe sich noch argumentieren, Jebsen stelle hier nebenbei einen stereotypen Zusammenhang her. Tatsächlich hätte er auf die implizite Unterstellung des überdurchschnittlichen jüdischen Wohlstandes verzichten können. Spielt sie doch für seine Argumentation gar keine Rolle. Doch daraus nun den Beweis – tatsächlich ist es bestenfalls ein Indiz und zudem das einzige – abzuleiten, Jebsen sei Antisemit oder Israelhasser erscheint doch sehr gewagt (3).

Linke in der Zeit: „Schluss mit der Querfront!“

Doch Lederer wurde von Parteifreunden trotz der Dürftigkeit seiner Nachweiser unterstützt. Die Berliner Linken-Politikerin und langjährige Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak ließ in ihrem Gastbeitrag für die Zeit von Beginn an keinen Zweifel an ihrer Haltung. „Schluss mit der Querfront!“ war ihr Beitrag überschrieben. Im Vorspann ist von Verschwörungstheoretikern und Sektierern die Rede. Und auch im Text geht das muntere Etikettenkleben weiter: Von Rechtspopulisten, Nationalisten und Antisemiten ist hier die Rede.

Dann erklärt die Autorin, was aus ihrer Sicht die „Querfront“ ausmacht. Verstehen die meisten Menschen unter diesem Begriff eine politische Zusammenarbeit linker und rechter Gruppen gegen „die Mitte“, so liefert Wawzyniak folgende definitorische Begriffssammlung dazu ab:

„Die Querfront, das ist ein Sammelbegriff für antidemokratische, antisemitische, verschwörungstheoretische, rechtspopulistische oder rassistische Positionen.“

Anschließend schaut sie sich vier vermeintliche Vorurteile der so definierten Querfrontler näher an, die sie in Jebsens Videos ausgemacht haben will. Wawzyniak geht etwas geschickter vor als Lederer. Sie liefert immerhin vordergründig Argumente, die sich bei näherer Betrachtung jedoch als heiße Luft herausstellen.

Sie wirft Querfrontlern beispielsweise „antidemokratische Positionen“ vor und verlinkt ein Video in dem Jebsen die repräsentative Demokratie, kritisiert. Aber was ist gleich nochmal ein Anti-Demokrat? Doch wohl jemand, der alle Formen von Demokratie ablehnt und der die Diktatur fordert. Wie kann aber ein Anti-Demokrat einen Aufruf „Für Demokratie und Meinungsfreiheit!“ veröffentlichen? Wie kann er im verlinkten Video sagen „Demokratie? Das finde ich super, wenn tatsächlich das Volk herrschen könnte und wenn tatsächlich der Wille des Volkes umgesetzt würde.“

Lügt Jebsen denn? Nein, er kritisiert gar nicht pauschal die Demokratie sondern das repräsentative, parlamentarische System. Dieses fördere Kriege und schütze Banken und Großkonzerne, da es die politische Macht der Wähler an Politiker umleite, die den Wählerwillen ungestraft missachteten. Jebsen fordert am Ende des Videos explizit direkte Demokratie und dezentrale Selbstverwaltung. Er empfiehlt als Alternativen die bayrische Räterepublik, das anarchistische Katalonien von 1936 bis 1939 oder das heutige demokratische Rojava. Hört sich das rechts und anti-demokratisch an?

Im verlinkten Video bezeichnet Jebsen auch die AfD-Politiker als „Schauspieler“. Er bezeichnet das aktuelle System als „kapitalistisch-faschistisch“, fordert Hilfe für Flüchtlinge und kritisiert die Sozialdemokratie und Linke dafür, die sozio-ökonomischen Interessen der Arbeiter zu ignorieren. Warum tut er das alles, wenn er als Querfrontler doch Rechtspopulist und Rassist sein soll?

Autorin widerlegt sich selbst

Auch die im Artikel folgenden Argumente Wawzyniaks sind von ähnlicher „Qualität“. Obwohl Jebsen in den verlinkten und zahlreichen anderen Videos immer wieder betont, dass die Herrschenden das Problem seien (eine klassisch linke Position), behauptet die Autorin, dass „die Bedrohung“ laut Jebsen von außen komme (eine klassisch rechte Position).

Nur um all diese Behauptungen der Autorin zu entlarven, muss man sich Jebsen anschauen und zuhören, was er tatsächlich zu sagen hat. Wawzyniaks vermeintliche Belege widerlegen sie selbst. Sie kann nur darauf hoffen, dass sich Leser die Videos nicht wirklich anschauen, und Wawzyniaks Behauptungen für bare Münze nehmen.

Dazu kommt, dass die Autorin den tatsächlichen Grund für die Kritik an Lederer falsch darstellt. Nicht seine Äußerung gegen die Preisverleihung im „Babylon“ war es, die als Zensur wahrgenommen wurde, wie Wawzyniak behauptet. Sondern Lederers administrativer Druck (der Anruf seines Kulturstaatssekretärs), der das Kino Babylon vermutlich zur vorläufigen Absage der Preisverleihung bewegte.

Genau an dieser Differenzierungsleistung scheiterte aber auch Linkenpolitiker Stefan Liebich.

„Empörend, Zensur, das Gegenteil der „Freiheit der Andersdenkenden (Luxemburg)? Wenn @klauslederer seine Kritik an einer Preisverleihung an Ken Jebsen („Ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat“) formuliert, dann hat er meine Unterstützung, denn er hat damit einfach Recht.“, schrieb er auf Twitter.

