Denunzianten gesucht: Springers »Stürmer« auf Hexenjagd

Von Susan Bonath.

Viele Menschen sind erschüttert von den G20-Krawallen im linksalternativen Hamburger Schanzenviertel. Auch linke Gruppen zeigten sich entsetzt. Mit der bürgerlichen Entrüstung versuchte Springers »Bild« am Montag wie gewohnt richtig Kasse zu machen. Doch diesmal ging das Blatt einen Schritt zu weit: Mit selbst produzierten oder gekauften Schnappschüssen betätigte es sich als Ermittler, Richter und Henker zugleich. Unter der Schlagzeile »Gesucht: Wer kennt diese Verbrecher?« schrieb es gezielt Personen zur »Fahndung« aus.

Eine willkommene Hilfe des Skandalblattes für die Polizei? Das Problem: Die Gazette mit Millionenauflage bildet die Menschen nicht nur unverpixelt und identifizierbar ab, was aus gutem Grund nicht einmal der Polizei erlaubt ist. Sie schreibt ihnen Vorwürfe zu, ohne diese weiter recherchiert zu haben. Die Bild bezichtigt etwa eine Frau des »Einklaus«. Unter dem Foto eines jungen Mannes heißt es: »Volle Pulle Attacke! Vom Wasserwerfer durchnässt, schleudert dieser Mann eine Bierflasche«. Und so weiter.

Das mag einige freuen. Kleinwagen und Tante-Emma-Läden abzufackeln oder zu zertrümmern und damit unbeteiligte Anwohner zu schädigen, ist nicht links, sondern kriminell. Doch nicht nur, dass »Bild« gar nicht recherchiert hat, ob die Abgebildeten wirklich etwas mit den Krawallen in der Schanze zu tun haben und ihre Motivationen im Augenblick des Fotos gar nicht kennt. Wenn ein solches Blatt Menschen erkennbar abbildet, sie pauschal zu Verbrechern erklärt und ihre Leser auffordert, gegen diese tätig zu werden, setzt sie diese der Verfolgung außerhalb jeder staatlichen Institution aus – mit unabsehbaren Folgen.

Was das Springerblatt hier treibt, erinnert an den Stürmer, der den deutschen Faschisten massive Beihilfe zur Verfolgung von Kommunisten, Sozialisten und Juden leistete. Das meistgelesene deutsche Skandalblatt entzündet einen öffentlichen Scheiterhaufen und trommelt zur Hexenjagd gegen Einzelpersonen, die es ohne Ermittlungen, ohne Prozess zu Schwerkriminellen erklärt. Es wiegelt einen Bürgermob auf, der die Abgebildeten durchaus in tödliche Gefahr bringen kann. Wer das gutheißt, muss sich fragen: Wollen wir unkontrollierte Freicorps, die Jagd auf Menschen machen? Wollen wir eine Gesellschaft, in der Denunziantentum zum Volkssport wird? Wollen wir ein faschistisches Comeback?

Ohne Frage sind solche Aufrufe faschistischer Natur. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, was die gezeigten Personen augenscheinlich oder am Ende tatsächlich getan haben. Und wer mal auf einer Demonstration zusehen musste, wie Prügelpolizisten wahllos Männer, Frauen oder gar Kinder zusammenschlagen, treten, beleidigen oder mit Pfefferspray attackieren, der weiß: Irgendwann kommt der Punkt, an dem der friedlichste Mensch Ausschau nach dem nächstbesten Pflasterstein oder einer herumstehenden Flasche hält.

Ganz klar: Straftaten gehören ermittelt. Wer andere Menschen schädigt, gehört bestraft. In den »Fällen« der »Bild« jedoch bleibt die konkrete Situation, in der die Fotos entstanden sind, völlig im Dunkeln. Selbst Angeklagte vor Gericht darf kein Medium unverpixelt abbilden. Das gebietet der Pressekodex. Den gibt es nicht umsonst. Wer solche Aufrufe veröffentlicht, zu solchen Hexenjagden trommelt, dem sind Menschenleben völlig schnuppe. Der würde jeden auf diese Art verfolgen, solange es nur Kohle in die Kassen spült. So jemandem gehört das schmutzige Handwerk gelegt. Und zwar schnell.

 

Danke an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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50 Kommentare zu: “Denunzianten gesucht: Springers »Stürmer« auf Hexenjagd

  1. Was viele leider nicht begreifen, die Polizei vertritt durch ihre Befehlskette immer bestimmte Interessen.
    Beim dem Polizeieinsatz Stuttgart 21 ging es z.B. um finanzielle Interessen, da waren die Anweisungen klar seit „Prügelpolizisten“.
    In Hamburg sollte ja nur der normale Bürger und die Polizisten selbst vor „Terroristen“ beschützt werden. Deshalb war die Polizei verhältnismäßig „sanft“ in Anbetracht dieser Gewaltexzesse. Wer auf eine linke „Welcome to Hell“ Demo geht sollte sich nicht wundern, wenn Antifanten daraus wirklich eine Hölle machen. Den schwarzen Peter nur der Polizei zu zuschieben zeugt von ideologischer Verblendung.
    Hätte Frau Bonath sich genauso empört über das Verhalten der Bild wenn rechte „Randalierer“ (Pegida) gebrandmarkt worden wären ? Oder wäre sie bei der Hexenjagd ihrer Gesinnungsfeinde an erster Stelle mit dabei ?

    Gleichwohl ist die Kritik bezüglich der Bild berechtigt, auch in anderen Artikeln finden sich vernünftige Ansätze.
    Nun auch ein ideologisiertes Huhn findet mal ein Korn.

    Dabei wäre die Lösung des Problems der Linksextremisten so einfach: Antifa als terroristische Vereinigung erklären, Justitia von dem linken Auge der Nachsicht befreien und die gesparten Fördermitteln nutzen um Gefängnisse zu bauen. Denn die brauchen wir ohnehin schon durch die Zuwanderung. Tja die links-extreme Ideologie reagiert auf solche Tatsachen – Mehr Menschen = mehr Kriminelle selbst bei gleicher Kriminalitätsrate wie bei der „Schonlängerhierlebenden“ – allergisch und drückt das gerne mit Gewalt aus. Der Antifaschist ist nicht gegen Faschismus, sondern gegen alles was seiner faschistoiden Ideologie widerspricht. Wer z.B. billigend in Kauf nimmt andere Unbeteiligte zu verletzen, ihre Autos und Habseligkeiten anzündet hat meiner Meinung nach nicht nur einen „Prügelpolizisten“ verdient.

    Übrigens egal was der Polizist an der Basis macht, er macht es in der linken öffentlichen Wahrnehmung falsch, daher auch der pauschalisierende Begriff „Prügelpolizisten“ von Frau Bonath. Ich sehe zwar in der Polizei auch nicht mehr den Beschützer, Freund und Helfer, aber ich denke so sollte das Selbstverständnis dieses Berufsbildes aussehen. Daher sollte man mit dem Finger immer auf die Leute zeigen, die die „Polizei“ zu etwas anderen gemacht haben.

    Und die Polizisten und Polizistinnen sollten mal nachdenken welchen „Herren“ sie wirklich dienen, dem Bürger, dem Grundgesetz oder denjenigen die das Gesetz und die Bürger mit Füßen treten. Der Übergang vom Polizisten zum Söldner ist fließend.

    • (Nachdenkseiten vom 12.Juli 2017)
      Vorweg heute die Stellungnahme einer Reihe von Geschäfts- und Gewerbetreibenden des Hamburger Schanzenviertels, die auf Facebook gepostet worden war. Es ist ein interessantes Dokument, das zu lesen sich lohnt.

      STELLUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN VOM WOCHENENDE

      Wir, einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des Hamburger Schanzenviertels, sehen uns genötigt, in Anbetracht der Berichterstattung und des öffentlichen Diskurses, unsere Sicht der Ereignisse zu den Ausschreitungen im Zuge des G20-Gipfels zu schildern.

      In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 tobte eine Menge für Stunden auf der Straße, plünderte einige Läden, bei vielen anderen gingen die Scheiben zu Bruch, es wurden brennende Barrikaden errichtet und mit der Polizei gerungen.

      Uns fällt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerstörung schwer, darin die Artikulation einer politischen Überzeugung zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt.

      Wir beobachteten das Geschehen leicht verängstigt und skeptisch vor Ort und aus unseren Fenstern in den Straßen unseres Viertels.

      Aber die Komplexität der Dynamik, die sich in dieser Nacht hier Bahn gebrochen hat, sehen wir weder in den Medien noch bei der Polizei oder im öffentlichen Diskurs angemessen reflektiert.

      Ja, wir haben direkt gesehen, wie Scheiben zerbarsten, Parkautomaten herausgerissen, Bankautomaten zerschlagen, Straßenschilder abgebrochen und das Pflaster aufgerissen wurde.

      Wir haben aber auch gesehen, wie viele Tage in Folge völlig unverhältnismäßig bei jeder Kleinigkeit der Wasserwerfer zum Einsatz kam. Wie Menschen von uniformierten und behelmten Beamten ohne Grund geschubst oder auch vom Fahrrad geschlagen wurden.

      Tagelang.

      Dies darf bei der Berücksichtigung der Ereignisse nicht unter den Teppich gekehrt werden.

      Zum Höhepunkt dieser Auseinandersetzung soll in der Nacht von Freitag und Samstag nun ein „Schwarzer Block“ in unserem Stadtteil gewütet haben.

      Dies können wir aus eigener Beobachtung nicht bestätigen, die außerhalb der direkten Konfrontation mit der Polizei nun von der Presse beklagten Schäden sind nur zu einem kleinen Teil auf diese Menschen zurückzuführen.

      Der weit größere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert über den Weg laufen würden als auf einer linksradikalen Demo.

      Es waren betrunkene junge Männer, die wir auf dem Baugerüst sahen, die mit Flaschen warfen – hierbei von einem geplanten „Hinterhalt“ und Bedrohung für Leib und Leben der Beamten zu sprechen, ist für uns nicht nachvollziehbar.

      Überwiegend diese Leute waren es auch, die – nachdem die Scheiben eingeschlagen waren – in die Geschäfte einstiegen und beladen mit Diebesgut das Weite suchten.

      Die besoffen in einem Akt sportlicher Selbstüberschätzung mit nacktem Oberkörper aus 50 Metern Entfernung Flaschen auf Wasserwerfer warfen, die zwischen anderen Menschen herniedergingen, während Herumstehende mit Bier in der Hand sie anfeuerten und Handyvideos machten.

      Es war eher die Mischung aus Wut auf die Polizei, Enthemmung durch Alkohol, der Frust über die eigene Existenz und die Gier nach Spektakel – durch alle anwesenden Personengruppen hindurch –, die sich hier Bahn brach.

      Das war kein linker Protest gegen den G20-Gipfel. Hier von linken AktivistInnen zu sprechen wäre verkürzt und falsch.

      Wir haben neben all der Gewalt und Zerstörung gestern viele Situationen gesehen, in denen offenbar gut organisierte, schwarz gekleidete Vermummte teilweise gemeinsam mit Anwohnern eingeschritten sind, um andere davon abzuhalten, kleine, inhabergeführte Läden anzugehen. Die anderen Vermummten die Eisenstangen aus der Hand nahmen, die Nachbarn halfen, ihre Fahrräder in Sicherheit zu bringen und sinnlosen Flaschenbewurf entschieden unterbanden. Die auch ein Feuer löschten, als im verwüsteten und geplünderten „Flying Tiger Copenhagen“ Jugendliche versuchten, mit Leuchtspurmunition einen Brand zu legen, obwohl das Haus bewohnt ist.

