Der Kampf um die Macht

Donald Trump und der „militärisch-industrielle Komplex“

Die USA sind der bestimmende Faktor der politischen Entwicklung im Osten Europas. Seit langem bereiten sie mit geheimdienstlichen Mitteln Umstürze vor, beeinflussen die zentralen Medien und entkernen die Souveränität europäischer Staaten. Die verhängnisvolle Einflussnahme der US-amerikanischen Regierung auf die zentralen Medien und die Politik Europas schildert und analysiert Wolfgang Bittner kenntnisreich in seinem Buch „Die Eroberung Europas durch die USA“ [Die Neuausgabe dieses Buches wird ab dem 02. Juni 2017 ausgeliefert]. Im folgenden Text geht er auf die aktuellen Entwicklungen unter Präsident Trump ein sowie auf die Zuspitzung des Konfliktes mit Russland.

von Wolfgang Bittner. 

Bereits 1961 warnte der US-Präsident und ehemalige Generalstabschef der Armee, Dwight D. Eisenhower, vor den verhängnisvollen Verflechtungen und Einflussnahmen des „militärisch-industriellen Komplexes“ auf die Politik der USA. „Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen“, sagte Eisenhower. „Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet.“ [1]

Wie recht Eisenhower hatte und wie sehr die destruktive „Macht dieser Kombination“ die Wirklichkeit bestimmt, wird deutlich, wenn wir uns die gegenwärtige politische Weltlage ansehen. Wohin wir auch blicken: Konflikte, fortschreitende Verschärfung der sozialen Verhältnisse, Chaos, Gewalt, Kriege, zumeist verursacht von den USA oder unter deren maßgeblicher Beteiligung. (…)

Die guten Vorsätze

Bei den Wahlen, die kaum demokratischen Ansprüchen genügten, ging es zwar um die Entscheidung zwischen Pest und Cholera.[2] Doch im Gegensatz zu Clinton hatte Trump neben seinen zahlreichen Entgleisungen mehrfach betont, dass er den russischen Präsidenten Putin schätze, das Gespräch mit ihm suche und sich als Präsident weniger der Außenpolitik als vielmehr den innenpolitischen Problemen zuwenden wolle. Ende Oktober sagte er in einer Wahlkampfrede: „Unserer Bewegung geht es darum, ein gescheitertes und korruptes politisches Establishment durch eine Regierung zu ersetzen, die von euch, dem amerikanischen Volk, kontrolliert wird. Das Washingtoner Establishment, sowie die Finanz- und Medienunternehmen, die es finanzieren, existieren nur aus einem Grund: um sich selbst zu schützen und zu bereichern! … Die Medien in unserem Land haben nichts mehr mit Journalismus zu tun, sie sind politische Interessenvertretungen …“[3] Das, worüber die deutschen Medien nicht berichteten – was zu denken geben muss! –, hörte sich vernünftig an.

Ebenso seine Ausführungen in einem Interview mit der New York Times am 23. November 2016: „Ich denke, in den Irak zu gehen, war einer der größten Fehler in der Geschichte unseres Landes. Syrien – wir müssen das Problem lösen, weil wir ständig dabei sind zu kämpfen, immer zu kämpfen… Ich möchte gern mit Russland gut auskommen und ich denke, dass auch Russland gerne mit uns gut auskommen möchte. Das ist in unserem gemeinsamen Interesse… Wäre es nicht schön, wenn wir gut mit Russland auskämen. Wäre es nicht schön, wenn wir gemeinsam gegen den Islamischen Staat vorgingen… Wir müssen dem Wahnsinn, der sich in Syrien abspielt, ein Ende setzen.“[4]

Am 6. Dezember 2016 bekräftigte Trump in einer Rede in Fayette/ North Carolina, die USA müssten aufhören, Regimewechsel zu betreiben: „Dieser zerstörerische Kreislauf von Interventionen und Chaos muss endlich ein Ende haben … Wir werden nicht mehr fremde Regierungen stürzen, über die wir nichts wissen und mit denen wir nicht zu tun haben sollten.“ Man müsse sich auf den Kampf gegen Terrorismus konzentrieren, insbesondere auf die Zerstörung des Islamischen Staates – so Trump. (…).[5]

