Der Kampf um unsere Köpfe

Die Massenmedien manipulieren und steuern unser Denken, um Widerstand gegen Krieg und Sozialabbau unmöglich zu machen.

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beitrat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Daniele Ganser.

Die Massenmedien sind in der Lage, unser Denken zu steuern. Dies geschieht, indem Texte, Worte und Bilder so kombiniert werden, dass unser Denken in eine bestimmte Richtung gelenkt wird.

Der Kieler Psychologieprofessor Rainer Mausfeld hat unter dem Titel „Warum schweigen die Lämmer“ im Oktober 2018 ein spannendes Buch publiziert, das es in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Darin zeigt er, wie die Massenmedien unser Denken und auch unsere Gefühle steuern.

Besonders diese drei Techniken werden immer wieder eingesetzt: Informationsflut, Fragmentierung und Dekontextualisierung. Es lohnt sich für jeden wachen Menschen, diese Techniken zu kennen.

Informationsflut

Wenn man die Bürger mit einer Flut von oft unnützen Informationen zuschüttet, erhalten sie die Illusion informiert zu sein. So fühlen sie sich über alles Wesentliche unterrichtet und können „abends beruhigt zu Bett gehen“, so Mausfeld (1).

Gäbe es keinerlei Information, würden die Bürger unruhig werden und nach Information verlangen oder sogar selbst danach suchen. Das passiert aber selten. Denn ständig werden wir mit so viel Information versorgt, dass niemand alles aufnehmen, geschweige denn sich merken kann: Werbung, Sport, Wetter, Verkehrsnachrichten, Social Media Posts von Freunden und Bekannten, dazu ausgewählte Informationen zu Wirtschaft und Politik. Wir haben nicht zu wenig Information, sondern zu viel.

„Die Bürger, die beim Frühstück die Süddeutsche Zeitung lesen, nachmittags in Spiegel Online schauen und sich abends die Tagesschau ansehen, sind im Gefühl umfassender Informiertheit so selbstzufrieden, dass sie die Krankheit, an der sie leiden (…), nicht einmal mehr erkennen können“, erläutert Mausfeld (2).

Die Krankheit, an der viele leiden, ist die Illusion des Informiertseins. Erzeugt wird sie durch andauernden und unkritischen Medienkonsum, wobei die präsentierte Erzählung geglaubt wird.

Dadurch hassen wir Menschen, die wir nicht kennen, und sind für Kriege, die wir nicht verstehen.

Diese Krankheit ist aber heilbar. Jeder kann selbst entscheiden, ob er entweder weniger Medien konsumiert, oder aber versucht, beim Medienkonsum sehr bewusst und wach zu sein und verschiedene Geschichten und Standpunkte zu vergleichen.

Fragmentierung

Eine weitere Technik, um das Denken der Bürgerinnen und Bürger zu steuern, ist die Fragmentierung von Information. Beim Fragmentieren werden die Fakten in kleine Stücke (Fragmente) zerschlagen, so dass für den Beobachter kein Sinnzusammenhang mehr entsteht. Wenn kein Sinnzusammenhang besteht, kann man sich die Einzelheiten schwer oder gar nicht merken. Dadurch kann man Fakten auflösen oder unsichtbar machen, betont Mausfeld.

Als Historiker beobachte ich die Zeitgeschichte mit großem Interesse. Mir ist die Technik der Fragmentierung zum Beispiel beim Putsch in der Ukraine aufgefallen. Damals wurde die gewählte Regierung von Präsident Janukowitsch gestürzt, als Scharfschützen am 20. Februar 2014 in Kiew Demonstranten und Polizisten erschossen und Chaos erzeugten. Diese Schießerei wurde zwar da und dort erwähnt, aber die Hintermänner blieben im Dunkeln. So entstand kein klares Bild, keine transparente Erzählung. Es blieb bei Fragmenten, bei Bruchstücken. Wer diese zusammensetzen wollte, musste selbst recherchieren.

Viele Massenmedien im deutschsprachigen Raum ignorierten die Scharfschützen und den Putsch, lenkten den Blick der Medienkonsumenten nach Moskau und gaben Putin die Schuld für die Krise in der Ukraine. „Putin hat dafür gesorgt, dass Krieg in unserem Teil der Welt wieder denkbar geworden ist. Er ist kein Partner mehr, er ist Gegner“, erzählte Rolf Dieter Krause am 5. September 2014 in der Tagesschau im Ersten Deutschen Fernsehen.

Dasselbe lasen viele Medienkonsumenten in der Süddeutschen Zeitung. Danach noch auf Spiegel-Online. Und hörten es im Radio. Immer wieder derselbe Gedanke, der sich durch Wiederholung im Gehirn verfestigte. Oder auch nicht. Je nachdem, wie wach wir sind. Die Geschichte mit den Scharfschützen wurde von vielen vergessen. Sie wurde durch Fragmentierung aus dem Gedächtnis gelöscht.

Dekontextualisierung

Neben der Informationsflut und der Fragmentierung sieht Mausfeld in der Dekontextualisierung eine entscheidende Technik, mit der die Massenmedien unser Denken lenken. Hierbei wird eine Information aus ihrem Sinnzusammenhang (Kontext) gerissen, indem zum Beispiel verschwiegen wird, was zuvor passierte.

Auch hier kommt mir wieder die Ukraine in den Sinn. Nach dem Putsch stimmte die Bevölkerung der Krim am 16. März 2014 für den Austritt aus der Ukraine und den Anschluss an Russland. Sofort wurde das in den westlichen Medien als Annexion betitelt, obschon es eine Sezession gewesen war. Zudem fehlte der Kontext: Vom Putsch, der sich kurz zuvor ereignet hatte, sprach niemand mehr. Diesen Kontext gab es nicht mehr. Er wurde gelöscht.

