Der Wahnsinn der Normalität

Wir leben in einer Demokratieillusion, die durch propagandistische Lügen am Leben gehalten wird.

von Jens Wernicke

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

Die Machteliten treiben uns scheinbar unaufhaltsam in die Katastrophe — durch Ökozid, Freiheits-Abbau und eine profitgetriebene, unverantwortliche Kriegspolitik. Es hat keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen, wie weit wir schon auf der abschüssigen Bahn in Richtung Abgrund vorangekommen sind. Dennoch ist das schlimmste anzunehmende Szenario nicht unausweichlich, wenn wir alle dem Wahnsinn die Kooperation verweigern. Rubikon-Herausgeber Jens Wernicke interviewte den Politikwissenschaftler und Mitherausgeber von „Fassadendemokratie und Tiefer Staat: Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter“ Ullrich Mies.

Herr Mies, Sie publizieren viel zu Krieg und dem sogenannten Tiefen Staat. Wie würden Sie die aktuelle Weltlage skizzieren und warum ist Aufklärung über den Tiefen Staat Ihrer Ansicht nach notwendig?

Zunächst will ich mich ganz kurz auf die aktuelle Weltlage beziehen. Da sehe ich Chaos auf der ganzen Linie, Herr Wernicke. Chaos als die letzte Vorstufe zur Dystopie! Es geht realiter um das Endspiel des Planeten, bevor er sich der Spezies Mensch entledigt.

Dieses Chaos ist nicht vom Himmel gefallen, sondern Menschen gemachtes Resultat der ökonomischen, politischen und technologischen Prozesse, die Jahrhunderte zurückliegen und aufeinander aufbauen (1).

Die Spitze dieser Prozesse währt nunmehr knapp 30 Jahre. Ich meine damit konkret den Kollaps der UdSSR und den Aufstieg des US-amerikanischen und EU-Brutalkapitalismus als Formation, die ich als „neoliberalen Faschismus in Lauerstellung“ (2) bezeichne.

Die „Demokratie, wie wir sie kannten“, also die parteienbasierte parlamentarische Demokratie unter den Bedingungen des Marktradikalismus und der Herrschaft der Finanzindustrie, halte ich für ein völliges Fehlkonstrukt zur Lösung unserer Probleme. Wir leben in Scheindemokratien, die aus puren Klasseninteressen propagandistisch am Leben gehalten werden.

Das alles hört sich nicht besonders ermutigend an und reizt auch nicht zum Widerstand, wenn man sagt: Die Dystopie ist unausweichlich.

Nein, das ist sicher nicht ermutigend, aber das ist die Wirklichkeit und die Augen zu verschließen, hilft zum einen nicht weiter, zum anderen ist eine solche Haltung für denkende Menschen unwürdig. Die Dystopie ist aber nicht zwingend unabwendbar.

Sie tritt jedoch zwingend ein, wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher. Sie tritt auch nur dann ein, wenn „die Lämmer weiter schweigen“, um den Begriff Rainer Mausfelds zu verwenden. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, dass „die Lämmer“ sich gegen die Wölfe erheben werden. Vielleicht werden „die Lämmer“ ja durch bislang unvorhergesehene Ereignisse aus dem Schlaf gerissen, um in der Begrifflichkeit zu bleiben.

Die andere und sehr viel entscheidendere Frage ist aus meiner Sicht, ob man für fundamentale Umorientierungen in einer Gesellschaft die „schlafenden Schafe“ überhaupt aufwecken muss, oder ob nicht vielmehr eine intelligente Minderheit — „die kritische Masse“, das sind ja unter anderem auch die Leser, an die sich RUBIKON wendet — ausreicht, um das pseudo-demokratische Schmierentheater zum Einsturz zu bringen, zum Beispiel diese unsägliche große Ignoranten-Koalition in Deutschland. Denn zu keiner der überlebenswichtigen Fragen liefern die führenden Politchargen und deren Medienkomparsen irgendwelche Lösungen.

Wir erleben seit gut 30 Jahren schleichende Verschlechterungen, Verschlimmbesserungen, dümmliches Reformgelaber in Endlosschleife, Pseudo-Reparaturen des selbst verursachten Chaos’ und vor allem den Privilegien- und Machterhalt, besser gesagt, die Macht- und Reichtumserweiterung zu Gunsten einer verschwindend kleinen Oligarchie.

Lassen Sie vor Ihrem inneren Auge einmal die letzten 30 Jahre Revue passieren! Dann wissen Sie, was ich meine. Vor allem ist ja hochinteressant, dass genau die Führungschargen, die nach der „Friedensdividende“ 1990 alles vor die Wand gefahren haben, dieselben sind, die meinen, uns noch irgendwelche „Lösungen“ anbieten zu können. Schauen Sie sich zum Beispiel das kollabierende Herrschaftsprojekt EU an, ein einziger gigantischer, selbst angerichteter Scherbenhaufen. Tatsächlich sind die Führungschargen Insolvenzverschlepper.

Als neuen Ausweg aus der selbstverschuldeten Misere bieten sie uns nun die Konflikteskalation gegen Russland und China mit der Gefahr des ganz großen Krieges an. Dieser große Krieg kann sich zudem an den vielen aktuellen Krisenherden rund um Russland, dem Iran, im chinesischem Meer und so weiter entzünden. Es ist kein Zufall, dass das Bulletin of the Atomic Scientists die Doomsday Uhr auf 2 Minuten vor 12 gestellt hat (3).

Wir leben in Zeiten, die sind mindestens so brisant wie die Zeit der Kuba-Krise.

Welche Faktoren sind für die drohende Dystopie bestimmend?

Die Dystopie ist ein Prozess und kein ad hoc Ereignis. Die ist nicht morgen da. Auch spuckt der Planet den homo sapiens voraussichtlich nicht innerhalb der kommenden 100 Jahre aus.

Aber wenn die „Krone der Schöpfung“ so weitermacht wie bisher, dann betreibt sie ein gigantisches Biozidprogramm, mit dem sie selbst untergehen wird. Alle Kriege, die unsere Schein-Eliten anzetteln, beschleunigen lediglich diesen Vorgang. Und was sind 100 oder 200 Jahre im Verlauf der Erdzeit? Ein Nichts!

Ein kurzer Blick auf einige zentrale Problemfelder, die für die bevorstehende Dystopie kennzeichnend sind, reicht aus, um die ganze Dimension des Scheiterns der westlichen US-, EU- und Berliner-Politparallelwelten zu skizzieren, die permanent von den westlichen Werten faseln. Zum Umweltdesaster mit dem gigantischen Biodiversitätsverlust nur so viel: Die Daten des Living Planet Index 2016, den der WWF alle 2 Jahre erstellt, sind niederschmetternd.

