Der Fall Nawalny: Eine Provokation westlicher Geheimdienste? (Teil 2)

Teil 2: Nowitschok im Cockpit und NATO-Kungelei bei der Probenuntersuchung

Von Jürgen Cain Külbel.

Omsk in Sibirien, 22. August 2020, gegen 8 Uhr. Kaum hatten die deutschen Rettungskräfte den EPI-Shuttle, eine geschlossene Isolationseinheit, in der sich der im Koma liegende russische Nationalist und Oppositionelle Alexei Nawalny befand, an Bord des Ambulanzjets Bombardier Challenger 604 gehievt, wurde Maria Pewtschich aktiv. Pewtschich, die angeblich die Ermittlungsarbeit von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung FBK von London aus leitet, hatte Nawalny auf dessen Reise nach Nowosibirsk und Tomsk begleitet. Sie ist eine enge Vertraute seiner Financiers und wird mit britischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht.

Eine Quelle, die über die Umstände des Rückfluges informiert ist, berichtete dem Autor nach Fertigstellung des ersten Teils dieser Serie, Maria Pewtschich habe sich an den Rettungssanitäter des Ambulanzjets gewandt, bat ihn, die in Nawalnys Zimmer im Tomsker Hotel Xander vom „Team Nawalny“ gesicherten Wasserflaschen, die möglicherweise mit Gift kontaminiert seien, an sich zu nehmen. Ich beziehe mich auf die Quelle: Der Rettungssanitäter soll höflich abgelehnt haben. Auch Pewtschichs zweiter Versuch beim mitfliegenden Rettungsarzt soll gescheitert sein. Doch soll sie letztlich „Glück“ beim Pilot gehabt haben, der nach Aussagen der Quelle das „Material“ an sich nahm, es in seinem Fliegerkoffer verstaut haben soll, den er wohl mit in das Cockpit nahm.

Dann hob die Bombardier Challenger 604 in Omsk ab. Herr Nawalny sollte den Flug eigentlich in der in Norwegen von der Firma EpiGuard AS produzierten Isolationseinheit EPI-Shuttle verbringen, in der infizierte oder verseuchte Patienten transportiert werden. Auch, um einen gefahrlosen Flug für Besatzung, Mediziner und Fluggäste zu garantieren. Im Flieger soll Herr Nawalny – so die Quelle – jedoch friedlich schlafend auf der eingebauten Krankenliege geruht haben; nach Angaben der Quelle benutzte er kein Beatmungsgerät. Seine Ehefrau Julija Nawalnaja, so die Quelle, saß schräg hinter ihm in einem Sessel und soll ebenfalls entspannt geschlummert haben – nach all der Aufregung. Stunden später landete die Maschine auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel. Noch ehe der Patient Nawalny mit Bundeswehr-Eskorte in die Charité gefahren wurde, so die Quelle, soll der Pilot das von Pewtschich erhaltene „Material“ an das Kommando eines bereits in Warteposition stehenden Spezialfahrzeuges übergeben haben. Es ist nicht bekannt, welcher militärischen oder zivilen Einrichtung dieses Fahrzeug zuzuordnen ist.

Fakt ist, dass die Flasche(n) in jenem Flieger transportiert wurden. Nun, da allerdings die Unterbringung von angeblich mit tödlichem Nowitschok kontaminierten Gegenständen im Flieger, selbst wenn die in dünnen Plastiksäckchen verstaut sind, eine ganz andere Nummer ist, sollte man freudig „Hurra, hurra!“ schreien, dass es weder Frau Pewtschich noch Frau Nawalnaja noch den Piloten oder das medizinische Personal „erwischt“ hat. Vor allem, wenn man bedenkt, dass diese Bombardier Challenger 604 ein Innenraumvolumen von lediglich 35 m³ hat – vergleichbar mit dem eines Abrollcontainers, der auf jeder Baustelle herumsteht. Man stelle sich vor, Piloten und Besatzung wären ins Koma gefallen. Nicht auszudenken! Da hätte das Bundeswehrlabor ja gar nichts zu tun bekommen – oder die Labore in Schweden und Frankreich.

