DER FREIE FALL mit: Bärbel Wardetzki (Thema: „Narzissmus“)

„Narzissmus“. Was ist das? Wen betrifft es? Und was passiert, wenn zwei Menschen sich in einem narzisstischen Beziehungsmuster wiederfinden?

Diese und weitere Fragen, werden in der 1. Ausgabe des Formates „Der Freie Fall“ mit der Hilfe der Diplom-Psychologin und Narzissmus-Expertin, Dr. Bärbel Wardetzki, beantwortet.

Frau Wardetzki ist Expertin für das Narzissmus-Phänomen. Ihr erstes Buch „Weiblicher Narzissmus – Der Hunger nach Anerkennung“ war direkt ein Bestseller und offenbarte die narzisstische Persönlichkeitsstruktur auch beim weiblichen Geschlecht, insbesondere bei Frauen mit Essstörungen.

Wardetzki beschäftigt sich in ihrem aktuellen Buch „Und das soll Liebe sein?“ mit den zugrunde liegenden Ursachen und Wirkungsweisen einer narzisstisch durchsetzten Beziehung. Sonja und Frank, die beiden Protagonisten einer solchen Partnerschaft, erschaffen Stück für Stück einen Alptraum von Beziehung, der aber als idealer Wunschtraum seine Anfänge nahm…

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85 Kommentare zu: “DER FREIE FALL mit: Bärbel Wardetzki (Thema: „Narzissmus“)

  1. Narzissmus ist die Kennzeichnung einer Person, die sich den Ansprüchen der Gemeinschaft auf spezifische Weise zugunsten eines überhöhten Ich-Anspruchs entzieht.

    Etwa Adam Smith hob den Segen des Egoismus hervor.

    Vor allem Politiker haben aber von diesem Egoismus meist etwas zu viel.

    So kritisiert der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz in diversen Veröffentlichungen den Narzissmus der Bundeskanzlerin.

    Man kann bei ihr auch nicht so richtig eine Inhaltsarbeit erkennen und trotzdem will sie doch regieren.

    Man könnte sich auch die Frage stellen, warum etwa Sebastian Kurz dermaßen viele Parteispenden einsammelt. Schließlich haben die Geldspender meist Interessen, die einer funktionierenden Politik im Wege stehen. Was treibt ihn?

    Vor allem wird auch Donald Trump diesbezüglich kritisiert, weil sein unglaublicher Reichtum nicht ohne die Armut anderer Personen funktioniert.

    Wir haben gleichzeitig ein wenig den Verdacht, dass sein geschäftliches Engagement mit dem Amt des US-Präsidenten nicht vereinbar ist.

    Er sei etwa ein Problemkunde der Deutschen Bank und er hätte dort auch riesige Schulden.
    Gleichzeitig fragen wir uns, wo die Deutsche Bank das viele Geld her haben könnte, das Herr Trump dieser schuldet.

    Herr Trump ist mit seiner Inhaltsarbeit zwar etwas besser als sein Amtsvorgänger, weil die Schutzzölle nicht dermaßen falsch sind, aber er müsste auch den Handel als solchen hinterfragen, weil dieser mit Geld abgewickelt wird, das die Banken aus dem Nichts schöpfen.

    • Vielleicht ist übermäßiges Diagnostizieren eine Berufskrankheit. 🙂
      Im Ernst, ich vermute, das wurde ohne allzuviel drüber nachzudenken aus der Medizin übernommen. Blut, Urin, Labor, Röntgen und dann sagt der Onkel Doktor dem Patienten, was dieser hat. (Wie schwungvoll Medinziner auch Fehldiagnosen stellen, ist noch ein Thema für sich.)

  2. Begriff "Narzissmus"; zweiter Anlauf. 🙂

    Die psychologische Bedeutung und Verwendung des Begriffes bezieht sich offensichtlich auf diesen Punkt:
    Narziss wurde von den Göttern mit unstillbarer unerfüllbarer Selbstliebe gestraft.

    UNSTILLBARE UNERFÜLLBARE Selbstliebe

    Es gibt Eltern, die können ihr Kind nicht lieben, die sind ihrem Kind nur dann zugeneigt, wenn das Kind die Erwartungen der Eltern erfüllt.
    Also um Zuneigung der Eltern zu bekommen, muss das Kind Erwartungen der Eltern erfüllen.
    Liebe kann es von solchen Eltern nie bekommen.
    Das Bedürfnis des Kindes nach Liebe ist unerfüllbar – und zwar egal wie sehr sich das Kind anstrengt.
    Daraus entsteht das Dilemma, dass das Kind sich nach Liebe sehnt, aber nie Liebe erfahren hat, also gar nicht weiß, was das ist, wie sich das anfühlt.
    Was das Kind kennt, ist ein Häppchen Anerkennung für die Erfüllung von Erwartungen. ¹
    Da das das einzige ist, was das Kind kennt bzw. erlernt / erfahren hat, versucht es Häppchen Anerkennung für die Erfüllung von Erwartungen zu bekommen – und wenn nichts dazwischen kommt, sein Leben lang.
    Dadurch bleibt das Bedürfnis nach Liebe unerfüllbar.

    Der Mensch hat außerdem auch ein Bedürfnis, sozusagen mit sich selbst im Reinen zu sein.
    Ob man dieses Bedürfnis nun als "Selbstliebe" bezeichnet oder einfach als sich so annehmen zu können, wie man ist …
    Wenn das einzige, was das Kind kennt, Häppchen Anerkennung für die Erfüllung von Erwartungen sind, dann kann das Kind dieses Bedürfnis eben nur dadurch "erfüllen", für die Erfüllung von Erwartungen Anerkennung zu bekommen.
    Sobald keine Anerkennung von außen kommt, bricht alles zusammen. (Als ein Blatt ins Wasser fiel und das Spiegelbild verzerrte, glaubte Narziss er sei hässlich.)
    Das Bedürfnis, sozusagen mit sich selbst im Reinen zu sein, sich so annehmen zu können, wie man ist; das bleibt unerfüllbar.

    Dazu kommt noch, dass Erwartungen der Eltern in mehr oder minder abstrakter Form verinnerlicht werden.

    ¹ Und da könnte man selbstverständlich den Bogen zur "Leistungsgesellschaft" schlagen: Wenn die Mehrheit der Menschen mehr oder minder ähnliche Eltern hatte und so gepolt ist, was werden diese Menschen dann wohl für eine Gesellschaft bilden … in der sie dann aber auch nicht gerade glücklich werden …

  3. Um meine Kritik an Wardetzki – aus anderem Zusammenhang – noch einmal zu konkretisieren (ich beziehe mich heit auf ihr Buch "Eitle Liebe"):

    Wardetzki zeigt ein katastrophales Unverständnis für Geschichten und Mythen. Lebensgeschichten sind im Grunde nicht viel anderes, als die Geschichten von fiktiven Gestalten, nur sehr viel komplexer. Wenn man jedoch schon übersichtliche, schriftlich festgelegte Mythen nicht versteht, wie will man da der Komplexität des Lebens gerecht werden?

    Die Geschichte von Narziss – ihm wird konkret ein Alter von 16 Jahren zugeschrieben – besteht u.a. darin, dass sich Menschen in ihn "verliebt" haben, deren Liebe er jedoch – mit den besten Gründen – nicht erwidern mag. (Dabei ist man dann, wie in dem Interview mit Wardetzki) bei einer Beziehungsgeschichte.

    Da ist zum einen die hohle Tussi Echo, die im "Gespräch" mit Narziss immer nur die letzten Worte, die er gerade gesprochen hat, wiederholen kann. Als sie sich ihm an den Hals wirft, nimmt er – zu Recht! – Reißaus. (Wie sollte er mit solche einer Frau jemals eine gute Beziehung führen können?) Sie siecht dann vor sich hin und vergeht immer mehr, weil Narziss sie nicht liebt. Am Ende bleibt nur noch ihre Stimme, das Echo, in den Bergen zurück.

    Da ist zum anderen Ameinias, der beharrlich um die Gunst des Narziss wirbt. Aber Narziss steht vermutlich nicht auf Männer und weist den Bewerber aus diesem oder aus anderen Gründen wiederholt ab. Schließlich nimmt sich Ameinias auf der Türschwelle des Narziss mit einem Schwert das Leben. (Er fleht dabei noch die Götter an, seinen Tod zu rächen, was eine Göttin dann auch in ihre Hand nimmt.)

    Wardetzki sagt jetzt nun allen Ernstes (in "Eitle Liebe", S. 35): "Narziss öffnete niemandem sein Herz, auch denen nicht, die ihn liebten. Aber er wehrte nicht nur ihre Liebe ab, er brachte seine Verehrer und Verehrerinnen auch um ihr Leben."

    Stellen Sie sich eine solche katastrrophale Verständnislosigkeit einmal in Ruhe vor! Da bekommt der arme Narziss allen Ernstes von Wardetzki vorgeworfen, dass er die angebliche "Liebe" einer hohlen Tussi und eines aufdringlichen Kerls nicht erwidert! Und damit nicht genug: Wenn die beiden diese selbst-bewusste Zurückweisung nicht ertragen und deshalb ihr Leben hinschmeißen, dann wird das diesem 16-Jährigen zum Vorwurf gemacht!

    Ich hatte einmal (im schlimmsten Fall von Erpressung zu einer "Beziehung" durch Selbstmorddrohung) mit einer Frau zu tun, die im Alter von ca. 17 Jahren (also vergleichbar mit Narziss) von einem Mitschülern unter Druck gesetzt worden war, mit ihm eine Beziehung einzugehen. Andernfalls würde er sich das Leben nehmen. Die junge Frau ließ sich zu Recht davon nicht erpressen. Dass er dann seine Absicht in die Tat umgesetzt hat, hat ihr vollkommen den Boden unter den Füßen weggezogen. An Abitur war nicht mehr zu denken. Sie geriet in einen Strudel von Verzweiflung, Drogen, Psychiatrie, sozialen Abstieg, Ängsten u.s.w., der bis heute, nach über 40 Jahren, noch ihr Leben überschattet. Und stellen Sie sich vor, Sie bekommen in solche einer Situation Wardetzkis bescheuerte Analyse um die Ohren gehauen: "Ja, Sie haben Ihren Verehrer um sein Leben gebracht!" Solch einen Verständnislosigkeit macht mich wütend!

    • @ Klaus Schlagmann
      Eine Person "zeigt ein katastrophales Unverständnis" und darum reagiert diese Person verständnislos.
      Dass diese Person verständnislos reagiert, macht Sie wütend.

      Wenn mich etwas auf bestimmte Art aufregt, dann frage ich mich, ob die Intensität meines Gefühls und meine Reaktion zur aktuellen Situation passen.
      Und wenn nicht, dann folge ich dem Gefühl und komme dahin, woher die Intensität des Gefühls stammt.

    • @ Klaus Schlagmann
      Wenn die aktuelle Situation tatsächlich so ist, wie Sie sich in Ihrem Kopf darstellt und Sie auf sowas so reagieren, dann passt selbstverständlich die Intensität des Gefühls zu der aktuellen Situation.
      Aber ist die aktuelle Situation tatsächlich so, wie Sie sich in Ihrem Kopf darstellt?

      Für Sie steht felsenfest fest, dass Person A einen Mythos nicht versteht; "katastrophales Unverständnis" bescheinigen Sie Person A.
      Das impliziert, dass Sie wissen, wie man den Mythos versteht.
      Denn sonst könnten Sie sich ja kein Urteil darüber erlauben, wer wie den Mythos nicht versteht.
      Die Deutungshoheit, wie der Mythos zu verstehen sei, liegt also selbstverständlich bei Ihnen.
      Okay, selbst wenn Person A so falsch läge, dass alle Experten für Mythen sagen würden, das geht gar nicht, wäre bis hier nur gegeben, dass Person A den Mythos nicht versteht, mag ja sein.
      (Wie man dann damit umgeht, wäre auch noch eine Sache.)

      Wenn es widerspruchsfrei der aktuellen Situation entsprechen würde, dass Person A den Mythos nicht versteht, dann wäre das so und nicht mehr und nicht weniger.
      Sie leiten daraus ab, dass Person A in einer Situation, die Sie mit dem Mythos gleichsetzten, falsch reagieren würde.

      Und auf diese Ableitung sind Sie dann wütend.
      Das ist Ihre Ableitung aus Ihrer Gleichsetzung aus Ihrem Kopf.