Liebich liefert in seiner Stellungnahme zudem ebenfalls ein Scheinargument: ein Zitat Jebsens zum Holocaust. Tatsächlich sagt Jebsen, er habe nie den Holocaust geleugnet, sondern mit dem Satz gemeint, die judenfeindliche Propagandakampagne Goebbels‘ die zum Holocaust führte, gehe in ihren Methoden auf den US-Propagandaexperten Edward Bernays zurück. Man müsse nur die Sätze vor und nach dem zitierten Einzelsatz lesen, dann werde der Zusammenhang klar. Dies hat Jebsen schon mehrfach öffentlich erläutert. Den Sachverhalt kann man in Blogs nachlesen oder in einem Buch. Das hätte auch Stefan Liebich wissen können.

Die belegfrei verbreiteten Behauptungen gegen Jebsen hatten aber bereits bei zahlreichen weiteren Politikern der Linken verfangen. In diesem Tagesspiegel-Beitrag werden mehrere von ihren empört zitiert.

Argumentativ noch dünner: Die Medien

Doch neben der sogenannten Reformer-Fraktion der Berliner Linken beteiligten sich auch mehrere Journalisten mit ihren Artikeln unverblümt meinungsstark an der Debatte um die Preisverleihung. Wer nun vermutet, dass die professionellen Journalisten der Debatte argumentative Tiefe verliehen hätten, liegt falsch. Im Gegenteil es wurde noch dünner als bislang schon.

Zuerst berichtete die TAZ von der Absage an Jebsen. Auch in diesem Text ist wieder die Rede von Verschwörungstheorie, Querfront, Antisemitismusverdacht und diesmal auch von Anti-Amerikanismus. Der preisverleihende Blog „Neue Rheinische Zeitung“ bediene „trotz linker Rhetorik“ ein vor allem „rechtes bis antisemitisches Publikum“, heißt es. Nach Belegen für all diese Behauptungen sucht man im Artikel allerdings vergeblich.

Autor Erik Peter formulierte wenige Tage später einen Kommentar zum Thema, der sich vom nachrichtlichen Artikel zuvor lediglich dadurch unterschied, dass er noch mehr unbelegte Behauptungen und Beleidigungen enthielt. „Jebsen etwa bietet in seinen Sendungen diversen neurechten Szenegrößen in stundenlangen Interviews Raum für ihre kruden Thesen“, schrieb Peter. Vor lauter Vorwürfen vergaß er aber noch die Namen dieser „neurechten Szenegrößen“ zu ergänzen, die dort so präsent sein sollen.

Dann schauen wir mal selbst: Zum Zeitpunkt als Peters den Kommentar schrieb, waren auf KenFM.de als aktuellste stundenlange Interviews gerade Gespräche mit dem Hirnforscher Manfred Spitzer, mit dem NDR-Journalisten Patrick Baab, mit Julian Aicher, dem Neffen der Hitler-Gegner Hans und Sophie Scholl und mit Kilian Kleinschmidt einem langjährigen Mitarbeiter des UN-Flüchtlingshilfswerks zu sehen. Dahinter folgten Interviews mit Maria Janssen, einer gebürtigen Donezkerin, die einen humanitären Hilfstransport in ihre Heimatstadt organisierte, mit der linken Publizistin Daniela Dahn und mit dem linken Schriftsteller Wolfgang Bittner. Die Liste ließe sich fortsetzen und klingt irgendwie so gar nicht nach neurechtem Szenetreff.

Während Peters TAZ-Kollegin Anna Lehmann Jebsen immerhin als „linken Kapitalismuskritiker“ bezeichnet, versucht Peter den Angegriffenen zwanghaft in die rechtsextreme Ecke zu stellen. Immerhin hat die TAZ auch einen gegenläufigen Kommentar veröffentlicht, der zeigt, dass man solche Meinungsbeiträge auch auf einem Niveau oberhalb der Gürtellinie verfassen kann.

Das große Verleumdungs-ABC

Da sich die anderen berichtenden Qualitätsmedien in Ton und Argumentationsniveau nicht nennenswert von der TAZ unterschieden, sollen diese der Vollständigkeit halber hier nur knapp erwähnt werden:

  • Die BZ hatte in ihrem sehr kurzen Artikel quasi die höchste Dichte an negativen Etiketten zu verzeichnen. In gerade mal 164 Wörtern brachte sie noch die Begriffe Israel-Hasser und Antisemit (2x) unter, und fand dabei sogar noch Raum, den linken Politikern Diether Dehm und Wolfgang Gehrcke Hetze vorzuwerfen.
  • Die Frankfurter Rundschau berichtete ebenfalls knapp über den Fall mit dem üblichen unbelegten Geraune über Verschwörungstheoretiker. Bemerkenswert an dem Artikel ist jedoch die Überschrift, in der Lederer als „der zu antifaschistische Linke“ und Jebsen damit indirekt als Faschist bezeichnet wird.
  • Beim Tagesspiegel brachte der ehemalige dpa-Mann Matthias Meisner bereits in der Überschrift die Worte „Antisemiten und Aluhüte“ unter, in der Unterzeile dann neben Antisemiten noch „Querfront-Aktivisten“. Im Artikel gibt es immerhin den bereits bekannten Pseudobeleg. Meisner zitiert denselben Satz, den bereits Stefan Liebich brachte. Der Autor ergänzt sogar, dass Jebsen sich mit dem verkürzten Zitat aus dem Zusammenhang gerissen sieht. Die bereits oben bei Stefan Liebich zitierten Quellen zur Richtigstellung ließ jedoch auch Matthias Meisner weg.
  • Welt-Autor Martin Niewendick, der Jebsen konsequent als „Moustafa Kashefi“ bezeichnet, schreibt: „In seiner Online-Sendung geben sich die Ikonen der Verschwörungstheoretiker-Szene die Klinke in die Hand.“ In dieser selektiven Beurteilung sind sich Springer-Presse und TAZ also weitgehend einig. Unnötig zu erwähnen, das Niewendick keinen Nachweis für seine Behauptung bringt. Der Satz vom „Holocaust als PR“ darf natürlich nicht fehlen – aus dem Kontext gerissen, versteht sich.

