Der Grenzgänger

In seinem Buch „Die große Heuchelei“ zeigt sich Jürgen Todenhöfer als unerschrockener Wahrheitssucher.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Jürgen Todenhöfer ist das beste Beispiel dafür, wie wenig hilfreich es ist, Menschen in Schubladen zu stecken, um sie danach anhand der Beschreibung der Schublade zu klassifizieren und sodann auf- oder abzuwerten. Außerdem zeigt er uns, dass es unzählige Wege gibt, für den Frieden auf unterschiedlichen Ebenen aktiv zu werden. Todenhöfer hat nicht DIE Lösung hierfür, sondern — und das ist viel besser — seine ganz eigene gefunden.

von Peter Frey.

Darin steckt unter anderem eine Rolle als Diplomat, als Mittler zwischen Nationen — auch jenen, die nach dem offiziellen Narrativ keine direkten Beziehungen miteinander pflegen dürfen. Vater und Sohn Todenhöfer waren in einer Vielzahl von Situationen ganz nah am Elend des Krieges und dort weit weg von Politik und Diplomatie, die zwar auf ihre Art auch schmutzig sind, aber in gepflegten Räumen und sorgfältig gewählter — wenn auch verlogener — Sprache stattfindet. Doch Jürgen Todenhöfer hat ungeachtet dessen auch immer die Kontakte mit hochrangigen Politikern als wichtig empfunden und aufrechterhalten — was im weiteren Text noch gewürdigt wird.

Seine Jahrzehnte gepflegte Nähe zu politischen Eliten öffnete ihm Türen, die anderen verschlossen bleiben. Solche Vernetzungen können puren Lobbyismus bedienen, müssen es aber nicht. Jürgen Todenhöfer scheint ganz offenbar ein Mensch zu sein, der Vertrauen genießt, da er sehr bewusst anderen Menschen Vertrauen entgegenbringt, quasi in eine Vorleistung geht. Er bringt Vertrauen entgegen und missbraucht entgegen gebrachtes nicht. So erinnert er mich diesbezüglich an den vor wenigen Jahren verstorbenen Peter Scholl-Latour.

Das — gepaart mit seinen finanziellen Möglichkeiten — erlaubt Jürgen Todenhöfer, sich als Wanderer zwischen den Welten zu bewegen und das ist nicht nur im geografischen Sinne gemeint. Denn seine Reisen schließen auch eine Bewegung über die gesamte Vertikale der Machthierarchie unserer Gesellschaft, von den Ärmsten, Mittellosesten und Rechtlosesten bis hin zu den Spitzen der Politik ein. Seine in eine Reihe von Büchern gefassten Einblicke strahlen die Glaubwürdigkeit des direkt Erlebten aus und dies gilt auch für sein neuestes Werk „Die große Heuchelei“ (1).

Todenhöfer gibt uns in diesem Buch — manchmal fast beiläufig — die Puzzleteile in die Hand, die es benötigt, um Konflikte zu verstehen. Er setzt das Puzzle nicht zusammen. Er hat nicht vor, uns das Denken abzunehmen. Vielleicht kann er es auch gar nicht. Seine Analysen und Wertungen beschränken sich fast immer auf den ethischen Anspruch — seinen und den des von den westlichen Gesellschaften propagierten. Beispiele finden wir zuhauf — zum Beispiel in seinem Vor-Ort-Bericht aus Mossul:

„Schon Anfang 2003, kurz vor der US-Invasion, hatte ich sie (die Stadt Mossul) besucht und bewundert. Stundenlang war ich durch ihre Gassen geschlendert. Sunniten, Schiiten, Jesiden und Christen lebten hier harmonisch zusammen. Genauso wie Araber und Kurden“ (2).

Merken wir auf, was uns Todenhöfer hier aus erster Hand vermittelt:

Das allgemeine Narrativ hierzulande berichtet über Konflikte im Nahen und Mittleren Osten immerfort in einer Weise, laut welcher die unterschiedlichen Konfessionen, insbesondere die des Islam, nicht friedensfähig seien. Man macht religiösen Zwist als Ursache von Kriegen fest. Dem war und ist nicht so.

Religiöse, über Ländergrenzen hinweg gewalttätige Extremisten übernahmen in jenen Staaten immer erst dann das Zepter, wenn westliche Staaten mit einem großen Instrumentarium an Machtmitteln in deren gesellschaftliche Prozesse eingegriffen hatten. Das war in Syrien nach 2011 nicht anders als in Libyen im selben Jahr und im Irak nach 2003. Es gilt aber ebenso für Afghanistan seit den 1970er — und Jugoslawien seit den 1990er Jahren. Sie erleben es außerdem im Falle Eritreas und des Jemen. Der Iran ist betroffen und Russland ebenso.

Todenhöfer setzt fort:

„Die Menschen waren mir gegenüber sehr freundlich, obwohl sie unter Sanktionen des Westens bitter zu leiden hatten. Diese Sanktionen, die der Vatikan ,pervers‘ nannte, hatten in Mossul tausende Menschen getötet. Im Gesamt-Irak hatten sie einer halben Million Kindern das Leben gekostet“ (3).

Festzuhalten gilt: Eine der stärksten Waffen der Kriegsführung westlicher Staaten ist der Wirtschaftskrieg, der Aufbau eines umfassenden Sanktions-Regimes, das Abschneiden vom internationalen Zahlungsverkehr, die mit Gewalt durchgesetzte Blockade zur Lieferung lebensnotwendiger Güter, die damit beabsichtigte Verarmung und Schwächung des betroffenen Landes, um es für eine revolutionäre Situation reif zu machen.