Die vorgegebene Richtung

Spätestens im März 2017 zeigte sich, dass die von Donald Trump ausgehenden Signale widersprüchlich, regellos, teilweise wirr und chaotisch sind. Hinzu kommt, dass es in seinem Stab unter den zum Teil konservativ-reaktionären Ministern und Beratern starke Kräfte gibt, die an der NATO-Politik Obamas und seiner Vorgänger festhalten wollen. Dagegen wird Trump – so war von Anfang an zu befürchten – wenig ausrichten können, zumal er selber die weltpolitische Situation offensichtlich nicht einzuschätzen vermag. Die weitere Richtung scheint vorgegeben zu sein: Im Verhältnis zu Russland hat sich durch den Regierungswechsel von Obama zu Trump zunächst nichts zum Positiven geändert, im Gegenteil, die NATO wird noch mehr aufgerüstet. Und im Hinblick auf den Iran und China hat sich die Lage verschlechtert. (…)

Die Situation ist und bleibt unübersichtlich und brandgefährlich. Donald Trump ist mit seinen Dekreten, Gesetzesvorlagen und Twitter-Attacken unberechenbar, und ebenso wenig garantiert das ihn umgebende Personal eine seriöse Friedens- und Sozialpolitik. Seit seinem Amtsantritt wird Trump boykottiert; aber es ist auch nicht auszuschließen, dass er psychisch gestört ist, was gleichermaßen, wenn auch anders, auf seine Gegner zutrifft. Die USA sind seit Langem eine Bedrohung für Frieden und Wohlergehen in der Welt, und das hat sich mit Trump bedauerlicherweise nicht geändert.

Als folgenschwere Erkenntnis ergibt sich, dass Europa nicht nur in Westeuropa und Russland geteilt ist, sondern auch Westeuropa in Gestalt der EU zweigeteilt wird: Auf der einen Seite befinden sich die von den USA aufgerüsteten militanten Baltischen Staaten, Polen, Bulgarien, und Rumänien, wozu nach dem Brexit noch Großbritannien stößt, das sich mehr und mehr den USA annähern und damit Probleme im Festlandeuropa herbeiführen wird. Das ist eine gefährliche Phalanx gegen Russland. Auf der anderen Seite stehen die übrigen EU-Staaten, die sich – mehr oder weniger – um ein vernünftigeres Verhältnis zu Russland bemühen werden und auch bemühen müssen (falls es nicht zu einem von den USA und der NATO angezettelten Krieg in Europa kommt). Diese Konstellation wird in nächster Zeit zunehmend an Bedeutung gewinnen, insbesondere, wenn sich Großbritannien endgültig von der EU verabschiedet hat.

Wolfgang Bittner: „Die Eroberung Europas durch die USA. Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung“, Westend Verlag, 256 Seiten. Die komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe erschien am 2. Juni 2017.

Siehe auch KenFM im Gespräch mit Wolfgang Bittner: https://kenfm.de/wolfgang-bittner/

Quellennachweise

[1] Dwight D. Eisenhower, Abschiedsrede 1961, https://www.youtube.com/watch?v=CwSk5Jqoadk, 28.10.2016.

[2] Wolfgang Bittner, Überflüssige Spekulationen, hintergrund.de, 4.7.2016, http://www.hintergrund.de/201607044034/politik/welt/ueberfluessige-spekulationen.html, 8.11.2016.

[3] Diese Rede wird es so nie in den Medien geben, Donald Trump, YouTube, 24.10.2016, https://www.youtube.com/watch?v=mX19dy5_08o, 14.11.2016.

[4] The New York Times, Donald Trump’s New York Times Interview: Full Transcript, 23.11.2016, http://www.nytimes.com/2016/11/23/us/politics/trump-new-york-times-interview-transcript.html?_r=0, 23.11.2016.

[5] Frankfurter Allgemeine, bard, dpa: Trump will keine Regimewechsel mehr erzwingen, 7.12.2016, http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-amerika/donald-trump-will-keine-regimewechsel-mehr-erzwingen-14562733.html, 7.12.2016.