      Diese Ableitung aus Ihrem Kopf kann die aktuelle Situation abbilden, dann passt Intensität des Gefühls zu der aktuellen Situation.
      Diese Ableitung aus Ihrem Kopf kann aber auch nur in Ihrem Kopf existieren, dann wären Sie auf etwas wütend, was zum Teil Ihr Kopf erzeugt hat.
      Wobei, wahrscheinlich nicht ganz erzeugt, da ist möglicherweise schon was da:
      Wenn ich von meiner persönlichen Erfahrung ausgehe, sind Sachen, die Projektionen auslösen, ähnlich den Sachen, die projiziert werden; und dass die ähnlich sind, liegt in der Natur der Sache.
      Aber ähnlich ist nicht gleich und schon gar nicht das selbe – da dazwischen wird es interessant.

      So viel dazu; angeregt durch diese Diskussion muss ich doch glatt nochmal schauen, was es mit der hohlen Tussi Echo auf sich hat. 😉

    • Spaß beiseite.
      Sprachverwirrung (Sprachdiktatur) ein zu ernstes Problem, daher nochmal, wie unten Antwort zu H. Schlagmann:

      Quelle:
      Kungfutse (Konfuzius): Lun Yu. Gespräche:
      Dsï Lu sprach: »Der Fürst von We wartet auf den Meister, um die Regierung auszuüben. Was würde der Meister zuerst in Angriff nehmen?« Der Meister sprach: »Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe.« Dsï Lu sprach: »Darum sollte es sich handeln? Da hat der Meister weit gefehlt! Warum denn deren Richtigstellung?« Der Meister sprach: »Wie roh du bist, Yu! Der Edle läßt das, was er nicht versteht, sozusagen beiseite. Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande…"

      Herr Schlagmann: "…brauchen wir Begriffe und Konzepte. Und zwar richtig gute. Wenn WIR die nicht haben, dann können WIR uns nicht darüber verständigen."

      Einverstanden, aber:
      Sie kommen vom Begriffe "HABEN" (WER? WIR?) zu sich verständigen (WER? WIR?). Ich meine der Weg führt umgekehrt von verständigen (WER? WIR?) zu richtigen Begriffen, dann zu Worten, die stimmen, dann zu Werken, die stimmen.

      Das Problem ist: WER die "richtigen" Begriffe HAT.

      Daher die IRONIE "dieses Experiments: Die einzigen Menschen, die erkannten, dass es sich bei den „PatientInnen“ um gesunde Menschen handelte, waren die Insassen der psychiatrischen Kliniken."

      Den Begriff abschaffen zu wollen (wegen "Sprachverwirrung" ) scheint mir ein Phänomen des "Zeitgeistes" zu sein, welcher behauptet, der Weg führe vom Begriff (WER HAT DIE HOHEIT DER BEGRIFFSDEFINITION?) zur Verständigung.
      Die Agenda ist offensichtlich.

      Sprachwissenschaftler pflegten einst Goethe zuzustimmen:
      "Keiner versteht den anderen ganz, weil keiner bei demselben Wort genau dasselbe denkt wie der andere."
      Daß es heute Sprachwissenschaftler im Dienste des Marktes gibt, die das bewährte Prinzip, daß das was im Duden steht nur eine ORIENTIERUNG ist, aufgegeben haben, das ist ein ernstes Dilemma. Auf dem Weg zur Diktatur.

      Ich erlaube mir in jedem Fall, dieses Prinzip aufrecht zu erhalten; daher erlaube ich mir zu fragen: Woher kommst Du?
      Was genau meinst du mit Narzissmus? Ich finde, wir sollten über Verständigung zu den Begriffen kommen.

      NB: Menschen mit Etiketten zu versehen ist wie Waren mit Etiketten zu versehen.

    • Hm … von Gerangel um Begriffshoheit komme ich letztendlich auch wieder sozusagen beim chronologischen Anfang eines Individuums an. (Okay nicht ganz bei der Eizelle 😉 da wird viel kommuniziert, nur nicht mit Sprache, das kommt später)
      Jedenfalls lernt ein Mensch Sprache und Begriffe üblicherweise im elterlichen Umfeld und dieses Umfeld hat in gewissem Sinne eine "natürliche Deutungshoheit" über die Begriffe, wenn alle zu dem einen Ding "Tisch" sagen und zu dem anderen Ding "Tasse", dann lernt das Kind das so.
      Wird diese "natürliche Deutungshoheit" für Erziehungsspielchen missbraucht, Verhalten und Gefühle des Kindes als "gut" oder "schlecht" bezeichnet, dürfte da schon was in dem Kind passieren.

  4. Noch ein Gedanke; angeregt durch die Diskussion um Sprachverwirring:

    Die erste Sprachverwirrung, die ein Mensch erlebt, ist die Erziehung durch seine Eltern.

    Bei groben Proll-Eltern liegen die Probleme anders, mit etwas Glück befehlen die einfach "Halt deine Fresse!" und das ist schlecht aber sprachlich übereinstimmend mit dem Inhalt / der Aussage bzw. dem Befehl / der Aufforderung oder in diesen Fällen auch Drohung "Halt deine Fresse sonst…", das ist anders problematisch aber sprachlich klar.

    Entsprechende Akademiker-Eltern erzählen dem Kind "Du Liebstes ich will ja ganz dolle gerne, dass du rumschreist mein Schnuckel, aber wenn du jetzt nicht schön artig und leise bist, dann verhungern die Kinder in Afrika" und im Prinzip meinen die genauso "Halt deine Fresse!", aber sagen was anderes und verwirren damit sprachlich, und zwar am besten auch noch in der Zeit, wo das Kind Sprache erlernt.

    Dagegen sind die neoliberalen Kampfbegriffe und die Qualitätsmedien ja noch fast witzig, vielleicht ist es ja auch andersrum, nämlich so, dass die Neoliberalen in den Think Tanks, die sich sowas ausdenken, und die Journalisten, die sowas verbreiten, genauso von der Sprachverwirrung durch die Erziehung ihrer Eltern geschädigt sind und das dann ausagieren / reinszenieren.
    (und deswegen auch oft so kindisch wirken)
    Vielleicht ist das sowieso eine Henne-Ei-Geschichte, aber von nichts kommt nichts.

  5. Der Begriff "Narzissmus"
    … scheint ja auch den Kommentaren zufolge eine breite Vielfalt an Reaktionen hervorzurufen.
    Zur Einordnung vorneweg; ich lernte diesen Begriff in diesem Zusammenhang durch (die Bücher von) Alice Miller kennen, also auch so, wie sie den Begriff dort verwendet – und so verstehe ich ihn auch, wenn er in anderen (aber verwandten psychologischen) Zusammenhängen verwendet wird.

    Die griechische Sage vom Narziss hat natürlich noch einige Facetten mehr und der Punkt, auf den sich m.E. die psychologische Verwendung bezieht, ist die Verliebtheit in das <b>Spiegel</b>bild.
    Ich finde den Begriff des Narzissmus deshalb zutreffend.

    In der Alltagsprache wird "Narzissmus" auch verwendet gleich "Selbstliebe".
    "Narzissmus" gleich "Selbstliebe" wie in der Alltagssprache ist "positiv"; wenn ein Mensch sich nicht selbst lieben kann, dann kann er gar nichts … also Selbstliebe ist nicht nur schön, sondern Voraussetzung für alles weitere.

    In der psychologischen Verwendung meint "Spiegelung" <b>NICHT</b> das <b>optische</b> Spiegelbild.
    Und auch keine Selbstliebe, denn wo kein Selbst ist … deswegen ja die Verliebtheit in das Spiegelbild.
    Warum da kein Selbst ist? Eyh tut mir echt nicht leid, selber lesen macht schlau, das ist etwas zu viel für einen Kommentar, nebenbei bemerkt bietet KenFM ja ausreichend Anregungen.
    Ob ein Mensch sich selbst liebt, oder ob er das "liebt" (davon abhängig ist wie ein Fixer) was andere Menschen ihm spiegeln, das ist der Unterschied.

    Und wenn nun Einzelne ihren Narzissmus therapieren, ist das gut für sie selber und gut für ihr unmittelbares Umfeld.

    Aber das groooße üüübermääächtiiiige SYSTEM huhuhu die böse große Weltverschwörung … sind nicht die Eltern und deshalb keineswegs so übermächtig.
    Wenn wenigstens das mehr Menschen kapieren würden, weil sie sich therapieren …
    In Funktionsweisen sind Eltern und "System" durchaus ähnlich; darum verirren sich vor allem Untherapierte, aber nicht nur die.

    Woraus besteht denn "das System"?
    Möglicherweise aus Menschen?!
    Und wie sieht "das System" aus Menschen aktuell aus?
    Für finanziellen Reichtum bekommen Menschen gesellschaftliche Anerkennung – positive Spiegelung – von anderen finanziell ärmeren Menschen.
    Was ist ein solches "System", wenn nicht Narzissmus in Reinkultur?
    Würde man "das System" ändern wollen, dann läge nichts näher, als so lange Narzissmus zu therapieren, bis so viele Menschen immun sind, dass Narzissmus als Gesellschaftssystem zusammenfällt wie das Kartenhaus, was es ist, weil dann narzisstische Spiegelung über finanziellen Reichtum nicht nur nicht mehr funktioniert, sondern in weiten Teilen der Gesellschaft als die <b>Krankheit</b> gesehen wird, die es ist:
    Die finanziellen Kaiser sind nicht einfach nur nackt, die finanziellen Kaiser sind schwer krank, denen fehlen derart grundlegende Funktionen, dass diese finanziellen Kaiser regelrecht seelisch behindert sind; da gibt es nichts zu bewundern oder anzuerkennen, das sind bemitleidenswerte Pflegefälle.

    Bestünde eine Gesellschaft aus mehr seelisch sensibilisierten Menschen, würde Anerkennung für echte Qualitäten gegeben, nicht für Äußeres.
    In der (zumindest theoretisch vorhandenen 😉 Fähigkeit u.a. Narzissmus therapieren zu können, darin liegt in diesem Sinne auch die potentielle gesamtgesellschaftliche Heilwirkung von Psychologie.

    You may say Im a dreamer – aber ich müsste Narzisst sein, um mich danach auszurichten, was andere sagen. 😀

    • "Ob ein Mensch sich selbst liebt, oder ob er das "liebt" (davon abhängig ist wie ein Fixer) was andere Menschen ihm spiegeln, das ist der Unterschied." 👌
      Weil von "Sprache" die Rede war: Wie wichtig sie ist, zeigt sich im (erfolglosen) Versuch der herrschenden Medizin, den Begriff Sucht zu ersetzen durch "Mißbrauch, Abhängigkeit…". Angeblich sollte durch Vermeidung des Begriffes "Sucht" eine Stigmatisierung von Süchtigen vermieden werden. Tatsächlich sollte (unbewußt?) die Stigmatisierung des bewußt suchtproduzierenden Systems vermieden werden.
      "Warum da kein Selbst ist?" Wo Sucht ist, da gibt es kein Selbst.
      "Aber das groooße üüübermääächtiiiige SYSTEM huhuhu die böse große Weltverschwörung … sind nicht die Eltern und deshalb keineswegs so übermächtig."
      Eltern dürften in der Geschichte wohl noch nie so "ohnmächtig" gewesen sein wie in unserer Zeit, in der das Konsumsystem schon das Kleinkind zum Konsumenten fixt / mißbraucht. Manche Eltern mögen versuchen, dagegen zu wirken; die meisten sind selbst süchtig. Aber auch schon zu Zeiten Goethes muss der Einfluss der Eltern nicht allzu groß gewesen sein: "Denn wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen." Und: "Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter Genies."

      Die neoliberalen Marktterroristen haben Links vandalisiert und kannibalisiert, was für ihre Zwecke nützlich ist. Nützlich ist vor allem, Neoliberalismus als Links erscheinen zu lassen; nützlich ist auch die Spaltung innerhalb der Familie und Schuldzuweisung an die Eltern. So kommt niemand auf die Idee, dass Eltern mit ihren Kindern vom Konsumterror "gefixt" werden.

      Erich Fromm, Haben oder Sein.

    • @ Tony
      Haha das deutet auf Traditionen hin; Goethe "Denn wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen", denn es bedeutet ja auch, dass schon zu Goethes Zeiten versucht wurde, Kinder nach "unserem" (="erwachsenen") Sinne zu formen.

      Eltern sehe ich weder als allmächtig noch als ohnmächtig, sinngemäß die Kunst zu erkennen, was man machen kann und was einem unmöglich ist und der Mut, das was man machen kann, auch zu tun.

