Der Westen muss Weißrussland um Verzeihung bitten!

Ein Kommentar von Peter Haisenko.

Nachdem der Funkverkehr zwischen der Ryan-Air und der Flugkontrolle von Weißrussland veröffentlicht worden ist, steht außer Zweifel, dass dieser Flug in keiner Weise zur Landung in Minsk genötigt worden ist. Dennoch gibt es keinen Ansatz im Westen, seine Haltung zu korrigieren.

Nach den massiven Anschuldigungen gegen Weißrussland, hat man in Minsk das einzige getan, was einem zu unrecht Beschuldigten übrig bleibt. Sie haben Beweise vorgelegt, die die Anschuldigungen komplett widerlegen. Aus den Aufzeichnungen des Funkverkehrs geht unzweideutig hervor, dass die Landung in Minsk die freie Entscheidung des Kapitäns war. Es gab eine Empfehlung der Kontrolle in Minsk, dortselbst zu landen. Das hat noch einen Aspekt. Mit dieser Empfehlung kamen sie dem Kapitän zu Hilfe, denn sie enthielt die uneingeschränkte Erlaubnis, überhaupt in Minsk landen zu dürfen. So haben sie dem Kapitän völlige Entscheidungsfreiheit gewährt, das zu tun, was er in seiner Notsituation für richtig hält. Diese Empfehlung war ein Akt der Nothilfe, wie es international üblich ist.

Zunächst muss bewertet werden, wie schnell der Westen Weißrussland beschuldigt und sofort sanktioniert hat. Das geschah binnen Stunden und erinnert an MH-17. Niemand hat mahnend eingegriffen, erst einmal abzuwarten, was Untersuchungsergebnisse über den tatsächlichen Ablauf zu Tage fördern werden. Da wurde Lynchjustiz praktiziert, die sich nicht um Fakten schert. Das sind wir mittlerweile gewohnt, wenn es gegen Russland oder Weißrussland geht. Diesmal war es aber noch schlimmer. Der Westen, die NATO, wusste von Anfang an, wie der Ablauf wirklich war. Sie haben vorsätzlich gelogen. Der Punkt hier ist, dass dieser jetzt veröffentlichte Funkverkehr mit Sicherheit von den AWACS-Flugzeugen an der europäischen Ostgrenze aufgezeichnet worden ist. Eine einfache Anfrage aus Brüssel hätte sofort Klarheit bringen können. Ebenso hätte die NATO sofort Brüssel warnen müssen, ob der „Fehleinschätzung“, wenn es dort um verantwortungsvolles Handeln ginge.

Der Ryan-Air-Kapitän hat sich nicht auf eine Landung in Vilnius vorbereitet

Allein die Tatsache, wie schnell die Reaktionen aus Brüssel kamen, deutet darauf hin, dass man auf diesen Vorgang vorbereitet war. Es gibt weitere Indizien, dass dieser Coup geplant abgelaufen ist und der Kapitän der Ryan-Air eingeweiht, Teil der Aktion, war. Es geht los damit, dass die Bombenwarnung beinahe punktgenau ausgerechnet über Weißrussland zugestellt worden ist. Von einer nicht identifizierten Quelle, scheinbar aus der Schweiz. Ungewöhnlich auch, wenn einer unidentifizierten Warnung das Etikett „red“ angehängt wird, also sehr ernst zu nehmen, wie dem Funkverkehr zu entnehmen ist. Warum sage ich nur „beinahe“ punktgenau? Sie kam zu spät. Ob das an schlechter Planung lag oder verzögerter Übermittlung durch die Minsker Kontrolle, weiß ich nicht.