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

7 Kommentare zu: “Der Kampf um die Macht

  1. Vorgestern Morgen auf BBCW, eine enorme Installation in Khazakhstan, um Kontainer von Chinesischen Bahn System über zu setzen am Russischen System.
    Wenn ich mich gut erinnere können Güter jetzt in drei Tage von China nach St Petersburg transportiert werden.

    Der Niederländische Professor Laslo Maracs, er ist auch Ehrenambtlich Professor in Khazakhstan, erklärt was Trump tut aus das Trump und seine reiche Freunde einsehen dass es nicht möglich ist für der USA die Welt militärisch zu beherrschen, dass die Politik Obama’s den USA politisch und wirtschaftlich ruiniert hat.
    Die einzige möglichkeit der USA zu retten ist gute Verhältnisse mit Russland un China zu schaffen.

    Diejenige die noch denken dass der USA militärisch der Welt beherrschen kann tun natürlich alles um Trump zu entfernen.
    Die ‚Eliten‘ in Europa sind in Verwirrung, wer wird gewinnen ?; Trump oder Deep State ?
    NATO versucht natürlich alles um doch noch Krieg mit Russland zu provozieren.
    Brussel nutzt die Gelegenheit eine EU Armee zu bekommen.

    Und so sind wir jetzt in die grösste Verwirrung seit mitte 30er Jahren, wenn niemand wusste ob Hitler siegen wurde, oder verlieren.

  2. Lieber Wolfgang Bittner,
    dieser Text kann die Verarbeitung des Phänomens Trump ergänzen: https://kenfm.de/wir-trump-einheit-der-gegensaetze/
    Der Imperialismus als wohl wirklich – wie von Lenin analysiert – höchstes Stadium des Kapitalismus gerät in eine neue Stufe seiner Gefährlichkeit: Der Kapitalismus begünstigt in uns Menschen ohnehin eine schizophrene Double-Bind-Struktur: Das, was uns Menschen in diesem System miteinander in Beziehung setzt, ist zugleich diejenige Struktur, die uns trennt: das ist das Geld. Dadurch sind Beziehungen instrumentell gebrochen, Mensch-Mensch-Beziehungen werden dadurch kälter, dass selbst Handlungen der Solidarität etwas vom Mittel zum Zweck an sich haben: der eigene Vorteil selbst beim Erledigen eines Freundschafts“dienstes“. Wenn der Kapitalismus nun von Krise zu Krise stolpert, werden die Damen und Herren auf der Kommandobrücke nervös; wenn die Gefahr des Kontrolle-Verslusts immer greifbarer wird, lebt das Leben auf der Erde in einer immer größeren Gefahr. Am Rande des Abgrunds kann die Gefahr bis zu dem Punkt gesteigert werden, an dem das System, ehe es kollabiert, alles, möglichst viel mit sich in den Abgrund reißen. Wir brauchen immer klügere, kreativere, sozial kompetente und weitsichtige Menschen, die mit einem Blick auf das Ganze entscheiden, was sie (nicht) tun. Und wir erhalten/erleben immer mehr vom Gegenteil dessen, was die Stunde schlägt. Deshalb sind Websites wie kenfm so verdammt unverzichtbar… Danke für diesen Beitrag!

    • Lieber Bernhard Trautvetter,
      vielen Dank für den Hinweis auf Deinen Beitrag, dem ich vollkommen zustimme. Ich habe das Manuskript zu meinem Buch im März dieses Jahres abgeschlossen und bin gegen Ende ebenfalls darauf eingegangen, dass es an kompetenten, nicht korrumpierbaren Politikern fehlt und dass wir in der Tat vor einem Abgrund stehen. Was sich zurzeit abspielt, ist wirklich eine Tragödie, die aber von weiten Teilen der Bevölkerung kaum wahrgenommen wird. Zu Donald Trump habe ich im letzten Kapitel geschrieben:
      „Die Einstellung Trumps und seiner Regierung zu Russland wird schließlich längerfristig zeigen, wohin der Weg führt, zunächst vor allem hinsichtlich der Krisen in Syrien, dem Irak und in der Ukraine. Manches lässt bedauerlicherweise nicht darauf schließen, dass Trumps Denken und seine Ziele primär dem Frieden in der Welt gelten, auch wenn er davon spricht. Vielmehr steht über allem seine Botschaft: „America First!“, und es hat den Anschein, dass ihm dieser nicht durch Ethik, Moral oder Vernunft gezügelte „Patriotismus“ Macht und Mehrheit in seiner Partei, im Kongress und in der Wirtschaft sichern soll, auch in Kreisen des militärisch-industriellen Komplexes, der Waffen-, und Bankenlobby und in der verarmten, verunsicherten Bevölkerung, die ihn gewählt hat.“
      Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass wir die vagen Hoffnungen, die wir auf Trump gesetzt haben, vergessen können. Was helfen kann, ist Aufklärung und eine machtvolle Friedensbewegung. Dafür müssen wir uns einsetzen!
      Herzliche Grüße
      Wolfgang Bittner

