Der letzte Damm | Von Roland Rottenfußer

Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.

Wer hätte vor 12 Monaten gedacht, dass wir innerhalb der Weltgesellschaft in diesem Jahr eine ungeheure Mutation erleben würden ─ vom Homo sapiens zum Homo coronicus, einem gleichgeschalteten, angstgesteuerten Wesen mit maskenbedingt vorgewölbter Mundpartie und einem krampfhaften Vermeidungsverhalten, wenn sich Artgenossen nähern? Wir befinden uns auf dem Weg in einen Transhumanismus, der vorerst ohne Cyborgimplantate auskommt. Den Suggestionen journalistischer und wissenschaftlicher Hofschranzen folgend, wollen viele den Menschen alten Typs überwinden, wollen mehr als menschlich sein und sind gerade deshalb dabei, weniger als das zu werden. Transhumanismus ist wie Prähumanismus vor allem eines: inhuman.

Das Virus ist nicht inexistent, nein. Wie ein Luftballon, der im Originalzustand ein schlaffes, kleines Ding ist, wurde auch Corona nur groß, weil man sehr viel Luft hineingeblasen hat ─ ein Gasgemisch aus Behauptungen, Fantasien und Ängsten.

Viele dieser Aufbläser sind Journalisten wie wir. Sie tragen willfährig das große Gerücht weiter, das Gespinst einer historischen Bedrohung, die es angeblich notwendig macht, dass die Weltgesellschaft aus Angst vor dem Tod Suizid begeht. Sie tun es, teils weil sie wirklich an die große Corona-Erzählung glauben, teils weil sie meinen, von Berufs wegen daran glauben zu müssen ─ vielleicht aus Angst, ihre journalistische Existenz zu verlieren, sofern sie nicht aufhören, Journalisten zu sein.

Wer sich jetzt präventiv vor der im Aufbau befindlichen Diktatur duckt, beschleunigt jedoch eben dadurch den Prozess ihrer Etablierung. Umgekehrt hätte entschlossenes, mutiges Handeln aller, denen schon in der Frühphase die ganze Hysterie spanisch vorkam, vielleicht das Schlimmste verhindern können. Die abwartende Zaghaftigkeit und Entscheidungsschwäche eines Großteils auch der politisch wachen Menschen hatte wesentlichen Anteil an der Misere.

Eine Ära der Verdunklung

„Aufklärung“ steht als Bezeichnung für eine historische Epoche wie einen Bewusstseinsprozess der „Aufhellung“ noch immer in hohem Ansehen. Derzeit erleben wir allerdings das Gegenteil: eine kollektive Verdunklung des Zeitgeists, „Disenlightenment“. Schon Erlerntes und vorschnell als selbstverständlich Betrachtetes geht in einem rapiden Prozess verloren: so etwa Meinungspluralität, differenziertes und kritisches Denken, der Respekt vor Freiheit und Individualität. Stattdessen triumphieren Zwangsherrschaft, Schwarze Pädagogik, Gleichschaltung und die dramatische Reduktion von Komplexität auf das der Staatsmacht und dem politisch-pharmazeutischen Komplex Genehme. All dies geschieht interessanterweise unter Berufung auf die Wissenschaft. Und es geschieht unter dem unablässigen Kopfnicken von Intellektuellen ─ auch solchen, die sich vormals als Liberale, Sozialisten oder gar Anarchisten verstanden haben.

Was derzeit geschieht, ist, dass sich viele Menschen sehenden Auges in einen Zustand der Geistesverdunkelung hinabsinken lassen, begleitet auch von wachsendem ethischen Orientierungsverlust. Kaum jemand mehr lässt sich anrühren von den Tränen eines misshandelten Kindes hinter der verordneten Maske, die seinen Atem blockiert und sein Selbstvertrauen erstickt. Kaum einer schaut auf die Opfer, die hilflos internierten Alten, die in Depression und Isolation Getriebenen, die tausendfach Gemaßregelten, Erniedrigten und Beleidigten. An diesem Punkt wäre eine radikale kollektive Umkehr dringend vonnöten. Diese basierte auf glasklarer Analyse des Istzustands ─ und dann auf der Entschlossenheit, die aktuelle destruktive Entwicklung nicht nur zu stoppen, sondern einen Gegentrend einzuleiten.

Worte als Game Changer

Eine wesentliche Rolle kommt dabei der Sprache ─ dem gesprochenen und geschriebenen Wort ─ zu. Wo das Problem nicht so sehr auf dem Gebiet des Faktischen zu finden ist, sondern vielmehr in einer irreführenden „Erzählung“ begründet liegt, sind Worte die Game Changer. In Goethes Künstlerdrama „Torquato Tasso“ finden wir diesen interessanten Gedanken:

„Die Dichter sagen uns von einem Speer,
Der eine Wunde, die er selbst geschlagen,
Durch freundliche Berührung heilen konnte.
Es hat des Menschen Zunge diese Kraft.“

Das Wort kann im einen Fall verletzen, im anderen heilen. „Des Menschen Zunge“, die Sprache also, war das Gift, das die Krankheit unserer Epoche ausgelöst hat ─ und sie kann, richtig angewandt, zum Heilmittel werden. Wir brauchen eine kraftvolle Gegenerzählung, die „das ganze verkehrte Wesen“ (Novalis) vertreibt. Die Elemente dieser Erzählung müssen alle, die wachen Sinnes sind, erst noch gemeinsam entwickeln. Nur eines darf dabei nicht geschehen, dass die Freiheit im Wertekatalog einer zu schaffenden menschlicheren Welt fehlt. In den Worten von Marius Müller-Westernhagen: „Freiheit ist die einzige, die fehlt“. Wenn dieser ganze schmerzvolle Irrsinn irgendeinen Sinn gehabt haben soll, dann vielleicht den, dass vielen Menschen der Wert der Freiheit erst im Moment ihres Verlustes wieder stärker bewusst geworden ist.

„Dem Rad in die Speichen greifen“

Viele von uns sind unzufrieden darüber, was sie bewirken können und bisher bewirkt haben. Nach kurzem Aufflammen des Protests verkriechen sie sich wieder in ihre Resignationshöhlen. Die Frage muss jedoch umgekehrt gestellt werden: Wie sähe die Welt jetzt aus, wenn es uns nicht gäbe? Wie weit wäre der Coronawahn gediehen ohne die vielen Menschen, die in Elternversammlungen, beim Lebensmittelhändler oder im heimischen Wohnzimmer im verzweifelten Meinungskampf gegen eine Mehrheit von Corona-„Normalen“ standzuhalten versuchen? Wie sähe es aus ohne die Grundrechtsdemonstrationen, die Querdenker, die unbeugsamen nonkonformen Wissenschaftler wie Dr. Wolfgang Wodarg und Dr. Sucharit Bhakdi, ohne tapfere Ärztinnen, Richter, LehrerInnen und Video-Influencer, denen es manchmal doch gelingt ─ in den Worten von Dietrich Bonhoeffer ─ „dem Rad in die Speichen zu greifen“?