Diese Politik, Gesellschaften auf wirtschaftlich-sozialer Ebene auszubluten, wird von Politikern des Westens wie auch in den hiesigen gleichgeschalteten Medien verbrämt und verfälscht wiedergegeben. Man verkauft sie als „Strafmaßnahmen“ gegen „Diktatoren“ und deren Klientel. Man tut so, als ob die Sanktionen nur Einzelpersonen betreffen. Vielmehr wird auf zynische Weise die Begrifflichkeit „humanitäre Maßnahme“ in den Mund genommen. Man beschwört einen Genozid — und betreibt ihn höchstselbst. Sind sich die Rezipienten im Klaren, dass sie Teil dieses mörderischen Systems sind?

Das wahre Ziel des auch von Jürgen Todenhöfer so benannten Wertewestens ist ganz klar das Heranführen der Bevölkerungen an eine Schmerzgrenze, um gegen ihre Regierungen aufzubegehren. Die tieferen Ursachen, warum der Westen eine solche Politik wirklich betreibt — man ist fast geneigt zu sagen, betreiben muss —, reißt der Autor höchstens an. Doch sollten wir alle eben das tun. Jürgen Todenhöfer gibt uns, aber auch sich selbst — immer noch in Mossul weilend — weiteres Denkfutter:

„Nach der US-Invasion und dem Sturz Saddams hatte für die sunnitische Mehrheit Mossuls eine neue Leidenszeit begonnen. Die neuen schiitischen Herrscher gingen hart gegen die einst mächtigen Sunniten vor. Sie ließen sie spüren, dass ihre Zeit vorbei war. Durch Schikanen, durch Verhaftungen, durch Todesschwadronen“ (4).

Hat Todenhöfer erkannt, wer das zu verantworten hatte? Ist ihm klar, dass dieser Zwist im Konzept des „Teile und Herrsche“ ganz bewusst von der US-Besatzungsmacht herbeigeführt wurde?

Wer die Ergebnisse der US-Interventionen weltweit als Fehlschläge der US-Politik begreift, liegt falsch. Geostrategen wie der verstorbene Zbigniew Brzezinski definierten die herbeigeführten Zustände vielmehr ausdrücklich als Ziele, um als weltweiter, angeblich unabhängiger Richter zum Austarieren von Machtbalancen auftreten zu können. Diese „Fehlschläge“ haben den USA über Jahrzehnte Macht und somit Einfluss gesichert.

Mit der kompletten Auflösung des irakischen Regierungsapparates schuf die US-Besatzungsmacht ein wirtschaftliches und administratives Chaos im Land — was fälschlicherweise in den Medien als Machtvakuum bezeichnet wird. Die politische Verfolgung des vorrangig sunnitisch geprägten entmachteten irakischen Beamtenapparates, wie auch das Installieren einer schiitisch dominanten Vasallenregierung, die ihrerseits umgehend damit begann, Sunniten zu diskriminieren, ermöglichte und förderte den Aufstieg von al-Qaida im Allgmeinen und des Islamischen Staat im Besonderen.

Ein nicht endendes Chaos im Nahen Osten zu schaffen („kreative Zerstörung“), um sich damit die Kontrolle über die Region zu sichern („Greater Middle East„), war das erklärte Ziel der ziokonservativen Eliten in Washington, nachdem sie die im Project for the New American Century (PNAC) verankerte globale Vorherrschaft der USA als verbindlich definiert hatten.

Dementsprechend benötigten die USA im Irak das Folgende: Zum einen eine korrupte, undemokratische und hörige, schiitisch geprägte Regierung, die fleißig mit den Erlösen irakischen Erdöls Produkte der boomenden US-Rüstungsindustrie kauft, den im Irak tätigen US-Unternehmen fette Gewinne garantiert und dabei in Schulden versank, welche über bei westlichen Banken neu aufgenommene Kredite bedient wurden. Zum anderen eine quantitativ rasch anwachsende, sunnitische, militante „Opposition“, die auf geheimnisvolle Weise radikalisiert und vollständig für einen Krieg ausgerüstet wurde. Schließlich noch die gezielte Förderung der Kurden im Norden des Landes, um deren Separatismus anzutreiben. Idealerweise kommt dann für „Die einzige Weltmacht„ so etwas heraus (b1):

Bild

Neuer Naher Osten; Blutgrenzen: wie ein „besserer“ Naher Osten aussähe; Ralph Peters, Pentagon (b1).

Als Julian Assange per WikiLeaks dafür sorgte, Kriegsverbrechen der USA im Irak öffentlich zu machen, wurde auch bekannt, wie politische Gefangene in von den USA „betreuten“ Gefängnissen wie Abu Ghraib systematisch misshandelt wurden. Man kann diese Misshandlungen auch anders interpretieren: als Konditionierung extremistischer Führer einer zukünftigen, sunnitisch geprägten Armee, die sich später zum Beispiel Islamischer Staat oder Jabhat al-Nusra nennen würden (5, 6).

Die geostrategischen Konzepte der USA — zur Sicherung ihres umfassenden Einflusses — sehen ganz klar vor, potenziell starke, heterogen geprägte Staaten zu zerschlagen und durch kleinere, gut lenkbare Staatsgebilde zu ersetzen. Unbedingte Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung ist das Entfachen von Hass zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Diesen, durch wohl kalkulierte Maßnahmen entfachten Hass, einen Hass, den er zuvor aus Mossul in keiner Weise kannte, hat Jürgen Todenhöfer beschrieben. Er lässt uns im Weiteren wissen:

„Doch im Juni 2014 eroberten überraschend ein paar Hundert IS-Kämpfer Mossul. (…) Die Sunniten von Mossul wehrten sich nicht gegen die ‚sunnitischen‘ Eroberer. Zu sehr waren sie von den Schiiten schikaniert worden“ (7).