So hat die Menschheit die untersuchten Wirbeltierpopulationen – Säugetiere, Vögel, Fische, Amphibien und Reptilien – innerhalb von nur 40 Jahren halbiert und es ist mit einem jährlichen Rückgang um 2 Prozent zu rechnen. Die untersuchten Süßwasserarten sind zwischen 1970 und 2012 um über 80 Prozent zurückgegangen, um nur wenige Beispiele zu nennen. 2012 verbrauchte die Menschheit Ressourcen, die 1,6 Erden entsprachen. Das alles sind dramatische Entwicklungen. Das in Kombination mit dem Klimawandel (4).

Zur Jahrtausendwende wurden umfangreiche Millenniumsziele formuliert. So wurde auch eine gigantische Analyse zum Zustand der Umwelt (5) auf UN-Ebene in Auftrag gegeben, an der über 1900 Wissenschaftler aus der ganzen Welt mitwirkten. Die Milleniumsziele waren Handlungsanweisungen für die Regierungen, zu denen sie sich selbst verpflichteten. Einen Dreck haben sie sich darum geschert.

Als weiteres Beispiel für dystopische Entwicklungen möchte ich die NATO- und EU-Osterweiterung (6) nennen, 9/11 mit dem „war on terror“ und niemals endenden Kriegen, die Militarisierung der Staaten mit massiver gesellschaftlicher und ökonomischer Fehlsteuerung sowie die gezielte Feindpropaganda. Ferner die Möglichkeit eines „begrenzten“ Atomkriegs als scheinbar „rationale“ Strategieoption im Rahmen der Kriegsführung, der dann mit Sicherheit zur Totalkatastrophe ausartet.

Zudem sind die Migrationsströme Teil dieser Dystopie. Als Folge der Freihandelsstrategie der westlichen Staaten und ihrer zerstörerischen Kriege haben die Menschen in ihren Heimatländern jede ökonomische Basis verloren. Darum werden sie zu Migranten. Europa gerät durch Desintegration zunehmend unter Druck. Es ist das Ziel der politischen Hasardeure, dass die Menschen aufeinander losgehen sollen, um so Widerstandspotentiale zu kanalisieren. Darüber hinaus zähle ich die gigantische Reichtumsumverteilung von unten nach oben, Privatisierungen und den Wettbewerbsterror hinzu, der maßgeblich zur Brutalisierung der Sozialbeziehungen geführt hat.

Wer sind denn nun die Verantwortlichen für den ganzen Wahnsinn?

Das ist das Werk der herrschenden „Eliten“, denen der Kalte Krieg abhanden kam und die den neuen Kalten Krieg 2.0 entfachten, um nur bloß nicht in die Verlegenheit zu gelangen, die „Friedensdividende“ einlösen zu müssen.

Der Frieden ist für den staatsterroristischen MIlitärkomplex ein Anti-Geschäftsmodell.

Darum musste die Friedensdividende zerstört und die NATO-Ost-Erweiterung, die ich als NATO-Ost-Eroberung bezeichne, realisiert werden. Diese Ost-Eroberung wurde in den USA ausgeheckt, die politischen Eliten in den abhängigen europäischen Vasallen-Staaten wurden nicht gefragt, sondern eingebunden.

Die Saat der neoliberalen Globalisierer ist bis dato in ihrem Sinne weitgehend aufgegangen. Die Merkel-Regierung, besser das Regime, ist ein klassisch marktradikal-neokonservatives Regime, reaktionär bis ins Mark, das die dystopischen Triebkräfte massiv befördert hat.

Statt zur Vernunft zu gelangen, treiben unsere Entscheidungseliten alles auf den Höhepunkt: den Ressourcenverbrauch, die Konflikteskalation durch Sanktionen, Aufrüstung an allen Fronten, neue Kriege und als deren Folge Flüchtingsströme. Aber auch die sogenannte Zivilgesellschaft ist an den dystopischen Entwicklungen massiv beteiligt: Monsterevents, Massentourismus, exzessiver Freizeitverkehr, Naturvernutzung, Fleischkonsum aus Massentierhaltung, Komasaufen und so weiter. Das sind Zeichen kollektiver Verblödung großer Gesellschaftssegmente.

Welcher Politiker denkt schon 100 Jahre voraus? Viele sind froh, wenn sie im Parlament eine Legislaturperiode überleben. Das ganze politische und ökonomische System, in dem wir leben, wird den dringenden Erfordernissen unserer Zeit in keiner Weise gerecht.

Zum eigenen Machterhalt wollen „unsere“ Polittölpel jetzt noch mehr Ressourcen für die Kriegsapparate verschwenden und Menschen ins Militär kanalisieren, um zum Beispiel ihren kranken Putinhass und ihre Eroberungsfantasien auszuleben.

Die Bundeswehr wirbt in Schulen, um die Unbedarften einzufangen. Was mich immer mehr erschüttert, ist diese interessengeleitete Ignoranz und Niedertracht der Eliten in Finanz- und Großindustrie, in Politik und Medien, die die Treiber der dystopischen Entwicklungen sind. Wie sehr zum Beispiel der BDI neben der Spur läuft, zeigt sich an seinen Forderungen. Ich zitiere aus german-foreign policy:

„Führende deutsche Wirtschaftsvertreter fordern die Schaffung gesetzlicher Grundlagen für die Ausbeutung des Weltraums durch deutsche Privatunternehmen. Die Bundesregierung müsse umgehend ein „Weltraumgesetz“ verabschieden und darin auch den Abbau von Rohstoffen im All regeln, heißt es in einem aktuellen Positionspapier des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)“ (4).

Das heißt, die Erd-Ressourcen sind endlich und darum müssen wir das hirnrissige Eroberungs-Regime des Kapitalismus nun ins All ausdehnen? Das ist doch einfach nur noch krank. Eigentlich zeigen sie, dass sie mit ihrem nekrophilen Kapitalismus am Ende der Fahnenstange angekommen sind und nicht mehr weiter wissen.

Sie haben vor ein paar Tagen über den neoliberalen Faschismus in Lauerstellung geschrieben. Wann könnte die derzeitige Postdemokratie dahin umschlagen?

Nun, ich bin ja kein Hellseher, aber es ist bestimmt nicht ausgeschlossen, dass die Dystopie schon in 5 oder 10 Jahren eintritt, vielleicht sogar noch früher: dann, wenn die Politik in ein brutales Gewaltregime umgeschlagen ist und der „neoliberale Faschismus“ seine Lauerstellung verlassen hat, die Verteilungskämpfe um die Restressourcen des Planeten weiter eskalieren und die innergesellschaftlichen Konflikte bürgerkriegsähnliche Zustände angenommen haben.

Die ersten Vorboten dieser Entwicklung können Sie eindrucksvoll in Frankreich beobachten. Damit die meisten nicht merken, wohin die Reise geht, dafür haben wir Systemmedien und Regierungssprecher. Aber deren Glaubwürdigkeit sinkt bekanntlich auf der nach unten offenen Vertrauensskala immer tiefer. Das lässt hoffen.

