Die Faschismus-Bauanleitung | Von Rubikons Weltredaktion

In ihrem Buch „Wie zerstört man eine Demokratie“ skizzierte Naomi Wolf die zehn Schritte, mit deren Hilfe Machthaber Demokratien ausschalten. Wolf geht davon aus, dass in den USA derzeit „faschistische Verschiebungen“ im Gang seien. Wenn diese sich summierten, könnte dies „das Ende jenes Amerika bedeuten, das die Gründerväter intendiert hatten“. Um ihre Faschismustheorie zu untermauern, zieht die Autorin historische Vergleiche aus verschiedenen Epochen und Weltgegenden heran: Wie haben Hitler, Mussolini und Pinochet ihre Schreckensherrschaft etabliert? Meist geschah dies nicht mit einem „großen Knall“, sondern auf geordnete Weise, gemäß den Regeln von Demokratien, die dem gefährlichen Flirt mit der Selbstzerstörung nicht widerstehen konnten. Faschismus, sagt Naomi Wolf, hat nicht immer ein spektakuläres, offen grausames Gesicht. Er offenbart sich in seiner Anfangsphase selten durch Massenerschießungen oder die rauchenden Schlote von Vernichtungslagern. Manchmal ist er zunächst nur daran zu erkennen, dass wir beginnen, unsere Worte zu wägen. Traurigerweise sei Amerika inzwischen bei Schritt 10 angelangt, schreibt sie heute — in einer Zeit, in der die Regierungen die Pandemie nutzen, um die Einschränkung der Bürgerrechte zu rechtfertigen.

Von Naomi Wolf.

Im Jahr 2008 schrieb ich ein Buch mit dem Titel „Wie zerstört man eine Demokratie“. Darin warnte ich, basierend auf meinem Studium der gescheiterten Demokratien im Laufe des 20. Jahrhunderts, dass Amerika sich vor einem nur allzu möglichen Abgleiten in den Totalitarismus hüten müsse.

Ich erläuterte, dass Möchtegern-Tyrannen, egal ob links- oder rechtsstehend, immer denselben Fahrplan benutzen, um Demokratien zu beenden, und dass sie immer dieselben zehn Schritte vollziehen.

Ganz egal, ob sie „eine äußere und innere Bedrohung heraufbeschwören“ oder „eine paramilitärische Truppe aufbauen“ oder „die Presse einschränken“ oder im letzten Schritt „die Rechtsstaatlichkeit untergraben“ — diese Schritte sind immer erkennbar, und sie funktionieren stets, um Demokratien zu zerschlagen und Tyranneien zu errichten. Zu der Zeit, als ich das Buch schrieb, war die „globale Bedrohung“ durch den Terrorismus das Gespenst, das die Mächte heraufbeschworen, um unsere Freiheiten anzugreifen.

Das Buch wurde viel gelesen und diskutiert, sowohl zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung als auch in den letzten zwölf Jahren. Dabei fragten mich die Leute regelmäßig, wann und ob wir Schritt 10 erreicht hätten.

Wir — meine mutige Verlegerin, Chelsea Green, und ich — veröffentlichen jetzt, im Jahr 2021, kostenlose Videos, in denen ich das erste und das letzte Kapitel (siehe unten) von „Wie zerstört man eine Demokratie“ vorlese. Und ich nenne die Fortsetzung des Buches, an der ich gerade schreibe, „Zehnter Schritt“ — denn seit März letzten Jahres sind wir in der Tat, wie ich leider sagen muss, beim letzten Schritt auf dem Weg zum Faschismus angekommen.

Obwohl ich 2008 nicht explizit vorhergesehen habe, dass eine medizinische Pandemie das Vehikel sein würde, um den gesamten Globus zu Schritt 10 zu bewegen, habe ich an verschiedenen Stellen vor den Gefahren medizinischer Krisen gewarnt, die Tyrannen nutzen können, um die Unterdrückung der Bürgerrechte zu rechtfertigen.

Heute dient eine gehypte medizinische Krise als Vorwand, um uns zentrale Freiheiten zu rauben, wozu die Angst vor Terrorismus trotz 20-jähriger Bemühungen letztlich nicht in der Lage war.