Keiner argumentiert heute mehr

All das zeigt, wie weit entfernt sich Politiker und vor allem Journalisten, die sich selbst sicher als liberal oder sogar links, als tolerant, gebildet und vernünftig bezeichnen würden, bereits von einem rationalen, sachlichen Umgang mit ihren selbst erwählten Gegnern entfernt haben. Es scheint eine Art Argumentations- und Belegverbot zu herrschen. Nach dem Motto: Wenn man die richtige Meinung hat muss man weder recherchieren noch argumentieren. Etiketten-Kleben genügt.

Das wichtigste scheint dann zu sein, bei den Kollegen abzuschauen, dass man in seinem eigenen Text ja keine Verleumdungsvokabel zwischen Antisemit und Verschwörungstheoretiker vergisst. Über die Korrektheit dieser Vokabeln an sich muss man schon gar nicht mehr nachdenken. Die Kollegen haben es doch schließlich auch geschrieben.

Lassen wir zum Abschluss Ken Jebsen selbst zu Wort kommen, der hier im Interview mit Manfred Spitzer zu einem ganz anderen Thema spricht, damit aber genau die richtige Diagnose zum Zustand der heutigen Debattenkultur in Politik und Medien-Mainstream liefert:

„Diese Ahnungslosigkeit in Maßanzügen, die wir in Talkshows sehen, die sehe ich ja in meiner Branche auch, im Journalismus, wo eben – dann steht das überall und dann stimmt das auch! Dass es da eben auch so ist. Ich stelle fest im Journalismus, dass man sich gar keine Zeit mehr nimmt, sondern sobald eine Meldung raus ist, kommt sofort eine Zwangsreaktion, ein Statement. Es ist nie nachgedacht, nie überlegt, nie analysiert.“

Quellen und Anmerkungen:

(1) Laut Duden Fremdwörterbuch ist ein Argument ein „Rechtfertigungsgrund, [stichhaltiger, plausibler] Beweisgrund, Punkt einer Beweisführung“. Laut Wahrig Fremdwörterlexikon eine „stichhaltige Entgegnung, Beweis, Beweisgrund. Bei Wikipedia heißt es, unter Argument verstehe man allgemeinsprachlich eine „Aussage(n) (…), die zur Begründung einer oder mehrerer anderer Aussage(n) dient/dienen“.
(2) Diese Behauptung ist zwar übertrieben, aber tatsächlich hat Jebsen schon die israelische Besatzungspolitik mit dem Begriff „Endlösung“ beschrieben. Wer das erwähnt, sollte allerdings auch hinzufügen, dass Jebsen sich dafür entschuldigt hat. In einem Gespräch mit Pedram Shahyar sagte Jebsen: „Das was Israel mit den Palästinensern tut oder andere Länder mit anderen Minderheiten tun, das mit der Sprache des Holocaust zu beschreiben ist falsch. (…) Der Holocaust ist in seiner Brutalität und Planung einmalig. Und ich hoffe er bleibt es.“ Als Jebsen Israel für die „Endlösung“ an den Palästinensern kritisierte, sei dies ein absichtlicher gezielter Tiefschlag, eine Provokation gewesen, erläutert er. Doch eine Diskussion entstehe daraus nicht. „Entschuldigung. Ich würde das heute nicht mehr so machen.“
(3) Jebsen äußerte sich auch selbst schon mehrfach zum Antisemitismusvorwurf gegen ihn. Etwa 2013 in einem Interview mit Tilo Jung. „Ich bin kein Antisemit, weil ich kein Anti-Typ bin. Ich habe Probleme mit Ideologien.“

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Dieser Beitrag erschien am 14.12.2017 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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31 Kommentare zu: “Das große Etiketten-Kleben

  1. Zum Glück leben wir im RECHTSTAAT, da greifen §§ 186 bzw. 187 StGB
    § 186
    Üble Nachrede

    Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
    § 187
    Verleumdung

    Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    • Scheiß Rechtsstaat – ich lebe zwar hier in Österreich doch das Recht ist hier genau der Gleiche Schmarrn. das was einen Rechtsstaat ausmacht ist eine Herrschaftsform. bedeutet: es gibt eine(n) Herr(in) der(m) du alles RECHT machen mußt. das kann es nicht sein, dem streben wir, oder besser gesagt, ich nicht hinterher. das geht mir sowas von gegen den Strich!!! das ganze gefasel von Freiheitsstrafe ist doch sinnlos, wir sind doch ALLE unserer Freiheit beraubt – weniger Freiheit geht kaum!!! Jeder hat genau das zu machen, was er ncht will. es wird ihm anschliessend so verkauft, dass er sich doch genau diese Arbeit selbst ausgesucht hat, und dass er genau diese Arbeit doch freiwillig mache. das ist spinnerei! niemand macht 5 Tage die Woche genau das was er will!!!