      Es liegt nicht an uns zu bestimmen, was hier falsch gelaufen ist, welche Aktion zu welcher Reaktion geführt hat.

      Was wir aber sagen können: Wir leben und arbeiten hier, bekommen seit vielen Wochen mit, wie das „Schaufenster moderner Polizeiarbeit“ ein Klima der Ohnmacht, Angst und daraus resultierender Wut erzeugt.

      Dass diese nachvollziehbare Wut sich am Wochenende nun wahllos, blind und stumpf auf diese Art und Weise artikulierte, bedauern wir sehr. Es lässt uns auch heute noch vollkommen erschüttert zurück.

      Dennoch sehen wir den Ursprung dieser Wut in der verfehlten Politik des Rot-Grünen Senats, der sich nach Außen im Blitzlichtgewitter der internationalen Presse sonnen möchte, nach Innen aber vollkommen weggetaucht ist und einer hochmilitarisierten Polizei das komplette Management dieses Großereignisses auf allen Ebenen überlassen hat.

      Dieser Senat hat der Polizei eine „Carte Blanche“ ausgestellt – aber dass die im Rahmen eines solchen Gipfels mitten in einer Millionenstadt entstehenden Probleme, Fragen und sozialen Implikationen nicht nur mit polizeitaktischen und repressiven Mitteln beantwortet werden können, scheint im besoffenen Taumel der quasi monarchischen Inszenierung von Macht und Glamour vollkommen unter den Tisch gefallen zu sein.

      Dass einem dies um die Ohren fliegen muss, wäre mit einem Mindestmaß an politischem Weitblick absehbar gewesen.

      Wenn Olaf Scholz jetzt von einer inakzeptablen „Verrohung“, der wir „uns alle entgegenstellen müssen“, spricht, können wir dem nur beizupflichten.

      Dass die Verrohung aber auch die Konsequenz einer Gesellschaft ist, in der jeglicher abweichende politische Ausdruck pauschal kriminalisiert und mit Sondergesetzen und militarisierten Einheiten polizeilich bekämpft wird, darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben.

      Aber bei all der Erschütterung über die Ereignisse vom Wochenende muss auch gesagt werden:

      Es sind zwar apokalyptische, dunkle, rußgeschwärzte Bilder aus unserem Viertel, die um die Welt gingen.

      Von der Realität eines Bürgerkriegs waren wir aber weit entfernt.

      Anstatt weiter an der Hysterieschraube zu drehen sollte jetzt Besonnenheit und Reflexion Einzug in die Diskussion halten.

      Die Straße steht immer noch, ab Montag öffneten die meisten Geschäfte ganz regulär, der Schaden an Personen hält sich in Grenzen.

      Wir hatten als Anwohner mehr Angst vor den mit Maschinengewehren auf unsere Nachbarn zielenden bewaffneten Spezialeinheiten als vor den alkoholisierten Halbstarken, die sich gestern hier ausgetobt haben.

      Die sind dumm, lästig und schlagen hier Scheiben ein, erschießen dich aber im Zweifelsfall nicht.

      Der für die Meisten von uns Gewerbetreibende weit größere Schaden entsteht durch die Landflucht unserer Kunden, die keine Lust auf die vielen Eingriffe und Einschränkungen durch den Gipfel hatten – durch die Lieferanten, die uns seit vergangenem Dienstag nicht mehr beliefern konnten, durch das Ausbleiben unserer Gäste.

      An den damit einhergehenden Umsatzeinbußen werden wir noch sehr lange zu knapsen haben.

      Wir leben seit vielen Jahren in friedlicher, oft auch freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft mit allen Formen des Protestes, die hier im Viertel beheimatet sind, wozu für uns selbstverständlich und nicht-verhandelbar auch die Rote Flora gehört.

      Daran wird auch dieses Wochenende rein gar nichts ändern.

      In dem Wissen, dass dieses überflüssige Spektakel nun vorbei ist, hoffen wir, dass die Polizei ein maßvolles Verhältnis zur Demokratie und den in ihr lebenden Menschen findet, dass wir alle nach Wochen und Monaten der Hysterie und der Einschränkungen zur Ruhe kommen und unseren Alltag mit all den großen und kleinen Widersprüchen wieder gemeinsam angehen können.

      Einige Geschäftstreibende aus dem Schanzenviertel

      BISTRO CARMAGNOLE
      CANTINA POPULAR
      DIE DRUCKEREI – SPIELZEUGLADEN SCHANZENVIERTEL
      ZARDOZ SCHALLPLATTEN
      EIS SCHMIDT
      JIM BURRITO’S
      TIP TOP KIOSK
      JEWELBERRY
      SPIELPLATZ BASCHU e.V.
      MONO CONCEPT STORE
      BLUME 1000 & EINE ART

    • @ Schwarz ist weiß haben Sie auch eine eigene Meinung ?

      Oder entspricht der zitierte Artikel auf den Nachdenkseiten zu 100% ihrem Weltbild ?
      Wenn sie sich selbst zu der Sorte der Relativierungsspezialisten zählen, dann beschweren sie sich nicht wenn es die andere Seite auch so handhabt. Vorsätzliche Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten ist aufgrund der Gewalt von Antifanten ist genauso wenig legitim wie die Gewalt und der Terror der Antifa gegen Andersdenkende und das Eigentum von Unbeteiligten aufgrund von dieser Polizeigewalt.

      Ich differenziere hier ein wenig… sie auch ?

      Vielleicht ist mir ja auch entgangen, dass die Ladenbesitzer, deren Läden zerstört und geplündert wurden, der Krankenschwester btw. der Geringverdiener, dem sein Auto angezündet wurde, zumindest indirekt oder direkt mitverantwortlich sind an der Polizeigewalt. Nun gut sie finanzieren über Steuern beide Seiten: Politik und Polizei sowie die Antifa…. also selbst schuld ?!

      Diese Ladenbesitzer sind vielleicht gut versichert… ich als Ladenbesitzer hätte ein paar Randalierer zumindest eine Lektion fürs Leben erteilt, an der sie sich immer erinnern würden.

      Irgendwann ist die Grenze des Verständnisses und der friedlichen Deeskalation erreicht, dann heißt es:
      Gnade ist etwas zwischen den Menschen und Gott.
      Man sorgt dann nur für die Begegnung.

      Bitte lassen Sie mich doch an ihrem komplexeren Weltbild teilhaben.

    • Die Differenzierung von Ihnen sah so aus:
      „Antifa als terroristische Vereinigung erklären, Justitia von dem linken Auge der Nachsicht befreien und die gesparten Fördermitteln nutzen um Gefängnisse zu bauen. Denn die brauchen wir ohnehin schon durch die Zuwanderung.“

      Ich habe den Bericht darunter gesetzt, weil Anwohner, die dort wohnen, die Sache differenzierter sehen.
      Sie sind direkt betroffen und wissen auch nicht alles über die Randalierer.
      Der zitierte Satz von Ihnen, könnte auch von einem CDU-Hardleiner stammen.

      Oder war das ironisch gemeint? Ich glaube nicht!

    • Ich finde gar nicht, dass Andre so ein einfaches Weltbild hat. Er macht sich halt seine Gedanken, was zwar auch nicht immer alles meine sind, aber es sind die eigenen. Das ist in jedem Fall interessanter, als jemand, der sich immer nur an andere Meinungen kuschelt, mit denen er dann andere auch noch massregeln will. (Guck mal, ich weiß es aber viel besser-hier schau mal diesen link und jenen link..)
      Und ich sehe das mit der Polizei z.B. ähnlich wie Andre Je nachdem, welches Szenario die Obrigkeit gerade haben möchte, agiert sie. Natürlich darf man sie trotzdem nicht als homogene Truppe betrachten- es gibt ja überall solche und jene. Aber sie müssen halt der Obrigkeit gehorchen und haben da wohl keinen großen Spielraum. Gerade deshalb finde ich, dass man sie auf keinen Fall verteufeln sollte und im Gegenteil versuchen, sie immer für Gerechtigkeit gegenüber der Bevölkerung zu gewinnen, der sie ja auch selbst angehören. Ihr Job ist ja wohl auch schwer genug, muss man auch bedenken. Dass es allerdings viel zu viele gibt, die auf Wehrlose losprügeln, muss auch immer wieder angeprangert werden. Die Videos, die es da so gibt, sind ja wirklich entsetzlich widerlich.

    • Das die Polizei keine homogene Truppe ist und das sie Befehle der Obrigkeit ausführt, ist mir auch klar.
      Die Gegenseite ist aber auch nicht homogen!
      Nicht einmal die Antifa ist es.
      Wenn ich andere Sachen empfehle, dann deshalb, weil ich etwas für wichtig oder für richtig halte.
      Ich will auch nichts relativieren.
      Ich weis nicht wer da genau gebrandschatzt, geklaut und randaliert hat.
      Andre scheint ja die waren Schuldigen zu kennen und hat auch schon Maßnahmen parat.
      Er hätte den Chaoten schon gezeigt wo der Hammer hängt.
      Was hätte er denn gemacht?.. nichts hätte er gemacht! Er wäre froh gewesen wenn ihm selber nichts passiert wäre.

      Und die Asylbewerber und Immigranten bekommen auch gleich was aufs Dach.
      Dann wird die Sache auch rund.

      Den Linken endlich „eine einzuschenken“ – das hat man nach dem G20-Treffen schon von CDU-Seiten gehört.

      Wenn das seine eigenen Gedanken dazu sind, dann tut es mir herzlich Leid.

      P.S.
      Ich weis, das Gedanken von anderen oft besser formuliert sind, als meine eigenen.
      Vor allem wenn es um Leute geht, die den Sachverstand haben oder (und) vor Ort sind.

    • Wenn man etwas nicht auch selber formulieren kann, hat man es auch noch nicht selbst in Gänze begriffen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Es tut dem eigenen Denken nur gut, wenn man diesen nächsten Schritt der Eigenformulierung wagt. Denn erst da beginnt das wirklich bewusstseinserweiternde Denken. Man sollte davor keine Angst mehr haben, vor sich selbst keine Angst mehr. Und falls man sich tatsächlich einmal vergalloppieren sollte, kann man es ja auch ruhig zugeben und sich entschuldigen. Wir wissen ja alle: Irren ist menschlich.
      Was mich eben stört, ist diese immer nur von anderen gepachtete Bestenswisserei. Was man behauptet, sollte man immer auch selbst durchlebt bzw. durchdacht haben, sodass man es auch selber formulieren kann. Anders ist es nur ein gegenseitiges Bewerfen mit aufgeklaubten Gedanken anderer und das ist nicht nur sinnlos, sondern auch destruktiv. Finde ich.

