Das Todesursachen-Mysterium | Von Hendrik Sodenkamp

Das Bundesamt für Statistik meint, letzte Wahrheiten gefunden zu haben, betreibt jedoch eine Desinformationskampagne.

Das Bundesamt für Statistik arbeitet in der Datenerhebung anders als das Robert Koch-Institut und die Gesundheitsämter. Während diese sich auf die Meldungen nach dem Infektionsschutzgesetz berufen, beruhen die Zahlen von Destatis auf den Angaben in den Totenscheinen. Diese werden nach dem Tod eines jeden Menschen von einem Arzt ausgefüllt. Laut dem Bundesamt wurde hier im Jahr 2020 bei 36291 verstorbenen Menschen COVID-19 als Erkrankung vermerkt. „In 30136 Fällen war dies die Todesursache, in den anderen 6155 Fällen war es eine Begleiterkrankung“, so Destatis. In Prozentzahlen bedeute dies, dass 83 Prozent der Fälle an Corona und 17 Prozent mit Corona verstorben seien. Diese Zahl widerspricht allem, was man bis dato von Pathologen hörte.

Vorab zur Einordnung: Insgesamt sind laut diesen ersten und vorläufigen Daten von Destatis im Jahre 2020 in Deutschland insgesamt 985620 Menschen gestorben. Die an und mit Corona Verstorbenen machen laut Destatis insgesamt einen Anteil von 3,7 Prozent aller Verstorbenen aus. Dass positive PCR-Tests medizinisch nichts beweisen, lassen wir außen vor.

Dass das Krankheitsgeschehen mit Corona nur einen kleinen Anteil an den Todesfällen hat, ist mittlerweile bekannt. Nun soll es um die Methodik von Destatis gehen. Haben wir es hier mit zuverlässigen Zahlen zu tun?

Diagnosen ohne Obduktion sind wertlos

Todesbescheinigungen beziehungsweise Totenscheine sind schon seit Jahren in Deutschland als unzuverlässige Quelle bekannt. So fand der Rostocker Rechtsmediziner Dr. Fred Zack 2017 in einer Studie heraus, dass sich mindestens 90 Prozent aller Totenscheine schon beim bloßen Studieren und ohne eine Obduktion als fehlerhaft herausstellten. 10000 Dokumente habe er demnach geprüft, wobei ihm nur 223 Urkunden als tadellos erschienen seien. „Es müssten mehr Obduktionen erfolgen, denn die Leichenschaudiagnosen — Totenscheine — werden in etwa 50 Prozent aller Fälle nach einer Sektion korrigiert. Deshalb ist die gegenwärtige amtliche Todesursachenstatistik in Deutschland (von Destatis), die lediglich auf Angaben der Todesbescheinigungen beruht, Augenwischerei.“ Auch 2020 und 2021 äußerten sich immer wieder Pathologen, dass nur eine Obduktion Klarheit über die Frage nach dem „an oder mit“ erbringen könne.

Dies liegt auch an der Form des Totenscheines selber, denn auf diesem soll nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Kausalkette niedergeschrieben werden, die schlussendlich zum Tod geführt hat. Im Totenschein-Formular steht als Ausfüllhilfe: „Direkt zum Tode führende Krankheit oder Zustand“ und darunter „Vorangegangene Ursachen: Krankheitszustände, welche zu der oben angeführten Ursache geführt haben, mit der ursprünglichen Ursache an letzter Stelle“. Dies ist für Destatis das „an Corona verstorben“.

Zusätzlich gibt es im Formular ein Feld für „Andere wesentliche Krankheitszustände, die zum Tode beigetragen haben, ohne mit der Krankheit selbst oder mit dem krankheitsverursachenden Zustand in Zusammenhang zu stehen“. Diese Vorgaben der WHO sind mal wieder an Schwammigkeit nicht zu übertreffen. Denn in der Regel führt ja gerade die Kombination aus diesen anderen — vermeintlich unabhängigen — Krankheitszuständen und COVID-19 zum Tode. Doch eine solche zum Tode führende Kombination ist auf dem Totenschein nicht vorgesehen. Stattdessen werden die hier eingetragenen Erkrankungen von Destatis als „mit diesen Krankheiten verstorben“ gewertet, während COVID-19 — oftmals der akute Auslöser — als alleinige Todesursache gewertet wird.

