Der Freie Markt – oder, warum die totale Umsetzung des Libertarismus die Hölle auf Erden wäre.

Von Ken Jebsen.

Der Freie Markt – oder, warum die totale Umsetzung des Libertarismus die Hölle auf Erden wäre.

Kommunismus und Sozialismus sind Ideologien, die in den aktuellen Staatsführungs-Charts nicht gerade in den Top Ten rangieren. Warum, liegt auf der Hand. Beide Ideologien sind in ihren damaligen Umsetzungen, vor den Augen der Welt, mehr oder weniger gescheitert. Fragt man ganz simpel nach dem Warum, wird man jede Menge spontane Antworten erhalten. Die meisten dieser meist recht emotional vorgetragen Aussagen haben dann eines gemeinsam. Sie sind falsch.

Die, die in den entsprechenden Systemen gelebt haben, werden andere Gründe für das jeweilige Scheitern ihrer Ideologie nennen, als jene, die den Kommunismus oder Sozialismus als Staats-DNA nur von außen als Beobachter kennen gelernt haben. Beide Zeitzeugen, der Beobachter wie der, der am Experiment teilnahm, werden argumentieren, richtiger zu liegen als die jeweils „andere“ Seite und jeder wird sich dabei auf die selben Argumente berufen, um seine These zu „beweisen“.

Wer beispielsweise im Kommunismus gelebt hat, wird dem, der ihn nur von außen kennt, vorwerfen, diesen eben nur von außen deuten zu können – das wäre, wie ein Auto ausschließlich nach seinem Design zu beurteilen, ohne auch nur einen Meter damit gefahren zu sein. Der Angesprochene wird kontern, dass derjenige, der den Kommunismus persönlich zwar erlebt oder überlebt habe, befangen wäre und immer noch zu dicht am Geschehen dran, ihm fehle der nötige Abstand, er wäre immer noch „Fan“ einer Ideologie, die seine Jugend und damit ihn derart geprägt habe, dass sein Blick auf das Ganze sentimentale Züge tragen würde, wie man diese auch von Soldaten kennt, die sich bei ihren Geschichten vor den Enkeln nur noch an die Kameradschaft und die Abenteuer im Krieg erinnern wollen, während es ihnen gelingt, das Gemetzel, das Grauen, das Verrecken des Krieges zuverlässig zu verdrängen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand vorher im Kommunismus oder Sozialismus gelebt hat oder eben nicht, oder ob er damals für ihn und jetzt gegen ihn wäre – oder umgekehrt, damals gegen und jetzt für den Kommunismus oder Sozialismus. Immer könnte Person A Person B vorwerfen, sie wäre nicht kompetent, da sie entweder damals zu dicht dran oder eben damals zu weit weg gewesen wäre, oder dass sie immer noch befangen oder immer noch voreingenommen und durch die einschlägigen Propaganda-Medien manipuliert zu einer neutralen Sicht gar nicht in der Lage wären.

Man kann Jahre zubringen um zu analysieren, wer mehr richtig und wer weniger falsch liegt, am Schluss läuft es bei der Beurteilung einer gescheiterten Ideologie auf private Meinung hinaus.

Meinung kann man nicht messen, das wissen wir aus der Fankurve im Fußball-Stadion. Auch wenn der eigene Verein Zuhause 1:4 verloren hat, kann das Spiel unfassbar spannend und spielerisch brillant gewesen sein, während ein 2:0-Sieg außerhalb auch als stinklangweilig in die eigene Vereins-Geschichte eingehen kann und man sich für die Fouls der eigenen Jungs gegenüber dem Gentlemen-Gegner in Grund und Boden schämen muss.

Fragt man Intellektuelle, was sie an Fußball lieben, hört man oft die Antwort, Fußball mache den Kopf frei. Der einfache Mann liebt vor allem nach dem Stadionbesuch nichts mehr als die in der Stammkneipe ums Eck beim besten Bier der Welt, welches der Fan vom Trikot seines Clubs kennt.

Bei diesen Kneipen-Analysen der Bodengruppe geht es oft erstaunlich intellektuell zu. Spielzüge, Taktik, Mannschaftsaufstellung, die gesamte Saison wird bis ins letzte Detail erinnert und erörtert, und schließt man die Augen, lässt nur die Sprache auf den sozialen Stand dieser Fans schließen. Nach dem dritten Bier ist dann aber auch endgültig akzeptiert, dass ein Sieg ein Sieg war und eine Niederlage eine Niederlage, da liegen alle Fans zu 100% richtig, da sie ganz simpel nur die Zahl der gefallenen Tore zählen müssen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir es bei der finalen Beurteilung, ob ein Fussballspiel gewonnen oder verloren wurde, mit einer Trefferquote von nahezu 100% zu tun haben. Bei nahezu jedem Spiel.

Vergleichen wir diese Trefferquote mit der Richtigkeit der Analyse, wenn es um das Scheitern politischer Systeme geht, müssen wir feststellen, dass Intellektuelle, die sich in DIESEM „Sport“ für besonders firm halten, nahezu vollständig daneben liegen. Sie treffen weder den Ball, noch ins Tor, noch des Pudels Kern.

Der Sozialismus, der Kommunismus, aber eben auch jede andere Diktatur sind immer nur an einem gescheitert:
An der Natur des Menschen.

Die Natur des Menschen ist das permanente Foul jeder Ideologie und ein Schiedsrichter, der diesen Umstand effektiv ausschließen wollte, müsste vor allem die vom Platz stellen, sprich vom Spielfeld der Geschichte entfernen, die diese Fouls produzieren. Auch hier hätten wir es sehr schnell mit einem leeren Spielfeld zu tun. Nur der Mensch foult. Im Fußball sowie in der Geschichte. Es ist nicht bekannt, dass je ein Ball von sich aus, oder ein zu erobernder Landstrich gegenüber dem Menschen je gefoult hätte. Wie auch!?

Der Mensch mag solo noch ein fairer Spieler sein, da ihm das Gegenüber, der Gegner fehlt, sobald er dann aber in Mannschaftsstärke am Horizont der Geschichte auftaucht, erscheint mit ihm das Foul auf dem Platz. Menschen foulen. Und nur Menschen foulen Menschen.

Käme es heute zu einer Revolution und würde aus dieser dann der Libertarismus als neu beherrschender „Spieler“ hervorgehen, wäre auch hier die Freude über die endliche erkämpfte „echte“ Freiheit, die nach der festen Auffassung der Libertären dann „total“ und „allumfassend“ sein müsste, nur von kurzer Dauer. Von sehr kurzer.

Warum? Weil der Libertäre bei all seinen Überlegungen von vollkommener Entstaatlichung, bei seinem Wunsch von freiem Markt – frei von jeglichen Regeln, frei für alle, alles zu tun und damit auch frei, nichts zu unterlassen – eines vollkommen ausblendet. Eben die Natur des Menschen.

Fouls, unfaires Spiel oder Korruption lassen sich auch per Gesetz nicht vom Platz der Geschichte verbannen, es gibt sie und es wird sie immer geben, solange der Mensch so ist, wie er ist. Der Staat benötigt das Gesetz. Die rote Karte. Die rote Karte aber kann daher nur dann ihre abschreckende Wirkung entfalten, wenn es einen Schiedsrichter am Platz gibt, dessen Autorität von jedem Player am Markt nicht nur gekannt, sondern schon eher gefürchtet wird.

Ohne Schiedsrichter kann man vielleicht noch im Hinterhof kicken, wenn es um nichts geht. Sobald es aber etwas zu gewinnen gibt, werden aus Spielern Konkurrenten und jede Mannschaft entwickelt das, was man Kampfgeist nennt. Nicht umsonst findet man beim Sport, wie im Krieg, die selben Begriffe. Da wird geschossen, wird der Gegner zerlegt, war die Stimmung bombig, wurde die andere Seite vernichtend geschlagen und geht es um Sieg oder Niederlage.

Du kannst das politische System wechseln, wie du deinen Verein wechseln kannst, die Verhaltensmuster der Spieler kannst du kaum verändern. Du kannst sie nur durch künstliche Regeln, verbindliche Regeln, staatliche Gesetze in gewissen Bahnen halten. Und schon sind wir bei Karl Marx.