    • @ Schwarz ist weiß

      Projektzieren Sie bitte nicht von sich selbst auf andere.
      Sie haben jedoch Recht, dass ich vorher eine Nutzen-Risikoanalyse mache, bevor ich meine körperliche Unversehrtheit aufs Spiel setze. Im Falle der Verteidigung eines Ladens gegen die Plünderung eines Ladens durch die Antifa, würde ich es mit passenden Bewaffnung doch wagen. Und wenn die ersten Antifanten einen Teil ihrer körperlichen Unversehrtheit eingebüßt hätten, würden die übrigen das weite suchen. Denn diese verirrten Geister müssen mal endlich durch persönliche Konsequenzen lernen.

      Im Vergleich zu der feigen Antifa macht die IB wirklich sinnvollen und friedlichen Protest.

    • @ Specht

      Ich stimme dir zu, denn eigene Gedanken wiegen mehr als tausend fremde Ansichten.
      Zwar kann man im Internet sich über alles informieren (Wikipedia, Nachdenkseiten), aber wirkliches Verständnisses erlangt man nur wenn man selber nachdenkt und durch Selbstreflexion. Man muss dann auch den Mut aufbringen seine Gedanken zu äußern mit dem Risiko sich selbst und seine mögliche unlogische Sichtweise zu „entlarven“.

      Also Schwarz ist weis meine Lösung für das Problem ist zu einfach ?
      Versuchen sie mal die Justitia in Deutschland wirklich „blind“ zu machen, das es gar nicht so einfach. Richter sind auch nur Menschen und mit schwammigen Gesetzen mit zu viel Spielraum beugen sie die Anwendung dieser Gesetze in Richtung ihres persönlichen Weltbildes.
      Oder wie die AfD es so schön benennt: Wir haben eine weisungsgebundene politische Justiz und keine klare Gewaltenteilung mehr. Die Bezeichnung Bananenrepublik ist leider näher an der Wahrheit dran als man vielleicht wahrhaben möchte.
      Diese Fehlentwicklungen zu beheben sind große Herausforderungen.

    • Wir sollten doch eine Diskussionskultur direkt von Mensch zu Mensch fördern. Den Beweis- Wahnsinn unserer gewalttätigen und profitdienlichen Wissenschaft sollten wir nicht auch noch auf private Diskussionen übergreifen lassen und die Diskriminierung der persönlichen Sinneswahrnehmungsmöglichkeiten sollten beendet werden. Sie haben uns nur dorthin geführt, wo wir jetzt stehen. Mich interessieren die Gefühle meines Gegenübers bzw. Dikussionspartners mindestens genauso, wie seine Gedanken dazu.

  2. „Ohne Frage sind solche Aufrufe faschistischer Natur. Dabei spielt es letztlich keine Rolle, was die gezeigten Personen augenscheinlich oder am Ende tatsächlich getan haben. Und wer mal auf einer Demonstration zusehen musste, wie Prügelpolizisten wahllos Männer, Frauen oder gar Kinder zusammenschlagen, treten, beleidigen oder mit Pfefferspray attackieren, der weiß: Irgendwann kommt der Punkt, an dem der friedlichste Mensch Ausschau nach dem nächstbesten Pflasterstein oder einer herumstehenden Flasche hält.“
    .
    Dieser komplette Absatz passt überhaupt nicht zum Artikel, in dem vollkommen berechtigte Kritik an der Bildzeitung geübt wird.
    .
    Warum also verknüpfen sie, Frau Bonath, mit diesem Absatz – meines Erachtens in unnötiger Weise – ihre berechtigte Kritik an der Bildzeitung mit einem zumindest äußerst zweifelhaften Verständnis eines Verhalten, das absolut nicht normal und schon gar nicht in Ordnung ist?
    .
    Können sie mir das erklären?

  3. Ich bin zwar selten Ihrer Meinung, insbesondere was das sogenannte Grundeinkommen angeht, aber hier muss und kann ich Ihnen zustimmen. Die geradezu groteske Kampagne einiger Massenmedien verschleiert deutlch mehr als sie an Information oder gar Aufklärung bringt.
    Folgende Themen werden in den Hintergrund gedrängt und das ist meines Erachtens blanke Absicht und eine Unverschämtheit der Mainstreampresse gegenbüber denkenden Lesern:
    – Die in der Tat vorhandenen Defizite bei der Polizeiarbeit – die türkische Polizei ist z.B. deutlich weiter bei der Terrorbekämpfung (wobei ich die Exzesse der Erdogan-Regierung gegen die Pressefreiheit auch nicht schönreden will!)
    – Die in der Tat passierten Provokationen und Schikanen gegen FRIEDLICHE Demonstranten
    -. Die offensichtliche Tatsache, dass die Randale hauptsächlich ein linksalternatives Viertel traf, ich denke, echte Linksradikale hätten eher Blankenese oder ein anderes der Villenviertel verwüstet

    Zudem wird – auch hier sehr im Sinne vieler G20-Machtpolitiker – die dringend nötige kritische Diskussion der Inhalte der von den G20-Politikern vertretenen Politik an den Rand gedrängt, es wird fast nur über die Krawalle geredet.
    Es geht hier auch, aber nicht nur um Trump, Putin udn Erdogan. Es geht auch um die Islamdiktatur Saudi-Arabien und die sogenannte Katar-Krise. Es geht darum, dass meines Erachtens Ausgrenzung und Grenzschließung kein sinnvolles Mittel darstellen, um politische Konflikte zu lösen, sondern in kriegerischer Weise Unschuldige entrechten.
    Zudem hatten Wissenschaftler meines Erachtens zu Recht vorgeschlagen, den derzeit schwersten Skandal der Pharmaindustrie, der in der Einleitung von ungeklärten Abwässern aus der Antibiotikaherstellung direkt in Flüsse in Indien besteht, bis zur G20 zu eskalieren. Durch das katastrophale Versagen des indischen Staates und der indischen Regierung (wäre Indien noch bei Großbritannien und somit (noch) in der EU, wäre sowas undenkbar) und natürlich durch korrupte Akteure der Pharmaindustrie werden multirestistente Keime ‚gezüchtet‘. Das ist ein globales Problem, auch wenn natürlich die ärmere Bevölkerung vor Ort am meisten darunter leidet.
    Statt über diese wesentlichen Themen und über die inhaltlichen Defizite der Machtpolitiker redet die Presse nur über die Randale. Die Randalierer wirken wie bestellt von den sogenannten ‚Eliten‘.

  4. Die BILD-Zeitung war von Anfang an ein faschistisches Blatt gewesen und ist es auch heute noch. Leider wissen die Leute gewöhnlich nicht, was Faschismus wirklich bedeutet: Sie begnügen sich mit den rudimentären Vorstellungen, die ihnen bereits in der Schule vermittelt wurden: »Das war ein böses Regime eines bösen Diktators, der die zig Millionen Bewohner seines Landes dazu zwang, immer mehr und immer härtere Repressionen still zu ertragen.« Außer einigen Geisteswissenschaftlern und der überschaubaren Anzahl ihrer Leser wurde kaum jemandem bewußt, daß es sich beim Faschismus nicht nur um eine äußerst repressive Staats- und Wirtschaftsform handelt, sondern vielmehr um eine Geistes- und Gemütsverfassung, die sich vor allem durch eine nahezu vollkommen unreflektierte Reaktionsfähgikeit auszeichnet – daher auch das Synonym reaktionär – und dessen Vertreter deshalb vorrangig auf niedere Instinkte reagieren bzw. an anderen abreagieren.

    Der aus dem italienischen Wort für Bund – fascio – abgeleitete Begriff Faschismus ist gewissermaßen inhaltsleer. Er sagt so gut wie nichts über das Wesen dessen aus, was faschistisch ist oder sein soll. Darin unterscheidet sich dieser „Ismus“ ganz entscheidend von anderen „Ismen“ wie Konservativismus, Liberalismus, Sozialismus usw. [1] Was Faschismus ist oder sein soll, wurde vornehmlich von seinen Gegnern bestimmt, die Theorien des oder besser: über den Faschismus entwickelt haben. [2]

    Schon Walter Benjamin wies darauf hin, daß Hitler sich und seinen Größenwahn dem deutschen Volk als ein Theaterspektakel verkaufte. Benjamin erkannte, daß der Faschismus die Ideologie nur benutzte, tatsächlich aber keine Ideologie war. Vielmehr ging es darum, dem Volk durch eine Inszenierung von Posen, die Herrschaft oder Pflicht und Gehorsam ausdrückten, eine Identität zu geben. Menschen, die über keine wirkliche Identität verfügen, brauchen das politische Spektakel, um sich vollständig und intakt zu fühlen. Den eigentlichen Kern jeglichen Terrorismus bildet die Pose eines Herrenvolkes. Dahinter steht eine innere Leere, die ihre Ursache darin hat, daß sich keine Identität bilden konnte, die im Mitgefühl für den anderen wurzelt. Wenn ein solches Fundament fehlt, entsteht eine Identitätsstruktur, die nur auf Identifikation mit Autoritäten und auf Gehorsamkeit beruht und die Entwicklung einer wirklich eigenen Identität verhindert. Das, was das Eigene hätte sein können, wird gehaßt, weil die erziehenden Autoritäten es abgelehnt haben und das Kind dazu verdammt war, es als fremd abzuspalten. Die Leere, die solche Menschen empfinden, macht sie mehr als andere empfänglich für die Inszenierung von Spektakeln, weil diese ihnen das Gefühl geben, mit Stärke und Macht vereint zu sein. Der englische Psychoanalytiker Donald Winnicott beschrieb solche Menschen als krank und unreif, da ihre Identifikation mit strafenden Autoritäten die Selbstentdeckung, also eine eigene Identität, verhindert. Es gibt keine Selbstbestimmung, sondern nur eine Vermassungstendenz, die sich gegen Individualität richtet. Es fehlt ihnen an Ganzheitlichkeit. Sie können innere Konflikte nur außerhalb ihrer selbst lokalisieren. Ihre Ängste und Haßgefühle bekommen sie nur in den Griff, indem sie sie auf äußere »Feinde« projizieren. Indem sie andere töten, projizieren sie diesen Selbsthaß. [3]

    Das auf Spaltung beruhende Selbst kann seinen Zusammenhalt nicht mehr bewahren, wenn es von sozialen Umwälzungen bedroht ist. Genau diesen Umstand nutzte beispielsweise der Faschismus aus. Er wandte sich direkt an das Rachegefühl im Menschen und stellte Rache ohne inneren Widerspruch als heilig dar. Was allen Führern ihre Macht verleiht, ist nicht so sehr die Tatsache, daß sie uns ein besseres Leben versprechen, sondern vor allem, daß sie uns von dem inneren Kampf befreien, von dem Widerspruch zwischen Liebe und Haß. Sie liefern uns Feinde, die wir meinen töten zu dürfen. Und zugleich meinen wir, uns dennoch für diesen Haß auf andere und für unsere Rache lieben zu dürfen. Darin besteht die ganze Paradoxie, ja die Pervertierung unserer Gefühle, wenn Menschen meinen, sie könnten den inneren Kampf, den Widerspruch zwischen Liebe und Haß überwinden. Wenn Menschen sich ihrer Kultur entfremdet haben, weil diese es nicht mehr ermöglicht, ihr Selbst »offiziell« zu definieren, dann kann persönliche »Ganzheit« sich nur noch zeigen, wenn zum Ausdruck kommt, womit dieses Selbst bis zum Rande gefüllt ist: mit Haß. Damals wie heute sprechen ihre Führer niemals den Urgrund des neuen Identitätsgefühls an – noch die mörderische Wut, die davon bestimmt ist. Doch weder die Opfer ihrer Zerstörungswut noch ihre Unterwerfung unter neue Unterdrücker erlösten die Menschen voller Haß und Rache in irgendeiner Weise. Denn ihre Suche ist blind. Sie suchen einen Weg, ihrem wahren Selbst zu entkommen. Die Flucht vor der echten Auseinandersetzung mit den Ursachen der Misere und den damit verbundenen Schmerzen bedeutet, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. [4]