Ähnlich war es bei der Kubakrise 1962. Damals hatte die Sowjetunion unter Chruschtschow Atomraketen auf Kuba stationiert. Das war gefährlich und erhöhte die Spannungen zwischen Washington und Moskau. „Warum setzte er (Chruschtschow) diese (Raketen) eigentlich dorthin?“, fragte damals Präsident Kennedy erzürnt seine Berater. „Das ist gerade so, als wenn wir plötzlich beginnen würden, eine größere Zahl von Mittelstreckenraketen in der Türkei zu stationieren. Ich denke mal, das wäre verdammt gefährlich.“ Sein Nationaler Sicherheitsberater McGeorge Bundy musste Kennedy damals aufklären: „Na ja, aber genau das haben wir getan, Mr. President“ (3).

Dieser Kontext, dass die USA zuerst atomar bestückte Raketen in der Türkei stationiert hatten, und dass erst danach die Russen atomare Raketen nach Kuba gebracht hatten, fehlte nicht nur dem Präsidenten, sondern auch praktisch allen Zeitungslesern in Europa.

Dekontextualisierung gibt es auch auf dem Kinderspielplatz. Ein Junge kommt weinend zu seiner Mutter und sagt, ein Mädchen habe ihm die Schaufel auf den Kopf geschlagen. Die Mutter fragt dann klug nach und fragt: Und was ist vorher passiert? Worauf der Junge erzählt, er habe dem Mädchen Sand in die Augen geworfen, weil er nicht wollte, dass sie im gleichen Sandkasten spielt. Erst durch diese wichtige Zusatzinformation wird der Kontext transparent.

Die Opfer des US-Imperialismus sind unsichtbar

Mit Dekontextualisierung kann grundsätzlich jedes Ereignis in ein neues Umfeld eingebettet werden. So können Massenmedien behaupten, dieser oder jener Krieg sei notwendig gewesen, um die Demokratie oder die Menschenrechte zu fördern. Eine solche Erzählung hat vor allem das US-Imperium seit 1945 immer wieder eingesetzt, und die Massenmedien im deutschsprachigen Raum haben sie stets nachgedruckt. Doch Mausfeld weist diese Rahmenerzählung entschieden zurück, und das mit gutem Grund.

„Insgesamt sind nach offiziellen Angaben oder Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen die USA seit dem Zweiten Weltkrieg durch Angriffe auf andere Länder für den Tod von 20 bis 30 Millionen Menschen verantwortlich.“

Doch diese Tatsachen seien kaum bekannt, und von den Massenmedien durch Fragmentierung und Dekontextualisierung unsichtbar gemacht worden.

„Es bedarf in der medialen Darstellung dieser Verbrechen einer beträchtlichen Fragmentierung und einer radikalen Rekontextualisierung als ‚Kampf für Demokratie und Menschenrechte‘, damit Verbrechen dieser Größenordnung sowie ihre geschichtliche Kontinuität für die Öffentlichkeit nahezu unsichtbar werden. Obwohl all dies ausführlich dokumentiert ist, sind diese Verbrechen im öffentlichen Bewusstsein so gut wie nicht präsent“, so Mausfeld (4).

Wikipedia ist ein digitaler Pranger

Rainer Mausfeld ist ein ehrlicher Aufklärer. Es geht ihm darum, den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, wie unsere Gedanken und Gefühle durch skrupellose Eliten gelenkt werden. Seine Arbeit ist wichtig und wertvoll.

Doch natürlich werden Aufklärer heutzutage auf Wikipedia umgehend an den digitalen Pranger gestellt. Dort heißt es:

„Mausfelds Beiträge zu medien- und kapitalismuskritischen Themen weisen nach Ansicht des Amerikanisten und Verschwörungstheorie-Forschers Michael Butter ‚stark populistische und mitunter auch verschwörungstheoretische Züge‘ auf. Von seinem Fachgebiet her fehle Mausfeld die Kompetenz, sich über politische Themen zu äußern, er werde aber wegen seines Professorentitels als Autorität dazu wahrgenommen.“

Der deutsche Journalist Paul Schreyer wollte von Professor Michael Butter wissen, warum er Professor Rainer Mausfeld diffamiere und verlangte Belege. Er erhielt aber keine. Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen: Erstens: Auf Wikipedia wird ohne Beleg diffamiert. Und zweitens: Aufklärung und Medien, welche Aufklärung unterstützten, sind heute wichtiger denn je (5).


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Quellen und Anmerkungen:

(1) Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, Westend 2018, Seite 33
(2) ebd.
(3) Daniele Ganser: Illegale Kriege. Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien, Orell Füssli 2016, Seite 115
(4) Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören, Westend 2018, Seiten 40 und 42
(5) https://www.rubikon.news/artikel/schweigende-lammer-getroffene-hunde

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Dieser Beitrag erschien am 8.12.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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34 Kommentare zu: “Der Kampf um unsere Köpfe

    • Wenn es Verschwörungen gibt, was der Fall ist, dann ist der Vorwurf ‚Verschwörungstheoretiker‘ ein Ausdruck von Hilflosigkeit im Aufeinanderprallen von Positionen, er ist kein Argument, sondern ein Versucht, weitere Aufklärung unmöglich zu machen. Mich trifft der Vorwurf dem entsprechend überhaupt nicht; es trifft mich allerdinge, wenn mir jemand berechtigt entgegenhält, ich verbreite eine in-valide Theorie. In der Konsequenz bin ich nicht an sich gegen Verschwörungstheorien, die Verschwörungspraktiken aufdecken, sondern gegen invalide Theorien. Ich finde es allerdings substanzieller, wenn die Analyse über den Bericht über Verschwörungen hinausgeht, und die Strukturen aufdeckt, die dies ermöglichen. Sonst wäre ja die einfache Schlussfolgerung, die Verschwörer aus ihrer Position zu verdrängen. Wenn außer den Personen aber alles beim alten bleibt, dann ist es fraglich, ob wir etwas in Richtung von Demokratie, Partizipation und Empowerment der Benachteiligten gewonnen haben

  1. @ H. Trautvetter + Mitlesende

    „…worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist..“

    Dachte ich mir, und da ist sie wieder: die Frage der Redlichkeit.

    Ja, lange ist’s her (40 Jahre nun) als wir uns im Seminar über diesen Satz Überlegungen anstellen sollten (durften), da kam die Frage der Redlichkeit genau dieses Satzes auf. Das war allerdings an der Uni in England.
    Ich wil’s kurz machen und mir eine Analogie von Pispers leihen. Es geht um den simplen Unterschied zwischen „alle“ und „jeder“. Pispers sinngemäß: Jeder kann Millionär werden; aber nicht alle. Pispers anhören!