Im Jahr 2015 wurde ich in den Mainstreammedien weithin verspottet, weil ich vor der Hysterie warnte, die die Ebola-Berichterstattung begleitete. Damals warnte ich auch davor, dass Infektionskrankheiten als Rechtfertigung für die Unterdrückung von Freiheiten benutzt werden könnten, immer unter dem Deckmantel von Notfallmaßnahmen.

Im Jahr 2020 zeigte ich in meinem Buch „Sex, Zensur und die Kriminalisierung der Liebe“, wie ansteckende Krankheitsepidemien wie Cholera und Typhus im 19. Jahrhundert vom britischen Staat ausgenutzt wurden, um Freiheiten zu unterdrücken und in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Ich habe beschrieben, wie die ersten Antiimpfbewegungen unter britischen Eltern in der viktorianischen Zeit entstanden sind.

Dieses Buch wurde hart bekämpft, und seine warnende Botschaft wird weiterhin angegriffen. Aber auch dieser Text war vorausschauend: Anfang März 2020 wurde nämlich eine globale Pandemie verkündet: COVID-19.

Umgehend nach der Verkündung dieser Pandemie wurden in den meisten Ländern des Westens viele Elemente eines absoluten Rundum-Totalitarismus in Kraft gesetzt, auch in Ländern, die zuvor robuste Demokratien waren. Das alles geschah sehr schnell und umfassend.

Zehn Punkte

In den USA haben wir jetzt:

1) Notstandsmaßnahmen in vielen Staaten, die ordentliche Gerichtsverfahren außer Kraft setzen. Das ist das Markenzeichen eines Polizeistaates. COVID-19 wird als Grund für die Einführung von Notstandsgesetzen angeführt — aber es gibt keinen Endpunkt für die Aufhebung dieser Notstandsgesetze.

2) Die Schließung von Schulen, die den Gesellschaftsvertrag mit der nächsten Generation brechen.

3) Gesetzesentwürfe für Impfpässe, die den Vierten Verfassungszusatz aushebeln, indem sie der Regierung und Big-Tech-Unternehmen erlauben, in die medizinische Privatsphäre einzudringen und einen umfassenden digitalen Überwachungsstaat zu schaffen.

In der Tat zeigt die Tatsache, dass Tech-Aktien in jedem Quartal der Pandemie um 27 Prozent gestiegen sind, einen Treiber dieses Krieges gegen den Menschen:

Jede Minute, die Menschen in einem Klassenzimmer, in der Kneipe oder im Restaurant oder in einer Kirche oder Synagoge verbringen, ist Zeit, in der Tech-Unternehmen Geld verlieren, weil sie diese Daten nicht ernten können.

Die COVID-19-Politik, die von der „COVID-19-Bekämpfung“ — eigentlich von den Big-Tech-Unternehmen — geleitet wird, sorgt dafür, dass Menschen nur über digitale Plattformen in Kontakt treten dürfen. Der Grund ist sowohl Profit als auch soziale Kontrolle.

4) Erzwungene Schließungen von Unternehmen. Indem der Staat direkt in die Wirtschaft eingreift und es bestimmten Unternehmen — Amazon, Walmart, Target — erlaubt, auf Kosten von kleinen Unternehmen, Läden, Restaurants und Einzelunternehmern im Allgemeinen zu florieren, hat er Regierung und Unternehmen auf eine Weise verschmolzen, die für den italienischen Faschismus und den modernen chinesischen Kommunismus charakteristisch ist.

5) Versammlungsbeschränkungen. Einige Staaten wie Kalifornien bestrafen Menschen dafür, dass sie ihre Freunde in ihren Häusern treffen, und verbieten es Kindern, sich mit ihren Freunden zum Spielen zu verabreden. Massachusetts schränkte Versammlungen von mehr als 10 Personen ein und zwang Synagogen und Kirchen, geschlossen zu bleiben, trotz eines Urteils des Obersten Gerichtshofs gegen Staaten, die Kirchen zur Schließung zwangen. Parks, Spielplätze und Strände wurden geschlossen. In Ländern wie Großbritannien werden Menschen mit Geldstrafen belegt, wenn sie ihr Haus für mehr als eine Stunde Bewegung am Tag verlassen.