Dieses Bild möchte ich vervollständigen. „Überraschend“ ist Teil des wertewestlichen Narrativs zum Phänomen des IS, samt seinem „unaufhaltsamen Aufstieg“. Ein stabiler Staat Irak — egal ob schiitisch, sunnitisch oder gemischt — wird letztlich auch ein souveräner Staat sein. Souveräne Staaten lassen sich nicht kontrollieren und gegeneinander ausspielen. Daher war der Aufstieg des IS eben nicht überraschend. Der Todesmut seiner Kämpfer und die Brutalität mit der er gegen seine Gegner vorgeht, können nicht genügen, um seinen Erfolg zu erklären.

Der IS besiegte wieder und wieder eine hochgerüstete irakische Armee — und das auch noch in Anwesenheit tausender US-Soldaten, Agenten und von den USA bezahlter Privatarmeen. Der zentrale Militärstützpunkt der USA für den Nahen Osten, CENTCOM ist nah. Die Interventionsmacht kann im Prinzip lückenlos aus der Luft aufklären und bombardieren.

Trotzdem gelang es dem Islamischen Staat zum Beispiel in Mossul hunderte Humvees, fabrikneue gepanzerte Militärfahrzeuge, die der Irak gerade von den USA gekauft hatte, zu erbeuten. Eine Übermacht von 30.000 gut ausgerüsteten Soldaten war zuvor sang- und klanglos aus Mossul abgezogen worden und hatte diese Fahrzeuge „in der Hektik des Rückzugs“ zurückgelassen, sodass 800 Glaubenskrieger faktisch kampflos in Mossul einzogen (8).

Der IS fuhr in US-Kampfpanzern des Typs Abrams M1 durch die Gegend, die sich — so meine Vermutung — nur durch elektronische Codes starten und durch diese auch sperren lassen. Das kann auch aus der Ferne geschehen. Das sind hochmoderne Fahrzeuge, die einer qualifizierten Wartung und Bedienung bedürfen. Oder überschätze ich heutige moderne Waffentechnologien? Wer den Krieg im Nahen Osten tatsächlich steuert, das beschreibt Jürgen Todenhöfer — ohne sich dessen Tragweite tatsächlich bewusst zu sein. Er schreibt — wohl auch, um die Sprachlosigkeit angesichts des Geschehenen zu überwinden:

„Am 17. März 2016 waren rund 150 Menschen (…) aus umkämpften Gebieten in ein leerstehendes Gebäude des Stadtteils Al-Jadidah geflüchtet. (…) Es war unwahrscheinlich, dass sie durch Bomben angegriffen würden. Die US-Flugzeuge und Satelliten hatten ja leicht erkennen können, dass hier nur Familien mit Kindern Zuflucht gesucht hatten. Doch die Flüchtlinge irrten. Die US-Bomber kamen und feuerten vier Raketen auf das Haus ab. 137 Menschen wurden zerfetzt, verbrannt, von den Trümmern des Hauses erschlagen“ (9).

So sehr Jürgen Todenhöfer auch ahnt, dass die westlichen Staaten tief in die Entfachung und Aufrechterhaltung von Kriegen im Irak, Syrien, Jemen, Libyen, Mali, Afghanistan, Sudan, Kongo verwickelt sind. Der „Wertewesten“ steckt noch viel, viel tiefer in diesen Katastrophen. So weit mag Todenhöfer dann nicht gehen. Sein Bruch mit jenem Weltbild, das jener Schicht entspringt, der auch er entstammt, ist ohnehin bemerkenswert.

Jürgen Todenhöfer hat einen moralischen Anspruch und diesen legt er auf alles, was er beobachtet. Für mich entstand bei der Lektüre seines Buches der Eindruck, dass hier der Wunsch, immer moralisch zu handeln, auch die Lösung aller Probleme beinhaltet. Geht so etwas überhaupt? Wenn ein irakischer Offizier, der Dutzende Kameraden bei der Befreiung des IS in Mossul verloren hat, nicht bereit ist, zwei tote IS-Kämpfer zu begraben oder Anweisungen dafür zu geben, ist das für den Deutschen moralisch verwerflich. Doch macht er es sich damit nicht zu leicht? Denn er ist nicht verstrickt in diesen Krieg, er ist „nur“ mitleidender, aber außenstehender Beobachter.

Doch sein konsequenter moralischer Anspruch ermöglicht es ihm auch, das Lügenhafte in den ständig moralisch gefärbten Stellungnahmen und Handlungen westlicher Politiker und Medienleute zu erkennen. Er reißt zwar diese moralisierende Fassade nicht zur Gänze ein, aber er sieht die Manipulation, die Lüge an sich:

„Ich glaube, dass wir draußen vor der Tür viele vergessen haben. Die politischen Eliten des Westens fordern die Errungenschaften unserer Zivilisation letztlich nur für den Westen. Für sich selbst. Sie interessieren sich nicht für die Rechte von Menschen in anderen Kulturkreisen. Ihre Menschenrechtspolitik gegenüber dem ,Rest der Welt‘ ist eine Mogelpackung. Eine raffinierte Verhüllung kalter, oft brutaler Interessenpolitik. Heimliche kulturelle Apartheid“ (10).

