Die einseitige Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“

von Kaveh Ahangar.

Eine äußerst einseitige und fragwürdige Dokumentation über Antisemitismus: „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa,“ die ARTE nicht ausstrahlen will und die der WDR immer noch prüft, wurde gestern von BILD für 24 Stunden ins Netz gestellt und auch noch ausgiebig promotet. 200.000 Menschen sollen ebenjene Doku laut turi2 schon gesehen haben. Dabei wurde ein Bild von Erko, Qazid und mir benutzt, um für den Film zu werben. Außerdem zeigt die Doku Ausschnitte aus unserem Clip, um uns des Judenhasses zu bezichtigen. BILD betitelt den Abschnitt auf ihrer Seite mit ‚‚Antisemitismus unter Rappern‘‘. Das Ganze ist eine auf Dekontextualisierung und Diffamierung aufbauende Verleumdungsaktion. Der Antisemitismusvorwurf der beiden Filmemacher Joachim Schröder und Sophie Hafner sowie BILD ist an einigen Stellen schlichtweg falsch, da manche der in der Doku vorkommenden Personen, wie z.B. Ahmad Shah und ich, sich seit Jahren für eine rassismus- und antisemitismuskritische Bildungs- und Jugendarbeit stark machen.

Aber nun zum Inhalt des Films. Natürlich werden auch in einem Propagandawerk wie diesem, einige richtige Tatsachen und Probleme angesprochen wie die Korruption und Diskriminierung auf Seiten der Fatah und Hamas sowie die Unterdrückung von JüdInnen und PalästinenserInnen durch arabische Staaten. Der Film ist allerdings abgesehen von ‚‚handwerklichen Mängeln‘‘ (WDR) so dermaßen propagandistisch produziert, dass ich nur einige wenige Aspekte ansprechen kann.  Was die Doku zur Propaganda macht ist der zielgerichtete Versuch die Sichtweise des Zuschauers mit selektiv ausgewählten Fakten zu beeinflussen und zu manipulieren, indem Tatsachen unerwähnt oder verdreht werden, um auf demagogische Art und Weise eine konkrete politische Agenda zu verfolgen. Der gröbste Fehler, der den Film wie ein roter Faden durchzieht ist dabei bezeichnenderweise die Gleichsetzung von Antizionismus und Antisemitismus. Das war von vornherein das erklärte Ziel des Produzenten (siehe unten).

Die Doku verbreitet also Lügen und Unwahrheiten und relativiert sogar den Holocaust, indem z.B. die problematischen Aussagen von Mahmud Abbas über das vermeintliche Ende jeglichen Terrors nach der Befreiung Palästinas sowie die Brunnenvergiftung mit Nazipropaganda verglichen werden. Im Allgemeinen sind Pauschalisierungen und Schwarz-Weiß-Malerei das Markenzeichen des Films. Es wird beispielsweise in essentialistischer Manier von einer „christlichen Kultur“ gesprochen, die per se als ‚‚die Mutter allen Judenhasses‘‘ bezeichnet wird, ohne zwischen unterschiedlichen Strömungen zu unterscheiden. Die Neue Rechte wird als anti-zionistisch dargestellt, ohne die vielen rechten und rechtsradikalen Strömungen von Medienplattformen wie Pi News bis zu bedeutenden Teilen von AfD und Pegida zu erwähnen, die eindeutig pro-zionistisch gesinnt sind, pro-israelische SprecherInnen öffentlich ein Podium gaben sowie die israelische Flagge auf Demonstrationen hissen.

Es wird nicht nur linker und rechter Antizionismus gleichgestellt und dadurch der Antisemitismus von Rechts verharmlost. Der zum Boykott Irans aufrufende Politikwissenschaftler Stephan Grigat darf sogar behaupten, dass das Bedürfnis den Nationalsozialismus zu relativieren bei Linken teilweise noch ausgeprägter sei als bei Rechten. Somit wird auch gleich am Anfang des Films deutlich gemacht wer die Hauptzielscheibe sein soll; die alte bzw. anti-imperialistische Linke Deutschlands und Frankreichs. Es wird sogar suggeriert, dass die Demonstranten von Nuit Debout großenteils antisemitisch wären, um im Geiste Adornos und Horkheimers das Bild gefährlicher Massenproteste zu zeichnen.