      Eltern waren ja auch mal Kinder und wurden von ihren Eltern geprägt – aber Erwachsene können die Prägung durch ihre Eltern hinterfragen und wenn da schädliches dabei war, müssen sie das nicht weiter geben.
      So würde man von Generation zu Generation das Schädliche minimieren.
      Was mich dabei betrübt:
      Das Wissen von Alice Miller ist seit den 1980er Jahren auf dem Tisch, andere wie Maaz tragen seit den 1990ern dazu bei … andere wie Fromm beleuchten andere Aspekte, so ergeben sich wiederum Zusammenhänge … und immernoch hat die Mehrheit der Bevölkerung offensichtlich nicht die geringste Ahnung; da wurden nicht nur schon die Generationen seit den 80ern weitgehend verloren, sondern auch heute noch werden der heranwachsenden Generation die tradierten Schäden zugefügt – Goethe "Denn wir können die Kinder nach unserm Sinne nicht formen", aber noch heute wird versucht die Kinder zu (ver)formen.
      Dass man heutzutage im Netz, sogar hier auf dem sonst eher geopolitisch ausgerichteten KenFM 😉 die Entwicklung von Kindern und den gesellschaftlichen Zusammenhang thematisieren kann, das ist ein Hoffnungsschimmer, aber die Massen unreflektierter Leute unter den potentiellen/zukünftigen Eltern, die man erreichen müsste … denn nochmal zurück zum ollen Odenschmied:
      Goethe "Wüchsen die Kinder in der Art fort, wie sie sich andeuten, so hätten wir lauter Genies."
      Würde man der natürlichen Entwicklung ihren Lauf lassen, würden aus den Kindern "Genies" werden.
      Also "Genie" wäre normal, alles unter diesem Potential ist verformt, verhindert.
      Hm .. wenn ich mir anschaue, was hier mehrheitlich so für Zombies rumlaufen … okay okay, ich will nicht abgleiten; aber dagegen wirken ganz normale Menschen schon wie Genies. 🙂

    • Selbstliebe ist ein interessanter Begriff. Wer liebt mich denn, wenn ich mich selbst liebe? Ich müsste dazu Subjekt und Objekt der gleichen Handlung sein. Das schafft nur Gott. Wir landen dann doch wieder beim Narzissmus, denn der Mensch liebt in Wirklichkeit das BILD, das er von sich hat. Er muss sich entäußern, ein Gegenüber schaffen, das er lieben kann. Der Mythos von Narziss beschreibt das sehr gut. Der Mensch braucht ein Bild von sich, einen Avatar, damit er durch die Welt der Erfahrung navigieren kann. Er könnte dann auch sein Auto lieben. Es soll ja Menschen geben, die das tun.

    • @ Nevyn

      SelbstLIEBE. Was Sie meinen ist SelbstBEFRIEDIGUNG; so kann der Mensch Subjekt und Objekt der gleichen Handlung sein.

    • @ Nevyn

      PS:
      Oder das, wie von Kant formuliert, als er meinte, die Ehe sei eine Institution zur gegenseitigen Handhabung der Geschlechtsteile.

    • @ Nevyn
      "Ich müsste dazu Subjekt und Objekt der gleichen Handlung sein. Das schafft nur Gott."

      Schöner Einwand. 🙂
      Vom menschlichen Gehirn weiß der Mensch auch noch nicht so viel, aber die Existenz menschlicher Gehirne steht zweifelsfrei fest und so weit man bisher weiß, hat das Hirn verschiedene Areale usw. die sich durchaus gegenseitig aufeinander beziehen könnten.
      Ob Gott existiert … 🙂

      Und ja, es bleibt letztendlich ein Selbstbild, nur woraus sich das speist und wie stabil oder instabil es dementsprechend ist, wieviel Energie es ggf. benötigt … was passiert, wenn es angekratzt wird …

      Nebenbei:
      Das geht vom Psychologischen ins Philosophische; aber wenn man sich so weit für Selbstbild interessiert und falls noch nicht bekannt: Richard David Precht unterhält sich mit Thomas Metzinger, inzwischen ein Klassiker.

  6. Sehen wir von der narzisstische Persönlichkeitsstörung ab – Individualpathologie.

    Narzissten sind emotional stabil, mit sich selbst und ihrem Leben zufrieden, wenn sie ihre Bewunderung kriegen.
    Also, warum sich mit Ihnen beschäftigen?
    Aggression, Destruktivität sind Symptome.

    Fromm befasst sich gesellschaftskritisch mit Narzissmus, indem er den Begriff auf gesellschaftliche Phänomene anwendet, anstatt in der Individualpathologie zu bleiben. Erich Fromm's Analyse richtet sich auf die Gesellschaft. Laut Fromm gewinnen Narzissten einen Bezug zu ihrer Umwelt dadurch, dass sie Macht über sie erlangen.
    Er unterscheidet Selbstliebe als produktive Form des Narzissmus von Selbstsucht als destruktivem Narzissmus.

    Erich Fromm, Die Kunst des Liebens; Anatomie der menschlichen Destruktivität; etc.

    Alexander Lowen; Narzißmus. Die Verleugnung des wahren Selbst:

    "Narzißtische Menschen sind mehr daran interessiert, wie sie anderen erscheinen, als an dem, was sie fühlen. Tatsächlich leugnen sie Gefühle, die dem von ihnen angestrebten Image widersprechen. Da sie ohne Gefühl handeln, neigen sie zu verführerischem und manipulativem Verhalten und streben nach Macht und Herrschaft. Sie sind Egoisten, auf ihre eigenen Interessen ausgerichtet, aber ihnen fehlen die wahren Werte des Selbst – nämlich Selbstausdruck, Gelassenheit, Würde und Integrität. Auf der kulturellen Ebene kann man den Narzißmus an einem Verlust menschlicher Werte erkennen – an einem Fehlen des Interesses für die Umwelt, an der Lebensqualität, an den Mitmenschen. Eine Gesellschaft, die die natürliche Umwelt dem Profit und der Macht opfert, verrät, dass sie für menschliche Bedürfnisse unempfindlich ist. Wenn Reichtum einen höheren Rang einnimmt als Weisheit, wenn Bekanntheit mehr bewundert wird als Würde, wenn Erfolg wichtiger ist als Selbstachtung, überbewertet die Kultur selbst das 'Image', und man muss sie als narzißtisch ansehen.“

    Hans-Joachim Maaz; Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm

    Das Leben unter den Bedingungen des losgelassenen Marktes bringt einen Menschtyp hervor, der dem von Psychiatern wie Cleckley und Hare diagnostizierten „Psychopathen“ ähnelt. Dieser wird als psychisch frigide, oberflächlich charmant, durchsetzungsfähig, fokussiert, skrupellos, ausschließlich an privater Nutzenmaximierung interessiert und empathielos beschrieben. Wer diese Eigenschaften aufweist, hat beste Chancen, sich im neoliberalen Existenzkampf zu behaupten.

    Im neoliberalen Existenzkamp sehen wir die DUNKLE TRIADE von Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie.

    • Das Problem liegt m.E. viel tiefer. Es fängst schon mit dem Begriff "Narzissmus" selbst an. Den haben auch Fromm und Lowen und erst recht Maaz nicht hinterfragt. Und mit einem Begriff, in dem die Verwirrung und der Neoliberalismus schon fest einprogrammiert sind, lassen sich per se keine gesellschaftskritischen Analysen erstellen. Es wird immer so etwas wie Opferbeschuldigung dabei herauskommen.

      In einem Artikel für die "Integrative Therapie" habe ich schon 2008 versucht, das herauszuarbeiten. Solche Begriffe stiften Verwirrung, sind "Wortvergiftung" (Mausfeld). Nach Mausfeld benötigt die Machtpolitik, damit sie sich ungeniert und hemmungslos entfalten kann, eine „moralische Apathie“, die mittels kollektiver Hypnose kultiviert wird. „Das wichtigste Medium für eine solche kollektive Hypnose ist die Sprache. Wer die Sprache beherrscht, also die Begrifflichkeiten und Kategorien, in denen wir über gesellschaftlich-politische [und, so würde ich ergänzen, psychische; K.S.] Phänomene sprechen, hat wenig Mühe, auch uns zu beherrschen. ‚Mit Hilfe der Sprache hält man das Denken in Schach.‘“ (Mausfeld, 2018: "Warum schweigen die Lämmer?", 42 f).

      Der Beitrag für die "Integrative Therapie: https://oedipus-online.de/wp-content/uploads/2018/04/Narziss.pdf

    • "…haben auch Fromm… nicht hinterfragt…": These!?

      "…mit einem Begriff, in dem die Verwirrung und der Neoliberalismus schon fest einprogrammiert sind"…

      Verwirrung: Ihr Konstrukt?! Neoliberalismus fest einprogrammiert: Unhistorisch?!

      "…lassen sich per se keine gesellschaftskritischen Analysen erstellen.." Unhistorisch!? Verdacht: Gesellschaftskritische Analyse soll nicht erstellt werden.

      "…Es wird immer so etwas wie Opferbeschuldigung dabei herauskommen…": Das ist immer das Ergebnis, wenn es gewollt ist – insbesondere im individualpsychologischen, psychoanalytischen Kontext.

      „Das wichtigste Medium für eine solche kollektive Hypnose ist die Sprache.": Ja – und Bilder, Gestik, kulturelle Hegemonie….

      Warum nichts zur Dunklen Triade?

    • PS:

      Weitere Differenzierung zur Dunklen Triade: Dunkle Tetrade umfaßt neben Narzissmus, Machiavellismus und der Psychopathie auch den Sadismus. Cocktail für die destruktive, ausbeuterische Persönlichkeit.

    • Über "Machiavellismus", Psychopathie und "Sadismus" ließe sich ja womöglich noch sprechen. Aber "Narzissmus" ist einfach blanker Unsinn. Das ist so, als würde ich mit "Gandhismus" ein Verhalten bezeichnen, bei dem man mit blutigem Terror, Erpressung und brutaler Unterdrückung die eigene Meinung durchsetzen will.

    • "Aber "Narzissmus" ist einfach blanker Unsinn."

      Das würde ja bedeuten, dass Sie sich professionell mit "blankem Unsinn" ihr tägliches Brot verdienen.

      Und Erich Fromm, der Selbstliebe (Narzissmus) als produktive Form des Narzissmus von Selbstsucht als destruktivem Narzissmus unterscheidet ebenfalls sich mit blankem Unsinn befasste?
      Erich Fromm hat mit dem Unsinn von Fromm aufgeräumt. Dass Sie mit dem Unsinn von Freud, Fromm etc. aufräumen können…..? Mit "blankem Unsinn allein hat sich Fromm jedenfalls nicht begnügt. Ihr pdf habe ich noch nicht gelesen. Mal sehen….
      (Ghandhismus soll auch nicht nur das gewesen sein, wofür man es hielt.)

    • PS:

      Wenn Sie mit "blankem Unsinn" meinen, daß der Begriff "Narzissmus" in der wissenschaftlichen Verwendbarkeit GELEGENTLICH in Frage gestellt wird, so ist für mich "gewaltige Sprachverwirrung" kein wissenschaftliches Argument.

    • Tony
      Ohne jetzt zum einem größeren Wurf auszuholen (möglicherweise beginnt die einseitige Thematisierung der "Schuld" des Einzelnen ja schon mit der Christianisierung; wer das macht käme ins Paradies, wer jenes macht käme in die Hölle), kann man jedenfalls sehen, dass in Hochschulpsychologie, Hochschulmedizin, Hochschuljuristerei die individuelle Verantwortung im Vordergrund steht und von der gesellschaftlichen Verantwortung bestenfalls am Rande erwähnt wird, dass es sowas vielleicht geben könnte.
      Von den so ausgebildeten Hochschulabgängern stellen dann nicht wenige die Funktionseliten.

  7. @Ross Dorn
    >>Wieviel Erwachsenen habe ein Verständnis von Spiritualiztät, das sie ihren Kindern vermitteln könnten und vor allem: >>das es Wert ist vermittelt zu werden?
    Eben dies ist die Frage, d.h. dann aber doch auch, warum mangelt es den Menschen an Empathiefähigkeit, wenn wir voraussetzen das dies ein Ausdruck gelebter Spiritualität ist? Die Antwort darauf dürfte erstmal nicht so leicht zu finden sein. Letzlich bedeutet es mE aber doch, das wir in unserer menschlich körperlichen Form (als eine Ausrucksform spiritueller Erfahrung) der Dualität unterliegen; will sagen: wir machen als (eigentlich) spirituelle Wesen, eine menschliche Erfahrung, nämlich die von Gut und Böse (Dualität). Man könnte hier auch sagen, wir sind geistige Wesen, welche die Beschränkung materieller Existenz machen ("das Drama des begabten Kindes" – aus spiritueller Sicht).
    >>Solange man darunter versteht ein Kind in die "Kirche" der zufälligerweise im eigenen Land herrschenden >>monotheistischen Religion zu schicken, wird jedes etwas tatsächlich begabtere Kind eine Abneigung entwicklen und >>JEDE Spirituaölität für Schwachsinn halten. Dies ist ein Zeichen von Intelligenz.
    "Begabter" unterstellt eine wie auch immer geartete Differenzierung. Aus spiritueller Sicht sind wir aber nicht unterschiedlich begabt, das wäre ein Widerspruch in Sich (siehe oben). Es ist, um bei dem Beispiel zu bleiben, sicher ein Zeichen von emotionaler (oder besser: "spiritueller Intelligenz") sich nicht von wie auch immer gearteten Dogmen verbiegen zu lassen, aber zu der falschen Schlussfolgerung zu kommen, Spiritualität sei Schwachsinn, wäre (psychologisch gesagt) eine Rationalisierung, also eine Ausdrucksform der Abwehr gegen den Versuch der "Verbiegung" – ob und inwieweit der immer gelingt ist aj eine andere Frage, oder nicht?

