Der Rote Tisch – 30 Minuten mit Peter Wahl

Unser Gast bei „Der rote Tisch“: Peter Wahl.

„Man kann keine Politik gegen die Finanzmärkte machen“, so der ehemalige Außenminister Joschka Fischer. Peter Wahl tat es trotzdem: Anfang der 2000er Jahre gründete er Attac und war eine Art Mastermind der globalisierungskritischen Bewegung.

In den letzten Jahren formulierte Peter Wahl eine immer schärfere Kritik gegenüber der Europäischen Union. Wir wollen von ihm wissen, warum und wie er die Globalisierung verändern will. Wie hat sich die Weltwirtschaft verändert und welche Möglichkeiten haben wir für eine global gerechte Politik?

Was sind die Alternativen zu dem neoliberalen Korsett der wirtschaftlichen Integration in Europa?

Peter Wahl war auch schon zu Gast bei KenFM im Gespräch. Hier der Link zum Interview: https://kenfm.de/peter-wahl/

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18 Kommentare zu: “Der Rote Tisch – 30 Minuten mit Peter Wahl

  1. Nach anhören der ganzen 110 Minuten kann ich nur sagen: Grossartig.

    Ein so umfangreiches aund ausführliches Interview zu praktisch allen Thmen von Bedeutung und NICHT EIN EINZIGER SATZ, den man nicht unterschreiben kann.

    Ist das nun angesichts der vielen Texte voller albernem und kindischem Gut-Menschen Wunschdenken eine Rosine im Kuchen, oder schon fast eine Perle vor die Säue.
    Kens me and media, Prof Mausfeld, Bröckers, Buback, Bernd Senf und jetzt Peter Wahl ragen (aus dem zum Teil leider: Sumpf) heraus.

    Fall Herr Wahl hier mit-liest: Eine Frage habe ich zu einer bestimmten Stelle des Gesprächs, ziemlich am Ende vermisst, als es um die absurd eingleisige Ideologie aller ehemaliger Qualitäts-Medien ging…

    Warum kosumieren „normale“ Leute sowas trotzdem weiterhin, und wenden sich nicht angeekelt ab?

    Und, Sie sprechen nur das Offensichtliche aus. Um die Dinge so zu sehen muss man nicht Einstein sein. Was sagt es ihnen, dass ungefähr zwei Drittel der Bürger dennoch bei Wahlen einer der 5 Einheitsparteien seine Stimme gibt?

    Mit freundlichen Grüssen, von einem Jahrgangskollegen, mit denselben „Mängeln“ wenns um die staatsdienliche Sozialisierung in die Gesellschaft geht. 😉

  2. Ein interessantes und gutes Gespräch, in dem viele Dinge beim Namen genannt werden. Sehr schön z.B., die EU als geplantes, geopolitisches und neoliberales Projekt zu erwähnen, dies zusammen mit den imperialen Ambitionen.

    Ergänzend drei Detailkritiken, zu Teilen, so wie sie sich für mich darstellen.

    Da zunächst von einem Kontrollverlust auf Seiten der Eliten gesprochen wurde, als Bsp. Finanzkrise.
    Ist es nicht viel mehr so, daß diese Krisenhaftigkeit sehr sehr zweckmäßig ist?

    Die Deutschen nach dem ersten Weltkrieg bluten zu lassen erscheint mir nicht als Fehler, es hat sie radikalisiert, sie willfährig für den zweiten Weltkrieg gemacht, um über dieses Werkzeug, im Idealfall, die Sowjetunion zu vernichten.

    Die Linke, was auch immer man darunter versteht und wen man dort verortet, wurde unterwandert und erfolgreich an die Herrschaft angedockt. Oder anders, ich vermag auch hier keine Fehlerhaftigkeit entdecken, sondern Vorsatz einiger Akteure.

    Wenn man die Absichten und Verfahrensweisen dahinter verkennt, wird man auch in Zukunft jeder Krise nur hinterhereilen und reagieren anstatt zu agieren.

    Andocken an den Herrschaftsdiskurs, man kann nun nicht behaupten, daß man damit bisher besonders erfolgreich gewesen wäre.
    Von Krise zu Krise, der permanente Ausnahmezustand, das globale Faustrecht des Stärkeren, im rechtsfreien Raum.

    • Alles richtig, was Sie schreiben. Und wie kommen wir raus aus dieser Nummer…?

