Der große Traum trotzt der Aussichtslosigkeit

Von Bernhard Trautvetter. Für Itzak Rabin, Leyla und Brigitte aus I.

Der große Traum trotzt der Aussichtslosigkeit

Unmerklich flüstert die Angst des Kindes in Israel,
dessen Krankenbett in den Keller der Klinik muss,
da vielleicht bald Raketen aus Gaza neuen Feuertod bringen.

Unhörbar ewig schreit ein Kind in Palästina,
es floh vor Bomben in eine Schule, ehe ein Geschoss aus Israel den Zufluchtsort
von oben her traf.

Ich schreibe diesen Text für den Atomtechniker in Israel, der weiß,
welche Katastrophen Treffer von Kassam-Raketen für ihre Anlagen
und für das ganze heilige Land mit all den Menschen bedeuten würde.

Ich schreibe für den norwegischen Arzt, der in Gaza mit Todesverachtung
Wie ein Engel aus einer anderen Welt Leben auf Leben rettete,
den dabei zum Glück keine Bombe
aus heiterem oder bleiernem Himmel traf.

Mein Herz schlägt mit der jungen Israelin, die ihr Herz öffnet, als sie sagt,
sie würde „uns Juden hassen“,
wenn sie vom Land hinter dem Zaun herkäme
von Checkpoints eingepfercht.

Es schlägt mit den ersten und zweiten Geigen des jüdisch-arabischen Orchesters,
das für die Menschen und den Frieden überall Mozart, Ravel und Vivaldi spielt.
Wenn die Waffen schweigen beginnt das Konzert.

Ich weine mit dem Urgroßvater, der vernarbt im Flüchtlingslager
den Fluglärm der Drohnen und der Bomber nicht aushält –
ganz so wie einst in den Jahren seiner Kindheit, als die Flucht begann.

Und ich weine mit der Urgroßmutter im Hochhaus von Tel Aviv,
die die Erinnerung an Auschwitz nicht loswird, und die ihre Angst hasst,
weil sie das Leben liebt,
selbst wenn ihr Enkel weder ein noch aus weiß im Krieg.

Am liebsten würde ich Selbstmordattentätern in die Arme fallen,
die fast noch ein Kind,
selbst ihre Zukunft hassen, wie das Hier und Jetzt,
und die alles geben für eine wahnsinnige Idee, die sie in Blut ertränken,
wenn sie niemand wachküsst.

Ich möchte die Seele selbst jener wachrütteln, die sich aus der ewigen Kette
von Unrecht und Rache eine Tat so genannter Feinde herausgreifen,
um ihre eigene Verantwortung vor der Geschichte der Menschheit abzuwälzen
wenn sie die Vergeltung blutiger Rache heiligsprechen wie es der Zweck für die Mittel tut
und die andere für die eigene Untat in der Spirale der Gewalt,
was nie hätte geschehen dürfen, verantwortlich erklären,
als seien andere dafür verantwortlich, was ich selber tue.

Gegossenes Blei, vergossenes Blut, geflossene Träne
Generationen von Hass können nur leben,
wenn sie den Traum von einem Leben am Tisch der Feindesliebe erlebend erlernen
Nein sagen zum Krieg aus Lügen und Tod und Ja sagen zum Dasein als Mensch ohne Not
mit Dir und mir,
denn wir sitzen alle im gleichen Boot.

Ich schrieb diese Zeilen nach der Lektüre dieses Textes:
http://www.sueddeutsche.de/politik/wahlkampf-in-israel-lieberman-will-arabischen-gegnern-den-kopf-abhacken-1.2386143

 

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6 Kommentare zu: “Der große Traum trotzt der Aussichtslosigkeit

    • Der Souverän sagte, man sollte sich bemühen immer das Richtige zu tun. Vor allem sollte man nicht immer das Gleiche tun, in Erwartung anderer Ergebnisse. Was man tut, sollte man Richtig tun, oder lassen.

      Motivation ist immer eine Frage von Möglichkeiten, Vorlieben und vor allem auch Freiheit.

      Und Freiheit ist in dieser kapitalistischen von Barbaren bewohnten Welt in erster Linie auch eine Frage der Möglichkeiten, also des Geldes.

      Da kann man mir zehnmal mit den altbekannten Geld-Sprüchen, Geistesfreiheit und Haltung etc pp kommen. Wer nicht mal das Geld für ein Busticket hat – und das sind in deutschland eine Anzahl Menschen die die zweistellige Millionenzahl längst und weit überschritten hat – ist alles andere als frei.

  1. „…denn wir sitzen alle im gleichen Boot.“

    Ein gerne gebrauchtes antiqiertes Argument. Das macht nämlich nichts. Das Boot nahezu unsinkbar und beinhaltet verschiedene voneinander abgetrennte Zonen oder Etagen.

    Während an Oberdeck und den darunterfolgenden drei Etagen fröhlich dauergefeiert wird, wird es nach unten hin von Etage zu Etage unkomfortabler, unbequemer. Und ab Etage vier, ist der Aufgang bestens gesichert – weiter unten alles bleibt also wo und wie es ist.

  2. Ich möchte den Weissen in Deutschland Trost zusprechen, die darunter leiden, dass Annette Kahane sagt: Es gibt zuviele Weisse in Deutschland.
    Liebe andere Weisse in Deutschland, wir sollten uns nicht schwarz anmalen weil dieser Rassistin das besser gefiele.

    • Man kann sich gegen Rassismus generell wenden und auch gegen den Geburtsnationalismus, den Politiker wie Erdogan vertreten – viele Türken wollen nicht, dass ihre Kinder mit Nicht-Türken zusammen sind, das ist an der Grenze zum Rassismus.
      Dass solche Themen bei allen außer bei Mittelöeuropäern und US-Amerikanern geleugnet werden, so als gäbe es nur weiße und blonde Rassisten (was natürlich nicht stimmt), ist in Deutschland ein ziemlich exklusives Problem der SPD, der Grünen und großer Teile der politischen Linken. Einige bei den Grünen wollen die türkischen Ultranationalisten als Wähler und werfen daher die grünen Prinzipien partiell über Bord, ähnlich bei SPD/Linkspartei.

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