Und ich füge hinzu:

Wo stünden wir jetzt ohne die aufrechten „alternativen“ Medien wie KenFM, NachDenkSeiten, Neulandrebellen, Multipolar, Hinter den Schlagzeilen und Rationalgalerie? Ich füge hinzu: Wo stünden wir ohne den Rubikon?

Die Bedeutung einer freimütig geäußerten Minderheitenmeinung ist größer, als die relativ geringe Anzahl ihrer Leser es vermuten ließe. Es ist der Effekt eines in der Nacht entzündeten Streichholzes, das noch in weiter Ferne gesehen werden kann ─ nicht weil dieses Holzstäbchen besonders groß wäre, sondern weil der Kontrast zum umgebenden Dunkel ihm Leuchtkraft verleiht. Minderheitenmeinungen rauben den Mehrheitsnarrativen den Nimbus des Selbstverständlichen und Allgegenwärtigen. Sie eröffnen überhaupt erst die Chance, zu vergleichen, zu wägen und eine Entscheidung zu treffen ─ etwas, was in einer Demokratie selbstverständlich sein sollte, es aber, wie wir in Coronatagen schmerzvoll erfahren, längst nicht mehr ist. Nur eine sichtbare und kraftvoll vorgebrachte Gegenmeinung kann die „kritische Masse“ erreichen, kann die Situation kippen lassen und Minderheiten in Mehrheiten verwandeln.

Wir sind wichtig

In der Summe bedeutet das: Wir sind wichtig. Und auch Sie sind wichtig. Das ist kein Größenwahn. Es ist der Versuch einer realistischen Einschätzung mit Blick auf das weithin verdorrte Feld möglicher Mitstreiter. Ich wäre froh, wenn es anders wäre. Wenn das, was ich und meine tapferen Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu sagen versuchen, quasi die Spatzen von den Dächern pfiffen. Dieses Streichholz in der Dunkelheit ─ es kann enorme Wirkung entfalten, aber es hat den Nachteil, dass es eben auch ziemlich leicht gelöscht werden kann. Die „Gegenpartei“ weiß das, und sie tut jetzt schon alles, was im Rahmen des Legalen möglich ist, um die ohnehin kleine Flamme des Widerstands auszutreten. Zugleich versucht sie, den Rahmen des Legalen immer weiter zu ihren Gunsten zu verschieben ─ bis eine Situation entsteht, in der „die“ fast alles dürfen und „wir“ fast nichts.

Wenn unabhängiger Journalismus nicht mehr möglich ist ─ und er steht schon jetzt unter massivem Beschuss ─, dann kann das bedeuten, dass der letzte Damm bricht, der uns noch vor der Repressionsflut schützt.

Von einem solchen Zustand sind wir nicht mehr weit entfernt. Wenn ich behaupte „Wir sind wichtig“, dann belege ich das auch damit, dass die Versuche, uns zu unterdrücken, immer massiver und perfider geworden sind. Wenn man jemanden nicht fürchtet, warum muss man dann versuchen, sie oder ihn zum Schweigen zu bringen? Nur wer sich getroffen fühlt, jault auf. Daran gemessen, müssen die Beiträge im Rubikon extrem treffend gewesen sein.

Der Zensur-Amoklauf

Ein Beispiel: Dem vielen Leserinnen und Lesern durch seine Video-Interviews bekannten Flavio von Witzleben wurde kürzlich von seiner Universität eine Anstellung verweigert, obwohl eine mündliche Zusage schon vorlag. Flavio wurde nach einer Intervention des Präsidiums, aber auch auf Wunsch einer Mehrheit der Studierenden, die ihn im Rahmen einer regelrechten „Kampfsitzung“ abkanzelten, nicht in den Universitätsdienst übernommen.

Der Grund: Er arbeitet für den Rubikon, das „Verschwörungsmagazin“. Eine Freiheit der Lehre und Respekt vor abweichenden Meinungen sähe anders aus. In einem gesunden, freiheitlichen Gemeinwesen würden Talente wie Flavio gefördert und für sein kritisches Engagement geschätzt werden. In Corona-Deutschland jedoch wird jeder, der den erlaubten, regierungsnahen Meinungskorridor verlässt, gnadenlos gedeckelt.

Auf YouTube wurden die Kanäle von Rubikon, KenFM, SNA sowie viele kritische Blogbeiträge, unter anderem von Gunnar Kaiser, gelöscht. Noch auf YouTube präsente Beiträge werden zudem zwangsweise mit Links zu „korrekten“ Corona-Informationen angereichert. In Talkshows talken, in großen Medien schreiben ohnehin nur noch ähnlich Denkende nach dem Motto „Maßnahmen-richtig-Finder unter sich.“ Es ist nicht „verboten“, sich kritisch zu Corona zu äußern ─ so lange man nicht erwartet, außerhalb schon als staatsfeindlich markierter Außenseitermedien Gehör zu finden. Und solange man keine überhöhten Karriereerwartungen im Medienbereich hat.

Vorboten der Diktatur

Der „Lockdown light“ seit Anfang November, der für seine Opfer nie wirklich leicht zu tragen war, ist seit 16. Dezember zur Freude aller Hardliner jetzt wieder richtig „heavy“. Alle Maßnahmen vom März und April sind wieder in Kraft ─ ergänzt durch ein paar „Sahnehäubchen“, etwa eine spätabendliche und nächtliche Ausgangssperre in Bayern und einigen außerbayerischen Städten. Eine beispiellose Demütigung und Entrechtung der betroffenen Bürger, zumal ein Abendspaziergang nicht einmal eingefleischten Corona-Phobikern gefährlich vorkommen sollte. In Mannheim sind „grundlose“ Spaziergänge schon jetzt verboten:

„‚Ein Spaziergang zu reinen Erholungszwecken ist im Zeitraum der Ausgangsbeschränkungen nicht gestattet‘, so Ralf Walther, Leiter der Stabsstelle Presse und Kommunikation der Stadt Mannheim, am 7. Dezember gegenüber Multipolar.“

Das Online-Magazin berichtete auch noch über einen anderen bedenklichen Vorgang:

„Mehrere Politiker und Funktionäre, die sich lautstark und entschieden dem Regierungskurs entgegengestellt haben, starben in den vergangenen Wochen spontan und unerwartet, so Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann am 25. Oktober, Mittelstandspräsident Mario Ohoven am 31. Oktober und der Hamburger Dehoga-Chef Franz Klein am 21. November.“

Zufall?