Auch der israelische Politiker und ehemalige Chef des Geheimdienstes Lakam, Rafael Eitan, darf zu Wort kommen. Erst erzählt er davon, dass niemand die Araber in Palästina vertrieben hätte, um dann einzugestehen, dass es nur wenige gewesen seien und keiner umgebracht worden wäre. Dabei ist unter HistorikerInnen unumstritten, dass 1948 die Vertreibung von über 700.000 PalästinenserInnen und die Zerstörung von Hunderten Dörfern und Städten die Grundlage für die Gründung des Staates Israel darstellt. Der Historiker Ilan Pappé beschreibt die ethnischen Säuberungen des israelischen Militärs und die Hinrichtung Tausender unschuldiger Zivilisten nach der Staatsgründung Israels (2006, 197). Der israelische Künstler Eyal Sivan hat in Interviews von ehemaligen zionistischen Kämpfern aus den Anfangsjahren der Staatsgründung Israels auf youtube Selbstaussagen festgehalten, in denen ganz klar von Massenvertreibungen, Vergewaltigungen und Bombenattentaten die Rede ist. Selbst der rechtsgerichtete israelische Historiker Benny Morris, der 2008 zu einem Präventivschlag gegen den Iran aufrief, spricht von israelischen Massakern an 800-900 Arabern (Interview mit Fathom 2015). All dies bleibt unerwähnt. Das Verschweigen von Fakten ist tatsächlich eines der Hauptmerkmale des Films. Es wird z.B. über die Gründung der Hamas berichtet ohne zu erwähnen, dass Israel von den späten 1960er bis Mitte der 80er Jahre islamistische Kräfte und die Hamas tatkräftig unterstützte, um die PLO zu schwächen und daher für dessen Aufstieg mitverantwortlich ist. Es wird auch betont, dass die Hamas ständig Raketen auf Israel schießt und es wird suggeriert, dass die Hamas eine größere Schuld am Leid der PalästinenserInnen trage als der israelische Staat. Was verschwiegen wird: Dass im Sommer 2014 als Folge der Bombardierungen und willkürlichen Ermordungen von Zivilisten über 2200 PalästinenserInnen getötet wurden, darunter 550 Kinder. Auf israelischer Seite starben 73 Menschen, darunter 6 Zivilisten. In Gaza wurden 12.000 Häuser zerstört und etwa 100.000 Gebäude, darunter Wohnungen, Krankenhäuser, Schulen, Universitäten usw. schwer beschädigt. Aber aufgrund der israelisch/ägyptischen Blockade konnte nur wenig davon wieder aufgebaut werden und die Infrastruktur und Wirtschaft liegen am Boden.

Natürlich darf auch die Mär des angeblich hohen palästinensischen Lebensstandards nicht fehlen. Dabei wurde 2015, also lange vor dem Erscheinen des Films von zahlreichen Mainstream-Medien darüber berichtet, dass aufgrund der israelischen Blockade erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert die Kindersterblichkeitsrate im Gazastreifen gestiegen und Medikamente sowie medizinische Geräte zunehmend knapp seien. Nach 1948 hat sich die jüdische Bevölkerung in Israel fast verzehnfacht, die arabischen Einwohner hingegen haben sich nur verdreifacht. Laut dem zentralen israelischen Amt für Statistik ist die Zahl der jüdischen Geburten in Israel pro Jahr zwischen 1995 und 2008 um 45% gestiegen, während die Zahl der muslimischen Bevölkerung stagnierte. Die Geburtenrate in Palästina ist seit 2000 sogar gesunken. Die Weltbank sieht den Grund für den Rückgang der palästinensischen Geburtenrate bei der sinkenden Fruchtbarkeitsrate und den steigenden Emigrationszahlen. Die Säuglingssterblichkeit ist in Palästina vier Mal so hoch wie in Israel. Außerdem war laut Weltbank die Arbeitslosenquote in Gaza 2015 die höchste der Welt. Über 40% der Bevölkerung Gazas, etwa 60% der Jugendlichen und mehr als 80% der jungen Frauen haben keine Arbeit. 72% aller Haushalte in Gaza haben mit Nahrungsmittelunsicherheit zu kämpfen. Der Gazastreifen könnte laut UN ab 2020 sogar „unbewohnbar“ sein.

Der Film behauptet zudem, dass niemand so viel pro Kopf an Entwicklungshilfe bekomme wie die PalästinenserInnen, ohne aufzuführen, dass etwa 70% der Entwicklungshilfe in israelischen Händen landet, da aufgrund der Blockade die Mehrheit der Produkte von israelischen Unternehmen gekauft werden müssen und somit die Entwicklungshilfe auch die israelische Besatzung und Annexion fördert.