    • „Die Einstellung Trumps und seiner Regierung zu Russland wird schließlich längerfristig zeigen, wohin der Weg führt, zunächst vor allem hinsichtlich der Krisen in Syrien, dem Irak und in der Ukraine.“

      Glauben Sie das wirklich?
      Dem anderen Teil Ihrer Aussage stimme ich zu (dass auch Trump nicht den Frieden als Ziel hat), aber selbst wenn wir vom Idealbild ausgehen würden, dass Trump tatsächlich der Kämpfer für den Frieden wäre (ist er nicht), als der er sich im Wahlkampf darzustellen versuchte.
      Selbst wenn dies so wäre, könnte er sich gegen die geballte Macht des Militärisch-Industriellen-Medien Komplexes, der Geheimdienste und des Pentagon, wirklich durchsetzen?
      Ist es nicht vielmehr so, dass die Kräfte, denen nicht an Frieden gelegen ist, ihren Weg gehen werden, ganz egal ob der Präsident oder USA dafür oder dagegen ist?

      Meine Analyse lautet: das Einzige, was diesen Wahnsinn stoppen kann, sind die Menschen!
      Wir müssen die „weiten Teile der Bevölkerung“, die, wie Sie richtig sagen, noch im Tiefschlaf sind, aufklären und aufwecken. Genau dafür lohnt es sich, sich zu engagieren!

    • Lieber Herr Trautvetter! Das mit dem Geld haben Sie sehr gut formuliert. Eigentlich ist doch die Scham, für etwas, was man anderen gibt, Geld zu berechnen, ein ganz ursprüngliches, natürliches Gefühl. Wie schön ist es doch, etwas zu verschenken und wie schön ist es auch, etwas von Herzen geschenkt zu bekommen! Es muss so ein paradiesisches Zusammenleben einstmals gegeben haben in unserer Menschheitsentwicklung, denn sonst könnten wir so etwas gar nicht so stark empfinden. Auf diesen Zustand sollten sich alle zurück besinnen.

    • Lieber Wolfgang Bittner,
      völlig d’accord – bis zur Schlussfolgerung => >Aufklärung und eine einflussreiche Friedens-bewegung.
      Die Friedensbewegung hat mehr Einfluss, als sie manchmal glaubt; sie muss sich dessen allerdings deutlicher gewahr werden, um mit mehr Strahlkraft in der Öffentlichkeit zu wirken. Die Nato sieht unseren Einfluss so: “ Entities hostile to NATO understand that the general public’s knowledge and opinion of airpower are vulnerable.“ Prononciert übersetzt: ‚Einheiten, die der Nato feindlich gegenüberstehen, verstehen, dass die öffentliche Meinung über das Militärische (am Beispiel der Luftwaffe formuliert) verletzlich ist.‘ Das ist mit ein nicht zu unterschätzendes Verdienst der Bewegung, die seit über 50 Jahren Ostermärsche organisiert, die aufklärt, Protest organisiert und die Vision des Friedens mit dem Alltag der Menschen verbindet, usw…
      Herzlich Bernhard Trautvetter

    • Lieber Specht, diese Vögel verbinden Wissen mit der Kraft der Natur. Wenn wir uns alle auf den paradiesischen Zustand im Garten Eden zurückbesinnen sollen, erwarten wir zu viel von allen. Es ist ein Anfang, wenn wir selbst so leben, wie wir uns die Verändrung der Welt erhoffen. Wenn wir dabei ziemlich alleine sein sollten, dann ist das besser, als mit der Meute zu heulen, wie mir scheint.

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