    • Indem jeder macht was er will werden zum einen die Menschen Glücklich. Zum anderen die Menschen wirklich gesund. Des weiteren wird es keine Gewaltverbrechen mehr geben – wer wäre motiviert dazu??? – ein wirklich gesunder Mensch begeht kein Verbrechen – ihm fehlt jegliche Motivation dazu.

      wie immer bei den von mir verfassten Beiträgen, lasse ich den überwiegenden Teil meiner Überlegungen offen – und hoffe so auf viel Nachdenken eurerseits. Danke!!

  2. Wo ich mir gerade mal den Ausschnitt auf Youtube angesehen habe, möchte ich noch anmerken:
    Die „Operation Gegossenes Blei“, zu der dieses Stück offenbar gesendet wurde, war Ende 2008. Damals kamen sehr viele Menschen durch die israelische Armee ums Leben, was die dargebotetene Schärfe wohl erklärt und auch in einem anderen Licht erscheinen lässt. KenFM lief damals (und weitere drei Jahre) noch beim rbb, welcher hier also letztlich verantwortlich wäre.
    Das war ein Stück des Öffentlichrechtlichen Rundfunks. Am Sonntag Nachmittag.

    Da Ken ja häufiger mal zynisch wird (= enttäuschter Idealismus, den ich persönlich nebenbei sehr schätze) kann man sich da eigentlich nur fragen: „Und? Schon alles?“

  3. Juden sind halt fleissige und auch intelligente Menschen. Daran sollten sich dummschwätzer wie dieser Lederer oder Wawzyniak ein Beispiel nehmen. Das bedeutet „Wie werde ich erfolgreich“, aber würde ja ans eigene Leder der Ignoranz und Willfährigkeit gehen. Solche Leute wollen aber nicht über ihren eigenen Schatten springen denn dafür nehmen sie sich selber viel zu wichtig.

    Jebsen hat recht wenn er unter diesen Umständen den Preis ablehnt.

  4. Vielleicht ist es hilfreich, sich einmal damit auseinander zu setzen, wer – nein besser – was! hinter der antideutschen Ideologie steckt.
    Wir haben uns seinerzeit mit den Antideutschen bereits ab 2001 auseinander gesetzt. Damals war ich Redakteurin bei der Theoriezeitschrift Krisis und später EXIT. Es war eine Zeit, wo uns nach 9/11 der Mund offen stehen blieb wie durchaus intelligente Menschen wie Gerhard Scheidt oder Stefan Grigat oder, oder, oder mit fliegenden Fahnen und anmaßend selbstgefällig zur kapitalistischen Subjektform überliefen.
    Die Sache lief ähnlich ab wie seinerzeit bei der Frankfurter Schule, wo zuerst Horkmeier und später auch Adorno vor ihren eigenen Erkenntnissen zurückschreckten, dass nämlich die aufgeklärte, bürgerliche Vernunft sowohl Rassismus als auch Nationalsozialismus und antisemitische Menschenvernichtungslager (um mal das betuliche Haulocaust zu vermeiden) ganz immanent aus sich selbst – und ausschließlich aus sich selbst – hervorbringt. Wie seinerzeit Adorno, meinten damals eben jene, die seit damals als Antideutsche bezeichnet werden, und ob ihrer Ideologie schreckliche Bellizisten sind, dass man die fundamentale Kritik des Kapitalismus und der bürgerlichen Subjektform aufzugeben habe, um Ereignisse wie 9/11 zukünftig zu! vermeiden!.
    Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus als integrale Bestandteile des „Bürgerlichen Ensembles“ (im Sinne Haarmann/Wallner/Ulrich) oder auch nur des Kapitalismus zu begreifen, wird damit vermieden. Stattdessen bedient man sich bei der letztlich einzigen Legitimationsideologie der Moderne, nämlich der allzeit klitterbaren Universal-Geschichte und macht mit Auschwitz Geschichtspolitik, um Auschwitz, Rassismus, Fremdenhass, Geschlechterverhältnis und Verelendung (keine abschließende Aufzählung) nicht begreifen zu müssen. Vermieden werden soll der Bruch mit unserer Formation, mit unser ungesellschaftlichen Gesellschaft, mit einem Zusammenhang, der das Allgemeine (was alle angeht) nur durch konkurrierende und abstrakte Interessen regelt. Um hier nicht zu weitschweifig zu sein: Verfolgt wird das Ziel „Ich will so bleiben wie ich bin“.
    Was „alles andere“ neben der Sphäre des konkurrenten Verhandelns von Interessen in der bürgerlichen Öffentlichkeit angeht, werden Gerold Wallner und ich im neuen Jahr (Frühling ist projektiert) einen Blog starten, der sich mit der anderen Seite der bürgerlichen Subjektivität, also Abspaltung, Deep State und Verschwörung auf theoretischer – besser beschreibender und verstehender – Ebene befassen wird. Jeder, der daran interessiert ist, sei bereits jetzt herzlich eingeladen.