Schließlich wird auch noch fälschlicherweise nahegelegt Israel sei eine liberale Demokratie. Kein Wort fällt darüber, dass zwischen 2006 und 2016 in der Westbank 1113 palästinensische Häuser demoliert wurden, v.a. um den Weg für illegale jüdische Siedlungen frei zu räumen. Durch die israelische Zerstörung palästinensischer Häuser haben 2016 mehr als 800 Menschen ihr Dach über dem Kopf verloren. Seit der al-Aqsa Intifada im Jahre 2000 wurden etwa 2070 palästinensische Kinder vom israelischen Militär ermordet und mehr als 13.000 Kinder wurden verletzt. Über 12.000 Kinder wurden seit 2000 verhaftet und 480 von ihnen sind immer noch in israelischen Gefängnissen. 95% von ihnen sollen bei Verhören und Verhaftungen schwer gefoltert und geschlagen worden sein. In Ost-Jerusalem leben etwa 85% der palästinensischen Kinder und 79% der PalästinenserInnen unter der Armutsgrenze. Die PalästinenserInnen dort werden nicht nur durch den scharfen strukturellen Rassismus, ständiger Schikane an Checkpoints und durch Polizeibrutalität aus der israelischen Gesellschaft ausgeschlossen und unterdrückt, sondern ihnen werden auch die Grundrechte verwehrt. Z.B. haben zwei Drittel der PalästinenserInnen in Ost-Jerusalem keinen Zugang zu fließendem Wasser, die medizinische Infrastruktur und das Transportwesen sind desolat, weil es im Verhältnis zu anderen Stadtteilen kaum Investitionen gibt. 2014 wurden 98 palästinensische Häuser in Ost-Jerusalem demoliert und über 200 verloren ihr Zuhause. Seit 1967 haben mehr als 14.300 PalästinenserInnen ihren Aufenthaltsstatus verloren, obwohl sie aus Ost-Jerusalem kommen. PalästinenserInnen, die in dem von Israel besetzten Ost-Jerusalem leben, sind keine israelischen StaatsbürgerInnen, sondern werden von Israel als „ständige Bewohner“ bezeichnet (siehe „Blaue Ausweise“). Die Rechte der PalästinenserInnen und kritischer Israelis werden immer drastischer eingeschränkt und die Meinungsfreiheit immer weiter abgebaut. Facebook-Einträge führten in einer Reihe von Fällen zu Gefängnisstrafen. Z.B. hat das die palästinensische Poetin Dareen Tatour zu spüren bekommen, die aufgrund eines Gedichts und Facebook-Posts für drei Monate ins Gefängnis gesperrt wurde. Das ist alles kein Wunder bei einem Ministerpräsidenten, der ganz Israel mit einem Zaun umgeben will, um sich vor den palästinensischen ”Raubtieren” zu “verteidigen”. Auch andere israelische Minister wie Ajelet Schaked, Moshe Jaalon, Eli Ben-Dahan und Naftali Bennett haben PalästinenserInnen mit Tieren verglichen und deren Tötung entweder gerechtfertigt oder gar befürwortet.

Dennoch bekam die israelische Regierung bereits das sechste versprochenene U-Boot aus Deutschland, welche mit Atomwaffen bestückt werden können und zu einem Drittel mit Steuergeldern finanziert werden. Angesichts der uneingeschränkten Solidarität Deutschlands mit Israel und der ihm überwiegend wohlgesinnten bürgerlichen Medienlandschaft, grenzt es an Verschwörungswahn, dass der deutschen Presse in dem Film pro-palästinensische Berichterstattung vorgeworfen wird.