    Nein: Die freie Entwicklung aller ist die Bedingung für die freie Entwicklung eines jeden.

    • Hallo Tony
      es darf nicht nur um das ‚Kann‘ gehen.
      Der amerikanische Traum, dass jeder vom Tellerwäscher zum Autowäscher aufsteigen kann(!) beschwichtigt und beleidigt die armen Werktätigen. Das ist auch ein Element des kapitalen Kampfes um die Köpfe. Die Dialektik zwischen alle und jede/r im Zusammenspiel mit Hilfsverben wie ‚kann‘ und ‚wird’… ist wahrscheinlich nichts für Diskussionen per Tastatur. Schön, dass wir beide Pispers wichtig finden. Ich hebe -seiner Empfehlung entsprechend, man solle die Eintrittskarte aufbewahren um nach der Revolution zu beweisen, dass man sich auch dafür eingesetzt hat- die Karte von damals auf. Der Humor ermöglicht es, dass wir die Verrücktheit um uns herum und in uns besser aushalten… +und die Dialektik hilft uns, das alles zu analysieren…

    • Der Pisper-Satz mit dem Wort „KANN“ ist nur eine geliehene Metapher. Wer WILL, der KANN das verstehen. Der Satz in Umkehrung des Originals lautet „Die freie Entwicklung aller „IST“ die Bedingung für die freie Entwicklung eines jeden.“
      Das Zauberwort Dialektik hilft da auch aus dieser Unredlichkeit nicht heraus. Denn was meinen Sie mit Dialektik? Rhetorik? Die philosophische Methode (Hegels)? Die Philosophie des dialektischen Materialismus? Nichts davon hat wesentlich mit dem Unterschied zwischen „jeder“ und „alle“ zu tun (allenfalls die Rhetorik). Jeder, abgeleitet vom Althochdeutschen bedeutet „wer von beiden, irgendeiner von beiden“; bezeichnet im heutigen Gebrauch alle Einzelnen aus einer Gruppe. Jede Farbe ist was anderes als alle Farben. Im Englischen ist es ein grober Fehler: each color: implizit jede Farbe aus einer bereits genannten/spezifizierten Serie von Farben; every color (alle Farben).
      Jeder eignet sich bestens für das Teilen und Herrschen. Alle dagegen nicht. Wenn alle Farben die Freiheit haben, eingesetzt zu werden, dann hat jede Farbe diese Freiheit. Wenn jede Farbe die Freiheit hat, dann impliziert das jede Farbe aus einer Gruppe. Alle müssen sich frei entwickeln können, damit jeder sich frei entwickeln kann.
      Das Wort Dialektik sollte nicht so mißbraucht werden wie das Wort Verschwörungstheoretiker.

    • PS:
      „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft, mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.“

      Erwähnt hätte noch sollen die Verwendung des Wortes „Assoziation“ (association in der englischen Ausgabe) und dessen begriffliche Fassung. Als kommunistisches Organisationsprinzip die industrielle Konkurrenz beibehaltend!

    • Die Dialektik als von Hegel lernbare Haltung, die Realität als einen Prozess zu verarbeiten, der sich aus Gegensätzen speist, hilft dabei, ein ‚erst … dann‘ in eine sich gegenseitig (wechselseitig) durchdringende ‚Gleichzeitigkeit‘ aufzulösen.

    • @ Trautvetter

      Ja, man kann von Hegel lernen.
      Aber anstatt bestimmte perspektivische! „Gegensätze“ anzunehmen, bin ich mehr für die Annahme einer Komplementarität (Heisenberg), bei der die eine oder andere Eigenschaft hervortritt und eine gleichzeitige Bestimmung (Gleichzeitigkeit) nicht möglich ist; oder für die Komplementarität (nicht die Gegensätze!!!) von Yin und Yang; oder auch für komplementäre Harmonik (Simbriger), wo sich Grundtypen gruppenweise so kombinieren lassen, dass sie einander „komplementär“ ergänzen. Nichts löst sich gegenseitig auf. Wo sind denn diese Gegensätze, wenn sie sich aufgelöst haben? Sind sie verschwunden? Nein.
      Eine Auflösung von „erst…dann“ in einer sich durchdringenden „Gleichzeitigkeit“ halte ich im sozialen und historischen Bereich für fatal und leider ubiquitär, wo mittels dieser Auflösung Ursache und Wirkung und damit Täter und deren Taten „aufgelöst“ sind.
      Hegel kannte natürlich weder Heisenberg noch Simbriger. Heraklit dagegen schrieb lange vor Hegel: „Es ist immer dasselbe, Lebendes wie Totes, Waches wie Schlafendes, Junges wie Altes. Das eine schlägt um in das andere, das andere wiederum schlägt in das eine um.“ – Heraklit, 5. Jh. v. Chr.
      Oder: „Sie verstehen nicht, wie das Auseinandergehende mit sich selbst zusammengeht: gegenspännige Zusammenfügung wie von Bogen und Leier.“ – Heraklit, 5. Jh. v. Chr.
      Oder: „Man steigt nie in denselben Fluß“. Heraklit
      Oder Anaxagoras: “..kein Ding entsteht oder vergeht, sondern aus den vorhandenen Dingen findet eine Mischung oder eine Trennung statt, und so müßte man die Entstehung besser als eine neue Mischung, das Vergehen aber als eine Trennung des bisher Vereinten bezeichnen.” Anaxagoras, Fragmente
      Bogen und Leier, Heisenberg und Heraklit begegnen sich über die Jahrtausende.

    • Der Begriff der Komplementarität geht auf das Lateinische “complere“ und „plenus“ zurück, was die Bedeutung von ‚Ergänzung‘ und ‚voll‘ in sich trägt. Die Gleichzeitigkeit ist ein zusätzlicher Aspekt. Nicht immer ist es hinreichend, in einem Täter nur den Täter zu sehen. Natürlich gibt es Folgen von Prozessen, die ihnen vorausgehen. Meine Warnung vor ‚erst … dann‘ trifft nicht auf alle Elemente des Lebens zu. Auf andere schon. Das ist das mit der Komplementarität.