Daher fragte ich am 21. September 2020 nach bei FAI rent-a-jet AG, Flughafenstr. 124 in 90411 Nürnberg, Betreiber des für Nawalny gecharterten Ambulanzjets: „Mir liegen jetzt detaillierte Insider-Informationen vor; ich fasse die in einem Satz zusammen: Ihr FAI-Pilot übernahm in Omsk aus den Händen von Frau Pewtschich Gegenstände, darunter besagte Flasche(n) und deponierte sie vor und während des Rückflugs nach Berlin im Flugzeug.

  • Kann FAI Nürnberg/der Pilot bestätigen, dass von Frau Pewtschich in Omsk Wasserflasche(n), Gegenstände oder Dinge entgegengenommen und im Flugzeug deponiert wurden?
  • Wenn ja: wann und wo wurden sie übernommen?
  • Wie waren diese Gegenstände bei Übernahme verpackt/gesichert?
  • Wurden die Gegenstände nach der Übernahme zusätzlich gesichert? Wie, durch wen?
  • Wußten Flugbesatzung/medizinisches Personal, was Frau Pewtschich übergeben hatte? Äußerte sie sich zum Inhalt dessen, was sie übergab?
  • Wo und wie wurden diese Gegenstände im Flugzeug deponiert?
  • An wen wurden diese Gegenstände nach der Landung Berlin übergeben?
  • Sind nach Ankunft in Berlin bis zum heutigen Tag bei Cockpit-Besatzung und medizinischem Personal, das an dem Rettungsflug teilnahm, Krankheitssymptome aufgetreten oder erfolgte eine Krankschreibung?“

FAI rent-a-jet wollte das im Antwortschreiben wenige Stunden später weder bestätigen noch dementieren: „Unsere strikte Company Policy besagt, keinerlei Auskünfte zu von uns durchgeführten Flügen zu geben – FAI möchte aus diesem Grund keine Stellung beziehen.“

Drei Täge später machte sich FAI von seiner „Company Polivy“ frei und schrieb mir, ohne dass ich noch einmal angfragt hatte: „(…) in Folge Ihrer Anfrage vom 21. 09. 2020 hat zwischenzeitlich eine Befragung der Piloten stattgefunden mit dem Ergebnis, dass weder Frau Nawalnaja noch Frau Pewtschich einem der Piloten irgendetwas übergeben hat, somit auch nichts in einem Pilotenkoffer verstaut und nach der Landung weitergereicht wurde. Die von Ihnen zitierten Behauptungen entbehren damit jeder Grundlage. Ich betrachte die Angelegenheit somit als geklärt.“

Ich antwortete: „(…) danke, ich werde Ihr Statement mit einarbeiten. Allerdings wird noch weiter behauptet, dass nach der Landung ein Spezialfahrzeug bereitstand, welches das ‚Material‘ direkt vom Piloten übernommen haben soll“.

Lassen wir das einfach mal so stehen.

Die Tatwaffe: Ein neuartiges „härteres“ Nowitschok

Das Nervengift Nowitschok wurde für den Einsatz auf dem Schlachtfeld entwickelt, es tötet sofort.
Philip Geraldi, den ich persönlich kenne und schätze, früher CIA-Spezialist für Terrorismusbekämpfung und Offizier der Defense Intelligence Agency, argumentiert: „Als (Nawalny) zur Behandlung in Deutschland war, wurde von seiner Familie eine mysteriöse Wasserflasche hervorgezogen, von der die Bundeswehrlabore behaupten, sie habe Spuren von Nowitschok auf ihrer Oberfläche. Wenn Nowitschok wirklich auf der Flasche wär, wären seine Familie und die Flugbesatzung ebenso tot wie die Techniker der Bundeswehr.“

Toter als tot, glaubt man Bruno Kahl, dem Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes, der in „geheimer Runde“ erklärte, „bei dem verabreichten Stoff soll es sich um eine Weiterentwicklung von bislang bekannten Nowitschok-Zusammensetzungen handeln. Das Gift sei noch ‚härter‘ als bisherige Formen“. Nun steht die Frage, wer aus dem absolut tödlichen Nervengift Nowitschok, das vor mehr als drei Jahrzehnten in Russland entwickelt wurde, ein noch absolut tödlicheres Nowitschok entwickelt hat, das es dem Opfer erlaubt, drei Wochen nach Vergiftung „das Krankenbett bereits zeitweise zu verlassen“, es „geistig scharf“ macht, sich zu weigern, der Bitte Russlands nachzukommen, den Fall gemeinsam mit Deutschland zu untersuchen. Wir erinnern uns: Das Zeugs konnte ja auch den Skripals nichts anhaben. Russen halt – die sind gegen alles resistent. Andererseits ist die Nowitschok-Formel seit den 90er Jahren bekannt wie ein bunter Hund; damals kaufte Kahls BND sogar originales Nowitschok einem russischen Informanten ab, stellte die Probe den „Partner-Diensten“ in Großbritannien, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, den USA zur Verfügung, damit die in ihren Laboren damit herumpantschen können. Israelische Geheimdienste gehen davon aus, „mindestens 20“ Länder können Nowitschock herstellen oder verfügen über Vorräte.