    Um nicht falsch verstanden zu werden, möchte ich noch klarstellen, dass ich keinesfalls etwas für verkürzte Kapitalismuskritik über habe. Genau genommen halte ich schon nichts von „Kritik“ als vorgeblich höchster Form diskursiver Auseinandersetzung, denn sie ist die Verlaufsform bürgerlichen Um-sich-selbst-Drehens (Revolutionen) durch welche man nicht über das bestehende Elend in eine „andere Welt“ hinaus kommen wird – Stichwort: Transzendenzverbot. Als Mitübersetzerin von Moishe Postone’s „Time, Labor and Social Domination“ (auf deutsch: Zeit, Arbeit und Gesellschaftliche Herrschaft) teile ich die Auffassung, dass die unverstandene und abstrakte Vergesellschaftung der Moderne, die keinen manifesten Inhalt und keine Wahrheit (eben nur konkurrierende „Meinungen“ kennt) via herrschender Reichtumsform, nämlich dem ebenfalls abstrakten Wert, auf das „raffende Kapital“ (Finanzkapital) und damit deren angebliche Besitzer (Antisemitismus) projiziert werden kann oder auch aktuell wird. Abgesehen davon aber, dass mit solcher Erklärung gleich die andere Hälfte der Sache (Abspaltung, Verschwörung, Privatheit und „Deep State“) verschleiert wird, die es ebenso dringlich zu verstehen gilt, wird durch die Rückwärtsverteidigung des gesellschaftlichen Seins durch die antideutsche Ideologie und ihre Vertreter die Barbarei, die der alte Karl einst ankündigte, nur immer weiter betrieben und verlängert.

    • Nachtrag:
      Zur Partei „die Linke“: Diese ist nicht erst neuerdings der Auffassung, dass es einer fundamentalen Kritik des Kapitalverhältnisses als gesellschaftlicher Formation nicht weiter bedarf. Ich erinnere mich an die späten 1990-er Jahre, wo die Gruppe Krisis mit dem leider verstorbenen Robert Kurz zu einer Anhörung durch die damalige PDS-Fraktion eingeladen wurden. Es ging um Roberts Krisentheorie und die voraussichtliche Entwicklung der Weltwährungslandschaft nach Einführung des Euros.
      Die damals in der Anhörung vorgetragenen Szenarien, einschließlich der Vorankündigung einer großen Finanzkrise – die heute weiterhin bloß simulativ unsichtbar gemacht wird und sich wie eine Caldera aufbläht – trafen damals durchaus auf einiges Interesse … bis Gregor Gysi verkündete, dass man solches „links-kommunistische“ Geschwätz nicht weiter hören will, weil man die tatsächlichen Verhältnisse für die Wähler verbessern wolle und die Linken doch bitte endlich im Parlamentarismus, der sich bewährt habe, ankommen möchten. Naja, weit sind sie nicht gekommen, was mich nun aber auch nicht tröstet.

    • „Vermieden werden soll der Bruch mit unserer Formation, mit unserer ungesellschaftlichen Gesellschaft, mit einem Zusammenhang, der deas Allgemeine(was alle angeht) nur durch konkurrierende und abstrakte Interessen regelt…
      Verfolgt wird das Ziel „ich will so bleiben wie ich bin.“

      Ja, darum geht es denen, die alles von oben oder „aus der Tiefe“ mit ihren Geldern lenken, weil das so profitabel für sie immer weiter laufen soll. Ihren Wünschen zupasse kommt der demolierte psychische Zustand der Mehrheit, die sich immer brav angepasst hat und deshalb immer noch gut genug versorgt ist, um nicht aufmucken zu wollen.
      Derjenigen Minderheit, die trotz noch guter Versorgung zu klug sind, um die Niederträchtigkeit dieses Systems ignorieren und übersehen zu können, kann man, wenn sie zu laut werden und damit zu große Reichweite erlangen, mit solchen Mitteln wie Rufmord wahrscheinlich am besten beikommen.

  5. Noch n‘ Nachtrag

    Bestimmt haben es viele schon gesehen. Bei Telepolis hat der Autor Nowak auch einen Betrag geschrieben, der die allgemeine Tendenz der Bemistung von Ken und seinen Rezipienten bedient. Das ist relativ egal, weil er nun wirklich kein sehr begabter Autor ist. Er kann eigentlich nicht gut schreiben, was für einen Berufsjournalisten ein wenig hinderlich ist. Aber was ich außerordentlich interessant fand und was vielleicht der geschätzte Betreiber dieses Portals, der angesichts des dessen, was in den letzten Tagen gegen ihn losgetreten wurde, ein wenig Trost vertragen kann, ist, dass in den Kommentaren eine überwältigende Tendenz des Widerstandes gegen Nowaks Bemistung zu finden ist. Ich gebe zu, dass mich die Menge der User, die sich gegen Nowak und für Ken positionieren, überrascht hat.
    Ist auch viel gescheiter Text dabei:

    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Querfront-Projekt-endete-als-Farce/forum-393744/

    Also in den Kommentaren, nicht bei Nowak.

    Und vielleicht noch mal ein paar Worte zum Kinodirektor. Ich hatte mal Gelegenheit in persönlich kennenzulernen und sage euch, der ist eigentlich wirklich kein übler Kunde und auf diesem Posten keinesfalls eine Fehlbesetzung. Er hat Ahnung vom Film, auch vom DDR-Film und macht schon richtig viele gute Sachen.
    Jetzt hat er einfach die blanke Panik. Für die Kulturbonzen der Stadt bleibt an ihm hängen, dass er den Vertrag überhaupt abschloss. Ob ihm seine hilflose „Publikumsbeschimpfung“ da noch hilft? Schwer zu sagen. Ist mir auch egal. Ist sein Problem.
    Er wird alles getan haben, damit er seine Vorwürfe an KenFM auch selbst glauben kann. Unbedingt. Und dann findet man das Gewünschte auch immer. Er will es glauben und daher glaubt er auch, dass er es mit Rassisten , Antisemiten, Querfrontlern und was weiß ich zu tun hat. Andere glauben an so was wie eine Jungfrauengeburt.
    Was soll er sonst machen? Sich gegen seinen Arbeitgeber wenden? Wie viele von uns haben das schon gemacht? Oder eben morgens das eigene Bild im Spiegel sehen und kotzen. Auch nicht schön. Dann lieber fest daran glauben, dass wir das Übel der Welt sind und er von uns reingelegt wurde.
    Von mir aus. Wenn’s sein Leben leichter macht…….