Erstickter Protest

Querdenker-Demos haben im Vergleich zu den beiden großen Demonstrationen im August generell deutlich weniger Zulauf. Es ist davon auszugehen, dass die Propaganda ─ zum Beispiel zum „Sturm auf den Reichstag“ ─ gewirkt hat. Seit den Ereignissen von Leipzig am 7. November, als die Polizei angeblich „zu lax“ mit Demonstranten umging, werden Demos oft schon kurz nach Beginn wegen Verstoßes gegen Hygieneregeln aufgelöst, wenn sie nicht von vornherein verboten werden. Wasserwerfereinsatz ist mittlerweile Usus.

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) erklärte das Verbot einer geplanten Demo in Bremen am 5. Dezember für rechtmäßig. Das Urteil gilt als „wegweisend“ und ist das erste vom Obersten Gericht ausdrücklich bestätigte Verbot dieser Art. Laut „Querdenken“-Anwalt Markus Haintz gab das BVerfG zur Begründung an, das Versammlungsrecht sei zwar ein hohes Gut, jedoch gegenüber dem Recht auf körperliche Unversehrtheit nachrangig. Haintz argumentiert, dass man mit einer solchen Begründung über kurz oder lang jedes Grundrecht aushebeln könne.

Impfverweigerer sind die neuen Aussätzigen

Es herrscht eine kollektiv eher depressive, ratlose Stimmung in der Bevölkerung. Naturgemäß wächst zwar der Unmut, wachsen Existenzängste und „Corona-Müdigkeit“, diese können vom System jedoch bisher durch den Hinweis auf gestiegene Infektionszahlen aufgefangen werden. So mancher Corona-Angepasste hat sich nach fast einem Jahr massiver Angstmache radikalisiert. Er lässt seine vielleicht unterschwellig gefühlte Wut auf eine Staatsmacht, die ihn sukzessive entrechtet, an den wenigen Nonkonformen aus.

Eine „Durchimpfung“ der Bevölkerung ab Anfang 2021 wird von den Medien als weitgehend selbstverständliches Zukunftsszenario verkauft. Anzunehmen ist, dass die besondere Härte der Maßnahmen in den Wintermonaten die Menschen in die Impfzentren treiben soll. Eine Impfpflicht wird weiterhin verneint ─ wie auch ein zweiter Lockdown noch im Sommer als unwahrscheinlich galt. Lothar Wieler sagte am 15. Oktober bei einer Pressekonferenz:

„Also, wir gehen davon aus, dass im nächsten Jahr Impfstoffe zugelassen werden. Wir wissen nicht genau wie die wirken, wie gut die wirken, was die bewirken, aber ich bin sehr optimistisch, dass es Impfstoffe gibt, ja.“

Der Bild-Kolumnist Nikolaus Blome forderte explizit die Diskriminierung von Impfunwilligen:

„Ich hingegen möchte an dieser Stelle ausdrücklich um gesellschaftliche Nachteile für all jene ersuchen, die freiwillig auf eine Impfung verzichten. Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen.“

Konformitätsdruck und Demonstrantenbeschimpfung

Sogar auf Ärzte und Apotheker wird Druck ausgeübt, gegenüber Kunden die Risiken der Covid-19-Impfungen nicht anzusprechen, wie die Seite Corona-Transition berichtete. In einem Schreiben an die Ärzteschaft mahnte der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper:

„Damit die Impfaktion, die ja auf Freiwilligkeit beruht, erfolgreich sein wird, muss eine hohe Akzeptanz und Impfbereitschaft in der breiten Bevölkerung erreicht werden. Wir möchten Sie deshalb bitten, bei Ihrer täglichen Arbeit mit den Patientinnen und Patienten die Vorbehalte, die sicherlich aufgrund der noch dürftigen Informationslage zu den neuartigen Impfstoffen in gewissem Maße nachvollziehbar sind, im Rahmen Ihrer Beratungsfunktion zu reduzieren. Nur durch eine hohe Impfakzeptanz kann das Virus wirksam bekämpft und eingedämmt werden.“

Abgesehen davon, dass dieser Versuch, Medizinexperten entgegen ihrer professionellen Verantwortung im Sinne einer impfbejahenden Haltung zu beeinflussen ─ wir können davon ausgehen, dass Politiker selbst nicht ganz an die Ungefährlichkeit der Covid-19-Impfungen glauben.

Angela Merkel lobte, wie einige Länder Asiens aus der Krise herausgekommen seien ─ durch bessere Einhaltung der Regeln und den Verzicht auf Demos beziehungsweise deren Verbot:

„Wo kommen wir da raus, wo kommt China raus, wo kommt Südkorea raus, wenn die alle immer viel besser die Masken tragen und nicht so viele Querdenker-Demos haben, sondern derweil schon wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung?“

Wir sehen also, wohin die Reise geht. Auch Herbert Reul, CDU-Innenminister Nordrhein-Westfalens, stellte in einer Talkshow bei Maybrit Illner seinen grundsätzlichen Widerwillen gegen Demonstranten zur Schau: „Die allermeisten Menschen gehen nicht auf die Straße, die allermeisten Menschen verhalten sich ordentlich.“ Sie würden keinen „Krach machen“ und seien deshalb „sehr vernünftig“. Bei solchen Ordnungshütern wünscht man sich viel mehr Menschen, die sich „unordentlich“ verhalten.

Die Diktatur, die nicht „Diktatur“ genannt werden will

Die Lage ist, wie wir an diesen Beispielen gesehen haben, brenzlig. Man kann sich natürlich mit Händen und Füßen dagegen wehren, in diesem Zusammenhang das Wort „Diktatur“ ins Spiel zu bringen.

So wie die berühmte Comicfigur Obelix mit dem Satz „Ich bin nicht dick“ unliebsame Kritik von sich abzuwehren suchte, möchte die Diktatur nicht gern „Diktatur“ genannt werden.

Wer demokratisch anspruchslos und mit einem System zufrieden ist, in dem Journalisten derzeit nicht inhaftiert werden, in dem es keine staatlich organisierten Pogrome gegen Minderheiten und keine Massenvernichtungslager gibt, der mag weiterträumen. Wichtig bleibt aber, nicht nur „die Anfänge zu wehren“ ─ den Anfang haben wir längst verschlafen ─, sondern spätestens jetzt, auf einer mittleren Eskalationsstufe, mit allen verfügbaren Kräften gegenzusteuern.

