DER FREIE FALL mit: Heinz-Peter Röhr (Thema: „Selbstliebe“)

Unser Selbstwert! Was genau ist das eigentlich? Und woher beziehen wir unser persönliches Selbstbild? Gibt es geheime Programme, die wie automatisch in uns ablaufen und uns in unserem Denken, Fühlen und Handeln negativ bestimmen, uns förmlich sabotieren? Und wenn das so ist, wie können wir neue Programme entwickeln, um im Leben mit uns selbst und mit anderen besser zurecht zu kommen und zufriedener zu leben?

All diese Fragen stellen wir dem Pädagogen und Autor, Heinz-Peter Röhr, in der 5. Ausgabe von „DER FREIE FALL“.

Heinz Peter Röhr hat über 30 Jahre an der Fachklinik Fredeburg/Sauerland mit Suchtmittelabhängigen psychotherapeutisch gearbeitet. Er ist Autor zahlreicher erfolgreicher Büchern zu den Themen Sucht, Abhängigkeit und Selbstwert.

In seinem aktuellen Buch „Unser Selbstwert – Die Kunst sich selbst wertzuschätzen“ erklärt er uns die Bedeutung unserer frühkindlichen Programmierungen, die wir noch im Erwachsenenalter mit uns herumtragen und gegen die wir unbewusst mit unterschiedlichen Strategien zeitlebens ankämpfen, solange uns die Antworten auf die drei zentralen Fragen fehlen:

War ich willkommen?
Habe ich meinen Eltern genügt?
Bin ich satt geworden?

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Inhaltsübersicht:

0:02:33 Das Selbstwertgefühl

0:11:37 Ersatzbefriedigungen im Alltag

0:20:38 Lob, Anerkennung, Akzeptanz – Methoden für ein neues Selbstwertgefühl

0:28:26 Das innere Kind

0:32:40 Persönlichkeitstypen und die Fähigkeit zur Selbstliebe

0:46:56 Abhängige Persönlichkeitsstrukturen – emotionaler Missbrauch

0:52:51 Selbstvergebung und Verzeihen

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6 Kommentare zu: “DER FREIE FALL mit: Heinz-Peter Röhr (Thema: „Selbstliebe“)

  1. Die allgemeinen Sätze von Röhr sind richtig und unproblematisch. Es gibt alte Programme und Gegenprogramme. Programme, die auch nicht einfach zu ändern sind.

    Wenn ich aber ein wenig hinter die Fassade dieses scheinbar freundlichen Erzähl-Onkels sehe, dann offenbart er ein erschreckendes Ausmaß an Verständnislosigkeit.

    Beispielsweise nennt er in seinem Narzissmus-Buch Professor Otto F. Kernberg als seinen Lehrmeister. Röhr kommt am Ende seines Vortrags ja auch auf Schuld und Schuldgefühle zu sprechen. Er empfiehlt – zu Recht! – diese Schuldgefühle abzustellen. (Dass hier die Methode des „Gedankenstopps” helfen würde, wie Röhr treuherzig meint, wage ich einmal zu bezweifeln! So einfach lassen sich die alten Reflexe i.d.R. NICHT austricksen! Der Mensch funktioniert in aller Regel NICHT über den Verstand!)

    Nehmen wir einmal im Kontrast Kernbergs Aussagen über die SCHULD: Kernberg spricht im Jahr 1997 (und er publiziert es – leicht umformuliert – zwei Jahre später) von einer (unkonkret) unter 10 Jahre alten Grundschülerin. Sie ist von ihrem Vater vergewaltigt worden. Nach Kernberg hat sie diese Situation (wörtlich!) „in typischer Weise … als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter” erlebt! Und: Sie müsse „ihre SCHULD tolerieren”! Diese unter 10 Jahre alte Grundschülerin bekommt also in einer Therapie bei Röhrs Lehrmeister eingeredet, sie habe Schuld auf sich geladen. Sie habe nämlich die Vergewaltigung durch ihren Vater als einen sog. „ödipalen”, sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter erlebt. (Ein Ausschnitt zu dieser Passage ist im Originalton hier zu hören: https://oedipus-online.de/index.php/videos-kernberg-u-a/ ab ca. Min. 15:00.