„Alle Revolutionen haben bisher eines bewiesen, nämlich, dass sich vieles ändern lässt, bloß nicht der Mensch.“

Leben wir heute im Kapitalismus, oder ist es eher ein aufgeladener Turbo-Kapitalismus? Oder wäre Casino-Kapitalismus die richtigere Bezeichnung, in der das Blut des Systems, das Geld, zu 96 Prozent auf Spieltischen an der Börse landet. Oder muss man die DNA der Wirtschaft „frisierten Libertarismus“ bezeichnen, umgangssprachlich Neo-Libertarismus?
http://edition.zeitpunkt.ch/das-naechste-geld/

Fragt man Libertäre, würden sie sagen, nichts von alledem. Ihre Antwort lautet durch die Bank, wir leben in einer von A bis Z durchreglementierten und damit wettbewerbsverzerrten Staats-Wirtschaftswelt, die vorgibt, kapitalistisch, also offen zu sein, die vorgibt, einen freien Markt und damit freie Unternehmer zu fördern, dabei aber im Gegenteil über staatliche Institutionen jede Innovation im Keim erstickt. Das Fazit der Libertären lautet daher:

Der Staat, wie wir ihn in der BRD, aber auch in den USA aktuell erleben, ist nichts anderes als ein verkappter Sozialismus, verkappte Planwirtschaft. Wo man hinkommt, trifft man als angeblich freier Unternehmer auf die künstlichen Hindernisse des Staates. Diese totale Bevormundung, so die Vertreter der libertären Idee – die im Kern aber auch eine Ideologie und keine Wissenschaft ist – diese Rund-um-die-Uhr-Entmündigung durch den Staat ist Schuld am wirtschaftlichen Niedergang des Westens und damit auch Schuld am Zustand des Planeten.

Gäbe es, so ihr Fazit, einen wirklich freien Markt, hätten sich all die globalen Probleme innerhalb kürzester Zeit erledigt. Automatisch. Ohne die Einmischung irgendeines Staates oder einer staatlichen Institution. Allein die Kraft des freien Marktes, die unsichtbare Hand, würde die Probleme der Welt beheben. Der freie Markt würde sich quasi von selber einpendeln und zu einem Gleichgewicht führen. Man könnte den Libertarismus daher auch perfekt nennen, so seine fanatischen Anhänger.

Würde sich die Welt endlich total dem Libertarismus, in seiner nicht enden wollenden Freiheit für alle, vollständig unterordnen, oder muss man auch hier eher sagen, ergeben, wäre der Planet schon in Kürze das Paradies auf Erden.

Ist das so?

Auf gar keinen Fall. Das Gegenteil würde eintreten. Eine Steigerung dessen, was wir jetzt schon erleben. Die noch größere ungerechte Verteilung von allem wäre dann normal.

Totale Freiheit würde vor allem denen nützen, die aus dem alten System kommend aus einer besseren Position starten würden und könnte man nur verhindern, indem man all diese Personen von diesem Planeten entfernt. Aber auch diese Maßnahmen würden eine Wettbewerbsverzerrung nur verzögern, nicht aber verhindern.

Was den Libertären bei ihrer Idee des freien Marktes bis heute entgangen zu sein scheint, ist die Natur des Menschen. Der Mensch ist des Menschen Feind. Das zieht sich als roter Faden und für jeden unübersehbar durch das, was der Mensch Geschichte nennt, nur dass diese Geschichte die Geschichte des Menschen meint, als gäbe es sonst keine andere.
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php…

Das einzige, auf das man sich bei der Natur des Menschen verlassen kann, ist die Tatsache, dass alles, was ein Mensch heute ist, wie er lebt, was er mag, was er ablehnt, sein Geschmack, seine Moral, dass das alles so schnell wechseln kann wie die angesagten Styles bei H&M. Man kann sich beim menschlichen Verhalten in der Zivilisation nur darauf verlassen, dass es mit der Mode geht, während der größte Teil der ursprünglichen Natur des Menschen immer dann zutage tritt, wenn ein staatliches Korrektiv wegbricht.

Gemordet, vergewaltigt oder gebrandschatzt wird entweder auf Befehl,
http://www.rowohlt.de/…/christopher-r-browning-ganz-normale…

noch eher aber wenn der Täter davon ausgehen kann, nicht bestraft zu werden. Dann mutieren ganz normale Menschen über Nacht zu abscheulichen Bestien. In jedem von uns schlummert ein massenmordender Sadist. Die Umstände halten ihn in Schach. Ändern sich die Umstände, ändert sich der Mensch.
Der Wahnsinn liegt 24 Stunden am Tag auf der Lauer.
http://www.deutschlandfunk.de/vergewaltigungen-im-zweiten-w…

Welchen Anteil am kollektiven Morden dabei die Zivilisation hat, wurde von niemandem besser analysiert als vom Berliner Soziologen Arno Gruen. Er hat bis zum Ende seines Lebens vor allem den Begriff Zivilisation vollkommen entzaubert. Gruen wagte es, die Statik aller Zivilisationen freizuschaufeln und zu benennen. Gehorsam. Absoluter Gehorsam.
http://www.deutschlandradiokultur.de/zum-tod-von-arno-gruen…

Der Mensch kann mit absoluter Freiheit, wie sie die Libertären fordern, in der Masse wenig anfangen. Er hat eher Angst vor ihr, da er sich der absoluten eigenen Freiheit ausgesetzt, eher durch sie ausgeschlossen fühlt. Ausgeschlossen aus der Masse. Der Mensch ist ein Herdentier und ist eher bereit, in einem Angriffskrieg im Kollektiv unterzugehen, als sich solo gegen die manipulierten Überzeugungen der Massen zu stellen und damit selber zum Feind zu werden.

„Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet.“
– Platon (Griechischer Verschwörungstheoretiker)

Und damit sind wir bei des Pudels Kern.

Menschen haben ihren natürlichen Instinkt nahezu verloren und durch lokale, sehr unterschiedliche Moral-Moden ersetzt. Moral aber auch Ethik sind aber nichts anderes als eine Form des Geschmacks. Gewohnheit. Sitten werden nicht angeboren. Sitten, Verhaltensmuster entwicklen sich.

Was in Land A schwer okay sein kann, ist in Land B ein Grund, vor den Kadi zitiert zu werden, oder man wird nur als unverschämt wahrgenommen und nie wieder eingeladen. Versuche einmal, in Indien eine Kuh zu schlachten, in China beim Besuch einer Familie Blumen zu überbringen, in Indonesien Menschen ohne ihre Erlaubnis zu fotografieren oder in den USA oben ohne zu baden. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, und schon ein Handzeichen, das hier als Okay wahrgenommen wird, steht im sonst so lässigen Italien für „Arschloch“.

Auf was wir hinaus wollen: So identisch der Mensch erscheint, wenn man ihn auf dem OP-Tisch liegen hat, so unterschiedlich verhält er sich, wenn man ihn rund um den Globus in seiner individuellen Umgebung antrifft. Menschen in der Gruppe sind dann noch komplexer.

Was X solo nie tun würde, macht er wie ferngesteuert, wenn er sich mit XXL in einer Gruppe befindet, die das selbe tun. Menschen machen nach, schon um „dazu“ zu gehören. Oder noch treffender, nur um nicht ausgeschlossen zu werden, machen Menschen die schrecklichsten Dinge mit. Aber immer unter der Bedingung, dass sie es nicht allein tun müssen. Das Kollektiv verbindet. Nur so lassen sich Kriegsverbrechen durch Menschen erklären, die eben noch Otto-Normal-Verbraucher waren, und die jetzt durch einheitliche Kleidung nicht nur optisch gleichgeschaltet wurden. Dabei blieb das, was man Eigenverantwortung nennt, nicht versehentlich auf der Strecke, sondern wurde durch die bewusste Mechanik des Systems vorsätzlich zur Strecke gebracht.
http://www.spiegel.de/jahreschronik/a-331554-4.html

Massen.

Auf die Frage „Wollt ihr den Totalen Krieg?“, kann die Energie der Antwort „JA!“ nur dann in entsprechende Bahnen gelenkt werden, wenn sie von der Masse gegeben wurde. Man stelle sich die selbe Situation mit vertauschten Rollen vor. Die Massen hätten gefragt: „Willst DU den totalen Krieg?“, und Goebbels hätte seinerzeit geantwortet „JA!“. Auch mit der vorhandenen Verstärkung durch ein Mikrophon wäre die Wirkung eher von lächerlicher Natur gewesen. Ein Rohrkrepierer.