    >>Es ist eine Frage des Glücks und des Zufalls ob man irgendwann in späteren Leben mal mit der Nase auf etwas fällt, >>das tatsächlich was mit Spiritualität zu tun hat, und dazu kommt noch, dass dies zum richtigen Zeitpunkt passiert, >>also wenn man offen für so etwas ist… was ja allein bereits keine einfache Sache ist.
    Glück und Zufall sind mE nur Worte ohne eigentliche Bedeutung insofern sie auf etwas nicht erklärbares verweisen. Wenn wir davon ausgehen, das Leben die Erfahrung ist, als körperliches Empfiindungswesen die gesitige Verbindung zum ursprünglich spirituellen Wesen wieder erlangen zu können (oder "müssen"), erübrigen sich mE alle Spekulationen über Glück und Zufall.
    Die Aufgabe, die eigene spirituelle Wesenheit (wieder) zu erfahren ist ganz sicher keine leichte Aufgabe. Und ja, es ist das, was wir manchmal mit dem Begriff Schicksal verbinden. Unser Schicksal liegt insofern "in unseren eigenen Händen", als das Schicksal uns jederzeit die Möglichkeit deutlich macht, selber den Weg zu wählen, den wir einschlagen, denn die Seele ist immer um einen Ausgleich bemüht (siehe bspw. "Krankheit als Weg"). Im Grunde kann jeder (körperliche oder geistige) Widerstand ein Zeichen sein. Im Grunde wissen wir das, weil wir eben spiritueller Natur sind. Eben drum:
    >>Es ist ausserdem meine Erfahrung, dass man ohne Therapie., die zumindest einen Teil des Mülls, mit den man von >>der Gesellschaft (gerade heute!!!!) vollgeschissen wird, wegräumt damit die nötige Freiheit da ist Spiritualität in sich >>reinzulassen.
    Jeder geht da seinen Weg und ob mit oder ohne Therapie, das Ziel ist dasselbe.

    >>Die zT Klugscheisserei der beiden Damen hat dabei sicher niemandem geholfen. 😉
    Naja, was wir als "Klugscheisserei" bezeichnen ist ja doch immer von subjektiven Aspekten begleitet – das kann man doch drehen und wenden, wie man gerade will. Wenn wir uns bewußt machen, das Beurteilungen immer Ausdruck unserer mentalen Realität, also unserer dualistischen Erfahrungswelt sind, können wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen: " das Drama des begabten Kindes". 😉

  8. Begeisterung! Fantastisch! Wer ist Lena Lampe? Sie ist super kompetent, sehr gut im Thema, sehr angenehme Gesprächsführung! Tolles Thema! Bärbel Wardetzki ist so im Thema. Glückwunsch, für mich jetzt "Tor des Monats" bei Ken FM.

    • Absolut! Klingt alles gut, sieht gut aus und ist schööön langsam und entspannt – also auch mal was für die Klassikliebhaber und weniger Hardrock 😉

      Kompliment und bitte mehr davon!

    • …und morgen sprechen wir darüber, warum der Mensch ein Tier ist um damit der Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung zu entgegnen 🙂

    • Unstillbare Gier:
      Bedürfnisse eines Kindes, die nicht im passenden Moment der Entwicklung gestillt wurden.

      Da kryptisch drumrum zu "dichten" als ob jedes zeilentechnisch unterbrochene Gestammel mit bedeutungsschweren Worten schon Lyrik wäre, das ist auch nur Verdrängung.

    • Es heißt nicht: "Bleibt Kinder!" sondern: "Werdet wie die Kinder!" Das kann man erst, wenn man erwachsen, also reif geworden ist. Entwicklung geschieht durch Negation der Negation, nicht dadurch, dass man sich weigert, seine Infantilität zu überwinden.

    • Mmh … Worum geht's denn in dem Gedicht? Um wessen Gier?

      Ist es die Gier der Mächtigen und Superreichen? Da würde ich sofort zustimmen.

      Oder ist es die (angebliche) "narzisstische Gier" oder "orale Gier", durch die "wir alle" uns seit Geburt auszeichnen, die (angeblich) in der Phase des "primären Narzissmus" (= Säuglingszeit) in "uns allen" zum Tragen kommt?

      Letzteres ist grober Unfug, den der alte Sigmund Freud 1914 in die Welt gesetzt hat, und der von seiner treuen Gefolgschaft bis heute gebetsmühlenartig wiederholt wird – ganz im Dienst des Neoliberalismus: Jede/r ist an seinem Unglück selbst schuld! (Sie/Er hätte sich ja damals, in der "primaärnarzisstischen Phase", ein wenig zusammenreißen können.)

    • Mal abgesehen davon, dass sich in der Kombination von solchen "Künstlern" und Narzissmus die seelische Fehlfunktion geradezu plakativ darstellt …

      In Projektionen und Reinszenierungen solcher "Künstler" ist auch immer der deutliche und laute Hilfeschrei der missbrauchten Kinderseele des "Künstlers".
      Diesen Hilfeschrei spüren Menschen, die sich selber therapiert haben, und zwar als ob wortwörtlich ein Kind vor Schmerz schreit, denn genau das ist es, nur auf einer Ebene transportiert, die Untherapierten und darum Unsensiblen (einschließlich des "Künstlers" selbst) unzugänglich ist.
      Das Problem ist: Was kann man da machen?
      Man kann es benennen:
      <b> Das ist KEINE Kunst, das sind Projektionen und Reinszenierungen, dort schreit ein Mensch um Hilfe, dort braucht ein Mensch Hilfe </b>
      Nur wird das aus bestimmten Gründen (Abwehr des Schmerzes ist die Hauptfunktion der Verdrängung) nicht beim Betroffenen ankommen, also beim "Künstler".
      Der "Künstler" wird weiter laut um Hilfe schreien und weiter die Hilfe verweigern … um so lauter um Hilfe schreien und um so verzweifelter die Hilfe verweigern … ein gefährlicher Kreislauf, nicht wenige "Künstler" starben und sterben an psychosomatischen Todesursachen, schade eigentlich Therapie ist im Prinzip einfach, darum: mit Projektionen und Reinszenierungen zum Therapeuten gehen!
      Bleibt der "Künstler" in diesem Kreislauf hängen – Hilfe zu verweigern und um so lauter danach zu schreien – bleibt eine intensive Belästigung anderer Menschen durch diese "Kunst" übrig.

      Aber die Menschen, die den Hilfeschrei spüren – die Therapierten – sind auch gleichzeitig diejenigen, die gelernt haben sich nötigenfalls zu wehren, eben auch gegen unsinnige Belästigungen.
      Ich würde es so verkürzen:
      Wer um Hilfe schreit, soll Hilfe erhalten.
      Wer Hilfe verweigert, soll nicht danach schreien und andere belästigen.

      Oder auch:
      "Scheißen Sie oder machen Sie das Klo frei!"
      (sinngemäß aus "Gottes Werk und Teufels Beitrag", dort natürlich in anderem Zusammenhang, aber der Kern bleibt der gleiche)

      Die Projektionen und Reinszenierungen solcher "Künstler" sind oft sehr aussagekräftig in ihrem psychologischen Gehalt, das richtige Publikum dafür sind Therapeuten.
      (Und die werden dafür bezahlt, sich sowas anzutun, und haben selber nochmal psychologisches Backup.)

      Und ja, ich habe eine Abneigung gegen solche "Künstler" und die speist sich auch noch aus einem weiteren Grund:
      Es gibt weniges, wo Kunst so lebt – leben KÖNNTE – wie auf offener Bühne oder bei offenem Mikrophon.
      Aber offene Bühnen und offene Mikrophone ziehen diese Vogonen an wie Licht die Motten und die Mücken.
      Leute, die zu dumm sind Projektionen und Reinszenierungen zu bemerken, aber glauben, sie würden "Kunst" machen und müssten ihre "Kunst" unbedingt publik machen; solche geistig wie künstlerisch minderbemittelten entern jede offene Bühne und jedes offene Mikrophon.
      Wunderbare Veranstaltungen, wo Kunst leben könnte, werden von zu vielen Vogonen in den Schlamm unbewussten¹ Projizierens und Reinszenierens gezogen und schon allein darum sind solche vorgeblichen "Künstler" zum Kotzen.

      ¹ Wenn ein Mensch seine Projektionen und Reinszenierungen bemerkt und verarbeitet, ist das eine andere Ebene, nämlich eine reflektierte und da kommt man Kunst und Künstlern schon sehr viel näher … so sehr viel näher, dass das ein völlig anderes Thema ist.

    • Mario FM
      "Sagt ein Erwachsener der zwar erwachsen geworden aber nicht reif ist? Oder erwachsen geworden aber kein Kind geblieben ist?"

      Sie bieten mir zwei Antwortmöglichkeiten an, die mich beide abwerten würden, wenn ich darauf in der vorgegebenen Form eingehen würde.

      Wenn Sie bewusst so reagieren (auf meinen Kommentar), dann wollen Sie mich bewusst auf irgendein Glatteis locken. Aber wozu, was sollte das bringen … selbst Achtjährige kriegen Sie nicht mehr mit Schäfermatt überlistet, also wenn Sie bewusst nach "Erwachsener←→Kind" fragen würden, ergäbe Ihre plumpe Suggestivfrage keinen Sinn.

      Wenn Sie unbewusst so reagieren, dann entsteht die Frage, woher kommt das?
      Das Muster ist (siehe oben) Antwortmöglichkeiten anzubieten, die abwertend sind.
      Wie entstand bei Ihnen das Muster so zu reagieren?
      Projektion und Reinszenierung … sind von großem Wert, wenn man kapiert hat, was sie sind.

    • @ Andreas

      Na, vielleicht muss nicht die ganze Kunst auf die Bank des Therapeuten. Aber immerhin schrieb Goethe:

      "Um Prosa zu schreiben, muß man etwas zu sagen haben. Wer aber nichts zu sagen hat, der kann doch Verse und Reime machen, wo denn ein Wort das andere gibt und zuletzt etwas herauskommt, das zwar nichts ist, aber doch aussieht, als wäre es was."

      Er schrieb aber auch: "Das Wort verwundet leichter, als es heilt."

      Und:
      "Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen."

      😆

    • @ Tony: Allein den Begriff "Narzissmus" zu benutzen bedeutet, die Geschichte nicht verstanden zu haben. Wer sich nur ein klein wenig mit dem Begriff und seiner Geschichte beschäftigt sollte erkennen (zumindest als Fachmann), dass er vollkommen widersinnig ist. Deshalb gehört er abgeschafft.

      Was soll mit "unhistorisch!?" gemeint sein?

      Dass Fromm besonders kritisch mit Freud gewesen sein sollte, kann ich nicht erkennen. Er übt zwar leise Kritik, bestätigt ihm jedoch auch immer wieder Größe und tolle Entdeckungen, wie z.B. den Narzissmus. Der sei "ein Beitrag von größter Bedeutung zum Verständnis der Menschheit". (Ich glaube, seine KollegInnen Horney oder Ferenczi waren da weitaus kritischer.) Grotesk zu meinen, Freud habe den "Narzissmus nicht primär als sexuelle Perversion, (nicht) als sexuelle Verliebtheit in den eigenen Körper verstanden." Es ist genau umgekehrt. Als Freud den "Narzissmus" erstmals nachweislich in den Mund nimmt, da lobt er den Beitrag von Isidor Sadger, der den "Narzissmus" als "Verliebtheit in die eigenen Genitalien" versteht. Für Freud sind – neben Frauen und Müttern – auch Perverse und Homosexuelle die typischen Repräsentanten des "Narzissmus". Freuds schmieriges Geschwätz von 1914 kann man nicht allen Ernstes – wie Fromm – als großartige Entdeckung preisen. Wer so etwas macht, hat einiges nicht verstanden. (Oder stellt sich dumm.)