Die zwar durchschaubare, jedoch nicht so leicht zu bekämpfende Strategie des Gegners müssen wir mit einer entschlossenen Gegenstrategie beantworten. Nichts wäre für die jetzt anstehenden Auseinandersetzungen schädlicher als die Annahme, es gäbe gar keinen Anlass zu kämpfen. Fast ebenso schädlich ist aber auch die Befürchtung, wir hätten ohnehin schon verloren.

Das „Corona-Establishment“ mit seiner Schläue und seinen Machtmitteln zu unterschätzen, könnte sich rächen. Wenn wir es umgekehrt jedoch überschätzen, erschaffen wir einen Mythos der Allmacht und Unangreifbarkeit, der den Widersacher in ein irreales, gottähnliches Licht taucht, uns selbst jedoch lähmt und entmutigt. Hilfreicher ist der Gedanke: Es wird schwer, aber wir können es schaffen ─ „wenn die Gemeinschaft zusammenhält“, wie es im Film „Der Herr der Ringe ─ die Gefährten“ heißt.

Plan B für unabhängigen Journalismus

Eine plausible und vorausschauende Strategie hat unser Herausgeber Jens Wernicke entwickelt. Er wird sie in seinem Artikel „Die Zukunft beginnt jetzt“ in den nächsten Tagen darlegen: Human und freiheitlich fühlende Menschen sahen sich in der Vergangenheit von den „Schachzügen“ der Gegenseite regelmäßig überrumpelt. Weil die Feinde der Freiheit offenbar Heerscharen von „Strategen“ in ihren Reihen haben, die ─ gut bezahlt und dabei skrupellos ─ tagein, tagaus über Verschlechterungen unserer Lebenssituation nachgrübeln und uns bisher meist einen Schritt voraus waren.

Ein Magazin, das die Mächtigen regelmäßig herausfordert, braucht im übertragenen Sinn ein „schnelles Pferd“. Konkret gesprochen: technische und rechtliche Schutzmaßnahmen, die auch bei massiven Angriffen standhalten. Ich will die Aussage von Jens Wernicke hier nicht vorwegnehmen.

Als hauptberufliche Journalisten und Medienschaffende im „alternativen“ Spektrum waren wir im ersten Coronajahr zwar besonders gefordert und belastet ─ wir haben aber den Vorteil, dass uns nicht ganz so leicht ein Gefühl totaler Hilflosigkeit ergreift. Was kann jemand beitragen, der nicht die Möglichkeit hat, sein Geld mit „Coronakritik“ zu verdienen? Viele fühlen sich durch ihren Broterwerb, durch Haushalt und Familie schon erschöpft genug. Mal einen Link weiterleiten, mal in einem Tischgespräch gegen das herrschende Narrativ anreden, selten auch mal eine Demonstration besuchen, wenn die nächste Großstadt nicht zu weit entfernt ist ─ das ist alles, was viele meinen, tun zu können. Und vielen genügt das nicht, weil ihnen ihr Beitrag gemessen an der Größe der historischen Aufgabe klein vorkommt.

Den Helfern helfen

Hier bietet sich eine mögliche Lösung an:

Helfen Sie den Helfern. Unterstützen Sie die Kämpfe jener, die ihr Leben so organisiert haben, dass sie dem Einsatz für Demokratie und Freiheit mehr Zeit widmen können als Sie.

Diesen Menschen fehlt es oft nicht an Idealismus und weiterführenden Erkenntnissen ─ es fehlt ihnen schlicht an Geld. Bezogen auf unsere eigene Situation: Ohne die bisher zum Glück stetig eingegangen Spenden unserer Leserinnen und Leser hätten wir es nicht bis hierher schaffen können. Ohne dass diese Spenden künftig weiter und möglichst noch reichlicher fließen, werden wir unsere wichtige Aufgabe aber auch in Zukunft nicht so erfüllen können, wie es die derzeit sehr beängstigende Gesamtlage erfordert.

Wir danken im Voraus. Für Ihren Zuspruch, Ihre Unterstützung und Ihre Spenden.

Übrigens können Sie uns auch unterstützen, indem Sie eines unserer inzwischen zahlreichen mutigen Bücher erwerben ─ für sich oder zum Verschenken, ganz egal.

Bitte unterstützen Sie auch die das gesamte nächste Jahr andauernde „Corona-Aufklärungsoffensive“ des Rubikon-Verlages und bestellen das am 29. Januar 2021 erscheinende erste Buch dieser Kampagne „Meine Pandemie mit Professor Drosten: Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen“ von Walter von Rossum zum Subskriptionspreis von 18 statt später 20 Euro vor.

Das Rubikon-Team wünscht Ihnen ein nicht zu rohes Fest und „trotzdem“ ein wenig Freude, Erholung und Gemeinschaft, außerdem uns allen ein glücklicheres und freieres Jahr 2021. Denn dass es von diesem Punkt aus eigentlich nur noch aufwärts geht, ist leider keineswegs sicher.

Es liegt auch an uns.

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Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Mc_Shutter / shutterstock

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35 Kommentare zu: “Der letzte Damm | Von Roland Rottenfußer

  1. Dietmar sagt:

    Also ich gehöre einer Generation an, in welcher es bisweilen üblich war, sich des gesprochenen Wortes zu bedienen, wenn man seinem Gegenüber etwas mitteilen wollte. Ja, wenn man mochte, konnte man sich sogar dabei in die Augen sehen.
    Irgendwann jedoch saß auch ich dann eines Tages vor so einer Bildschirm/Tastatur Kombination und machte mir so meine Gedanken.
    Recht bald schon bemerkte ich einmal in einem solchen Forum, welche plötzlich wie Pilze aus dem jungen WWW zu wachsen schienen, dass es doch ein Leichtes sei, sich hinter Falschnamen und der kuscheligen Anonymität des Internets zu verstecken und dann, sei es als Gutmensch oder eben als dessen Gegenteil oder als was und wo immer man sich gerade zugehörig fühlt so richtig vom Leder zu ziehen. Es kann einem ja nichts weiter passieren, außer, dass man vielleicht ein wenig beleidigt wird. Aber darauf scheint man ja regelrecht zu warten. Denn nun kann es ja erst richtig losgehen.
    "Feuer frei aus allen Rohren!"
    Auch ich bekam damals auf diese Bemerkung recht schnell entsprechende Antworten….vermutlich von Leuten, welche mich auf der Straße noch nicht einmal angesehen, geschweige denn angesprochen hätten…natürlich ausschließlich unter falschem Namen.
    Vielleicht ein wenig ab vom eigentlichen Thema, aber denkt mal drüber nach. Beinah schon pervers klug, einen Großteil der Spaltung der Gesellschaft in die Wohnungen der Mitglieder eben dieser Gesellschaft "auszulagern".