      Ich finde, dass es eine europäische, radikal linke Bewegung geben müsste, die ein wirklich alternatives Konzept hat. Diem25 von Varoufakis und co. geht mir nicht weit genug. Es müsste auch endlich das Geldsystem politisch thematisiert und dessen Überwindung angestrebt werden – nicht nur von ein paar Leuten in der Schweiz. Und somit auch ein Wirtschaftssystem, das kein permanentes Wachstum benötigt und das die Natur nicht (in jeder erdenklichen Form) zerstört wie heute.

      Hoffnungslos, das alles? Vielleicht, aber wir haben doch keine andere Wahl und nichts mehr zu verlieren. (Klar haben viele von uns noch was zu verlieren, aber der Kollaps ist unaufhaltsam ohne radikale Änderungen.)

    • Müßig, zum x-ten Mal die Zitate („… was wir brauchen, ist die eine große Krise…“) zu bemühen. Die Krisen sind nicht nur zweckmäßig, sie werden „proactively engineered“, so zweckmäßig wie social engineering und crisis management. Wohlgemerkt: proaktiv! Zwecks der Sicherheit und Kontrolle. Der neurotisch-paranoide Narziss braucht das. Der Cowboy hat das im Blut und an der Hüfte. Im Falle des drohenden Kontrollverlusts wird aus der Hüfte geschossen.
      Hinterhereilen und reagieren wird man sowieso, solange man die Kultur der Hegemonialmacht nicht versteht. Und die ist so kompliziert nicht! Einfach nur an den Cowboy denken.

      „The US is like a cowboy gambler with a black hat on a Mississippi riverboat playing cards. The cowboy looks around and sees himself surrounded by those he has exploited for years. He thinks his only way out is to start shooting – the law of the west. That, I think, is essentially still the foreign and military policy of the US. Its part arrogance and part fear that the world has woken up at last and is rejecting the cowboy mentality of ‘full spectrum dominance’.“
      Bruce K. Gagnon, Plymouth Institute for PeaceTesearch

    • @ Benjamin,

      die Frage nach der Lösung läßt sich schlüssig wohl nur im Diskurs beantworten und bedarf permanenter Anpassung. Vermeintliche schnelle Lösungen gibt es wohl genug, zumindest werden oft genug welche genannt. Geht es dann aber an die derzeitige Umsetzbarkeit, stellt sich recht schnell heraus, daß dies aktuell Luftschlösser sind.
      Nun, der Konflikt läuft und zumindest die mediale Oberhoheit der Hierarchie bricht immer weiter weg. Der Diskurs wird nicht mehr von ihnen allein bestimmt.
      Weitere Projekte, die einen realen Umsetzungsgehalt haben, sind noch recht spärlich, aber es werden mehr.
      Die Erschaffung des Bewußtseins zur Veränderung steht am Anfang und letztendlich muß die Schranke zur konkreten Handlung überwunden werden, gar nicht so einfach nach all den Jahren der permanenten Manipulation.
      Die schnelle ultimative Lösung gibt es nach meinem Ermessen, unter den genannten Gesichtspunkten, nicht.

      Zu Diem25 und der Notwendigkeit das Geldsystem in Frage zu stellen, pflichte ich ihnen bei.

      @ Tony Hill,

      wohl war, aber ich verorte das Dilemma nicht allein beim derzeitigen Hegemon. Da wären immer noch das British Empire und Andere in Wartestellung.
      Da im Beitrag China genannt wurde und ich regelmäßig auch chinesische Medien konsumiert habe, erlaube ich mir zu behaupten, es ist dort nicht viel anders.
      Vor Jahren las ich z.B. von der Firma Foxconn in China, die unter Anderen für Sony und Apple produzierte, wo der Arbeitsdruck so groß war, daß Mitarbeiter ihr Heil im Suizid suchten, dies indem sie sich vom Dach der Firma warfen.
      Das Dilemma wurde durch Netze gelöst und nicht etwa durch eine Verringerung des Drucks.

      Profitmaximierung, Privatisierung-ÖPP, Ernährung-Gentechnik, Energiegewinnung-Kernkraft und Kohlenwasserstoffe, Zerstörung der Lebensgrundlagen, Militarisierung, nennen sie den Bereich, man findet ihn auch dort, so wie allerorten. Höher, weiter, schneller, ganz so als gäbe es kein morgen.