  2. Ehrlich gesagt würde ich lieber mit einem Tauben über die 12-Ton-Musik diskutieren wollen, als mit einem überzeugten Marxisten über seine Theorien. (Bestimmt kennen Sie die Schwarzbücher zum Kommunismus?)
    Es freut mich, daß Sie sich Ihres Wirkens und der Früchte Ihres Tuns so sicher sind, Herr Trautvetter. Bei mir ist das nicht der Fall, da ich natürlich die Systeme nicht körperlich verlassen kann, sondern allein auf geistigen Ebenen. Und weil ich niemanden dazu zwingen würde sich anzuschließen oder auch nur versuchen würde, jemanden zu überzeugen, es genauso zu machen. Was geschieht liegt nicht länger in meinen persönlichen Händen und darüber bin ich sehr sehr froh.
    Ich wünsche Ihnen noch viel Energie für Ihren Kampf!

    • Ich rate auch mir, wenn ich von etwas über-zeugt bin, als erstes die Frage zu stellen, was könnte dagegen sprechen.
      Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob wir den ökologischen Abschied der Menschheit vom Planeten Erde noch abgewendet bekommen, oder ob wir den Frieden, ohne den es keine Zukunft gibt, erreichen werden können.
      Die geistige Freiheit veranlasst mich, darauf hinzuweisen, dass auch das Schwarzbuch des Kommunismus ein Machwerk des Kampfes um die Köpfe ist. Zur Differenzierung empfehle ich unter anderem oder hier erst einmal die Rede des Alterspräsidenten des Bundestages Stefan Heym, eines DDR-Dissidenten, der diese Rede als PDS-Abgeordneten hielt.

    • “ …dass auch das Schwarzbuch des Kommunismus ein Machwerk des Kampfes um die Köpfe ist.“

      Das dürfen Sie als bekannt voraussetzen, auch wenn ich es, zusammen mit seinem Nachfolgewerk, nicht als Machwerk bezeichnen würde.

      100 Millionen Tote, die der Kommunismus weltweit verschuldet hat, lassen sich nicht wegargumentieren.

  3. Sehr einverstanden, Tony. Und danke!

    Darf ich auf das hinweisen, was ich unter der letzten Tagesdosis von Herrn Lenz heute früh geschrieben habe?
    (Thema: ZPS, vom 5.1.2
    Im Moment sichtbar in 30-Tage-Rangliste Platz 10.)

    Ihre Meinung hierzu wäre mir sehr wertvoll.

  4. Wo ja das Vertrauen in die großen Medien angeblich zu schwinden scheint, und wenn das Vorliegen von Information also essentiell, und die Lügenpresse außen vor ist, so hält wohl nur noch Bequemlichkeit, Selbstgerechtigkeit und Naivität die Leute davon ab, sich ihre Informationen anderswo zu einzuholen. Sogenannte Alternative Medien fallen dann raus, wenn sie nicht ein klares Feindbild, sondern den Mensch in seiner Ganzheit, in seinem Wesen als Ursache adressieren. Welcher Mensch will schon morgens in der Süddeutschen, mittags im Spiegel und abends in der Tagesschau vorgehalten bekommen, schuld am Klimawandel, an der prekären Entlohnung der Paketboten und Tot tausender Jemeniten zu tragen, weil er jeden morgen mit dem Auto zur Arbeit fährt, im Internet Weihnachtsgeschenke bestellt und die einzigen zwei freien Wochen im Jahr nicht Demonstrieren und Spenden sondern Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff machen mag?

    Zum Thema Manipulation durch selektives Erzählen über ein Ereigniss:
    Der Fußballvergleich kann auch hier angewendet werden: USA und Russland machen ein Match, wenige Minuten laufen, es passiert erstmal nicht viel, jedoch die westlichen Moderatoren reden unablässig von aggressivem Vorgehen und Vorteilbeschaffung durch Russland nur weil Russland zwei Stürmer in der Spielfeldhälfte der USA herumlaufen hat. Die USA zwar auch; laut US-Manschaftsmanagment handelt es sich nur um einen Beobachter und einen Helfer, nichts böses jedenfalls und darum wird diese Tatsache von den Moderatoren gar nicht erst hervorgebracht, oder auf schriftliche Anfrage nur knapp bestätigt – Tage nach dem Spiel.
    Bei Ballbesitz der USA hören die Zuschauer, es werden „Werte“ und das Wohlergehen aller Spieler auf dem Feld gefördert. Dann hat Russland Ballbesitz und es wird von massiver Einflussnahme geredet, die vom russichen Trainer persönlich angeordnet oder zumindest gebilligt sein /muss/.
    Russland läuft auf den Strafraum der USA zu – man hört die Berichterstatter aufschreien: Aggression, kriegerischer Akt, etc.
    Die USA stürmen die russische Hälfte und den Zuschauern wird etwas aus der Karriere eines der beteiligten amerikanischen Spieler erzählt, es wird aber für die soeben laufende Aktion völlig belanglos sein.
    Die USA foulen einen russischen Spieler grob, der Zuschauer erfährt vom von ihm bezahlten Moderator, es handele sich um ein aufopferndes und verantwortungsvolles Engagement der USA, um Freiheit und Menschenrechte in den Fussball zu bringen; es gibt vom durch die UN gestellten Schiedsrichter auch keine Rote Karte, da der Spielverband US-Amerika zum einen vorgibt, geheime Kameraaufnahmen, die die Umschuld des Amerikanischen Spielers beweisen sollen, zu besitzen, und andernfalls einfach sein Veto gegen die Entscheidung eines UN-Schiedsrichters einlegen werde.
    Ein russischer Verteidiger stoppt einen der US-Spieler kurz vorm russischen Tor per Beingrätsche – die sich selbst als absolut neutral ausgebenden Beobachter springen aus ihren beheizten Sesseln und empören sich ob der dreist-gefährlichen Aktion durch den russischen Trainer…

    Ich glaube manchmal wirklich, die meissten wollen einfach nur auf der Gewinnerseite sein, der Rest kann zur Hölle fahren. Ob der Gewinn, dem man sich zugehörig wähnt, nun unlauter zustandekommen mag, ist jenen mit ebendiesen Attributen behafteten Zeitgenossen dabei eigentlich egal.