Sehr bewusst hat Todenhöfer sein Buch „Die Große Heuchelei“ betitelt. Er ist angewidert von der beständigen Heuchelei von Politikern, samt den ihnen hinterher hechelnden Medien — angefangen in den USA, fortgesetzt von hörigen europäischen Politikern. Er vernimmt die gesalbten Worte mit ihren vorgeschobenen, vermeintlich humanitären Absichten und erfährt aber während seiner Reisen den schreienden Widerspruch in der Realität. Er versucht sich und uns diese Heuchelei zu erklären. Doch oft ist da Fassungslosigkeit und Ohnmacht. Warum sprechen Leute in Machtpositionen immer von Werten, wenn sie doch in Wahrheit Interessen meinen? Folgerichtig nennt er den Untertitel seines Buches:

„Wie Politik und Medien unsere Werte verraten“

Sofort koppelte das in mir mit dem Begriff „westliche Wertegemeinschaft“ und der allgemein, wie selbstverständlich verbreiteten suggestiven Botschaft, dass der Westen besondere, einzigartige Werte in sich trägt. Jürgen Todenhöfer stößt damit — so meine ich — an seine Grenzen, wenn er versucht „unsere Werte“ — die von den westlichen Demokratien postulierten — als Versprechen, als ethische Verpflichtung festzumachen. Wohl deshalb lässt er sich doch hinreißen, zwischen „eigentlich“ guten und per se schlechten Menschen zu unterscheiden:

„Der tägliche Verrat unserer Werte macht es einem Politiker wie Trump leicht, sie hohnlachend über Bord zu werfen und ganz offen auf nationale ,Eigeninteressen‘ zu setzen“ (11).

Doch was soll das sein: „unsere Werte“? In mir trage ich meine ureigenen Werte als Mensch und nach diesen handele ich — und manchmal tue ich das nicht. Nicht anders ergeht es auch Jürgen Todenhöfer selbst. Er legt eine Elle an, die zu hoch ist, für die, die er anklagt und für ihn selbst ebenso. Die eigene Biografie kann ihm sagen, dass konsequent ethisch reines Handeln eine Illusion ist (12). Wir alle machen da ständig große und kleine Kompromisse.

Die herumposaunten Werte der westlichen Mächte aber sind von denselben nie mit der Absicht verkündet worden, auch umfassend verwirklicht zu werden. Der Westen hat so gesehen seine Werte nie verraten. Innerhalb des Systems, dem wir folgen sollen, gab es nie welche. Menschen dagegen haben sehr wohl ihre Werte — weltweit. Viele dieser Werte sind universell und berühren deshalb uns alle. Innerhalb von Machtstrukturen nutzt man das aus und vereinnahmt mittels Propaganda die uns innewohnende Ethik und damit unser Selbst. Denken in Macht vergewaltigt uns mit samt unseren wahrhaftigen Werten für egoistische Interessen.

Es sind letztlich nicht die „westlichen Werte“ sondern die ureigenen ethischen Werte des Menschen Jürgen Todenhöfer, für die eben dieser in seinem Buch leidenschaftlich wirbt. Das ist die für mich entscheidende Note des Buches: der nicht müde werdende Appell an unsere Humanität, an unser friedliches, gemeinsames Menschsein.

Getroffene Hunde bellen und fast folgerichtig wird Todenhöfer von devoten Transatlantikern wie dem Chefredakteur der Zeit, Joseph Joffe, der mit seinem Verständnis von Moral noch jeden „humanitären Einsatz“ gerechtfertigt hat, hart und respektlos angegriffen. In der Replik auf ein früheres Buch Todenhöfers verstieg sich Joffe in den Wahn dieser Moral eines klassischen Bellizisten — ganz nach dem Motto „Wir sind die Guten“:

„Dieser absolute Pazifismus (Todenhöfers) ist der zentrale Denkfehler. Wer die Friedfertigkeit als höchstes Gut proklamiert, sagt gleichzeitig, dass er jeden anderen Wert im Namen des Friedens zu verraten bereit sei: Familie, Freunde, Nation, dazu Freiheit, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit“ (13).

Joffe als Kriegs-Demagoge hat mit diesem Argument noch jeden Krieg der letzten drei Jahrzehnte, so er vom Wertewesten geführt wurde, in einen Friedenseinsatz umgelogen. Leute wie Joffe richten — meiner Ansicht nach — die verheerendsten Schäden in den Köpfen der Menschen an. Jürgen Todenhöfer hat in seinem Buch auch versucht, zu beantworten, warum er selbst das tut, was er tut: Reisen zu unternehmen, die von unserer Warte aus zuweilen den Eindruck erwecken, dass da ein Mensch von Todessehnsüchten getrieben ist.

Ungeachtet der Antworten, die er sich dazu selbst abringt, denke ich, dass sich mit dieser „Reiselust“ auch die inneren Konflikte, geboren aus der Widersprüchlichkeit der Erfahrungen des Jürgen Todenhöfer manifestieren. Er ist auf der ständigen Suche nach Wahrheit, nach Gewissheit und jede Erkenntnis treibt ihn zu einer neuen Suche. Ja, er ist ein Getriebener. Das scheint zu seinem inneren Wesen zu gehören. Solche Menschen sind sehr wertvoll, weil sie in Grenzbereiche vorstoßen und außerdem ihre dort gemachten Erfahrungen an uns weitergeben (a1).

Wagemut bedarf des Glücks, was auch das des Tüchtigen ist. Wünschen wir Jürgen Todenhöfer und seinem Sohn, dass sie dieses Glück nicht verlässt. Zumal die beiden dort hingehen, wo es weh tut, zu sehen. Wo das Leiden und der Tod von Menschen durch die große Nähe ganz anders fühlbar werden, überwinden sie — mit ihrer wahrhaftigen Empörung — auch die Schere im Kopf.

Das zeigte sich im Buch sehr deutlich, als der Publizist über seine Erlebnisse in Palästina berichtete. Er hat dort geradezu physisch eine völlig andere Opfer-Täter-Rolle wahrgenommen, als jene, welche von der israelischen Politik als Rechtfertigung für ihre Apartheid gegenüber den Palästinensern vorgeschoben wird. Er nimmt mit seiner entschiedenen Verurteilung dieser Politik bewusst in Kauf, von einer sehr umtriebigen Israel-Lobby hier in Deutschland als Antisemit verunglimpft zu werden.