6) Erzwungene Gesichtsverhüllung. In Massachusetts werden Menschen mit einem Bußgeld belegt, wenn sie im Freien keine Maske tragen — selbst Kinder im Alter von fünf Jahren werden per Gesetz dazu gezwungen. Auch diese Vorschrift wurde nicht durch begutachtete Studien untermauert, die die medizinische Notwendigkeit belegen. Und es wird kein Endpunkt für diese außergewöhnlichen Verletzungen der persönlichen Freiheit genannt.

7) Unterdrückung der freien Meinungsäußerung. Big-Tech-Unternehmen zensieren Kritiker der COVID-19- und der Impfstoffpolitik sowie Ansichten, die auf der rechten Seite des politischen Spektrums stehen. Aufwiegelung — ein Wort, das im 20. Jahrhundert eine lange Geschichte hat, um die freie Meinungsäußerung zu unterbinden — wurde von der Linken zur Waffe gemacht, um das Recht auf freie Meinungsäußerung nach dem Ersten Verfassungszusatz zu verwehren. In anderen Formen der Zensur und des Managements von Rede und öffentlicher Debatte finanziert ein Mogul wie Bill Gates große Nachrichtensender mit Millionen von Dollar für die „COVID-19-Erziehung“. Als Ergebnis werden abweichende Stimmen an den Rand gedrängt oder sogar mit rechtlichen Schritten oder dem Verlust des Arbeitsplatzes bedroht.

8) Die Wissenschaft wird im Interesse des Biofaschismus gekapert. Durch die massive Finanzierung von wissenschaftlichen Kommentatoren wie Dr. Fauci in den USA, dem Imperial College und SAGE in Großbritannien und Dr. Christian Drosten in Deutschland hat eine dominante Politik mit Verlautbarungen über COVID-19, die einer kleinen Gruppe von schlechten Akteuren zugutekommen — insbesondere technischen und pharmazeutischen Playern, die in Absprache mit den Regierungen handeln —, eine Armee von sicheren, glaubwürdigen Unterstützern aufgebaut. Aber wenn andere Wissenschaftler oder Institutionen eine Debatte oder Transparenz anstreben, wird ihnen mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes gedroht, oder sie werden in ihrem Ruf angegriffen, wie im Fall von Dr. Simon Goddeke aus den Niederlanden, dem von seiner Universität gesagt wurde, er solle schweigen, als er die fehlerhaften COVID-19-PCR-Testprotokolle infrage stellte.

9) Daten werden gekapert, um den Interessen des Biofaschismus zu dienen. Diese Manipulation, die ich in „Wie zerstört man eine Demokratie“ angedeutet habe, ist typisch für die sowjetischen Zensoren. COVID-19-Plattformen wie das COVID Tracking Project und die Johns Hopkins University, die von Technokraten wie Michael Bloomberg finanziert werden, liefern unüberprüfbare COVID-19-Daten, die sich direkt auf die Aktienmärkte auswirken. Nochmals: Während diese unamerikanische Verschmelzung von Unternehmensinteressen und öffentlicher Politik an den italienischen Faschismus erinnert, findet die Verdrehung, die durch die digitale Datenpräsentation und ihre Beziehung zum Aktienmarkt entsteht, ganz und gar im 21. Jahrhundert statt.

10) Angriffe auf religiöse Minderheiten. Die orthodoxe jüdische Gemeinde in Brooklyn und christliche Kirchen in Kalifornien wurden bestraft, wenn sie die COVID-19-Regeln nicht befolgten — eine Attacke auf die Religion, die für die kommunistische Politik der Linken charakteristisch ist, besonders in China.

11) Eine Politik, die die Bindungen zwischen den Menschen und die Familie schwächt, wird eingeführt und polizeilich überwacht. Dies ist die schwerwiegendste Entwicklung von allen.

Der neue Biofaschismus, der sehr stark von den Big-Tech-Führern vorangetrieben wird, ist ein Krieg gegen den Menschen und die Eigenschaften, die uns menschlich machen.

Masken unterbinden die Fähigkeit der Menschen, sich von Angesicht zu Angesicht zu sehen und menschlichen Kontakt, Lächeln und Witze zu genießen. Masken schränken die Effektivität menschlicher „Technologie“ ein, indem sie es uns schwermachen, einander zu „lesen“ und soziale Hinweise aufzugreifen.