Die Dystopie droht dann, wenn wir es nicht schaffen, „die kritische Masse“ zu bilden – im doppelten Wortsinn –, die nach dem unausweichlichen Finanz- und Systemcrash das Steuer herumreißt, um die Akteure des Kapitalismus inklusive der politischen Hasardeure zu entmachten.

Das hört sich ziemlich abstrakt an, wen meinen Sie konkret?

Was ist daran abstrakt? Wir als Bürger können uns in dem politischen System, in dem wir leben und das vorgibt, eine Demokratie zu sein, doch nur an die sogenannten gewählten Vertreter halten. Was aber, wenn diese ihren Vertretungsauftrag missbrauchen? Stattdessen den Kapital- und Lobbyinteressen in der marktradikal transformierten Scheindemokratie verpflichtet sind, die Merkel selbst einmal als „marktkonforme Demokratie“ bezeichnet hat. Dabei hat sie ungewollt die Sau herausgelassen, denn eine marktradikale Demokratie ist nunmal keine. Damit hat sich der gesamte Herrschafts-Apparat letztlich als Putschist gegen die verfassungsmäßige Ordnung geoutet.

Die Täternetzwerke, die für diesen schleichenden Putsch verantwortlich sind, sitzen unter anderem in den politischen Herrschaftsspitzen. Sie vertreten wie gesagt nicht die Interessen der meisten Bürger oder der Mitwelt. Sie sind für die gigantischen Fehlsteuerungen verantwortlich.

Vieles geschieht jedoch in abgeschotteten Parallelwelten des Tiefen Staates, auf Geheimtreffen, „Eliten“-Treffen wie in Davos oder der Münchener Sicherheitskonferenz, in Hinterzimmern, an Runden Tischen, in EU-Direktoraten und -Senaten, Finanzinstitutionen, um nur ein paar zu nennen. Dort agieren Mächtige, die niemand kennt oder nur wenige kennen und die schon gar nicht demokratisch legitimiert sind. Es geht also um Netzwerke der Macht.

Eine Verschwörung also?

Zunächst: Wer nach Verschwörern oder Verschwörungen sucht, wird in den Herrschaftsnetzwerken und Tiefenstaatsstrukturen in der Regel fündig. So ist die ganze Geschichte der CIA und der Geheimdienste eine einzige Verschwörung gegen den Frieden und das friedliche Zusammenleben der Völker. Auch kann man die gesamte NATO-Osterweiterung unter diesem Gesichtspunkt sehen: Es handelt sich um ein nachweisbares Komplott der westlichen Politik-Eliten unter Führung der USA nach 1990, um die NATO nicht auflösen zu müssen. Genau das Programm läuft: War on terror und die beiden Bösewichte Russland und China, die die „westliche Wertegemeinschaft bedrohen. So ein Schwachsinn!

Die meisten derjenigen, die so vehement von Verschwörungstheorien oder Verschwörungstheoretikern schwadronieren, plappern schlicht das nach, was ihnen Pseudoautoritäten vorgeben. Aber auch Wissenschaftler, vor allem aus der Psycho- oder Geisteswissenschaftsbranche, reden bisweilen von Verschwörungstheoretikern, die sie überall da vermuten, wo es um Herrschaftskritik geht. Diese sind Teil des Herrschaftskomplexes und mit Machtstrukturen oder den Elitenmachenschaften in Geheimdiensten und Militär eng verbunden. Argument-freie Denunziation als perfide Technik der Macht (8).

Edward Snowden, Julian Assange, Bradley Manning, sind das Verschwörer, die Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt haben? Oder haben sie nicht vielmehr das ganze Ausmaß an organisiertem Staatsterrorismus freigelegt von der Total-Überwachung bis zu Kriegsvorbereitungen und Kriegsverbrechen? Sie wurden genau darum zu Staatsfeinden des Tiefen Staates (9) oder des Secret Team (10).

Welchen analytischen Ansatz vertreten Sie?

Für mich stehen die handelnden Menschen im Mittelpunkt des Interesses und ich vertrete exakt den polit-ökonomischen Ansatz des power-structure-research, wie ihn in Deutschland die leider verstorbenen Hans-Jürgen Krysmanski (11) und Bernd Hamm (12) formuliert haben. Power-structure-research ist Machtstrukturanalyse. Darum geht es aus meiner Sicht. Es geht um Machtstrukturen, die das Werk konkreter Menschen sind. Diese justieren den Kapitalismus täglich neu, plündern Länder, privatisieren, was ihnen nicht gehört, und organisieren die Reichtumsübertragung aus der Fläche in das Segment der 0,01 Prozent.

Die herrschenden ökonomischen Klassen und deren Politikkasten und Medienkomparsen sind Täter in Verantwortungsfunktion, denen zunehmend die Legitimation abhanden kommt. Bevor zumindest „die kritische Masse“ nicht verstanden hat, wer die konkreten Treiber der herrschenden Zustände sind, kommen wir nicht weiter.

Wie würden Sie denn die „kritische Masse“ definieren?

Die „kritische Masse“ wäre die, die zum Sturz der herrschenden marktradikalen-neokonservativen Kriegs- und Eroberungs-Hasardeure führt und in Deutschland, zum Beispiel das Grundgesetz und das Völkerrecht wieder in Funktion setzt und zum Friedensgebot zurückfindet.

Wie viele Menschen brauchen Sie dazu? 4 Prozent, 5 Prozent?

Ich denke, ein relativ kleiner Prozentsatz würde genügen. Wir brauchen intelligente, aufgeschlossene, entschlossene und zähe Menschen. Menschen, die über Organisationsfähigkeiten verfügen und Strukturen aufbauen können und auch klandestin zu arbeiten in der Lage sind. Denn eines ist klar:

„Die ausbeuterischen Oligarchen einigen sich immer!“ (13).

Wir müssen also völlig neue Wege beschreiten, deren Pfade noch nicht einmal angelegt sind, weil die herrschenden Cliquen in Einigkeit verbunden und die widerstreitenden Kräfte in Uneinigkeit zersplittert sind.

Wie könnten die aussehen, diese „neuen Wege“? Neoliberal-links, links-rechts-autoritär oder marxistisch-orthodox, was noch nie funktionierte?

Wenn ich links bin, kann ich nicht neoliberal sein und umgekehrt. Sie meinen mit neoliberal-links wahrscheinlich die Restbestände jener intellektuell, ethisch-moralisch komplett auf den Hund gekommenen SPD und die moderne Kriegstreiberpartei, die Grünen. Was ist an den beiden links? Nichts, weil beide neoliberal, besser marktradikal sind. Diese beiden Parteien sind gewollt oder ungewollt eine Unterorganisation der NeoCons. Zu links-rechts-autoritär:

Ich bin Befürworter eines Staates, der die dringende Notwendigkeit des Naturerhalts zur absoluten Priorität erhebt, der sich alles andere unterzuordnen hat. Ende mit „marktkonformer Demokratie“ und „Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kannten“.