Wie konnten die Massen auf die Frage Goebbels überhaupt mit Ja antworten, warum gab es nicht eine einzige Nachfrage, wie z.B. „Herr Goebbels, erlauben Sie mir, dass ich nachhake, aber von wann bis wann soll denn dieser totale Krieg dauern, und welche Areale soll er mit einbeziehen? Was wäre denn das finale Ziel des totalen Krieges, Herr Goebbels?

Dass es zu keiner Nachfrage kam, lag weniger an der Inszenierung; weniger daran, dass ein Einzelner in der tobenden Masse gar nicht gehört worden wäre, es lag vor allem daran, dass in Massen das individuelle, selbständige Denken erlischt. Statt des menschlichen Verstandes regiert dann animalisches Sein.

„Der Verstand sinkt mit der Masse der Versammelten“, wusste schon der französische Arzt und Ethnologe Gustave le Bon, und an seinen Erkenntnissen kann man sich bis heute orientieren.
http://www.kritisches-netzwerk.de/…/Gustave_Le.Bon_Psycholo…

Auch Hitler wäre heute wieder – oder treffender, noch viel eher – möglich, wenn man die selben Methoden der Massenmanipulation anwenden würde, nur dass es heute eben keinen Winkel der Erde mehr gäbe, an dem man sich vor der Propaganda des Imperiums verstecken könnte. Erinnert uns dieses Szenario nicht an die Gegenwart? Hätten die Nazis Drohnen eingesetzt? Hätten sie Handy-Daten genutzt, um aus ihrer Sicht subversive Figuren auf der Fläche des Imperiums zu jagen und zu eliminieren?

Es lebe die totale mobile Kommunikation.

Dein Navi sagt Dir, wie Du nach Hause kommst, aber vor allem sagt es uns, wo wir Dich finden. Du nennst es World Wide Web. Wir nennen es NETZ.

Menschen gehorchen für ihr (Über-)Leben gern! Es liegt in ihrer Natur, sich lieber einer totalitären Gesellschaft anzuschließen, die sie dann rund um die Uhr im Kollektiv unterdrückt, statt sich gegen diese Form der Führung zu stellen und dafür von der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden. „Mehr Führung und ein stärkerer Staat“, ist eine Forderung, die immer dann wieder in Mode kommt und von privaten Gazetten der Machthaber als Alternativlos verkauft wird, wenn ein Umbruch droht, wenn Massen immer mehr beginnen, sich aufzuspalten, um eigene Ideen zu entwickeln. Aktuell fordert die NATO-Hauszeitschrift ZEIT mehr Polizei, mehr Spione, mehr Überwachung, mehr Sicherheit, mehr „politische Führung“. Die ZEIT fragt perfide:
„Darf’s auch ein bisschen mehr sein?“
http://www.zeit.de/2015/50/fluechtlinge-starker-staat

Nein, lautet hier unsere Antwort. Und auch die Libertären würden hier sicher auch NEIN entgegnen. Nur warum? Weil die Libertären davon ausgehen, wir hätten heute zuviel Staat, während wir wissen, dass dieser Staat eben nur noch so tut, als sei er für den Staat – also die Bevölkerung – da. Der Staat wurde längst ausgehöhlt und an an private Investoren verschachert. Der Staat, der Sozialstaat, ist heute zu großen Teilen nur noch ein Avatar. Fake. Kulisse. Verpackung. Tara statt Netto.

Das Chaos, das wir an allen Ecken erleben, ist eben nicht ein Ergebnis von zu viel Staat, sondern von zuviel Privatisierung durch korrupte Staatsdiener. Mehr politische Führung, wie jetzt perfide von der ZEIT gefordert, würde nur wie in den USA verlaufen. Es wäre nur ein weiteres Milliardengeschäft für die private Sicherheitsindustrie, ein verkappter Arm der Rüstungsindustrie.
http://www.sueddeutsche.de/…/die-soeldner-branche-der-irakk…

Das Volk hat diese Entwicklung, wenn auch nicht in allen Details, längst erkannt, nur weiß es nicht, mit seiner Ohnmacht umzugehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, weiß der Volksmund. Die Psychologie spricht vom Stockholm-Syndrom. Der Unterdrücker, der Ver-Führer, der Schlächter, der Präsident, die Kanzlerin wird so zur Identifikationsfigur.

http://www.faz.net/…/stockholm-syndrom-die-zuneigung-des-op…

An dieser Unterwerfungs-Mechanik, gebaut auf der Natur des Menschen, kann auch der Libertäre nichts ändern, denn dazu müsste er in die DNA des Homo Sapiens Sapiens eingreifen können, und das kann selbst er nicht. Oder muss man sagen, Gott sei dank?

Der Libertäre selber ist der Fehler im System, der die Idee des Libertarismus zum Scheitern bringen würde, denn auch der Libertäre ist ein Mensch, der sich in der Gruppe und zu Macht gekommen, völlig anders verhalten würde als zuvor angenommen und propagiert.
http://tinyurl.com/h5hmguq

Doch allein die Machtergreifung durch Libertäre wäre nur von kurzer Dauer. Warum?

A.
„Die Sauberkeit der Revolution dauert höchstens vierzehn Tage“-Jean Cocteau

B.
Nehmen wir an, alle Menschen auf diesem Planeten bekämen übermorgen Summe X als Begrüßungsgeld! Sie hätten keine weiteren Besitztümer, so dass ein Immobilienhai am Tag der Ausgabe genauso vermögend wäre wie die Mutter zweier Kinder in Angola. Nehmen wir weiter an, es gäbe weltweit keinen Staat mehr, keine Gesetze und keine Regeln, jeder könnte schalten und walten wie er wollte, es gäbe nur noch einen weltumspannenden, globalen, vollkommen freien Markt, bei dem es nur ein einziges Gesetz gäbe, nämlich dass keine Gesetze mehr existieren würden, da sich alles überall von alleine regeln würde, wie sähe diese Welt schon Wochen nach dem totalen Reset, dem totalen Restart aus?

Glaubt man den Libertären, hätten wir es mit einer nicht enden wollenden Friede-Freude-Eierkuchen-Fete zu tun. Jeder wäre seines Glückes Schmied, und da es keine staatliche Aufsicht und damit auch keine Verzerrungen mehr gäbe, wären alle happy und zufrieden, wie die Situation sich schon nach Wochen entwickelt hätte.

Pustekuchen!

Eine derart unregulierte, vollkommen entstaatlichte Welt wäre ein Dschungel. Alle dürfen alles, aber nur die korruptesten überleben, denn sie gehen über Leichen. Schon Stunden nach der Ausgabe des identischen Startkapitals hätten sich die privaten Banden und privaten Clans wieder zusammengefunden. Hätten sich private Gruppen zu privaten Interessengemeinschaften zusammengeschlossen, um im Kollektiv mehr private Macht zu generieren. Macht über den Rest.

Warum?

Nun, auch wenn jeder Mensch an einem solchen Tag mit den selben wirtschaftlichen Mitteln ausgestattet werden würde, so wären doch seine Chancen zu überleben völlig unterschiedlich. Eine allein erziehende Frau im Kongo hat nicht die selben Möglichkeiten wie ein Harvard-Student aus gutem Hause. Ihr fehlt schlicht die Bildung oder der Zugang zu sauberem Wasser. Daran kann auch die identische Summe X zu Beginn der Libertären Idee nichts ändern.

„Ohne Staat, ohne Regeln“ finden nur diejenigen reizvoll, die in diesem neuen System für sich die größeren Vorteile wittern. Das sind bei den Libertären in der Regel junge weiße Männer. Schon die Art, wie sie die libertäre Idee gegenüber KenFM seit Monaten kund tun, lässt einen extrem hohen Grad an Aggression erkennen. Wer bei ihrer totalen freien Markt-Gläubigkeit nicht sofort, total und unwiderruflich mitgehen will, ist entweder unterbelichtet, ein NWO-Jünger oder er arbeitet irgendwie für den Kreml.

Gegen die Penetranz der Libertären sind die atmenden Magazin-Ständer der Zeugen Jehovas noch lässig. Wer den Fehler gemacht hat, sich mit einem Libertären auf ein Gespräch einzulassen oder eine ihrer digitalen Schulungen anzusurfen, bekommt schnell die dunkle Seite der Macht zu spüren. Hier hilft nur ein Text wie dieser, um vor diesen neuen Soldaten des Kapitals zu warnen.