Konkret bedeutet das für den Totenschein, dass auch bei Verstorbenen, die einen multiplen und komplexen Krankheitszustand hatten, eine Kausalkette mit COVID-19 als mittelbare Todesursache aufgeführt wird. Ein Beispiel: Ein Mensch ist laut Totenschein an akutem Lungenversagen verstorben — „direkt zum Tode führende Krankheit“. Dies war die Folge einer Lungenentzündung — Krankheitszustand, der zum Lungenversagen geführt hatte —, welche als „Grundleiden“ COVID-19 hatte — „die Lungenentzündung verursachend“. Damit geht COVID-19 als Grundleiden in die Statistik ein — und der Mensch ist laut Destatis an Corona verstorben. Im Zusatzfeld des Totenscheines wird eingetragen, dass der Verstorbene auch noch Diabetes hatte — „wesentlicher Krankheitszustand, der zum Tod beigetragen hat“. Dieser „andere wesentliche Krankheitszustand“ geht als mit Corona verstorben in die Destatis-Rechnung ein.

Verstorbene Schwerkranke werden zu Coronatoten umdefiniert

Hier wird es problematisch, denn der Totenschein sagt in dieser Form nichts über den allgemeinen Gesundheitszustand und die Gewichtung der Krankheiten aus. Hier werden verstorbene schwerkranke Menschen aller Art anhand eines akuten Auslösers zu Coronatoten umdefiniert. Bleiben wir beim vorherigen Beispiel: Ein Diabetes-Kranker erleidet ein Nierenversagen und hat Durchblutungsstörungen. Die Person wird nun mit dem Verdacht auf einen Schlaganfall stationär behandelt. Dort infiziert sie sich mit dem Coronavirus und entwickelt, geschwächt durch den Diabetes, eine Lungenentzündung und stirbt daraufhin an akutem Lungenversagen. Für Destatis bedeutet das nun „an Corona verstorben“, weil das akute Lungenversagen durch COVID-19 hervorgerufen wurde — Diabetes ist schließlich kein Virusinfekt, und der Arzt hat auf dem Totenschein die unmittelbare Todesursache auf den Virusinfekt zurückgeführt.

Den Totenschein kann man als Kausalkette aber auch so ausfüllen: Der Mensch ist an zerebraler Ischämie (Hirninfarkt) verstorben, ausgelöst durch ein Herz-Kreislauf-Versagen, dem als Grundleiden eine Lungenentzündung vorausging. Das ist ebenfalls korrekt und wird in der Praxis auch so gemacht, wie uns von praktizierenden Medizinern bestätigt wurde. Denn schlussendlich stirbt jeder Mensch einen Hirntod, dem ein Herz-Kreislauf-Versagen vorangeht. Ob und an welcher Stelle der Arzt in der zum Tode führenden Kausalkette auch COVID-19 im Totenschein angibt, bleibt dem Mediziner überlassen. Laut praktizierenden Medizinern lässt sich ohne eingehende Untersuchungen des Verstorbenen COVID-19 als Todesursache in den seltensten Fälle eindeutig bestimmen. Denn auch bei positiv Getesteten kann die Todesursache durchaus durch andere Erreger ausgelöst worden sein, etwa durch multiresistente Keime. Doch in den meisten Fällen werden solche Untersuchungen gar nicht vorgenommen — und dennoch wird im Totenschein COVID-19 in die Kausalkette eingetragen.

Bereits 2008 sollte im Bundestag eine Reform der Leichenschau und der Totenscheine stattfinden, was jedoch durch die Bundesländer verhindert wurde. Das Bundesamt für Statistik weiß, dass es mit einer vollkommen unzuverlässigen Datenbasis operiert. Das hält Destatis aber nicht davon ab, vollmundig zu verkünden, die Antwort auf das „an oder mit Corona“ geklärt zu haben. Auf dieser Datenbasis werden seit Jahren politische Finanzierungsentscheidungen getroffen, die auch bereits vor Corona haltlos waren.