Die Filmemacher erhielten für die Doku viel Lob von wichtigen Teilen der liberalen und konservativen Eliten. Darunter Israels Botschafter, Politiker von Union und FDP, Akademiker wie Götz Aly und Matthias Küntzel, Schriftsteller wie Leon de Winter und natürlich Henryk M. Broder. Prof. Dr. Michael Wolffsohn schreibt sogar folgende Lobhymne: „Glückwunsch! Das ist die mit Abstand beste und klügste und historisch tiefste, zugleich leider hochaktuelle und wahre Doku zu diesem Thema.“ Und der sogenannte Nahost-Experte und Publizist Ahmad Mansour, der am Anfang Koautor sein sollte, letztendlich aber ‘‘nur‘‘ als Berater fungierte, schreibt: „Inhaltlich ist der Film großartig und überfällig…Ich finde es merkwürdig, dass ausgerechnet ein renommierter öffentlich-rechtlicher Sender wie ARTE Probleme mit der Realität hat.“ Der Arte-Programmdirektor Diberder entgegnet den Vorwürfen: „Die gelieferte Sendung konzentriert sich (…) hauptsächlich auf den Nahen Osten. Damit entsprach sie nicht dem von der Programmkonferenz formulierten Auftrag, sodass sie nicht akzeptiert werden konnte. Dieser Standpunkt enthält keine Wertung über die Qualität des Films oder über die darin vertretenen Thesen.“ Zudem mangele es an „Ausgewogenheit“. Dabei hätte ihm und seinen KollegInnen auch vorher schon klar sein müssen, dass es sich bei dem Projekt um einen pro-zionistischen Propagandafilm handeln sollte. Ahmad Mansour ist bekannt für seine islamophoben Thesen und Produzent Schröder macht in einem Interview im Deutschlandfunk (13.6.17) deutlich, dass er von vornherein nicht zwischen Antizionismus und Antisemitismus unterschied: ‚‚Wir haben schon (…) in dem Exposé, was abgesegnet wurde, geschrieben, dass wir uns im Wesentlichen auf Antizionismus, auf die moderne Form des Antisemitismus, der sich heute antizionistisch ausdrückt, kaprizieren und dass wir den untersuchen.“ Aber scheinbar war die rechte Propaganda ARTE zu viel und der Programmdirektor konnte die Ausstrahlung nicht verantworten. Das ist ungefähr so wie wenn ein Film zum Verhältnis zwischen TürkInnen und KurdInnen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Auftrag gegeben, aber letztendlich ein Loblied auf Erdogan und die AKP eingereicht werden würde. Damit wurden insgesamt 165.000 Euro Steuer- und Gebührengelder für einen Propagandafilm ausgegeben, der unter anderem dafür missbraucht wird Rufmord gegenüber AktivistInnen, die der israelischen Regierung kritisch gegenüberstehen, zu begehen. Nicht zuletzt aus diesem Grund handelt es sich hier um eine gerechtfertigte Handlung und Positionierung seitens der öffentlich-rechtlichen Sender ARTE und WDR. Zweifellos, stünde eine Zensur dieser Doku jeglichen Grundlagen der Meinungs-und Pressefreiheit entgegen. Daher spreche ich mich gleichzeitig für die Abrufbarkeit dieses Werks im Internet aus.

Es ist kaum verwunderlich, dass ausgerechnet BILD in die Bresche gesprungen ist und den Film bereitwillig auf Bild.de präsentierte und sich dafür auch noch selbst applaudiert. Denn Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, sagt über sich selbst er sei ein ‚‚nichtjüdischer Zionist‘‘ und befürwortet sogar bedingungslose Waffenverkäufe an Israel. Dies wirkt sich natürlich auch auf die einseitige pro-israelische Berichterstattung von BILD aus. Der Chefredakteur dieses rechtskonservativen Schmierblatts Julian Reichelt schreibt konsequenterweise: ‚‚Der Verdacht liegt bitter nah, dass diese Dokumentation nicht gezeigt wird, weil sie politisch nicht genehm ist, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belegt, das erschütternd ist‘‘. Dabei kommt ihm nicht in den Sinn, dass es nicht um die tatsächlich richtige Feststellung geht, dass weite Teile der deutschen Gesellschaft antisemitisch sind, sondern darum, dass der Film die Ursachen des von ihm behandelten Antisemitismus oftmals verdreht und an vielen Stellen bewusst auf Falschdarstellungen zurückgreift um seine Argumentation zu stützen.

Abschließend kann man also feststellen, dass der Film keinen Beitrag dazu leistet Antisemitismus kritisch zu thematisieren und Aufklärungsarbeit zu leisten. Ganz im Gegenteil: durch die einseitige Aufarbeitung und scheinbar bewusst gewählten Falschaussagen werden Gräueltaten gegenüber den PalästinenserInnen gerechtfertigt und das israelische Regime verteidigt, welches aufgrund der rechtsradikalen Politik der derzeitigen Regierung den Antisemitismus auf der ganzen Welt weiter anheizt. Es ist traurig, dass ein so wichtiges Thema wie Antisemitismus durch äußerst mangelhafte wissenschaftliche und journalistische Sorgfalt in ein schlechtes Licht gerät. Und es ist ein Skandal, dass ein Film über Antisemitismus so dermaßen undifferenziert daherkommt und sogar gezielt Fakten verdreht, um Menschen in den Dreck zu ziehen, die den Antisemitismus nicht nur theoretisch, sondern auch aktiv und praktisch bekämpfen.

 https://www.facebook.com/kavehtracks/

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

20 Kommentare zu: “Die einseitige Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“

  1. Ich fand den Beitrag für mich persönlich deshalb wertvoll,weil ich noch mal abgleichen konnte,ob die,die in diesem Dauerkonflikt anderer Meinung sind als ich,nicht doch auch überzeugende Argumente haben.Hatten sie nicht!