Einen Teil seiner Einnahmen aus dem Buchverkauf spendet Jürgen Todenhöfer für die Betreuung traumatisierter, palästinensischer Kinder. Im März 2016 brachte er selbst 50.000 Euro nach Gaza mit und erlebte mit den Kindern einen Nachmittag auf einem Bolzplatz. Stunden später geschah dies:

„In der Nacht dieses wundervollen Tages hörten wir Explosionen. Ein Luftangriff, obwohl die Kampfhandlungen seit über einem Jahr beendet waren? Am nächsten Tag erfuhren wir, dass es tatsächlich einen israelischen Angriff auf eine Militäranlage der Hamas gegeben hatte. Splitter einer Rakete hatten ein Bauernhaus in der Nähe unseres Fußballplatzes getroffen. Und dort die sechsjährige Isra‘a und ihren Bruder, den zehnjährigen Yassin, im Schlaf getötet. Wir waren zurück in der Realität“ (14).

Warum taten die Israelis das? Todenhöfer fährt fort:

„Vor dem israelischen Luftangriff hatte offenbar eine extremistische palästinensische Splittergruppe eines ihrer idiotischen Kassam-Geschosse auf israelisches Gebiet gefeuert. Und wie meist nichts getroffen. Die israelische Regierung machte für diesen Angriff die Hamas verantwortlich. Obwohl sie wusste, dass die Hamas seit Längerem keine Raketen mehr abfeuerte. Und auch nicht jeden Winkel Gazas kontrollieren konnte. Kassam-Geschosse konnten aus jedem Garten, aus jeder Hausruine abgeschossen werden. In Israel war bekannt, dass die Hamas teilweise brutal gegen radikale Splittergruppen in Gaza vorging. Aber solche Details spielten bei den ,Abstrafaktionen‘ Israels keine Rolle“ (15).

Unter dem Eindruck des Erlebten schrieb Todenhöfer einen öffentlichen Brief an den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, in dem er an dessen Mitgefühl appellierte. Ob Netanjahu den Brief überhaupt gelesen hat, ist nicht bekannt.

Angesichts des Leides der Menschen suchte Todenhöfer auch zu weiteren Spitzenpolitikern den Kontakt: zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad — den er selbst als Diktator bezeichnet —, oder zum Neokonservativen Richard Perle, einem der Hauptgestalter von PNAC (siehe oben). Todenhöfer vermittelte Ende des Jahres 2015 sehr ernsthafte Angebote des syrischen Präsidenten zur Konfliktbeilegung an die US-amerikanische Regierung und persönlich an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Keine dieser Initiativen hat in irgendeiner Weise das politische Tun der Adressaten verändert. Was allerdings dieses Schreiben nicht sinnlos macht. Vielmehr müssten politisch Verantwortliche auch hier in Deutschland mit diesen regelrecht zugeschüttet werden.

Der ehemalige Konzern-Vorstand Jürgen Todenhöfer gibt mit diesem Auftreten dem namenlosen menschlichen Leid, das ja selbst in dieser Namenlosigkeit — dort wo es nicht passt — verschwiegen wird, wieder ein Gesicht.

Am Menschen Jürgen Todenhöfer mit seiner einzigartigen Biografie lässt sich begreifen, dass Schubladendenken unserer Erkenntnis nicht dienlich ist und stattdessen zur Spaltung zwischen uns Menschen beiträgt. Todenhöfer entstammt einer Klasse im System, deren Mitglieder auch Kapitalisten genannt werden. Doch ist eine jede Persönlichkeit komplex und wandelbar. Die Reduzierung auf diese eine Klassifizierung wird dem Menschen und auch seinen Ansichten und ethischen Ansprüchen und Handeln nicht gerecht. Es ist keinesfalls so, dass eine Nähe zu Eliten zwangläufig korrumpieren muss. Ob und inwieweit das geschieht, hängt in letzter Instanz von der Persönlichkeit des Betreffenden ab und was für den ehemaligen Burda-Vorstand gilt, hat auch für jeden anderen Menschen Gültigkeit — unabhängig von seiner gesellschaftlichen Stellung.

Jürgen Todenhöfer ist aufrichtig empört. Seine Trauer und der Zorn ob des gesehenen menschlichen Leids anderswo lassen ihn mit einem System abrechnen, das unser aller System ist und in dem wir also leben. Wir leben gut in dem System und Todenhöfer ahnt, dass unser Wohlstand mit den Kriegen „da unten“ zu tun hat. Auch wenn er es nicht wagt, die tieferen Ursachen der Kriege, die von den Nationen der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft losgetreten wurden, zu erforschen.

Er zweifelt nicht am System selbst, sondern meint, dass „nur“ dessen ethische Grundlage wieder freigelegt werden muss. Er bleibt bei einer rein ethischen Sicht und kritisiert aus dieser heraus die Unehrlichkeit in der moralischen Bewertung anderer Gesellschaften und Menschen durch den Wertewesten. Letztlich reflektiert er damit auch sein eigenes, dieser geforderten Ethik widersprechende Tun in der Vergangenheit (a1). Folgerichtig appelliert er an die Entscheidungsträger, ehrliche Politik zu betreiben.

Das schmälert aber in keiner Weise seine Leistung, die darin besteht, den „anderen Part“, das von Politik und Medien des Mainstreams Verschwiegene, offen zu legen.

Todenhöfers Recherchen, seine Suche vor Ort nach der Wahrheit und sein daraus entstandenes Buch „Die große Heuchelei“ sind vorrangig Appelle an das Verstehen der Menschen und vor allem für den Frieden. Seine Ansagen sind emotional, teils verzweifelt, doch immer authentisch. Er ruft unsere Gesellschaft als Ganzes zu echter — statt der vorgeschobenen heuchelnden — Humanität auf. Die Botschaft, Frieden zu leben, sie ist das Wertvollste an diesem Buch.