    Die Sehnsucht nach einem Führer: Wenn eine Autorität vorhanden ist, der wir uns unterwerfen können, dann unterwerfen wir uns dieser Autorität. Selbstverständlich spielen bei diesem Prozeß äußere Ereignisse eine Rolle. Cohn (Norman.: Das Ringen um das Tausendjährige Reich. Revolutionärer Messianismus im Mittelalter und sein Fortleben in den modernen totalitären Bewegungen, Aus dem Engl.: The pursuit of the millennium Franke: Bern 1961) zeigte für das Mittelalter, wie der Zusammenbruch der Sozial- und Wirtschaftsordnung zum Bedeutungsverlust beim Einzelnen führte. Genau das ist der entscheidende Punkt: Beginnt sich die soziale Struktur aufzulösen, bricht die unterdrückte Wut hervor. Dann offenbaren sich die mörderischen Impulse und das innere Chaos, die nur mittels eines äußeren »Feindes« kanalisiert werden können. Ein so verfaßtes Selbst wird aber auch davon charakterisiert, daß es ebenso schnell wieder »gesunden« kann, wenn die Autorität der sozialen Ordnung wiederhergestellt zu sein scheint. Damit läßt sich das scheinbare Paradox erklären, daß die russische Armee in den Jahren 1905 und 1906 ständig sowohl selbst meuterte als auch der Niederschlagung der Aufstände diente, wie es John Bushnell beschrieben hat. Daran wird sichtbar, daß nicht so sehr der Zerfall der äußeren sozialen Struktur Rebellion hervorruft, sondern daß es darum geht, ob eine Autorität vorhanden ist, der man sich unterwerfen kann. Scheint sie nicht mehr vorhanden zu sein, dann bricht das auf Anpassung gegründete Persönlichkeitsgefüge auseinander. Und so kommt es zum – in diesem Fall wiederholten – Umschwenken, wie Bushnell (John: Mutiny and repression. Russian soldiers in the revolution of 1905-1906. Bloomington: Indiana Univ. Press 1985, geschrieben 1905) es sinnfällig darstellte. Die immer vorhandene Bereitschaft zur Gewalttätigkeit richtet sich unmittelbar gegen das, was vorher noch für gut gehalten wurde. Dann wird weiterhin das Böse als das Gute verteidigt. Aber eine wirkliche Befreiung des Selbst findet nie statt. [5]

    Es ist kein Zufall, daß die Ideologien, die das Mitgefühl am tiefsten verachten und dem männlichen Mythos von Stärke und Größe besonders hemmungslos huldigen, die faschistischen sind. Jede faschistische Spielart verherrlicht den Tod. Deshalb finden diese Ideen eine so leidenschaftliche emotionale Gefolgschaft. Sie rühren an der Neigung vieler, vom Tod als heroischem Erlöser fasziniert zu sein. Deshalb haben es faschistische Ideologien so leicht, Männer und Frauen für ihre vernichtenden Ziele zu gewinnen. Wenn dieses Bedürfnis nach Erlösung nicht schon vorhanden gewesen wäre, hätte der Faschismus nie so erfolgreich sein können. Auch die Begeisterung, mit der sich heute terroristische Selbstmordattentäter in den Tod stürzen, hat darin seine Wurzeln. Die Todessehnsucht ist heute nicht stärker ausgeprägt als in früheren Zeiten. Jedoch haben sich die Möglichkeiten ihrer Realisierung vervielfältigt. Das Spektrum an Techniken zur kriegerischen Zerstörung hat enorm zugenommen, gleichzeitig läßt sich auch die Tatsache, daß solche Handlungen auf den Tod abzielen, durch den Einsatz moderner Medien sehr viel besser verschleiern. Dabei sind es immer hehre Motive, hinter denen Kriegstreiber ihre Mordlust verbergen. Der Krieg, der im Namen der Freiheit geführt wird, ist hier genauso ein Beispiel wie ein Feldzug für Gott. Wir dürfen uns nicht blenden lassen von falschen Gefühlen. Selbst die Nazis haben sich nicht gescheut, von der inneren Qual des Mordens zu sprechen. Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, sagte im Oktober 1943 vor SS-Gruppenführern in Hinblick auf die Judenvernichtung: »Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn hundert Leichen beisammen liegen, wenn fünfhundert oder tausend da liegen. Dies durchgehalten zu haben und dabei – abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen – anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht.« [6]

    Ein Bewußtsein, etwas Entsetzliches zu tun, ist hier durchaus noch vorhanden, es wird jedoch umgeleitet in ein Selbstmitleid, das immer zentraler Bestandteil der zur Schau gestellten Gefühle ist. Selbstmitleid verhindert die empathische Wahrnehmung des Leids, das man anderen zufügt. Und es verschafft dem Täter das Gefühl, zu der Tat berechtigt zu sein. Himmler gelang es auf subtile Weise, die tatsächlichen Opfer als »Täter« und die Täter als »Opfer« erscheinen zu lassen. In dieser zynischen Verdrehung waren die Mörder dazu aufgerufen, sich heldenhaft der grauenvollen Aufgabe zu stellen, die ihnen die Opfer selbst aufgenötigt hatten. So wurden auch denen, die noch zögerten, letzte Zweifel ausgetrieben. Die Frage, ob das Töten legitim sei, mußte so nicht mehr gestellt werden. Vor diesem Hintergrund wird das, was wir normalerweise als »mutig« bezeichnen, als Feigheit entlarvt: Gewalt ist immer ein Weglaufen vor dem wahren Schmerz, der seit unserer Kindheit in uns lauert. Die Angst davor ist so groß, daß viele lieber die Selbstzerstörung in Kauf nehmen, als sich damit zu konfrontieren. In unserer Kultur ist jeder von dieser Problematik betroffen, die einen mehr, die anderen weniger, je nach Ausmaß der Beschädigung, die wir in unserer Kindheit erfahren haben. Gewalt und Terror haben hier genauso ihren Ursprung wie die alltägliche Beziehungslosigkeit, unter der viele leiden. Sich einem gleichgestellten Partner zu öffnen hieße ja, die Fassade aufzugeben und zu wahren Empfindungen vorzudringen. Mit dem Schmerz und den Minderwertigkeitsgefühlen, die damit auch zum Vorschein kämen, wollen sich jedoch nur wenige konfrontieren. Das folgende Beispiel zeigt, wie die Verwerfung der eigenen Gefühle und eine daraus resultierende Identifikation mit dem männlichen Heldenmythos zum tödlichen Spiel werden können. (weiterlesen und mehr erfahren: http://www.irwish.de/pdf/Gruen-Wider_den_Terrorismus.pdf )

    Hitlers Erfolg ließ sich also keinesfalls aus seiner reaktionären Rolle in der Geschichte des Kapitalismus erklären, denn diese hätte, wäre sie in der Propaganda offen zugestanden gewesen, das Gegenteil des Beabsichtigten erzielt. Die Erforschung der massenpsychologischen Wirkung Hitlers mußte von der Voraussetzung ausgehen, daß ein Führer oder der Vertreter einer Idee nur dann Erfolg haben kann (wenn auch nicht in historischer, so doch in begrenzter Perspektive), wenn seine persönliche Anschauung, seine Ideologie oder sein Programm an die durchschnittliche Struktur einer breiten Schicht von Massenindividuen anklingt. Dann ergibt sich die weitere Frage, welcher historischen und soziologischen Situation diese Massenstrukturen ihr Entstehen verdanken. So verlegt sich die Fragestellung der Massenpsychologie aus der Metaphysik der »Führerideen« in die Wirklichkeit des gesellschaftlichen Lebens. Nur dann, wenn die Struktur einer Führerpersönlichkeit mit massenindividuellen Strukturen breiter Kreise zusammenklingt, kann ein »Führer« Geschichte machen. Und ob er endgültig Geschichte macht oder nur vorübergehend, hängt einzig und allein davon ab, ob sein Programm in der Richtung des fortschreitenden gesellschaftlichen Prozesses liegt oder sich dagegen anstemmt. Es ist daher irreführend, wenn man den Hitlerschen Erfolg allein aus der Demagogie der Nationalsozialisten, mit der »Vernebelung der Massen«, ihrer »Irreführung« oder gar mit dem vagen, nichtssagenden Begriff der »Nazipsychose« zu erklären versuchte, wie es die Kommunisten und später andere Politiker taten. Kommt es doch gerade darauf an zu begreifen, weshalb sich die Massen der Irreführung, Vernebelung und psychotischen Situation zugänglich erwiesen. Ohne die genaue Kenntnis dessen, was in den Massen vorgeht, kann man das Problem nicht lösen. Die Angabe der reaktionären Rolle der Hitler-Bewegung genügt nicht. Denn der Massenerfolg der NSDAP widersprach dieser ihrer reaktionären Rolle. Millionenmassen bejahten ihre eigene Unterdrückung, ein Widerspruch, der nur massenpsychologisch, und nicht politisch oder ökonomisch, zu lösen ist. [7]

    Wie das berühmt-berüchtigte Milgram-Experiment ebenso wie dessen Wiederholungen in jüngerer Zeit zeigen, sind sich Menschen meist gar nicht bewußt darüber, welche Autoritätshörigkeit in ihnen schlummert. Das Bemerkenswerteste an der Schilderung dieser Experimente stellt aus meiner Sicht die Tatsache dar, daß ausnahmslos alle Versuchspersonen, die dem »Schüler« die vermeintlich tödlichen Stromstöße verpaßten, in der Vorbesprechung mit absoluter Sicherheit angegeben haben, niemals dazu fähig zu sein, auf Befehl einem wildfremden Menschen Schmerzen zuzufügen oder ihn gar zu foltern und zu töten. Das zeigt, daß die Leute nichts von ihrer Autoritätshörigkeit, von ihren implantierten Gehorsams- und Unterwerfungsreflexen ahnen. Dennoch kann man sich als Gewaltherrscher oder Gewaltautorität gewöhnlich auf diese Reflexe verlassen. [8]

    Leiden, die in einer Gesellschaft verpönt sind oder verachtet werden, spricht man gewöhnlich nicht aus – niemandem gegenüber. Ja, man gesteht sie nicht einmal sich selbst ein, zu schmerzhaft und erniedrigend wären solche Erkenntnisse. Kinder, die von ihren Eltern regelmäßig geschlagen werden, fühlen sich dadurch zutiefst erniedrigt, müssen aber darüber schweigen und ihre Minderwertigskeitsgefühle so gut es eben geht verbergen. Am besten verbirgt man solche Gefühle, indem man Stärke demonstriert, so daß niemand auf den Gedanken käme, sie wären in Wirklichkeit schwach. Auch andere Formen der Demütigung suchen ihre Rettung in der Demonstration von Stärke und Unangreifbarkeit. So kommt es, daß sich über die Jahrtausende hinweg diese Einstellung weltweit verbreiten konnte und längst zum Standard in allen mir bekannten Zivilisationen geworden ist. Resultat ist fast überall eine absolut hierarchische Struktur, an deren Spitze jene stehen, die über die größten materiellen Kräfte verfügen. In dunklen Zeiten bis in die Neuzeit waren das die Gewaltherrscher, seit einigen hundert Jahren sind es die Geldmächtigen. [9]

    Das also ist die Basis und der Ursprung des Faschismus, der in uns allen mehr oder weniger schlummert. In Zeiten der Not können wir den Schmerz, den unsere Gespaltenheit hervorruft, nicht mehr mit Konsum und Ablenkung kompensieren, er bricht aus uns heraus. Der Selbsthaß ist genau der Haß auf die unerwünschten und daher abgespaltenen Selbstanteile. Die Abspaltungen müssen den Betroffenen schon allein deshalb verborgen bleiben, weil sie ohne Beteiligung der kognitiven Fähigkeiten, die zum diesem Zeitpunkt noch gar nicht entwickelt sind, stattgefunden haben. Bis zur Reifung der Denk- und Sprachfähigkeit ist der junge Mensch bereits so weit gespalten, hat er bereits die wichtigsten Selbstanteile vergraben müssen, um den Ansprüchen der Eltern gerecht zu werden und deren drohene Abwendung zu verhindern, daß er im Grunde gar keine Chance hat, irgend etwas davon jemals bewußt mitzubekommen. Einzig die persönliche Krise, der Zusammenbruch, der Burnout oder unerträglich gewordene psychosomatische Beschwerden bieten ihm die Gelegenheit, mit Hilfe eines empathiefähigen Therapeuten in diese schmerzvollen verdrängten inneren Wahrheiten vorzudringen.