Fakt ist nämlich, dass der Ryan-Air-Kapitän gar nicht auf eine Landung in Vilnius vorbereitet war. Er war zu hoch, hatte seinen Sinkflug auf Vilnius noch nicht eingeleitet. Dazu sollte man wissen, dass ein Landeanflug mit einem Jet sorgfältig geplant werden muss. Man muss rechtzeitig den Sinkflug einleiten, denn Jets gleiten wie ein Segelflugzeug und wenn man zu hoch anfliegt, zu spät mit dem Sinkflug beginnt, vergeudet man nicht nur Sprit, sondern muss seine Passagiere mit drastischen Aktionen wie dem Einsatz der Luftbremse ängstigen. So gilt generell, lieber etwas zu früh mit dem Sinkflug beginnen, als zu spät. Die Ryan-Air war noch 90 Kilometer von Vilnius entfernt, als die Bombenmeldung kam und flog immer noch in Flugfläche 390, also etwa 13 Kilometer Höhe. Aus dieser Höhe sollte man den Sinkflug aber spätestens 150 Kilometer vor Erreichen des Zielflughafens beginnen. Die Ryan-Air hatte bis dahin noch nicht einmal um Freigabe für den Sinkflug angefragt. Das taten sie erst, nachdem sie den Anflug auf Minsk angefordert hatten. So darf vermutet werden, dass die Ryan-Air auf die Bombenwarnung gewartet hat, ehe sie ihren Sinkflug einleitet. Bemerkenswert auch, dass, wie im Funkverkehr bestätigt, die Crew der Ryan-Air die Wetterfrequenz von Minsk parat hatte.

Weiterhin muss dem Fachmann zu denken geben, dass der Kapitän nicht erkannt haben will, welch Unsinn der Zusatz zur Bombenwarnung ist, die Bombe würde über Vilnius gezündet. Wie soll das funktionieren? Und wenn es ein Baro-Zünder wäre, eine Zündvorrichtung, die auf steigenden Druck bei der Landung reagiert, würde der bei jeder Landung hochgehen. Egal ob Vilnius oder Minsk. Zudem wäre ein solcher Zünder technisch einigermaßen aufwendig und würde leicht vor Abflug entdeckt. Für den Kapitän kann es keinen nachvollziehbaren Grund geben, sein Flugzeug nach Minsk umzuleiten. Es sei denn, er war Teil des Plans. Dazu muss die Frage aufkommen, warum es keine Interviews mit der Cockpitcrew der Ryan-Air gibt. Die können doch ganz klar sagen, was abgelaufen ist.

Die ganze Aktion war sorgfältig geplant

Die Ryan-Air hat nach kurzer Überlegung und offensichtlich in Absprache mit seiner internen Leitstelle Luftnotlage erklärt und eine Landung in Minsk gefordert. Es dauerte dann noch elf Minuten, bis die weißrussische Mig 29 zur international üblichen Begleitung überhaupt aufgestiegen ist. Es kann also keine Rede davon sein, dass die Ryan-Air mit einem Kampfflugzeug bedroht und zur Landung gezwungen worden sei. Aber auch das wussten die AWACS der NATO und folglich auch Brüssel. Fest steht also, dass auch bei diesem Detail wissentlich gelogen wird.

Die AWACS-Wächter haben sicherlich auch die Kommunikation der Ryan-Air mit ihrem Operator in Vilnius aufgezeichnet, hüllen sich aber auch darüber in Schweigen. Diese Kommunikation wäre aber der interessanteste Teil. Was hat die Bodenstation der Ryan-Air ihrem Flug mitgeteilt? Welche Gefahrenanalyse und welche Ratschläge sind von dort gekommen? Das weiß nur die NATO, Weißrussland hat diese Kommunikation nicht aufgezeichnet.

