Der Literaturkritiker als US-Propagandist

Wie in der ARD-Sendung „Druckfrisch“ die USA gelobt und die Russen geschmäht werden.

Ein Kommentar von Wolfgang Bittner.

So wie die Kultur in der Politik ein Schattendasein führt, so auch die deutsche Literatur in den Medien. Übersetzungen, vor allem aus den USA, dominieren, was schon ein Blick in die Feuilletons über die Jahre hinweg beweist, und das ist eine Einbahnstraße, denn umgekehrt läuft nur wenig. Die US-Verlage nutzen Deutschland als Absatzmarkt für ihre Produkte, zeigen aber – außer bei einigen wenigen Bestsellerautoren – kaum Interesse an Übersetzungen deutschsprachiger Literatur.

Eine Auseinandersetzung über dieses Phänomen (und über die Folgen für die einheimischen Autorinnen und Autoren) wurde in falsch verstandener Political Correctness immer abgeblockt. Der bekannte Literaturkritiker Denis Scheck, „der Streiter für das Gute, Wahre, Schöne“, hat nun kürzlich seine Sendung „Druckfrisch“ im Ersten Deutschen Fernsehen mit einer bemerkenswerten Huldigung an die USA begonnen:

„Seit Kindertagen mag ich die USA. Eine regelrechte Affenliebe, die ich mit nicht wenigen meiner westdeutschen Generationsgenossen teile. Aus den USA kam die richtige Musik, kamen die richtigen Filme, kam nicht zuletzt die richtige Literatur, nicht zu vergessen der Vietnamkrieg und der Protest dagegen, Donald Duck, die zum Mond fliegenden Astronauten und die technische Innovation überhaupt. Ach, und außerdem waren die Amerikaner so nett gewesen, uns im Zweiten Weltkrieg zu besiegen und Hitler und die Faschistenschweine zum Teufel zu jagen, ohne uns in eine Sklavenkolonie zu verwandeln, wie die Russen das in der DDR getan haben …“

Dieser Buchrezensent lobhudelt in seiner Literatursendung über die USA in den höchsten Tönen und schickt die Russen zum Teufel, wie nicht wenige seiner westdeutschen Generationsgenossen in Medien und Politik, die offenbar dafür belohnt worden sind. Es ist ja nun wirklich manches lobenswert, was aus den Vereinigten Staaten kommt. Aber wer keine Ahnung von der US-Politik hat, auch nicht von der seit Jahrzehnten exerzierten verbrecherischen Aggressions- und Interventionsstrategie, sollte sich in einer Literatursendung mit seiner Verehrung der USA tunlichst zurückhalten. Es könnte sich sonst der Verdacht manifestieren, dass eine US-kritische Literatur bei der westdeutschen Kritikergeneration keine Chance hat.

Diese Grätsche in die Politik ist symptomatisch. Was Scheck mit leicht ironischem Unterton (als Immunisierungsstrategie) verbreitet, ist nicht nur undifferenziert, sondern propagandistisch wie vieles, was der Bevölkerung in letzter Zeit – einfach so, beiläufig – in den deutschen Medien geboten wird.

Nachfolgend eine Kurzinformation zu dem, was die USA, außer der „richtigen Literatur“ wie zum Beispiel Donald Duck, der Welt sonst noch zumuten (die Liste ließe sich endlos verlängern):

Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Im Juni 2017 erschien von ihm im Westend Verlag eine überarbeitete und um 111 Seiten erweiterte Neuausgabe seines Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“.

Siehe auch: KenFM im Gespräch mit Wolfgang Bittner

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Dieser Beitrag erschien am 5.3.2018 auf den NachDenkSeiten 

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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13 Kommentare zu: “Der Literaturkritiker als US-Propagandist

  1. Der Artikel Herrn Bittners ist gut und korrekt, um darzustellen wie Meinungsbeeinflussung, anhand eines Beispiels, funktioniert.
    Ich möchte noch einen Artikel ergänzen:

    Donnerstag, 01. März 2018, 10:00 Uhr
    ~9 Minuten Lesezeit
    „Progressive“ Kriegstreiber
    Auch „linke Intellektuelle“ fordern den „Regime Change“ in Syrien.
    von Rubikons Weltredaktion