Eine fundamentale Änderung geht mit dieser korrupten Lobby-basierten Parteien-Scheindemokratie nicht. Links an dieser Staatskonzeption wäre der totale Umsturz der aktuellen Verhältnisse: Die Rückholung der Staatsfunktion zum Wohle der Menschen und der Natur impliziert die Zerschlagung der Monopole, die massive Besteuerung des Reichtums, die totale Neuordnung der Medienlandschaft, die Abschaffung des Spekulationsunwesens, die Reduktion des Bankenwesens auf seine Kreditfunktion, die Ent-Neoliberalisierung auf allen Ebenen, die Re-Sozialisierung der Menschen über Bildung, die den Namen verdient, den sofortigen Austritt aus dem NATO-Kriegspakt, die totale Rekonzeptionalisierung der EU, den Rückbau der Bundeswehr auf die Landesverteidigung und Katastrophenabwehr, um nur einige Punkte zu nennen.

„Rechts“ im Sinne von autoritär an diesem Staat wäre seine ethisch-moralische Fundierung und Verfassungstreue, die sich an den Grundprinzipien Naturerhalt, Friedensgebot und Gerechtigkeitsgrundsatz orientiert.

In diesem Staat hätten Persönlichkeiten von Format das Sagen, die sich durch besondere fachliche und charakterliche Eigenschaften auszeichnen. Der Klein- und Mittelstand könnte sich innerhalb eines staatlich definierten Rahmens entfalten. Autoritär an diesem Staate wäre die Durchsetzung seiner Grundprinzipien.

Marxistisch-orthodox ist doch wohl kaum eine tragfähige Variante. Den Kasernenhof-Sozialismus, so der Marxist Robert Kurz (14), hatten wir schon und die Diktatur des Proletariats stellvertretend durch eine Einheitspartei und die totale ökonomische Planung wird in einem neuen Fiasko enden, weil sie das Sammelbecken und die Karriereschmiede neuer Polit- und Apparatschiks wäre. Aus meiner Sicht ist das orthodoxe Modell historisch abgefrühstückt.

Wie könnte denn ein Staat, der den Menschen und der Natur dient, Wirklichkeit werden?

In diesem Parteiensystem sicher nicht, Herr Wernicke, das ist völlig aussichtslos. Die Akteure dieses nekrophilen Kapitalismus haben uns in die Miseren hinein manövriert, von denen ich vorhin einige kurz skizziert habe. Wir haben aus meiner Sicht nur eine Chance nach dem Platzen der Spekulations- und Schuldenblase. Diesen Kollaps sehen einige Fachleute (15) in gar nicht mehr so weiter Ferne, dann werden die Karten neu gemischt. Das, was diese Fachleute voraussagen, ist aber eine schlimmere ökonomische und soziale Katastrophe als 1929. Dann ist das Scheitern dieses System und seiner Systemchargen komplett. Wie es dann weiter geht, weiß niemand. Bis es so weit ist, bleibt die Kriegsgefahr.

Einem alternativen Wirtschafts- und Gesellschaftssystem fehlt das erforderliche qualifizierte „Personal“. Wo ist der „Pool an Menschen“, der nach einem Kollaps ein neues ökonomisch und politisch tragfähiges System aufbauen könnte?

Herr Wernicke, da herrscht aus meiner Sicht allgemein große Ratlosigkeit. Wir erleben einen brutalen Klassenkampf, der „von oben“ mit allen Mitteln — full-spectrum-dominance — geführt wird und es geht um die Sicherung der Vorherrschaft des taumelnden Welt-Hegemon USA. Wir leben an einer weltgeschichtlichen Epochenwende was die Überlebensfähigkeit der Spezies Mensch generell und was die Neuformation einer unipolaren hin zur multipolaren Welt anbelangt.

Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die Welt zum Besseren zu gestalten?

Jeder kann aus dem System zumindest teilweise aussteigen und sich dem ganzen Irrsinn individuell entziehen. Dazu zählt, den Herrschaftscliquen die Gefolgschaft zu verweigern, Wahlen fernbleiben oder Anti-Systemparteien wählen, das Konsumverhalten komplett ändern, Details erspare ich mir, sich dem Massentourismus verweigern, sich bilden und intelligent vernetzen, Mainstreammedien meiden beziehungsweise untersuchen, was sie alles weglassen und wie sie manipulieren, auf den eigenen Körper und die Psychohygiene achten, zum Beispiel bei der Frage, mit wem ich Kontakt pflege.

Soweit es die ökonomische Lage zulässt, dem Billig-Dreck entsagen: Billig ist immer teuer für irgend jemanden. Dummschwätzern nicht auf den Leim gehen, immer alle ihre Aussagen und Behauptungen überprüfen, soweit möglich. Sich politisch vernetzen und den Widerstand organisieren.

Das sind ja nur einige, aber wichtige Schritte, die der Einzelne unternehmen kann, um in diesem Wahnsinns-System einigermaßen unbeschadet zu überleben, was sehr, sehr wichtig ist.

Ich bedanke mich für das Gespräch.

 


 

Quellen:

1) Siehe hierzu die Schriften von Fernand Braudel, Giovanni Arrighi und Immanuel Wallerstein. (2) https://www.rubikon.news/artikel/neoliberaler-faschismus (3) https://thebulletin.org/doomsday-clock/ (4) https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-LivingPlanetReport-2016-Kurzfassung.pdf; Gegen die Wand: Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber über das Irrsinnstempo, mit dem die Menschheit gerade auf die Katastrophe zusteuert, Süddeutsche Zeitung – Nr. 110 – Dienstag, 15. Mai 2018 (5) https://www.millenniumassessment.org/en/index.html (6) Jürgen Wagner, NATO-Aufmarsch gegen Russland oder wie ein neuer Kalter Krieg entfacht wird, 2. Auflage, Berlin 2016 (7) https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7669/ (8) Eine Abrechnung mit den Denunzianten siehe: Ansgar Schneider, Stigmatisierunf statt Aufklärung. Das Unwesen des Wortes „Verschwörungstheorie“ und die unerwähnte Wissenschaft des 11. Septembers als Beispiel einer kontrafaktischen Debatte, Berlin 2018 (9) Ullrich Mies, Jens Wernicke, Fassadendemokratie und Tiefer Staat. Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter, 4. Auflage, Wien 2017 (10) L. Fletcher Prouty, The Secret Team, The CIS ans its Allies in Control of the United States and the World, New York 2011 (11) https://kenfm.de/hans-juergen-krysmanski-classics/ (12) https://www.rubikon.news/artikel/das-ende-der-demokratie (13) https://www.rubikon.news/artikel/was-tun-gegen-die-kriegsgefahr (14) Robert Kurz, Schwarzbuch Kapitalismus, Frankfurt a. M. 1999 (15) Max Otte: https://www.youtube.com/watch?v=JGfgmBKNRho&frags=pl%2Cwn; Ernst Wolff: https://www.youtube.com/watch?v=pGKCx9eJ0ZQ

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Dieser Beitrag erschien am 04.08.2018 bei Rubikon – Magazin für die kritische Masse.