Bleiben Sie bitte schön aufmerksam.


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Quellen und Anmerkungen:

(a1) Jürgen Todenhöfer hatte durchaus seinen eigenen konfliktreichen Weg zu bewältigen, bis er so kompromisslos wie heute für den Frieden eintrat. In der Vergangenheit trat er sehr wohl parteiisch auf und unterstützte aktiv Kriege für „höhere Werte“, so wie in Afghanistan in den 1980er Jahren.
(1) Jürgen Todenhöfer; Die große Heuchelei — Wie Politik und Medien unsere Werte verraten; 2019; Propyläen (Ullstein Buchverlage GmbH); ISBN 978-3-945-10003-5; im Weiteren benannt JTGH
(2) JTGH; S.18/19
(3,4,7) JTGH; S.19
(5) B. Vorsamer; 7.4.2010; https://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-video-wie-die-bilder-aus-abu-ghraib-1.4026
(6) Samuel J. Provance, WikiLeaks; 13.2.2006; https://file.wikileaks.org/file/us-provance-2006.pdfhttps://wikileaks.org/wiki/Abu_Ghraib_whistleblower_Samuel_Provance_statement,_unredacted,_13_Feb_2006
(8) 12.6.2014; https://www.theguardian.com/world/2014/jun/11/mosul-isis-gunmen-middle-east-states
(9) JTGH; S.41/42
(10) JTGH; S.28
(11) JTGH; S.37
(12) https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Todenh%C3%B6fer; abgerufen: 28.4.2019, 11:00 Uhr
(13) Joseph Joffe; 20.2.2014; https://www.zeit.de/2014/08/juergen-todenhoefer-du-sollst-nicht-toeten
(14) JTGH; S.85/86
(15) JTGH; S.86
(b1) Blood borders: How a better Middle East Would Look; Ralph Peters; 2006; Armed Forces Journal; http://www.armedforcesjournal.com/blood-borders

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Dieser Beitrag erschien am 07.05.2019 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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19 Kommentare zu: “Der Grenzgänger

  1. Ich verweise alle Interessierten auf ein heute bei „Rubikon“ erschienenes Interview mit Todenhöfer. Das Interview führte keine Geringere als Karin Leukefeld. Den Link kann ich mir wohl sparen, Links landen bei KenFM immer in der Überprüfung. Sollte auch so leicht zu finden sein.

  2. Diplomatie ist ein dreckiges Geschäft, aber die Sprache der Diplomatie ist ehrlich, denn Diplomaten wissen, was die Vokabeln bedeuten.
    Propaganda für die Bevölkerung ist verlogen, denn die Mehrheit der Bevölkerung braucht erschreckend lange, bis sie merkt, was die Vokabeln bedeuten – und diese lange Leitung wird ausgenutzt.

    Das Buch könnte lesenswert sein. Es scheint so, als ob die Einblicke in Schauplätze in Nahost ein Stück jüngster Geschichte exemplarisch beschreiben.

    Imperien entstanden, wenn eine Macht technisch und taktisch überlegen war.
    Das dauerte jeweils so lange, bis die Gegner dazu lernten und die Schwachstellen erkannten.
    Schon im Römischen Reich wurde den Gegnern irgendwann klar, dass die Römer in offenen Feldschlachten nicht zu schlagen waren, aber in jeder Art Gelände, wo sie sich nicht taktisch formieren konnten, durchaus zu schlagen waren – und das geht modernen Armeen ähnlich.
    Das heutige Imperium nutzt das für sich und setzt teilweise selber Guerilla-Armeen gegen staatliche Armeen ein. (Zivil setzt das heutige Imperium NGOs und Netzwerke wie Atlantik-Brücke u.ä. ein, oder gleich ehemalige GoldmanSachs-Angestellte als „Politiker“.)
    Nun zeigt auch diese Taktik ihre Schwachstellen, es bleibt interessant.

  3. Game of Thrones bei KenFM und seine Fans. Ein Held sein das wollte ich schon immer und Totenhöfer vermutlich auch. Da wird der Vergewaltiger der ein junges Mädchen über 200 mal vergewaltigt hat oder der mutige IS Mann der den Gefangenen von hinten in den Kopf schießt zum Helden gemacht. Wer will den nicht bei Game of Thrones mitspielen.
    Der Artikel hat wirklich den Unterhaltungswert von Game of Thrones und wird von seinen Fans vermutlich genauso begeistert gelesen.
    Wieviele durch den Islam verfolgte, vergewaltigte und ermordete Menschen muss ich dafür ignorieren um das zu glauben? Ach egal , ich liebe Game of Thrones, herrlich diese kollektive heroische Geisteskrankheit.

    • Ach ja? Da (wo?) wird der Vergewaltiger zum Helden gemacht und der IS-Mann auch? Bitte erläutern – sicher hast du das Buch von Todenhöfer (so heißt der) gelesen…!? Sonst wüsstest du sowas ja nicht. Es handelt sich dann allerdings um ein anderes Buch als das, welches ich gelesen habe. Oder gibt es tatsächlich einen Autor namens Totenhöfer?

      Hast du denn wenigstens schonmal davon gehört, dass die Politik des Westens, die Todenhöfer so scharf kritisiert, für den IS und viele Grausamkeiten direkt und indirekt verantwortlich ist?

      Der Artikel wird keineswegs mit Begeisterung gelesen, denn niemand findet das witzig oder unterhaltsam. Der Artikel macht uns auf schmerzhafte Weise wieder einmal deutlich, wie das „christlich-jüdische Abendland“ den Rest der Welt verwüstet hat und weiterhin verwüstet.

      An was genau glaubst du denn nicht? Vielleicht kann dir geholfen werden, es geht hier nämlich gar nicht um Glaubensfragen.