Keine Regierungsmedizin, sondern Gerichtsmedizin

Dass diese Zahlen nicht stimmen können, ergeben die Aussagen von Pathologen. So zitierte selbst das regierungstreue ZDF den Rechtsmediziner Benjamin Ondruschka mit seinem Ergebnis von 735 durchgeführten Obduktionen: „88 Prozent der Untersuchten hatten zwischen einer und vier Vorerkrankungen, am häufigsten drei. Nur in einem Prozent der Fälle wurden keine relevanten Vorerkrankungen gefunden.“ In Deutschland allein wurden bislang schon über 1 000 Obduktionen durchgeführt. Es ist an der Zeit, dass diese systematisch ausgewertet und an die Öffentlichkeit gebracht werden. Dann müssen wir uns auch nicht mehr mit irreführenden Statistiken herumschlagen.

Bei der Recherche zu diesem Thema sprachen wir mit Medizinern, die über Totenscheine als „harte Währung“ nur lachen konnten. „Was letztlich als Todesursache betrachtet wird, liegt im Ermessen des Arztes. Ob und wie COVID-19 im Totenschein auftaucht, kann jeder Arzt unterschiedlich handhaben. Das ist im Grunde völlig willkürlich“, sagte einer von ihnen. COVID-19 sei wie eine Mode-Todesursache unter Ärzten, welche mitunter auch die Arbeit erleichtere, weil man komplexe Krankheitszustände damit auf dem Papier vereinfachen könne. Im Endeffekt könne man in dieser Form des Totenscheines den tatsächlichen Auslöser aber nur schwerlich bestimmen. „Lungenversagen als Todesursache infolge eines multiresistenten Keimes wird fast nie aufgeschrieben. Das ist bei COVID-19 plötzlich anders. Und das liegt am PCR-Test.“

Hendrik Sodenkamp, Jahrgang 1989, ist Theaterdramaturg, Chefredakteur und Herausgeber der gedruckten Wochenzeitung Demokratischer Widerstand sowie Verleger des Sodenkamp & Lenz Verlags. Er studierte Kulturwissenschaft und Deutsche Literatur in Berlin, arbeitete ab 2008 in Hamburg in der Dramaturgie des Deutschen Schauspielhauses und des Thalia Theaters sowie in Berlin in der Intendanz der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz sowie in der Intendanz und Dramaturgie des NIE-Theaters. Das Kapitalismustribunal, das er im Haus Bartleby — Zentrum für Karriereverweigerung mit Anselm Lenz mitkonzipierte und durchführte, wurde 2016 für den Nestroy-Preis nominiert. Er lebt mit der Künstlerin und Musikerin Jill Sandjaja in Berlin und Brandenburg.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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Dieser Artikel erschien zuerst am 16. Juli 2021 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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Bildquelle: S_L / shutterstock

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16 Kommentare zu: “Das Todesursachen-Mysterium | Von Hendrik Sodenkamp

  1. Hartensteiner sagt:

    Ein Gespräch mit einem sehr vernünftigen Menschen: Flavio von Witzleben spricht mit Alex Olivari auf Rubikon.
    Link:
    https://www.rubikon.news/artikel/die-mitlaufer

  2. wasserader sagt:

    Berichte über 2 Ärztinnen aus meiner Umgebung .
    Zur Frage der Sicherheit der Impfungen : Der Patient habe dankbar zu sein, eine Coronaimpfung zu bekommen .
    2.Fall : Eine Ärztin ruft Patienten an und bittet sie eine Impfmöglichkeit wahrzunehmen . U.a. mit der Begründung, sie habe viele Dosen bekommen und müsse sie bei Nichtverwendung entsorgen .

  3. Volker Djamani sagt:

    Hinzu kommt, dass die Leitmedien gerne Stimmung machen, wenn ein Prominenter (hier im Beispiel aus der Musikbranche) an Covid 19 gestorben ist bzw. sei.

