Der Rote Tisch – 30 Minuten mit Jürgen Kuttner

Jürgen Kuttner spricht Klartext, und wenn er erstmal spricht, ist er kaum noch zu bremsen. Die Wucht der Rede des ehemaligen Radiomoderators sorgt seit über 20 Jahren für volle Häuser bei seinen Shows.

Bis vor kurzem war Kuttner ein fester Bestandteil der Berliner Volksbühne, dem erfolgreichsten Theater der letzten 20 Jahre in Deutschland. Doch nun hat er, wie das gesamte Ensemble, die Volksbühne aus Protest gegen die Berliner Kulturpolitik verlassen, die gegen jeden Sinn und Verstand Frank Castorf als Intendant abgesetzt hat.

Bei „Der Rote Tisch“ befragen wir Kuttner zur Geschichte der Volksbühne und was dieses Theater ausgemacht hat. Des Weiteren beleuchten wir, warum dieses erfolgreiche Theater demontiert werden soll. Kuttner leistet Widerstand und tritt für den Erhalt dieses besonderen kulturellen Erbes von Berlin ein.

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24 Kommentare zu: “Der Rote Tisch – 30 Minuten mit Jürgen Kuttner

  1. Hier noch als Nachtrag als Aufklärung das Max Reinhard-Zitat, ausgesprochen 1933, kurz zuvor er als Jude aus Deutschland emigrieren musste: „Das Deutsche Theater ist das einzige künstlerische Privattheater der Welt, das sich ohne jede Subvention und daher frei von jeder politischen und parteilichen Bindung aus eigenen Mitteln erhalten hat. Hier sind die Klassiker immer wieder erneuert worden. (…) Fast alle Schauspieler von Rang und Namen und alle fortwirkenden Bewegungen sind von diesem Hause ausgegangen. Man kann sagen, es war der Spiegel und die abgekürzte Chronik seiner Zeit.“

  2. Dass man noch in die Hand beißt, die einen füttert? Konflikt um die Ernennung des Intendanten? 40.000 haben die Petition unterschrieben? Wir leben in einer Zeit ohne Geschichtsbewusstsein…

    Oh je! Man ist ja so schrecklich innovativ gewesen all die Jahrzehnte! Mein Gott, wer bin ich diese großen Künstler zu kritisieren, aber! Es geht aber um die Erweiterung des Kunstbegriffes. Was ich oben als kleine Sentenzen schrieb ist doch das Kennzeichen einer verdammten Staatskultur oder zu mindestens Staatsabhängigkeitskultur! Ach so schrecklich mutig in die Hand zu beißen, die einen füttert? Das kommt mir vor wie das Verhalten Pubertierender, die noch zu Hause wohnen und Randale machen. Konflikt um „die falsche“ Ernennung des Intendanten? Wann aber gäbe es mal einen Skandal darüber, dass Politik überhaupt Intendanten ernennt? Protestpetitionen? Wie wär´s mal, wenn alle die Unterschreibenden einen Förderverein gründen, damit die Volksbühne perspektivisch von Steuergeldern unabhängig wird, statt „zu fordern“? Wer fordert erkennt die Obrigkeit an. Aber aktiv werden und dafür sorgen, dass die Finanzen aus der Gesellschaft generiert werden, ja das wäre echte Autonomie. Max Reinhard bürgerliches Theater? Mag sein, aber er hat nie einen Pfennig Staatszwangsgeld angenommen! Und der hatte Geschichtsbewusstsein! Wer ist hier revolutionär? Wer hat sich auf eigene Beine gestellt? Die Verstaatlichung kam mit den Nazis.
    Wer nur inhaltlich revolutionär sein will, auf der Bühne den wilden Mann spielt und sich strukturell nicht auf eigene Kräfte besinnt, sondern sich auf Gedeih und Verderb von der Willkür der Politiker mit ihren Geldtöpfen abhängig macht, darf sich nicht wundern, dass er nicht mehr ernst genommen wird. Auch der Künstler muss sich hingegen vom freien Urteil, vom Zuspruch der Menschen abhängig machen.
    Die Gesellschaft, die freie Zivilgesellschaft, wir müssen erwachsen werden, d.h. wir müssen Verantwortung übernehmen und den Staat aus aller Kultur und Bildung verdrängen. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Gelder dazu in unseren Taschen bleiben. Alles andere ist Kinkerlitzchen.