Merke:

„Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“

Diese Erkenntnis von Jean-Jacques Rousseau wird von den Libertären vollkommen ignoriert oder geleugnet.

Die eigentliche Macht auf diesem Planeten geht nicht vom Kapital aus. Das Kapital ist nur eines der Tools, mit denen Macht gelenkt wird. Auch das Militär, Parteien oder große Industrien sind nicht die wirkliche Macht. Die Macht ist unsichtbar und besteht in der Struktur persönlicher Verbindungen. Alteingesessene Familien, langjährige Geschäftspartner, Verbindungen, deren Stabilität gemachte Erfahrungen darstellen, sind die eigentliche Macht hinter den großen Blöcken die auf diesem Globus um die Vorherrschaft, spricht die Macht über das Individuum kämpfen. Und es geht nur um das Individuum. Wenige Menschen wollen den aus ihrer Sicht unterbelichteten Rest der Menschen nach ihrer Pfeife tanzen lassen.

Das Weglassen von Staat, wie von den Libertären gebetsmühlenartig als Paradies verkauft, hat auf uralte gewachsene Strukturen genau so wenig Einfluss wie ein Gesetz, das einer Mutter verbieten würde, ihren Säugling zu beschützen. Verhaltensmuster sind verdammt stabil. Es ist kein Zufall, dass die Werbeindustrie jedes Produkt gern mit einer aufreizenden Silhouette auflädt, und dass das weibliche Dekolleté mehr Blicke auf sich zieht als das eines Handwerkers.

Gegen diese Ur-Kraft, diesen Trieb, diese Natur, kommt keine Idee und schon gar keine Ideologie an. Auch nicht die libertäre. Akzeptiere die Natur des Menschen, die vor allem eines ist: Unnatürlich.

Der Mensch verfügt kaum noch über das, was man gemeinhin als Beißhemmung bezeichnet. Der Mensch ist des Menschen Wolf. Nicht, weil er es muss, nein, weil er es kann. Dieses Können hat sich zum Muss entwickelt, oder besser, hat sich nie vom Muss wegentwickelt.

Die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen sind zwar rasant Richtung Horizont geschossen, so dass er Technologien entwicklen konnte, die ihn zunehmend unabhängig gemacht haben vom Jahreszeiten abhängigen Nahrungsangebot. Auch seine medizinischen Fähigkeiten, Stichwort Geburtenkontrolle, hätten ihn eigentlich weg bringen müssen vom Kampf Mann gegen Mann. Kooperation statt Konfrontation hätten die intellektuelle logische Schlussfolgerung sein müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Obwohl der Mensch längst in der Lage wäre, im Kollektiv friedlich zusammen zu leben, da es für alle mehr als reicht, ist der Krieg noch immer der Vater aller Dinge. Menschen sind eben nur oberflächlich intellektuell und zivilisiert. Ihr archaischer Kern, ihr Reptiliengehirn konnte mit dem technologischen Fortschritt und seinen Konsequenzen nicht mithalten. Wir sind in Wahrheit Neander-Digitaler. Und das kann man am besten an der Art beziehungsweise Un-Art erkennen, wie wir im 21. Jahrhundert wirtschaften.

„Wir träumen noch von einer schönen alten Welt des Handwerks, gleichzeitig verhalten wir uns brav nach den Regeln der Industriegesellschaft, und tatsächlich leben wir bereits mitten im Informationszeitalter. Unsere gewohnten Vorstellungen, unsere aktuell gültigen Grenzen, und die neue technische Realität, passen nicht mehr zusammen“, fasst es Georg Hasler es in seinem schmalen Buch „Blütenstaubwirtschaft“ zusammen und führt weiter aus:

„Durch den Blick auf den Wandel unserer Produktionsformen, ergeben sich von selbst die besten Argumente für das Prinzip Open-Source in Verbindung mit dem bedingungslosen Grundeinkommen als Basis für neue Wirtschaftsformen.“
http://bluetenstaubwirtschaft.ch

Hasler ist Schweizer, und die sind wenn es um Wirtschaft und Geld geht bestimmt nicht lässig, wenn es darum geht, die eigene Zukunft seriös zu definieren.

Eine Gesellschaft, die es schafft, sich über das Sein und nicht mehr über das Haben zu definieren ist auf dem Weg zu echter Freiheit. Eine Gesellschaft, die Arbeit von Einkommen trennt, da klassische Erwerbsarbeit für Alle und Jeden in einer vollindustrialisierten Gesellschaft unmöglich geworden ist, sorgt für echten Wandel.

Menschen würden nicht mehr über ihre Jobs erpresst werden können. Sie hätten endlich in Massen die Chance, einem Beruf nachzugehen, der von Berufung kommt. Die Menschen würden endlich ihre Fähigkeiten einbringen und nicht ihre reine Lebenszeit an ein System verschwenden müssen, um zu Geld zu kommen. Das wäre ein echter Rechtsstaat. Den sein Kern wäre die Verteidigung der Würde des Menschen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist eine Farce. Denn sie wird jeden Tag angetastet und verletzt durch den freien Markt.

Mögliche Zukunft.

Moderne Staaten, der Rechtsstaat, wurde über viele Köpfe und viele Dekaden doch im Kern vor allem erkämpft, um den Menschen vor seiner eigenen Natur zu schützen. Freiheit, Gleichheit und vor allem Brüderlichkeit sind ein intellektuelles, künstliches Konstrukt, das dazu gezimmert wurde, um der aus menschlicher Sicht „ungerechten“ Natur ein menschliches Antlitz zu verleihen.

Der von Natur aus Benachteiligte, der körperlich Versehrte, der Alte und Gebrechliche, der weniger Gebildete sollte in der Solidargemeinschaft aufgefangen werden. Der größte Fortschritt des Menschen war nicht das Rad oder die Glühbirne, nicht die Zähmung des Feuers oder die Schrift, der größte Fortschritt war Rousseaus Gesellschaftsvertrag.

Es ging um kein geringeres Ziel als das Ende der Barbarei. Und dem Sieg über die Willkür. Gleiches Recht für alle, in Verbindung mit keinem Unrecht für niemanden. Zugegeben, ein Ideal, aber dieses Ideal ist wie der TÜV. Nur wer weiß, dass man ihm die Karre sonst still legt, lässt die Bremsen rechtzeitig erneuern. Würde man auf freiwillige Selbstkontrolle und Eigenverantwortung setzen, wäre der totale Crash nur eine Frage der Zeit. Ohne Schiedsrichter geht es nicht, oder wir haben es mit Natur Pur zu tun.

Aber, und das scheint den Feinden jeglichen Gesetzes, den Libertären, ebenfalls entgangen zu sein, auch die Natur kennt ein Korrektiv, ein Gesetz, an das sie sich gnadenlos hält und das sie allen Kreaturen aufzwingt.

Es gibt ein Gleichgewicht, das grob heruntergebogen auf Jäger und Gejagte setzt. Das Glied in der Nahrungskette wird in der Natur nicht verhandelt! Auch hat nicht jeder die selben Chancen in einem völlig deregulierten Lebensraum. Die Natur zeigt wie natürlicher Libertarismus aussieht. Fressen und gefressen werden. Mäuse werden von Katzen gefressen, und nie umgekehrt. Mäuse gleichen ihre Opferrolle durch hohe Geburtenzahlen aus. Blauwale haben das nicht nötig. Sie fressen Krill in Tonnen, und nie umgekehrt.

Die „libertären“ Tiere fressen sich auch bei lebendigen Leib und fahren nur deshalb gut damit, da sie, wenn sie satt sind, aufhören. Das unterscheidet sie vom Raubtier Mensch. Der Mensch ist ein Wesen, das seit seiner Existenz wie besessen daran arbeitet, neue Technologien zu schaffen, die vor allem geeignet sind, dass ein einzelner der Spezies mit möglichst wenig Aufwand eine extrem große Anzahl der selben Spezies umbringen kann. Stichwort Atombombe.