  2. Ganz allgemein gesehen möchte ich als Freigeist hier sagen dürfen, dass ich die beiden Abrahamitischen Religionen (Judentum und Islam)sowieso nicht als segensreich ansehe, sondern im Gegenteil. Zu ihrer Entstehung führte aus meiner Sicht vor allem das reine Machtdenken, was den Gebrauch von Gewalt selbstverständlich voraussetzt. Deshalb wird es mit dem Glauben an diese Religionen m.E. auch sowieso nie einen Weltfrieden geben können. Und das sehen wir ja alle vor unseren eigenen Augen. Wenn die Menschheit sich insgesamt von diesem Macht-und Gewaltdenken nicht abwendet, geht alles nur weiter zu Grunde.

  3. Guten Tag, gerne mein Senf dazu in drei Punkten:

    1) ich glaube, es gilt dieses „ungeschriebene“ Gesetz, dass sogar von (zumindest deutschen) Gerichten so angewandt(!) wird, dass man über/gegen Juden nichts sagen darf. {siehe z.B./insbes. die Erfahrungen von Sylvia Stolz}. Es ist nicht nur tabu – es ist „verboten“, Dinge anzusprechen oder gar anzuzweifeln/zu hinterfragen, welche von gewissen Kreisen(?) als FACTS in Stein gemeisselt wurden. In diesem Sinne ist dieser Artikel nun natürlich ganz viel Öl ins Feuer – und KenFM unterstreicht sich erneut als Verschwörungstheoretiker-/Antisemitischer-Kanal. (haha)

    2) mir fehlen bei diesem Kommentar die Quellen. Ziemlich sicher sind beim besprochenen Film (ich sah ihn nicht!) auch keine Quellen angegeben – bei Dokus kommen ja im Abspann meines Wissens nicht die 500 Quellen…. Aber bei einem geschriebenen Text – vor allem wenn dieser Facts aus einem anderen Beitrag anprangert – sollten dann die Behauptungen unterlegt werden. Ist sicher viel Aufwand – aber von irgendwo kommen ja all diese Zahlen – dann müssen halt die Links dazu, oder die Buchangaben….

    3) und noch um meine persönliche Meinung zu obigem Text klar zu machen: ich sehe es genau so. Die Kritik in Punkt 2 bezieht sich also eher um einen „handwerklichen Mangel“ 🙂

    gruss,
    KenFMwohlwollenderVerfolger

    • Vielen Dank, dass Sie diesen Film eines Juden über Antisemitismus noch einmal verlinkt haben. Ich kenne ihn schon lange und finde ihn eine der besten Dokus. Hier wird gezeigt, wie Angst, Hass, Rassismus und Rachsucht konserviert wird. Nicht „Juden“, „Moslems“ oder „Christen“ sind sich gegenseitig „gefährlich“, sondern die mächtigen Institutionen, Regierungen, die mit dieser oder jener Gehirnwäsche Macht gewinnen.
      Warum gibt es eigentlich keine Institution, die liebevolle, antirassistische soziale Handlungen „sammelt“ und veröffentlicht? Weil damit keine Macht und kein Geld gewonnen werden kann?

    • Ich habe jetzt auch die umstrittene Doku gesehen, finde sie sehens.und bedenkenwert und finde es nicht gut, dass ARTE sie nicht zeigen durfte. Aber jetzt kann ich mir auch genau denken, warum nicht und ich würde mich sehr wundern, wenn ich mich da irrte: Man hat einmal mehr auf den Willen der Islamverbände Rücksicht genommen(oder nehmen müssen?)
      Was mir bei den Arabern muslimischen Glaubens übrigens immer wieder -zusätzlich zur bewusst hingenommenen Benachteiligung der Frauen – unangenehm auffällt, ist diese Verherrlichung von Hass, die man auch hier wieder, so wie in unzähligen anderen Dokus, zu spüren bekommt. Ich frage mich auch, ob es je eine so selbstkritische und auch humorvolle Doku über die eigenen Sitten und Gebräuche von einem Muslim geben könnte, wie es diese hier verlinkte von einem Juden gegeben hat. Ich kann mir das leider nicht vorstellen und zwar deshalb nicht, weil ein Muslim höchst wahrscheinlich von den eigenen Glaubensbrüdern deshalb schwer bedroht würde. Und das z.B. ist es, neben der Unterdrückung des Weiblichen, was mich an diesem Glauben immer schon schwer bedrückt hat: eine derartige Fesselung des freien Denkens durch einen vorgeschriebenen Glauben.