    Im vergangenen Jahr wurde von der deutschen Presse der Keyboarder Dave Greenfield (71) der bekannten Punkband The Stranglers als Covid-Toter "verkauft".

    Dass Greenfield seit Monaten wegen aktuter Herzprobleme im Krankenhaus war, wurde natürlich weggelassen. Das konnte man im Guardian lesen, auch der Umstand, dass er dort im Krankenhaus mit dem Virus infiziert wurde.
    RIP Dave Greenfield

    Es lebe der NHS (National Health Service) im englischen Gesundheitssystem.

  4. Hartensteiner sagt:

    Wozu muss ich das eigentlich wissen? Hat mich früher nie interessiert, interessiert mich heute nicht.
    Lese ich dann noch, es starben:
    im März 2021 insgesamt 81 359 Menschen,
    im März 2020 insgesamt 87 516 Menschen,
    im März 2019 insgesamt 86 739 Menschen,
    im März 2018 insgesamt 104 104 Menschen,
    im März 2017 insgesamt 82 934 Menschen und
    im März 2016 insgesamt 83 668 Menschen, dann
    schließe ich daraus, dass das Lebensrisiko heute so ist wie immer und dass es keinen Grund gibt, anders zu leben als es immer war. Das ist doch ganz einfach zu sehen. Da muss ich nicht weiter herumzählen und Totenscheine auswerten – ist doch reine Zeit- und Arbeitsverschwendung. Noch dazu, wenn Daten ausgewertet werden, die von Vornherein von minderer Qualität sind. Gehen wir doch lieber mal raus an die Sonne und machen einen vergnüglichen Spaziergang 🙂 und lassen die Erbsenzähler ihr Spiel spielen.

    • Hartensteiner sagt:

      … und natürlich kann man daran auch sehen, dass es nie eine Pandemie gab außer in kranken Hirnen. Vielleicht kann man die auch mal statistisch erfassen und vielleicht gar behandeln?

    • Deakehler sagt:

      Ja Hartensteiner, das sehe ich auch nicht anders.

      Der bekannten Filmtitel lst getrost erweiterbar;
      "Angst essen Seele und Hirn auf"

    • Hutmacher sagt:

      Nur diese Zahlen können letztendlich relevant sein, alles andere ist Kaffeesatzleserei und bestenfalls für die virtuelle Tonne geeignet.

    • Astrid sagt:

      Die Pandemie hat sich eingenistet in den Köpfen der Fernsehzuschauer. Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die wohlwollend diese Variante der "Gestalttherapie" unserer verkauften Bundesregierung begrüßt werden sie und ich nicht zum Teufel schicken können. Die Deppen geilen sich doch auf an ihren FFP2 Masken die sie selbst beim Radfahren auf dem Land tragen auf und haben die Macht erhalten andere zu denuzieren. Außerdem wird durch die Digitalisierung endlich der Fliesenleger der Samstags schwarz arbeitet und damit seinen Ferrari finanziert erfasst und gleichgemacht. Gleichmachen ist die neue Welt in der es keinen Neid mehr geben wird, alle haben ihre Digitalpapiere, alle dürfen das Abitur machen und danach etwas studieren um einbeamtet zu werden um das der Staat noch gleicher wird. Problem ist nur das die Masse der aussen stehenden die vom System als Fehler betrachtet werden immer kleiner wird. Somit dreht sich die Spirale unter den Gleichmachdeppen immer weiter und sie machen sich gegenseitig das Leben zur Hölle. War gestern in Stuttgart, alle mit Masken in den Kaufhäusern, auch in der Fußgängerzone. Das können sie nicht mehr zurückdrehen, da kann Herr Füllmich sagen was er will man kann nur noch schreiend weglaufen. Wo wollten sie die ganze Dummheit auch unterbringen, ich vermute Bismarck hätte gesagt "Dafür brauchen wir einen Krieg" aber vielleicht schaffts ja die Nadel, ich hoffe es dauert nicht allzu lange. Für mich bekommt Malkunst langsam Bedeutung, schauen sie sich von Arnold Böcklin die Toteninsel an und anschließend den "Hain". Gerne auch den "Schrei "von Muench. Vielleicht haben die ja schon geahnt was kommt.
      Also diesmal mit künstlerischen Grüßen Herr Hartensteiner