Herr Kahl, als Geheimer stehen Sie mit Deduktion, Induktion, Abduktion auf vertrautem Fuß. Sie kennen das: Ein Opfer wurde mit Nowitschok vergiftet. Russland stellt Nowitschok her. Daraus folgt: Wenn ein Opfer mit Nowitschok vergiftet wurde, kann nur Russland der Täter sein. Es gilt aber auch: Ein Opfer wurde mit Nowitschok vergiftet. Nowitschok wird in Laboren in Großbritannien, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, USA, der BRD, in „mindestens 20“ Ländern zu „Forschungszwecken“ synthetisiert. Daraus folgt: Wenn ein Opfer mit Nowitschok vergiftet wurde, können der oder die Täter nur aus einem oder mehreren dieser Länder stammen.

Und nun existiert gar ein „härteres“ Nowitschok? Ein international bekannter Chemiewaffen-Experte wies mich in dieser Frage auf folgendes hin: „Nur ganz kurz zur Analytik: Man braucht nicht nur die teuren Analysengeräte, sondern auch Referenzstandards und validierte Messprotokolle.“ Das bedeutet: Der Toxikologe muss vergleichen können, um solch eine Aussage treffen zu können, wie sie Herr Kahl tätigte. Meine Frage an Sie, Herr Bruno Kahl: In welchem westlichen Labor liegen „Referenzstandards und validierte Messprotokolle“ zu dieser „härteren Weiterentwicklung von bislang bekannten Nowitschok-Zusammensetzungen“ vor? Denn es wurde offenbar etwas neues „entdeckt“, etwas, was „bislang (nicht) bekannt“ war! Auf welcher Grundlage kann diese „bislang unbekannte“ Substanz Russland zugeordnet werden. Erklären Sie uns die Chemie!

Labore im NATO-Ja-Sager-Verbund

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, erklärte am 14. September 2020, „unabhängig von den noch laufenden Untersuchungen der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OVCW) haben damit nun bereits drei Labore (in Deutschland, Frankreich und Schweden) unabhängig voneinander den Nachweis eines Nervenkampfstoffes aus der Nowitschok-Gruppe als Ursache der Vergiftung von Herrn Nawalny erbracht. Wir erneuern die Aufforderung, dass sich Russland zu den Geschehnissen erklärt“.

Was Herr Seibert verschweigt: Das deutsche, französische und das schwedische Labor bilden unter wechselnder Bezeichnung und Zusammensetzung eine Task-Group, die sich mit Prophylaxe und Therapie gegen chemische Wirkstoffe beschäftigt. Diese länderübergreifende Task-Group arbeitet der NATO zu, um die militärischen „Bedürfnisse“ der Allianz in Sachen Chemiewaffen abzudecken:

• das US Army Medical Research Institute of Chemical Defense in Aberdeen Proving Ground, Maryland,
• die Chemical Biological Defence Section in Medicine Hat, Alberta, Kanada,
• die Pulmonary and CNS Pharmacology in Rijswijk, Niederlande,
• die University of Defence, Faculty of Military Health Sciences in Hradec Kralove, Tschechien,
• das Norwegian Defence Research Establishment in Kjeller
• der Service de Santé des Armées, Frankreich,
• FOI CBRN Defence and Security in Umeå, Schweden,
• Porton Down in Salisbury, Großbritannien,
• das Institute of Pharmacology and Toxicology der Bundeswehr in München.