    Zu guter Letzt möchte ich einen Hinweis auf die Fähigkeit von Büchern, ein Gesamtbild eines Themas vermitteln zu können, verweisen, die ganz im Gegensatz zu Videovorträgen, Pseudo-TV-Dokus und vor allem TV- und Radio-Nachrichten stehen. Wie Prof. Rainer Mausfeld in seinem Vortrag über das Schweigen der Lämmer und z.B. Daniele Ganser in seinen Vorträgen über Medienmanipulation darstellen, vermitteln Kurznachrichten, News und auch Zeitungs- und andere Artikel kaum jemals ein deutliches Bild ihres jeweils dargestellten Themas. Ihnen fehlt gewöhnlich die Hintergrundinformation, so daß die Rezipienten nicht erfahren, wie sie das Gehörte, Gelesene oder Gesehene einzuordnen haben. Diesen Umstand nutzen die professionellen Meinungsmanipulatoren gnadenlos aus, indem sie ein ihren Interessen dienendes Framing vorgeben, das sich gewöhlich in einem schlichten Gut-Böse- oder Freund-Feind-Schema erschöpft. Der Rezipient kann sich am nächsten Tag, meist sogar schon nach ein paar Stunden gar nicht mehr erinnern, was in den Tagesthemen abgehandelt wurde oder was heute in der Zeitung stand. Das liegt daran, daß er nicht über ein Gesamtbild der Situation verfügt, sondern sich lediglich die Zuordnung häufig angeführter Figuren in bestimmte Frames merken kann. Am nächsten Tag bleibt ihm nur die Erinnerung: Putin – böse, Obama – gut oder Syrien – Regime, Saudi-Arabien – Demokratie. Da seine Quellen gewöhnlich konkurrenzlos auf ihn einwirken können, hat er nicht die geringste Chance, etwas anderes zu denken und zu »wissen«. Zudem bleiben ihm neben der Arbeit kaum Zeit und Energie, sich ausführlicher mit diesen Dingen zu befassen.

    [1] Wolfgang Schieder, Faschismus, in: Sowjetsystem und Demokratische Gesellschaft,
    Bd. 2, Freiburg 1968, Sp. 439–477.
    [2] Ernst Nolte, Vierzig Jahre Theorien über den Faschismus, in seinem Buch Theorien über den Faschismus, Köln 1967, S. 1-75.
    [3] Arno Gruen, Wider den Terrorismus, S. 10 ff
    [4] a.a.O. S. 34 ff
    [5] a.a.O. S. 35 ff
    [6] a.a.O. S. 44 ff
    [7] Wilhelm Reich, Die Massenpsychologie des Faschismus, S. 33 ff
    http://www.irwish.de/pdf/Reich-Massenpsychologie.pdf
    [8] Stanley Milgram, Das Milgram-Experiment – Zur Gehorsamsbereitschaft gegenüber Autorität (1974)
    http://www.irwish.de/Site/Texte2c.htm
    http://www.irwish.de/pdf/Milgram-Experiment.pdf
    [9] Siehe dazu auch das Buch von Günter Ogger: Kauf dir einen Kaiser · Die Geschichte der Fugger
    http://www.irwish.de/pdf/Ogger-Kauf_dir_einen_Kaiser.pdf

    Zum Beitrag thematisch verwandte Werke:

    http://www.irwish.de/pdf/Arens-Manipulation-Kommunikationspsychologische_Untersuchung_BILD.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Bernays-Propaganda.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Borneman-PsychoanalyseGeld.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Bott-Der_Totalitaere_Staat-Steuerung_durch_BND_und_Verfassungsschutz.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Canetti-Masse+Macht.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Cialdini-Psychologie.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Fromm-Anatomie_der_menschlichen_Destruktivitaet.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Gruen-Wahnsinn_Normalitaet.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Gruen-Wider_den_Gehorsam.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Huisken_Gutte-Alles_bewaeltigt_nichts_begriffen.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/LeBon-Psychologie_Massen.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Maaz-Narzisstische_Gesellschaft.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Miller-Am_Anfang_war_Erziehung.pdf
    http://www.irwish.de/pdf/Seligman-Hilflosigkeit.pdf

    • Hinweis auf die Fähigkeit von Büchern, ein Gesamtbild eines Themas vermitteln zu können, verweisen, die ganz im Gegensatz zu Videovorträgen, Pseudo-TV-Dokus und vor allem TV- und Radio-Nachrichten stehen. Wie Prof. Rainer Mausfeld in seinem Vortrag über das Schweigen der Lämmer und z.B. Daniele Ganser in seinen Vorträgen über Medienmanipulation darstellen, vermitteln Kurznachrichten, News und auch Zeitungs- und andere Artikel kaum jemals ein deutliches Bild ihres jeweils dargestellten Themas

      Sie sind echt ein Ignorant vor dem Herrn.
      In dem Subkontext Ihrer Zeilen lässt sich daraus lesen : „Was Ganser oder Mausfeld in Vorträgen erklären, kann kein Mensch verstehen, der nicht MEINE Bücherempfehlungen gelesen hat“

      ist schon echt frech, solche Menschen mit Ihren Vorträgen zu diskreditieren und gleichzeitig auch den Zuschauern zu unterstellen, sie könnten das nicht einordnen.

      Was Sie jetzt von mir jetzt für längere Zeit verdienen, ist Nichtbeachtung.

      Und diesen Kommentar, werde ich immer wieder posten, wenn Sie mal wieder meinen, ich würde irgendwelche Fragen nicht beantworten etc.

      Mal sehen, wer noch verstehen, wie Sie so derzeit „ticken“.

    • Odysseus: Peter Pan hat sich eingehend mit dem Thema Faschismus beschäftigt und wenn er darauf hinweist, dass Bücher ein tieferes und zusammenhängenderes Wissen vermitteln können, als einzelne Videovorträge, dann kann ich dies nur bestätigen. Der Ignorant sind dann in diesem Fall eher Sie, der sich anscheinend nur durch Videos informiert und meint, sich für die gründlichere Art, ein Thema geistig zu bearbeiten, keine Zeit nehmen zu brauchen.
      Ich finde es sehr gut, dass heutzutage beides zusammen möglich ist.

    • @Specht

      Laß ihn doch, der betreibt hier Dominanzgehabe vom Feinsten. Er bemerkt nicht, daß er das, was er hier ständig seinen Mitkommentatoren unterstellst, selbst tut. Wenn er jemanden einen Ignoranten nennt, dann kann man mit Sicherheit davon ausgehen, daß er ein solcher ist, ebenso, wenn er schreibt, er möge keine Beleidigungen und am laufenden Band seine Mitmenschen beleidigt mit seinem Geschwafel und seiner Ad-Hominem-Diskussion. Der Mann sucht, ja schreit förmlich nach Aufmerksamkeit, und sogar wenn er nicht persönlich angesprochen wurde, reagiert er darauf und wirft seinem selbstgewählten Diskussionsgegner noch vor, daß er überhaupt hier schreibt: Man solle sich doch da und dort hin begeben und dort diskutieren statt hier.

      Auf fundierte Informationen und entsprechende Bildung kann dieser bedauernswerte Mensch nicht zurückgreifen, dafür ist er umso besser im Polemisieren. Einfachste Zusammenhänge scheint er nicht zu begreifen, was man daran erkennt, daß er oft völlig themenfremde Antworten liefert. Außerdem gehört er zu jenen Leuten, die ständig andere auffordern, seine Ideen umzusetzen, was er doch eigentlich selbst tun sollte, z.B. die von ihm geforderte Petition beginnen, die, wie er sagt, leider noch immer keiner begonnen hat, obwohl er das doch so oft schon gesagt hat, daß man das tun muß.

      Auf mich wirkt er schwer gestört.

    • @Odysseus, den Ignoranten

      Das, was du da dem Peter Pan vorwirfst, hat er doch gar nicht geschrieben. Vielmehr legst du ihm das in den Mund, damit du ihm daraus einen Strick drehen kannst. Man muss sich schon ziemlich blöd anstellen, wenn man diesen Text von Peter Pan so verstehen will, wie du das machst. Es steht dort auch nirgendwo, dass man die Vorträge von Ganser und Mausfeld nicht verstehen kann, sondern dort steht, wie du es zitiert, aber durch Kürzung aus dem Zusammenhang gerissen hast, dass Bücher im Gegensatz zu Vorträgen ein Gesamtbild vermitteln können. Das hat mit dem Umfang eines Buches im Vergleich zum geringen Umfang eines Vortrages zu tun. Ich weiss natürlich genau, dass du nicht blöd bist, deshalb muss man dir hier absichtlichen Revanchismus unterstellen. Du fühlst dich in deiner Selbstdarstellung und deiner Wichtigmacherei schwer gestört, wenn andere hier fundierte Beiträge posten. Ich empfehle dir: Lass das behandeln, bevor es zu spät ist. Geh zu deinem Hausarzt und bitte ihn, dir einen guten Therapeuten zu empfehlen. Du wirst dich wundern, was ihr dann zusammen alles über dich herausfinden werdet.