Das Versammlungsverbot hält uns davon ab, menschliche Allianzen gegen diese monströsen Interessen zu bilden. Das Verbot der Versammlung von Menschen verhindert auch, dass neue Kulturen, neue Helden und neue Geschäftsmodelle entstehen. Wir stecken alle mit den Ideen fest, die wir im März 2020 hatten.

Kinder zu zwingen, sich in der Schule zu distanzieren und Masken zu tragen, sorgt für eine Generation von Amerikanern, die nicht wissen, wie man menschliche Allianzen bildet, und die ihren eigenen menschlichen Instinkten nicht trauen. Das sind konterrevolutionäre Trainingstechniken.

Das gesamte Lernen auf — bereits vorbereitete — Fernlernplattformen zu verlagern stellt sicher, dass Kinder nicht wissen, wie man sich im mitmenschlichen Raum verhält, einem Raum, der nicht durch Technologie vermittelt wird.

Viele COVID-19-Richtlinien scheinen darauf ausgelegt zu sein, sicherzustellen, dass Menschen keinen „analogen“ Raum oder keine „analoge“ Kultur mehr haben — keine Möglichkeit, sich in einem Raum zu versammeln, einander freundschaftlich zu berühren oder sich zusammenzuschließen.

Und schließlich ist die Verlagerung aller menschlichen Interaktionen auf Zoom — ein Fenster für die Kommunistische Partei Chinas, da China die Plattform besitzt — nicht nur ein Weg, um all unsere Technologie, Geschäftsgeheimnisse und unser geistiges Eigentum zu ernten, sondern auch ein Mittel, um sicherzustellen, dass Intimität und Verbindung in der Zukunft online stattfinden und der menschliche Kontakt von Angesicht zu Angesicht abgetötet wird.

Warum ist das so? Warum wird eine Politik entwickelt, die den menschlichen Kontakt in analogen, unüberwachten Räumen bestraft, belastet und einschränkt?

Weil menschlicher Kontakt die große revolutionäre Kraft ist, wenn es um die Freiheit und den Widerstand gegen diese Form des umfassenden Biofaschismus geht, des Biofaschismus, der durch das neue Normal repräsentiert wird, der medizinisch-faschistischen Stufe 10.

Dieses Mal haben wir es nicht nur mit einem Krieg gegen die Freiheit zu tun. Diesmal haben wir es mit einem Krieg gegen den Menschen zu tun und gegen alles, was uns zu Menschen macht.

Naomi Wolf, Jahrgang 1962, ist Schriftstellerin und politische Aktivistin. Sie studierte zunächst an der Yale University in den USA und später als Rhodes-Stipendiatin am New College der Oxford University im Vereinigten Königreich.

Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „We‘ve reached ‚step ten‘ oft he 10 steps to fascism“.

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Danke an Rubikon für das Recht zur Veröffentlichung.

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Dieser Beitrag erschien am 16. März 2021 im Rubikon – Magazin für die kritische Masse

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Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

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15 Kommentare zu: “Die Faschismus-Bauanleitung | Von Rubikons Weltredaktion

  1. Outlaw sagt:

    "Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." 1999 J.C.-Junker ……..Weltverordnungsgebt ? Fragt sich wer "WIR" ist ?
    In diesem Link achte man auf die Worte des Rabbis ab 14:28 ,der aus einem UN -Dokument vorliest :https://www.youtube.com/watch?v=ExOj2… (natürlich kann man anderer Meinung sein ) Dazu eine Predigt von 2020,wo noch niemand von Impfungen sprach /Transhumanismus :https://youtu.be/5n79JlQA-7c ,aber auch die Möglichkeit ,zumindest für unsere Regierung schneller eine "Lockdown- Abhilfe" zu schaffen :https://youtu.be/XPHTxKnOcEQ …doch diese Personen werden nun angeklagt . Vielleicht da sie dem WHO-Plan-demie und Finanzwesen ans Bein pinkeln ?
    Wovon man in den Medien nichts hört : https://youtu.be/Mw3iwD3Hzo0 und
    Ovalmedia :https://www.youtube.com/stiftungcoronaausschuss …………Wer diese Infos beachtet wird vermutlich zu einem ganz anderen Schluss kommen ,dass es hier nicht um die Gesundheit der Bevölkerung geht ! Jeder möge sich seine Meinung bilden .