  5. Ganser legt mit der Aufklärung über die drei maßgeblichen Techniken den Finger auch in die klaffende Wunde der „Öffentlich-Rechtlichen“, und das wird immer notwendiger.

    Ich hoffe, dass diese Krankheit, als welche er den Missstand an Information bzw. Desinformation bezeichnet, wirklich geheilt wird.

    Was besonders in der Tagesschau (an dieser Stelle schönen Gruß und wiederholten Dank an den großartigen U. Gellermann) mittlerweile an Informationen zu erfahren, oder – schlimmer noch – nicht zu erfahren ist, verschlägt einem immer öfter den Atem. Was ich zum Thema TS ebenfalls erschreckend finde, ist die bis zur Lächerlichkeit verkommene Kommentarfunktion in der viele millionen Euro zwangsgebührenschweren Tagesschau online.

    Schlimm ist dabei auch, dass die meisten Menschen, die für immer weniger Lohn immer mehr schuften müssen, abends gar keine Zeit oder Energie mehr haben, sich ausgerechnet den so wichtigen komplexen Hintergründe von Geo-oder Europapolitik zu widmen, die wiederum ihre Lebensbedingungen und -grundlagen so massiv aber heimlich und schleichend verändern. Und keinem fällt auf, dass es bei der Tagesschau / ARD-Aktuell keine Asse mehr unter ihren Berichterstattern gibt.

    Infolgedessen funktioniert es immer besser, dass sich kaum noch jemand über die katastrophalen sozial-, bildungs- und finanzpolitischen Veränderungen in Merkeldeutschland empört. Schließlich tönt es ja so unfassbar glaubhaft aus der Raute im Hosenanzug heraus: „Deutschland geht es gut“. Na dann. Hier spricht eine wahre Expertin in Sachen Alltag in Deutschland.
    Frau E. Ehni und ihre lächerlichen, regierungskonformen „Deutschland-Trends“ liefert in der Tagesschau sogleich brav jeden gefälligen Umfage-Mist zur Lage der Merkel-Nation, den wir dann auch zu glauben haben, der aber m. E. eigentlich ehni so ist (falls doch, wäre es eine traurige Manifestation der vollkommenen Verblödung eines ganzen Volkes).

    So wird eine aufgeklärte Einflussnahme von uns Bürgen durch eine mögliche veränderte Stimmabgabe bei Wahlen oder einer Parteienbildung verhindert, Petitionen und Demonstrationen gleichsam werden gleichsam ihrer Bedeutung beraubt, und somit können auch unsere politischen „Repräsentanten“ immer weiter glauben, sie seien „Demokraten“. Läuft doch wunderbar für sie.

    Das „System M“ (siehe G. Höhler), gerissen wie eh und je, hat insofern auch die Ö/R-Medien verkeimt, weil sie im vermeintlich staatsfernen öffentlich-rechtlichen Rundfunk die entsprechenden Untermarionetten installieren und kritische Geister in geübter Manier abservieren ließ.

    Auf der Seite der „Privaten“ nähren überdies weitere Medien-Schwergewichte die Krankheit; z. B. der Springer-Verlag (v. a. Welt, BILD) und der Bertelsmann-Medienkonzern (mit den Volksverblödungssendern RTL und Vox) gehören ja seit langem schon zu denjenigen, denen Angela Merkel stets als geheiligtes Vorbild dient. Vor allem die heimliche Riesenmacht Bertelsmann mischt maßgeblich nicht nur in der deutschen Sozial- und Bildungspolitik mit. Man versteht sich blendend. Volksverblödung vermeidet Begehren im Lande, egal wie gefährlich sie werden kann.

    Hochgradig bedenklich ist auch, von welchen Steuerungs-Mechanismen Wolfgang Herles zum Thema Medienberichterstattung berichten kann. Das Interview mit ihm hier bei KenFM ist ausgesprochen sehens- bzw. hörenswert.

    Was ich an Herrn Gansers Ausführungen immer besonders schätze:
    Jeder, der seiner stets gut nachvollziehbaren Dialektik folgen kann, wird auch den Wahnsinn erkennen, welche Unsummen an Geldern die menschenverachtenden Strippenzieher der Geopolitik, insbesondere durch Hochrüstung und Kriege, den Menschen für gute, sinnvolle und unvergleichbar notwendigere Aufwendungen stehlen.

    Und wenn NATO-Flittchen wie Merkel oder von der Leichen (ferner üble Hinterzimmerflüsterer wie Elmar Brok oder der irre Roderich Kiesewetter) alternativlos für Kriegseinsätze, mehr Milliarden in der Rüstung gar bis hin zur militärischen Atommacht Deutschland werben, dann weiß man auch, wem diese Milliarden weggenommen werden: Nämlich dem Bürger, der sich damit eigentlich bilden, aufklären und folglich selbstbestimmt werden könnte. Die „Repräsentanten“ der jetzigen Demokratie wären dann aber über kurz oder lang weg vom Panzerglas-Fenster.

    Das „Cui bono“ ist immer wieder der Ariadnefaden zu den Verantwortlichen des Wahnsinns.

    Und aus Wahnsinn werden Worte, und aus Worten werden ganz schnell schlimme Taten.

  6. Wir haben ein Bildungssystem, bei dem man viel auswendig lernt, aber nicht so sehr selbständig denkt.

    Wenn beispielsweise die großen Wirtschaftsmedien über die Einfuhrzölle von Trump berichten, dann ist die Meldung als solche natürlich korrekt.

    Wie unsere vermeintliche Marktwirtschaft aber in Wirklichkeit funktioniert, wird kaum jemand wissen.
    Sehr wahrscheinlich ist dies den großen Wirtschaftsmedien selbst nicht bekannt.

    Bei den Themen unserer großen Volksparteien sieht man auch ständig Begriffe wie „starke Wirtschaft“, „Bundesunterstützung“ oder „bezahlbares Wohnen“. Diese Begriffe hören sich für jedermann sehr gut an, aber es gibt niemanden, der die Politik wirklich versteht.