Die von mir angefragten Labore antworteten selbstverständlich nicht. Jedoch bestätigte Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Ergebnisse seines französischen Labors, wonach Nawalny mit Nowitschok vergiftet worden sei. Ein interessanter Nebenaspekt, der nichts zu bedeuten hat: Vor Jahren zeichnete Dr. Patrick Masson für die französische Einrichtung im Rahmen der Task-Group verantwortlich. Heute ist er Professor an der Staatlichen Universität im russischen Kasan, forscht dort über Cholinesterase in Russland und der Sowjetunion; 339 Werke hat er bereits veröffentlicht. Erinnern wir uns: Nawalny soll mit einem Cholinesterasehemmer vergiftet worden sein. Ich will keine Schlüsse ziehen, nur anmerken: Ein Fluggast, der sich mit Nawalny vor dem Flug ablichten ließ, stammt aus Kasan, war nachher Hauptzeuge für BBC. Das mag Zufall sein.

An der der schwedischen Verteidigungsforschungsagentur (FOI) in Umeå leitet Dr. Åsa Scott die CBRN-Abteilung für Schutz und Sicherheit. Gegenüber AFP sagte sie: Neben Russland „ist es unwahrscheinlich, dass ein anderes Land, das das Übereinkommen (über das Verbot chemischer Waffen) unterzeichnet hat, diesen Nervenagenten bekommen kann“. Auf der Homepage der FOI sagt sie: „Ich kann bestätigen, dass wir am FOI in Umeå im Auftrag unserer deutschen Partner eine Analyse durchgeführt haben (…) Probenahme, Transport und Analyse wurden unter strenger Aufbewahrungskette nach Verfahren durchgeführt, die dem Status des FOI als akkreditiertes Labor entsprechen. Unsere Analyse bestätigt die früheren deutschen Ergebnisse. Die Blutprobe von Herrn Nawalny enthielt eindeutig einen Nervenwirkstoff aus der Novitschok-Gruppe.“

Dem deutschen Trivial-Medium Bild erklärte sie: „Darum sei man aus Umeå, etwa 500 Kilometer nördlich von Stockholm, den weiten Weg nach Berlin gereist, um die Probe selbst abzuholen. Wir haben Blutproben analysiert (…) Die Proben wurden entnommen und unter strenger Sorgfaltskette zum FOI transportiert, wobei Verfahren gemäß dem Status des FOI als akkreditiertes Labor befolgt wurden.“

So, nun haben also auch Dr. Åsa Scott und die Franzosen das „härtere“ Nowitschok bestätigt. Frau Dr. Scott, können Sie wissenschaftlich erklären, wie Sie dieses bislang unbekannte Nowitschok, eine „Entdeckung“ sozusagen, über die sich Forscher freuen, diagnostizieren konnten? Schließlich fehlen auch Ihnen in Ihrem FOI-Labor in Umeå jegliche „Referenzstandards und validierte Messprotokolle“. Sie besitzen rein gar nichts von diesem „neuartigen“ Nowitschok als Vergleichsmaterial in Ihrem Labor, da die Deutschen, geht man dem BND-Chef Kahl auf den Leim, es ja erst entdeckten. Und wie nun können Sie wissenschaftlich nachweisen, dass der „neuartige“ Stoff aus Russland kommt und nicht aus Porton Down?

So geht forensische Wissenschaft nicht, Frau Dr. Scott. Ihre Leistung besteht darin, so etwas wie eine selbstreferentielle Toxikologie betrieben zu haben; eine Wissenschaft, die allerdings erst noch erfunden werden muss.

All das führt uns direkt zur einer vorläufigen kriminalistischen Bewertung des Vorfalls um Herrn Nawalny. Ich behaupte, Deutschland, nicht Russland, muss sich erklären; vor allem zur Beweismittelkette (Chain of Custody). Die dokumentiert den Fluss von Spuren, Spurträgern über mehrere Stationen hin bis zur Einbringung als „originales“ Beweismittel. Nahmen schwedische und französische Experten vor Ort, mit eigenen Händen und Gerät Proben vom Körper des Geschädigten? Nahmen Dritte Proben und reichten sie zur Untersuchung weiter? Wurden in dem Fall der tatsächlichen Probe abweichende Blindproben mitgeliefert, um abzusichern, dass die Labore fehlerfrei arbeiten? Die Probenentnahme und -übergabe muss lückenlos nachweisbar sein, damit ausgeschlossen werden kann, dass „unterwegs“ keine Manipulationen stattfanden oder das manipulierte Proben in Umlauf gebracht worden sind.