  2. Hartensteiner sagt:

    Vereinfacht – sehe ich im Westen ein System, deren "Anführer" genau wissen, dass wir Zeugen eines "globalen Zusammenbruchs in Zeitlupe" sind. Und so kämpfen diese mit allen Mitteln – nicht zuletzt Corona – darum, diesen Zusammenbruch des patriarchal-kapitalistischen Systems so lange hinauszuziehen wie möglich, über dessen Ende sie lediglich mit der Vorstellung "Nach uns die Sintflut" nachdenken. Und genau diese gleiche Vorstellung gilt für China und letztlich auch Russland. Europa (EU-Europa) ist dabei ohne Fragen zu stellen inbegriffen.
    Zu diesem Versuch gehört auch die Einrichtung der TOTALEN MACHT (als totalitäre Macht), die schon vor Corona deutlich war und jetzt lediglich – für die, die hinschauen – noch offensichtlicher geworden ist. Für die Massen gilt unterdessen: "Man kann Andere durchaus effektiv belügen, doch man kann niemanden so effektiv belügen, wie sich selbst".

    Nachtrag um Missverständnisse zu vermeiden: Wenn ich sage "patriarchal-kapitalistisch", dann meine ich nicht so sehr ein System von "Männer gegen Frauen", vielmehr ein Herrschaftsprinzip, in dem zwar Männer dominieren, das aber – theoretisch – in gleicher Weise von Frauen verwirklicht werden könnte. Dass es von Männern umgesetzt wurde und Frauen darin "die ersten Sklaven" darstellen ist eher ein Nebeneffekt. Es geht vielmehr primär um eine etablierte Hierarchie zur Umsetzung des Machtprinzips und wüsste ich einen besseren Begriff, würde ich das vielleicht lieber nicht mit "patriarchal" bezeichnen – komme aber um diese Bezeichnung nicht herum. Man bedenke: Die Masse der Männer ist kaum weniger versklavt als die Frauen, ihnen wird lediglich als "Zuckerstückchen" erlaubt ein wenig Herrschaft über Frauen auszuüben, damit sie nicht so leicht erkennen, dass sie selbst schon ganz unten angekommen sind. Dieses Prinzip setzt sich auch nach oben fort, wo etwa ein oben in der Hierarchie stehender Mann immer noch über seiner Frau steht, die aber ihrerseits fast in gleicher Weise die unter ihnen Stehenden unterdrückt. Wiederum vereinfacht sage ich deshalb: In einer Gesellschaft, die keine emanzipierten Männer kennt, gibt es auch keine emanzipierten Frauen.

    • Hartensteiner sagt:

      Dieser Kommentar sollte eigentlich unter dem von "Box" stehen, der China ausgezeichnet beschreibt. Allerdings ist dieses China nur eine Variante und damit fast ein Spiegelbild des Systems des Westen, genauer, des globalen Systems. Das heißt aber auch, dass man sich, ehe man etwas von Widerstand vor sich hin träumt – diese eher niederschmetternde Tatsache begreifen und akzeptieren muss, denn zu begreifen, wo man steht, ist die Basis für jeden Widerstand, der wohl zur Zeit so aussieht, wie den Leonard Cohen in seinem Lied "Der Partisan" beschreibt (Gestern waren wir noch drei, heute bin ich allein).
      Und dieser Partisan konnte damals noch auf Hilfe von Außen hoffen, doch das globale System kennt kein Außen!
      https://www.youtube.com/watch?v=PrN7qmkdvx4

    • Alcedo sagt:

      @ Box , @ Hartensteiner
      Wie immer Dank für die zusätzlichen Informationen, schreibe ich noch mal explizit, weil ich eine Medienpause einlegen will.
      Die beschriebenen Zustände in China – veränderte Zusammensetzung der Partei, also in Zukunft auch geänderter Interessenschwerpunkt und die Zulassung des Unternehmertums, da das nun einmal im aktuellen System auch die entsprechende Haltung (Denken+Fühlen) erfordert – lassen eine Abwendung vom Profitstreben nach einer gewissen Aufbauphase unwahrscheinlich werden.
      Bleibt also noch Rußland ambivalent und das in Agonie verfallene Alt-Europa (Bevölkerung). (Plus einer Anzahl von Staaten, die sich beteiligen würden, mehr aber auch nicht können)
      Totale Macht? Falls wir die schon haben, brauche ich mich nicht mehr um Aufklärung bemühen, das würde mich ehrlich gesagt entlasten. Am Ende wird alles richtig und der Weg ist das Ziel. (Hilfe! Elende Sprücheklopperei)