  5. Ich befürchte, obwohl es oft zu lesen war, weshalb eine Aufregung aus blieb, dass die meisten Bürger nicht wissen, dass die JC Denunzianten eingestellt haben, die nichts anderes tun, außer HartzIV Empfänger zu melden.
    Die Nachbarn beobachten eine allein erziehende Frau, sollte sich dort öfter ein Mann melden, wird dieses beobachtet und dem JC gemeldet. Ein Denunziant wird vom JC Schnüffler abgelöst, der dann per Kamera etc Beweismittel sucht, die Frau erhält vom JC einen Hausbesuch, wo die Wohnung nach einer 2.Zahnbürste, Männerkleidung auch in den Schränken durchsucht wird.Wird kein Eintritt gewährt, folgt die Sanktion!
    Den willigen Denunzianten wird man überall finden denn schließlich..ich muss den Napoleon wieder einmal bemühen:Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen.
    Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden.
    Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“ …

    • Die Jobcenter müssen herausfinden, ob eine Wohnung wirklich als solche genutzt wird. Es ist wirklich essentiell wichtig, dass Sozialleistungen nur an Bedürftige gehen. Allerdings sollten sich die Behörden bei der Schnüffelei bezüglich privater Dinge (2. Zahnbürste etc.) zurückhalten.
      Generell sehe ich das Thema so, dass ich bei Aspekten der Arbeitssuche eher großzügiger wäre, aber bei Aspketen der Vermögensanrechnung eher sogar noch strikter. Es macht keinen Sinn, Leute in ungeeignete Arbeitsverhältnisse zu nötigen, und das Jobcenter sollte auf keinen Fall noch mehr zum (unfreiwilligen) Büttel mieser Arbeitgeber werden. Es ist aber essentiell nötig, dass verhindert wird, dass Vermögende, darunter auch Kriminelle mit einigem Geld, Sozialhilfe abzocken. Ansonsten hätten wir gar keinen Sozialstaat mehr.

    • @Thatsit

      Wieso sollten Vermögende, die von ihrem eigenen Geld gut leben können, oder erfolgreiche Kriminelle auf die Idee verfallen, sich beim Jobcenter in der Schlange anzustellen und wegen ein paar hundert Euro monatlich all die Schikanen ertragen und die oft peinlichen Auskunftspflichten erfüllen? Wenn ich als Hartz-IV-Empfänger, der ein Kleingewerbe betreibt, mal einen Auftrag erhalte, der etwa mehr einbringt, hab ich nichts davon, sondern verbleibe weitgehend auf dem Hartz-IV-Niveau. Dadurch nimmt man mir auf lange Sicht die Motivation eigener Anstrengung. Ebenso ergeht es mir, wenn ich einen der zahlreichen prekären Jobs annehme, die von den seit 2004 wie Pilze aus dem Boden geschossenen Zeitarbeitsfirmen angeboten werden. Da komme ich oft unter den Hartz-IV-Satz, wenn ich Fahrtkosten und auswärtige Verpflegung mit einrechne. Die knapp 10 Millionen Hartz-IV-Empfänger sollen mit diesen Methoden in die kaum 500.000 offenen Stellen gepreßt werden. In Wirklichkeit ist dieses System der Straflust der Menschen geschuldet, denen man wie im Dritten Reich einen Sündenbock vor die Nase gesetzt hat, der ihnen seither zunehmend die Sicht auf die tatsächlichen Zusammenhänge versperrt.

    • Thatsit,

      Sie haben das falsch erstanden (wollen?), es geht darum ob ein Freund vorhanden ist, der dann vom Amt zur Zahlung herbei gezogen werden kann, denn die Miete, also mit vorher gesicherten Untersuchungen beim Antrag, dass die Frau bedürftig ist, wird ihr ja gezahlt. Aber kürzen möchte man und das mit allen Mitteln, selbst wenn der Freund nur zu Wochenende bleibt, dass obwohl das erst geht, wenn man 1 Jahr zusammen lebt….zusammen, als Paar…!
      Doch den Denunzianten haben sie ganz vergessen, dessen Willigkeit kommt

    • Thatsit,

      Sie haben das falsch erstanden (wollen?), es geht darum ob ein Freund vorhanden ist, der dann vom Amt zur Zahlung herbei gezogen werden kann, denn die Miete, also mit vorher gesicherten Untersuchungen beim Antrag, dass die Frau bedürftig ist, wird ihr ja gezahlt. Aber kürzen möchte man und das mit allen Mitteln, selbst wenn der Freund nur zu Wochenende bleibt, dass obwohl das erst geht, wenn man 1 Jahr zusammen lebt….zusammen, als Paar…!
      Doch den Denunzianten haben sie ganz vergessen, dessen Willigkeit kommt noch gut rüber!

  6. Liebe Frau Bonath,

    Sie meinen also Gewalt ist eine Rechtfertigung für Gewalt? Also Feuer mit Feuer bekämpfen?

    Oder wie darf ich Ihre Aussage verstehen, dass es ok ist, selbst als friedlichster Bürger an einem Gewissen Punkt Steine auf Polizeibeamte zu werfen. Nämlich dem Punkt, wenn nach Ihren Meinung die Polizisten angeblich auf Frauen und Kinder einschlagen.

    Nur mal angenommen dass es sowas wirklich gebe, was ich persönlich arg bezweifeln möchte, dann wäre es Ihrer Meinung nach also die angemessene Reaktion mit Steinen zu werfen?

    Ich glaube Sie persönlich haben sicherlich eine solche Tat, wie Sie sie behaupten, noch nie selbst beobachtet und ich bin mir sicher Sie haben nicht im Ansatz eine Ahnung davon, welche Gewalt Polizisten im Rahmen ihrer Dienste erleben müssen.
    Jetzt also zu behaupten, Polizisten mit Steinen zu bewerfen sei normal oder in Ordnung, weil ja Polizisten auf Demos gerne Frauen und Kinder verprügeln, lässt mich irgendwie erahnen, dass Ihre persönliche Einstellung nicht all zu weit von diesen Personen entfernt ist, die Gewalt für ein probates Mittel für Alles halten und die an diesem WE unter dieser Prämisse Hamburg in Schutt und Asche gelegt haben.

    • Chaoslord: Ihr Text hier macht mit Frau Bonath genau das, was diese zurecht hier der Bildzeitung vorwirft.

      Vielen Dank, Frau Bonath, für diesen Artikel! Wer BZ nicht liest, weiß über deren Machenschaften heute ja gar nichts mehr. Anscheinend ist diese Zeitung heute selbst von den moralisch heruntergewirtschafteten anderen an Niedertracht noch nicht ganz eingeholt worden.

    • @Chaoslord:

      Nicht mal diesen kurzen Text sind Sie in der Lage richtig zu verstehen ?
      Respekt, Sie machen Ihrem Namen alle Ehre.
      Gebieten Sie weiterhin über Ihr eigenes kleines, stinkendes Chaos, aber belästigen Sie bitte hier niemanden mehr, dankeschön.

      @Frau Bonath:

      Da ich mich selbst ausserstande sehe, diesem benutzten Klopapier einen Blick zu schenken, bedanke ich mich für diese ekelhafte Information und schliesse mich Ihrer Einschätzung an.
      Es war leider von Anfang an klar, dass es genau so kommen würde.
      Ich weiss irgendwie auch nicht mehr, warum ich dem trotzdem so fassungslos gegenüberstehe…
      Wenn alle öffentliche Scham zu fallen scheint…. warum halte ich meine eigentlich noch aufrecht ?
      Was kommt n als Nächstes ?
      Aufruf zu Vergewaltigungen ?
      Man darf gespannt sein.

    • Chaoslord

      Wenn einer geschlagen wird, dann soll er die andere Wange hinhalten?
      Natürlich Rache wird damit ausgeschlossen, also schön ruhig, demütig sich so lange schlagen.,unterdrücken lassen, bis auch der Atem aus bleibt..

    • Specht & Annette

      Man sollten sich allerdings keine Illusionen machen. Wem es wie mir NUR darum geht irgendwelche SINNVOLLE Änderungen zu erreichen der weiss, dass weder gewaltfreie, noch gewalttätige Proteste erfolgreich sein können.
      Gewaltätige Proteste sind wie (leider) auch erfolgreiche Revolutionen, sie mögen psychologisch hilfreich sein… aber am Ende ist man der Gerchtigkeit, oder was immer man versucht hatte zu erreichen, nicht wirklich näher gekommen. Da kommt dann ein Stalin oder ein Napoleon, gerade bei erfrolgreichen Revolutionen muss mnan immer leben, dass diejenigen die guten Willens sind, spätestens von der dritten Führungsclique massakriert werden.
      Der Blöden gibt es zu viele, das lässt sichnnicht ändern.

      Wünschenswerte Änderungen wären nur möglich bei Bewusstseinsändserungen einer riesigen Anzahl von Bürgern, die sich dann zB Wahlen verweigern bzw das wählen, was in tatsächlich in ihrem Sinne Politik machen wird…

      So etwas ist leider nicht möglich, weil die geistigen Vorraussetzungen bei der Masse nicht gegeben sind. Nur Gut-Menschen tun so als sei dies nicht das wahre Problem.
      Wenn die Masse, der Urnenpöbel sich mal dem Status Quo irgendwann verweigert, dann geht das aus wie in DE 1933 oder in USA 2016.

      Genauso gut kann man gegen die Schwerkraft oder gegen Erdbeben mit oder ohne Gewalt demonstrieren.

    • Michel Eyquem
      Recht haben Sie…
      Oben kann sich nur etwas ändern, wenn das Volk gescheiter wird.
      Man bekommt das Gefühl, dass alle Aufklärungsbemühungen nur bei denen fruchten, die sich aufklären lassen wollen, was die Minderheit in Deutschland bleiben wird.
      Es wird wie in der Vergangenheit das Volk sein, dass sich sein Grab wieder selbst schaufelt.
      Alles darf passieren, nur keine Änderung, was bedeutet, die meisten Deutschen verfügen nicht über die Intelligenz, die sie dazu bringt einmal über sich selbst nachzudenken, auch sich kritisch zu hinterfragen.
      Man denkt der letzte Kriegszeit ist schon so lange her….ist er nicht, denn wir schleppen ihn charakterlich immer noch mit uns mit!
      Wir haben zu viele Nazis, Lügner, Verleumder, Heuchler…und das in allen Schichten, auch in der für den Bürger , gefährlichen Politiker -Schicht!
      Goebbels oder ARD, ZDF, die schreibende Zunft, es gibt keinen Unterschied.

    • @Chaoslord

      Das was du Frau Bonath hier unterzuschieben versuchst, hat sie nicht geschrieben.

      Und wer mal auf einer Demonstration zusehen musste, wie Prügelpolizisten wahllos Männer, Frauen oder gar Kinder zusammenschlagen, treten, beleidigen oder mit Pfefferspray attackieren, der weiß: Irgendwann kommt der Punkt, an dem der friedlichste Mensch Ausschau nach dem nächstbesten Pflasterstein oder einer herumstehenden Flasche hält.