    • Der korpulente Jude, der zuletzt in der ARTE-Doku das Wort hat, sagt es ja auch: wenn den jungen Muslimen in Frankreich nicht gesagt worden wäre, dass sie ihre Brüder in Palästina rächen müssten, wären sie gar nicht auf die Idee gekommen, die Juden in Paris anzugreifen. Und wer könnte ihnen das sagen, außer ihren Imamen?
      Wie könnte man das nennen, wenn nicht Islamismus oder Rassismus ? Religionismus?

    • Pieter Kamp: Ich bezog mich auf den sinnlos verherrlichten Hass, der da in Paris von dort lebenden jungen Muslimen an dort lebenden Juden ausgeübt wird.
      Außerdem ist Hass allgemein ein noch schlechterer Ratgeber als Angst und verheerend, wenn er mit einem Glauben verbunden ist. Warum wollen Sie das partout nicht sehen? Es ist doch ganz offensichtlich. Oder glauben Sie, dass das auch alles gelogen ist ? Ich kann sehr gut mit dem Pariser Bürgermeister mitfühlen, der Angst davor hat, dass die französischen Juden aus Frankreich von den Moslems vertrieben werden, weil dann die Glaubensfreiheit in Frankreich nicht mehr gewährleistet ist. Und das ist doch alles so sinnlos und nützt für nichts, im Gegenteil, es schadet nur allen.

    • vielen dank kari für den Link. so habe ich mir inzwischen beide filme angesehen und muss feststellen das sie eben extrem unterschiedlich sind. die arte doku soll ja ein allgemeingültiges bild zeichnen, während ihr post ja eine sehr persönliche sicht der dinge darstellt. schnittpunkte sind definitiv vorhanden werden aber in beiden filmen wie ich finde etwas zu kurz beleuchtet (für meinen geschmack). hier noch zwei dokus die ich sehenswert erachte:

      (18 Kühe zwischen zwei Fronten)
      https://www.youtube.com/watch?v=GqCtE-CcD2w

      und

      Zensierte Stimmen (aktuell leider nur mit englischen Untertiteln)

      https://www.youtube.com/watch?v=QlkEyA1pAx8&t=588s

    • Specht,
      ich las gerade
      André Schwartz-Bart, ‚Le Dernier des Justes‘, 1959, 1980 Paris
      und
      Francine Kaufmann, ‚Pour Relire „Le Dernier des Justes“‚, 1987 Paris.
      Ich hörte Vorlsesungen des Profs Kaufmann’s, über was der Torah ist, und wofür die Torah geschrieben wurde.
      Eine intelligente Frau, mit Humor.
      Das Buch ist ein Kommentar auf der genannte Roman, der das Leiden der Juden beschreibt von der Vertreibung aus England, 11e Jahrhundert, oder so, bis das in die Auschwitz Gaskammer hinein gehen.
      Ich erwartete ein intelligentes Kommentar, das ist es auch, aber nur innerhalb jüdische Gedanken.
      Nie die Frage warum es Antisemitismus gab.
      Kaufmann nennt als Quellen Elie Wiesel, La Nuit, seine Erzählung von mitte 1944 bis April 1945, wie er nach Auschwitz deportiert wurde, dann in dan Buna KZ, schliesslich nach Buchenwald.
      Ich las das Buch.
      Jetzt lese ich ein Buch was auch Kaufmann als Quelle benutzt, es beschreibt den National Socialistischen Antisemitismus.
      Wiesel beschreibt wie er SS Männer lebende Zöglinge in den Flammen werfen sah, und er schreibt über die Birkenau Krematioria, die er nie sah.
      Er wusste anscheinend nicht das Bun

    • Specht,
      ich las gerade
      André Schwartz-Bart, ‚Le Dernier des Justes‘, 1959, 1980 Paris
      und
      Francine Kaufmann, ‚Pour Relire „Le Dernier des Justes“‚, 1987 Paris.