    In Nordamerika und in Westeuropa ist ein auf Täuschung beruhender sozialer Aktivismus entstanden, der vom Konzern-Establishment gefördert und kontrolliert wird. Dieser manipulierte Prozess hat die Bildung einer neuen Massenbewegung gegen den Krieg, gegen Rassismus und gegen soziale Ungerechtigkeit bisher unmöglich gemacht.
    (…)
    Infolgedessen wurde der gemeinsame Widerstand zersplittert. An Teilproblemen orientierte Protestbewegungen – zum Schutz der Umwelt, gegen die Globalisierung, für den Frieden, für die Rechte von Frauen, Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen – werden gezielt und großzügig gefördert, um eine Massenbewegung gegen den globalen Kapitalismus zu verhindern.
    (…)
    Konzerneigene Stiftungen lassen also durch von ihnen finanzierte NGOs gesponserte Proteste inszenieren, mit denen eigentlich nur ein einziges Ziel verfolgt wird: Die westliche Gesellschaft soll gespalten werden, damit die bestehende Gesellschaftsordnung erhalten bleibt und bestehende militärische Planungen durchgezogen werden können.
    (…)
    Der bekannte US-Linke Noam Chomsky hat in einem Interview, das er am 5. April 2017 – zwei Tage vor den von Trump angeordneten Luftangriffen auf Syrien – der US-Website Democracy Now gegeben hat, einen Regime Change in Syrien befürwortet und die Meinung vertreten, ein ausgehandelter „Rücktritt“ Baschar al-Assads könne eine diplomatische Lösung (des Syrien-Konflikts) ermöglichen. Chomsky äußerte:

    „Das Assad-Regime ist eine moralische Zumutung. Mit Unterstützung der Russen begeht es schreckliche Verbrechen.“

    Diesen schlimmen Vorwurf hat er allerdings nicht durch Quellen oder Nachweise belegt.
    https://www.rubikon.news/artikel/progressive-kriegstreiber

    P.S.: Um das noch ein klein wenig mehr zu ergänzen, am Bsp. Noam Chomskys, welcher auch der 9/11 Aufklärung in den Rücken gefallen ist und ebenso zur Wahl der Demokraten (Hillary Clinton), in den USA, riet; dies ist exakt das Verhalten, das man bei z.B. bei den SPD-Spitzen beobachten kann:

    Nette Reden schwingen und wenn man sie mal braucht, stehen sie auf der anderen Seite.

    • Oder anders, stark verkürzt; wenn man Autos nicht mag, rät man nicht zum blauen oder roten Auto, sondern zum Fahrrad oder der Bahn.

    • Schockierend, was wir hier von Chomsky erfahren. Mich erinnert das an die Metamorphose von Bob Dylan. Bis zu seinem schweren Motorradunfall war er eine deutliche Provokation für die mächtigen Kriegstreiber. Um ihn herum, durch seine gesellschaftkritischen Lieder, „drohte“ den Mächtigen eine immer schneller anwachsende Friedensbewegung, vor allem in USA. Nach diesem Unfall hat sich Dylan lange Zeit aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, eine Familie gegründet usw. Und während seiner 2. Karriere ist er langsam aber sicher immer mehr abgerutscht in das traditionelle amerikanische Wertebewusstsein(mit Cowboyhut). Hat sich dann von Obama einen Orden umhängen lassen und am Geburtstag von „Old Blue Eyes“ ein Konzert vor der Elite gegeben mit einem geistigen Kniefall vor Frankieboy. Heute ist für mich aus dem größten Idol meiner Jugend ein kümmerliches Häuflein Mensch geworden.

    • Was dahinter steht, weiss wohl so genau niemand. Es könnte sich z.B. u.a um Erpressung handeln. Aber die Mittel der Geldmächtigen sind ja vielfältig.

    • Die Ikonen sollen jeweils zertrümmert werden. Man könnte eine lange Liste anfertigen. John Lennon gehört auch dazu.

    • Das ist doch ein biblisch altes Muster, Ikonen und Heiligtümer zu zertrümmern, um an ihre Stelle die eigene Macht zu setzen! Moses empfiehlt es „seinem“ Volk in der BIBEL und die Christen haben es mit den Germanen genauso gemacht mit der Fällung ihrer heiligen Bäume. Es ist eigentlich erstaunlich, dass dieses Muster so lange so vielen verborgen war oder sogar heute noch ist. Das Muster der Machtgewinnung ist denkbar primitiv und immer das selbe.

    • Respekt, das ist gut beobachtet und analysiert! Interessant auch die Informationen über Noam Chomsky und Bob Dylan (AHIMSA) – wusste ich nicht.
      Und danke für das Lob, kann ich gut gebrauchen!
      Herzliche Grüße, WB