Was die Experten in den Dritt-Laboren nicht nachgewiesen haben, ist Nervenkampfstoff in jenen Proben, die Herrn Nawalny in Omsk abgenommen wurden. Und da beginnt der Ermittler-Alltag: Allein die Feststellung, dass Herr Nawalny mit einem Nervenkampfstoff vergiftet worden ist, sagt nichts darüber aus, wann, wo, wie, warum, durch wen es zu dieser Vergiftung kam. Zu den Omsker Proben heißt es: „Alexei Nawalny wurde auf ein breites Spektrum an Drogen, synthetischen Substanzen, Psychodysleptika und pharmazeutischen Substanzen untersucht, einschließlich Cholinesterase-Hemmern – das Ergebnis war negativ.“ Zudem wurde der chemische Stoff 2-Ethylhexyldiphenylphosphat an Kleidung und Haut von Herrn Navalny gefunden; der könnte vom Kontakt mit einem Plastikbecher stammen. Die Hauptarbeitsdiagnose der Omsker Ärzte: Eine Stoffwechselstörung habe bei Herrn Navalny ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels  verursacht – also ein medizinischer Notfall.

Natürlich muss sich die Bundesregierung auch zur Beweismittelkette (Chain of Custody) in Sachen dieser ominösen Wasserflasche, angeblich Eigentum von Herrn Nawalny, erklären, die wie aus dem Nichts in Berlin auftauchte. Der Fluss dieses extrem gefährlichen Spurenträgers, sollte an ihm Nowitschok gehaftet haben, aus dem fernen Sibieren bis ins Labor der Bundeswehr muss lückenlos dargestellt werden. Ebenso, wer die Flasche wo, wann, wie, warum, womit gesichert hat, durch welche Hände sie ging. Beweismittelfälschung, also einer Flasche in einem Hochsicherheits-Labor winzige Spuren von Nervengift beizubringen, ist kein Ding. So wie es auch kein Ding ist, Proben mit Körperflüssigkeiten im Nachhinein zu verfälschen. Also, die Beweislast liegt derzeit bei der Bundesregierung.

Noch steht Aussage gegen Aussage. Wir haben also im Vorkommnis Nawalny weder einen Tatort, noch die Tatzeit, noch einen dringenden Tatverdacht, noch konkrete Angaben zur angeblichen Tatwaffe und zum Täter. Die Deutschen behaupten zwar Nowitschok, verheimlichen indes, welche konkreten Substanz(en) an und im Körper von Herrn Nawalny sowie an der Trinkflasche gefunden wurden. Daher bieten sich aus kriminalistischer Sicht viele Möglichkeiten, wann, wo, wie Herr Nawalny „vergiftet“ worden ist: Auf dem Flughafen in Tomsk, im Flieger nach Omsk, in der dortigen Notfallklinik, im Flieger während des Transportes nach Berlin, in der Charité? Was ist im Intensivtransportwagen der Bundeswehr – wieso Bundeswehr und kein Rettungswagen? – geschehen, der Herrn Nawalny unter starkem Polizeischutz vom Flughafen in die Charité brachte? Diese Frage ist besonders pikant, da es das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in München war, das nachher Nowitschok „zweifelsfrei“ entdeckte! Klärungshinweise dafür, ob Proben manipuliert wurden, kann nur ein Abgleich zwischen „deutschen“ und „russischen“ Proben bringen. Aus steht vor allem die Klärung, ob ein medizinischer Notfall im fernen Sibirien im Nachhinein auf europäischem Boden zum Kapitalverbrechen „umdiagnostiziert“ wurde.

Im dritten Teil wird das britisch-deutsche Interagieren im Fall Nawalny untersucht. Ebenso die Mission des deutschen, schwedischen und französischen Labors im Syrien-Krieg, also jener Labors, die bei Nawalny „zweifelsfrei“ Nowitschok feststellten, sowie die insgeheime Unterwanderung der OPCW durch britische Einflussagenten.

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Dieser Artikel erschien zuerst in einer kürzeren Version am 03. Oktober 2020 bei RT-Deutsch

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Vielen Dank an den Autor für die exklusive Zurverfügungstellung einer erweiterten Artikelversion.

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Bildquelle: Herr Loeffler / shutterstock

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