      Ich hörte Vorlsesungen des Profs Kaufmann’s, über was der Torah ist, und wofür die Torah geschrieben wurde.
      Eine intelligente Frau, mit Humor.
      Ich beschloss ein Buch von ihr zu lesen, es gibt nur eines.

      Das Buch ist ein Kommentar auf der genannte Roman, der das Leiden der Juden beschreibt von der Vertreibung aus England, 11e Jahrhundert, oder so, bis das in die Auschwitz Gaskammer hinein gehen.
      Ich erwartete ein intelligentes Kommentar, das ist es auch, aber nur innerhalb jüdische Gedanken.
      Nie die Frage warum es Antisemitismus gab.

      Kaufmann nennt als Quellen Elie Wiesel, La Nuit, seine Erzählung von mitte 1944 bis April 1945, wie er nach Auschwitz deportiert wurde, dann in das Buna KZ, schliesslich nach Buchenwald.
      Ich las das Buch.
      Jetzt lese ich ein Buch was auch Kaufmann als Quelle benutzt, es beschreibt den National Socialistischen Antisemitismus.
      Wiesel beschreibt wie er SS Männer lebende Zöglinge in den Flammen werfen sah, und er schreibt über die Birkenau Gaskammer, die er nie sah.
      Er wusste anscheinend nicht das Buna Synthetischen Gummi ist, er beschreibt wie die KZ Leitung, Häftlinge, nie unternährt war.

      Es ist merkwürdich wie sehr was Wiesel beschreibt dassselbe ist was Kogon, Burg und Rassinier beschreiben, keiner sah ein Gaskammer.
      Die Zöglinge in die Flammen, Auschwitz hatte reichlich Wasser ud Kohle, woraus Benzin, Öl und Gummi gemacht wurde.
      Das Wasser war direkt unter den Boden, wie man dort tiefe Graben machen konnte, mit Feurer, keiner versteht es.

      Das das Leben in den KZ’s schrecklich war, das viele dort Starben, kein Zweifel darüber.
      Das Deutschland fur seine Existenz kampfte, dass die deutsche Städte ausradiert wurden, kein Wort darüber.

      Juden leben, nicht alle, in ihre eigene Realität, denke ich schon lange.
      Dass Musleme wutend sind auf Israel, und alle die Israel unterstützen, sie können es nicht begreifen.
      Meine Meinung ist mehr und mehr das dasselbe immer wieder in die jüdische Geschichte geschah, und das die Juden die Juden bleiben wollten, nur dreizehn Prozent, schreibt
      ‘Jews. The essence and character of a people’, Arthur Herzberg and Aron Hirt-Manheimer, HarperSanFrancisco, 1998
      es nie verstanden haben.

      Ich frage mich ob was jetzt in den USA geschieht wieder eine jüdische Katastrophe wird.
      Deep State ist für nicht wenige USA Bürger, die Reaktionen zeigen es, USA Juden die Trump vertreiben wollen.

      Das französiche Musleme französische Juden ermorden, das geht schon lange so.
      Es wundert mich leider nicht.

    • Pieter Kamp: Dass Sie das nicht wundert, bedeutet das, dass Sie das gefühlsmäßig nachvollziehen können, dass französische Muslime sich für das, was mit und in Palästina geschehen ist und geschieht, wahllos an französischen jüdischen Mitbürgern rächen, sie bedrohen, foltern, umbringen? Ich kann das nicht! Anscheinend scheiden sich hier unsere Geister. Soll jede Art von Gewalt, die von Muslimen kommt bei Ihnen entschuldigt werden? Mich könnte niemals jemand dazu bringen, irgendwelche Leute büßen zu lassen für etwas, was andere begangen haben, nur, weil sie zur selben Ethnie und Religion gehören. Das ist so wie die Eltern, die ihre Kinder schlagen, weil sie selber geschlagen worden sind! Ich sehe den Ursprung der Gewalt ja nicht direkt bei den jungen Muslimen, die Steine werfen, prügeln oder Schlimmeres, ich sehe die Quellen der Gewalt in den Moscheen, wo ständig so etwas gepredigt wird, dort, wo die jungen Menschen systematisch mit dieser Ideologie indoktriniert werden von den entsprechenden Imams. Und dabei wissen wir nicht genau, von woher dies wiederum gesteuert und bezahlt wird.