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14 Kommentare zu: “Der Wahnsinn der Normalität

  1. Die Menschheit und jeder Einzelne sollte sich die Frage stellen: Was mache ich denn da? Warum handle ich auf diese Art und Weise? Warum glaube ich, dass ich das Beste gebe, aber die Anderen sehen das nicht, hauen immer dazwischen und zerstören das was mühevoll angefangen wurde?

    Erst wenn wir uns lange mit solchen Fragen beschäftigen … unsere Gedankern quasi abwandern und die schnell aufsteigende Antworten zurück halten und untersuchen. Warum reagieren wir fast unbewusst mit dieser oder jener Antwort … fangen nicht hier schon sehr persönliche Verdrängungen an?

    Können wir unsere Gedanken als lebendig und fließend betrachten?, oder brauchen wir Sicherheiten und klare Antworten … welche Rolle spielt hierbei unsere Wissenschaft (sucht sie wirklich nach Wahrheit oder will sie nur beruhigen?) … in allen Lebensbereichen suchen wir nach Fachkräfte, die uns sagen was reichtig und falsch ist … sie werden sogar genötigt keine Unsicherheiten zu zulassen … Eindeutigkeit ist das Gebot der Stunde.

    Wir teilen die Welt in Gut und Böse ein und kleiden sie in Ideologien … das was wir glauben erkannt zu haben wird in Beton gegossen und zur unumstößlichen Wahrheit erklärt … alle Krieger, die gegen diese Betonburg anlaufen werden zu Feinden erklärt und müssen zum ewigen Schweigen gebracht werden. Wenn das Ziel erreicht ist, hat dann die Betonburg Ihre Schuldigkeit getan?, …. nein, denn nun bekommt der innere Feind Kraft und Bedeutung und muss außerhalb der Betonburg entsorgt werden.

    Ja – das ist sehr vereinfacht ausgedrückt und birgt die Gefahr der Verharmlosung, aber diesen Prozesscharakter zu verstehen und sich selbst darin in Beziehung zu setzen, seine Rolle zu erkennen ist letztendlich das Ringen um Freiheit.

    • Wenn sie mit einem Auto gegen eine Wand fahren können sie natürlich sich darüber unterhalten wie die Auswirkungen sein werden, wie das Auto danach aussieht, ob man durch die Wand fahren können oder nicht, ob sich die Wand auflöst wenn man nur nah genug dabei ist.
      Aber wenn ich bei Ihnen im Auto sitzen würde, dann mache ich die Tür auf und trete sie vom Fahrersitz hinaus und bremse so schnell wie möglich.

  2. Im Endeffekt kann man sagen: der Drops ist gelutscht. Das was derzeit in Frankreich und anderen Regionen Europas abläuft ist nur ein sehr schwacher Vorbote von dem was innderhalb erstaunlich kurzer Zeit alle etwas größeren Städte Europas überrollen wird. Gewalttätige Aufstände, brennende Innenstädte, geraubte Läden, Verletzte, Tote in Massen. Wenn man mal überlegt wie fragil unser System ist kann man sich ausmalen was das für die Versorgung (allein mit Lebensmitteln) der Bevölkerungen bedeutet. Das wird in kürzester Zeit zusammenbrechen. Dann potenziert sich das alles und marodierende Banden werden auch über Bevölkerungsärmere Gegenden herfallen…
    Das alles ist nichts was unsere Hochverratsregierung nicht wüsste. Das ist geplant. Davon kann man getrost ausgehen und das schon lange.
    Was mich immer wieder erstaunt ist die grenzenlose Dummheit auch junger Menschen! Unglaubliche Massen, ja der Großteil denkt im Ernst man kann Teddybären werfen und alle reinlassen und alles bleibt so chillig und „Party“ wie es ist. Die werden alle noch ihre „Party“ erleben, ganz besonders und auch die Schwulen, die Queer-Community, die Lesben und Femen usw… die wird es auch gahörig erwischen. Da bin ich mit schon lange sicher (und auch unsere Hochverratsregierung). Umsonst haben sie ja auch nicht den Schießbefehl ganz offen in die Eurocharta geschrieben (um Aufstände rechtmäßig niederzuschlagen darf -SCHARF- geschoissen werden) so wie am Golan….
    Ganz schnell ist hier ein totalitäres Regime am Start. Dieses schützt bestimmte Regionen, andere versinken in Anarchie (natürlich darf Militär und Polizei „Gefährder und Aufständische nierderschiessen oder verhaften und beliebig lange einsperren…)
    Das ist doch für jeden der 1 und 1 zusammenzählen kann klar ersichtlich. Leider nur die wenigsten…
    Ich wüsche jedem viel Spass dabei.

    • Wenn jeder einfach das weiter tut was er sowieso schon die ganze Zeit getan hat,dann
      passiert so wenig wie einst beim Zusammenbruch der Sowjetunion.
      Die Menschen die in den Ruestungsbetrieben arbeiten helfen denen
      die vernuenftige Arbeiten verrichten.

      Den Affen-Waffentanz braucht nun wirklich kein vernuenftig denkender Mensch.

      Dann wird auch der unausweichliche Kulminationspunkt des Finanzsystems zur spassigen Baustelle.

      Jede Kriese ist erst einmal eine Wahrnehmungskriese.(Dieter Lange)

      Wir ziehen die Realitaet in unser Leben die wir vor unserem inneren Auge projezieren.
      In der Unternehmensberatung nennt man das Visualisieren und es wird auch davor
      gewarnt was man visualisiert.
      All zu schnell walzt man damit ungewollt das platt was einem lieb und teuer ist.

  3. Ein hervorragender Beitrag, vielen Dank! Die Analyse von Herrn Mies kann ich hundertprozentig unterschreiben.

    Die wichtigsten Fragen bleiben aber auch hier ziemlich offen:
    – Was tun? Wie soll diese Selbstorganisation der „kritischen Masse“ funktionieren?
    – Wie gelingt es, sich nicht in Streitigkeiten um Einzelpunkte zu verlieren – aber auch keine oberflächlichen Kompromisse zu machen?
    – Wie gelingt (evtl. nach dem totalen Zusammenbruch) die Durchsetzung eines vernünftigen alternativen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems?

  4. „Die ausbeuterischen Oligarchen einigen sich immer!“

    Da waere ich mir nicht so sicher.Die patriotischen Eliten ,all voran die USA und Grossbritannien
    disharmonieren mit den Plaenen der global denkenden Eliten.
    (Sie wollen einfach nicht nur Raketenstufe in den Orbit zur neuen Weltordnung sei und dann vergluehen)

    Die Wirklichkeit (Wirklichkeit kommt von wirken),welche sich vor uns aufbaut,wird im wesentlichen wie bei einem „Mandelbrotbaum“ durch die Regeln geltenden Geldsytems vorbestimmt.