  6. Nach dem gestrigen Schwerpunkt-„Bericht“ zu Ken Jebsen in der „jungen Welt“ habe ich heute mein jW-Abo gekündigt. Im übrigen werde ich auch die LINKE nicht mehr wählen können. Die Selbstmargianlisierung der Sozialdemokraten und Sozialisten quer durch Europa hat einen recht simplen Grund: gerade in dem Moment, wo es darauf ankäme, neue Ideen zu generieren, springen die kohortenweise in den Schoß des Neoliberlismus. Ekelhaft …

    • Aber alles hat ja auch immer zwei Seiten. Das Gute daran ist, dass jetzt ein großes Stück deutlicher geworden ist, wo die Konturen dieser und jener Denkweise verlaufen und auf wen man sich eben doch nicht verlassen kann.

    • …und von der JW habe ich sowieso nie etwas gehalten, weil deren maßgeblicher Redakteur bis vor Kurzem Arnold Schölzel war. Er hat in der DDR 4 (oder 5?)seiner Philosophie-Kommilitonen aufs Raffinierteste und Hinterhältigste für die Stasi bespitzelt und damit deren Leben aufs Spiel gesetzt. Es gibt ein Buch darüber von einer der Kommilitoninnen, deren Name mir derzeit entfallen ist, Buchtitel ebenfalls. Sie hat vor etlichen Jahren sogar im TAZ-Café noch eine Lesung damit veranstaltet, als es noch nicht so klar war, wohin die TAZ politisch driftete.

  7. Ich habe für die Aktion gegen die Karlspreisverleihung jetzt so ein inneres Bild, als ob jemand mit voller, genau überlegter Absicht einen dicken Felsstein in einen Ameisenhaufen geworfen hätte, um diesen zu zerstören und die Ameisen in alle möglichen Richtungen auseinander zu treiben.

    • zuerst: ent täuschung ist ein konjunktiv – offensichtl.; der konjunktiv von ent tauschung. was soll den ent tauscht werden? ent tauscht im sinne von zurückgegeben; wir könnten also, um im konjunktiv zu bleiben Liebe zurückgeben. doch wozu? es ist viel leichter die Liebe einfach zurückzugeben ohne dabei die Möglichkeitsform zu verwenden. – nur so ein Gedanke. ist es nicht Möglich, dass die Absicht hinter den Felsstein eine Liebevolle war? ist es nicht Möglich, dass der Lederer gar kein so „schlechter“ ist? Es kann doch sein, dass der Lederer eine arme Sau ist, der nur genau das macht, was andere von ihm wollen; natürlich macht er sich damit gefährlich??? gefährlich! – für wen? für uns alle? – für mich sicher nicht – denn ich bin in der Lage mir selbst eine Meinung zu Formen eine Meinung – wie auch immer geartet. dank der Meinungsfreiheit bin ich auch in der Lage JEDE Meinung, die mir zusagt zu konsumieren. ich bin nicht darauf angewiesen, dass IRGENDWELCHE Medien oder Meinungsmacher oder weiss der Kuckuck mir sein Denken aufdrängt. Vertraut doch einfach darauf, dass jeder in der Lage ist, sich SEINE Meinung zu machen 😉

    • Dass das ein Kommentar zu diesem meinem Text sein soll, ist für mich nicht erkennbar. Wollen Sie nur Verwirrung stiftenß

  8. Ja, wie war es?
    Jeder sieht natürlich seinen eigen Film aber ich hatte den Eindruck einer großen Niedergeschlagenheit. Natürlich kann ich es überhaupt nicht belegen, aber ich vermute, dass die meisten der Anwesenden draußen bei der Demo und im Kino bei der Preisverleihung Wähler der Linken waren. Mit Sicherheit kann ich es von meinen Begleitern und mir sagen.
    Und mit gleicher Sicherheit kann ich es sagen, dass wir es nie wieder sein werden.

    Bevor die Veranstaltung begann, stellte sich der Babylon-Chef ungebeten und unerlaubt ans Mikro an tat was für seinen Arbeitsvertrag. Nein, Druck wurde auf ihn nicht ausgeübt. Aber er habe doch gar nicht gewusst, was für schlimme Leute kommen würden und nur gedacht, es wäre eine Zusammenkunft von Friedensaktivisten. Dann aber, als es die Aufregung gab, habe er sich mal KenFM – er nannte einen konkreten Beitrag, den ich jetzt nicht parat habe- und eine Stellungnahme dieses israelischen Jazzmusikers, der auch da war, angeschaut. Irgend wie hat er dann in seinem sprachlich ziemlich missglückten Beitrag, vermutlich seiner sichtlichen Erregung geschuldet, zusammengefasst, dass beide Rassisten sind und dem Israeli Hausverbot erteilt, um das sich in der Folge keine Sau kümmerte. Aber sein Beitrag war auch für Lederer und nicht für die, die er vorgab anzusprechen. Ein paar Zwischenrufe aus dem Publikum gab es und das war es dann.