      Wo in diesem Zitat meinst du ein Okay für’s Steinewerfen zu lesen? Man muß schon eine abartige Phantasie besitzen, um aus einer geschilderten Beobachtung bzw. einem gewissen Verständnis die Aussage abzuleiten, Steinewerfen auf Polizisten sei normal und in Ordnung. Gewalt gegen Unschuldige, also friedliche Demonstranten durch Polizeikräfte ist genauso verwerflich wie Gewalt gegen Polizeikräfte durch Randalierer. Davon abgesehen sind Menschen mit einer gut entwickelten Empathiefähigkeit gar nicht in der Lage, sich so zu benehmen, wie wir das seit Jahrzehnten überall auf der Welt bei gewaltbereiten Polizeikräften beobachten können.

      https://www.youtube.com/watch?v=7ekz3HBr7Fs
      https://www.youtube.com/watch?v=WlnYbI8ceLA
      https://www.youtube.com/watch?v=1qMq8UEpIYQ
      https://www.youtube.com/watch?v=ASSkMxfxYlg
      https://www.youtube.com/watch?v=a4Vg9TC7IUI
      https://www.youtube.com/watch?v=lQsMFY85jMc
      https://www.youtube.com/watch?v=kKT6OnJOitU
      https://www.youtube.com/watch?v=zTy8qxNqapk
      … und noch viele viele mehr, eine nahezu endlose Liste …

      Selbstverständlich muß man immer für die Opfer von Gewalt Verständnis aufbringen, ob sie nun Polizisten sind oder friedliche Demonstranten oder sogar „nur“ Fußgänger, die wie zufällig aus den Passanten herausgegriffen werden, um sie einem Alkoholtest zu unterziehen, da sie angeblich mit dem Auto da sind. Es gibt auf allen Seiten solche und solche, Pauschalurteile helfen daher niemand und sind so nützlich wie ein Kropf.

    • @Annette

      Sie finden also auch dass Gewalt die richtige Lösung für Gewalt ist?

      Beruht nicht der ganze Israel-Palestinenser-Konflikt auf gegenseitiger Gewalt?
      Ist der Syrien Krieg nicht gegenseitige Gewalt?
      Sind die militärischen Aktionen der USA nicht eine behauptete (oder vielleicht sogar rechtfertig geglaubte) Antwort auf Gewalt?

      Und was hat Gewalt bisher in diesen Konflikten gebracht? Was hat die Gewalt der französischen Revolution gebracht? War das nicht dass, was im Normalfall immer die Folge von Gewalt ist: noch mehr Gewalt?

      Sie finden es also tatsächlich in Ordnung, wenn Menschen, die sich Demonstranten nennen oder unter dem Deckmantel eines gewissen Credos Gewalttaten gegen Personen oder Sachen begehen, solange die Rechtfertigung dafür stimmt?
      Also als Reaktion auf vorherige Gewalt?

      Also ist es auch völlig ok wenn Israel den Gasastreifen bombardiert, weil die Palästinenser vorher eine Rakete auf Israel abgeschossen haben?

      Und was bringt dass dann alles am Ende? Was bringt es den unschuldigen Palästinensern?
      Und vor allem was bringt es den unschuldigen Menschen, die im Schanzenviertel ihr Auto geparkt hatten oder ihr Geschäft hatten?

      Und was bringt es Polizisten mit Steinen zu bewerfen?

      Was denken Sie wird dann passieren…..?

      Und jetzt überlegen Sie noch einmal, wie Ghandi damals Indien von der britischen Kolonialherrschaft befreit hat……

    • Was Sie machen, ist der übliche billige Trick der Rechtspopulisten und ihrer Propaganda. Sie unterstellen allen, die nicht Ihrer Meinung sind und dafür gute Gründe haben, Sympathie mit Gewalttaten oder mit Terroristen. Damit verweigern Sie de facto jede sinnvolle Diskussion (weil Sie in der Regel kaum gute Argumente haben). Ich darf daran erinnern, dass Frau Bonath ausdrücklich schrieb, dass es sich bei Gewalt um Straftaten handelt, die verfolgt werden müssen.
      Wirklich bürgerlich Denkende – nicht nur Linke und Linksradikale – sehen und kritisieren aber auch Straftaten, die von der Polizei ausgehen. Natürlich darf die Polizei nicht mit der Gewalt beginnen, aber genau das ist mindestens vereinzelt in Hamburg passiert. Und daher trägt die Polizei ggf. – genaue Ermittlungsdetails sind mir nicht bekannt, wohl aber die Tatsache, dass es Schikanen und Provokationen gab – auch eine erhebliche Mitschuld.

      Wenn die Mainstreampresse Straftaten und Provokationen der Polizei einfach übergeht, ist das schon eine bedenkliche Schlagseite der Presse Richtung Diktatur, und zwar Diktatur der faschistischen Art, wie Frau Bonath völlig zu Recht schreibt. Nur in Diktaturen ist Kritik an der Polizei verboten.

    • Liebe Annette, Vergleiche lenken oft ab. Goebbels ist ein ganz anderer Manipulateur, als die anderen von Dur erwähnten Medien auch aus unserer Zeit. Das eine mit dem anderen gleichzusetzen hat auch etwas von einer Verharmlosung des Faschismus an sich. Zu Goebbels gibt es eine interessante Studie: http://www.1000dokumente.de/pdf/dok_0200_goe_de.pdf
      Der Autor Jens Kegel wurde dazu auch 70 Jahre nach Goebbels‘ Sportpalast-Rede „Wollt Ihr den totalen Krieg?“ von n-tv interviewt: http://www.n-tv.de/politik/Goebbels-war-kein-guter-Redner-article10144691.html
      Also: Vergleiche lenken ab, sie können auch der Verharmlosung größter Übel zuträglich sein.
      Die Wortmeldung von Chaoslord mag ich nicht kommentieren, das haben hier schon andere getan.

    • @ Chaoslord
      Interessant, dass ausgerechnet Sie jetzt Gandhi bringen.
      Ich erlaube mir, zu Gandhi keine gute Meinung zu haben. Meines Erachtens wollten die Briten Indien ‚loswerden‘, weil es finanziell für des Staatshaushalt Großbritanniens sicher nicht gut gelaufen wäre.
      Würde Indien heute noch zu Großbritannien gehören, würde es den meisten Indern meines Erachtens klar besser gehen als jetzt. Zahlreiche eklatante Mißstände würde es gar nicht geben, wenn Indien de facto in der EU wäre.
      Die Bewohner der wenigen noch vorhandenen ‚Kolonien‘ (Reunion, Neukaledonien etc.), die meistens zu Frankreich gehören, haben den Jackpot gezogen, weil sie staatstechnisch zu Europa gehören und nicht zu einer korrupten Marionettenregierung. Wenn Sie es noch nicht getan haben, schauen Sie sich diese Territorien an und den voll auf französischem Niveau befindlichen materiellen Lebensstandard für ALLE dort an – verglichen mit den ‚unabhängigen‘ Nachbarstaaten wie Madagaskar oder Papua-Neuguinea.

    • @thatsit

      Was genau hat der Wohlstand eines Staates, oder im Fall von Indien der von Ihnen behauptete Nicht-Wohlstand, bitte mit friedlichem Protest und Widerstand zu tun?

      Es gIng hier um eine gewaltfreie und friedliche Art des Protestes als einzige sinnvolle Möglichkeit etwas zu verändern.
      Das die Veränderung evtl. im Nachhinein nicht nur positive Aspekte hat, hat doch erstmal rein gar nichts mit der Art und Weise des Widerstands zu tun.

      Zudem wollten ein Großteil der Inder unabhängig werden. Sollten diese jetzt Ihrer Meinung nach mit Gewalt im Kolonialstatus gehalten werden, weil sich 50 Jahre später heraus stellt, dass es ihnen evtl. als unterdrückter Kolonialstaat evtl. zumindestens finanziell besser geht? Oder was genau war jetzt Ihre Aussage?

      Und jetzt ist man Ihrer Ansicht nach auch schon ein Rechtspopulist, wenn man gegen Gewalt ist?
      Das wird ja immer besser.

      Man muss sich also nicht nur vorwerfen lassen man wäre ein Rechtspopulist wenn man für den Frieden ist, auf Mahnwachen für den Frieden geht, auf Anti-TTIP Demos geht? Nein jetzt ist man sogar schon „Rechts“ wenn man gegen Gewalt ist. Wie verrückt ist das denn bitte?
      So dreist argumentiert ja noch nichtmal die Mainstreampresse!

      Aber nennen Sie mich ruhig wie Sie wollen.
      Mein Credo bleibt: Für den Frieden weltweit. Und das OHNE jegliche Gewalt.

      Wenn Sie mich dafür als „Rechts“ einstufen oder mich Rechtspopulist nennen möchten: Bitte sehr.

      Ich möchte mit einem sehr schönen Zitat aus Game of Thrones schließen: „Gewalt ist eine Krankheit. Man heilt sie nicht indem man sie auf andere überträgt.“

      In diesem Sinne: Wer zu Gewalt aufruft oder diese gut heißt, der trägt nicht unbedingt zum Frieden und zur Heilung bei.

    • Chaoslord: Wenn Sie gegen imperialistische Gewalt und überhaupt gegen Gewalt an sich sind, bin ich durchaus bei ihnen. Aber dann müssen Sie auch aufpassen, dass sie nicht einen Nebensatz eines Artikels zum Hauptthema machen wie hier bei Susan Bonath! Ihr Thema war nämlich das Anprangern imperialistischer Gewalt mit Hilfe der Medien, hier am Beispiel BILD-Zeitung!

    • Thatsit: Sie immer mit Ihrem Glauben an Neo-Liberalismus! Jetzt verteidigen Sie sogar noch schlimmsten, gewalttätigsten Imperialismus, indem Sie die Englische Kolonialherrschaft in Indien als eine Art „verpasste Chance“ für die Inder darstellen! Sie wissen wahrscheinlich wie auch viele andere nicht, was da wirklich los gewesen ist!
      Da wurde mit den Indern vergleichbar grausam umgegangen wie mit den Juden in Nazideutschland! Lebende Aufständische wurden vor Kanonen gebunden und zerfetzt und indische Zwangsarbeiter hat man vor vollen Kornkammern verhungern lassen, weil sie für den Export nach England bestimmt waren und nicht für die indische Bevölkerung! Die Bahnlimien wurden auch nicht für die Infrastruktur Indiens gebaut, sondern, um die Güter Indiens möglichst schnell und bequem für den Export an die Häfen zu bringen! Lesen Sie mal das Buch: „Das Ende der Megamaschine“, da wird man ganz gut und wahrhaftig über die Gewalttätigkeit dieser Zivilisation informiert.
      Gandhi war ein vielseitig begabter Mann, der auf allen möglichen Kanälen agierte. Er hat nicht nur die Aufstände in Indien angeführt, sondern als Journalist darüber weltweit berichtet und Diplomatie betrieben. Jetzt ist es aus nicht ganz durchsichtigen Gründen wieder modern geworden, ihn klein zu reden und sein Lebenswerk in den Schmutz zu ziehen, so wie es auch gern mit anderen gemacht wird. Da sollte man erst einmal fragen: Cui bono? ehe man solche Dinge nachplappert.

    • Herr Trautvetter,

      den Faschismus zu verharmlosen käme mir nie in den Sinn, nur nähert sich unsere Staatsführung dem nicht immer mehr?
      Müssen die Menschen nicht unter ihm schon jetzt leiden, wird die Entrechtung nicht immer mehr ausgebaut, werden Kriege durch Lügen nicht erst möglich.Von alledem haben wir mehr als genug!

      Zum Schluß und das ist meine persönliche Meinung!
      HartzIV Empfänger wurden zu den neuen Juden gemacht.Verfolgbar vom großen Teil des Volkes, aus der Gesellschaft ausgeschlossen, entrechtet von der Politikern bis zu 100% !

    • Ach Chaoslord, sie sind ein Witzbold

      „Beruht nicht der ganze Israel-Palestinenser-Konflikt auf gegenseitiger Gewalt?“

      Sie haben so wirklich gar keine Ahnung von der real existierenden Welt gell?.