    (Kriegsverbrecher Henry Kissinger:Wer das Geld kontrolliert,der regiert die Welt.)

    So lange der Zins und der Zinseszins aus der Geldschoepfung im wesentlichen den privaten,
    undemokatischen Baenkstersytem zu Gute kommt,so lange werden sie damit perfide das Spiel kaufen.

    Demokatisches Vollgeld wie es in der Schweiz geplant wird (Die Zinseszinsen werden demokratisch kontrolliert) bietet den
    guten Ausweg. Auch der Krebs des masslosen Wachstums wird „Mensch“ damit beherrschen.
    (Cancer is not the answer!)

    Unsere Zukunft als Menschheitsfamilie wird im wesentlichen von jeden Enzelnen von uns selbst vorherrbestimmt.
    Dabei stellt jeder Mensch einen „bewussten“ Tropfen im Wasserhaushalt der Erde da mit der gute Power Steine angenehm
    rund zu schleifen.

    Der Geist des Menschen kontrolliert die Materie weiss die Hermetik und die Materie kontrolliert unseren inneren
    Ego-Affen meine ich zu wissen.

    Uns einfach nur materiell verbessern zu wollen wird uns nicht aus der Miserie und Dilemma fuehren.

    Da braucht es schon den Idealismus des nicht materiellen „grossen Geistes damit auch die Zukunft
    bis zum naechsten Kulminationspunkt gut verlaufen kann.

  5. Täusche ich mich, oder ist der totale, globale Kollaps inzwischen auch ins Unterbewusstsein aller eingesickert, und bricht z. B. in vielen aktuellen Kinofilmen an die Oberfläche?

    Schon erstaunlich, wie viele Blockboster der letzten Zeit die „Neue Weltordnung“ als Thema haben:

    – MI: 6
    – Avengers – Winter Soldier
    – James Bond: Spectre
    – alle Terminator-Filme
    – Transformers
    etc.

    Bekomme immer ein ganz komisches Gefühl, wenn ich im Kino „The New World Order“ höre… kA, vielleicht gehts auch nur mir so…

    • Kennen Sie die Zeugen Jehovas? Die gehen mit dem Armageddon schon seit ca 100 Jahren hausieren. Sie nennen es nicht neue Weltordnung sondern eben Gott wird kommen und eine neue Ordnung schaffen. Sie bereiten die Menschen schon seit ca 100 Jahren auf so ein Szenario vor, also seit 1870 und eigentlich hätte dieser Zustand ja schon seit ca 1930 immer wieder eintreten sollen.
      Das auch die Verblödungsindustrie aus Kalifornien dieses Thema aufgreift ist nicht verwunderlich. Durch das Internet sind die Informationen nicht kontrollierbar und für jedermann zugänglich geworden. Darum fangen viele Menschen an sich zu informieren. Ich denke in den USA ist das noch stärker wie in Europa. Und die Herrschenden brauchen einen inszenierten Crash, ja das System kann ja nur eine gewisse Zeit so um die 75-100 Jahre laufen dann muss es Zwangsläufig zu einen Zusammenbruch kommen, ja es ist ja ein instabiles System. Die Menschen werden natürlich auf einen Crash vorbereitet. Auf der einen Seite soll vermutlich Verwirrung gestiftet werden, die Menschen wissen dann icht was ist die NWO, wer ist der Böse und die Herrschenden werden natürlich alles tun damit der Zusammenbruch so abläuft wie sie es wollen, also sie sollen dann nicht als das Problem erkannt werden sonder werden als neue Heilsbringer auftreten.
      Bei mir sind mal die Zeugen an der Tür gestanden mit einer ihrer Propaganda Broschüre und zeigten mit wie sie sich dann die Welt nach dem Zusammenbruch vorstellten. Also alles wieder so schön mit ihren bunten Familien, Vater Schwarzer, Mutter Weisse, Kinder bunt, grüne Wiese, blauer Himmel so und jetzt kommt es drum herum eine dicke fette Mauer mit einen Stacheldraht. Ja und da sagten sie dazu Gott muss den Menschen ja auch Schutz geben. Also ich bin davon überzeugt dass diese Idee eines Armageddon oder der Plan der Herrschenden die Menschen zu unterwerfen sicher schon so alt ist wie die Zeugen Jehovas und sie arbeiten auch schon so lange daran. Das wird natürlich ein Sklavenstaat sein. Freiheit und Selbstbestimmtheit wird es nicht geben oder eben nur für die Herrschenden. Er wird autoritär sein und mit Gewallt herrschen. Und irgendwie muss man ja die Menschen dazu bringen einen Zustand wie die Zeugen ihn beschreiben auch hinzunehmen oder besser als das Himmelsreich zu akzeptieren. Und das sind alles Vorbereitungen die eben diese Akzeptanz erzeugen sollen.

      Mich wundert es das es zu diesen Artikel so wenige Kommentare gibt, sind die meisten Schreiberlinge bei PR Agenturen und BND angestellt ?

    • Da gebe ich Ihnen Recht: die Idee des „Armageddon“ ist wahrscheinlich schon so alt, wie die Menschheit selbst. Solche Gedanken und Prophezeiungen gabe es immer schon.

      Mir persönlich kommt es nur so vor, als wären die Gedankenspiele momentan schon konkreter.

      Weiteres Beispiel: Kingsman – Secret Service.

      Die Menschheit als Virus (siehe: guidestones of Georgia – „cancer“), der sich selbst auslöscht bzw. ausgelöscht werden muss. Dazu Massenüberwachung (RFID), Konzerndiktatur, ein großer Krieg, Crash, Zusammenbruch…

      Ist es nicht das, auf was alles hinausläuft?

    • Sie haben mich falsch verstanden. Das Armageddon der Zeugen ist nicht ein biblisches Armageddon, es ist ein NWO Sklavenstaat und dieser Gedanke ist schon über 100 Jahre alt. An dieser Umsetzung wird schon lange gearbeitet. Die Mächte die da im Hintergrund arbeiten und 800 FEMA Camps macht man nicht einfach so und irgendwer und 9/11 hat auch wer ganz bewusst entschieden und Harz IV auch, Das Geldsystem, IWF, Weltbank. Und auch ein George Orwell hat uns schon beschrieben was da auf uns zu kommt. Die überlassen nichts den Zufall und arbeiten schon lange daran, der Crash wird nicht einfach so passieren und ja die Propaganda in den Verblödungsfilmen ist ganz sicher gewollt genaus wie die Kriegspropaganda oder die NAZI Propaganda (jeder der nicht für USA ist ist ein NAZI und ist der Böse) wird uns ja in jedem Verblödungsfilm unter die Nase gerieben.