  2. In den Kommentaren unter KenFM-Artikeln wurden immer mal wieder Verhaltensregeln diskutiert, was man als Einzelne(r) tun kann. Z.B. auch hier von AHIMSA: Der eigene Geldbeutel ist das mächtigste Mittel des kleinen Mannes und der kleinen Frau. Für was man bezahlt, unterstützt man, was man verschmäht, wird tendenziell abgebaut. Mit einer veganen Ernährung fördert man den friedlichen Umgang in der Welt, mit Fleischnahrung fördert man Gewalt, Unterdrückung und Naturzerstörung. Wer gute Bücher kauft, fördert die Bildung, wer TV klotzt, fördert die Verblödung. Wer ein iPhone kauft, oder Verbrennungsmotoren benutzt, fördert auch die Naturzerstörung. Ich könnte endlos weitere Beispiele bringen.
    Wichtig ist auch die Vernetzung: Man sollte sich dann bei bestimmten Gelegenheiten treffen, z. B. Demos wie in Ramstein.
    Dann: Die gewonnenen Erkenntnisse nicht im stillen Kämmerlein behalten, sondern raus damit in den Bekanntenkreis. Sicherlich kann man nicht bei jeder Gelegenheit mit solchen Themen kommen, aber wenn es passt, dann schon.
    Das ändert nicht die Welt von heute auf morgen, aber es ist das, was man als kleiner Bürger tun kann. Machen das viele, hat es auch eine Wirkung.

    • Ist als Antwort an Bernhard Niederreiter gemeint. Durch’s Einloggen hat das System daraus einen neuen Kommentar gemacht.

    • Die Welt gibt es so gar nicht! ob Du nun TV guckst oder nicht. Ihr baut eine Welt auf ,die es so gar nicht gibt! Wen triffst Du denn auf der Straße wirklich? Wenn ich dir begegnen würde, wen triffst du da wirklich? Wenn du isst, was isst du wirklich? Wenn du jemanden als “ klein“ bezeichnest, wen beschreibt du da wirklich?

    • Ja, Torsten. Das finde ich eben auch so schade, dass dieses einfachste aller Mittel nicht genügend genutzt wird. Es muss ja dafür noch nicht einmal mutig an die Öffentlichkeit getreten werden, obwohl das natürlich auch wünschenswert ist. Es geht einfach nur um Einsicht und Konsequenz. Aber die sind immer noch nicht da.

  3. Als kritischer Geist ist man ständig auf der Suche nach einer Berichterstattung, welche die Intelligenz nicht beleidigt. Man wird im Internet fündig, auf KenFM oder auf den Nachdenkseiten. Was mir aber auf diesen Seiten fehlt, ist die Weiterentwicklung. Die Analyse ist stets die Gleiche. Sie basiert auf der Tatsache, dass die USA das Imperium sind und die von Orwell so stringent entwickelte Machtmethodik in aller Verfeinerung anwendet. Ich versuche mir auszumalen, wie die Welt unter anderen Machtkonstellationen aussehen würde. Wäre sie tatsächlich ein humanerer, friedlicherer Ort? Oder gilt doch die Oberthsche Regel der Kakokratie, demnach ein Schurke immer in machtvolleren Postionen anzutreffen ist, weil er Methoden anzuwenden bereit ist, die ein anständiger Charakter ablehnt. Das simple Amerika-Bashing ist mir zu billig. Es stellt sich die Frage nach der Alternative. Eine Welt ohne neoliberale Überhitzung, ohne Iphone, ohne sozialen Konkurrenzkampf? Im Recht des Stärkeren gibt es keine Humanität, außer sie nutzt dem Imperium. Das Imperium organisiert die Ausbeutung der menschlichen und materiellen Ressourcen, schön verpackt in buntem Konsumglitter, die Bilder des Schreckens nur zeigend, wenn sie ihm nutzen. Wäre es nicht an der Zeit, ein alternatives Lebensmodell zu entwickeln? Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus existiert keins mehr. Wie soll man in Zukunft besser leben? Vegan?
    Seien wir ehrlich. Die Frage nach einem besseren Dasein ist nicht beantwortet. So lange aber keine Alternative existiert, läuft Fundamentalkritik ins Leere.

    • Ich sehe das auch schon lange so, dass die Kritik dieser ganzen patriarchalen, auf Gewalt aufgebauten Zivilisation gelten muss. Und der erste Schritt zu der grundlegenden Veränderung dieser gewalttätigen Lebensweise muss
      der Wechsel zur Pflanzenkost sein. Diese Einsicht ist ständig am Wachsen, aber die gesamte Tiere-Vernutzerei ist offensichtlich so tief in das kollektive Bewusstsein eingesunken, dass der Widerstand dagegen ungeheuer massiv und hartnäckig ist, wie man es auch hier bei KenFM immer wieder erleben kann. Dazu kommt noch die mächtige Tiervernutzindustrie, die mit allen erdenklichen Mitteln den Status Tierzucht und Tiervernutzung erhalten will. Und die Politik macht natürlich da genauso mit wie mit der Waffenindustrie und der Pharma. Mit allem, was schlecht und schlimm ist. Das Verbraucherverhalten könnte da am ehesten etwas verändern. Denn wenn sich mit etwas kein Geld mehr verdienen lässt, lässt das Interesse daran tatsächlich nach. Aber nur dann.

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