  7. Sehr geehrter Herr Dr. Ganser,
    herzlichen Dank für diesen Beitrag und für Ihre wertvolle Arbeit insgesamt.
    Ich beobachte bei den staatlichen Medien (ARD, ZDF) in manchen Themenbereichen (wie z.B. Sport,
    Naturwissenschaften, Reiseberichte, Kultur, teilweise auch die deutsche Innenpolitik) eine Berichterstattung aus den verschiedensten Blickwinkeln (Im Sport sogar in Zeitlupe und den unterschiedlichsten Perspektiven). Als Medienkonsument kann ich mich über die öffentlichen Medien durchaus diffrenziert informieren.
    Wenn es aber um geopolitische, militärische Themen haben wir ein Versagen der Medien. Die Medien werden hier ihrem staatlichen, gesetzlichen Auftrag nicht gerecht.
    Wie Sie ja auch anführen, wird beispielsweise im Zusammenhang mit der Krim regelmäßig und vor allem undiffrenziert von „Annexion“ statt von „Sezession“ gesprochen . Die gleiche Journalistenzunft hat plötzlich ihr Handwerkszeug vergessen. Ich glaube nicht , dass die verantwortlichen Journalisten Dummköpfe sind.
    Kann es sein , dass ein anderen irgendwie gearteten „Medienfilter“ gibt, der in diesen Themenfeldern
    eine diffrenzierte Berichterstattung nicht zuläßt ?

    • Der V-„Theoretiker“ ist ein Kunstbegriff, den die CIA international implementiert hat, um „Analytiker“, die binnen Stunden nach dem Vorfall den fuer sie richtigeren echten Vorgang um den US-Praesidentenmord JFK anders und plausibler auch oeffentlich formulierten, als die Verlautbarungen der CiA es konnten. Mit dem naheliegenden Schluss, dass die CIA selber den JFK hat erschiessen lassen. Die CIA wehrt sich bis heute mit einer medialen Abwertung und Verunglimpfung solcher Analyse zu „conspiracy theory“ und propagiert weiter bis heute eine absolut unhaltbare andere Version.
      Der naechste Vorfall, der so nicht gedacht werden darf, wie er aller logischen Wahrscheinlichkeit sich tatsaechlich abgespielt hat, ist die eigenstaatliche Ermordung von rund 3000 US-Buergern im Falle von 9/11, die vermutlich ueber die Zerstoerung dreier Gebaeude mittels einer Kombination von klassischer Sprengtechnik mit atomar erzeugtem Plasmastrahl von insgesamt 3 Gebaeuden in New York ueber staatliche Stellen selbst geschah (und nicht von einem Trupp Muselmanen mit Teppichmessern).
      Wer damals zufaellig das Fernsehen eingeschaltet hatte und je die Aufnahmen von 1 Flugzeug mit der Schnauze in einer oberen Etage von WT I und II stecken sah, wunderte sich schon damals: Original-Airliners Fluegelspannweiten wirken erheblich maechtiger im Verhaeltnis zu Hochhaeusern, als die TV-Bilder das damals mit den „luetten“ Fliegern in TV-Bildern darstellten.
      Auch Analysten dieses Vorfalles werden als „Verschwoerungstheoretiker“ mit ihren Schlussfolgerungen aus dem Eroerterungsbereich verbannt.
      Sie werden mit Ihrer wohlgemeinten Idee einer Begriffsbestimmung nicht gegen CIA`s Meinungsmanipulation ankommen. Werden andererseits aber von den Schoepfern des „Verschwoerungstheoretikers“ auch nicht so ernst genommen, dass Sie nicht noch weiterleben duerften.

    • Lieber Alias, ‚Verschwörungsanalytiker‘ ist eine tolle Idee. DANKE für den Begriff!
      Die marxistische Gesellschaftsanalyse sieht die strukturelle Gewalt des Kapitalismus als Systemereignis, das Verschwörungen aus bestimmten Machtpositionen heraus möglich macht und begünstigt und sogar braucht.
      Sie warnt vor einer Blindheit gegenüber den systembezogenen Ursachen für die strukturelle Rücksichtslosigkeit und Selbstherrlichkeit, die damit verbunden ist. Das System der Tat der Konkurrenz und der Kälte von Tauschbeziehungen – im Gegensatz zu Nahbeziehungen – macht Mitmenschen zum Instrument für fremde Zwecke.
      Es wird nicht genügen, nur die Personen, die Verschwörungen durchführen, gegen ehrbare Persönlichkeiten auszutauschen. Damit bleibt es bei den Strukturen, und der integere Nachfolger erlebt, wie sein Marsch durch die Institutionen nicht die Welt ändert, sondern wie umgekehrt er selbst in der neuen (Macht)Position durch das dort prägende Netz geändert wird und alles beim Alten bleibt, weil nur Personen ausgetauscht wurden. Im Lied ‚Won’t get fooled again‘ (the WHO) heißt es über eine daneben gegangene Revolution: „The old boss is the new one“. Deshalb bleiben wir an der Kritik an Verschwörungen nicht (personalistisch) stehen. Aber wir verschließen nicht die Augen, vor Verschwörungen, die es nun einmal gibt.

    • Ich bin der Meinung, daß die Menschen die Aufgabe haben, zu erkennen, wer sie sind und somit in ihre wahre Kraft und Größe eintreten können als die Schöpfer ihrer selbst.
      Nicht das System macht den Menschen. Der Mensch hat all diese Systeme erschaffen. Ein Austausch auf der Personalebene könnte ein Anfang sein, allerdings müßten das schon freie, egolose Menschen sein, die für die Führungsetagen in Frage kämen.

      John de Ruiter: „You cannot beat the system.“ John ist frei und er spricht als ein Kanal sehr hochfrequenter Wahrheiten.
      Aus seinem Satz ließe sich folgern, daß wir die Tools des Systems nutzen müssen, um etwas zu verändern.

      Persönlich bin ich dafür, aus jeglichem System auszusteigen, aber das ist ein Weg durch die eigene innere Hölle, und den mögen die Menschen nicht.