  6. Ein sehr guter Artikel und ein sehr guter Videobeitrag den ich noch nicht gesehen hatte. Hier wird nicht um den heißen Brei herum geredet sondern die Probleme genau erkannt und analysiert. Ich kann dem nur zu 100 % zustimmen.
    Hoffentlich versteht man nun auch warum die Nationalstaaten in dieser Situation in der wir uns jetzt befinden noch sehr wichtig sind und warum diese die Herrschenden auflösen wollen. Es ist doch für das Volk vom Nachteil einen korrupten Staat, eine Scheindemokratie so wie wir sie jetzt haben, komplett aufzulösen und einer zB EU Diktatur zu unterstellen wo ein Junker(also die Herrschenden) nicht gewählt werden. Wie soll man zB das Geldsystem, also die Kreditvergabe aus Fiat Geld wie soll man die verstaatlichen wenn es keinen Staat gibt? Dieser Schritt wäre meiner Meinung nach dringend notwendig damit eben die Gewinne durch die Zinsen, die ja dem Geld das im Umlauf der Menschen ist, entzogen werden, dann als Staatseinnahmen sofort wieder in Umlauf gebracht werden können in Form von zB Sozialhilfe, Rente oder Infrastruktur. In dem aktuellem System wird dieser Gewinn ja von Privaten abgeschöpft die sich damit dann Eigentum anschaffen das wiederum der Bevölkerung weggenommen werden muss(wenn sie überhaupt investieren und nicht auf ihren Reichtum hocken bleiben). Und so geht es weiter zB mit Firmen die Monopolstellung haben oder haben sollten, zB Post, Bahn, oder Telekom oder Autobahn Betreiber. Auch diese Firmen sollten verstaatlicht werden natürlich nur in einem wirklich demokratisch sozialen Staat und auch diese Einnahmen sollten wieder in Form von Staatsausgaben dem Volk zugeführt werden. Die Gehälter der Beamten sollte aber durch eine Volksabstimmung festgelegt werden, schließlich ist das Volk der Boss.
    Und da sollte so mancher Linke über eine Forderung nach der Auflösung von Deutschland nachdenken.
    Jedenfalls würde ich es sehr gut finden wenn der sehr geehrte Herr Mies und seine Mitstreiter auch noch ein Buch mit Lösungsvorschläge oder Ideen herausbringen würden, aber möglicherweise ist das auch nicht seine Aufgabe nur finde ich ist das eine sehr gute Beschreibung und Analyse der Ist Situation und auch eine Ansage wo man hin will und das ist eine Form der Verwaltung die vor allem die Natur und den Planeten erhält und dann auch den Menschen dient. Und jetzt muss daran gearbeitet werden das wir dort hin kommen. Auf den Crash hoffen und danach alles neu machen, das ist keine gute Idee, wir wissen FEMA Camps, Kriege und Chaos. Wichtig wäre es dass sich Menschen finden ich nehmen jetzt nur Sahra Wagenknecht als beliebiges Beispiel die eben ein politisches Netzwerk und Anerkennung haben sich aber auch in dieser Analyse und auch in dem Ziel wiederfinden und alles dafür tun mit Mitstreitern natürlich um eben dort hinzukommen. Der Gegner, ich nenne die Herrschenden mal so hat die Parteien, die Medien und die Justiz und Polizei hinter sich, darum wäre es meiner Meinung wichtig das sich sehr viele anerkannte Menschen dieser Umstrukturierung anschließen mal unabhängig davon ob sie glauben das sie links oder rechts sind, grün oder rot. Wichtig ist das sie die Ist Situation und deren Probleme klar auch so sehen und das Ziel auch klar anerkannt wird. Vernünftige Menschen müssten das unterstützen auch wenn sie auf persönliche Gewinne zB durch Wertpapiere oder Geldanlagen verzichten müssten, weil es einfach keine andere Lösung gibt die wir uns wünschen das gilt eigentlich auch für die Reichen und Herrschenden, das was sie anbieten ist ja dumm und schlecht auch für sie.

  7. Was ich wirklich sehr gut an den Aussagen finde, ist, das zugegeben wird, dass wir uns einem Epochenbruch nähern bzw. mittendrin sind. Wenn eins jetzt einmal die Scheuklappen der Universalgeschichte Bürgerlicher Ungesellschaftlichkeit für einen Moment bei Seite legte, könnte man – ohne die Alten je wirklich zu verstehen – sehen, dass menschliche Sozialbeziehungen zu anderen Zeiten völlig anders waren und beispielsweise die religiöse Formation mal locker 6000 Jahre menschlichen Überlebens bewirkt hat. Was die Wildbeuter zuvor angeht, von denen wir noch weniger verstehen, wenn wir sie denn einmal nicht als „Feuersteinindustrie“ zwangsweise eingemeinden, haben wir es sicher mit noch viel längerer Zeit zu tun.
    Ich teile den Pessimismus hinsichtlich des angeblich fehlenden „qualifizierten“ Personals nicht. Das ist schon wieder das Verhaftet-sein in den aktuell gültigen Kategorien von Entwicklung und Ableitungslogik. Spannender ist, dass bisher beim Zusammenbruch einer Epoche – bzgl. der religiösen Formation, die in Europa und gleichzeitig Japan im 16. Jahrhundert ihr Glücksversprechen, ihre Glaubwürdigkeit und damit auch ihre Praktikabilität für das alltägliche Leben verlor ist das recht nachvollziehbar zu sehen – eine Kontingenz des bis dato „un-erhörten“ in jeglicher Bedeutung dieses Begriffs gegeben war und sich schließlich ganz zufällig eine der vielen Möglichkeiten ins Werden kam.
    Ich persönlich würde mir wünschen, dass die nächste Formation nicht fetisch-basiert ist (Geister, Götter, Wert, Naturwissenschaft), sondern sich bewusst bleibt, dass die sozialen Beziehungen zu gestalten und damit auch die Sicht auf die Dinge jenseits der Leute, wie insbesondere „die Natur“, die wohl ganz besondere Fähigkeit der menschlicher Leute ist, die sie nicht sogleich an etwas Drittes (wiederum Geister, Götter, Wert, Wissenschaft) etc. pp.) fremdes und außerhalb menschlicher Sozialität Gültiges wieder abtreten sollten.
    Dann wäre die „Welt“ endlich so ausgesprochen und bewusst menschlich, wie sie seit ehedem gewesen ist, auch wenn die Leute das „notwendig Unvollständige“ ihrer Welterklärung tabuisiert haben (was ich ihnen nicht zu Last lege).
    Das Gegenwärtige fällt und bricht in sich zusammen, was jetzt nicht esoterisch gemeint ist, sondern klar empirisch. Wie bei anderen Epochenbrüchen zuvor, kann eins sich nur aus dem bis dato Gültigen herausbewegen und im wahrsten Sinne des Wortes ex-zentrisch werden. Wie hieß es bei den „Bremer Stadtmusikanten“: … etwas Besseres als den Tod findest du dort in jedem Fall“.
    Da könnte ich noch anknüpfen, aber es würde eher zu lang.