  3. Super! Das ist einer von denen, die uns irgendwann das Leben retten werden. Das Leben, das uns die Neoliberalen, die Transatlantiker und die Globalisierer auf ihrem blindwütigen Zerstörungstrip nehmen wollen. Gell, Herr Lederer?

  4. Ein gigantisches Interview.

    Gut, das es fast ohne Fragesteller auskommt. Herrn Kuttner merkt man sein unbändiges Engagement an. Gut, das er sich für die Berliner Volksbühne und das Urtypische, das Berlin ausmacht, einsetzt und das Versagen von Berliner Politikern, hier namentlich die Herren Renner(SPD) und Lederer(Linke), benennt. Solchen Personen kann der Wähler künftig die rote Karte zeigen.

    • „Ja aber er kann offenbar seinem gegenüber nicht so richtig in die Augen sehen.“

      Das war früher so – quasi „alte Schule“. Man hat einen Menschen beim Gespräch nicht permanent auf den Mund/Augen gestiert. Man drehte den Kopf je nach Gusto immer wieder während der Unterhaltung leicht nach rechts oder links und richtete sein Blick ebenso immer wieder auf den Gesprächspartner. Zu der Zeit galt es unschicklich, aufdringlich, machtkämpferisch, sein Gegenüber dauernd anzustieren. Irgendwann wurde dann – wie sollte es anders sein – politisch beschlossen, das es ein Zeichen von Unsicherheit, Unterlegenheit, mangelnde Courage usw sei, wenn man sein gegenüber beim Gespräch nicht mit den Augen „auffrißt“.

    • Extrem peinlich und lächerlich finde ich in dem Zusammenhang – gerade auch in der Politik – wenn zwei Menschen auf einem Podium stehen (also zu Publikum sprechen) und jeweils der Eine den Anderen während Er/Sie spricht, extrem gekünstelt sich dem Redner zuwendet und anstiert. Ich find’s einfach nur abartig.

    • Ja, ick och! Immer donnerstags nach Johnny Häuslers Soundgarten. Und am schönsten war immer das Gespräch zwischen Johnny und Kuttner – die erste halbe Stunde von Kuttners Sendung bis zu den Nachrichten, bevor die ersten Hörer angerufen haben. Das war richtig philosophisch. Da sieht man mal, was damals noch beim RBB möglich war. da war Ken ja auch noch bei Fritz. Oder um es negativ auszudrücken: schade, dass es solche Leute in den Systemmedien nicht mehr gibt.

  5. vielen dank für den schlaglichtartigen beitrag. zum schluß wurde wieder „gnadenlos“ (konsequent) „abgewürgt“ (geschlossen). mich würde ja auch interessieren, wann der gast der meinung ist, alles relevante zu einem thema gesagt zu haben. was das wohl in diesem fall noch gewesen wäre…?

  6. Danke für die mitreißende Schilderung! Da will man tatsächlich mitmachen, ohne Schauspieler zu sein!
    Mehr als dass es die Berliner Volksbühne gibt, war mir bisher nicht bekannt.
    Aber Joseph Beuys und Schlingensiefs Werke und Wirken habe ich in Düsseldorf und überhaupt in NRW erlebt und beide fehlen heutzutage.

  7. Ein Knallbonbon oder besser gesagt ein „Sprengfeuer der Rede und Schauspielkunst“. 30 Minuten atemlose Spannung.
    Herzlichen Dank dafür! Das hintergründige Problem ist wohl dieser allgemeine Sog zur Gleichmacherei und Verbanalisierung, der von der herrschenden Geldmacht ausgeht, die eine einzige kapitalistisch-materialitische Weltmacht anstrebt. Das geht nach deren Ansicht wahrscheinlich nur durch diese Art „Übersichtlichkeit“, die dadurch erreicht werden muss, dass überall die menschlichen Nullen an die Machtpositionen vorgeschoben werden, die alles von oben geordnete befolgen, weil sie selbst keine geistigen Inhalte(Ideale oder Überzeugungen) mehr haben. Das erinnert tatsächlich stark daran, wie sich der Deutsche Nationalsozialismus begann, zu formieren. Aber das ist ja durchaus keine neue Erkenntnis.

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