      Ich wüßte nicht, wie man Tauschbeziehungen ersetzen sollte.
      Da ich kein Schmied bin, brauche ich Hufe für meine Pferde, mal simpel gesprochen.

      Was wir als systemimmanent betrachten, sind Strukturen des menschlichen Geistes, die wir nach außen projiziert haben.
      Der Geist muß sich ändern.

      Sie werkeln m.E. an den Symptomen.

    • Hallo, Ursprung,
      der ‚Verschwörungstheoretiker‘ ist bereits völlig verseucht und tragt in sich die künstlich erzeugte Bedeutung, daß derjenige etwas Schlechtes getan habe, tue und behaupte. Verschwörung und Theorie scheinen hier verschmolzen zu sein.
      Was im Grunde Negatives in der Verschwörung steckt, scheint auf den Theoretiker abgewälzt worden zu sein. Der Gebrauch dieses Wortes hat seine ursprüngliche Bedeutung also vollständig umgekehrt. Was natürlich so intendiert war.
      Der Analytiker steht, für mein Empfinden, der Verschwörung noch gegenüber.
      Im Verschwörungsanalytiker schwingt die Tatsache mit, daß es die Verschwörungen wirklich gibt und daß nicht er und sein Bemühen das Problem ist, sondern die Tatsache, daß es die Verschwörungen gibt.

      Intuitiv angeschaut ist das Wort einfach viel heller und kraftvoller.

    • Eine Ergänzung:
      Sie werkeln m.E. an den Symptomen, indem Sie diejenigen des Marxismus an die Stelle derjenigen des Kapitalismus setzen wollen.
      Daß der M.ismus er seine Symptome hat, läßt sich ja wohl nicht leugnen.
      So lange da ein Ego ist, das alles ändern und alles besser machen will, wird sowieso nur der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

      Meine Idee ist also, alle ismen zurückzulasssen und das Leben selbst sich durch uns organisieren zu lassen.

      Die Gelbwesten folgen so einem natürlichen, korrigierenden Lebensstrom.
      Und es gibt keine stärkere Kraft als die, deren Zeit gekommen ist.

    • Kapitalistisches Verhalten wie Konkurrenz… stellt nach der Erkenntnis der Gehirnbiologie (siehe G. Hüther bei Huffingtonpost vom 15/07/2017) keine anthropologische Konstante dar, sondern ist das im Gegenteil die Kooperation. Ich bin nicht daran interessiert, Aussichtslosigkeit zu kommunizieren, die darin begründet ist, dassder Mensch nun mal so sei. Ich weiß nicht, ob meine Idee zutrifft, dass der Mensch an sich änderbar ist. Aber solange ich arbeite, finde ich mich nicht ab. Menschen wie Nelson Mandela, Gandhi, Martin Luther King, Janusz Korczak… lassen mich hoffen. Wer sagt, dass der Mensch so bleibt, wie er ist, der sagt nach Erich Fried, dass er nicht bleibt.

    • Es ist von System und Systemen die Rede.
      Das Gesellschaftssystem im Westen ist GEWOLLT pluralistisch – und ist es weitestgehend verglichen mit z.B. China.
      Denn dieses pluralistische Gesellschaftssystem lebt und gedeiht prächtig davon, dass es Subsysteme und Subkulturen weitestgehend zulässt (man hat die Freiheit zu sagen, was man will, nur es nützt nichts). Und es ist GEWOLLT pluralistisch, da in den unzähligen Subkulturen und Subsystemen (ja, auch hier auf Kenfm) zum einen Geld verdient und in das System gepumpt wird, was das herrschende System stärkt, und zum anderen das herrschende System erfährt, was so in den Subsystemen los ist, was ebenfalls das herrschende System stärkt. Jedes System (nicht nur organische) hat die inhärente Tendenz, sich am Leben zu erhalten in Konkurrenz zu anderen Systemen. Hinter dem herrschenden System steht die Macht. Wenn diese Macht schwankt, dann kommt die inhärente Tendenz der Systeme zum Wirken, und das herrschende System kann in Bedrängnis geraten durch den Pluralismus der Systeme. In der Regel ist am Ende das herrschende System gestärkt.
      In China sieht man das mit dem Pluralismus der Systeme anders. Das herrschende System WILL Pluralismus und Subsysteme nicht zulassen. Letzten Endes ist der WILLE nur ein Element neben der Macht. Solange das herrschende System mit der Macht ausgestattet ist, solange wird es die anderen Systeme zu seinem Vorteil nutzen bzw. keine anderen Systeme zulassen (können). Ob man seine Meinung sagen kann, und dies keine Rolle spielt, oder seine Meinung eben nicht sagen kann, das ist dann nur eine Frage der persönlichen Befindlichkeit. China nutzt gegenwärtig das pluralistische System außerhalb seines herrschenden Systems während es im Innenverhältnis (noch) keinen Pluralismus zulassen will.
      Wer in einem pluralistischen System lebt, der muss akzeptieren, dass selbst sein Kampf gegen das herrschende System eben dieses stärkt.

    • Tony sagte: „akzeptieren, dass selbst sein Kampf gegen das herrschende System eben dieses stärkt.“
      Ja, das ist auch meine Wahrheit. Was ich bekämpfe (es müssen ja nicht gleich ganze Systeme sein) das mache ich stark. (Hat von denen im Bundestag noch niemand gemerkt… AfD).

      Mönche, die versuchen, gegen ihre Sexualität anzukämpfen, haben ganz schlechte Karten.
      Raucher, die sich zwingen wollen, mit Rauchen aufzuhören, werden das vermutlich unzählige Male in ihrem Leben tun müssen, bis sie kapiert haben: Aufhören geschieht.
      Und auch jede andere Sucht wird größer, wenn wir versuchen, gegen sie anzukämpfen.
      Kämpfe gegen Angst an, und Du wirst sie in ein großes Gespenst verwandeln. Ergib Dich ihr und tue mit Angst, was zu tun ist, und sie wird gehen.
      Es nervt uns, daß der Lebenspartner immer dieselben Dinge macht? In dem Moment, wo wir aufhören, ihn darauf hinzuweisen, hört er von alleine auf.
      Die Weisheit kämpft daher nicht, sie geht mit.
      Es gehört zu unserem Schöpfertum dazu, daß wir uns entscheiden können, was wir sehen wollen. Ich sehe um mich herum keine Konkurrenz und ich lebe keine. (Was mich in Indien zu einem von jenen gemacht hat, die beim Kokosnußstand am längsten angestanden sind von allen 😉 )

      Es gibt Menschen, die sehen nur Liebe.
      Das ist auch eine Heilmethode für andere und Liebe ist kein System. Wenn jemand anfängt zu erzählen, was ihn alles für Zipperlein plagen, dann unterbricht der Weise und hilft ihm, sich auf das Wahre, Schöne und Gute auszurichten, das jeder in sich trägt und auf das, was er in Wahrheit ist: Liebe.