  8. Ich bin mit dem ersten Statement schon nicht einverstanden: Wir – wer das auch immer sein mag – leben in einer (…) durch Propagandalügen am Leben gehalten wird….
    Ja, das stimmt insofern nicht, als dass die meisten Leute zwar einige wenige Schlagzeilen der Bild usw. lesen, meistens jedoch nicht mal mehr das. Sie lesen eher Newsflash auf dem Mailanbieter oder aber facebook. Da sind die Nachrichten dann schon etwas vielseitiger, wenn auch nicht verlässlicher. Aber der springende Punkt ist, dass sich hier wieder ein kritischer Autor hervortut, der das Hauptaugenmerk auf den richtete, der angeblich macht – anstatt auf die Masse, die es mit sich machen lässt… und da stimmt für mich schon der ganze Ansatz, die Denkgrundlage nicht.

    Wir können den Lügner nicht aufrütteln, denn der Lügner, der Staat und seine Organe, verdankt ja seine Existenz der Lüge. Ohne Lüge würde es gar nicht das Bedürfniss nach dem Staat geben – aber nicht, wie es Verfechter staatlicher Ordnung gerne hätten: Weil der Mensch lügt, braucht er einen Staat, damit der Staat die Gesellschaft zusammen hält – sondern andersherum: Der Staat ist eine Interessenorganisation der Herrschenden und Reichen, die nur durch Lüge aufrecht gehalten werden kann. Insofern gehe ich mit dem Autor inhaltlich konform – ABER

    Ein solcher Artikel kann unendlich mal so oft publiziert werden, er ändert nichts.

    Die Schlagzeile darf nicht sein: Mörder, du mordest, hör bitte auf damit, sonst wählen wir dich nächste Wahl ab, du, du, du!

    Sondern die Schlagzeile muss heißen: DU! musst dein ganzes Leben erneuern, weil nichts von dem, was du bis jetzt gemacht hast, dir und deinem Selbst entspricht, sondern den ungerechten Ansprüchen der Reichen an deiner Arbeitskraft.
    Und dann muss man nicht die Betrüger angehen, sondern die Betrogenen erziehen, sodass sie Betrug erkennen und unschädlich machen, statt irgendwas von „Polizei, dein Freund und Helfer“ zu sabbeln.
    Also die ganze Stoßrichtung der „Friedensbewegung“ ist Anti-Medien, bzw. Anti-Establishment – es ist ja nicht so, dass die Friedensbewegung anarchistisch wäre oder sonst irgendein Konzept verfolgen würde – sie ist leider nur „kritisch“.
    Das Problem dabei ist, ist, dass die dabei geäußerte Kritik niemandem etwas sagt.
    Man fühlt sich danach scheiße, aber immer noch ohnmächtig.
    Diese sogenannte „Friedensbewegung“ bietet keine Konzepte der Selbstbefreiung und Emanzipation an. Sie lässt mal hie und dort durchschimmern den oder die richtige zu wählen, aber weil wir schon groß sind, können wir ja nur uns wählen, wenn wir uns nicht lächerlich machen wollen, vor unserem eigenen Gewissen.
    Die Friedensbewegung schreibt immer wieder von der Verknüpfung Kapitalismus und Krieg, aber wirtschaftliche Mittel, außer einen halbherzigen Boykott der kleinen und mittleren Unternehmen in bspw. Israel setzt sie nicht nennenswert ein. Sie hat – und das ist erstaunlich naiv – auch keine Zukunftsvorstellung, was die Wirtschaft anbelangt. Mit marxistisch-akademischer Einfallsosigkeit steckt sie dogmatisch den Kopf in den Sand und versucht sich nicht die Finger mit Fehltritten dreckig zu machen. Das Resultat: Die Unternehmer und die Öko-Eliten bilden sich als Avantgarde und „Friedensbewegungs-Aristokratie“ heraus und die Bewegung wird durch solche Zentralisierungsprozesse in Grabenkämpfe gespalten und wieder einmal in kurzer Zeit zerstört werden. Das ist alles absehbar, weil das ja auch nach 68′ immer wieder passiert. Mutierende Produkte solcher Spaltungsvorgänge sind übrigens nicht nur beknackte Veganer, sondern auch diese Adorno-Sekte und die Kommunistennazis um diesen Typen von Compact. Also im Grunde kommen sie alle aus den sozialen Bewegungen von vor ein paar Generationen, sogar die Unternehmer heute teilweise, hatten dort ihre Jugend verlebt.
    Das interessante ist, dass sie immer noch keinen Plan haben, weil es eine vergeistigte Bewegung war.
    Das Bedürfniss zu essen und zu Arbeiten kannten die Hippies nicht, weil die immer dauerbreit irgendwelche intellektuelle Kacke gelsen haben.
    Deswegen sehe ich keinen anderen Weg, als den bereits durch die Arbeiterbewegung des Anarcho-Syndikalismus angedeutete wirtschaftliche Umstellung des Planeten, in der auch ökologische Belange zwangsweise ihren Platz finden müssen, aber eben nicht wie bei den Hippies als Selbstzweck. Wenn politische Ziele zum Selbstzweck verkommen, und nicht merh das menschliche Wohl im Fokus steht, dann passiert es ganz schnell, dass eine Diktatur draus wird, bzw. dass man kein Interesse erweckt. Und das passiert in Deutschland seit Jahrzehnten – es gab hier noch keine Revolution, die das Große Ganze konstruktiv geändert hätte – man hat immer nur halbherzige Sachen gemacht und die mussten dann Anleihen im Bestehenden machen – und sind dann genau dort hin wieder zurück gefallen.
    Man muss sich mal woanders hin orientieren: Zum Beipiel Spanien 1936, da gibt es viele gute Autoren zu dem Thema, auch gute Anti-Marxistische Nicht-Hegel-Fanatiker, wie Augustin Souchy, Rudolf Rocker, Abel Paz, Antiono Tellez, uvm.
    Ich denke wie dem FAUST ein paar Wesenszüge des DON JUAN gefhelt haben und umgekehrt, so kann es den Deutschen helfen, mal etwas in Sachen Revolution dazuzulernen, und zwar von den Syndikalisten Frankreichs und Spaniens, die die erste Revolution in der Geschichte gemacht haben, die das Geld abgeschafft hat und die den Kapitalismus wirklich duch eine kollektive Bedarfswirtschaft ohne Hierarchien ersetzen konnte.
    Nun ja… bis die Legion Kondor und andere Mächte sie zusammenschossen. Aber immer hin… an die Kämpfer und Kämpferinnen u.a. für die Gleichberechtigung der Frau (Mit der Waffe in der Hand!) erinnert man sih heute… an Sklaven auf dem Friedhof erinnert man sich nicht mehr… da kommt nach 15 Jahren der Stein weg… und dann war es das… dann hat da einer 80 Jahre gehorcht und dann ist er kreppiert ohne wirklich sein Leben gelebt zu haben oder tiefere Einsichten erlangt zu haben… einfach in der kapitalistischen Maschine verpufft… Tja. Kann man sich aussuchen.

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