    Irgendwie, und damit will ich es in dieser kurzen Schilderung auch belassen, wissen Leute wie Grossmann (osä) dieser Kino-Chef schon, dass die Beschreibung auch des Publikums als böser hasszerfressener Querfronthaufen gelogen ist. Sonst hätte er sich kaum da hingestellt um Publikum, Mitwirkende und Ken zu beschimpfen in der zutreffenden Gewissheit, dass keiner ihm auch nur ein Haar krümmen würde.
    Gern würde ich mir mal ansehen, wie es aussähe, wenn er oder ein anderer der sehr Tugendhaften sich vor einen Haufen der sich als antifaschistisch begreifenden Moa-Truppler stellte, um sie zu beschimpfen. Eine lustige Vorstellung wenngleich sehr unrichtig, weil diese Opportunisten, und die haben ihren Opportunismus sehr verinnerlicht, um sich selbst noch irgend wie ertragen zu können, so was nie tun würden. Frei von eigenen Überzeugungen, haben sie ein sehr feines Gespür dafür, welche gerade herrschende Überzeugung sie annehmen und verkünden sollten, um sich selbst zu nützen.

    Ich habe die Veranstaltung trotzdem deprimiert verlassen. Ich bin da mit dem Gefühl rausgegangen, dass die Niederlage, die wir, die wir uns einem rationalen Zugang zu den Dingen verpflichtet fühlen, die linke Traditionen verinnerlicht und nicht als modische Marke angenommen haben, sehr viel größer ist, als wir es heute schon begreifen.

    Ich bekomme eine Ahnung davon, dass der gewaltige Rechtsruck, wie ihn Östereich gerade durchmacht, auch bei uns bevorsteht. Nicht weil die Masse derer, die von der LINKEN enttäuscht ist, zu den Rechten überlaufen wird. Ich jedenfalls werde es nie tun. Aber ich werde nie wieder an der Seite der Lederers und der Mehrheit des Parteivorstandes sein. So lange ich ein wütender Einzelner bin, wird die das kaum scheren, Könnte nur sein, dass ich das nicht bin….

    • Zitat „Aber er habe doch gar nicht gewusst, was für schlimme Leute kommen würden…“

      So so…dieser Herr ist völlig ungeeignet in seinem Job. Seinen Job hätte er gemacht, den Rücktritt Herrn Lederer’s zu verlangen.

      Und ich vermute mal, dass einige der (für mich) relevanten Menschen unserer Zeit das Babylon ab sofort meiden werden.
      Beispiele wären Dr. Daniele Ganser, Ken Jebsen, Rainer Mausfeld, kurz, all die Menschen, die viel „zu sagen“ haben.

    • „Und ich vermute mal, dass einige (für mich)relevante Menschen unserer Zeit das Babylon ab sofort meiden werden.“

      Ja, das war wahrscheinlich bei der ganzen Lederer-Aktion schon mit eingeplant. Eine wirkungsvolle Attacke gegen all diejenigen, die im Vergleich zur Mehrheit schon aufgewacht sind. Kaputtmachen geht eben so schön einfach, deshalb wähnen sich ja auch die Kaputtmacher immer noch weiter auf der Erfolgsspur.

    • Elegant formuliert. Danke.

      Als nicht deutscher muss ich noch hinzufügen dass die Linke für mich – wäre ich jetzt deutscher – als links getarnte Neoliberalisten auch unwählbar wären. Da bliebe nur noch die AfD, aber das sind ja auch neonazis.

  9. Eine ganz wichtige Darstellung von Fakten! Vielen Dank dafür! Es ist tatsächlich schon sehr schlimm, was da vor sich geht in unserem Land mit der großen Etikettenkleberei und es erinnert stark an die Schilderungen aus unserer jüngsten Vergangenheit. Der Unterschied besteht im Prinzip eigentlich nur noch in den Sanktionen, die auf Denunziation folgten. Also der Unterschied zwischen Ruf-Mord und Mord.
    In so einem politischen Klima hat auch der Dümmste noch eine Chance, jemanden in der Öffentlichkeit zu denunzieren.
    Und wenn sich Dummheit zusammenrottet, dann Gnade Gott:
    Damals konnten ja sogar Schulkinder andere oder auch ihre eigenen Eltern denunzieren. Hier erwähnt jemand den Schulhof. Ja, daran hat mich das auch erinnert. Und an die Geschichte mit der Hitler-Münze, die meine Mutter mir einmal erzählt hat. Da hatte eine ihrer Mitschülerinnen eine andere beim Schuldirektor denunziert, weil diese angeblich auf dem Schulhof auf eine Hitler-Münze getreten sei. Heute könnte vielleicht umgekehrt jemand schon denunziert werden, wenn er eine Münze aus der Nazizeit auf dem Schulhof aufhöbe. Die selbe Dummheit und Gemeinheit, nur anders herum.

  10. Der „Fall“ ist komplizierter: Es geht nicht nur um einen Menschen, der im Kreuzfeuer öffentlicher Diskreditierung steht, es geht hier um Grundfragen der Demokratie, in der die Linke immer zuerst im Visier herrschender Rechter ist – siehe den Unterschied im Umgang sog. Sicherheitsbehörden mit dem rechten Terror-Netzwerk ‚NSU‘ und mit als links(„radikal“) Verdächtigten Anti-G20-Demonstranten. Schon alleine dieser Vergleich macht deutlich: das, was hier Zensur genannt wird, der Versuch der Unterbindung der Umsetzung von Art. 5 Grundgesetz ist nicht nur aus humanistischen Gründen zu kritisieren, sondern auch aus demokratischen Gründen zurückzuweisen.