      Sie haben nicht gehört, was ich schrieb, Herr T.
      Ich spreche vom Verlassen jeden Systems und Sie hören Aussichtslosigkeit und daß der Mensch immer so bleibe, wie er eben ist?
      Seltsam.

    • @ Alias

      Ihr „….als die Schöpfer ihrer selbst…“ teile ich.
      Die andere Aussage „…dass der Mensch an sich änderbar ist“, die hier geäußert wurde, die findet man bei Liberalen wie Kommunisten und Sozialisten. Die teile ich nicht, weil und wenn sie von Liberalen, Kommunisten und Sozialisten so verstanden wird:

      „Es ist kaum nötig zu sagen, daß diese Lehre nur für Menschen in der Reife ihrer Fähigkeiten gilt. Wir sprechen nicht von Kindern….Aus denselben Gründen bleibt die Betrachtung jener rückständigen Zustände der Gesellschaft außerhalb des Rahmens unserer Untersuchung, in denen sich das Menschengeschlecht im Zustand der Unreife befindet…Der Despotismus ist für die Barbaren die legitime Regierungsmethode, vorausgesetzt, der Zweck ist die Verbesserung ihres Zustandes. Freiheit als ein Prinzip wird erst dann anwendbar, wenn die Menschheit der Verbesserung mit Hilfe freier und gleicher Diskussion fähig geworden ist. Bis dahin gibt es für sie nur implizite Unterwerfung unter einen Akbar, wenn sie glücklich genug sind einen solchen Führer zu finden. “
      Mill, ON LIBERTY, Einführung.

      Die Gesellschaft als Erziehungsanstalt oder der Gulag.

      „….als die Schöpfer ihrer selbst…“ ist im Sinne von Goethe.

      „Welche Regierung die beste sei? Diejenige, die uns lehrt, uns selbst zu regieren.“ (Goethe)

      „Sage, tun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen. / Sieh nur, wie ungeschickt, wild, sieh nur, wie dumm er sich zeigt!“ / Ungeschickt scheint er und dumm, weil ihr ihn eben betrüget. / Seid nur redlich, und er, glaubt mir, ist redlich und klug. (Goethe)

    • „Es ist kaum nötig zu sagen, daß diese Lehre nur für Menschen in der Reife ihrer Fähigkeiten gilt. Wir sprechen nicht von Kindern.“

      Und wenn Ihr nicht seid wie die Kinder, Ihr werdet nicht das Himmelreich erlangen.

    • Lieber Alias
      Sie sprechen von egolosen Menschen für Führungsetagen. Diese Etagen gibt es also schon mal? M.E. gehören sie zum System.
      Sie schreiben, Systemimnentes entspringe dem menschlichen Geist. Das Menschenbild als abstraktes Wesen, das die Gesellschftdordnung planungsgemäß kreiert, übergeht meines Erachtens 10 000 Jahre Gesellschaftsentwicklung seit der Sesshaftwerdung über die Sklaven-, Feudaladels- und kapitalistische Gesellschaft. Diese „Ordnungen“ sind eine nach der anderen keine ( reinen ) Ergebnisse vorgedachter Modelle.
      Sie wollen aus dem System aussteigen? In die Südsee? Wie sonst? …?
      Ich bekämpfe u.a. die Armee (auch ein System) – mache ich sie dadurch stärker? Sollen wir den Militaristen besser freien Lauf lassen? Schwächt das sie?
      Marxismus ist übrigens kein System wie Kapitalismus. Letzterer ist eine Gesellschaftsordnung mit Eigentumsformen und Mensch-Mensch- Beziehungen, die (Ohn)Macht generieren. Marxismus ist eine Philosophie.

    • @ H. Trautvetter

      Den Marxismus als Philosophie zu bezeichnen ist Teil der Unredlichkeit, von der Goethe spricht.
      dtv Wörterbuch der Geschichte: „Marxismus ist eine von Marx und Engels entwickelte Gesellschafts-, Wirtschafts- und Staatstheorie, die im Unterschied zum utopischen Sozialismus als wissenschaftlicher Sozialismus auftritt…“

      „Die Wissenschaft ist zu einer Kirche geworden“, schrieb Ernst Mach, als Planck seinen Ideen nicht Argumente sondern den Verstand der Gelehrten entgegensetze. Er lehnte es ab, sich der Autorität dieser Kirche zu beugen. Die Gedankenfreiheit sei ihm lieber.
      Übrigens: Wissenschaft ist nie abgeschlossen. Und: „Wer Systeme macht, muß die zahllosen Lücken durch eigene Erfindung ausfüllen und mehr oder weniger irrational phantasieren.“ Das macht dann aus dem System eine Religion.

    • Lieber Tony + … Mitlesende/r
      Ich antworte mit einer Empfehlung, zu der mich Goethes Sprachgebrauch angeregt hat: Behandele auch im Meinungsstreit andere so, wie Ihr sein könntet. Die Formulierung mit dem „redlich“ greife ich so auf:
      Nach Hegel ist Philosophie Liebe zur Weisheit. Und beispielsweise diesen Satz finde ich besonders Weise: „An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.“ Ob wir das noch hinbekommen? Im Interesse an der Zukunftsfähigkeit der Menschheit ist es meines Erachtens einen Versuch wert. Das Zitat stammt aus dem kommunistischen Manifest. Merke: Erst kommt die freie Entfaltung des Einzelnen. Dann die der Gesellschaft. Ersteres ist Bedingung für Letzteres.

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