Es gibt noch weitere Umstände, die mich zu dem Schluss veranlassen, dass diese ganze Aktion sorgfältig geplant war. Erinnern wir uns doch an Roosevelt:

„In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, können Sie sicher sein, dass es genau so geplant war.“

Und der große Plan ist, die Regierungen von Russland und Weißrussland zu stürzen. Wie Frankreichs Macron neulich festgestellt hat, sind die Sanktionen gegen Russland gescheitert. Da müssen also neue Methoden angewendet werden. Wen wundert es da, wenn im Westen sofort gesagt wurde, dass natürlich Putin hinter der Aktion mit der Ryan-Air steht. Weißrussland selbst ist mit Sanktionen kaum zu beeindrucken, aber wenn jetzt der gesamte europäische Luftraum für die weißrussische Belavia gesperrt ist, ist das eine andere Sache. Alle Wege Richtung Westen sind versperrt. Auch zu Urlaubsgebieten. Das soll wohl den Zorn der Bürger auf Lukaschenko hervorrufen. Es fehlen auch Devisen aus Einnahmen für Überflüge über Weißrussland, weil es nicht mehr überflogen werden darf.

Unvoreingenommen betrachtet, könnte die Ausweichlandung in Minsk als ein eher normaler Vorgang bewertet werden. Dummerweise war ein in Minsk zur Fahndung ausgeschriebener Mann an Bord und der wurde verhaftet. Auch das ist eher als normal zu sehen. Auch in Deutschland finden Verhaftungen am Flughafen statt, wenn jemand erkannt wird, der auf der Fahndungsliste steht. Jedes Jahr Hunderte, die entweder so dumm sind zu vergessen, dass sie gesucht werden, oder auch mal Opfer einer unplanmäßigen Landung werden. Da wird dann die Effizienz der Behörden gelobt. Aber in den Augen der West-Regierungen, der Haltungsjournalisten, ist ja jeder ein Unantastbarer, fast ein Heiliger, der sofort aus dem Gefängnis entlassen werden muss, wenn er nur laut genug gegen Putin oder Lukaschenko agitiert.

Wird man in den Regierungsmedien jemals den Funkverkehr veröffentlichen?

Nachdem mit der Veröffentlichung des Funkverkehrs unzweifelhaft bewiesen ist, dass es weder Nötigung noch eine Entführung der Ryan-Air gab, müssen der Westen, Brüssel, Maas und Merkel Weißrussland um Verzeihung bitten und alle Sanktionen sofort aufgehoben werden. Entschädigung ist fällig. Finanziell und für den Imageschaden. Kann sich jemand vorstellen, dass das geschieht? Jedenfalls nicht, solange die Haltungsjournalisten in den Monopolmedien weiterhin die Wahrheit verleugnen. Wird man in den Regierungsmedien jemals den Funkverkehr veröffentlichen? Nein, so naiv bin ich nicht. Da wird eher wieder „Bellingcat“ oder „Correctiv“ zitiert, die mit ihren konstruierten „Recherchen“ für ARD & Co. die Quelle der Wahrheit sind.

So wird auch mit dieser perfide geplanten Aktion die Welt näher an den großen Krieg mit Russland geführt. Und es wird natürlich ein „gerechter Krieg“ sein, der nur das Ziel hat, den armen unterdrückten Menschen im Osten Demokratie und Freiheit zu bringen. Darum aber haben sie nicht gebeten, jedenfalls nicht die Mehrheit und schon gar nicht darum, unter Krieg und Bombardements zu leiden. Lukaschenko muss man nicht mögen. Aber dieser Lukaschenko ist gewählter Präsident des friedlichsten Landes Europas mit Ausgaben für sein Militär, die unter denen von Österreich oder Belgien liegen. Seine wiederholten Wiederwahlen zeigen, dass er für die Mehrheit der Weißrussen die Politik macht, die diese wünscht. So, wie Putin für Russland. Sollte das nicht der Sinn von Demokratie sein?

Warum kann man diese Länder nicht einfach in Ruhe lassen? Warum lässt man es zu, dass mit viel Geld dort Unzufriedenheit und Aufruhr geschürt werden? Ach ja, da gibt es einen Staat jenseits des Atlantiks, der das Ziel „full spectrum dominance“ als Staatsräson hat. Also Dominanz auf allen Ebenen. Da darf es niemanden geben, der sich dem nicht unterwerfen will. Und nein, das Böse hat seine Heimat nicht in Moskau oder Minsk, es ist zuhause in London und Washington.