    • Hartensteiner sagt:

      Hallo Alcedo, nach dem, was ich oben sage (Totale Macht), stellt sich die Frage: Kann es Widerstand gegen diese totale Macht geben und wie könnte der aussehen? Das ist die Frage, auf die ich bislang keine Antwort weiß, über die wir allerdings alle nachdenken sollten und uns nicht von irgendwelchen Formen von Pseudo-Widerstand (Kanalisierung der Kritiker) ablenken lassen. Auf der anderen Seite sehe ich zwei Ergänzungen:
      1. Das System ist in diesem Zustand des "Zusammenbruchs in Zeitlupe". Wann kann dieser als "vollzogen" betrachtet werden und was wird er alles mit sich reißen? (Dystopie im Anmarsch?). Was ist dann – und schon vorher – zu tun?
      2. Nichts ist schwerer vorauszusagen als die Zukunft bzw. die Geschichte kann durchaus wie ein Hase auf der Flucht Haken schlagen und schon ist alles anders. Auch damit ist VIELLEICHT zu rechnen.
      Denke ich an frühere Zeiten, so gab es immer auch konsequent denkende Oppositionen, die auch eher konsequent organisiert waren. Bekanntes Modell waren die Kommunisten, die unterdessen auch ausgestorben sind. Mir will scheinen, ohne eine adäquate Organisation ist Widerstand nicht möglich. Umgekehrt – jeder solche Versuch würde heutzutage auch konsequent und umgehend unterwandert.
      Es gibt also viel nachzudenken und noch mehr zu tun, WENN es uns gelänge, die Problematik geistig zu durchdringen und mit Ideen anzureichern.

    • Alcedo sagt:

      Strukturierte Netze fehlen, das sehe ich auch so. Leider hat kenFm die letzte Möglichkeit zugemacht, sich hier zu verabreden, warum auch immer. Das hätte den Vorteil, zumindest einige die länger schreiben, ein bißchen einschätzen können zu glauben. In so einer Zeit können Netze vermutlich nur erweitert werden, da man nie weiß, mit wem man es zu tun bekommt und auch konkrete Taten und Erfolge dabei immer gestellt sein können. Bleibt mmn nur bei sich zu bleiben und niedrigschwellig Aufklärung zu betreiben. Geistesgrößen, Grundlagen der Aufklärung, geschichtliche Entwicklungen um sich und andere wieder daran zu gewöhnen, daß Demokratie auch ein bißchen was mit Bildung/Arbeit zu tun hat. Auf jeden Fall die Demos füllen, um der massiven Propaganda Bilder entgegenzusetzen und das Zuschnappen der Schweigespirale zu verhindern. Die Organisationsstruktur scheint da bereits gut aufgebaut zu sein. Ich sehe die Dystopie auch im Anmarsch und ich glaube nicht an eine zufällige Wendung zum Besseren.

    • wasserader sagt:

      "Dass es von Männern umgesetzt wurde und Frauen darin "die ersten Sklaven" darstellen …"
      Die Macht der VdL ist die perfekte Durchsetzung der Vorgaben ihrer Berater –
      und dürfte bei Merkel ähnlich sein .

    • Alcedo sagt:

      Wie sollte gegen eine totale Macht Widerstand möglich sein?? Wenn Widerstand möglich ist, ist die Macht, die das nicht will, nicht total.
      Da brauchen wir uns also nicht das Köpfchen zu zerbrechen, gibt höchstens Kopfschmerzen und tiefe Stirnfalten.

  3. corovide sagt:

    Natürlich bekommen die USA ein gewissen Mitgefühl jedoch warum in die USA schauen während in deutschland so ziemlich alles zusammen bricht?

    Aber ein ganz anderer Aspekt zeigt das die Autorin in einer Art schöngeschriebener friede Freude Eierkuchen Welt verweilen könnte. Es gibt viele politische Systeme die sicherlich gut und weniger gut sind doch bislang scheint man noch nie eines dieser Systeme wirklich umgesetzt zu haben.