    • Sagen Sie doch einfach, dass es Sie stört, dass Todenhöfer mit Vorurteilen, die Muslime betreffend aufräumt und mit ihren Ansichten nicht dakor geht.
      Ich glaube, die westliche Zivilisation hat selbst genug Dreck am Stecken.
      Es gibt keinen Grund dafür, dass wir uns für die besseren Menschen halten.

    • Das Buch von Todenhöfer wird übrigens bei den MSM sehr unterschiedlich beurteilt.
      Letzten Sonntag bei ttt gelobt – und eine Sendung danach, Druckfisch mit Denis Scheck, wanderte es, ohne überzeugende Kritik, in den „Abfallkorb“.

    • Was mich stört ist die einseitige Sichtweise oder sagen wir so man tut ja so als ob es unzählige Menschen die durch den Islam verfolgt werden nicht gibt. Man tut ja so als ob die Moscheen in Deutschland, Lies uns die in Deutschland für den IS rekrutiert haben nicht gibt und als ob die nichts mit den Islam zu tun haben. Man tut so als ob die Muslimbruderschaft und Saudi Arabien nichts mit dem Islam zu tun haben, man tut ja so als ob die unzähligen Terrorguppen in Asien und Afrika nichts mit dem Islam zu tun haben, usw. Mal ehrlich, glauben Sie das 30 000 ausgebildete Soldaten in Hummer Fahrzeugen von 800 Hanseln dovonlaufen und dabei aus den Hummer aussteigen und dann laufen? Wenn Sie das glauben sind sie entweder naiv oder … Ich würde mal sagen das war eine geplante Übergabe.
      Wenn so getan wird als ob nur die USA daran schuld sind und die islamischen Staaten damit gar nichts zu tun haben, also über Lückenpresse müssen wir nicht mehr reden oder. Und mal ehrlich, der Artikel ist vom Niveau wirklich auf Game of Thrones Ebene. Die Psyche der Game of Thrones Fans halte allerdings für sehr bedenklich, wie es aussieht ist das aber unsere Zukunft. Schauen Sie sich mal in den Schulen um.

    • „Durch den Islam verfolgte Menschen“ – meine Güte, was für ein Satz! Menschen werden durch Menschen verfolgt, nicht durch Religionen. Das ist aber ein völlig anderes Thema, wie der Islam in die deutsche Gesellschaft integriert wird (du scheinst ja auch kein „Biodeutscher“ zu sein, jedenfalls rein sprachlich betrachtet, aber es fällt ja häufig auf, dass diejenigen, die besonders stark aufs Deutschtum drängen, nicht einmal der eigenen Sprache mächtig sind; es sind nicht nur die fehlenden Satzzeichen, die deine Texte schwer leserlich machen). Der einzige Zusammenhang mit dem Thema liegt darin, dass die zunehmende Radikalisierung ja Gründe hat, und da sind wir dann halt leider wieder bei den Interventionen des Westens in den betreffenden Ländern. Was ich noch nie gehört habe, ist, dass die islamisch geprägten Länder Truppen bei uns stationiert hätten, Luftangriffe durchführen, bewaffnete Drohnen kreisen lassen, Regierungen stürzen etc.

      Es wird nirgend so getan, als wären „nur die USA schuld“. Es geht in dem Buch aber nunmal um diese Politik der USA und ihrer Verbündeten, darum, was diese in den betreffenden Ländern anrichtet. Dazu gehört dann auch die Einsicht, dass es Regimes wie das in Saudi-Arabien längst nicht mehr gäbe, wenn diese nicht vom Westen gestützt würden. Das alles ist ja nicht wirklich neu und erst recht nicht schwer zu kapieren. Dein Islamhass liegt auch darin begründet, dass du dich für dumm verkaufen lässt. Du müsstest die Sache ja nur mal von der anderen Seite betrachten. Der „Westen“ heutiger Ausprägung ist mit seinen „Werten“, auch auf das Christentum begründet, die größte Mörderbande, die es historisch je gegeben hat. Und er war früher weiß Gott auch schon mehr als übel und hat eine ganze Reihe von Völkern ausgelöscht, unterjocht und versklavt, mindestens aber bedeutungslos gemacht. Damals immer im Namen von Gott, dem christlichen natürlich. Und bist du deshalb ein Christenhasser? Vermutlich nicht, aber warum eigentlich nicht? Weil du auf die plumpe Propaganda von den „Werten“ hereinfällst und auf die noch plumpere, dass Islam gleichzusetzen sei mit Kopfabschneiden?

    • Carax,
      Ihre Antwort finde ich auch, zumindest was das Thema betrifft, zutreffend.
      Den Seitenhieb, in Bezug auf Rechtschreibung und Satzzeichen, würde ich (zumindest öffentlich) nicht machen.
      Ich weis von eigenen Schwächen auf diesem Gebiet. Neben Nichtwissen sind es oft Schussligkeitsfehler und die automatische Korrektur erkennt nicht alles.
      Ihre inhaltlichen Argumente hätten völlig gereicht.

    • @¢orax
      Dass diejenigen, die besonders stark aufs Deutschtum drängen, mit der deutschen Sprache nur eingeschränkt umgehen können, ist mir schon mehr als einmal aufgefallen.
      Auch das Verständnis davon, was deutsche Kultur sei, ist da oft stark selektiv – höflich ausgedrückt.