In einem libertären Land, unserer möglichen Zukunft, sollte es doch wohl erlaubt sein, sich privat eine Atombombe zuzulegen, oder? Alles andere wäre ein Eingriff in die totale Freiheit des Einzelnen. Wenn Person X eine Atombombe haben möchte, sollte es ihr möglich sein, eine zu bekommen. Er könnte vielleicht im Vorfeld ein Papier unterschreiben, auf dem er versichert, die Bombe nur in Gegenden auszuprobieren, wo niemand wohnt, oder zumindest vor der Zündung dazu aufzurufen, dass alle in den Keller gehen. Wer sollte ihm den Wunsch nach einer Kernexplosion verwehren wollen? Wichtiger aber: In einer vollkommen libertären Welt wäre zumindest der Besitz einer Atombombe nicht verboten. Es gäbe überhaupt keine Regeln mehr. Alles würde sich von alleine Regeln und die Menschen wären so, wie man sie nur deshalb aktuell nicht erlebt, da das aktuelle Wirtschaftssystem, egal wie wir es nennen, den Menschen zu dem macht, was er ist.

Niemand käme ohne dieses System auf die Idee, sich an X zu rächen, weil dieser ihm z.B. die Frau ausgespannt hätte. Neid, Missgunst, Verrat, Mord und Totschlag wären wie weggezaubert in einer libertären Welt. Alle wären total frei, total glücklich und würden in einem totalen freien Markt von Party zu Party eilen, um sich gegenseitig die totale Zuneigung zu bestätigen.

Plan C. C, wie Check your Head!

Mir würde es reichen, wenn wir aktuell anfangen, den Rechtsstaat wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen.
Wenn wir, und damit meine ich jeden Bürger, den Staat wieder an den entscheidenden Stellen entprivatisieren.
Wenn wir Transparenz da schaffen, wo sie hingehört, bei Behörden und Regierung, und dass wir sie dort wieder einführen, wo sie das Individuum vor Überwachung schützt.

Mir würde es reichen, wenn wir die private Geldschöpfung abschaffen und stattdessen den gesamten Geldapparat verstaatlichen.
Wenn wir die Gefahr des exponentiellen Wachstums endlich erkennen und aus unserem gesamten Wirtschafts-Kreislauf verbannen würden. Per Gesetz!
Unendliches Wachstum auf einer endlichen Fläche ist Selbstmord.

Wir sollten anfangen, als Spezies zu denken, als Spezies zu handeln. Wir sollten sämtliche Ressourcen als die Ressourcen aller erkennen, die auf diesem Planeten leben.
Es ist unser aller Meer, unser aller Land, unser aller Öl, Gold, Nahrung. Unser aller Schöpfung.

Wir sollten jene belohnen, die die Logistik hinter der Waffenindustrie nutzen, um statt Waffen endlich Nahrung und Medizin an die entlegensten Orte auf diesem Planeten zu transportieren.
Vor allem aber sollten wir das Grundproblem auf diesem Planenten angehen. Den mangelnden Zugang zu Bildung.

Wir sollten global denken, aber lokal handeln. Wir sollten Kriege verbieten und die Geräte, die man benötigt, um sie anzufangen, verschrotten. Das alles geht nur, wenn wir es per Gesetz beschließen, festlegen und jene bestrafen, die gegen das Gesetz verstoßen.

Keine Macht für Niemanden, aber nur, wenn jeder von uns Niemand heißt und nur über sich selber Macht ausüben darf.
Anfangen könnten wir schon morgen, indem wir die von privaten Konzernen unterwanderten Massenmedien wieder zu Medien der Massen machen. Erstes Ziel für 2016: Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Weniger Arbeit, mehr Leben. Weniger Konkurrenz, mehr Kooperation.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Diese Kontrolle sollte von Volksvertretern ausgehen und permanent rotieren, damit niemand auf die Idee kommen kann, sein erworbenes Wissen auf seinem Posten zu missbrauchen. 1936 gab es in Katalonien ein ähnliches Experiment. Wir müssen es nicht eins zu eins wiederholen, aber wir sollten es analysieren und in der Gegenwart neu überarbeitet wiederbeleben.
https://www.youtube.com/watch?v=0uNSjlCkxwA

Niemand steht über dem Gesetz. Aber dazu muss es eines geben, an dem sich jeder orientieren kann. Wer hingegen auf den Dampfer der Libertären zusteigt, findet sich morgen in einem römischen Stadion wieder. Nur weiß er vorher nicht, ob er Zuschauer sein wird, oder das Opfer, das zur Unterhaltung den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird. Wollen wir dieses Experiment wirklich wagen, nur weil es einen neuen Namen trägt?

Libertarismus ist eine Art Aufstand der so tut, als wäre er die jetzt nötige Medizin, um den dahinsiechenden Staat zu heilen. Aber stimmt das? Ist die libertäre Ideologie wirklich DIE Pille, die wir schlucken MÜSSEN, um uns zu befreien, oder wären die Nebenwirkungen dieses Aufstandes eher der totale Kollaps? Sir Francis Bacon sagte über den Aufstand, den man neudeutsch auch als Revolution oder kompletten Systemwechsel bezeichnen könnte:

„Der Aufstand ist ein Heilmittel, das schlimmer ist als die Krankheit.“

Die Krankheit heißt hier vor allem Täuschung. Ein neoliberal unterwanderter, ausgehöhlter, privaten Interessen geopferter Staat soll in einen vollkommen deregulierten Markt überführt werden. Einen Staat, bei dem der Mensch eben nur noch Marktwert hat. Und der wird von jenen taxiert, die diesen freien Markt unter allen Umständen einführen wollen. Libertäre.
Da halten wir es mit Erich Kästner:

„Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Wir bleiben bei schwarzen Kaffee. Immer schön wachbleiben und die Tassen, die man nicht unmittelbar benötigt, immer wieder zurück in den Schrank.

22 Kommentare zu: “Der Freie Markt – oder, warum die totale Umsetzung des Libertarismus die Hölle auf Erden wäre.

  1. „Libertarianism“ ist ein Begriff, der die unterschiedlichsten Bedeutungen annimmt.
    Zuuerst muß man wissen, daß es einen spezifischen Libertarianism in den USA gibt: Eine Bewegung, die individuelle Freiheit und den Minimalstaat fordert.
    Dies ist die Bedeutung in Amerika, trotz der Tatsache, daß libertär international häufig für Sozialisten verwendet wird.

    Außerhalb des amerikanischen Kontextes ist es so, daß die ursprüngliche Bedeutung im Zusammenhang mit dem philosophischen Problem „Freier Wille versus Determinismus“ steht.
    Die „Ausdifferenzierung“ danach hat die unterschiedlichsten Richtungen erzeugt. So gibt es
    welche, die den laissez-faire Kapitalismus und Privateigentum wollen und solche, die Kapitalismus und Privateigentum abschaffen wollen.
    Das Thema ist kompliziert. Vor allem ist immer die Frage zu stellen, ob amerikanischer „Libertarianism“ gemeint ist.
    Abgesehen davon, das philosophische Problem „Freier Wille vs. Determinismus“ ist das eigentlich Interessante in diesem Zusammenhang.

    Über Anarchie herrscht ähnliche Verwirrung. Bakunin „Staatlichkeit und Anarchie“. Lesenswert für eine Orientierung im „Minenfeld“ libertärer Ideologien und Anarchie.

    Nach Kant ist Anarchie „Gesetz und Freiheit ohne Zwang“.

  2. Ich kann verstehen dass viele sich nicht vorstellen können, das eine freiheitliche Gesellschaft funktionieren kann. Villeicht hilft folgende Auslegung;
    In einer Libertäten Gesellschaft könnt ihr genauso leben wie jetzt, wenn ihr das möchtet. Ihr könntet auch eine sozialistische minimalstaatliche Gesellschaft haben. Nur eben dürft ihr nicht jemanden dazu zwingen dabei mitzumachen! Die PDV hat da ein interessantes Wahlprogramm.
    Sie wollen einen entmachteten minimalstaatl, der sich auschliesslich um das nötigste kümmert. Soziales sowie Sicherheit. Aber nicht mächtig genug kriege über uns hinweg zu entscheiden. Ich finde solche libertäre haben einen solchen Artikel nicht verdient. Wir sind nicht alles totale Anarchisten und auch nicht streitsüchtig wie der Herr Janich es ein wenig ist. Macht doch alle was ihr wollt aber lasst mich in Ruhe. Achtet die Naturgesetze!

  3. Vielen Dank Ken, dass Du es immer wieder ansprichst:
    ‚Erstes Ziel für 2016: Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Weniger Arbeit, mehr Leben. Weniger Konkurrenz, mehr Kooperation.‘
    Wer noch mehr über Grundeinkommen wissen möchte empfehle ich den Link den Ken in seinem Artikel hat, wo man dann auf den Kanal von Daniel Häni kommt – zu einem Gespräch mit Georg Hasler und Enno Schmidt. Es gibt noch viele weitere Aktivisten, deren Vorträge ich bereits auf meiner YT-Seite: youtube.com/user/2malschauen veröffentlicht habe. Schaut rein KenFM-Zuschauer wissen ja, dass Vorträge oft mehr bringen, als kurze Nachrichten.

