Die Helden von Kobane im türkischen Krieg

Volker Kauder an der Seite von Recep Tayyip Erdoğan

Von Ulrich Gellermann.

UNSERE Kurden! Das waren die tapferen Frauen und Männer, die Ende 2014 dem Islamischen Staat, in der Schlacht um Kobanê, eine ganze Region entrissen hatten! TV-Sendungen und Zeitungs-Seiten wussten sich vor lauter virtueller Schlachtenbummlei nicht lassen: UNSERE KURDEN! Wenn aber unsere Kurden sich in ihren traditionellen Gebieten in der Türkei gegen die Herrschaft aus Ankara wehrten, wenn sie gar in Form der PKK auf deutschem, also unserem! Gebiet, politisch agierten, dann wurden sie schneller zu Terroristen erklärt, als man Kurdistan hatte rufen können. Jetzt also bekriegt die türkische Armee auf syrischem Staatsgebiet unsere Kurden und so recht weiß der deutsche Medienmacher auch nicht: Sind es immer noch unsere Kurden oder doch Terroristen oder was?

Ziemlich sicher ist: Die Kurden sind eine ungefähr 30 Millionen starke ethnische Volksgruppe, die in der Türkei, im Irak, im Iran und in Syrien lebt. Am Rande Syriens, an der Grenze zur Türkei, streben die dort lebenden Kurden gerade einen eigenen Staat an. Auch wenn die dortige Hauptkraft PYD heißt, ist sie der PKK nahe genug, um den in der Türkei inhaftierten Abdullah Öcalan auch als ihren Führer zu begreifen. Der ist marxistisch inspiriert oder zumindest so angestrichen und kann deshalb nie und nimmer UNSER Kurde sein. Faktisch gibt es bereis einen kurdischen Staat: Die autonome Region Kurdistan, im Irak. Die gehört ebenso faktisch den USA wie der Familie Barzani, muss also eigentlich von unseren Kurden bewohnt sein, sonst hätte Frau von der Leyen doch nie und nimmer gute Gewehre von Heckler und Koch und prima deutsche Panzerfäuste dahin geliefert. Die Familie Barzani, die im irakischen Kurdistan jeden zweiten Posten besetzt, vor allem mit Masud Barzani. Der macht den Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak und ist schon lange im Geschäft. Barzanis Vater war schon mal an einer kurdischen Staatsgründung in Persien beteiligt, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Der aktuelle Barsani ist kein wirklicher Freund von Abdullah Öcalan: Bei zwei Führern ist immer einer zu viel. Das alles weiß der deutsche Redakteur nicht, er will es nicht wissen. Deshalb klatscht er immer Beifall, wenn UNSEREN Kurden Waffen geliefert werden. Was aber nun? Unser NATO-Partner Türkei bekämpft gerade unsere tapferen Kobane-Kurden.

Würden die Kurden nicht häufig auf Territorien von Verbündeten des Westens leben – der iranische Schah war lange ein Verbündeter, die Türken sind echte Super-Verbündet, selbst Assad der jüngere war mal Objekt für eine westliche Homestory – wäre längst eine internationale Kurden-Konferenz fällig. Eine Konferenz, die den Kurden zumindest kulturelle Autonomie, vielleicht sogar, dem internationalen Vertrag von Sèvres (August 1920) entsprechend, ein selbstbestimmtes Gebiet zusprechen könnte. Bis dahin aber gilt das Völkerrecht mit den dort festgelegten Grenzen. Völkerrecht? Fragt sich der NATO-Partner Erdogan, Völkerrecht? Da hält sich doch sonst niemand dran! Ob die USA, Frankreich, Großbritannien oder das neue deutsche Herausforderungs-Reich: Alle können am Himmel über Syrien einfach keine Grenzen erkennen und auch nicht auf am Boden, dort wo etliche westliche Geheimdienste und Spezialkräfte ihr Wesen treiben.

Eben, das Völkerrecht liegt am Boden, deshalb wird es auch so schnell mit Füßen getreten. Also was die Obamas und die Gaucks können, das kann unser Erdogan schon lange. Panzer und schwere Geschütze der türkischen Armee haben die Grenze zu Syrien überquert: Die Kurdenjagd, bisher auf türkisches Territorium beschränkt, ist jetzt auch in Syrien eröffnet. Das meint unser Erdogan prophylaktisch: Falls die syrischen Kurden auf syrischem Territorium einen kurdischen Staat ausrufen wollten, will lieber er die Gegend besetzen: Das alles hat doch mal zum osmanischen Reich gehört.

Jetzt hat Volker Kauder, der Weltpolitiker aus Hoffenheim, dem „Stader Tagblatt“, der Zeitung für Stade und Buxtehude, aber mal gesagt wo der deutsche Hammer hängt. Als allererstes hat er diesen fundamentalen Satz ins Unvergängliche gegossen: „Die Burka gehört nicht zu Deutschland“. Hatten wir bisher doch gedacht, die Burka sei so deutsch wie das Dirndl, wissen wir es nun besser. Und noch besser hat unser Volker auch gesagt, dass die Bundeswehr nicht wegen Erdogan in der Türkei sei und deshalb auch nicht wegen Erdogan aus Incirlik abziehen sollte. Hatten wir doch bisher angenommen, die deutschen Flieger seien wegen einer unheimlichen Liaison von Angela und Tayyip in der Türkei, wissen wir nun: Unsere Soldaten sind an der Seite eines Diktators und Völkerrechtsbrechers in der Türkei, um selbst das Völkerrecht zu brechen. Da weiß man doch was man hat. Danke Volker Kauder.