      Der Witz ist, dass es in Deutschland kaum Islamisten gibt (und die wenigen nach Syrien gehen), aber rund 10% potentielle Faschisten.
      Im Nahen Osten kann USA Islamisten nutzen, welche Gruppe könnte USA in Deutschland nutzen? Gladio ist ein Indiz, NSU→Verfassungschutz war ein Indiz. Und USA nutzt zwar Gewalt, aber erst als letztes, davor kommt „soft power“, d.h. NGOs, Parteien.
      Das politische Erstarken der „Rechtspopolisten“ in Westeuropa hat die konservativen Regierungen der westeuopäischen Staaten geschwächt und somit etwas in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt.
      Ein Schelm, wer darin einen kleinen Vorteil für Durchsetzung von USA-Interessen in Westeuropa entdecken könnte.
      Die transatlantisch besetzten „westeuropäischen“ Medien haben seit 2011 Islamophobie geschürt und bei denen, die heute am lautesten „Lügenpresse“ rufen, ist die Saat der Islamophobie am besten aufgegangen.
      Ein Schelm, wer darin einen kleinen Vorteil für Akzeptanz von USA-Kriegen gegen Staaten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung entdecken könnte.

    • Lieber Corax, der ach so Teutsche Rrrechtschreibnazzi,

      würden Sie zustimmen dass durch die Ideologie des Nationalsozialismus viele Menschen ermordet wurden? Also in dem Sinne dass der Nationalsozialismus die emotionalen und moralischen Voraussetzungen dafür geschaffen hat? Dass der Koran, das Buch selbst kein Schwert nimmt und damit Köpfe abschlägt, sollte eigentlich jedem klar sein. Das Sie hier nun daraus Beleidigungen gegen mich konstruieren, lässt auch auf Ihre Intelligenz schließen. Daher denke ich dass Sie dem vermutlich nicht zustimmen oder? Der Nationalsozialismus hat für Sie sicher auch nichts mit Auschwitz zu tun. Machen wir Hitler zu einem Propheten, schreiben wir eine Bibel wo unter anderem Gott befiehlt zu töten. Nennen dies Religion. Unterwerfen alle Menschen diesen Gesetze und Religion. Und wenn das jemand kritisiert dann berufen wir uns auf die Religionsfreiheit.

      Ist das ihre Sichtweise, lieber Corax?
      Und ich beziehe mich in meinen Kommentaren nirgendwo auf ein Buch sondern ausschließlich auf den hier eingestellten Beitrag. In diesem Beitrag wird der IS glorifiziert und jeder Zusammenhang mit dem Islam negiert.

      Haltet den Dieb, töten ihn, er hat den Islam kritisiert!

      Töten und Köpfe abschlagen ist schon ok wenn es der Moral dient und die Emotionen befriedigt! Game of Thrones eben.

    • Du bist – oder wegen mir Sie sind nach wie vor meilenweit vom Thema entfernt. Den Nazivorwurf habe ich überlesen. Lassen wir es gut sein, ich denke, ein paar Leute haben verstanden, was ich meine und auch, dass Sie hier im Grunde nur trollen. Das ist hiermit ausgelutscht, jeder weitere Versuch von Ihnen wirkt umso peinlicher, und ich bin raus.

  4. Frey postuliert unter Vielem in seinem Aufsatz auch eine an sich lapidare Selbstverstaendlichkeit, naemlich dass Naehe zu „Eliten“ nicht zwangslaeufig korrumpiere.
    Dem ist so.
    Denn „Eliten“ entpuppen sich beim Kontakt mit ihnen eben subjektiv und im direkten Kontakt gerade nicht als Eliten. Sondern als als das, was halt jeder ist: individueller Mensch mit manchen Denkstaerken oder eben -Schwaechen. Wie man selber es auch ist.
    Dennoch gibt es Menschen, die tatsaechlich in manchem bewundert werden koennen, weil ihnen etwas zu eigen ist, welches man als wichtig und wertvoll erkennt, und von dem man ploetzlich intuitiv weiss, dass man es selber so gar nicht bringen kann. Schlicht, weil einem selber solcher Talente erkennbar fehlen.
    Doch diese bewundernswerten Talente stecken manchmal in Leuten, die Positionen bekleiden, wo solche Talente entweder Wunder bewirken oder Desaster. Oder in Positionen, wo das Talent nichts aber auch gar nix bewirkt.
    Wie die Evolution nun halt mit Individuen wuerfelt und der Zufall der Entwicklung Lehrmeister bleibt.
    „Elite“ im vom Autor gebrauchten Sinne, ist nicht vermehrt in sogenannten Fuehrungszirkeln menschlicher Gesellschaften anzutreffen. Sondern potientiell ueberall da, wo esMenschen gibt.
    Man kann bei Fallon uebrigens nachlesen, dass und warum unter jenen Individuen, die gemeinhin als „Eliten“ bezeichnet werden. eine gewisse nachtteilige Haeufung von Hirnfehlfunktionen aufzutreten scheint, die einen froh werden lassen kann, wenn man bei der persoenlichen Begegnung mit einem solchen Menschen feststellen kann, dass dieser, Gottseidank, ganz normal tickt.

    • Vielleicht. Vielleicht weiß der das alles aber auch und könnte auch so schreiben, wenn er denn dürfte und wollte, was vermutlich beides nicht der Fall ist. Und das wäre noch schlimmer als wenn er „nur“ noch lernen müsste.

    • Noch etwas zum „Namensvetter vom ZDF“:
      in diesem Video von gut 17 Minuten https://www.youtube.com/watch?v=8P6bHzmEkhg macht Daniele Ganser am eigenen Erleben deutlich, was es mit dem „Dürfen“ und „Wollen“ von Wissenschaftlern auf sich hat, wenn es um das Thema 9/11 geht.
      In einer vergleichbaren Situation wie Ganser als Historiker ist natürlich ein Journalist, der über weitere Terror-Kriege schreibt, die der „christliche“ Westen führt – mit der Einschränkung: nirgends sonst ist Aufklärung, die Suche nach der Wahrheit, bisher so tabuisiert wie bei 9/11.

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