    @Kommentarbetreuer: Wie hebe ich Formatierungen wieder auf? Die kurze Hilfe unter dem Kommentartext ist für uns Laien doch sehr spartanisch. In diesem Text versuche ich das Zitat kursiv darzustellen, wenn das nicht klappt, kann ich es nicht mehr editieren. Das ist schade. Dennoch dank für die Möglichkeit auch außerhalb der großen Anbieter zu den Beiträgen was zu schreiben und Sozialarbeit zu leisten 🙂 DANKE

  4. Warum soll man den Staat abschaffen? Wir kommen doch auch nicht auf die Idee die Familie abzuschaffen. Die Freiheit des Einzelnen hört dort auf wo die Freiheit der Anderen beginnt. Das Schöne (und nicht so Schöne) im Leben sind die Beziehungen zu Mitmenschen. Und genau diese Beziehungen machen eben auch ein bisschen unfrei. Frieden kann es nur geben wenn Gerechtigkeit herrscht. Für Gerechtigkeit muss aber etwas getan werden. Dafür braucht man weise Frauen und Männer, Familien, Staaten. Wir können auch nichts besitzen. Die Indianer haben das gewusst, leider wurden sie ausgerottet. Ich finde den Plan B der Wissensmanufaktur recht ausgewogen nur mit dem fließendem Geld bin ich mir nicht sicher. Wenn jemand einen Kredit aufnimmt verschafft er sich ja einen Vorteil gegenüber Anderen. Aus diesem Gesichtspunkt machen Zinsen irgendwie Sinn. Diese Zinsen sollten aber den Geschädigten also der Allgemeinheit zugute kommen. Was wir zusätzlich zu den Menschenrechten brauchen ist ein Generationenvertrag. Es gibt ja diesen Welterschöpfungstag, wir müssen es schaffen diesen wieder auf den 31.12. zu verschieben.

  5. @Bert:
    „Vor diesem Hintergrund sind doch selbst absolute Aussagen („der Mensch sei ein gewalttätiger“) richtig, weil man weiß, dass auch das ‚Gegenteil‘ vorkommt („der Mensch sei ein gutmütiger“) genauso wahr ist. “
    Was ist das denn jetzt für ein logischer Unfug? Eine Aussage ist richtig weil auch ihr Gegenteil richtig ist?
    Weiterhin: „Aber deswegen braucht man doch nicht gleich die Menschennatur gegen das Nichts hin abstrahieren“ ich hab gar nichts abstrahiert, ich hab lediglich den Begriff „Menschennatur“ kritisiert, dass der gar nichts beinhaltet, dass er nur sagt „der Mensch ist was er ist“ und damit ist dieser Begriff unbrauchbar. Letztlich bestätigen Sie das mit: „Menschennatur ist Potentialität“ was soll das denn jetzt für eine Erkenntnis sein? Auf die Gefahr hin mich zu wieder holen: Zu sagen „Kommunismus funktioniert nicht, weil die Natur des Menschen dem entgegensteht“ ist keine brauchbare Kritik, ist sogar schädlich, weil sie jede sachliche Ausseinandersetzung mit den Fehlern die im „realen Sozialismus“ gemacht wurden als letztendlich nutzlos hinstellt.
    Ausgehend von dem, dass der Begriff einer Sache „das in ihr selbst Allgemeine“ ist (Hegel), scheinen mir im Kontext der Triade „Sein-Wesen-Begriff“ (nochmal Hegel) die geäusserten Einwände mir eine Verwechslung von Sein und Begriff zu sein.
    Ihren eingangs verwendete Formulierung aufgreifend, ergäbe diese Verwechslung konsequent auf Ken’s Argumentation angewandt folgende Form: Der Kommunismus funktioniert nicht, weil Menschen Kultur, Wissenschaft, Sport, Pornos, Technik hervorbringen.
    Und da entschlüpft mir nun doch ein fassungsloses „Häääh???“

  6. Welche Fehler wurden gemacht
    Hierzu siehe z.B. <href="http://www.podcast.de/episode/281905492/Der+Reale+Sozialismus%2C+Teil+1/&quot; title="Kritik des realen Sozialismus"

    Auch der Aussage das Scheitern liege an der Natur des Menschen kann ich nicht viel abgewinnen, denn die "Natur des Menschen" ist eine leere, wenn auch bedauerlicherweise sehr beliebte Abstraktion. Was meint man denn damit? Der Mensch als biologisches Gattungswesen? oder keine Ahnung was? Beliebt ist ist das oft in der Form "der Mensch ist des Menschen Wolf" oder ähnlicher Unsinn. Wenn man mir eins nicht ausreden kann, dann ist es es, dass Menschen aus handfesten Interessen heraus handeln und diese Interessen oftmals in der bürgerlichen Gesellschaft als gegensätzlich auftreten, auch wenn diese es aus sich heraus gar nicht sein müssten. Siehe hierzu z.B. „Ewig lockt die Bestie: Eine Kritik der Moralphilosophie“ von Georg Loidolt

    Zum Thema Bürgergeld bzw. bedingungsloses Grundeinkommen: Auch hier hab ich so meine Bauchschmerzen, weil hier meiner Ansicht nach eine fehlerhafte Kritik des Kapitalismus zugrunde liegt (es wird überhaupt gern, der Kapitalismus in seinen Auswüchsen kritisiert, und dabei die z.B. von Marx geleistete fundamentale Kritik des Kapitalismus vergessen). Auch mal ein Link für interessierte:

    • Die Natur des Menschen sei eine leere Abstraktion?

      Wie kann man so etwas nur sagen? Interessieren Sie sich so gar nicht für Kultur, Wissenschaft, Sport, Pornos, Technik?

      Jede Bibliothek entblättert die vielfältige Veranlagung und Natur des Menschen, jedes Museum zeigt vielfältigste antike bis moderne Kunstgegenstände, Plastiken, Bilder und sonstige Installationen. Die Musik reicht von Folklore über Klassik bis hin zu Pop und Jazz. Sportarten gibt es ebenso irrsinnig viele, wie es Pornos gibt, oder technische Spielereien. Für Speisen gibt es ausgetüfteltste Starköche, Wein ist für manche eine Wissenschaft wie für andere Schokolade eine Leidenschaft ist.

      Und dabei sind all diese Schöpfungen aus der Natur des Menschen nicht nur beliebige Zufalls-Singularitäten, sondern bilden über die Zeit Strukturen aus, sind reflektierbar etc., bringen Gedanken, Gefühle zu einer Kultivierung und Klarheit, ermöglichen Typen und Klassifikationen.

      Wenn der Intellekt nicht in der Lage ist, einen Begriff sinnhaft zu füllen, dann ist das nicht so sehr das Problem des Intellekts, sondern des auf den bloßen Intellekt verarmten Menschen dahinter. Eine leere Abstraktion ist wohl keine sinnvolle Abstraktion – meinen Sie nicht, das ist Ihr Fehler?

    • Bezogen auf Bert:
      Ja es ist richtig Menschen sind kreativ, Menschen erschaffen Dinge, Menschen geben Wissen und Traditionen weiter. Das widerspricht aber nicht der Aussage, dass der Begriff „Menschennatur“ zunächst mal eine Abstraktiron von all diesen konkreten Unternehmungen ist: Der Mensch tut all diese Dinge, heißt es, weil es in seiner Natur liegt. Und die Menschennatur ist das jenige, was den Menschen dazu bringt all diese Dinge zu tun, heißt es auch. Aber das ist zirkulär und erklärt nicht im mindesten was das denn nun sein soll diese „Menschennatur“ insofern nenne ich diesen Begriff eine leere Abstraktion. Soweit ist das ja auch nicht schlimm. Das schädliche an diesem Begriff ist nun aber, dass er zu folgendem benutzt wird: „Der Mensch“ ist böse, gierig, gewaltätig usw. Sieht man ja auch an dem Artikel von Ken Jebsen: Kommunismus funktioniert nicht, weil die Menschennatur… . Da mach man es sich sehr leicht, keine objektive Ausseinandersetzung mehr mit den Zwecken des Kommunismus und den Fehlern die bei Versuchen seiner Umsetzung gemacht wurden (nebenbei zu einer weiteren solchen Analyse: siehe hier z.B. Renate Dillmann „China“).
      Was sind denn die Konstituenten einer solchen „Menschennatur“ aus der man dann ein solches „Böse sein, Gierig sein“ ableiten könnte? Sind mir noch nirgendwo über den Weg gelaufen solche Konstituenten: Menschen sind böse weil es ihre Natur ist, deshalb folgt es aus der Menschennatur, dass der Mensch böse ist. Nur diesen Zirkelschluss bekommt man ständig serviert.