      Der Palästina Konflikt hat seine Ursachen im Kolonialismus, im Sykes Pikot Abkommen, in der Annektion palästinensischen Grund und Bodens GEGEN den erklärten Willen der dort Wohnenden, der kriminéllen US Aussenpolitik, die in Israel einen an Verbrechen gleich grossen Partner im Öl Produktions Gebiet gesucht hat, und in der im Faschismus der Israelis.

      „..gegenseitiger Gewalt…?“ Von welchem Planeten kommen Sie?

      JEDES Land, ob es nun Vietnam, Afghanistan Palästina oder sonstwie heisst, hat das Recht sich mit ALLEN Mittel gegen eine gewaltsame Besetzung und Verbrechen gegen das eigene Volk zu wehren.

  7. „Und wer mal auf einer Demonstration zusehen musste, wie Prügelpolizisten wahllos Männer, Frauen oder gar Kinder zusammenschlagen, treten, beleidigen oder mit Pfefferspray attackieren, der weiß: Irgendwann kommt der Punkt, an dem der friedlichste Mensch Ausschau nach dem nächstbesten Pflasterstein oder einer herumstehenden Flasche hält.“
    .
    Ähhm….nein, der Punkt kommt defintiv nicht.

    • Sehe ich ganz genauso wie Sie.

      Vor allem die Verwendung des Begriffes „Prügelpolizisten“ ist doch genau die Art von Begriff, der immer von der Mainstreampresse verwendet wird um eine gewisse Wertung hinein zu bringen und so die Meinung des Lesers alleine schon durch die Verwendung solcher Begriffe zu beeinflussen.

      Ähnlich wie „moderate Rebellen“ in Syrien, aber dafür „Separatisten“ in der Ukraine.
      „Präsident“ Poroschenko, aber „Machthaber“ Assad.

      Was genau soll uns dann der Begriff „Prügelpolizei“ als neutralen Leser suggerieren?

      Der Polizei ist gleichzusetzen mit Prügel, Willkür und Unrecht.

      Sorry aber eine solche Einschätzung über die Polizei kann ich beim besten Willen nicht teilen.
      Der ganze Artikel erinnert doch sehr stark an gewisse Hetzartikels der Mainstreampresse.

      Wertende Begriffe werden verwendet um dadurch die Meinung des Lesers zu beeinflussen und Gewalt als legitimes Mittel wird gut geheisen.

      Zum Glück sind solche Artikel eher die Seltenheit auf einem ansonsten sehr lesenswerten Portal wie KemFm es ist.

  8. Die unbewältigte Vergangenheit kommt immer dicker, breiter und greller daher marschiert. Ich sehe überall den großen Fehler in der Erforschung unserer Psyche. Hier liegt der Schlüssel zur Auflösung des ganzen Welt-Chaos‘.

    • Das hast du genau auf den Punkt gebracht! Einerseits handelt es sich bei den allermeisten Menschen weltweit um die individuelle unbewältigte Vergangenheit, die zu ihrer sog. Entfremdung führte, wie ich das oben in meinem Beitrag dargestellt habe, der zum Ziel hat, den Faschismusbegriff zu erläutern. Und zweitens handelt es sich – nicht nur bei den Deutschen – um die nationale Vergangenheit, deren Aufarbeitung gewöhnlich mit dem Nichtssagenden Begriff der Entnazifizierung regelrecht verbrämt wird, gerade so, als ob eine wirkliche Aufarbeitung stattgefunden habe. Letztere erschöpfte sich in der jüngsten deutschen Geschichte in der Benennung der faschistischen Greueltaten, ohne jedoch die eigentliche Ursache, nämlich die frühe Abspaltung wichtiger Selbstanteile, auch nur im Ansatz zu berühren. Nach der Faschismusdefinition zahlreicher Fachleute vor allem aus dem psychotherapeutischen Bereich – und diese Autoren haben wirklich mehr als nur eine Ahnung, wovon sie schreiben, sind sie doch tagtäglich mit den Folgen dieser traditionellen Kindesdressur konfrontiert – gilt es vor allem herauszustreichen, daß wir alle – die einen mehr, die anderen weniger – auf Gehorsam und Unterwerfung gedrillt wurden und dahe jederzeit, wenn die äußere Not dazu führt, unsere Maske der Anpassung – die Person, die wir darstellen, die persona, die wir gelernt haben – fallenlassen, um unser wahres Gesicht zu zeigen. Es gehört meiner Erfahrung nach eine lebenslange Arbeit an sich selbst dazu, dieses früh gebrochene Selbst wieder zusammenzufügen, die als fremd empfundenen abgespaltenen Selbstanteile wieder ins Bewußtsein zu integrieren. Das ist ein sehr schmerzhafter Prozeß, den die allermeisten Menschen scheuen, weil die abgespaltenen Selbstanteile mit Todesangst besetzt wurden und so verhindert wird, daß man dort überhaupt nur hinschaut.

      Gehorsam – das Grundproblem unserer Zivilisation
      Die Angst, ungehorsam zu sein, führt dazu, sich dem Unterdrücker unterzuordnen. Indem man sich mit dem Unterdrücker verbündet, kehrt man seine Gewalt und Verachtung in Liebe um. Rechtsradikale Führer gelangen deswegen besonders häufig in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche an die Macht. Diese Führer erwarten Gehorsam und wollen ihn als Größe und Zeichen ihrer Macht wiederherstellen oder stärken. Dass dies gelingt, zeigt uns: Das Bedürfnis nach Gehorsam ist ein grundlegender Aspekt unserer Kultur. Der Gehorsam ist für uns so selbstverständlich geworden wie Luft und Wasser. Gerade dieses Bedürfnis spiegelt aber eine Pathologie, die von der Kultur selbst hervorgerufen, ja erzeugt wird. Wer die Demokratie stärken will, muss folglich zunächst die Wurzeln dieser Pathologie aufdecken. Nicht rationale Programme sind dabei gefragt oder erforderlich, vielmehr müssen die Strukturen grundlegend geändert werden, die diesen Gehorsam fördern. Weil diese Strukturen des Gehorsams offensichtlich, allgegenwärtig und so sehr Teil unseres täglichen Lebens sind, nehmen wir sie als solche jedoch gar nicht mehr wahr. Der amerikanische Schriftsteller David Foster Wallace kleidete diesen Sachverhalt in eine Parabel: Schwimmen zwei junge Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in die Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: »Morgen Jungs, wie ist das Wasser?« Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter, und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und fragt: »Was zum Teufel ist Wasser?« Mit dem Gehorsam verhält es sich wie mit dem Wasser in der Parabel. Wir erkennen unseren Gehorsam daher überhaupt nicht mehr. Wir leugnen sogar, moderne Sklaven und Knechte des Gehorsams geworden zu sein. Wir spüren die Fesseln schon gar nicht mehr. Und deshalb ist der Kampf gegen diese Knechtschaft, der Kampf gegen den Gehorsam so schwierig.

      Arno Gruen in seinem Buch: Wider den Gehorsam
      http://www.irwish.de/pdf/Gruen-Wider_den_Gehorsam.pdf

  9. Auf den Punkt gebracht!

    M.E sind AFD, Pegida und Co nur die Vorzeige-Nazis um von den echten Faschisten abzulenken. Die Psychologie dahinter ist so genial wie perfide. Mit dem Denunzieren der politischen Rechten (oder viel mehr dem rechten Rand der Kapitalistischen Einheitspartei Deutschlands) lenkt man geschickt vom offensichlichen rechten Gedankengut ab.

    Das perfide darin ist der schleichende Prozess. Zuerst denunziert man öffentlich vermeintliche Straftäter. Nach und nach wird die Schwelle sinken, bis öffentlich alle Andersdenkenden denunziert werden als: Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten, Antisemiten, Israelhasser, amerikafeindlich etc.

    Das passieret zwar auch schon sehr subtil in der täglichen Berichterstattung, aber noch nicht auf Seite 1 der Bild. Noch nicht. Doch die Nazi-Agenda läuft. In der Ukraine hat sie schon Fuß gefasst.

    Ich denke, statt uns in unserer Filterblase gegenseitig zu beweihräuchern (obwohl das auch wichtig ist), sollten wir die Mainstream-Medien genauso subtil unterwandern und die „rosarote Brille“-Träger auf unser Seite ziehen. Ich arbeite d’ran und hoffe, wir können nach und nach die Mainstream-Journalisten an ihrem Gewissen packen. Die haben auch Kinder.

    Die dritte Gandhi-Stufe ist erreicht, die vierte nicht mehr weit.

    In diesem Sinne
    Salem Aleikum

    • Die Nazis kommen mit geballter Kraft,
      sie werden offiziell in die Nato eintreten.Stoltenberg war in der Ukraine wird alles regeln, unser heutige Bundespräsident auf dem Maidan…unvergessen!
      Und Merkel als Oberboss…wie weit sind wir dann noch vom Nazi-Regime entfernt?

  10. Unfassbar! Wo sind die Anwälte, die Bild (auf eigene Rechnung) verklagen?
    Sofern noch ein Rest an „Rechtsstaat“ vorhanden sein sollte hierzulande, kann das ja wohl nicht durchgehen…

  11. Die Ereignisse, vor allem wie sie manipulativ gegen die Linke ausgeschlachtet werden, erinnern an die Zeit, da die Bildzeitung nach den Schüssen auf Benno Ohnesorg und Rudi Dutschke in der Kritik war und zum Ziel demokratische Protesten wurde: http://www.deutschlandfunk.de/medienhetzer-und-politgammler.724.de.html?dram:article_id=99713
    Ebenfalls: „Wir fordern – auf der Grundlage der in der Berliner Verfassung gegebenen Enteignungsmöglichkeit – die Enteignung des Springer-Konzerns.
    SPIEGEL: Und die entsprechende direkte Aktion?
    DUTSCHKE: Ich denke, daß die Enteignung des Springer-Konzerns auch von größeren Teilen der Bevölkerung unterstützt werden wird.“ [Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46225038.html%5DAktuell wie heute, nachdem die Bildzeitung mit der Schlagzeile über sog. ‚Linken Hass‘ am Wochenende an die Hetze der damaligen Zeit gegen eine politische Strömung Stimmung macht, die sie als ihren Gegner wahrnimmt. Lachender Gewinner dieser strategischen Kommunikation sind die Reaktion von AFD bis zu allen VertreterInnen eines autoritären Law and Order-Staates.

    • Also, eigentlich sind die Gewinner Frau Merkel, die CDU/CSU und die neoliberalen Kräfte dahinter.
      Die Unruhen und die damit verbundene, einseitige Berichterstattung, in der sofort (!) die Schuldigen gefunden und klar identifiziert waren, helfen Frau Merkel enorm bei der kommenden Bundestagswahl.

    • Auch wenn man es noch so oft betont: Die meisten der G20-Politiker sind nicht neoliberal. Insbesondere ist der US-Präsident Trump nicht neoliberal.

    • Natürlich sind die neoliberal. So hardcore wie nur möglich.

      „Das Identitätsbewusstsein ist heute verschüttet von der neoliberalen Wahnidee […] „Diejenigen, die da bald in Hamburg auf dem G20-Gipfel zusammenkommen, wurden längst zu Befehlsempfängern degradiert. Das sind Lakaien und zugleich Söldner der Oligarchien.“

      Jean Ziegler, Die kannibalische Weltordnung

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