Bild: Kurdische Siedlungsgebiete

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

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6 Kommentare zu: “Die Helden von Kobane im türkischen Krieg

  1. „Die Kurden“ sind wie „Die Rebellen“ eine unhaltbare Vereinfachung. Das zahlreiche deutsche Journalisten „Die Kurden“ wie einst die Hausfrauen die Kürassiere ihres Landesvaters gefeiert haben ist dem höchst wirksamen Freund-Feindschemata zu verdanken, womit man das Interesse der Kundschaft ködert. Seltsamerweise galt dies nicht für die Tuareg in Mali, diese waren allesamt Islamisten und Verbrecher. Von den Taten der französischen und malischen Soldaten hat man nichts gehört. Es wurden lediglich Erfolge aus Afrika gemeldet.

    Assad und FSA waren stets gegen eine Verletzung der syrischen Integrität. Der IS wollte zwar den syrischen Staat liquidieren, sah aber natürlich nicht die Entstehung eines neuen Staates vor. Russland hat ebenfalls die Integrität gefordert, genau wie Iran und Hisbollah. Auch die YPG hat von Anfang an ihr Süppchen gekocht. Sie haben einen nationalen Kampf geführt, der in zahlreichen westlichen Medien nicht zur Kenntnis genommen wurde, weil man das verkaufsfördernde Freund-Feindschemata unmöglich aufgeben konnte. Dafür nannte man die ethnisch motivierte Vertreibung von Kurden im Irak durch den IS. Zurecht. Der IS ist einem arabischen Nationalismus verhaftet, was insoweit eine antikurdische Haltung miteinschließt, dass die Kurden im Irak nach Saddam Husseins Sturz maßgeblich an der Regierung beteiligt wurden und als ökonomische Gewinner aus der Nachkriegszeit herausgehen durften. Dies zeigt, dass der Konflikt nicht auf „Die Kurden“, ja nicht einmal „IS“ reduziert werden kann. Die YPG vertrieb aus Rache in den „befreiten Gebieten“ die sunnitischen Araber. Gleichzeitig expandierte sie. Die Türkei verfolgte wie die sonstigen Akteure ihre eigenen Ziele. Aber wie Assad und Russland die Kampfkraft der Regimefeinde gegen den IS lenkte, so tat die Türkei es im Bezug auf die YPG mit islamistischen Gruppen.

  2. Da mein letzter Kommentar nicht gebracht wurde möchte ich hier nochmal sagen was Erdogan ist, ihr dürft die Platzhalter nur mit euren übelsten Wortschatz belegen:
    Erdogen du bist ein ……………………………………………………………………………………………………………………………………………. !
    Für alle die wissen wollen wie die grausamen kurdischen Terroristen aussehen die Erdogan in Massen ermorden lässt, sucht einfach mal nach Kurdische Kämpferinnen bei youtube.

    • Die Verwendung von Frauen und Kindern ist perfide . Beide sind im Krieg achtenswerte Gruppen in demSinne, dass sie körperlich dem Mann in der Regel nicht ebenbürtig sind. Frauen werden im Krieg hauptsächlich aus drei Gründen verwendet. Aus Mangel, weil die Zahl der Männer ungenügend ist, siehe Israel. Aus falschverstandener Egaltität, die mit letzter Konsequenz die Auslöschung der Bevölkerung billigend im Kauf nimmt (Ein Mann und hundert Frauen können 100 Kinder zählen, 100 Männer und eine Frau 99 Tode und ein Kind), zudem eine nihilistische, antihumane Sicht von Gleichheit als wünschenswert betrachtet, als wäre das Morden durch und der Tod von Männern nicht abstoßend genug. Der dritte Grund ist die Motivation, Frauen und Kinder sind durch die drohende Gefahr des sexuellen Missbrauchs stärker motiviert, sie ziehen den Tod jeder Gefangennahme vor. Kurdische Kämpferinnen sind folglich eher zu bemittleiden, als zu heroisieren. Jeder der von Amazonen gehört hat, der weiß, dass sie letztlich erschlagen wurden. Damit will ich aber nicht generell etwas zum Einsatz von Frauen im Militär gesagt haben, so sehen US-Militärs Frauen in einigen Positionen als wünschenswert, z.B. jammern Männer bei Pflegerinnen häufiger, was ihrer Gesundung dient oder Pilotinnen, die eine vertrauliche Beziehung zu den Bodentruppen haben, die weniger von Verachtung, als Unterstützung geprägt ist.

    • Danke, aber so ganz traue ich dem nicht. Das antiimperialistische Narrativ ist einseitig gegen die USA gerichtet und vergisst, dass Russland und der Iran nichts weniger als imperialistische, im Falle des Irans hegemoniale Ziele in Syrien vertritt. Auch von dem nationalistischen Mythos des „Verrats“ (Deutschland hatte es mit der Dolchstoßlegende, in der Türkei gibt es eine ähnliche Story im Bezug zu den Arabern) kann ich nur warnen, denn die YPG hat von Anfang an als Akteuer mit eigenen Interessen mitgespielt und ging mit dem Westen nur eine Zweckallianz ein. Wer hier einen Verrat sieht, der wirft dem Westen Versprechen vor, die er nie abgegeben hat. Beweis dafür ist die Dauer, wie lange es gedauert hat, bis man sich auf eine Unterstützung der YPG geeinigt hat. Und wenn man die FSA als Konstrukt abstempelt, dann verleugnet man die starken Proteste gegen Assad und die ethnischen wie religösen Konflikte in Syrien. Sunnitische Familien haben sich von Assad losgesagt, der Sohn eines hohen Militärs ist desertiert. Es gibt eine innersyrische Koalition die gegen Assad ist. Sie kann nicht als Konstrukt abgetan werden, denn ohne eine innersyrische Gegnerschaft zu Assad, wäre der Konflikt schnell niedergeschlagen worden. Antiimperialistische Kritik ist meiner Meinung nach unzureichend.

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