Weißrussland und Russland haben seit 40 Jahren keinen Krieg begonnen. Russland wurde von Syrien zu Hilfe gerufen, gegen eingeschleuste Terroristen und Waffen. Eingeschleust von denjenigen, die während desselben Zeitraums dutzende Kriege vom Zaun gebrochen und Millionen Menschen ins Elend gestürzt haben, für die Verträge nur überflüssiges Papier sind. So weiß wenigstens ich, wessen Freund ich sein will und wem ich eher vertrauen kann. Vergessen wir nicht: Wer einmal lügt … siehe Tonkin, Irak, …

Machen Sie sich doch selbst ein Bild und sehen sich die Niederschrift des Funkverkehrs an.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Dieser Beitrag erschien am 27. Mai 2021 bei anderweltonline.com

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Bildquelle: Piotr Mitelski / shutterstock

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19 Kommentare zu: “Der Westen muss Weißrussland um Verzeihung bitten!

  1. Carsten Leimert sagt:

    Was auch merkwürdig ist:

    4. Wenn die Email den Flughafen erst erreichte, nachdem dieser dem Flugzeug Bescheid gab, dann hätte der Geheimdienst lauter Flughafenmitarbeiter einweihen müssen und ihnen den Befehl geben müssen, mitzuspielen. Normalerweise (üblicherweise) würde ein Geheimdienst darauf achten, dass es nicht lauter Mitwisser bei einer solchen Geschichte gibt.

    5. Angeblich kam die besagte Email zu spät an. Wenn aber diese von Proton verschlüsselt war und man ihren Inhalt nicht sehen konnte, dann konnte man auch nicht sehen, dass diese Email die besagte Email war.

  2. passant sagt:

    Bei der Auswahl ihrer zu verteidigenden Schützlinge hat die Bundesregierung aber auch wirklich ein unglückliches Händchen.
    Der Einsatz für Menschen, die mit rassistischen Äußerungen (Navalny) und wahrscheinlich guten Kontakten zum extremistischen, ukrainischen Asow Bataillon (Protasewitsch), auffällig geworden sind, könnte Anlaß zur Sorge geben, dass die Regierung auf dem rechten Auge blind ist. Wo sonst zu recht peinlich genau darauf geachtet wird ob irgendwelche rassistischen oder antisemitischen Ressentiments bedient werden, ist dies in diesen Fällen unterblieben. Gezielt die Menschenrechte für die einen einfordern und bei anderen (Julian Assange, Edgar Snowden) unterlassen untergräbt die eigene Glaubwürdigkeit.

  3. Hartensteiner sagt:

    Von allen Überlegungen überzeugt mich die von Haisenko am meisten, weil damit alle Puzzlestücke zusammen passen, die man bei diesem Thema beibringen kann. Selbst wenn es nicht so passiert wäre, passen die Puzzlestücke immer noch. Und das ist schon mal was.

    • Bruno Gamser sagt:

      Lieber hartensteiner, Dein Kommentar zusammengefasst:

      Selbst wenn es Lügen und kompletter Unsinn wäre, überzeugen Dich diese Überlegungen am meisten.

      Bei solchen Kommentaren passen wirklich einige Puzzlestücke perfekt zusammen und Zusammenhänge werden sichtbar.

  4. Carsten Leimert sagt:

    Böse Verschwörungstheoretiker würden übrigens behaupten, dass es (geopolitisch/schachmäßig) angeblich gar nicht um Weißrussland, sondern um Russland geht. Wenn man nämlich Weißrussland zu einer verbotenen Zone erklärt, dann wäre Russland von Europa verkehrsmäßig und damit wirtschaftlich abgeschnitten, wobei ich nicht sage, dass das auch tatsächlich so ist (ich enthalte mich da, soll jeder selbst entscheiden, was stimmt). Wenn Putin schlau ist, dann sagt er Lukaschenko, dass er den Blogger gehen lassen soll.