    • Hartensteiner sagt:

      Tja, Astrid… diese neue Geisteskrankheit hat voll zugeschlagen. Besonders auffällig, wie man gerade versucht, ganz langsam wieder hochzutesten, damit in Herbst und Winter wieder mit Volldampf Covid gespielt werden kann. Noch lächerlicher das Herumreiten auf "Delta", das ebenfalls eine reine Fiktion ist. (Wann kommt Epsilon?). Frankreich (Macron) ist uns in Sachen Irrsinn bei schon voraus und verpasst den Menschen die neue Hostie genannt Impfpass. Aber "wir" werden die faulige Makrone schon noch einholen. Wenn ich rausgehe, macht ich die gleiche Erfahrung, die Du beschreibst. Die Geisteskrankheit des Nazifaschismus konnte nur durch die große Katastrophe von 1945 halbwegs kuriert werden – das wird wohl auch diesmal nicht leichter gehen 🙁

  5. Norbobot sagt:

    wenn man den Anfang allen Übels – die Existenz von Viren als reine Erfindung der Pharma- weglässt, dann werden alle anderen Argumente, Beweise, Kausalketten etc. überflüssig😁

  6. Carsten Leimert sagt:

    Nach der vorläufigen Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes sind in fast allen Todesursachenkategorien weniger Menschen gestorben als nach dem Verteilungsschlüssel des Vorjahres zu erwarten gewesen wäre, und zwar insgesamt circa 32.700 Menschen weniger.

    1. Dies ist erstens deswegen verwunderlich, da das durchschnittliche Sterbealter 2020 sogar leicht höher als das durchschnittliche Sterbealter von 2019 war. Da es mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit wahrscheinlich ist, dass man bis zu diesem Durchschnittsalter an einer bestimmten Todesursache stirbt, hätten sich die Todesursachen der Menschen 2020 eigentlich entsprechend dem Erwartungswert verteilen müssen. Da aber bezüglich fast aller Todesursachen der tatsächliche Wert niedriger war als der Erwartungswert (zumal das durchschnittliche Sterbealter 2020 sogar noch leicht höher war als 2019), muss sich das Sterberisiko bzw. die Letalität fast aller anderen Todesursachen gesenkt haben, damit weniger Menschen – als zu erwarten war – sterben. Normalerweise erhöht sich die Letalität der verschiedenen Todesursachen bzw. Krankheiten aber nicht, und schon gar nicht in fast allen Kategorien.

    2. Nun sind 2020 die Menschen anstatt an den erwarteten Todesursachen (angeblich) insbesondere an Corona gestorben. Doch wenn Corona die anderen Todesursachen verdrängt haben soll bzw. ihnen zuvor gekommen sein soll und damit das Leben verkürzt haben müsste, wieso hat sich dann 2020 das durchschnittliche Sterbealter gegenüber 2019 nicht verringert (sondern sich sogar noch leicht erhöht)?! Zwar ist es denkbar, dass die Verringerung des Sterbealters so gering war, dass sie nicht messbar war. Dies würde jedoch wiederum voraussetzen, dass in jedem Einzelfall jeweils die Corona und die durch diese Corona verdrängte andere Todesursache stets zeitlich fast zusammenfallen, was wiederum in jedem Einzelfall unwahrscheinlich ist. Erst recht aber ist es unwahrscheinlich, dass dies (angeblich) in praktisch allen Fällen passiert sein soll.