    • @Th. Grill

      „Ja es ist richtig Menschen sind kreativ, Menschen erschaffen Dinge, Menschen geben Wissen und Traditionen weiter. Das widerspricht aber nicht der Aussage, dass der Begriff „Menschennatur“ zunächst mal eine Abstraktiron von all diesen konkreten Unternehmungen ist.“
      Genau genommen geht die Materialisierung und die Betätigung des Menschen einer Begriffsbildung desselben (durch Abstraktion) voraus.
      Warum sei das erwähnt? Weil es doch der denkende Mensch ist, also Sie, der abstrahiert. Und abstrahieren bedeutet, all das weglassen, was sie weglassen wollen, – eben am besten für den jeweiligen Zweck sinnvoll.
      Sie können die Beschäftigung der Menschheit auf beliebige Weise abstrahieren, auflösen, trennen. Gegen eine Zeitdimension, gegen große Kriegsherren, gegen Atome, gegen die Farbskala – und natürlich können Sie all das menschliche Treiben und den menschlichen Selbstausdruck in ein Nichts oder eine Leere abstrahieren. Das ist als Denkmöglichkeit immer möglich. Aber ist es sinnhaft?

      „Der Mensch tut all diese Dinge, heißt es, weil es in seiner Natur liegt. Und die Menschennatur ist das jenige, was den Menschen dazu bringt all diese Dinge zu tun, heißt es auch.“
      Warum sollte dies zirkulär sein? Sie splitten doch gedanklich im ersten Satz den Menschen von seiner Natur in einen Dualismus, um im zweiten eine Menschennatur zu duplizieren. Und wer legt fest, dass zirkuläre Kausalität die (einzig) richtige
      oder sinnhafte Bemessungsgrundlage sein soll, wenn nicht Sie selbst?

      Natürlich kann man – wenn man es denn zu diesem Ziel hin will – so denken wie Sie. Aber das sagt doch nichts über die Natur des Menschen aus.
      Wenn Sie sagen wollen, dass man mit Menschennatur sehr schnell leeres Geschwätz ‚grundlegen‘ kann, weil jeder das als Natur in den Menschen hineinlegt, was er gerade braucht – klar; das ist beliebig.

      Vor diesem Hintergrund sind doch selbst absolute Aussagen („der Mensch sei ein gewalttätiger“) richtig, weil man weiß, dass auch das ‚Gegenteil‘ vorkommt („der Mensch sei ein gutmütiger“) genauso wahr ist. Problematisch wird es doch, wenn jemand behaupten würde, der Mensch sei ausschließlich und nur so, oder so.

      Und nicht weil ich Ken verteidigen müsste oder wollte, sondern weil Sie es als Beispiel anführen:

      Genau betrachtet macht Ken hier nichts anderes, als der _unterstellten_ Verengung menschlichen Seins im Kommunismus die Vielfalt an potentieller Seinsvielfalt der menschlichen Natur entgegen zu halten. D.h. er definiert oder vereinnahmt nicht konkret einen ausschließlichen Aspekt menschlichen Seins, um einen ebenso verengten Begriff entgegenzuhalten, sondern er verweist auf die Potentialität des Menschen, und zwar nicht nur als gedachte Potentialität, sonder als konkret bestätigte, nämlich der selbstgeäußerten Vielfalt der bisherigen Menschengeschichte.
      Natürlich ist das eine auf Wahrscheinlichkeit gründende Einschätzung, dass der Mensch sich nicht plötzlich radikal auf einen einzigen Seinsaspekt hin ausrichten wird, und nur noch Talente und Interessen nach diesem einen Aspekt hervorbringen wird. Ich halte dies für plausibel, was aber nicht aussagt, dass es nicht ‚Singularitäten‘ wie Klöstergemeinschaften, Sekten etc geben kann, die dauerhaft funktionieren. Aber auf die Gesamtheit hin betrachtet, würde ich ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass das qualitativ Besondere, eine Randerscheinung, auch quantitativ das Besondere, eine Randerscheinung, bleibt.

      Klar bleibt aber, dass es völliger Humbug ist zu glauben, man könne über Gedankenkonstruktionen, oder die Korrektheit von Gedanken etwas über den Menschen, seine Natur, oder seinen Werdegang aussagen. Man kann Empirie nicht beweisen, sondern lediglich nachmodellieren.

      Genauso ist es Quatsch die Aussage von Ken in Bezug auf den Kommunismus und seiner Prognose für mehr zu halten als es ist: eine Behauptung. Die mag falsch sein und trotzdem plausibel und wahrscheinlich.

      Aber deswegen braucht man doch nicht gleich die Menschennatur gegen das Nichts hin abstrahieren, nur um Ken seinen Argumentationsgrundlage zu entziehen.

      Kurz und gut: Sie tun dem Ken zuviel des Guten, wenn Sie ihm unterstellen, er hätte wegen seiner Argumentationskette gewichtige Gründe gegen den Kommunismus hervorgebracht, bzw. wegen falscher Argumentationslogik falsches gegen den Kommunismus hervorgebracht.

      Aber dasselbe gilt auch für Sie, wenn Sie einfach mal so die ‚Konstituenten‘ vor lauter Weltgeschichte nicht sehen wollen.

  7. Ich mag dem was hier über die Bewertung des Scheitern des „Realen Sozialismus gesagt wurde“ so gar nicht zustimmen. Hier gibt ist durchaus eine objektive Kritik möglich und solch eine Kritik wurde auch geführt:
    Welche Zwecke haben dort geherrscht

  8. Hallo KenFM Team. Im Endeffekt sehe ich die Folgen der Libertären Utopie ähnlich fatalistisch. Ich finde es aber schade das ihr in eine Sendung mit dem Namen Positionen nicht auch mal Menschen mit Libertären Positionen zu Wort kommen last. Auf den ersten blick vertreten auch diese Menschen eine Anti-Hierarchische Position. Zu vermitteln das die wahre Hierarchie im Besitz verankert ist wäre auch in einer Diskussion möglich. Ich würde mich über andere Positionen in Positionen freuen. Grüße

    • Ich kann schon verstehen, warum man sich entscheidet, mit diesen Leuten keine Gespräche zu führen. Und zwar nicht etwa, weil ein paar Gedanken nicht auch interessant wären, sondern weil es einer Wahrhaftigkeit entgegensteht, und zwar genau so diametral, wie die euphemistische Beteuerung von selbsteigentümlichen Verzicht auf Zwang jeglicher Art – und der materiellen Übervorteilung billiger Arbeitskräfte, Infrastruktur, Krankenhäuser etc. etc. wie es etwa ein Herr Janich dann doch gerne in Anspruch nimmt.

      Ein Auszug aus der Liste von natürlich nicht per se vorauszusetzender freiwilliger Bereitschaft und Beziehungen zwischen libertären Personen. Kein einziger Punkt an Eigen-tum, also Eigen-Leistung.
      Allein der Erwerb eines bezahlten Bungalow stellt die libertäre Eigenleistung dar – und man erfahre selbst, was ein libertärer Mensch sodann alles an planbaren Möglichkeiten für sich in Anspruch zu nehmen bereit ist.

      Sarkasmus an:
      Natürlich alles aufgrund einer libertären, also auf freiwillige Begegnung libertärer Personen hin entstandenen Sozialordnung. Die einen quatschen im Luxusproblem der Steuerlast von Freiheit – und die andern haben den Hintergrund dafür abzugeben, und sollen pünktlich und planbar (also nicht abhängig von einer libertären Freiwilligkeit) all die netten Bequemlichkeiten und Notdürfte für die hohen Herren besorgen.
      Sarkasmus aus.