    In diesem Sinne, versucht bei Euch zu bleiben oder zu Euch zu kommen. Schauen wir, dass es ein besseres Jahr wird, das kommende.

    Herzlichst

    Dietmar Ludewig

  2. Sabine sagt:

    …..und schon wieder mein Kommentar gelöscht……

    Nachtigall ick hör dir trapsen !

    Somit ist mein Dank an das KenFM-Team also hinfällig !

  3. sandra beimer sagt:

    *****
    >>Weil die Feinde der Freiheit offenbar Heerscharen von „Strategen“ in ihren Reihen haben, die ─ gut bezahlt und dabei skrupellos ─ tagein, tagaus über Verschlechterungen unserer Lebenssituation nachgrübeln und uns bisher meist einen Schritt voraus waren
    *****

    Endlich das S-Wort: Strategie. Um den Kampf Aufklärung zu gewinnen braucht es Mathematiker. Und Supercomputer, weil das ist was die Gegener an Waffen benutzen und allen anderen damit so überlegen sind wie Kirchenleute im Mittelalter die lesen konnten und schreiben und rechnnen, während der Rest der Bürger das nicht konnte.

    Frank Schirrmacher war auf der richtigen Spur. John Nash ist das große Geheimniss unserer zeit. Und kein Zufall dass er 'Verrückt' wurde, weil jeder der eine eine solcherart bahnbrechnende Entdeckung macht, mit Geheimdienstlichen Mitteln (PsyOp) vom Rest der Gesellschaft isoliert werden muss, damit diese nicht hinschaut.

  4. Wolfgang Altpeter sagt:

    Ein sehr guter Beitrag von Roland Rottenfußer. Klaus Schwab hat mit "The great Reset" das Drehbuch veröffentlicht. Die Mainstream-Medien nehmen dies widerspruchslos hin und dienen so als Brandbeschleuniger. Das erinnert mich an den Spruch von Jean-Claude Junker: "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten was geschieht. Wenn es dann kein Geschrei gibt und keine großen Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter-Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt"

  5. Ania sagt:

    Die Rentnerin bei mir im Haus, die mit FFP2-Maske bei mir klingelt, um mir selbstgebackene Weihnachtsplätzchen zu bringen, ist demnach auf dem Weg zum „gleichgeschalteten, angstgesteuerten Wesen mit maskenbedingt vorgewölbter Mundpartie“? Ebenso das dunkelhäutige Mädchen mit Mund-Nasen-Schutz, das in der Straßenbahn fröhlich mit dem jüngeren Bruder herumalbert und irgendwie nicht geschnallt hat, dass es ein „misshandeltes Kind mit ersticktem Selbstbewusstsein“ ist?

    Warum Ihnen die Gegenseite bisher meist einen Schritt voraus war, ist eine interessante Frage. Sie meinen die Antwort darauf schon gefunden zu haben, und streben eine technische Lösung an. Ich möchte Ihnen daher ein Gedicht von Bertolt Brecht empfehlen, verfasst um 1937:

    Der Zweifler

    Immer wenn uns
    Die Antwort auf eine Frage gefunden schien
    Löste einer von uns an der Wand die Schnur der alten
    Aufgerollten chinesischen Leinwand, so daß sie herabfiele und
    Sichtbar wurde der Mann auf der Bank, der
    So sehr zweifelte.

    Ich, sagte er uns
    Bin der Zweifler, ich zweifle, ob
    Die Arbeit gelungen ist, die eure Tage verschlungen hat.
    Ob, was ihr gesagt, auch schlechter gesagt, noch für einige Wert hätte.
    Ob ihr es aber gut gesagt und euch nicht etwa
    Auf die Wahrheit verlassen habt dessen, was ihr gesagt habt.
    Ob es nicht vieldeutig ist, für jeden möglichen Irrtum
    Tragt ihr die Schuld. Es kann auch eindeutig sein
    Und den Widerspruch aus den Dingen entfernen; ist es zu eindeutig?
    Dann ist es unbrauchbar, was ihr sagt. Euer Ding ist dann leblos
    Seid ihr wirklich im Fluß des Geschehens? Einverstanden mit
    Allem, was wird? Werdet ihr noch? Wer seid ihr? Zu wem
    Sprecht ihr? Wem nützt es, was ihr da sagt? Und nebenbei:
    Läßt es auch nüchtern? Ist es am Morgen zu lesen?
    Ist es auch angeknüpft an vorhandenes? Sind die Sätze, die
    Vor euch gesagt sind, benutzt, wenigstens widerlegt? Ist alles belegbar?
    Durch Erfahrung? Durch welche? Aber vor allem
    Immer wieder vor allem anderen: Wie handelt man
    Wenn man euch glaubt, was ihr sagt? Vor allem: Wie handelt man?

    Nachdenklich betrachteten wir mit Neugier den zweifelnden
    Blauen Mann auf der Leinwand, sahen uns an und
    Begannen von vorne.

    https://www.deutschelyrik.de/der-zweifler.html

    • Wildenfelser sagt:

      Besonders für Anja und noch einige der Trolle, die hierher kommen, wäre es aufschlussreich, „Meine Pandemie mit Professor Drosten: Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen“ von Walter von Rossum, zu lesen. Werden sie aber kaum machen, denn ihr Auftrag lautet anders. Zum Beispiel wie Anja… einerseits "vernünftig" scheinend zu schreiben, ja hier und da etwas auf die "normalen" Kommentatoren einzugehen, um dann aber auch etwas Zweifel zu säen und zu versuchen, die Leute zu verunsichern. Nur – es funktioniert nicht, denn diese "normalen" Kommentatoren informieren sich sehr umfangreich und sind deshalb nicht mehr so leicht zu erschüttern. Sie, das heißt, WIR, stehen ungefähr dort, wo, auf internationaler Ebene James Corbett steht (—> Corbett Report), der über viele Jahre hin unterdessen so viel recherchiert hat, dass er ganze Lagerhäuser füllen könnte, würde er das ausdrucken. Und zu allem, was er sagt, fügt er sofort die Belege bei. Mit ihm hätten Anja und unsere Berufstrolle es noch weit schwieriger 🙂

    • Wildenfelser sagt:

      Es ist auch interessant, dass Anja Brecht zitiert, woraus hervorgeht, dass an allem, was die Regierung verlauten lässt und die Medien ausspucken, zu zweifeln ist und allenfalls das stimmen könnte, das belegt ist, also wie etwa die Gegenposition zu den Genannten (Regierung, Medien belegen nicht – sie fordern zum Glauben auf!). Rechnet man dann noch die offenbaren INTERESSEN der Politiker und Medien und ihrer Auftraggeben hinzu, dann ist es beinahe gleichgültig, ob es das Virus gibt oder nicht und was dazu zu sagen wäre, denn dann kann man die seit vielen Jahren gelegte Spur der Mächtigen verfolgen und sehen und extrapolieren, wo sie hinführt, wie eine Leuchtspur in dunkler Nacht. Es fällt einem die Seeräuber Jenny ein, die da singt:
      "Und ein Schiff mit acht Segeln
      Und mit fünfzig Kanonen
      Wird liegen am Kai."
      ….. später dann:
      "Und es werden kommen hundert gen Mittag an Land
      Und werden in den Schatten treten
      Und fangen einen jeglichen aus jeglicher Tür
      Und legen ihn in Ketten und bringen vor mir
      Und mich fragen "Welchen sollen wir töten?"
      Und an diesem Mittag wird es still sein am Hafen
      Wenn man fragt, wer wohl sterben muss.
      Und dann werden Sie mich sagen hören "Alle!"
      Und wenn dann der Kopf fällt, sage ich"Hoppla!"
      Was für ein radikaler Traum, den der Brecht da singen lässt. Ein schöner Traum der armen Jenny, die da die Teller waschen muss? Ein furchtbarer, radikaler Traum? Was für ein Traum?
      Ach, was für ein Genuss, Lotte lenya wieder einmal anzuhören… und ich muss weinen für Jenny….
      https://www.youtube.com/watch?v=Ec0clERjQ5A
      Tatsächlich, auch in diesem Lande gab es einmal eine deutsche Kultur. Lang ist's her…

    • Peter Lau sagt:

      Der Kommentator ANIA hat in dessen Kommentaren auf KenFm.de verleumderische Äußerungen getätigt.
      Mit der Kenntnis der Identität von ANIA würde dies justitiabel werden. Staatssälar hin oder her.

    • Wildenfelser sagt:

      So gab es – die Jenny – Zeiten, da träumten die Sklaven noch von der Freiheit. Doch aus das wird ihnen heute genommen.

    • Weltbuerger sagt:

      Brecht lebte übrigens von 1898 bis 1956. Wenn er also über Machthaber und Regierungen schreibt muss man dies immer in seine Zeit und die vorangegangene einordnen.

    • Ania sagt:

      @ Wildenfelser: In dem Gedicht von Becht geht es darum, dass Menschen im Widerstand nicht in ihrem Denken erstarren sollten, es nicht zum Dogma machen sollten, sondern ihre eigenen Grundannahmen und darauf basierenden Antworten immer wieder hinterfragen. Zweifel wird von ihm explizit begrüßt, als unverzichtbar für den eigenen Kampf.

      Das Gegenteil zu dieser von Brecht vorgeschlagenen Haltung ist Ihr „Zweifel säen“. Das ist eine Haltung, die die eigenen Annahmen zu Glaubenssätzen macht, zu einer Art Religion, an der nicht gezweifelt werden darf. Wie etwa die Annahme, es gebe überhaupt keine Pandemie. Und jede/r, der/die Fakten äußert, die gegen diese Annahme sprechen, wird dann als Troll beschimpft.

      Mit einer solchen unzutreffenden Annahme, die man wie eine Religion gegen alle Einwände verteidigt, entfernt man sich immer weiter von der Masse der Bevölkerung. Man isoliert sich immer mehr von dieser, und das ist die Grundvoraussetzung dafür, vom Gegner besiegt zu werden. Eine Bewegung, die Unterstützung von der Bevölkerung hat, kann nicht in dem Maße bekämpft werden.

      Oppositionelle Bewegungen, die isoliert sind, neigen meist auch dazu, sich zu radikalisieren, um die eigene Ohnmacht dadurch zu kompensieren. Die Köpfe müssen fallen, alle Bösen müssen sterben – diesen „furchtbaren, radikalen Traum“ der Seeräuber-Jenny träumt dann auch die vom Gegner eingekreiste Bewegung oder Gruppierung. Spätestens wenn sie zu Gewalt aufruft oder etwas verlautbart, das so interpretiert werden könnte, hat der Gegner alle Handhabe dafür, die Köpfe der Bewegungen anzuklagen oder gar hinter Gitter zu bringen. Und wer aus der Bevölkerung, die als gleichgeschaltete Wesen geschmäht wurde, wird dagegen protestieren?

      Wenn eine Bewegung im Dogmatismus erstarrt oder ihre Glaubenssätze zur Religion macht, wird sie auch sehr berechenbar. Das macht es der Gegenseite leicht, immer einen Schritt voraus zu sein und der Bewegung das politische Terrain zu nehmen. Damit ist man in Bezug auf die Corona-Protestbewegung schon ziemlich weit gekommen.

      Zu dem Buch: Ein Buch, in dem Drosten im Titel vorkommt, in Verbindung mit „Tod der Aufklärung“, mag ich nicht lesen. Ich habe hier schon so viele Attacken gegen Drosten gehört, dass ich dazu wirklich keine Lust habe.

    • Wildenfelser sagt:

      Weltbuerger versucht, was gerade vielfach versucht wird, Geschichte erst zu entschärfen, dann verschwinden zu lassen. Ich halte dagegen: Solange noch EINER oder EINE den Namen Brechts und all der Träumer einer besseren Welt kennt, bleibt Brecht aktuell und kann nicht mit einer zeitlichen, historischen Einschränkung aus dem Zimmer gekehrt werden.
      Und so hoffe ich immer noch, dass das gewünschte "Ende der Geschichte" (Fukuyama) ein unerfüllter Traum bleiben wird, auch wenn gerade das, was von Geschichte geblieben ist, im Auftrag der Mächtigen umgeschrieben und neu erfunden wird, um diese auf ihre Auslöschung vorzubereiten.