    3. Und wie kann es überhaupt möglich sein, dass Menschen anstatt an den zu erwartenden Todesursachen (wie z.B. Krebs oder Kreislaufproblemen oder äußeren Ursachen wie Unfallfolgen) plötzlich an einer völlig anderen Ursache wie Corona sterben? Abgesehen davon, dass es unwahrscheinlich ist, dass ausgerechnet einer, der sterbenskrank mit Krebs im Bett liegt, plötzlich auch noch tödlich an einer völlig anderen Krankheit (Corona) erkrankt, und das dies auch noch so perfekt getimed ist, dass sich sein Sterbealter nicht erhöht, indem sein Coronatod zufälligerweise praktisch genau zum Zeitpunkt seines zu erwartenden Krebstodes eintritt (sodass sich das durchschnittliche Sterbealter nicht senkt).

    Fazit: Fast alle Toten müssen wohl nur "mit", aber nicht "an" Corona gestorben sein.

    • Arne Wörner sagt:

      Ich habe mal über fragdenstaat.de (#225259) nachgefragt, wie die sich das erklären…
      Ich hoffe mal, dass ich den Kommentar richtig verstanden habe…
      -arne

    • Schlafschaf sagt:

      Oh segensreiches Corona, wir werden nun älter. Das wird die Rentenkasse aber gar nicht freuen.
      Langsam weiß die Linke Hand nicht mehr was die rechte Hand gerade vermeldet.
      Dennoch fahren die Krankenwagen emsig mit Blaulicht Ta Tü Ta Ta die Straße rauf und runter.
      Und das bei einem Inzidenzwert von 5. Das heißt auf 100 000 Menschen kommen 5 positiv getestet.
      OK, ich habs ja verstanden, ab zum Impfen.

    • Carsten Leimert sagt:

      Ergänzung: mein obiger Kommentar basiert auf der folgenden Grundlage:

      Zu 2020 gibt es eine vorläufige Todesursachenstatistik des statistischen Bundesamtes. Diese kann man so – wie es Herr Samuel Eckert gemacht hat – extrapolieren, da davon ausgegangen werden kann, dass sich die noch ausstehenden 8% der Todesursachen sich nach demselben Schlüssel verteilen wie die ersten 92%. Insgesamt starben 2020 985.620 Menschen, während 2019 nur 939.520 Menschen starben. Nun können wir die Werte für die verschiedenen Todesursachen von 2019 jeweils dergestalt erhöhen (extrapolieren), dass wir insgesamt einen (fiktiven) Gesamtwert von ebenfalls 985.620 Toten haben, indem wir den Wert jeder Todesursache von 2019 mit dem Bruch 985.620/939.520 multiplizieren. M.a.W. extrapolieren wir die Gesamtzahl der Toten von 2019 (939.520) auf eine höhere (fiktive) Gesamtzahl von ebenfalls 985.620 (d.h. auf die gleiche Gesamtzahl wie 2020). Wir erhalten dadurch eine Übersicht über die Toten der verschiedenen Todesursachen, wenn 2019 nicht nur 939.520, sondern 985.620 Menschen entsprechend dem Verteilungsschlüssel von 2019 gestorben wären. Auf diese Weise erhalten wir einen Erwartungswert für 2020 basierend auf dem Verteilungsschlüssel von 2019. Denn da die Menschen 2020 mit fast demselben Sterbealter wie 2019 gestorben sind, wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Todesursachen auch 2020 genauso wie 2019 verteilt hätten. Merkwürdigerweise sind aber die derartigen Erwartungswerte für fast alle Todesursachen höher als die tatsächlichen (extrapolierten) Werte für 2020. Und zwar insbesondere in den Kategorien C, F, G, I, K, N, R und V. In diesen Kategorien starben 2020 insgesamt 32.690 weniger Menschen als zu erwarten gewesen wären.

    • Arne Wörner sagt:

      Das Destatis sagt, dass es sich um die Qualität der Todesbescheinigungen nicht kümmert… es macht daher auch keine stochastischen Analysen mit dem Ziel Unstimmigkeiten aufzudecken… der wundersame Heil-Effekt von Corona auf alle Krankheiten (besonders Influenza) eben… die sind so klug, dass denen die Tragweite gar nicht bewusst ist; so klug sind die… ROTFL

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