      Besehen wir also die von libertären Menschen beanspruchten fremd-Leistungen, am Beispiel des Projektes Liberty Gardens:

      Zitat-Beginn-“
      – Tablas (Romblon Province) – lange Zeit das best gehütete Geheimnis inmitten der Inselwelt der Philippinen
      – Gute Infrastruktur
      – Regionaler Airport mit 3 Flügen/Wo. von/nach Manila
      – 2Go-Travel und Montenegro: Fähren täglich von/nach Manila, 5x pro Woche nach Boracay
      – Zentrale, sichere Lage, gute Infrastruktur
      – Gute Restaurants und Cafes
      – Freundliche Menschen – willkommene Expats
      – Odiongan – Tablas’ zentrale Stadt mit der Romblon State University und weiteren Colleges
      – Guter Ausbildungsstand der Mitmenschen
      – Sportangebote in großer Vielfalt: Segeln, paddeln, surfen, fischen, biken, oder trekken

      Zum Hintergrund:
      Die Nachbarinsel Boracay ist die Topadresse in Asien. In nur wenigen Jahren wurde sie zum Haupttouristenziel auf den Philippinen, mit 1,6 Millionen Gästen pro Jahr! Tendenz: Weiter steigend – weitere 10.000 Hotelbetten sind im Bau. 2016: Fertigstellung des Ausbaus des nationalen Flughafens Caticlan/Boracay zum internationalen Flughafen mit Direktfluegen von Europa/Australien/Korea/Japan. Dadurch stiegen die Immobilienpreise auf mehr als 2,500 US$ pro m2! Boracay ist heute eine 24-h Partyinsel mit Hunderten Hotels, Bars, Pubs und Restaurants im 4-5*Level. Highlights sind das Shangri-La-Hotel/Ressort und Ambassador Resort direkt an der White Beach. Die Liberty-Gardens haben direkte Verbindungen zu Hotel in Boracay mit Sonderkonditionen. Wie finden Sie die Idee, in den Liberty Gardens zu leben, wunderschön, ruhig und naturnah mit der Möglichkeit, in nur 35 Minuten in Boracay zu sein? Da lohnt es sich auch mal zum Baden/Tauchen oder Chillen mal kurz dorthin zu fahren. Womöglich mit dem eigenen Boot direkt von der Marina der Liberty-Gardens.
      „-Zitat-Ende.

      Worüber also sollte diskutiert werden? Über das wahre Tun und Treiben, oder über die schnöden Worte und Theorien?

      Ach ja, über den auf Steuern und nicht Teillen-müssen verengten Begriff von ‚Freiheit‘.

      Bitte liebes KenFM-Team – dann bitte lieber mal einen unbekannten Philosophen zum Thema, Freiheit, Menschenwürde, Ausbeutung und Wohlstandssorgen einladen.

    • Und noch deutlicher:

      Zitate aus Liberty Gardens:

      „Ein wirklich einzigartiges, unberührtes, ruhiges und gleichzeitig atemberaubendes Inselparadies mit modernen Annehmlichkeiten und einer besonders hohen Lebensqualität bei niedrigen Kosten. Betrachten Sie diese wunderbaren, einzigartigen und äußerst seltenen Vorteile:

      – Wohnen Sie dort, wo ältere Menschen mit Respekt und Würde behandelt werden

      – Leben Sie wie ein König, weil ihr Geld mehrmals länger reicht

      – Erfahren Sie, wie es ist, in der Lage zu sein, sich eine Haushaltshilfe, einen Gärtner und einen Fahrer leisten zu können

      – Hier finden Sie gute, kindgerechte Schulen und Universitäten für ihre Kinder

      – Für die Gesundheit das Beste: Günstige moderne Krankenhäuser befinden sich in Odiongan und Looc

      – Niedrige Kosten: 500 Euro pro Monat genügen für einen gehobenen Lebensstil (pro Person)

      -Steuerfreiheit, sichere Ruhestandsplanung

      -MODERNES Gesundheitswesen mit guter Ausstattung.
      4 neue, moderne Krankenhäuser. Gouverneur Prof. Dr. LongLong Firmalo ist ein amerikanisch ausgebildeter Arzt vom St. Lukes Hospital in Manila. Wir haben neue, große öffentliche Krankenhäuser mit 28 Ärzten und Spezialisten, plus 3 neue private Kliniken.

      Hohe Sicherheit“

      Hinter jedem dritten Satz liest sich die InAnspruchnahme von Leistungen, die die dortige Bevölkerung mit Steuern und Arbeit verwirklicht hat, und natürlich das Leben wie ein König bei all dem Einheimischen Volks, das man als billige Arbeitsplätze ausbeuten kann.

      Müsste ein libertärer Menschen – wollte er sich und sein Gerede ernst nehmen – nicht gerade der Inanspruchnahme, woran kein Eigenerwerb am Objekt in irgendeiner Form stattgefunden hat, abschwören?

      Von der nicht voraussetzbaren Freiwilligkeit einmal ganz abgesehen?

  9. Ich frage mich wirklich, ob dieser Beitrag sein musste. Natürlich habe ich ihn gehört und auch die Gegendarstellung von Charles Krüger und dann frug ich mich doch ganz ehrlich, was ihr beide da eigentlich macht. So wie ich es die Zeit über verstanden habe, seid ihr euch in über 90% aller Dinge einig. Die Analyse der Situation schafft wahrscheinlich sogar die 100% und doch habt ihr nichts besseres zu tun, als über einander herzufallen.
    Wenn schon Gegner nieder gestreckt werden sollen, dann befasst euch doch bitte mal mit dem Programm der SPD, besonders die Seite 91 gibt so viel mehr Gesprächsstoff, der die alternative Bewegung als solche vorwärts bringt. Ein weiser Mann hat mal gesagt: Kenne deinen Feind!

  10. Ich möchte mich bei dem Team KenFM bedanken, dass Ihr mich aufgeklärt habt.
    Bevor ich das Programm KenFM kennen gelernt habe, war ich hoft auf der Seite von freiwilligfrei und habe mir die Berichte angeschaut. Die Themen über Schule und Erziehung, haben mich sehr interessiert und haben mich stark beeinflusst.
    Bis zu diesem Video, war ich überzeugt, dass ein Staat überflüssig ist und daher möchte ich mich bei euch bedanken, dass ihr mir, die Augen geöffnet habt.

  11. Ich denke soweit wie ich das bisher verstanden habe, wäre der Libertarismus, ein Reset des Besitzes und der Vermögen, so das alle mit den Selben Chancen noch mal neu anfangen, nur das halt ohne Staat, also wie früher wo wir noch eine Monarchie hatten. Die Ideologie meint, aus meiner sicht, das wenn wir die Zeit zurück drehen, würden es alles nicht so laufen wie es gelaufen ist. Paradox.
    Das Niveau der Libertären kann man zb hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=OpS34HTUZK8
    Ich war etwas Sprachlos wie Degeneriert diese Argumentieren, so das ich direkt ein Kommentar dazu abgegeben habe, mir dem Schluss Satz, das es wohl das beste wäre, wenn sie sich das Kommentieren sparen würden, da es Lebenszeit kostet, welche andersweitig sinnvoller angelegt wäre. Sie haben es Kommentiert… xD

    Deinen Argumenten kann ich nur zustimmen und finde es eigentlich ziemlich seltsam das es nicht verstanden wird, ich denke das gewisse Figuren in dem Kreis, einfach eine Narzisstische tendenz haben wie man hier schön sieht: https://www.youtube.com/watch?v=-GdOjktGYDw

    Video 1: JenFM widerlegt den Libertarismus und stellt sich dem bedeutendsten deutschen Libertären
    Video 2: Zukunftskonzepte – Rico Albrecht & Oliver Janich bei SteinZeit

    • >> nur das halt ohne Staat, also wie früher wo wir noch eine Monarchie hatten.<<

      Das ist leider falsch.
      Liberatismus ist nur ein Synonym für Anarchie.
      In der Anarchie ist der Monarch mal völlig fehl am Platz.
      Es ist auch leider so dass viele Falschinformationen über Libertarismus umher geistern, wie z. B. dass es keine Regeln gibt.
      Der geneigte Interessent mache sich auf den Weg ins Web und informiere sich an unterschiedlichen Stellen.

    • elnino sagt: „Es ist auch leider so dass viele Falschinformationen über Libertarismus umher geistern, wie z. B. dass es keine Regeln gibt.“

      Wer legt diese Regeln fest?
      Und wer stellt sicher, dass diese Regeln eingehalten werden?

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