    • Wildenfelser sagt:

      Anja – "Mit einer solchen unzutreffenden Annahme, die man wie eine Religion gegen alle Einwände verteidigt" wird gerade an u.a. zwei Punkten sichtbar:
      1. Die neue "Corona-Religion" mit ihren "Zeugen Coronas" – und länger schon
      2. In der Festlegung des Sozialismus auf das, was kein Sozialismus war.
      Etwa so, wie Du sagst: "Wenn eine Bewegung im Dogmatismus erstarrt oder ihre Glaubenssätze zur Religion macht, wird sie auch sehr berechenbar." So leben Marxismus und Sozialismus per Definition davon ständig weitergedacht werden zu müssen, was mit allen Mitteln verhindert wird um diese zu veralteten Dogmen umzufärben und damit "berechenbar" (angreifbar, der Vernichtung ausgesetzt) zu machen.
      Ferner… die Bevölkerung…. Schauen wir auf die ungeheure Macht und Gewalt moderner Technologie, der es zunehmend ein Leichtes wird, alles Leben auf diesem Planeten auszurotten (durch die Hände, die sie steuern), so ist mit vergleichbarer Macht und Gewalt die "Bewusstseinsindustrie" (durch die Hände, die sie steuern) über die Menschen, über die Bevölkerung hergefallen und es wird ihr zunehmend ein Leichtes, jegliches Denken, sogar das Träumen, auszurotten.

    • Ania sagt:

      @ Peter Lau: Von was reden Sie?

    • Ania sagt:

      @ Wildenfelser: Mag ja sein, dass die „Zeugen Coronas“ auch etwas von einer Religion haben. Dann seid ihr eben die Gegenreligion, oder vielleicht sollte man besser den Begriff „Sekte“ verwenden. Sekten bedienen sich ja ganz oft der Mär eines drohenden Weltuntergangs. So wie ihr im Grunde auch. Der gemeinsame Nenner der Corona-Bewegung ist, dass man das Tragen von Masken ablehnt. Und dass man dystopische Schreckensszenarien von der Allmacht der Eliten und dessen, was sie mit der Menschheit vorhaben, zeichnet. Diese Szenarien können variieren – Hauptsache Schrecken, das verbindet anscheinend.

      Damit wäre dann auch sichergestellt, dass Marxismus und Sozialismus ganz bestimmt nicht weitergedacht werden. Wozu denn, wenn wir doch sowieso demnächst ausgerottet werden? Unser Leben, unser Denken, unsere Träume? Eigentlich sind wir doch schon fast tot, lese ich aus Ihren Kommentaren und vielen anderen hier heraus. Oder transhuman. Was so ziemlich dasselbe zu sein scheint. Und Tote oder inhumane Transhumane denken ja nicht. Zudem beinhaltete der Sozialismus die positive Utopie einer egalitären Gesellschaft, und Utopie liegt nun so gar nicht im Trend eurer Bewegung (siehe oben – was eint, sind dystopische Schreckensvisionen von totaler Macht über den Menschen)…

    • Wildenfelser sagt:

      Wir sind die "Sekte", die ihr Denken auf Wissenschaft basiert. Im Zeitalter der Corona-Religion gilt Wissenschaft jedoch als sektiererisch, ja ketzerisch.
      Was "schon so gut wie tot" und die Realdystopie betrifft, orientiert sich das an der Frage, ob
      "Es gab – die Jenny – Zeiten, da träumten die Sklaven noch von der Freiheit. Doch auch das wird ihnen heute genommen." die Massen nicht vielleicht doch in letzter Minute wieder zu träumen anfangen. Werden sie das? Oder geht das hinter ihren Masken nicht mehr? Denn die ist symbolisch Dieses:
      1. Sie bedeckt die Nase und nimmt den Lebensatem, die Lebensenergie
      2. Sie bedeckt den Mund, damit die Sprache und da Sprache das Denken bestimmt, sie nimmt das Denken.
      Das wiederum scheinen die Massen – ausgesetzt der Bewusstseinsindustrie – bereits verinnerlicht zu haben.
      Seltsamer Weise war die Bereitschaft dazu lange schon vor Corona zu erkennen.

    • Wildenfelser sagt:

      Nachtrag für Anjas "Optimismus": "Und ein Schiff mit acht Segeln…"

    • Weltbuerger sagt:

      <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/wildenfelser/' rel='nofollow'>@Wildenfelser</a>: Brecht ist immer aktuell aber trotzdem sind seine Äußerungen immer im Kontext seiner Zeit zu sehen. Und was er über die Querdenker sagen würde wissen wir nicht und kann nur vermutet werden. Ihr Brecht sagt hier was anderes als meiner.

      <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/peter/' rel='nofollow'>@Peter</a> Lau: Wenn KenFm.de verleumderische Äußerungen auf seiner Plattform verbreiten darf, z.B. über Christian Drosten und Fakes über die Coronapandemie dann sehe ich das auf jeden Fall als justitiabel an. Ob da die AFD dahintersteckt? Die Äußerungen von Anja sind im Gegensatz zu vielen Kommentaren hier im Forum sehr vernünftig und ganz bestimmt eines nicht, nämlich verleumderische und justitiabel!

    • Ania sagt:

      <a class='bp-suggestions-mention' href='https://kenfm.de/members/wildenfelser/' rel='nofollow'>@Wildenfelser</a>: „auf Wissenschaft basiert“ – also das sehe ich anders. Und ich kenne nun wirklich nach mehreren Monaten hier auf KenFM Ihre „wissenschaftlichen“ Argumente.

      „Masken“ – nun ja, für Sie haben diese den von Ihnen genannten Symbolwert. Für die meisten Leute jedoch sind sie einfach nur ein Stück Stoff, das gegen die Ansteckung mit einem Virus schützen soll. Auch sind sie sich ihrer persönlichen Identität so gewiss, dass die Maske darauf keinen Einfluss hat.

      Das Denken erschweren die Mund-Nasen-Bedeckungen überhaupt nicht, es sei denn, man müsste sie lange Zeit tragen, dann tritt vielleicht Sauerstoffmangel ein. Das Reden erschweren sie etwas, aber es gibt sogar Leute, die mit Maske endlose Handy-Gespräche führen. Und ich sehe keinerlei Zusammenhang zwischen Maskentragen und träumen oder nicht träumen. Noch sehe ich die Menschen als Sklaven, Bewusstseinsindustrie hin oder her. Jeder Mensch hat etwas Einzigartiges, Unverwechselbares. Und in jedem Leben gibt es ein Stück Freiheit. Nicht die große gesellschaftliche Freiheit, die ist eine Utopie. Aber niemand lebt nur fremdbestimmt (jedenfalls niemand, den oder die ich kenne). Auch jetzt in Zeiten von Corona nicht.