  11. Etiketten-Kleben ist das eine.
    Das andere: den „Deutungsrahmen“ abstecken. Genau das passiert hier.

    Die ganze Friedensbewegung geht den Herrschenden so dermaßen gegen den Strich, dass jeder, der außerhalb des Nato-Narrativs denkt nicht nur mit verbalen Bomben beworfen wird. Es wird auch klar gemacht: hier bewegt man sich gedanklich in so unappetitlichem „Sperrgebiet“ – da darf man einfach nicht hingehen.
    Es ist – aus Sicht der Herrschenden – verständlicherweise „Wahnsinn“, wenn wir behaupten: die Medien dienen nicht der Information sondern der Indoktrination; die Kriege werden (nur) aus geopolitischen Macht- und Profitinteressen geführt; wir leben in Zeiten der größten Umverteilung von unten nach oben in der Geschichte der Menschheit; die repräsentative Demokratie ist nur eine Fassade, die eigentlichen Zentren der Macht sitzen wo anders.

    Wer das mal kapiert hat, der versteht, dass Lederer und Co. so handeln MÜSSEN, wie sie es tun. Genauso wie die Massenmedien: die MÜSSEN diffamieren, sie haben gar keine Wahl. Wenn zu viele rauskriegen, was hinter dem „Wahnsinn“ steckt, dann wäre ja der Informationskrieg verloren.

    Mal schauen, wie lange das noch gut geht – sind spannende Zeiten.

  12. Die Szene, die glaubt, jemand fertig machen zu müssen, so wie das mit Ken Jebsen geschieht, erinnert mich an den Schulhof meiner Kindheit: man empfindet ein Zugehörigkeitsgefühl, wenn man sich beteiligt am Verhauen von Mitschülern, auf deren Opferrolle man sich geeinigt hat. Will sagen – Journalisten, Politiker usw outen sich als Menschen, die nicht erwachsen werden konnten. Sie haben einfach den vollkommen falschen Job. Wieso eigentlich ist es möglich, dass es so oft die falschen Leute an den falschen Ort spült?

    • **“Wieso eigentlich ist es möglich, dass es so oft die falschen Leute an den falschen Ort spült?“**

      Das liegt nicht selten an den falschen Wählern….

  13. Habe heute über die gestrige Preisverleihung nur in der Welt gelesen – mir ist das Frühstück wieder hoch gekommen. Aber da ich nicht teilnehmen konnte, wo finde ich einen vernünftigen Bericht? Und warum war Ken Jebsen nicht da? Falls krank: Gute Besserung!

    • Auf RTDeutsch befinden sich zwei Berichte.

      deutsch.rt.com/inland/62203-rt-exklusiv-ken-jebsen-erklaert-ablehnung-karlspreis/

      deutsch.rt.com/inland/62200-rt-exklusiv-nrhz-herausgeberin-fickentscher-erklaert-karlspreis-jebsen/

    • Ich habe das auch -sogar 2 Artikel in der WELT- gelesen. SEHR GUT! Es wird darüber geschrieben. Es spielt fast keine Rolle, was da drin steht. Siehe Trump-Wahlkampf, siehe Ganser-Effekt im Netz. Hauptsache ist und bleibt, dass Herr Jebsen gehörig auf die Füße derer tritt, die glauben, alle Weisheit dieser Welt gepachtet zu haben. Und das auch am Köcheln hält. Wie Herr Jebsen bereits beim Interview auf RT anmerkte: „Wir machen alles richtig“. Stimmt! Panik allerorten. Der „getroffene Hund bellt“, heißt es nicht umsonst.

      Ich könnte mich immer wegwerfen, wenn diese dümmlichen Behauptungen wiederholt werden, die -je nach Formulierung- sogar im Wahrheitsfall strafrechtliche Konsequenzen hätte. Komisch, das Gegenteil ist der Fall. Alle müssen im Ernstfall den Schwanz einziehen. Köstlich.

    • Der Welt-Artikel ist wirklich übel. Da scheint ein Volontär (weiß nicht, ob ers noch ist) sich den Herrschenden andienen zu wollen. Wenn ich mich in eine Fotografie des Autors (M.N.) hineinfühle, bekomme ich die Info: Ich habe solche Angst, meinen Job zu verlieren. Ich tue alles, was sie wollen.
      An anderer Stelle sagte er mal, daß er sich ein Leben ohne Facebook gar nicht mehr vorstellen könne.
      Wow, was für ein Leben.
      Nichts anderes ist mehr vorstellbar als das Virtuelle, die Distanz zur Realität und vor allem zur Intensität eines ECHTEN Lebens.
      Warum kann eigentlich jemand, der stur die immergleichen Verleumdungsbegriffe und Beschimpfungen wiederholt, nicht vor Gericht gezerrt werden?
      Dem gehört doch eine Lektion verpaßt!

    • Ja, der Welt Artikel ist wirklich unter aller Sau. Der Typ merkt aber wohl selbst nicht was für einen Unsinn er verzapft… Hier ist ein Interview mit ihm… Unglaublich…

      youtube.com/watch?v=u8Kc5OkbCgA

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