    • @ Ja, der Cowboy ist durchaus nicht allein – und nicht unbedingt die Nr.Eins. Ich habe bis Ende letzten Jahres 5 Jahre und vor 18 Jahren 3 Jahre in Asien gelebt und beobachtet, wie einerseits die amerikanische und andererseits die britische Hegemonialmacht wirken, bzw. ihre Wirkung einbüßten, besonders deutlich in den letzten ca. 5-10 Jahren. Vermehrt zieht man sich vor Amerika und der (amerikanischen) Demokratie zurück. Die Kolonialmacht der Briten ist jedoch davon nicht betroffen. Es bleiben die amerikanischen und die britischen Pop-Kulturen, der Kommerz und die Hegemonie der britischen vor der amerikanischen Sprache. Die britische Kolonialmacht, auch „perfidious Albion“, ist durchaus nicht geschwâcht, wie gerne in Europa geglaubt wird. Das zeigen auch die aktuellen Ereignisse um die Muslimbrüder.
      Eindrucksvoller und unterhaltsamer als im Film „Kingsman“ ist der Unterschied zwischen den Cowboys und den Aristokraten meines Wissens nicht gezeigt worden. M. E. verlieren die Cowboys und gewinnen die Kingsmen zur Zeit. Trotz und wegen Brexit.
      Hegemonial-Ambitionen nach westlicher Art konnte ich in den asiatischen Kulturen nicht erkennen.

    • @Box:
      Ich kann Ihnen wieder in fast allen Punkten beipflichten – in einem allerdings nicht: Wir sollten uns in der Suche nach Lösungen nicht zu stark danach orientieren, was im Moment umsetzbar erscheint. Erstmal muss wirklich ein umfassendes Konzept erarbeitet werden, das die wichtigsten Punkte abdeckt. Und das relativ schnell, weil uns doch absolut die Zeit davonläuft. Uns muss „ein großer Wurf“ gelingen, wir haben gar keine andere Wahl!

      Ich finde, um es mal etwas pathetisch zu formulieren – wir haben schon lange aufgehört zu träumen, und genau das ist das Problem! Da nehme ich mich persönlich überhaupt nicht aus, aber ich bin auch entschlossen, mein Verhalten zu ändern. Wir müssen wieder eine glaubwürdige Erzählung für das große Ganze kreieren. Und das Geldsystem ist das wichtigste Thema, wenn man das nicht umwälzt – was keine politische Partei fordert – ist alles andere an politischen Maßnahmen nur Kosmetik. Das ist der wichtigste Schlüssel für den Wachstumszwang und die deswegen betriebene Zerstörung der Natur (incl. uns selbst). Da sind wir uns doch auch sicher einig, denke ich.

    • Ergänzung: Und wenn man das Geldsystem in Frage stellen würde, und vielleicht auch einen großangelegten Schuldenschnitt zumindest z.B. für Staatsschulden, ginge das nicht ohne eine komplette Umwälzung des Systems mit globalen Auswirkungen. Man würde international isoliert werden und liefe Gefahr, militärisch angegriffen zu werden. Trotzdem führt daran aus meiner Sicht kein vernünftiger Weg vorbei. Die Frage ist eher, wer diesen „alternativlosen“ Schritt zu erst wagt.

    • @ Benjamin,

      ja klar, sehe ich genauso, träumen kann ja auch durchaus ansteckend wirken, ich mag auch alles unterstützen was annähernd zielführend erscheint.

      @ Tony Hill,

      es ist nicht schön bezüglich des Empires Bestätigung zu erlangen. Aber vielleicht ist hier die Bewegung um Mr. Corbyn tatsächlich ein Lichtblick.

      China erscheint mir in weiten Teilen wie ein copy&paste vieler westlicher Verfahrensweisen, z.B. chinesische Investoren (welche Rendite sehen wollen) die vielerorts aufkaufen und sich einkaufen. Sollte irgendwann militärische Parität mit den USA erreicht werden, wird sich zeigen ob und wie viel und unter welchen Umständen man Präsenz zeigt.

      Historisch betrachtet kopierte Japan, bevor es im zweiten Weltkrieg unterlag, die westliche Kanonenbootpolitik, worunter auch China und das nicht zu knapp, litt.

  3. Interessant wie Peter Wahl den Begriff der Globalisierung seziert und offenlegt, worum es dabei tatsächlich geht.
    Allgemein gefällt mir das neue Format und – um es nochmal hervorzuheben – Petram macht einen sehr guten Job. Verzieht keine Miene, stellt sofort Nachfragen. Weiter so!