  6. UrImpuls sagt:

    Fasse mal Rottenfuessers und Rupperts Beitraege mit einer Art Replik zusammen:
    1.
    Ja, beide bilden einen vielleicht sogar grossen Teil der gesehenen Realitaet ab.
    Aber eben nur einen Teil.
    2.
    Herr Ruppert koennte sich mal mit einem entfernteren Berufskollegen, dem Hirnforscher Fallon befassen.
    Der legt ueberzeugend dar, dass typisches als verbrecherisch gesehenes Verhalten auch aus ganz anderen Ursachen als Trauma entstehen kann und zeigt auch auf, ueber welche Mechanismen diese Nichttraumaursachen sich in der Gesellschaft etablierem, je hoeher in der Paramide, umso mehr.
    Wieviel und ob die zitierten "worst cases" diesem von Fallon entdecktem Hirnanomalien entspringen oder den von Ruppert bezeichneten Traumata ist bisher m. E. nicht erforscht oder auch nur geschaetzt.
    3.
    Dieses Unwissen ueber die Herkunft verbrecherischer Tendenzen oder auch nur mangelnder Empathien in vielen Menschen laesst das Derzeitverhalten einer scheinbar dystopischen Welt heutzutage in jeweils ganz anderem Licht, in anderen Erklaerungen, in anderen denkbaren Abhilfen aufleuchten, als es Herr Rottenfusser oder Herr Ruppert es in ihren jeweiligen Artikeln hier sehen.
    4.
    Wie es auch schon Rainer Mausfeld ganz trocken resuemiert: was menschengemachte Regelungen vorsehen, kann von Menschen auch wieder geaendert werden.
    Ich selber wuerde mit Erwin Thoma oder Lynn Margoulis hinzufuegen: Evolution ist pure Fuelle, auch von Moeglichkeiten. Nicht Verengungen auf irgendwas.

    • Wildenfelser sagt:

      Nur ganz am Rande… NOCH konnte die Hirnforschung Information nicht im Gehirn verorten. Trotz allen Selbstlobs herrscht da immer noch Steinzeit. Und wer sagt, dass Rupert Sheldrake mit seinen morphischen Feldern nicht recht hat? Hier gäbe es bzw. gibt es noch sehr viel zu forschen. Aber dadurch, dass die Gelder für Forschung nur von dort fließen, wo man sich bessere Chancen für Missbrauch (Geld, Macht) wünscht, kommt die Forschung nicht recht voran und stagniert seit mindestens 40 Jahren – mit Ausnahme in der erwähnten Zielrichtung.

  7. faltbaer sagt:

    "Dicktatur" hätte man es unter Kohl nennen können..
    SCNR 😉

  8. Weltbuerger sagt:

    Die Anzahl der Kommentare zu diesem Artikel zeigt, dass die wenigsten KenFM Leser:innen den Inhalt als Niederschrift der Albträume des Autors sehe. Ernst nehmen kann man einen solchen Artikel einfach nicht.

  9. Wildenfelser sagt:

    Wie auch der vorher hier zu lesende Artikel von Ullrich Mies, "Die Tyrannin" gehört dieser Artikel zu denen, die gleichsam Pflichtlektüre für alle sind, die verstehe wollen, was gegenwärtig vor sich geht.

    • UrImpuls sagt:

      Glaube ich nicht. Mies kann zwar gut und treffend schimpfen. Doch das ist noch kein Ursprung aufzeigen, woher was kommt was kam. Er schimpft, berechtigt, ueber welche Folgen.

  10. ProFreiheit sagt:

    Ja, es ist vor allem die Sprache!

    Wo eigentlich "wirtschaftlich Schwache" völlig normal als "sozial Schwache" bezeichnet werden und in diesem Stile viele Begriffe verfälscht, (u.a. auch mit Anglizismen) verharmlost und umgedeutet werden, da befindet man sich bereits in einer geistigen Diktatur, die auf falsch verstandener "political correctness" – wieder so ein Anglizismus – basiert.

    • Wildenfelser sagt:

      Das ist ein wichtiger Kommentar. Sprache bestimmt das Denken. Deshalb findet schon sehr lange eine Sprachverwirrung zugunsten der Propaganda der jeweiligen Ideologie statt. In den letzten Jahren hat sich das so gesteigert dass man langsam mehrere Bände nach dem Vorbild der "Lingua Tertii Imperii" von Victor Klemperer herausgeben könnte. Anglizismen und Pseudo-Anglizismen ("Handy") spielen dabei eine führende Rolle.

    • HamburgerFairmaster sagt:

      Pro Freiheit,

      Sie haben es erfaßt! Genau DIESEN rabulistischen Mißbrauch der Sprache habe ich auch schon oft genug angeprangert!
      Ich hatte sogar ein kleines bisschen Erfolg, denn im Parteiprogramm und Anmeldefromular der Partei "Deutsche Mitte"
      (jajaja, ich weiß, derzeit ein genau so laues Lüftchen wie "Neue Mitte" "Wir2020" oder "Die Grauen" oder "Die Violetten")
      kam genau jener rabulistische Begriff von "sozial schwach" vor, der auf meine konstruktive Kritik und einer darauf folgenden interessanten Diskussion, in das von Ihnen geschriebenen "wirtschaftlich schwach" umgeändert wurde.

  11. Wildenfelser sagt:

    Wie oben richtig steht: "Das Virus ist nicht inexistent, nein.".
    Aber was ist dann mit Vuris-Leugnern zu tun?
    Was, wenn sich nun sogar Regierungen als Virus-Leugner entpuppen? Siehe dieses Video:
    https://principia-scientific.com/irish-government-admits-covid-19-does-not-exist/
    Was, wenn sich Derlei sogar in deutsche, alternative Medien eingeschlichen hat? Etwa hier:
    https://qpress.de/2020/12/28/irland-restlos-irritiert-sars-cov-2-nicht-auffindbar/?utm_source=mailpoet&utm_medium=email&utm_campaign=qpress-newsletter-post-title_22703
    Wenn das so weitergeht, wird auch den Querdenkern nichts übrig bleiben, denn als "Zeugen Coronas" aufzutreten und das Virus zu verteidigen, oder?

    • Saulus sagt:

      Diese Scheiße glauben Sie? Hand aufs Herz!

    • UrImpuls sagt:

      Da zerfasert was, m. E.
      Wo sind die Úrspruenge fuer was? Aus was erwuchsen die darnach beobachteten Folgen?

    • ProFreiheit sagt:

      Frei nach Plinius dem Jüngeren würde ich jedem empfehlen: "Lies viel, nicht vielerlei". Heute würde man wohl eher formulieren: Informieren Sie sich umfassend, lesen Sie aber nicht jeden Schund. Nicht jede Meinungsäußerung im Internet ist es wert auch weiter kolportiert, geschweige denn diskutiert zu werden.

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