    • Specht,
      ich entschuldige nichts.
      Verstehen ist nicht entschuldigen.
      Ich zitiere ein USA Bürger, der den Gaza KZ besuchte, er sagte: ‚wäre ich ein Palestinänzer, war ich ein Terrorist, sicher‘.
      Das Mosleme diejenigen ermorden die Israel unterstützen, ich kann es verstehen.
      Die Vertreibung war 1948, was gescheht um das Unrecht gut zu machen, nichts, nur leere Worte,
      Noch schlimmer, Wiederstand gegen die Besätzer, ob es nun Israelier, USA Soldaten oder was auch ist, es ist der böse Islam.
      Deradikalisierung, das Wort kann nur erfunden sein von Geisteskranke Psychologen in den Westen.
      Mosleme glauben lassen das nicht das Westen fast überall in der Welt Mosleme unterdrücken oder töten.
      Wie USA Senator Moynihan schreibt, es ist Soziologe ’nie können Öpfer durch Propaganda davon überzeugt werden das sie keine Öpfer sind‘.
      Daniel Patrick Moynihan, ‘Secrecy’, New Haven 1998

  4. Es gibt zu dieser „Dokumentation“ auch einen Artikel auf den NachDenkSeiten, in dem auch das Video verlinkt ist und man sich so selbst eine Meinung bilden kann: Antisemitismus-Doku oder antipalästinensische Propaganda? Es ist schon seltsam, dass sich fast alle Medien für ein journalistisch mehr als fragwürdiges Werk starkmachen.
    Persönlich habe ich nur bis zur Aussage der Antisemitismus-Forscherin dieses Machwerk geschaut, da mir dann klar wurde, dass jeder, der Israel oder die Finanzwirtschaft aus welchen Gründen auch immer auch nur im entferntesten kritisiert, automatisch ein Antisemit wäre. Das empfinde ich als so beleidigend, dass es mir eigentlich widerstrebt, für diesen geistigen Dünnschiss Werbung zu machen. „Auch schlechte Publicity ist immer noch Publicity.“, wie es so schön heißt. Aber da dieses Thema hier eh schon thematisiert wird…

    • Vorweg genommen: Jens Berger ist auch nicht gerade nicht mein Fall. Aber es stimmt, dass die Arte-Doku deutlich aus jüdischer Sicht fabriziert ist. Dennoch hat sie durch die Interviews mit allen möglichen Personen, die rundum an den heutigen Auswirkungen des Konflikts Palästinenser, Islam -Israelis, judentum beteiligt sind, einen durchaus bedenkenswerten Informationsgehalt. Bei Bergers Kritik vermisse ich aber die Besprechung der letzten Passage mit dem Pariser Bürgermeister und seinen dies betreffenden Problemen. Dieser Teil hat mich allerdings am meisten beeindruckt und zwar deshalb, weil wir von diesem Konflikt hier in Deutschland bisher überhaupt gar nie etwas erfahren haben. Dass dort ein Bürgermeister darum kämpfen muss, dass die jüdische Jugend nicht wegen den ständigen Anfeindungen und auch tätlichen Angriffen durch Palästinenser komplett das Land verlässt, das habe ich nicht gewusst und das hat mich sehr schockiert!

  5. Wer wissen will warum antisemitismus entstand nach 1870 in Deutschland, und seit 1800 in Russland, braucht nur ein Paar Bücher zu lesen.
    Wer wissen will was die zionisten wollten und taten auch nur ein Paar.
    Aber Bücher lesen tun wir nicht mehr, heute.

    Alexander Solschenizyn, ´Die russisch- jüdische Geschichte 1795- 1916, >> Zweihundert Jahre zusammen <<´, Moskau 2001, München 2002

    Ismar Schorsch, 'Jewish Reactions to German Anti-Semitism, 1870 – 1914', New York 1972

    Fritz Stern, 'Gold and Iron, Bismarck, Bleichröder, and the Building of the German Empire', New York, 1977.

    The Rt. Hon. Viscount Samuel. P.C., G.C.B., G.B.E., Hon. D.C.L. (Oxford). Hon. Fellow of Balliol College, Oxford, ‘Memoirs’, London, 1945

    Charles D Smith, ‘Palestine and the Arab-Israeli conflict’, New York, 1992

    Avi Shlaim, ‘The Iron Wall, Israel and the Arab world’, London, 2001

  6. Hallo, ein sehr guter Artikel, allerdings würde mich interessieren, worauf der Autor die Annahme bezieht, dass „[…]tatsächlich […] weite Teile der deutschen Gesellschaft antisemitisch sind,[…]“, und ob hier nicht auch anti-zionistisch der richtigere Begriff wäre?

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