    Komisch finde ich übrigens, dass nach westlichen Medienberichten die weißrussischen Behörden ihn angeblich gefoltert (geschlagen) haben sollen, jedoch andererseits zugleich (angeblich) zulassen haben, dass Fotos von schlecht überschminkten blauen Flecken nach außen gelangen. Sehr merkwürdig alles.

    • wolfcgn sagt:

      ….ich stimme zu, ich bin so frei: wenn es denn so wichtig ist, den freiheitsliebenden Blogger Protasewitsch zu befreien, dann könnte der freie Westen doch ASSANGES Freilassung als Gegenleistung anbieten.

  5. Die Echse sagt:

    Der Artikel ist definitiv zu einseitig. Zum einen gibt es keinen Grund, zu vermuten, der Pilot sei eingeweiht gewesen.

    Versetzen Sie sich mal in die Lage des Piloten. Von der Flugleitstelle Minsk kommt die Warnung "Code Red" – absoluter Notfall, Gefahr im Verzug. Als Pilot haben Sie Verantwortung nicht nur für sich, sondern für alle Passagiere an Bord. Selbst wenn nur der mindeste Zweifel bliebe, dass die Leitstelle Recht hätte – und warum sollte sie lügen – muss der Pilot handeln. Dass er den Sinkflug auf Vilnius nicht einleitet, wenn ihm gesagt wird, dass die Bombe bei der Landung in Vilnius explodieren soll, ist doch absolut nachvollziehbar. Wer hier hätte an seiner Stelle anders gehandelt und das Risiko der Landung in Vilnius auf sich genommen und vielleicht den Tod von fast 180 Menschen einschließlich seines eigenen?

    Zweitens ist – und das wird hier nicht erwähnt – der Zeitrahmen nicht schlüssig. Die Mail, die die Minsker Flugverwaltung angeblich zugespielt wurde, trug laut Provider den Zeitstempel von 12:57 Uhr – zehn MInuten NACHDEM das Flugzeug bereits nach Minsk abgedreht war. Die angebliche Drohung durch die Hamas, die EU solle Israel zu einem Waffenstillstand bewegen, macht keinen Sinn, da der Waffenstillstand bereits vor zwei Tagen vereinbart wurde. Und eine Bombe wurde auch tatsächlich nicht gefunden. Selbst wenn man annimmt, dass diese Mail von der NATO fingiert wurde, hätte der weißrussischen Leitstelle auffallen müssen, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

    Und drittens überrascht mich die Einlassung des Autors, "dummerweise" sei halt ein zur Fahndung ausgeschriebener Mann an Bord gewesen, den habe man halt nebenbei mitgenommen. Dieser Mann war ein Oppositioneller, der regelmäßig gegen Lukaschenko gewettert hat, Lukaschenko hatte also auch ein persönliches Interesse daran, ihn zu verhaften, immerhin wurde dieser Mann extra zur Fahndung ausgeschrieben.

    Klar könnte man sich hier auf Zufall berufen. Aber der Autor schreibt selbst kurz zuvor wörtlich: "In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, können Sie sicher sein, dass es genau so geplant war." Und hier fällt Lukaschenko dieser Mann rein zufällig vor die Nase? Das ist dann doch ein bisschen zuviel. Wenn Edward Snowden bei einer Zwischenlandung "rein zufällig" den Behörden in die Hände fiele, würde doch auch niemand hier an Zufall glauben.

    Eine nüchtern-kritische Betrachtung der Medien und auch des Westens insgesamt ist ja wünschenswert, aber das wünsche ich mir ganz generell, egal ob es um Russland, Weißrussland, die USA oder die EU geht. Wenn ich die Geschichte umgekehrt der EU oder der USA nicht einen Moment abnehmen würde, sollte ich auch bei Weißrussland kritische Fragen stellen. Sonst bin ich genauso einseitig wie die, die ich kritisiere.