    • @ Klaus Schlagmann

      Unhistorisch: "Neoliberalismus fest einprogrammiert"

      Achten Sie doch bitte auf die Sprache, dann gibt es vielleicht keine "Sprachverwirrung" ; und dann kann vielleicht vermieden werden, dass Fromm "schmieriges Geschwätz" in den Mund geschoben wird.

      Unterscheidung: SELBSTLIEBE als produktive Form des Narzissmus von SELBSTSUCHT als destruktivem Narzissmus.

    • "Wer aber nichts zu sagen hat, der kann doch Verse und Reime machen, wo denn ein Wort das andere gibt und zuletzt etwas herauskommt, das zwar nichts ist, aber doch aussieht, als wäre es was"

      Exakt:

      Doch die wahre Macht,
      die uns regiert,
      ist die schändliche,
      unendliche,
      verzehrende,
      zerstörende
      und ewig unstillbare Gier.

      Nichts außer Projektion und Reinszenierung, aber das kryptische Gestammel sieht dank einiger Zeilenumbrüche aus, als wäre es was.

    • Der Narzissmus durchzieht die ganze Gesellschaft. Du wirst nicht angenommen und geliebt, weil du ein Teil der Menschheit bist sondern weil du Eigenschaften hast, die dich in den Augen der Anderen mehr oder weniger nützlich für sie erscheinen lassen. Sie lieben nicht dich sondern deine Nützlichkeit für Ihre wie auch immer gearteten Bedürfnisse. Damit machen sie dich zum Objekt ihrer bewussten oder unbewussten Wünsche. Deine Subjektivität müssen sie dazu abtöten, das passiert meist schon in sehr jungen Jahren. Narzissten sind "tot", sie spielen nur Mensch, sie tun als ob. Quasi künstliche Intelligenzen. Sie verehren alles Tote: Autos, Handys, Häuser. Das Lebende ist ihnen im Weg. Wer das sehen kann, der wundert sich nicht über die Auswüchse dieser Gesellschaft. Man lese dazu Erich Fromm.

  9. Schönes neues Format; Kens Interview-Stil und Lenas Art sind so anders, dass sie wie Gegensätze zusammen eine runde Sache ergeben, in Fernost würde man sagen Jing und Jang.

    Ein Buch mit der Verknüpfung von Geschehen und psychologischer Erläuterung zu schrieben finde ich eine gute Idee, gerade um Leuten, die bisher noch nicht so viel davon gehört haben, das Thema so rüberzubringen, dass sie die Bedeutung für ihr Leben entdecken (können).
    In der knappen Stunde die Buchstory chronologisch durchzugehen gelingt zwar m.E., aber dadurch bleiben die einzelnen Aspekte jeweils nur kurz angerissen. Ob es besser sein könnte, sich drei Punkte herauszusuchen und die etwas mehr vertiefen zu können, das kann ich nicht beurteilen, aber als Anregung denken. Solche thematische Einschränkung fiele mir persönlich schwer, aber ich mache ja auch keine Stunden-Sendungen. 🙂

    Zum Begriff "Narzissmus" schrieb Alice Miller sinngemäß:
    Wenn ein Tor einen Stein in den Fluss wirft, holen hundert Weise diesen Stein nicht wieder heraus.
    Also der Begriff muss schon damals (als A. Miller ihre früheren Bücher schrieb) verschieden zwischen Alltagssprache und Fachsprache gewesen sein und damit missverständlich: wenn der Begriff von der Fachsprache einfach so in die allgemeine Debatte geworfen wird und jeder, der den Begriff mal irgendwie von weitem gehört hat und seine persönliche Vorstellung davon hat und mit der wiederum in der allgemeinen Debatte den Begriff sonstwie verwendet … (wenn der Stein in den Fluss geworfen wird), dann wird der Begriff für die fachspezifische Verwendung innerhalb der Alltagssprache auf alle Zeiten unbrauchbar (holen ihn hundert Weise nicht wieder heraus).
    Wahrscheinlich darum schrieb A. Miller immer von <b>narzisstischer Bedürftigkeit</b> (oder so ähnlich? 😉 ) und da wird im Zusammenhang (wenn man A.Miller gelesen hat) klar, wo das Problem liegt, nämlich in dieser Art Bedürftigkeit.
    (Jeder spiegelt sich gerne, aber wenn die Eltern die Spiegelung des Kindes in der Art brauchen (diese Art Bedürftigkeit), dann ist was grundsätzlich verkehrt.)

    Frau Wardetzkis Veranschaulichungen finde ich auch eingängig; da hat es wieder was, an der Handlung des Buches zu beleuchten was jeweils der "Narzissmus" ist, nur eben in der knappen Stunde so viele Punkte so kurz anreißen … ein übliches Problem bei komplexeren Themen.

  10. Wieviel Erwachsenen habe ein Verständnis von Spiritualiztät, das sie ihren Kindern vermitteln könnten und vor allem: das es Wert ist vermittelt zu werden?
    Solange man darunter versteht ein Kind in die "Kirche" der zufälligerweise im eigenen Land herrschenden monotheistischen Religion zu schicken, wird jedes etwas tatsächlich begabtere Kind eine Abneigung entwicklen und JEDE Spirituaölität für Schwachsinn halten. Dies ist ein Zeichen von Intelligenz.

    Es ist eine Frage des Glücks und des Zufalls ob man irgendwann in späteren Leben mal mit der Nase auf etwas fällt, das tatsächlich was mit Spiritualität zu tun hat, und dazu kommt noch, dass dies zum richtigen Zeitpunkt passiert, also wenn man offen für so etwas ist… was ja allein bereits keine einfache Sache ist.

    Es ist ausserdem meine Erfahrung, dass man ohne Therapie., die zumindest einen Teil des Mülls, mit den man von der Gesellschaft (gerade heute!!!!) vollgeschissen wird, wegräumt damit die nötige Freiheit da ist Spiritualität in sich reinzulassen.

    Die zT Klugscheisserei der beiden Damen hat dabei sicher niemandem geholfen. 😉

  11. Super Format in gewohnter Qualität. Lena Lampe mit eigener Sendung. Jetzt haben Name und Stimme endlich auch ein Gesicht.
    Lustigerweise war das bei Ken genauso. Die ersten Jahre, als er noch bei Radio Fritz war, kannte man da auch nur den Namen und die Stimme.

  12. Frauenpower bei KENFM. Sehr schön.
    Vielleicht wird Narzissmus deswegen als relativ normal empfunden, weil wir in einer durchweg narzisstischen, also kranken Gesellschaft leben. Da erscheint der Kranke normal und der normale, nicht narzisstische Mensch krank. Nur die Übertreibung des Symptoms wird dann noch als anormal empfunden. Wer die richtige Dosis von Abartigkeit findet und obendrein intelligent ist, der wird "super erfolgreich" im Sinne dieser Gesellschaft. Lauter Helden mit viel Kohle in der Tasche und einem Vakuum im Herz.

    So bewegen sich die Gedanken um das "Selbstwertgefühl", dass man dazu nutzt, sich möglichst teuer auf dem Arbeitsmarkt zu verkaufen. Fehlidentifikation. Wenn man aber einen Menschen als außerhalb von Werten betrachtet, also ihn nicht bewertet, wie unsere Gesellschaft das pausenlos tut, dann ändert sich das Bild. Ich brauche keinen Selbstwert, dann gibt es auch kein zu viel oder zu wenig sondern es genügt, dass es mich gibt. Das befreit einen vom Zwang, sich ständig spiegeln zu müssen, um seinen angeblichen Wert festzustellen, auf dem Heiratsmarkt, auf dem Arbeitsmarkt, auf dem Unterhaltungsmarkt.

    Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass es mich in einem tieferen, schwer fassbaren Sinne gar nicht gibt. Ich stehe zwar in der Kausalkette meines Tuns aber außerhalb jeder Bewertung. Alles ist Erfahrung und nur darum geht es letztlich. Alles ist gleich gültig. Mir ist klar, dass viele das als abnorm ansehen und ich kann gut damit leben.

    Im Übrigen halte ich Therapie für wichtig. sie ist der Anfang wenn auch nicht das Ende auf dem Weg zu sich selbst. Jeder Mensch hat unbewusste Themen und blinde Flecke, die ihm ein geschultes Gegenüber sichtbar machen kann. Wenn Psychologie sich als Weg zur Selbsterkenntnis versteht und nicht nur als Reparaturwerkstatt zur Herstellung einer funktionsfähigen Form von Normopathie, dann beginnt sie, nützlich zu werden. Dann kann es gelingen, dass man in immer tiefere Schichten seines Seins eindringt und mit zunehmender Erkenntnis ein nicht unbedingt leichteres aber erfüllteres Leben zu führen in der Lage sein wird.

    • Hm .. ein Stück weit beleuchtet Psychologie der frühen Kindheit auch immer die gesellschaftliche Situation der Eltern, also diesen kleinen Teil der Gesellschaft.
      Das ist dann, wenn das ehemalige Kind erwachsen genug ist die ernsteren Fragen zu stellen, zwar schon einige Jahre her, muss aber gesellschaftlich noch lange nicht Geschichte sein.

      In unserer liberal (im Sinne von Adam Smith; jeder ist seines Glückes Schmied) überformten Gesellschaft wird die Frage so herum gestellt:
      Was ist am Einzelnen falsch, dass er krank ist?
      Aus indigenen Gesellschaften ist die Frage anders herum bekannt:
      Was ist am Umfeld des Kranken falsch, was diesen krank macht?
      Und das mal eben von einer Dorfgemeinschaft auf einen 80-Millionen-Staat zu übertragen ist Abstraktion, aber ich finde, beide Arten die Frage zu stellen sind wichtig und hier in unserer "westlichen" Gesellschaft kommt oft nur die eine Art zu fragen vor.
      (Und auch nur so herum nach "krank", was "gesund" macht dazu gibts üblicherweise eher nur Ernährungstipps^^ )

    • @ Andreas: "Aus indigenen Gesellschaften ist die Frage anders herum bekannt: Was ist am Umfeld des Kranken falsch, was diesen krank macht?"

      Das kann ich nur 100% unterstützen. Und für diese Weisheit musst du nicht einmal bis zu irgendwelchen Naturvölkern gehen, sondern es ist genau das, was ein Josef Breuer in Wien vor ca. 140 Jahren praktiziert hat. Sein Ansatz (z.T. noch aufgegriffen von dem Schweizer Ludwig Frank in den 1920er Jahren) setzt genau diese Sichtweise um. Er hat das erfunden, was er selbst "Psychanalyse" (ohne "o") nennt. Allerdings ist das natürlich ein Konzept, das den Mächtigen der Welt überhaupt nicht in dem Kram passt. Es wurde dann von Sigmund Freud mit seiner "Psychoanalyse" erfolgreich ins genaue Gegenteil verkehrt. (Siehe auch mein Kommentar zu "meinsenfdazu" – https://kenfm.de/der-freie-fall-mit-baerbel-wardetzki-thema-narzissmus/#comment-170824.)

    • @ Klaus Schlagmann
      Individuelle Verantwortung und gesellschaftliche Verantwortung sind für mich insofern keine Gegensätze, als dass sie sich gegenseitig bedingen.

    • @ Andreas

      "Individuelle Verantwortung und gesellschaftliche Verantwortung sind für mich insofern keine Gegensätze, als dass sie sich gegenseitig bedingen."

      Im herrschenden dualistischen Paradigma des Entweder-Oder muss das Sowohl-Als-Auch oder auch das Weder-Noch immer wieder zu seinem Recht verholfen werden, und dann gelingt vielleicht der nächste Schritt von der Eindimensionalität zur Mehrdimensionalität.