    Kernberg hat übrigens auch noch die Verständnislosigkeit zu formulieren: Die Betroffene müsse auch lernen, „sich mit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestuösen Vaters” zu „identifizieren” – was für ekelhafte Vorstellungen Herr Kernberg auch immer in seinem kranken Hirn damit verbinden mag.

    Dies nur ein kleiner Schlenker zu Röhrs Lehrmeister.

    Jetzt aber auch zu Röhr selbst. Kurz gesagt: In seiner Deutung des Märchens „Der Eisenofen” lässt er jede Wertschätzung für den verhexten Prinzen vermissen. Dabei ist die Dynamik der Geschichte ziemlich eindeutig und schnell erzählt. Ein Prinz hat einen Deal mit einer Prinzessin, die bei ihm – der in einem Eisenofen gefangen ist – vorbeikommt. Er wird sie retten (sie hat sich hoffnungslos verlaufen und ist mit den Nerven völlig am Ende), wenn sie umgekehrt ihn rettet und heiratet. Die Prinzessin gibt ihr schriftliches Einverständnis. Sie wird sogleich gerettet. Und dann? Dann bricht SIE zweimal die Vereinbarung. SIE bemüht sich, den Prinzen hinters Licht zu führen. Nur eine Drohung bringt sie dazu, ihr Wort zu halten.

    Dann ist sie aber sogleich total begeistert von dem befreiten, funkelnden Prinzen. Die beiden treffen eine weitere Abmachung: Drei Worte für den Abschied vom Vater. MEHR nicht! Und – man wird sich’s denken können: Die Prinzessin bricht ERNEUT die Abmachung. Da ist es dem Prinzen zu blöd. Er zieht sich zurück. Mit der Prinzessin, die sich einfach nicht an Abmachungen halten kann, will er nichts mehr zu tun haben. Er macht dabei keinen Aufstand, kein Gezeter. Er ist einfach weg.

    Jetzt tut’s der Prinzessin aber richtig leid. Sie legt sich jetzt wirklich ins Zeug, um den Prinzen noch einmal zu erreichen. Als ihr das nach etlichen Mühen tatsächlich gelingt, ist ER sofort wieder bereit, ihr ein weiteres Mal zu verzeihen. Ein ziemlich unkomplizierter, cooler Prinz also.

    Röhr versteht diese Geschichte komplett falsch. Für ihn ist der Prinz der Böse und die wortbrüchige Prinzessin die Gute. Wer solch eine übersichtliche (fiktive) Geschichte missversteht, der wird bei den sehr viel komplexeren realen Lebensgeschichten noch sehr viel leichter auf Abwege geraten. Gerade, wenn man dann noch von einem Otto Kernberg als Lehrmeister gesteuert wird.

    Eine ausführliche Beschäftigung mit Röhrs „Eisenofen”-Buch unter https://narzissmus-diskussion.de/?page_id=616. Ähnlich auch als Video: https://www.youtube.com/watch?v=7X7Mum-ho0o

    • Mir war Heinz Peter Röhr sympathisch, daher will ich hier mal ein anderes Empfinden anbieten. Ich habe das Märchen nicht gelesen, nur die Beschreibung im og yt gehört.

      Der Ausgangspunkt ist doch der, das zwei Menschen in sehr verschiedenen Lebenslagen aufeinandertreffen – die Königstochter hat sich verlaufen und findet nicht mehr heim, daß heißt sie ist erst seit kurzem aus ihrem funktionierenden haltgebenden sozialem Umfeld gerissen wohingegen der Prinz im Eisenofen seit Jahren in Isolation auf sich alleingestellt lebt und vermutlich schon um nicht verrückt zu werden sich eine distanzierte Haltung zugelegt hat.

      Jetzt gibt er ihr einen Tip, wie sie wieder nach Hause findet und sie verspricht ihm dafür seinen Wunsch zu erfüllen. Sein Wunsch ist, das sie ihr gesamtes weiteres Leben weggibt – an ihn.
      Auch wenn auch ich ein großer Freund des verläßlichen Wortes bin, sind das nicht sehr verschiedene Gaben?