    • TKCB_Cranberry_ sagt:

      stimme ich zu. Der Artikel hat klassische Zutaten einer Verschwörungstheorie (Nichts ist, wie es scheint. Alles ist geplant worden. Und alles ist miteinander verbunden), aber widerspricht sich dann noch selbst mit der zufälligen Verhaftung des Regimekritikers. Dass Kenfm russlandfreundlich schreibt, ist schon länger bekannt.

      Lukaschenko behauptet, das Flugzeug wurde aufgrund einer Bombendrohung von Hamas zur Landung aufgefordert. Es gibt Videos von Passagieren aus dem Flugzeug, in der man sieht, dass nach der Landung die Maschine von außen seelenruhig inspiziert wurde und die Passagiere warten mussten (https://www.youtube.com/watch?v=qG2hCoCi4Zw). Bei einer Bombendrohung sollte aber doch die Passagiere schnellstmöglich aus dem Flugzeug befördert werden. Eine Bombe wurde auch nicht gefunden. Hamas dementiert eine Bombendrohung als "absurd".

      "Aber dieser Lukaschenko ist gewählter Präsident des friedlichsten Landes Europas mit Ausgaben für sein Militär, die unter denen von Österreich oder Belgien liegen. Seine wiederholten Wiederwahlen zeigen, dass er für die Mehrheit der Weißrussen die Politik macht, die diese wünscht. So, wie Putin für Russland. Sollte das nicht der Sinn von Demokratie sein?"

      Das ist aber sehr unkritisch geschrieben. Warum gab es dann so viele Demonstrationen in dem Land, die einen Wahlbetrug witterten (Verschwörungstheorie von Lukaschenko: Gesteuert aus dem Westen)? Warum werden Regimekritiker eingesperrt? Friedlichstes Land Europas?

    • Bruno Gamser sagt:

      Bekam der Schreibende den Check von RT im voraus oder erst nach der Veröffentlichung?

      Wer in Weissrussland faire Wahlen und Frieden sieht und in Deutschland eine Diktatur, der hat eines Erachtens von Demokratie keine Ahnung.

      Wer schreibt so etwas, ohne dafür von jemanden Geld zu kriegen?

  6. RegistrierenZumKommentieren sagt:

    Die im Artikel genannten Informationen (Flughöhe, zeitliche Einordnung etc.), werden übrigens auch in der normalen Presse erwähnt und behandelt. Keine Verschleierung, wie in den Kommentaren vermutet wird.
    Siehe z.B. «Tun Sie das nicht, man wird mich töten» in der NZZ.
    Sie werden eben nur anders interpretiert / eingeordnet. Über die Einordnung lässt sich immer und gerne diskutieren.

    Desweiteren möchte ich, ganz freundlich und diplomatisch, anmerken, dass der Beitrag extrem einseitig ist. Viele Fakten werden tatsächlich ausgelassen und oder nicht ausführlich betrachtet. Wenn die Beiträge auf KenFM der "normalen" Presse Konkurrenz machen sollen, gelingt das nur über fachliche Analysen, die denen der öffentlich-rechtlichen überlegen sind. Wer der Presse einseitige Berichterstattung vorwirft, kann dieser nicht mit einseitiger Berichterstattung entgegenwirken.

  7. passant sagt:

    Wichtig bei der eingeübten Hysterie der westlichen Wertegemeinschaft ist, dass die Vorwürfe über tatsächliche oder eingebildete Verfehlungen immer in östliche Richtung gehen. Hinter diesen Vorwürfen läßt es sich dann gut verstecken, wenn man es mit den eigenen Vergehen nicht so genau nimmt. Problematisch wird es, wenn an allen Ecken und Enden das eigene Unrecht hervorlugt und es nicht mehr durch das Auftürmen von Vorwürfen an immer die gleichen Adressen verdeckt werden kann. Wer soll einen dann noch ernst nehmen?

  8. AndreyMarchenko sagt:

    Nach der Diskussion mit Feunden aus Belarus ist hier eine Meinung dazu. Passt alles bis zu einem Punkt, der mich vom "westlichen" Szenario abgelenkt hat: eine zwei Tage Pause in der Reaktion von Ryanair (twitter-Meldung ist Schmarn).