  13. Ich bin seit 4 Jahren mit einer "Sonja" zusammen, die vorher über 20 Jahre mit einem "Frank" zusammen war. (Fast paralleler Fall, jedoch zum Glück ohne Ausübung häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch, der Rest ist nahezu identisch)
    Zwischen der Trennung von ihm und unserem Zusammenkommen lagen noch einmal 4 Jahre. Sie ist also seit 8 Jahren nicht mehr mit diesem Frank zusammen. Was mich zu Anfang für sie so attraktiv gemacht, das ich def. kein Frank bin, ist mit zunehmender Dauer unserer Beziehung ein Problem. Und diesen (indirekt geäußerten Wunsch) nicht zu bedienen ist garnicht so leicht, es äußert sich so subtil, und deshalb ist die Gefahr, da klammheimlich rein zu rutschen, nicht zu unterschätzen.
    Ich möchte damit sagen: diese Leute suchen und finden sich, sind beide Täter und Opfer (wenn man diese Begriffe benutzen will). Und natürlich ist das blaue Auge der Frau spektakulärer, und bedient zeitgemäße Interpretationen der Mann-Frau Beziehung mainstreammeinungsgerecht, aber nur weil Demütigungen, Zurückweisungen, Vergleiche usw. nicht so eindeutig messbar sind. Und schön das es anklang zum Schluss, denn es ist ein Tabuthema: Es gibt reichlich körperliche Gewalt von Frauen gegen Männern (von Vergewaltigungen habe ich persönlich jedoch nie gehört). Warum man nicht drüber spricht? Es wiederspricht dem Rollenbild. Kein Mann möchte sich unter Freunden diese Blöße geben, und – Hand auf's Herz – welche Frau steht auf einen Mann der sich von seiner Frau verprügeln läßt? Es ist noch ein weiter Weg… ich bin überzeugt, die dominierneden KEN-FM Themen (Geopolitik & Machtmissbrauch etc.) habe letztlich hier ihren Ursprung – in der (unharmonisierten) Frau – Mann Polarität.

    • Beziehungen sind sozusagen der Ernstfall, wenn man so will; ich kenne niemanden, der nicht in Beziehungen an Grenzen gestoßen ist – aber ich kenne auch einige, die daran gereift sind.
      Ich warne mal vorneweg: Das ist regelrecht gefährlich, da kann sonstwas passieren, aber wenn in einer Beziehung beide wissen, was Projektionen und Reinszenierungen sind, dann könn(t)en auch beide daran reifen.
      (Und im Idealfall entstünde daraus ein echt(er)es Verständnis des anderen, im Extremfall krachts dermaßen, dass es die Beziehung zerreißt; man nenne mich Zyniker aber no risk no fun.)

      Den Punkt zu Geopolitik sehe ich ähnlich.
      Dass letztendlich geopolitische Konflikte mit dem Kompensationsversuch (frühkindlichen Mangels) der jeweiligen Macht- und Funktionseliten zu tun haben – und es darum auch so oft zur Monthy-Phyton-Nummer wird – dafür ist die Reihe der Indizien lückenlos.

    • "Ich möchte damit sagen: diese Leute suchen und finden sich, sind beide Täter und Opfer". Eine besondere Beobachtung, und zweifelslos richtig! So viele Menschen identifizieren sich mir der Sklaven Rolle und wollen auch nicht Master sein. Es erscheint irrational, aber diese Leute sind glücklicher, wenn sie es ihnen schlecht geht. Mancher Hund will Mensch sein und umgekehrt!

    • "Es ist noch ein weiter Weg… ich bin überzeugt, die dominierneden KEN-FM Themen (Geopolitik & Machtmissbrauch etc.) habe letztlich hier ihren Ursprung – in der (unharmonisierten) Frau – Mann Polarität."

      Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Nach Marija Gimbutas ist dieses Problem ca. 8.000 bis 10.000 Jahre alt. Durch die damals einsetzende Entwertung von Frauen und eine Patriarchalisierung der Welt entstehen zwangsläufig Konflikte auf der Paar-Ebene. In diese werden dann auch Kinder ganz schnell mit hineingezogen und als Partnerersatz instrumentalisiert. (Ausführlich dargestellt in "Ödipus – komplex betrachtet" bzw. auf meiner Webseite: https://www.oedipus-online.de.)

      Der alte Freud hat mit seinem "Ödipuskomplex" praktisch die Wirklichkeit auf den Kopf gestellt. Seine Theorie vom "Ödipuskomplex" (wie auch vom "Narzissmus") mündet letztlich in einer systematischen Opfer-Täter-Umkehr. Das wiederum ist die gedankliche Grundlage für einen "Neoliberalismus der Psychosomatik": Jeder Mensch ist an seinen psychosomatischen Problemen selbst schuld. Das passt den Mächtigen dieser Welt wunderbar ins Konzept.

      Der kluge Erfinder der "Psychanalyse" (ohne "o"), Josef Breuer, hatte dagegen 1880/81 ein sehr revoliutionäres Konzept entwickelt: Gewalt macht krank! Unterdrückung, Entwertung, Einengung, … führt zu psychosomatischen Symptomen. Er half seinen PatientInnen (am bekanntesten Bertha Pappenheim – Pseudonym "Anna O.") ihre eigentlichen Gefühle wahrzunmehmen und unbefangen zum Ausdruck zu bringen. Dadurch konnten massivste Symptome aufgelöst werden.

      Freud hat seinem Mentor dann dieses Konzept entwunden und seine – völlig konträre – "Psychoanalyse" daraus geschustert. Eines der größten Verhängnisse in der Menschheitsgeschichte. Hätte sich Breuers Sicht durchgesetzt, unsere Welt wäre heute eine sehr viel bessere und schönere. Aber offenbar wussten mächtige Kreise dies zu verhindern.

  14. In diesem Gespräch von Bärbel Wardetzki mit Len Lampe über ein Beziehungsdrama werden einzelne Aspekte z.T. richtig beleuchtet. Aber was hat es mit diesem seltsamen Begriff „Narzissmus“ auf sich, der einerseits Menschen mit gesundem Selbst-Bewusstsein beschreiben soll, andererseits auch egozentrische Monster? Wird hier nicht ganz schnell heillose Verwirrung gestiftet? Nach Wardetzki sind „wir alle“ irgendwie narzisstisch. Aber weiß sie denn überhaupt, wovon sie spricht? Ich behaupte: Nein.

    Narzissmus ist ein Begriff, der bereits seit seiner Entstehung ziemlich unklar ist. Der englische Sexualforscher und Privatgelehrte Havelock Ellis spricht 1898 von einer „Narziss-artigen Tendenz“. Der deutsche Psychiater Paul Näcke greift dessen Idee auf und „übersetzt“ 1899 die „Narziss-artige Tendenz“ mit „Narcismus“. Wenn die beiden jedoch von entsprechenden Phänomenen sprechen, meinen sie im Grunde jeweils ganz Unterschiedliches. Sie beziehen sich aber immerhin in einer Weise auf den zugrundeliegenden griechischen Mythos von Narziss, die noch relativ unproblematisch ist.

    Das wird jedoch anders, als sich die Schüler Sigmund Freuds dieses Begriffes bemächtigen. Freud selbst schließlich entwickelt daraus sein „Konzept“ von Narzissmus (1914), der sich vor allem bei Größenwahnsinnigen und Schizophrenen, Kindern und Primitiven, Homosexuellen und Perversen sowie Frauen und Müttern finde. Interessant, dass der sympathische Narziss aus dem Mythos jeweils gerade NICHT in diese acht Kategorien hineinpasst.

    In gläubiger Gefolgschaft, im vermeintlichen Wissen um das, was „Narzissmus“ ausmacht, „analysiert“ Wardetzki auch den (sehr übersichtlichen) Mythos von Narziss. Das, was sie dabei (in: „Eitle Liebe“) an Unverständnis gegenüber dieser fiktiven Gestalt an den Tag legt, verschlägt mir beinahe die Sprache. Meine Kritik an Wardetzkis Position ist z.B. in dem folgenden Video zum Ausdruck gebracht: https://www.youtube.com/watch?v=yLakYz_7r0U

    Ich wünsche mir von meinen FachkollegInnen: Macht endlich Schluss mit dieser unglaublichen Verwirrung! Ihr produziert das, was Mausfeld „Wortvergiftung“ nennt. Es ist letztlich ein Projekt des Neoliberalismus, das den Menschen vermittelt: Ihr seid alle an eurem Glück oder Elend selbst schuld!

    • Sehr geehrter Herr Schlagmann,
      Sie beziehen Ihre Kritik der "Wortvergiftung" (ich weiß jetzt nicht, was Herr Mausfeld konkret damit meint) auf den Begriff der "narzisstischen Persönlichkeitsstörung", wenn ich Sie richtig verstehe. Ich selbst bin kein Therapeut, kenne jedoch das ICD und DSM ein wenig und frage mich, ob nicht das ganze Begriffskonzept derselben als verwirrend zu bezeichnen ist. Aus meiner persönlichen Sicht ist das Konzept (also nicht nur der Begriff "narzisstische Persönlichkeitstörung") auch ein Ausdruck von Machtanspruch und -durchsetzung, also eine politisch-ideologische Frage. DIe Diagnostik basiert auf dem Konzept der TP, die einerseits festlegt, wer diagnostizeren kann oder darf und anderseits, wer, wieviel für eine Therapie bezahlt. Nun nehmen die TP´ler (Analytiker) für sich in Anspruch zu wissen, was "die Welt im Innersten zusammenhält", während andere sich dem mE sehr fragwürdigen Verfahren der Begutachtung unterziehen müssen (Kasssenzulassung, Berichte an den Gutachter, ect). Und was die Begrifflichkeiten angeht, scheint mir eine klare Trennung nicht wirklich möglich zu sein.
      Ich selber habe rund ein- bis zweihundert solcher Berichte verfasst (um die Jahrtausendwende wurde das, wie Sie vrmutlich wissen, sehr häufug nachgefragt, auch, wenn ich selbst es "nur" im privaten Rahmen tat) ohne jemals von einem Gutachter grundlegend kritisiert worden zu sein.
      Ist das Konzept der Persönlichkeitsstörungen (im Zweifel) also nicht eher soetwas wie "nützliche Fiktion"?

    • @ Ross Dorn: Ja, ich finde auch ärgerlich, wenn Positionen, die aus meiner Sicht wirklich (und belegbar) unangemessen bis schädlich sind, so unkritisch verbreitet werden. (Da ist zwar die Möglichkeit zur kritischen Diskussion ein mögliches Korrektiv, aber wer ilest sich schon immer durch alle Kommentare durch.

      Eine sehr kritische Haltung habe ich auch gegenüber dem von KenFm interviewten Hans-Joachim Maaz. Letztlich vertritt auch er eine neoliberale Position im pseudokritischen Gewand (https://oedipus-online.de/wp-content/uploads/2019/05/Maaz-Unbehagen.pdf). Auch mit seiner Narzissmus-Position habe ich mich per Video auseinandergesetzt (https://www.youtube.com/watch?v=jGMoJ9KnPFY).

      @ Phonac: Ja, ich stimme zu. Das ganze Diagnostik-System ist verwirrend. Es gibt jedocjh m.E. spezielle Konzepte, die besonders verwirrend sind. Da ist m.E. an allererster Stelle der Begriff "Narzissmus", "narzisstisch", "narzisstische Störung", … zu nennen. Dieses Etikett lässt sich ratzfatz jedem Menschen mit gesundem Selbst-Bewusstsein anhängen. Ich hatte mal mit einem Klienten zu tun, dem es in einer Therapie (von bald 600 Stunden) am Ende schlechter ging als zuvor. Er hatte im pädagogischen Bereich gearbeitet und hatte sich über seine unengagierten KollegInnen aufgeregt. Die Leiterin der Einrichtung hatte ihm dabei keinerlei Rückhalt geboten, Er wurde systematisch ausgegrenzt und "gemobbt". Dadurch kam es zu Bluthochdruck und anderen Symptomen. In der psychoanalytischen Therapie bekam er attestiert, er sei eine "narzisstische Persönlichkeit"; er würde seine eigenen Aggressionen nach außen projizieren, um sie dort bekämpfen zu können. (Das ist eine typische Art der Opferbeschuldigung in der analytischen Psychotherapie.) Der Klient hatte sich verzweifelt gegen die Unterstellungen gewehrt und um Verständnis für seine Sicht geworben. Vergeblich. Die bescheuerten Anträge des analytischen Kollegen, in denen all diese Unterstellungen festgehalten sind, wurden unbeanstandet vom Gutachter abgesegnet.

      Aus meiner Sicht lassen sich durchaus manche Begriffe sinnvoll verwenden, um eine Problematik zu beschreiben – damit auf dieser Grundlage eine Lösung gesucht wird. Und es macht natürlich einen großen Unterschied, ob ich eine Symptomatik als "Persönlichkeitsstörung" auffasse oder als "chronifizierte posttraumatische Belastungsstörung". Letzter Begriff wird der Not, die diese Menschen erlebt haben, m.E. von vornherein sehr viel mehr gerecht.

    • @ Klaus Schlagmann

      "…In der psychoanalytischen Therapie bekam er attestiert, er sei eine "narzisstische Persönlichkeit"…

      Man hört unter "Therapierten", dieses "Attest" werde spätestens in der dritten Sitzung erteilt.