      Wieder zu Hause .. schickt sie ihm zu seiner Befreiung nicht irgendwen, sondern durchaus attraktive Partien. Was genau macht sie so einzigartig für ihn das er die anderen nicht annehmen kann?

      Schließlich kommt sie, um ihr (in meinen Augen unverhältnismäßiges) Wort einzulösen und er verlangt daß sie ihre bisherigen Lieben mit 3 Worten! nicht etwa mit 3 Tagen Abschiedszeit! verlässt. Dafür muß man wirklich ziemlich wenig fühlen..

      Soweit meine Sicht. Das in irgendwelche medizinischen Raster einzuordnen kann ich nicht und halte ich auch nicht für sehr sinnig. Märchen sind so interpretierbar, daß sich viele darin wiederfinden. Vielleicht ist "Froschkönig" ähnlich.

    • @ Alcedo: Vielleicht in Ruhe in meinem angegebenen Text nachlesen.

      Wenn ich jemandem ein Beziehungsversprechen gebe, dann kann ich doch schlecht sagen: "Ach, ich hab's mir anders überlegt. Nimm doch bitte die andere. Die ist doch auch ganz hübsch." (Und nebenbei: "Ob die sich wirklich auf dich einlassen will ist mir egal. Ich weiß, dass sie sich dir gegenüber nicht verpflichtet hat. Aber das ist doch nicht so wichtig.")

      Das mit den "drei Worten" ist – wie so vieles im Märchen – vermutlich symbolisch zu verstehen. Es bedeutet vermutlich so etwas wie Entschlossenheit. Kurz und knapp: "Ich heirate ihn!" "Ich ziehe aus!" Oder so ähnlich. Der Vater hat nämlich den Hang, seine Tochter an sich zu binden. Er bestärkt sie in ihrer Wortbrüchigkeit. (Solche Dynamiken findet man durchaus in Familien. Natürlich nicht in allen.)

      Märchen und Mythen haben m.E. sehr oft eine psychologische Bedeutung. (Sie können natürlich eventuell auch auf einer anderen Ebene oder auf mereren Ebenen zu verstehen sein.) Wenn sie eine psychologische Bedeutung haben, dann sollten diese FIKTIVEN "Lebensgeschichten" auch so präzise wie möglich verstanden werden. Das ist wie in der Psychotherapie. Da geht es um die – meist sehr viel komplexeren – REALEN Lebensgeschichten von Menschen. Auch diese Lebensgeschichten sollte man als Therapeut/Therapeutin verstehen können, um heilsam Einfluss nehmen zu können.

      Die Geschichte vom Froschkönig ist übrigens in Bezug auf das väterliche Verhalten genau gegenteilig: Hier drängt der Vater die Prinzessin zur EINHALTUNG ihrer Zusagen. Es ist eine ganz andere Familiensituation. Auch die Thematik ist ein wenig anders gelagert. Aber auch hier geht's natürlich um Beziehung – und um das, was zu ihrem Gelingen erforderlich ist.

  2. >>Wir bekommen die selbstzweifel ab der Schulzeit ja dann scheinbar förmlich anerzogen.
    Stimmt.
    Das eigentliche Problem scheint mir gleichwohl, das (westliche) Konzept des Selbst. Es ist eine Erfindung des Intellekts oder des Ego, das grundlegend Grenzen zieht, oder anders gesagt, von Idealisierung und Abwertung lebt. Das Ich kann halt nicht anders, weil es sich bereits vom Du abgegrenzt hat, wenngleich moderne (westliche) Wissenschaften auf dem Weg sind, das Ich als Illusion zu entlarven. Das dauert halt, weil es in der (westlichen) Denktradition so tief verwurzelt ist.

  3. Puh ist das übel. Bestimmt voll förderlich für die (geistige) entwicklung eines Kindes, wenn es dann in der Schule in seinem Zeugnis, oder ständig nach jeder Arbeit, Noten wie "befriedigend", "ausreichend", "mangelhaft" oder "ungenügend" bekommt, wenn ich bedenke was der gute Mann hier bei ca. 29:00 erzählt. Wir bekommen die selbstzweifel ab der Schulzeit ja dann scheinbar förmlich anerzogen.

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