    Sanktionen und Bedrohungen ist die automatisch getriegerte Maschine. Dann aber keine offizielle Reaktion mit Erklärung von Ryanair, keine Video/Foto von Mig29, Panik im Flugzeug, kein Bild und Ton wie es gewöhnlich erwartet wäre.
    Grund ist einfach: weder NATO noch GRU wussten über die Aktion. Weil beide kein Profit davon haben. Von Belarus wurde das auch nicht organisiert, weil sonst eine Bombe gefunden wäre. Die Reaktion von Lukaschenko bestätigt das.

    Hintergrundinformation: um Flughafen Minsk herum wurde in letzten 10 Jahren von Chinesen eine riesen Stadt für Transport und Logistik gebaut. Ein wichtiger Teil der Seidenstrasse. Fehlt nur Flughafen, der einzige der Art in der Republik, und wird nicht verkauft.
    Mit Sanktionen wird die Infrastruktur und Flugflote pleite gehen. So kostet der Flughafen den Chinesen fast nichts.

    Einzelne Details, wie z.b. Email vom protonmail Server, chat logs von Protasevich, Reaktionen der Regierungen deuten darauf hin, dass es die Chinesen in dem Fall waren.

  9. Carsten Leimert sagt:

    1. Was mich an der Sache wundert, ist, dass jemand, der weiß, dass er auf der Liste von Machthabern eines Landes ganz weit oben steht und diese als gefährliche Diktatoren ansieht, trotzdem es wagt, deren Hoheitsgebiet mit einem Flugzeug zu überfliegen. Ein normaler Mensch wäre nicht so waghalsig. Sehr merkwürdig alles.

    2. Viele der westlichen Machthaber wollen nun angesichts dieser unschönen Geschichte den Flugverkehr zu Weißrussland sperren, d.h. sie wollen Millionen unschuldige westliche und weißrussische Bürger, die für diese Geschichte nichts können, bestrafen und insoweit ihre Grundrechte und Menschenrechte verletzen.

    3. Leider haben die Menschen heutzutage in Russland und anderswo mehr Freiheiten und Menschenrechte als in Deutschland, wo ein extrem strenges Coronaregime herrscht, das viele Grundrechte meiner Rechtsauffassung nach verletzt, weil insbesondere die Lockdowns nicht notwendig und unverhältnismäßig sind, da es nicht mehr Grippekranke und Grippetote (inklusive Corona) und nicht mehr Grippepatienten (inklusive Coronapatieenten) in Krankenhäusern gibt.

    4. Seit Jahrzehnten warten in Deutschland 500.000 Menschen (Wohnungslose) darauf, dass ihr Grundrecht und Menschenrecht auf eine winzige 1-Zimmerwohnung erfüllt wird.

    5. In Deutschland beobachtet die Geheimpolizei (Verfassungsschutz) u.a. die Querdenker, die sich für die Verfassung einschließlich für die Grundrechte einsetzen anstatt zum Beispiel diejenigen, die verfassungswidrige Coronamaßnahmen verhängen oder seit Jahrzehnten den Wohnungslosen eine Wohnung und damit ihr diesbezügliches Grundrecht vorenthalten oder diejenigen, die unser Grundrecht, nach Weißrussland zu reisen, verletzen wollen, zu beobachten.

  10. Volker Birk sagt:

    Die Darstellung im Artikel trifft zu. Beispielsweise hier kann man das leicht selbst nachprüfen:

    https://de.flightaware.com/live/flight/RYR1TZ/history/20210523/0731Z/LGAV/UMMS

    Das Höhenprofil befindet sich unter der Karte. Einfach selber schauen: erst drehten die Piloten nach Minsk ab, danach haben sie den Sinkflug eingeleitet. Sie hatten also auch vor der Bombendrohung nicht vor, in Vilnius zu landen.