    • @ Tony: Ja, ein beliebtes therapeutisches Schimpfwort, mit dem sich diejenigen TherapeutInnen ihren Misserfolg erklären, die bei ihrem Klientel mit ihren hohlen, besserwisserischen Phrasen nicht so gut ankommen.

    • @ Phonac
      "das ICD und DSM"

      Akademische Elfenbeintürme und kranke Kassen; Musterbeispiele für kollektive Ausprägungen psychischer Fehlfunktionen. 😀

    • <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/klaus/' rel='nofollow'>@Klaus</a> Schlagmann
      Danke für die Rückmeldung!
      Ich war über Ihre eingnas formulierte Kritik "gestolpert", weil sie für mich unklar war (und immer noch ist):
      >>Es ist letztlich ein Projekt des Neoliberalismus, das den Menschen vermittelt: Ihr seid alle an eurem Glück oder >>Elend selbst schuld!
      Eine Formulierung, die sich mE nicht auf den Neoliberalismus reuduzieren läßt. Mein Blick richtet sich hier auf die (westliche) Denkart, die grundlegend darauf gerichtet ist zu objektivieren, also zwischen (einem fiktiven) "Subjekt und Objekt" unterscheidet. Hier liegt für mich sozusagen die eigentliche Wurzel der, wie Sie es nennen "Wortvergiftung".
      Wenn die Kategorisierungen eine "nützliche Fiktion" sind, ganz gleich, ob wir vor diesem Hintergrund Differenzierungen einzelener Kategegorien ("Narzissmus") als mehr oder weniger sinnvoll betrachten mögen, dann stellt sich doch die grundlegende Frage, warum machen "wir" das eigentlich – oder nicht? Insbesondere wenn wir (gemeinsam) feststellen, welch hahnebüschener Unsinn dabei herauskommt (ihr Patitientenbeispiel). In der Praxis ist es doch letztlich auch nicht entscheidend, ob formal vorweg so oder so klassifiziert wurde.
      PTBS mag da zwar freunlicher (Sie sagen: "sinnvoller") klingen, unterliegt aber derselben dualistischen Denkart, die eine wie auch immer geartete Objektivität postuliert und damit Deutungshoheit beansprucht. Das ist mE Machtanspruch und -durchsetzung – ob Neoliberal oder nicht. Deshalb meine Frage nach der "nützlichen Fiktion".

      Bewusstsein gibt es für mich nur einmal, d.h. dann auch, da wo Bewusstsein in der Mehrzahl postuliert wird, entsteht unweigerlich eine Ansamlung von Macht und das notwendig dazugehörige Machtvakuum, welches sich im Alltag bspw. als Mobbingerfahrung oder "seelisches Etikett" widerspiegelt. Insofern finde ich auch Begriffe wie "Übertagung und Gegenübertragung" als halbherzig. Und Neoliberalismus ist deshalb aus meiner Sicht ebenso nur ein Aspekt grundlegend falscher Denkart.

    • @ Phonac: Mir ist in meiner Arbeit erstmal egal, ob es so etwas wie ein "höheres" oder "gemeinsames" oder wie auch immer zu nennendes Bewusstsein gibt. Das klingt mir etwas esoterisch, ohne dass ich irgendwas dagegen hätte – es ist nur nicht so mein Ding.

      Für mich wäre schon viel gewonnen, wenn die Begriffe im Umgang miteinander klar wären, wenn Kommunikation eher funktioniuert, weil darin Respekt vor dem anderen wie auch Bewusstsein für sich selbst ihren festen Platz haben (die "gewaltfreie Kommunikation" lässt dafür m.E. gebrauchen (aber auch missbrauchen, wie ich schon erlebt hatte).
      Im therapeutischen Kontext ist m.E. schon sehr wichtig, mit welchen "Begriffen" man die Welt des Gegen+übers zu "begreifen" versucht. Da können Begriffe und Konzepte eben "stimmen", und man kommt der "Wahrheit" irgendwie näher (das ist aus meiner Sicht wirklich sehr wichtig!), oder die Begriffe stimmen nicht, und man stiftet bei den Betroffenen noch mehr Verwirrung, als sowieso schon da ist. Und es ist tatsächlich aus meienr Sicht SEHR wichtig, wie man "vorweg klassifiziert".

      Es gibt ein intressantes Experiment von Rosenhan (1973). Er und sieben weitere gesunde Menschen (drei Psychologen, ein Maler, eine Hausfrau, ein Kinderarzt, ein Psychiater und ein graduierter Student) stellten sich in der Aufnahme verschiedener psychiatrischer Kliniken vor. Sie berichten, sie hätten Stimmen gehört, die zum Teil unverständlich gewesen seien, zum Teil aber auch deutlich „leer“, „hohl“ und „Bums“ gesagt hätten. Zu allen weiteren Fragen machten sie wahrheitsgetreue Angaben. Ihre Aufgabe war es, selbst für ihre Entlassung zu sorgen, indem sie die MitarbeiterInnen der Klinik von ihrer Gesundheit überzeugten.
      Die durchschnittliche Behandlungsdauer betrug 19 Tage. In keinem Fall wurde den „PatientInnen“ bei der Entlassung Gesundheit bescheinigt, stattdessen „Schizophrenie“ oder „manisch-depressive Psychose“ (meist mit dem Zusatz „in Rückbildung“).
      In manchen Abschlussberichten sei problematisches Verhalten regelrecht erfunden worden, um die eigene Diagnose zu bestätigen. Ironie dieses Experiments: Die einzigen Menschen, die erkannten, dass es sich bei den „PatientInnen“ um gesunde Menschen handelte, waren die Insassen der psychiatrischen Kliniken.

      Heißt: Es macht durchaus Sinn, sich über bestimmte Phänomene zu unterhalten. Aber manche Begriffe, Diagnosen, Glaubensüberzeugungen u.s.w. machen auch blind für die Realität. Beim Begriff "Narzissmus" ist von Beginn an die Verwirrung fest mit eingebaut. Da heben zwei Männer 1898/99 den Begriff aus der Taufe (Havelock Ellis und Paul Näcke), sind sich aber schon direkt uneinig, was genau sie da jeweils eigentlich mit bezeichnen wollen.

      Näcke war übrigens – mit den besten Argumenten – ein entschiedener Gegner der Freudschen Ideologie. Ich vermute, dass der alte Siggi sogar Näckes Tod (1913) abgewartet hat, bevor er sich dessen Begriff 1914 unter den Nagel gerissen und die Verwirrung noch ins uferlose gesteigert hat. (Näcke wäre ihm wohl gewaltig in die Parade gefahren, wenn er die Geburt des Freud'schen Narzissmus-Begriffs noch miterlebt hätte.)

      Die Frage, warum machen wir das eigentlich – ich habe verstanden: die Welt, Dinge, gesellschaftliches Geschehen, persönliche Befindlichkeiten u.s.w. zu kategorisieren – stelle ich mir nicht wirklich bzw. da habe ich schnell eine Antwort bei der Hand: weil es nützlich ist, tatsächlich sinnvoll. Wir brauchen m.E. Konzepte, wie sich möglichst große Gerechtigkeit herstellen lässt, wie faire und konstruktive Kommunikation zwischen Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen hinzubekommen ist, wie gesunde, ökologische Techniken in den unterschiedlichsten Bereichen zu entwickeln sind, wie möglichst zerstörungsfreies Wirtschaften und Handeln zu bewerkstelligen ist, wie gute Erziehung und Bildung bzw. Kranken und Altenpflege aussehen soll u.s.w. Dazu brauchen wir Begriffe und Konzepte. Und zwar richtig gute. Wenn wir die nicht haben, dann können wir uns nicht darüber verständigen.

      Und nochmal: Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich jemand als "Narzissten", "Boderliner" oder "antisoziale Persönlichkeit" einsortiere, oder als Menschen mit einer chonifizierten posttraumatischen Belastungsreaktion.

      "Übertragung" und "Gegenübertragung" sind übrigens m.E. auch Begriffe, die eher von TherapeutInnen im Abwehrkampf gegen das Offenbarwerden eigener Inkompetenz eingesetzt werden. Außerdem spiegelt sich darin ein ziemlich selbstherrlicher Anspruch, als TherapeutIn ganz im Mitelpunkt des Geschehens zu stehen, anstatt den Fokus bei den Betroffenen zu lassen.

    • @ Klaus Schlagmann
      Nachdem mir anfangs nicht klar war, was genau Ihre Kritik am Begriff "Narzissmus" ist (soviel zu sprachlicher Verwirrung), entsteht im Verlauf dieser interessanten Diskussion der Eindruck, es ist vor allem der Umgang damit als Diagnose, wie leichtfertig nicht wenige Therapeuten Menschen einen Stempel verpassen.

      Dazu meine Sicht auf diese Dinge; ich habs nicht studiert, das ist mehr eine prinzipielle Überlegung.
      Mal als Beispiel:
      "Narzissmus" – woher kommt die Abhängigkeit von äußerer Bestätigung? → bestimmte Erziehungsmethoden
      "Paranoia" – woher die Angst? → bestimmte Erziehungsmethoden
      Wenn man Kriegs-Traumatisierungen o.ä. mal weglässt, weil es das hier glücklicherweise kaum gibt (bei einigen Zuwanderern), läuft es doch meistens klassisch auf die frühe Kindheit hinaus und da eben auf bestimmte Erziehungsmethoden.
      Bei dem einem ehemaligen Kind treten später Symptome von "Narzissmus" auf, bei einem anderen ehemaligen Kind treten später Symptome von "Paranoia" auf – aber das können beides Folgen gleicher oder ähnlicher Erziehungsmethoden (unter ähnlichen Umständen / in ähnlichen Umfeldern) sein.
      Und für eine klassische analytische Psychotherapie geht es doch darum, an die Ursachen ranzukommen, da wäre es so gesehen völlig egal, ob da "Narzissmus" oder "Paranoia" draufgestempelt wird – nur eben in dem Moment für den, der den Stempel kriegt, leider nicht.

      Darum:
      Mit dem Begriff "Narzissmus" habe ich trotzdem kein Problem (für diese Art, von äußerer Bestätigung abhängig zu sein, finde ich den Begriff passend).
      Ihre Kritik am Umgang mit dem Begriff als Diagnose, die unterstütze ich.
      Dass diese Therapeuten nun gleich neoliberale Sprachverwirrung stiften würden ist nicht meine Wellenlänge (meine Wellenlänge wäre eher, was diese Therapeuten an sich selbst noch zu therapieren hätten), aber wie mit leichtfertigen Diagnosen Menschen abgestempelt werden, und zwar Menschen, die Hilfe suchen, weil sie in einer Situation sind, in der sie gerade solches Abgestempelt Werden als vorletztes brauchen; das ist auf jeden Fall zu kritisieren.

    • ps:
      " "Übertragung" und "Gegenübertragung" sind übrigens m.E. auch Begriffe … "

      Ein sich therapierender Mensch projiziert Gefühle auf den Therapeuten – er "überträgt" diese Gefühle auf den Therapeuten.
      Semantisch finde ich am Begriff "Übertragung" nichts auszusetzen.

      Vorausgesetzt, dass es das Ziel einer psychoanalytischen Therapie ist, an verdrängte Gefühle heranzukommen, diese bewusst machen zu können, dann ist die Stelle, wo ein sich therapierender Mensch Gefühle auf den Therapeuten projiziert – diese Gefühle "überträgt", die "Übertragung" stattfindet – ein wesentlicher Moment der Therapie.
      Was soll daran falsch sein? In dem Moment zeigen sich Gefühle, an die versucht wird ranzukommen, also bis dahin alles richtig gemacht.

      Die "übertragenen" Gefühle lösen wiederum Gefühle im Therapeuten aus, die dieser dann auf den Klienten richtet – auf den Klienten "überträgt", "Gegenübertragung".
      Auch hier sehe ich semantisch nichts auszusetzen.

      " … die eher von TherapeutInnen im Abwehrkampf gegen das Offenbarwerden eigener Inkompetenz eingesetzt werden."

      Wie TherapeutInnen mit diesem wesentlichen Moment der Therapie umzugehen verstehen, ob sie darin inkompetent sind oder die Kunst beherrschen, da mag sich die Spreu vom Weizen trennen.
      Aber nur weil TherapeutInnen semantisch einwandfreie Begriffe verwenden gleich Inkompetenz zu unterstellen …

    • Quelle:
      Kungfutse (Konfuzius): Lun Yu. Gespräche:
      Dsï Lu sprach: »Der Fürst von We wartet auf den Meister, um die Regierung auszuüben. Was würde der Meister zuerst in Angriff nehmen?« Der Meister sprach: »Sicherlich die Richtigstellung der Begriffe.« Dsï Lu sprach: »Darum sollte es sich handeln? Da hat der Meister weit gefehlt! Warum denn deren Richtigstellung?« Der Meister sprach: »Wie roh du bist, Yu! Der Edle läßt das, was er nicht versteht, sozusagen beiseite. Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht; stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande…"

      Herr Schlagmann: "…brauchen wir Begriffe und Konzepte. Und zwar richtig gute. Wenn WIR die nicht haben, dann können WIR uns nicht darüber verständigen."