    • “ Americans know that the nonsense from the US Bureau of Labor Statistics about a 4.3% unemploment rate and an abundance of new jobs is fake news. The BLS gets the low rate of unemployment by not counting the millions of discouraged workers who cannot find employment. If you haven’t looked for a job in the last 4 weeks, you are not considered unemployed. “

      Stimmt, Ziffer gesammelt durch USA Bürger geben ein ganz anderes Bild.
      Auch Niederländische Ziffer sind Lügen, wer sechs Stunden in die Woche arbeitet is nicht mehr arbeitslos.
      Bei uns ist die wirkliche Zahl Arbeitslosen etwa drei mahl so hoch wie die offiziëlle Ziffer.

    • @ Pieter Kamp

      Von Jan Pieterszoon Coen, VOC , EAST INDIA COMPANY etc. bis zum heutigen Tage keine wirklichen „zivilisatorischen“ Fortschritte. Der technologische „Fortschritt“ trägt auf der Waagsschale mehr zu einer barbarischen als einer humanen „Zivilisation“ bei.

      „The technetronic era involves the gradual appearance of a more controlled society. Such a society would be dominated by an elite, unrestrained by traditional values. Soon it will be possible to assert almost continuous surveillance over every citizen and maintain up-to-date complete files containing even the most personal information about the citizen. These files will be subject to instantaneous retrieval by the authorities.“
      Zbigniew Brzezinski in his 1970 book „Between Two Ages: America’s Role in the Technetronic Era“
      Er ist ja nun tot, seine Ideologie nicht.
      Die Nachfolger Jan Coens im heutigen Indonesien sind ausgestattet mit technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, die im damaligen Batavia nicht zur Verfügung standen.

      Wir brauchen ein neues Schulfach: „Macht in der Geschichte der Menschheit“. Vielleicht würden die Menschen dann lernen, daß man Verantwortung für sich und Macht über sich nicht delegieren darf. Weder an eine Religion noch an Mitmenschen.

    • Es waren natürlich nicht nur Hollander die sich grausam benommen.
      Portugiezen, Spanier, Franzosen, Engländer, und jetzt USA.
      Und es stimmt, mehr technische Fortschritt, mehr Grausamkeit, mit Hamburg, Dresden, Hiroshima und Nagasaki als Höhepunkte.
      Es gibt jetzt USA Generale die glauben eine Atomkrieg mit Russland gewinnen zu können.

  4. Ich fand das Interview sehr interessant – danke!

    Wie wäre es eigentlich mal mit einer „Positionen“-Ausgabe, in der darum gestritten wird, was für die Zukunft der EU wünschenswert wäre? Natürlich mit Charakteren, die klare Positionen vertreten. Die Fragen wären z.B.: Mehr europäische Integration oder weniger – Zentralregierung oder ein regelmäßiger Austausch zwischen zwanglos befreundeten Staaten? Was passiert mit dem Euro? Wie kann der (europäische) Neoliberalismus besiegt werden, ohne in Nationalismus zu verfallen?

    Ich möchte dazu mal eine These in den Raum stellen: Weniger europäische Integration funktioniert nicht, jedenfalls auf keinen Fall solange der Euro aufrechterhalten wird. Auch danach halte ich es nicht für wünschenswert. Wir sind gewissermaßen wirklich eine „Schicksalsgemeinschaft“. Es müsste ein grundlegend neues europäisches Projekt geschaffen werden! Ausgehend vom Zentrum Deutschland/Frankreich. (Vergessen wir mal für einen Moment, dass das zur Zeit nicht realistisch erscheint.) Und ich rede natürlich nicht von ein paar Reförmchen, sondern quasi einer geordneten Revolution – hin zur sozialistischen, ökologischen, direktdemokratischen Gesellschaft mit einem Vollgeldsystem. Wieso ist innerhalb der politischen Linken nach meiner Wahrnehmung totale Funkstille zwischen Deutschland und Frankreich? Wenn Linke auch nicht mehr an die solidarische Internationale glauben, können sie einpacken – dann gewinnt früher oder später die extreme Rechte, oder die neoliberalen Regierungen übernehmen deren Positionen. Das kann man ja schon länger beobachten.

    • was ist denn Nationalismus? mir scheint die EU kann die Übernation werden. Hör doch noch mal rein bei Minute 24.
      Nur nennt das keiner EU-Nationalismus. Und auch die Gestalter dieser militanten Weltmacht-EU kritisieren Nationalismus. Da kritisiert die Mafia den Ladendieb.

    • Brussel versucht, fürchte ich, durch Immigration und frei Verkehr von Personen eine EU Nation zu bilden.
      Nationalismus der noch bestehenden Staaten ist gefährlich, der Mythos das Deutsland zwei Weltkriege verursachte.
      So sehen wir wie Propaganda über Geschichte die Gegenwart bestimmt.

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