    Wo soll es denn je wirklich Demokratie oder Kommunismus gegeben haben?

    Ein Leben mit einem System hat noch nie geklappt was womöglich genau daran liegt das noch nie ein System so umgesetzt wurde wie es erdacht wurde.

  4. Isabelle Emcke sagt:

    Bidens CGI ab Minute 8 ca… https://youtu.be/Qt_hmNGQUYw

  5. insel berg sagt:

    Gibts das Buch (ebook) noch irgendwo -auf deutsch – zu kaufen. Konnte es bisher nirgends finden?

    • R. Meerwald sagt:

      Die Ausgaben von 2008, Riemann Verlag, und 2010, Taschenbuch, sind vergriffen. Eine Neuauflage gibt es bisher nicht.

  6. wasserader sagt:

    Gute Analyse die Hauptthema in den MSM sein müsste
    um die realen Verhältnisse um Corona abklären zu können .

  7. mgeitzenauer sagt:

    1) Ich wusste nicht, dass Zoom den Chinesen gehört. Stimmt das tatsächlich?

    2) Ich glaube, hier gibt es ein Missveständis. Das Missverständis ist, dass wir vor COVID in einer Demokratie gelebt hätten. Auf KenFM fand ich ein Gespräch mit Prof. Rainer Mausfeld. Ich sah mir einige Videos von ihm auf YouTube an, und diese haben mir sehr vieles erklärt. Eines der wichtigsten Punte, die ich begriffen habe, war, dass wir in den letzten 2000 in keiner Demokratie gelebt haben.
    Ich glaube, COVID könnte eine Chance sein, dass dies von sehr vielen Menschen begriffen werden wird.

    • Box sagt:

      Es gehört nicht "den Chinesen," den meisten Chinesen gehört nämlich, wie den Meisten anderen auch, wenig bis nichts. Es gehört laut einer häufig genannten und beworbenen Online-Enzyklopädie, zu 22% einem amerkanisch-chinesischen Oligarchen Namens Eric Yuan. Sein Vermögen wird mit etwa 11 Mrd. Dollar angegeben.

      Und ja, daß die "Gründungsväter" eine Demokratie im Sinn hatten, ist das Märchen welches seit Anbeginn erzählt wird:

      Zu einer Elitendemokratie, wie sie sich in den gegenwärtigen Formen einer repräsentativen Demokratie ausdrückt, gibt es eine Vielzahl von sorgfältig ausgearbeiteten Alternativen, die der Leitidee von Demokratie sehr viel näherkommen. Sie werden – häufig unter Stichworten wie „partizipatorische Demokratie“, „Radikaldemokratie“ oder „Rätedemokratie“ – in der entsprechenden Literatur seit je intensiv diskutiert. Interessanterweise sind sie jedoch in der öffentlichen Diskussion praktisch nicht präsent und gleichsam unsichtbar. Diese Unsichtbarkeit von ernsthaft demokratischen Alternativen ist selbst wiederum Folge einer jahrzehntelangen Indoktrination, in der die gegenwärtige Form einer „repräsentativen Demokratie“ nicht nur als beste Form von Demokratie vermittelt wird, sondern auch als alternativlos, da sie die einzig praktikable Realisierung der Leitidee von Demokratie sei.
      (…)
      Durch die Indoktrination einer Alternativlosigkeit von repräsentativer Demokratie haben wir im gesellschaftlichen Gedächtnis die eigentlichen geschichtlichen Triebfedern dieser Form der Elitenherrschaft vergessen und sind gar nicht mehr in der Lage zu erkennen, dass die Idee einer repräsentativen Demokratie gerade zur Abwehr von wirklicher Demokratie entstanden ist.
      (Rainer Mausfeld, Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören S. 94/95)

      Unsere Demokratien sind in etwa so demokratisch, wie die KPCh kommunistisch ist.:

      Die Entwicklung des Kapitalismus in China – ein Beitrag zur LP21-Debatte

      Ich teile die Einschätzung von Winfried Wolf (Heft 47, Lunapark21), dass in China heute die kapitalistische Produktionsweise dominiert und man nicht von einem sozialistischen Land sprechen kann, nur weil dort eine nominell kommunistische Partei regiert. Er hat die Frage aufgeworfen, „wann es in der jüngeren Entwicklung der chinesischen Gesellschaft zu einem Umschlag von Quantität in die neue Qualität kam“, wann also „die von Parteiführer Deng angeschobenen ‚Reformen‘ mit ihren kapitalistischen Elementen den nichtkapitalistischen Grundcharakter der Gesellschaft aufgehoben haben“ (ebd., 42). Auf diese Frage will ich im Folgenden eingehen. Ich stimme auch Werner Rügemer (2019) zu, dass es nicht genügt, zu konstatieren, dass China ein kapitalistisches Land sei. Die konkrete Gestalt des Kapitalismus ist für die Lebensbedingungen der beherrschten Klassen von großer Bedeutung und muss auch genau analysiert werden, um eine angemessene, an die jewe iligen nationalen Bedingungen angepasste emanzipatorische Strategie und Taktik zu entwickeln. Ich sehe allerdings die Entwicklung des Kapitalismus in China nicht so positiv wie Rügemer. Auch das möchte ich im Folgenden kurz ausführen.
      (…)
      Nach Schätzungen wurden durch den Prozess der Privatisierung und Liberalisierung ehemals staatliche und genossenschaftliche Vermögenswerte im Wert von 5 Billionen US-Dollar an Kapitalisten mit engen Verbindungen zur Regierung übertragen. 2006 gab es in China 3200 Personen mit einem persönlichen Vermögen von jeweils mehr als 15 Millionen US-Dollar. 2900 von ihnen waren Kinder hochrangiger Partei- und Staatsfunktionäre. Ihr kombiniertes Vermögen wurde auf 3 Billionen US-Dollar geschätzt, was damals etwa der Höhe des chinesischen Bruttoinlandsprodukts entsprach. Nach einem anderen Bericht von 2013 beliefen sich „graue Einkommen“ aus der Korruption und dem Diebstahl öffentlicher Vermögenswerte auf ca. 1 Billion Dollar oder 12 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts von 2011. Im Oktober 2012 meldete die New York Times, dass die Familie des früheren Ministerpräsidenten Wen Jiabao Vermögen im Wert von mindestens 2,7 Milliarden US-Dollar akkumuliert hatte. Der Bericht machte klar, dass an der Korruption und dem Diebstahl öffentlichen Vermögens auch die höchsten Ränge der chinesischen Partei- und Staatsführung beteiligt sind (Li 2016, 34f). 2001 kündigte der damalige Präsident Jiang Zemin an, dass die KPCh zukünftig auch Unternehmer als Parteimitglieder aufnehmen werde. Das Vermögen der 70 reichsten Delegierten des Nationalen Volkskongresses stieg auf 89,8 Mrd. US-Dollar im Jahr 2011. Unterdessen war die Zahl der Arbeiter und Bauern im Nationalen Volkskongress von 51,1 Prozent im Jahr 1975 auf 4 Prozent im Jahr 2003 gesunken (Lin 2020, 35f).
      (…)
      Hunderte Millionen Wanderarbeiter leiden unter gleichsam frühkapitalistischen Ausbeutungsmethoden mit überlangen Arbeitszeiten, despotischen Fabrikregimen und gefährlichen Arbeitsbedingungen. Gegen die existie renden Arbeitsgesetze wird permanent in großem Maßstab verstoßen. Gleichzeitig werden Proteste, Streiks und Ansätze autonomer Organisierung immer wieder brutal unterdrückt. Diese Art des autoritären Kapitalismus ist sicherlich keine Alternative zu den westlichen Kapitalismen. Dass all dies unter der Regierung einer „kommunistischen“ Partei geschieht, ist vielmehr eine schwere Hypothek für die internationale Arbeiterbewegung und die fortschrittlichen Kräfte in aller Welt.
      https://www.lunapark21.net/ein-klassenkrieg-den-die-arbeiterklasse-verloren-hat/

      Und äußerst offenkundig hat sie ein ebenfalls weitverbreitetes Problem mit der Definition des Begriffpaares rechts und links. Dieses neben ihrem Feminismusbegriff, der sich anscheinend nur auf Äußerlichkeiten kapriziert.

      Anscheinopposition.

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