      Einverstanden, aber:
      Sie kommen vom Begriffe "HABEN" (WER? WIR?) zu sich verständigen (WER? WIR?). Ich meine der Weg führt umgekehrt von verständigen (WER? WIR?) zu richtigen Begriffen, dann zu Worten, die stimmen, dann zu Werken, die stimmen.

      Das Problem ist: WER die "richtigen" Begriffe HAT.

      Daher die IRONIE "dieses Experiments: Die einzigen Menschen, die erkannten, dass es sich bei den „PatientInnen“ um gesunde Menschen handelte, waren die Insassen der psychiatrischen Kliniken."

      Den Begriff abschaffen zu wollen (wegen "Sprachverwirrung" ) scheint mir ein Phänomen des "Zeitgeistes" zu sein, welcher behauptet, der Weg führe vom Begriff (WER HAT DIE HOHEIT DER BEGRIFFSDEFINITION?) zur Verständigung.
      Die Agenda ist offensichtlich.

      Sprachwissenschaftler pflegten einst Goethe zuzustimmen:
      "Keiner versteht den anderen ganz, weil keiner bei demselben Wort genau dasselbe denkt wie der andere."
      Daß es heute Sprachwissenschaftler im Dienste des Marktes gibt, die das bewährte Prinzip, daß das was im Duden steht nur eine ORIENTIERUNG ist, aufgegeben haben, das ist ein ernstes Dilemma. Auf dem Weg zur Diktatur.

      Ich erlaube mir in jedem Fall, dieses Prinzip aufrecht zu erhalten; daher erlaube ich mir zu fragen: Woher kommst Du?
      Was genau meinst du mit Narzissmus? Ich finde, wir sollten über Verständigung zu den Begriffen kommen.

      NB: Menschen mit Etiketten zu versehen ist wie Waren mit Etiketten zu versehen.

    • @ Klaus Schlagmann
      Angeregt durch diese Diskussion noch was: richtige Diagnose / falsche Diagnose …
      Es könnte schon ein Fehler sein, dass ein Therapeut eine Diagnose stellt.
      Nicht nur dass dadurch ein Gefälle auf der Beziehungsebene entsteht, mit dem u.U. sogar noch gearbeitet werden könnte, was aber auch im Weg stehen könnte.
      Der sich therapierende Mensch muss selber herausfinden, was mit ihm ist.
      Diese Erfahrung (das aus eigener Kraft herauszufinden, Selbstwirksamkeit), ist u.a. wesentlich dafür, dass der Mensch die Introjekte elterlicher Erziehung ausräumen kann, dass der Mensch fühlen kann, was kommt aus ihm selbst, wie fühlt sich das an – und was spukt in ihm herum, ist aber von außen reingesetzt und gehört da gar nicht hin, wie fühlt sich das an.
      Diese "Energie" ist wichtig für die "Heilung".
      (Mit der Sprache, die ein bekannte Hirnforscher pflegt; dann – wenn der Mensch es aus eigener Kraft herausfindet, Selbstwirksamkeit erlebt – werden die Botenstofe ausgeschüttet, die neue Synapsenverschaltungen ermöglichen.)
      Das muss aus dem sich therapierenden Menschen selber kommen, der Therapeut soll ermöglichen, dass das gelingen kann.
      Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber einer der Fehler, die gemacht werden können, dürfte sein, dass der Therapeut eine Diagnose zu stellt und damit dem sich therapieren wollenden Menschen diese wesentliche Möglichkeit, Selbstwirksamkeit zu erfahren und selber herauszufinden, nimmt.

      (Und das habe ich jetzt sicherlich nicht erfunden, das steht bestimmt so ähnlich auch seit Jahrzehnten in der einschlägigen Literatur, aber die habe ich nicht bei mir rumstehen … 😉

  15. Zum Mensch Sein gehört es, nicht perfekt und fehlbar zu sein. So kann es auch keine perfekten Eltern geben. Das Drama entsteht nicht etwa, weil Menschen Fehler machen, sondern in irgendwelchen (narzisstischen) Illsionen verhaftet bleiben, also ihre vermeintlichen Ideale zum Maßstab erheben, die von niemandem erfüllt werden können. (Darauf wurde hingewiesen.) Die Begabung eines Kindes nicht zu erkennen ist ein Kennzeichen solcher Art Rationalisierung und weist auf einen Mangel an Empathie.
    Miller´s Analysen (wie bspw auch Freud´s) sind vor allem vor dem Hintergrund der Geschicht zu sehen.
    Einer der Kamentatoren wies hier auf den mangelden spirituellen Hintegrund der TP bzw. Psychologie hin – das sehe ich auch so. Miller hat bspw. zwar erkannt das Kinder generell als begabte Wesen auf die Welt kommen, aber sieht den spirituellen Hintergrund eben nicht. In diesem Zusammenhang wurde hier im Gespräch auch das Thema Täter-Opfer nicht klar genug dargestellt. Täter sind eben immer auch Opfer und Opfer immer auch Täter. Das sollte zwar auch durch dieses Gespräch klar geworden sein (Abhängigkeit, Komlementarität, ect.) , bleibt aber in gewisser Weise oberflächlich, da die Erkärungen und Beschreibungen (klassisch) "funktionalistisch" bleiben. Es ist wie in vielen Bereichen, in der die Trennung von DU und ICH, Innen und Aussen als unumstößliches Dogma erhoben ist und bleibt.
    Es wurde nicht geasgt, der "negative Narzissmus" führe zur Depression, sondern die Depression sei eine Art negativer Narzissmus. weeil die Art der Selbstdarstellung einen anderen, gegensätzlichen Charakter aufweist.
    Unverständlich scheint mir, warum Depressive Menschen sich einen wie auch immer gearteten Größenwahn wünschen sollten!?
    All you need is Love and Selfconfidence – oder, alles menschliche Verhalten gründet auf dem Wunsch, geliebt und anerkannt zu werden. Im Positiven, wie im Negativen.

  16. Die immer wieder mal auftauchenden Bemühungen der Redaktion, die Ursachen menschlichen Handelns zu erklären, finde ich grundsätzlich toll. Dennoch ist bei Allem, das bisher dabei heraus gekommen ist, der Erklärungsversuch noch zu sehr in der klassischen Psychologie angesiedelt. Ich glaube, ohne die ganzheitliche Wahrnehmung des Seins, und dessen partiellen, aber substanziellen Bereich des Egoverstandes zu erkennen, kann kein wirkliches Verstehen entstehen. Alice Miller zu zitieren, ist ungefähr so, als würde ich hier bei Petroleumlicht sitzen. Wobei ihre Erkenntnisse der menschlichen Psyche sicherlich zutreffen. Dennoch umfassen sie eben nur einen kleinen Teil der gesamtem "Katastrophe". Lena Lampes Artikel vor einigen Wochen ist mir schon total positiv aufgefallen. Und ja, sie ist echt süß, da schmelze ich wie Fett in der Pfanne hinweg. Hoffentlich sehen wir sie jetzt öfter!

    • @ Oli Soravia
      "…der Erklärungsversuch noch zu sehr in der klassischen Psychologie angesiedelt. Ich glaube, ohne die ganzheitliche Wahrnehmung des Seins, und dessen partiellen, aber substanziellen Bereich des Egoverstandes zu erkennen, kann kein wirkliches Verstehen entstehen."

      "Klassische Psychologie" bewegt sich, wenn man es so sehen will, in westeuropäischen Denkmustern. Aber gut, man hat ja selbst im "Westen"" schon davon gehört, dass es noch andere Arten zu Denken gibt.

      Ich persönlich komme ja schon auf "partiellen, aber substanziellen" nicht klar – was denn nun?! entweder partiell oder substantiell, bitte entscheiden was nu! – aber das könnte ich ja mal mein begriffliches Problem sein lassen … und mich dem widmen, was es bedeuten soll:
      Was können Ergänzungen im Sinne von "ganzheitliche Wahrnehmung des Seins, und dessen partiellen, aber substanziellen Bereich des Egoverstandes zu erkennen" sein?

    • Hallo Andrea,
      ich bemühe mich auch, anhand der „ganzheitliche Wahrnehmung des Seins, und dessen partiellen, aber substanziellen Bereich des Egoverstandes zu erkennen“ wirkliches Verstehen in mir entstehen zu lassen. Allein, es gelingt mir nicht.
      Ich scheitere schon an banalen Fragen hinsichtlich der deutschen Grammatik. Aber ich bemühe mich zu verstehen:
      „dessen“ kann sich ja nur auf das „Sein“ beziehen und nicht auf die „ganzheitliche Wahrnehmung“. Andernfalls müsste es ja „deren“ heißen.
      Was also ist „der partielle, aber substanzielle Bereich des Egoverstandes“ des „Seins“?
      Ich bitte um Aufklärung, Oli Soravia.
      PS: Falls es sich nur um einen Tippfehler handeln sollte – was wäre dann „der partielle, aber substanzielle Bereich des Egoverstandes“ der „ganzheitlichen Wahrnehmung“? Da hätte ich auch Erklärungsbedarf.

    • <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/andreas/' rel='nofollow'>@Andreas</a> und W. Schürer. Sorry, bin erst jetzt wieder online. Das Offensichtliche und auch menschlich nachvollziehbare Hindernis ist, dass der menschliche Verstand ständig versucht, alles über das Denken und seine Identifikation mit Gedanken und deren Assoziationsmustern zu erklären. Die Lösung liegt im genauen Gegenteil: Erst in der Ablösung vom Verstand, bzw. dem Egoverstand, kann das Sein erfühlt, und nicht erdacht werden. Und dies ist absolut möglich, in unseren Breitengraden jedoch selten angewandt. Als einfaches Beispiel mag das Folgende dienen: Gesetz dem Fall man könne seine Gedanken, egal welcher Natur, von jetzt auf gleich abstellen, was wäre die Konsequenz? Gäbe es Vergangenheit, Zukunft, Sorgen, Narzissmus etc….? Nein. Bis wir nicht realisieren in der Illusion von Gedanken zu existieren, anstatt zu sein, bzw. zu leben, wird sich nichts ändern können. Die Antwort liegt in der Achtsamkeit. Dem Beobachten der Gedanken. Dem Bewusster werden. Descartes hat mit dem stetig zitierten Credo "Ich denke, also bin ich" nichts anderes als den Egoverstand ungewollt erklärt. Es ist aber das genaue Gegenteil: Solange ich denke, kann ich nicht sein. Noch kurz zu partiell und substanziell: Gemeint ist damit, dass der Egoverstand in der Ganzheit des menschlichen Seins eigentlich nur einen geringen Anteil hat, dieser jedoch von der menschlichen Psyche als das einzige Teil überhaupt illusioniert wird, und daraus resultierend substanziell wird. Diese Sichtweise, bzw. Lebensphilosophie, die ich selber noch vor einigen Jahren im Leben nicht für möglich gehalten hätte, weil auch ich nur in den Gedanken informiert und identifiziert war, ist mit klassischen "Informationen" auf kognitiver Ebene nicht zu erörtern. Der Verstand ist nichts anderes als ein Tool. Vergleichbar mit einem Musikinstrument. Man kann erlernen es zu stimmen, es zu spielen – ganz Wenige jedoch haben einen echten "Ton" – und vor allem kann man es einfach in die Ecke stellen, wenn es anfängt zu nerven. Die meisten Menschen jedoch existieren in einem Status der Kammertonstimmung eines gesamten Orchesters. Das meine ich nicht bewertend, eher feststellend, und auch nachvollziehend. Da wir von Anfang an im Denken anstatt im Sein programmiert werden. Jegliche Diskussionen zum eigentlichen Thema "Warum handelt der Mensch, wie er handelt" etc. ist auf der peripheren Ebene psychonanalytischer Erklärungsmuster immer nur an der Oberfläche kratzend. Warum? Weil wir alleine damit wieder nur bestätigen innerhalb des uns gedanklich vorgegebenen Rahmens die Ursachen und Erklärungen zu finden, bzw. meinen 100%ig darum zu wissen. Ich könnte hier nur endlos texten, aber verschone Euch jetzt, nachher könnte noch der Eindruck entstehen, meine Motivation liege im Ego :-).

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