  11. Nevyn sagt:

    Ich habe eine Karte in Erinnerung, auf der das Flugzeug schon ziemlich weit im Norden von Weißrussland war, bevor es nach Südosten Richtung Minsk abdrehte. Hätte man es von vorn herein abfangen wollen dann sollte man den MiG-Piloten das nächste Mal früher wecken. Wenn es stimmt, dass der Sinkflug noch nicht eingeleitet wurde, obwohl dies bereits hätte der Fall sein müssen, wäre dies klar ein Situationsfehler. Er musste dann etwas wissen, was er zu dieser Zeit noch nicht wissen konnte, oder es saß eine Schnarchnase im Cockpit oder der Copilot hatte beim Navigieren eine Glaskugel auf dem Schoß.
    Dass aber nun gerade in diesem Flugzeug jemand saß, den man in und für Weißrussland festnehmen konnte, ist schon seltsam, denn das müsste ja dann zum Plan gehört haben. Wäre das Flugzeug nur dort gelandet, nach einer Bombe durchsucht worden und wieder abgeflogen, hätte kein Hahn danach gekräht und der schöne Plan, soweit es diesen gab, wäre futsch gewesen.

  12. Kristana sagt:

    Dankeschön für die Info. Hab schon die ganze Zeit überlegt, wie es wohl gewesen sein könnte.

    Die Sache landet einfach unter demselben Teppich wie MH17. Die westlichen Kriegsjunkies werden nicht aufhören, bevor der Bär ein Machtwort spricht.

    Ich mal mir schon mal ne Druschba Fahne.

  13. ma sagt:

    Ein schöner ausführlicher Artikel des Autors, der scheinbar Flugkapitän und auch Bombenexperte ist.
    Er versucht zwar sehr ausführlich eine durchaus schwammige Theorie mit technischen Pseudo Fakten zu untermauern. Aber ein Blick auf die Flugbewegung der Ryanair Maschine zeigt doch woher der Wind weht.
    Und selbst wenn der Pilot Sprengstoff und Zünder Experte wäre, möchte ich den Piloten sehen, der in Vilnius landet wenn ATC durchgibt dass die Bombe dort gezündet wird. Ich glaube dazu bräuchte man Chuck Norris und Passagier 57 gemeinsam an Board um so cool zu bleiben. Ungewöhlich ist auch, dass man in Minsk natürlich auch perfekt vorbereitet auf die Landung war.
    Wenn man hier Worte an Weißrussland richten muss, dann für die Art und Weise, wie man das Vorgehen verurteilt, nachdem die EU mit Verbündeten keinen Deut besser vorgegangen ist als man 2013 den Bolivianischen Präsidenten in Wien landen ließ in der Hoffnung man könne Edward Snowden im Flugzeug finden.
    Letztlich zeigen sich in Ost und West die gleichen Verhaltensmuster.
    Einen Grund zum Jubeln oder zur Entschuldigung sehe ich aber auf keinen Fall.
    Eher erschrecken wie mit Souveränität und Freiheit umgegangen wird. Auf beiden Seiten!

    • Voicedonbass sagt:

      Nein, Flugkapitän bin ich keiner, habe deshalb einen mir seit vielen Jahren freundschaftlich verbundenen Flugkapitän nach seiner Meinung gefragt. Und siehe da, seine Meinung kann man jetzt hier auch bei Peter Haisenko fast 1:1 nachlesen. Und deren beider Einschätzung treffen wohl den Nagel auf den Kopf. Wer übrigens den Autor des Kommentars nicht kennen sollte – https://anderweltonline.com/autoren/haisenko-peter/ – der mache sich halt schlau.

      Der hier kommentierte Kommentar von ma jedenfalls, scheint nicht von einer "Leuchte" zu stammen.

    • Volker Birk sagt:

      Schau Dir den Sachverhalt doch einfach selber an, und Du wirst sehen, der Autor hat völlig recht mit seiner Argumentation:

      https://de.flightaware.com/live/flight/RYR1TZ/history/20210523/0731Z/LGAV/UMMS

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